Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Noch mal „Homonationalismus“

„Homonationalism – Homonationalismus

In Anlehnung an Lisa Duggans Begriff der Homonormativität, einer neoliberalen Sexualpolitik, die von einer apolitischen, ins Private zurückgezogenen, von Häuslichkeit und Konsum bestimmten Gay Culture gestützt wird und dominante heteronormative Diskurse nicht mehr in Frage stellt, sondern sie aufrecht erhält (vgl. Puar, 2007: 38), führt Puar den Begriff des homonormativen Nationalismus oder kurz: des Homonationalismus ein. Darunter versteht sie homonormative Ideen, welche die Mainstream-Ideale von Race, Class, Gender und Nation reproduzieren, sich zu den heteronormativen Ideologien, die den US-Nationalstaat stützen, hinzugesellen und diese untermauern, anstatt sie kritisch in Frage zu stellen. Queerness wird hier also nicht als automatisch progressiv oder transgressiv gedacht, sondern als Gefüge, das ebensogut Mainstream-Diskurse reproduzieren oder begünstigen kann. Ein Beispiel für einen homonationales Diskursfeld ist die Unterstützung des War on Terror durch GLTBQ-Initiativen, die mit der vermeintlichen Notwendigkeit der „Befreiung irakischer Homosexueller“ begründet wird. Homonationalismus stellt also eine Art heimliches Einverständnis zwischen Homosexualität und amerikanischem Nationalismus dar. Mit Hilfe von homonationalistischen Ideologien, wie z.B. der orientalistischen Heraufbeschwörung der Figur des Terroristen (vgl. Puar, 2007: 39) wird diskursiv zwischen „aufrechten“ homo- und heterosexuellen US-Patrioten und „rassisch“ wie sexuell als pervers klassifizierten Others unterschieden.“

Finde immer noch, dass das im Kontext queerer Selbstkritik zwar viel Sinn macht, als Begriff aber völlig ungeeignet ist, kritisches Potenzial darüber hinaus zu entfalten. Weil all diese Mechanismen auch ohne „Homos“ problemlos greifen und Mensch ohne eine solche Diagnose Nationalismus genau so gut geißeln kann, ohne nun Schwule zur heimlichen „Trägerschicht“ des Nationalismus zu machen – ein in der Neuen Rechten ja beliebtes Verfahren.

Die Instrumentalisierung von Juden und Schwulen beim „Kanackenbashing“ ist schlimm und gruselig genug; so wird das Ganze wie so nur allzu oft gegen alle drei Parteien  gleichzeitig gewendet und nicht gegen jene ökonomischen Kreise, die von Nationalismus immer schon prima lebten und in deren Fall es schlicht unerheblich ist, ob sie nun schwarz oder weiß, Ölmagnaten oder Ackermanns, schwul oder sonstwas sind. Mensch kann und muss das Patriachat, Sexismus, Rassismus, Homophobie und Kapitalismus ohne solche seltsamen Zuweisungen kritisieren und bekämpfen.

Und ich stelle mir schon die ganzen linksspießigen, insgeheim Homophoben vor, wie sie endlich einen Grund haben, mit „Fight Homonationalism“-T-Shirts durch Ottensen zu laufen, ihre Kinderkarren hochaggressiv vor sich her schiebend … solche Begriffe zündeln.

40 Antworten zu “Noch mal „Homonationalismus“

  1. Katzenblogger Juni 21, 2010 um 12:24 pm

    Aggressives Schieben von Kinderwagen?? Wie sieht sowas aus? Ein Terminator-Nachahmer mit Blondchen, der mit einem „wilsse was auffe Schnauze“-Blick alle entgegenkommenden Passanten auf den gegenüberliegenden Bürgersteig scheucht? Ist doch absurd. Ich kann aber nicht ausschließen, dass es sowas gibt. Ich kann sogar verstehen, dass diejenigen, die ihren Kindersegen offensiv zur Schau tragen und dabei sich und das Kinderhaben geradezu inszenieren, manchmal etwas nervig sind. Obwohl, also wirklich, in wirklich nerviger Form ist sowas doch selten – oder? Ich kenne sowas nicht, wobei, mich nerven Kinder und die dazu gehörigen Eltern auch nicht. Der Kindergarten direkt vor meiner Haustür, zum Beispiel, das ständig zu hörende Kindergequarke, ja, ich find sowas schön. Andere kriegen davon Pickel auf der Haut. Nunja. Die Menschen sind halt verschieden, ich wüsste jedenfalls keinen Grund, irgendwem sein Empfinden vorschreiben zu wollen. Die Frage ist trotzdem, ob das eigene Empfinden realistisch ist. In bestimmten Maß lässt sich das wohl nur subjektiv beantworten.

    Aber die Vorstellung, dass auch nur irgendwer, geschweige denn ein heterosexueller Normalo, mit einem T-Shirt „Fight Homonationalism“ durch die Gegend rennt, ist in meinen Augen völlig absurd. Solche Leute gibt es nicht.

    Wobei man sich ja mitunter wundert, was es so alles gibt – zum Beispiel grenzdebile und dümmste Vorurteile wiederkäuende CDU-Kreisgeschäftsführer, die sich als Hoffnungsträger der eigenen Partei vestehen, und schlimmer noch, als solche verstanden werden.

  2. momorulez Juni 21, 2010 um 2:20 pm

    „Aggressives Schieben von Kinderwagen?? Wie sieht sowas aus?“

    Geh mal über die Schanze oder durch Ottensen und achte auf die Mütter (!!!) 😉 – hallelujah! Natürlich die bildungsbürgerlichen. Das ist auch nicht selten.

    Mich nerven Kinder oder Mütter im Generellen auch nicht – ich wohne direkt an einer Schule, und die Babies im Hinterhof, wenn die schreien, dann packt mich eher tiefe Emphatie.

    Das ist so ein bestimmter Typus, bei dem ich die Krise kriege. Die „Proll“-Mütter sind oft viel lustiger und selbstverständlicher als diese ekle GRÜN-Wähler-Posse. Mein Lieblingsthema. Die machen mich irre.

    „geschweige denn ein heterosexueller Normalo, mit einem T-Shirt „Fight Homonationalism“ durch die Gegend rennt, ist in meinen Augen völlig absurd. Solche Leute gibt es nicht.“

    Das würde ich vehement bestreiten -na gut, wasauchimmer man unter Normalo nun gerade versteht. Der empörungswillige Linksspießer macht das sofort, wenn es sich als Antirassismusarbeit verkaufen lässt und es ihm lange genug eingeredet wurde. Was jetzt ausdrücklich nix gegen Antirassismusarbeit sagen soll.

    Der CDU-Kreisgeschäftsführer, der würde das allerdings nicht tun. Der ist in seiner Ressentimentstruktur ja ganz anders gestrickt und will gleich alle ausweisen und nur Hetero-Beziehungen im staatlichen Rahmen positiv sanktioniert sehen. Auf irgendeine ist der sogar ehrlicher. Und trotzdem schlimmer, klar.

  3. Nörgler Juni 21, 2010 um 5:15 pm

    Die werden das nie schnallen, dass Nichtzeuger ihnen und ihrem Gewusel das Kindergeld, die Krankenkasse, Kita, Schule, Uni und all den Kram zahlen, mit denen sie vorne und hinten gepampert werden. Dass ich zahle, stört mich nicht; schließlich zahle ich auch für noch Schlimmeres wie Bankster, obszön überversorgte Politiker und Zivilisten-Killer in Afghanistan.
    Aber dass die Bande auch noch frech wird, wenn man sich über den in die Achillessehne gerammtem Kinderwagen beschwert, oder mal nachfragt, wenn das Blag ein Kfz als Torwand nutzt, während die Eltern daneben stehen – das, so meine ich, habe ich denn doch nicht verdient.

  4. mark793 Juni 21, 2010 um 5:34 pm

    @noergler: Wenn die das tatsächlich nicht schnallten, dann wäre das womöglich noch das kleinere Übel. Ich fürchte, diese Muttis schnallen das ganz genau und glauben auch noch, diese ganzen direkten und indirekten Bockprämien wären ja wohl auch das Mindeste, was ihnen und ihrem Prädikatsnachwuchs auch von Rechts wegen zusteht.

  5. momorulez Juni 21, 2010 um 7:25 pm

    Ich merke, ihr wisst, was ich meine 😉 …

  6. Nörgler Juni 21, 2010 um 9:37 pm

    Ja, Mark, stimmt. Ich hörte es mit eigenen Ohren, als bei einer Diskussion mit Eltern ein Dritter so etwa meine obigen Inhalte in höflicher Formulierung darbot, und eine Mutti daraufhin sich darüber empörte, dass die Kinder doch mehr kosten, als das Kindergeld beträgt. Das heißt, es wurde Beschwerde darüber geführt, dass der Steuerzahler nicht 100% der Kosten trägt. Die Perspektive dieser Leute ist nicht, wie die Gemeinwesen die Familien unterstützt, sondern wie Mami & Papi sich vielmehr für das Gemeinwesen aufopfern.

  7. Nörgler Juni 21, 2010 um 9:39 pm

    Äh, „das Gemeinwesen“ natürlich.

  8. Katzenblogger Juni 21, 2010 um 11:01 pm

    Am gemeinen Wesen der kleinen Wesen sollen wir genesen.
    😉

  9. mark793 Juni 22, 2010 um 4:25 pm

    @Katzenblogger: Yep! Ich gehe ja (auch als praktizierender Papi) regelmäßig steil, wenn in einschlägigen Diskussionen Kinderlosigkeit mit Egoismus gleichgesetzt wird. Dabei gibt es doch bei Licht besehen kaum etwas egoistischeres als den Versuch, die 23 eigenen Chromosomen in die nächste Runde zu retten und dafür auch noch alle möglichen Benefits in Anspruch zu nehmen. Die Annahme, dass das auch der Gesellschaft nütze, basiert doch auf der ziemlich unsicheren Prämisse, dass der eigene Prädikatsnachwuchs auch tatsächlich eine ordentliche und lückenlose Erwerbskarriere hinlegt. Aber dass die Rechnung auch aufgeht, halte ich nicht für gottgegeben und unhinterfragbar. Zudem kenne ich Kinderlose, die der Gesellschaft schon hier und heute sehr viel mehr geben als viele Eltern, denen für ehrenamtliche Tätigkeiten oder kulturelles Engagement jenseits des Elternbeirats in der Kita kaum Zeit bleibt, selbst wenn der gute Wille da ist. Ich fände es ehrlicher zuzugeben, dass man mit den Kurzen seinem Privatspaß frönt.

  10. che2001 Juni 22, 2010 um 4:57 pm

    @“Dabei gibt es doch bei Licht besehen kaum etwas egoistischeres als den Versuch, die 23 eigenen Chromosomen in die nächste Runde zu retten und dafür auch noch alle möglichen Benefits in Anspruch zu nehmen.“ —- Darüber gibt es sogar ein eigenes buch, nämlich „Das egoistische Gen“. Ein furchtbar biologistisches Machwerk, aber wenn schon Mainstream-Intentions, dann richtig. Da sind dann zumindest die Vermehrer die konsequentesten Egoisten. Abgesehen davon: die Frage des Kinderindieweltsetzens hat sich mir niemals gestellt, ich hätte gar nicht die Möglichkeit gehabt,mich dafür oder dagegen zu entscheiden.

  11. Katzenblogger Juni 22, 2010 um 5:40 pm

    Er ist den Frauen eben hilflos ergeben…

  12. che2001 Juni 22, 2010 um 6:46 pm

    Nein, vom Liebesleben der Vermehrer so weit entfernt, als ob das auf einem anderen Planeten stattfände.

  13. Katzenblogger Juni 22, 2010 um 6:56 pm

    Ich wollte auch andeuten (etwas indirekt und verquer), dass die Unfreiwilligkeit bzw. Zufälligkeit der Zeugung den Gedanken fernliegend macht, dass das kleinfamiliäre Glück als Lebensentwurf (bzw. Zufälligkeit) einen Anspruch auf moralische Überlegenheit erheben kann. Das ist halt klassisch Privatleben. Insofern finde ich es reichlich daneben, Kinderlosigkeit als Versagen (genauso schlimm: als positives Ziel) zu verstehen.

    Nur denke ich, dass – abgesehen von ein paar Dämlacks – es eher selten sein dürfte, dass Familien den Kinderlosen die Kinderlosigkeit zum Vorwurf machen. Und falls ja, meist genügt ein niedlicher Hund, um das „der ist einer von uns“ bei diesen Leuten auszulösen.

  14. momorulez Juni 22, 2010 um 7:39 pm

    „Nur denke ich, dass – abgesehen von ein paar Dämlacks – es eher selten sein dürfte, dass Familien den Kinderlosen die Kinderlosigkeit zum Vorwurf machen“

    Katzenblogger, mit Verlaub: Manchmal unterschätzt Du die Gemeinheit des deutschen Alltagslebens. Wobei dieser Vorwurf noch häufiger Frauen gemacht wird, denke ich, als Männern.

    Und gerade eben in der FR gelesen, dass die einzigen, deren Steuerlast – wirklich nur Steuer, nicht Sozialabgaben – seit 2000 gestiegen sind, die Alleinerziehenden (bzw. Alleinstehenden mit Kind) sind, auch bemerkenswert. Und das Alleinstehende ohne Kind die mit Abstand höchsten Sätze haben. Wobei ich letzteres übrigens völlig in Ordnung finde, ersteres nicht; umgekehrt aber belegt das, wie prioritär dieses Kleinfamilienfamilienmodell in wirklich allen Belangen ist.

    Würde jetzt Che mit seiner Schwester oder 2 GenossinInnen, mit der er gerne eine WG gründen und die nächsten 40 Jahre zusammen leben möchte, ein Kind adoptieren – probier das mal. Da muss man zumindest lügen. Wobei ich individualbiographisch die Erfahrung gemacht habe, dass es gerade das Umfeld – Nachbarn, der Freundeskreis meiner Mutter – war, der für mich im positiven Sinne prägend war und mich vor manchem „gerettet“ hat, später auch Lehrer in bestimmten Hinsichten. Wäre da nur die „Kernfamilie“ gewesen – Horror!

    Das ist jetzt auch noch eine Antwort auf die Frage in dem anderen Thread, passte hier aber auch gerade, auch zu dem, was Mark geschrieben hat.

    Weil diese Beziehungsgeflechte ja wichtig sind, und es fatal ist, wenn Eltern in Unkenntnis ihres eigenen Egoismus zu fordernd und „gluckig“ werden (auch Väter) – und die ärmsten Säue sind gar nicht Kinder von Alleinerziehenden, Unfug, sondern jene, deren Eltern sich zu stark abkapseln.

  15. C.K. Juni 22, 2010 um 8:02 pm

    Als Aussenstehender (also ich) erlebt man den Druck den die sich gegenseitig machen ja gar nicht. Ich glaube da kommt auch das aggressive Rumschieben her. Der Prenzlberg ist ja das Berliner Gegenstück zu Ottensen und ich kenne tatsächlich junge (alleinerziehende) Mütter die hier weggezogen sind, weil sie das Benchmarking auf dem Spielplatz nicht mehr ertragen haben. Oder die Grüne-Mütter-Mafia, die einen vom Spielplatz wirft, weil man es wagt zu rauchen. Oder die Gespräche wie toll alternativ hier doch alles ist. Gut, der einzige Türke weit und breit arbeitet im Späti und fährt nachst zurück nach Kreuz-Kölln, aber tooooll alternativ hier.

    Ich kann es ja verstehen. Ein verdammtes Paradies. Ein Dorf mitten in der Metropole. Natürlich wird das mit Klauen und Zähnen verteidigt. Oder mit Mietpreisen. Ich verlange ja nicht das die sich ändern. Ich will nur dass sie zugeben, dass sie Spiesser sind 😉

  16. momorulez Juni 22, 2010 um 8:17 pm

    Ja, ich auch 😉 … und das stimmt natürlich, dass der Druck, der sich gerade unter Eltern im linksaltertaiven Milieu (oder solchen, die sich dafür halten) aufbaut, immens ist. Da verstreiten sich ja welche komplett, wenn die einen das Baby bei den Eltern schlafen lassen, die anderen nicht, und in einem schrecklichen Brei aus Moral, Schuld und Aggression versinkt das Leben …

  17. Katzenblogger Juni 22, 2010 um 8:21 pm

    Vielleicht gehört das zu den Spätfolgen des (über)politisierten Privatlebens (bzw: „das Private ist politisch“). Ganz ernsthaft, ich denke da ist etwas dran.

  18. momorulez Juni 22, 2010 um 8:44 pm

    Nee. Glaube ich nicht. Der Slogan „das Private ist politisch“ ist ja zum einen wahr und war zum anderen gerade gegen dieses bürgerlich-christliche, durch Internalisierung wirkende Zwangsregime gerichtet, dass den Leuten sogar noch suggeriert, sie seien defizitär und schuldig, wenn sie in seinem Rahmen nicht glücklich sind.

    Das ist christlich-protestantisch und somit eher durch das Private selbst definiert. Und es korreliert mit dem Arbeitsethos, um das kapitalistische Sytem selbst aufrecht zu erhalten – um mal so ganz auf die altlinke Kacke zu hauen :-d … Frauen kettet es durch Aufbürdung der Verantwortung für alles Emotionale und den Beziehungshaushalt ans Private, während Männer im öffentlichen Raum Status zu gewinnen suchen. Alter feministischer Kritikansatz. Und vielleicht ist dieses demonstrative Muttersein der „Versuch“, selbst eben auch Status im öffentlichen Raum zu generieren. Eigentlich wollen die ja Anerkennung. Und wir enthalten sie ihnen vor, wir Schweine 😉 …

  19. che2001 Juni 22, 2010 um 9:50 pm

    @ „Würde jetzt Che mit seiner Schwester oder 2 GenossinInnen, mit der er gerne eine WG gründen und die nächsten 40 Jahre zusammen leben möchte, ein Kind adoptieren“ —ins Schwarze getroffen, ich war ja sogar mal für die Tochter meiner Schwester der Vater, und der leibliche Vater unterstellte uns eine inzestuöse Beziehung. Ein Typ, der Frau als Besitz verstand. Sowas gibt es immer noch, da sollte sich niemand etwas vormachen.

    @“Nee. Glaube ich nicht. Der Slogan „das Private ist politisch“ ist ja zum einen wahr und war zum anderen gerade gegen dieses bürgerlich-christliche, durch Internalisierung wirkende Zwangsregime gerichtet, dass den Leuten sogar noch suggeriert, sie seien defizitär und schuldig, wenn sie in seinem Rahmen nicht glücklich sind. usw ff.“ — Ganz genau so ist das, 100 %ACK

  20. momorulez Juni 23, 2010 um 12:36 am

    @Katzenblogger:

    Noch eine Perspektive dazu:

    „Nur denke ich, dass – abgesehen von ein paar Dämlacks – es eher selten sein dürfte, dass Familien den Kinderlosen die Kinderlosigkeit zum Vorwurf machen“

    hat Netbitch eröffnet:

    http://netbitch1.twoday.net/stories/6389896/

  21. Nörgler Juni 24, 2010 um 9:57 am

    „Vielleicht gehört das zu den Spätfolgen des (über)politisierten Privatlebens (bzw: „das Private ist politisch“). Ganz ernsthaft, ich denke da ist etwas dran.“
    Da wären abermals „die 68er“ schuld. Ist dem Katzenblogger klar, auf welcher Welle er da surft?

    In dem Eintrag „Was ich den letzten Tagen gelernt habe“ ist auch davon die Rede, wie die bürgerliche Gesellschaft ausgerechnet den von ihren weniger erfreulichen Seiten Betroffenen gerne die Schuld für eben diese Zustände zuweist. Der Hartzvierer ist der Blutsauger am Volkskörper, und „die 68er“ sollen die von ihnen bekämpften Grottigkeiten nicht vorgefunden, sondern selber erst erzeugt haben.

    In den Kommentaren zu einem Eintrag über Kinderprügler und-ficker der RKK in Dons FAZ-Blog schrieb ein Vollhorst wörtlich: „Alle Probleme, mit denen wir heute zu tun haben, gehen auf die 68er zurück.“
    Der Mann bezeichnet sich übrigens selbst als „fröhlichen Liberalen“.

    Dabei hat die Forschung längst geklärt, daß der durch die bürgerliche Gesellschaft geschaffene Fundamentalwandel von Kindheit – diese Gesellschaft hat „Kindheit“ als eigenständige Sektion des Dasein überhaupt erst installiert! – etwas mit der Durchsetzung des Privateigentums als herrschende Form zu tun hat. In diese Richtung ist zu schauen, was in den vorangegangenen Äußerungen von Momorulez und Che denn auch geschah.

  22. DDH Juni 27, 2010 um 2:34 am

    „…ohne nun Schwule zur heimlichen „Trägerschicht“ des Nationalismus zu machen – ein in der Neuen Rechten ja beliebtes Verfahren.“

    Auch Libertarismus-Verräter André F. Lichtschlag versucht das historisierend, indem er die Homosexuellen zur heimlichen „Trägerschicht“ des National-Sozialismus herbeihalluziniert, als Beleg dienen ihm ein paar bereits 1934 ausgeschaltete SA-Größen.

  23. momorulez Juni 27, 2010 um 8:11 am

    Ja, die Nummer ist mir halt in den Blogger-Jahren aus allen Ecken immer wieder entgegen gespritzt – die Mutterkreuze sammelnde Katholiken mit ihren Kleinfamilien sind in diesem „bürgerlichen“ Szenario dann der Hort des Widerstands gegen die Eindringlinge gewesen.

    Es gibt auch feministische Theorien, die das „3. Reich“ in Gänze zum schwulen Projekt erklären. Weil Männer untereinander doppeltes Patriachat sind und alle nur scharf auf die HJ-Jungs waren. Und überhaupt, diese heroischen Statuen von dem Breker. Undsofort.

  24. Karsten Juni 27, 2010 um 7:02 pm

    Ihr wisst aber schon, wie ihr mein „virtuelles Wohnzimmer“ fertiggemacht hättet, wenn wir da derartig gegen „Linksspießer“ geschossen hätten? 🙂

    Übrigens stimme ich in dem Bereich zu, Und auch hier:

    Und vielleicht ist dieses demonstrative Muttersein der „Versuch“, selbst eben auch Status im öffentlichen Raum zu generieren. Eigentlich wollen die ja Anerkennung. Und wir enthalten sie ihnen vor, wir Schweine 😉 …

    Das Vorhergehende ist natürlich auch nicht blöd. Aber hier trifft Momo m. E. den Nagel auf den Hintern.

  25. momorulez Juni 27, 2010 um 7:20 pm

    Ihr hättet ja auch aus der falschen Hecke geschossen 😉 …

  26. Rayson Juni 27, 2010 um 10:44 pm

    Notwendigerweie.

    Kleiner Nachtrag zum Thema: „Ich habe hier einen Kinderwagen und ich werde ihn benutzen!“ (In Abwandlung des Esel-Zitats aus Shrek I, das sich natürlich seinerseits abwandelnd auf bekannte Filme und Serien bezieht).

    P.S:: Für DDH war nur ein Nickname nie genug. Ich mag ihn trotzdem 😉

  27. momorulez Juni 28, 2010 um 8:47 am

    Wirst Du Vater?

    PS: DDH finde ich auch immer völlig in Ordnung.

  28. Nörgler Juni 28, 2010 um 9:10 am

    Dass der NS Männersache war und „die Frauen“ sich im Widerstand befanden, erklärte schrill und hocherregt eine Kommilitonin in den 70ern in einem Seminar. Wir hatten gerade eine Doku gesehen, in der Frauen mit orgasmushaft verzückten Gesichtern dem Führer zujubelten.
    Ein Kommilitone darauf höhnisch: „Jaja, ihr Mädels seid schon in Ordnung.“

  29. che2001 Juni 28, 2010 um 9:21 am

    All diese schrecklichen Zurichtungen kreisen doch nur um die Kleinfamilie als normativen Mittelpunkt der Gesellschaft, die nichts Anderes ist als die soziale Ausformulierung der Werform – sie ist halt für den Kapitalismus das relative Optimum. Ob Märkte durch staatliche Konjunkturmaßnahmen und besitzstandswahrende Leistungsbezieher gestört werden, wie die Marktradikalen oder durch Großkonzerne, Steuerhinterzieher und Kartellabsprachen, wie die Linksliberalen meinen, beide Ansätze verkennenh, dass Elend, Verarmung und Ungerechtigkeit durch die Märkte erst erzeugt werden. Homophobie, Rassismus, Sexismus hängen untrennbar damit zusammen, die Frage ist wie, und wieweit sich da was gegenseitig konstituierte. Ich glaube daran, dass man tatsächlich Marx gelesen haben muss, um diesen Zusammenhang zu sehen (das war jetzt ein Zaunpfahl).

  30. momorulez Juni 28, 2010 um 9:33 am

    Ja. Du meintest Warenform, oder?

    Auch deshalb oben der Link zum Artikel über die Umbrüche auf dem Prenzlauer Berg. Und je mehr terrroristische Krisenschocks im Naomi Kleinschen Sinne auf die Leute einprasseln, desto mehr bilden sie sich ein, ihr Kleinfamilienglück sei letzte Bastion gegen all die Veränderungen, ein Druck, den so eine Form gar nicht aushalten kann. Aber um so aggressiver wird sie demonstrativ zelebriert, überall und allerorten, das ganze Fernsehprogramm besteht daraus – auch, weil andere solidarische Bezüge zunehmend verschwinden, mal ab von deren Suggestion im „Party-Nationalismus“ beim Public Viewing. Und um so ausgrenzender agiert sie.

  31. Nörgler Juni 28, 2010 um 2:21 pm

    Nur mal so zur aktuellen Dokumentation:

    Zu Dons aktuellem FAZ-Blogeintrag „Moderne und Absolutismus 3: Der Ämterkauf“ findet sich im Kommentarthread eine „Rosinante“, die schreibt (27. Juni 2010, 10:46):

    „Der Krieg zerstört materiell; der potentielle Faschismus der EU (Finanzausgleich/Wirtschaft, Bologna-Nivellierung/Bildung, Adoptionsrecht für Schwule und Lesben/Pseudohumanisierung der Anthropologie und der Künste) „nur“ psychophysisch. Dies ist zwar auch nicht lustig, aber eher zu reparieren (die Mütter dürfen jetzt nicht aufschreien, denn wer fundamentalen Pazifismus säht, wird Krieg ernten).“

    Da gibt’s allerdings Gegenwind, nicht nur von mir, und auch für die Nummer mit dem Pazifismus.
    Die an Rosinante bereits mehrfach gestellte Frage, inwiefern und was ein solches Adoptionsrecht ‚psychophysisch zerstört‘, ist noch nicht beantwortet.
    Aber diese Fragen-Nichtbeantworter treten ja auch anderswo auf.

  32. momorulez Juni 28, 2010 um 2:32 pm

    Diese seltsame Kulturschock-Reihung, in der dann neben allerlei Ungemach und Ätzendem ganz plötzlich Homo-Ehe und Adoptionsrecht als irgendwas auftaucht, was es den Leuten so schrecklich schwer machen würde, kulturellen Wandel zu verarbeiten, die ist mir in letzter Zeit häufiger über den Weg gelaufen. Zudem bisher bis zu Däubler-Gmelin das „Kindeswohl“ da instrumentalisiert wurde, nun isses gleich die ganze Mehrheitsgesellschaft, die da „verdauen“ müsse – oder aber gleich „psychophysisch“, Kriegen gleich, zerstört würde. Was Schwule und Lesben und all die die anderen fortwährend „psychophysisch“ zerstört, das ist in so einem Rahmen schllichtweg unerheblich. Weil ja zudem immer ignoriert wird, was all diese Ausgrenzungs- und Abweichungs- und Pathologisierungsdiskurse auch mit den „Normalen“ machen. Wofür solche Kommentare ja Symptom sind.

    Der Text vom Don ist übrigens großartig.

  33. Nörgler Juni 28, 2010 um 2:41 pm

    Ja, das ist er. Ich lese seine Einträge regelmäßig.

  34. momorulez Juni 28, 2010 um 3:09 pm

    Habe die Diskussion gerade noch mal quer gelesen, das ist ja ziemlich unglaublich, auf Deinen Einwurf so zu antworten:

    „Aus diesem einseitigen Denken, welches in der DDR als Antifaschismus etikettiert war, entwickelten sich jene Denkmuster, denen Sie, unellen, und Sie, Nörgler, Ihre Empörung verdanken. Es wird Aufgabe der historischen Forschung in den nächsten Jahrzehnten sei, die Formen des linken Faschismus mit jener Akribie zu untersuchen, mit der jener der Rechten zuteil wurde. Die Verbrechen der Linken sind so montrös, dass jede Rechtfertigung nicht einmal Mitleid verdient. Das schlimmste ist, es fehlt jedes Unrechtsbewusstsein. Aber es fehlt nicht an Arroganz, mit diesem Dünnpfiff weiterhin die Welt retten zu wollen. Der letzte Halbsatz kommt Ihnen vielleicht bekannt vor. Nur aus anderem Kontext.“

    Und dann gar nicht mehr. „Homosexualität“ war meines Wissens z.B. in der DDR verboten, westliche Dekadenz sei das, und ironischwerweise hatte der erste DEFA-Spielfilm „Coming Out“ am Abend des 9. November 1989 Premiere.

    Da liest man aber mal wieder, was für obskure Auswüchse dieser Kampf gegen „Political Correctness als Linksfaschismus“ so hervor bringt.

    Für die anderen, die evtl. mit lesen:

    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/06/26/moderne-und-absolutismus-3-der-aemterkauf.aspx

  35. che2001 Juni 28, 2010 um 4:48 pm

    Sich pausenlos darauf berufen, dass eins und eins zwei ist, und dass nur wahr, was einfach und verständlich ist, damit beginnt bereits der Extremismus der Mitte.

  36. Karsten Juni 28, 2010 um 8:09 pm

    nun isses gleich die ganze Mehrheitsgesellschaft, die da „verdauen“ müsse – (…) Was Schwule und Lesben und all die die anderen fortwährend „psychophysisch“ zerstört, das ist in so einem Rahmen schllichtweg unerheblich.

    Nein, ist es doch gar nicht. Und darum geht es mir – und vermutlich auch Rayson – gar nicht. Es ist doch kein „Oh, du darfst die armen Majorisierten doch nicht belasten, die würden doch leiden, lass uns das lieber mit den Marginalisierten machen“. Es ist vielmehr ein „Wir wollen das ja, das Adoptionsrecht, die Schwulenehe usw. usf. Aber wenn wir das so schnell machen, dass die Leute es nicht mehr verpacken, könnten sie auf die Idee kommen, mal wieder darauf zu setzen, dass sie die Mehrheit sind. Und so reagieren, wie sie es schon öfter gemacht haben – mit Vernichtung statt Ausgrenzung“.

    Aber das habe ich jetzt schon so oft immer neu formuliert, und habe immer wieder den Hinweis auf die Leiden der Ausgegrenzten bekommen, dass ich eigentlich keinen Bock mehr darauf habe.

  37. momorulez Juni 28, 2010 um 8:21 pm

    Lustig, dass Du Dich gemeint fühlst, hatte ich konkret allenfalls am Rande 😉 … meinte eigentlich z.B. den Artikel von irgendeinem Feuilleton-Arschloch, den ich neulich las.

    Und ich habe schon verstanden, was Du meinst; aber wie auch schon häufiger gesagt: Mir das ist mir mittlerweile zu devot, und ich merke erst allmählich, was das mit mir gemacht hat. Weil ich ja früher auch so dachte. Und kann solche strategischen Erwägungen noch nicht mal politisch-historisch richtig finden: Stonewall hat was verändert, weil es Randale gab und es radikal war.

  38. Karsten Juni 28, 2010 um 10:47 pm

    Naja, ich habe i. A. nicht so viel andere politische Diskussionen als hier. Von daher interessiert mich natürlich das, was wir letzte Woche erst diskutiert haben, schon sehr.

    Und kann solche strategischen Erwägungen noch nicht mal politisch-historisch richtig finden: Stonewall hat was verändert, weil es Randale gab und es radikal war.

    Getrennt marschieren und so? Ist für mich durchaus ein Teil der Erwägung. Ohne den Schwulen mit Baseballschläger vermutlich keine Veränderungen, ohne den Schwulen zum Anfassen vermutlich keine echte Akzeptanz. Ich mach‘ dann halt den Onkel Tom zu deiner Rosa Parks. Oder so.

    Mein eigenes Leben berührt das übrigens gar nicht so sehr. Ich bin einfach, wie ich bin, ohne solche strategischen Überlegungen und Erklärungsmuster. Und bin da durchaus sehr anstrengend für Leute, die mit mir beweisen wollen, dass sie ja ach so tolerant sind. Die erleben nämlich manchmal ihr blaues Wunder.

  39. momorulez Juni 28, 2010 um 10:54 pm

    @Rayson:

    Ich sehe, bei dem Thema verstehen wir uns 😉 …

  40. momorulez Juni 28, 2010 um 11:01 pm

    @Karsten:

    Im wahren Leben bin ich ja auch viel angepasster in mancherlei Hinsicht, wahrscheinlich töne ich deshalb hier immer so rum. Neben allem, was ich ja richtig finde von dem, was ich schreibe, ist da ja auch viel Selbsttherapie dabei. Wahrscheinlich bist Du da im real Life viel mehr an der Front aktiv als ich. Wobei ich zunehmend merke, wie diese Blog-Persona „momorulez“ im wahren Leben interveniert. Das ist dann halt mein Weg. Und wenn ich es noch, mit 60 oder so, zur Rosa Parks bringen sollte, dann fände ich das prima 😉 …

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