Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Ich würde mal sagen: Perfekt integriert!

Ins Land, das im Namen des „Deutschen“ die Shoah so perfekt und reibungsfrei organisierte und am liebsten Volksgruppen nach rassifizierten Klassifikationssystemen sortiert, sei es es bei der Diskussion von Viertel- und Halbdeutschen im Falle der Nationalmannschaft oder auch bei der permanenten Ethnisierung durch das Beschwören von „Migrationshintergründen“, passt der folgende Vorfall doch prima:

„So meint ein 18-Jähriger aus dem Libanon, der nicht namentlich genannt werden will: „Ein Jude ist ein Jude, ein Araber ist ein Araber. Egal, ob die beim Tanzen oder Kriegmachen sind, die hassen sich.“ Er glaubt, dass der Nahostkonflikt die Attacke auf dem Fest provoziert habe. Sein Kumpel sagt bloß: „Scheißjuden!““

Nicht, dass diese Ethnifizierungen nun zwischen Persern und Arabern nicht aufträten – aber das ist u.a. auch der Effekt dessen, dass die politische und ökonomische Dimension der Rezeption des „Nahost-Konfliktes“ verdrängt wird,  auch hierzulande das „Ethnische“ in den Mittelpunkt rückt und insbesondere „Migrantenkindern“ Antisemitismus pauschal angedichtet wird. Dass dann diese in der Tat perverse „Ethnifizierung des Antisemitismus“ wirkt und die zum Teil so werden, wen wundert’s?

Zudem, mal ab davon: Die Geschichte des Libanon steht in den letzten 50 Jahren hier nun auch nicht gerade ganz oben auf der Agenda. Erinnere mich da an christliche Milizen …

Es ist nichtsdestotrotz ein wenig grotesk, dass Menschen in einem Land, dass die industrielle Massenvernichtung von Juden betrieben hat, Antisemitismus als Import zu deuten versuchen. Hitler ist hier Medienstar! Exportgut! Die ganze Welt kauft Knopp! Selbst Gerald Asamoah nennt man sogar im St. Pauli-Forum wie Hitlers Schäferhund – witzig!

Statt darüber zu räsonnieren, formuliert auch der verlinkte Artikel den Antisemitismus bei so genannten „Migranten“ als Regel, andere Perspektiven als Abweichung:

„Tröstlich ist immerhin: Einige Kinder und Jugendliche sind auch ohne Bildungsmaßnahmen in der Lage, Antisemitismus zu erkennen. So auch der zwölfjährige Ferdi aus der Türkei, der mit seiner Schwester Songül den Vorfall selbst miterlebte. Die Geschwister sind sicher: Anstifter seien zwei Brüder im Alter von gerade mal elf und acht Jahren aus dem Libanon gewesen.“

Generalisierung von Negativ-Sterotypen bei der „Fremdgruppe“, von Positivstereotypen bei der eigenen: DAS ist struktureller Antisemitismus. Obgleich doch im selben Artikel das Gegengift zu den Lügen auch präsent ist:

„Vorurteile von Deutschen und Migranten gleichermaßen kennt der 48-jährige Sinto Eduard Schmidtbrandt aus eigener Erfahrung: „Ich wohne seit 1979 her und bin auf der Straße schon oft als ‚Scheißzigeuner‘ beschimpft worden – von Deutschen und Ausländern.“

Womit all diese Externalisierungen von Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Rassismus, also Antisemtismus, an die „Migranten“, die solcherlei Seuchen einschleppen in den blitzreinen deutschen Volkskörper, der Lüge gestraft werden. Sahlkamp kenne ich nun zufällg noch, eine schon in den frühen 80ern finstere Gegend für Marginalisierte. Und die Kids, die da Steine warfen, sind vermutlich HIER aufgewachsen, einem Land also, in dem ethnifizierte Deutungsmuster gerade in dem aktuellen „Multikulti-Mannschaft, die die Nazis nicht mögen“ geradezu überpräsent sind, es sei noch einmal betont. Dabei raus kommt, was Aiman Mazyek treffend diagnostiziert:

„Oft sind es Gruppen, die sich ausgrenzt fühlen und dann aus diesem Gefühl andere diskriminieren. Dieses Phänomen ist bekannt, und wir müssen es ernst nehmen, ohne dass wir die Taten entschuldigen.“

Ja, eben. Und genau deshalb ja aktuell „Brot und Spiele“  beim Public Viewing für all die zunehmend Deklassierten – ja, auch und gerade jene sind damit gemeint, die sich als „deutsch“ definieren. Anstatt dass sich die Deklassierten, Marginalsierten und Ethnifzierten untereinander solidarisieren, bewerfen sie sich wechselseitig mit Steinen. Sie sind halb „typisch deutsch“ in dieser Hinsicht, unsere „Migranten“kinder: Klasse durch „Ethnie“ ersetzen und dann draufhauen.

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Eine Antwort zu “Ich würde mal sagen: Perfekt integriert!

  1. DDH Juni 27, 2010 um 12:30 am

    Da haste recht!

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