Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Für einen Psychopathologie- und Emphatietest für Politiker

„Doch an der Stelle, an der heute in einer der großen deutschen Tageszeitungen eine Lobeshymne auf Mesut Özil und das neue Deutschland abgedruckt ist, stand gestern noch ein Artikel über Einwanderung in Deutschland jenseits des Fußballfelds. In diesem Text sollten Zahlen in möglichst sachlichem Ton belegen, wie wenig Deutschland all jene Einwanderer braucht, die weder lesen noch schreiben können. Solche zeugten, diesem Artikel gemäß, vor allem Profiteure, dazu fremdländische, eines unausgeklügelten Sozialsystems. Doch sie zeugen eben auch den normalen Mesut, den, dem wir nun angeblich zujubeln.

Dieser normale Mesut wird jenseits des Fußballs, in zahlreichen von Statistiken gedeckten Artikeln, als potenzieller Sozialhilfeempfänger von morgen gezeichnet, der dieses Land gewiss nicht voranbringen wird.

(…)

In einer Zeit voller psychologischer Determinierung und prophezeiender Statistiken könnte diese Fragestellung dazu beitragen, in Menschen wieder Chancen zu sehen und nicht vorhersehbare Zahlen. Ob die Eltern etwas beherrschen, spielt keine Rolle, wenn es darum geht, was ihre Kinder zu erlernen in der Lage sind. Die wesentliche Rolle spielt dabei, ob man es ihnen beibringt, zumutet und zutraut.“

Und dass – übrigens – „Sozialhilfeempfänger“ als Stigmatisierung dient, das ist nicht minder skandalös. Weil „Chancen“ wittern auf „Verwertungs- , Ausbeutungs- und Effizienz“ bezogen, gerade jene Forderung nach wechselseitiger Anerkennung im konkreten So-oder-So-Sein aushebelt, die Jagoda Marini zu recht fordert. Immerhin haben auch die Nonnenmacher und Ackermanns, die Schröders und Westerwelles herzlich wenig dazu beigetragen, dieses Land lebenswerter zu gestalten für ALLE, die hier leben und leben wollen.

Dieses Ablenkungsmanöver, das mit dem Finger auf Andere zeigen lenkt doch genau davon ab, wie Verelendung flächendeckend und bewusst forciert wird und wurde zugunsten der Gewinne weniger. Und was Eltern so alles „beherrschen“ – jener Reichenaufstand, der derzeit massenmedial flankiert hier in Hamburg gegen die Schulreform wettert, weil es doch nicht ginge, dass Kinder von Vorstandsvorsitzenden mit Arbeiterkindern auf dem Schulhof spielten, zeigt einmal mehr, was in den angeblich „leistungstragenden“ Schichten für ein faschistoides Gedankengut gepflegt wird.

Wie zur Bestätigung dessen, was Jagoda Marini schreibt, tun nunmehr im allgemeinen Gerangel darum, wer nach Koch und Rüttgers das „konservative Profil“ der Union mit Ecken und Kanten versehen könnte, Peter Trapp und Markus Ferber z.B. sich hervor:

„Der innenpolitische Sprecher der Berliner CDU, Peter Trapp, sagte der „Bild“-Zeitung: „Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserm Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein. Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern.“

(…)

Der Chef der CSU-Europagruppe, Markus Ferber, sprach sich für eine einheitliche europäische Neuregelung der Zuwanderungspolitik aus und verwies in diesem Zusammenhang auf das Beispiel Kanadas: „Kanada ist da viel weiter und verlangt von Zuwandererkindern einen höheren Intelligenzquotienten als bei einheimischen Kindern. Humane Gründe wie Familiennachzug können auf Dauer nicht das einzige Kriterium für Zuwanderung sein.““

Irgendwie muss man die kolonialen Strukturen ja aufrecht erhalten. Ich plädiere im Gegenzug für einen Emphatie- und Psychpathologietest für Politiker – und wer da niedrige Punktzahlen erhält, sollte wegen Intelligenzbestientum nach Kanada ausgewiesen werden, um dort den IQ der Durchschnittsbevölkerung anzuheben. Jubelnd werden sie solch großen Geistern wie Markus Ferber und Peter Trapp den roten Teppich ausrollen …

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