Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Mobilmachung mit Leinenruck

Manchmal kommt Günther Netzer dazu, zwischen offenkundigen und versteckten Rassismen den „modernen Fussball“ zu charakterisieren. Würden Demos immer dessen Prinzipien folgen, sie würden schlicht immer und überall verboten angesichts dieser Ansammlung von Aggression, Schlacht und Härte, die in den Wortschatz dieses medialen Zitates seiner selbst sich fräsen, das Günther Netzer heisst. Bei Polizisten hingegen wird dergleichen zumeist akzeptiert.

Viel wird ergänzend geredet über meine Nachbarn in letzter Zeit, ein paar Straßen weiter wohnen sie – weil einer derer jüngst in der U-Bahn Jungfernstieg einen kaum Älteren erstochen hat. Mal eben so. Er war wohl wütend – Vater böse, Job verloren. Jetzt belohnt man ihn mit Berichterstattung auf Seite 1.

Ich bin mir nicht sicher, aber es kann sein, dass einer seiner Brüder mir häufig mit einer Schäferhundsmischlingswelpe über den Weg gelaufen ist – vielleicht war es auch jemand anders, keine Ahnung. Ich war immer fast gerührt, wenn ich ihn mit dem Hündchen durch die Straßen ziehen sah – so viel Zärtlichkeit, Liebe, Fürsorge ließ er dem Tier angedeihen, obgleich er sich doch ansonsten ganz an die Vorgaben Christian Pfeiffers zum „Macho-Kult“  assimilierte, Habitus und Outfit betreffend. Nun ist das Viech gross, und wird per „Leinenruck“ so oft diszipliniert, dass es den schon gar nicht mehr merkt – es hat sich dran gewöhnt. So ist das im Kapitalismus. Der Junge glaubt wohl, das würde so erwartet.

Manchmal kommuniziert man über das „Ausrasten“ mit jenen, die es kennen. Ich kenne das nur verbal, nicht körperlich. Sie schildern dann, wie ein verletzliches Inneres geschützt wird, eine Schwäche, die verborgen bleiben soll und mit aller Macht verteidigt wird.

Und so sitzt man Sonntag morgens da und hört so was.

Ich habe eine Vorliebe für diese Songbook-Alben von Musical-Sängern; die Art, wie Josh Young singt, geht mir mitten ins Herz. Eigentlich traut man sich ja kaum, das zuzugeben, hört heimlich und schämt sich vor sich hin. Schwelgt trotzdem. Möchte knutschen.

Stellt sich die Reaktionen vor, was käme, stellte man das Video nun ins Blog. Spürt sie stellvertretend, die Abwehrreaktionen, dieses Sich-Wehren und Sich-Winden, den Widerwillen – genau das raunt im Ohr wie Meeresrauschen, wie steter Trinitus, Begleitmusik, Soundtrack des Lebens aller, man spricht, es raunt, dieses „zu verspielt“, „das war jetzt ein Übersteiger zu viel“, Schönspieler“, das gerade all den Fussballkünstlern von Kommentatoren wie Leinenruck entgegengezickzackt wird.

Es gibt auch ästhetischen Leinenruck. Wenn man dieses Sich-Sperren, das Hunde an der Leine zeigen, manchmal, z.B. bei einem Josh Young hinter sich ließe – vielleicht ließe sich dann leben.

2 Antworten zu “Mobilmachung mit Leinenruck

  1. Jekylla Juni 20, 2010 um 9:23 am

    Schwelgen Sie doch! Stellen Sie es ins Blog und schämen sich nicht, Sie sind doch hier Herr im Haus. Entsprechen Sie eben NICHT den Erwartungen und fangen Sie genau damit an. Vielleicht werden Sie von den Reaktionen ja auch überrascht. Angenehm. Und andere Reaktionen sind dann zumindest… aufschlußreich.

  2. momorulez Juni 20, 2010 um 9:26 am

    Ja, deshalb habe ich’s ja gemacht 😉 … meine bisher größte Liebe lernte ich übrigens kennen, als er volltrunken das hier am Tresen des Tivoli schmetterte 😉 …

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