Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die FDP und ihr heimliches Vorbild SED

Dass all die Wirtschaftliberalen und ihre notwendig ergänzenden, konservativen Unterbauten nur deshalb so intensiv die DDR aufarbeiten wollen, um davon abzulenken, dass eigentlich alles, was am Marxismus-Leninismus Scheiße war, von ihnen längst eifrigst adaptiert wurde – diese These vertrete ich ja schon lange. Gesine Schwan stimmt mir nun zu:

„Ihre Rede schloss daran an. Schwan diagnostizierte ein „Gefühl der Ohnmacht und der Ungerechtigkeit“. Umfragen zeigten, dass die Einstellung zur Demokratie stark von Benachteiligungs- und Ungerechtigkeitsgefühlen abhängig seien. „Und ist es denn noch als gerecht zu bezeichnen, wenn Milliardenbürgschaften, die wahrscheinlich notwendig waren, für die Rettung des Bankensystems ausgegeben werden und kurz danach Banken Milliardengewinne einstreichen?“ Müsse die Distanz zur Demokratie nicht wachsen, wenn der Staat die steigende Zahl der Millionäre nicht am Sparprogramm beteilige? „Wenn die kommunalen Haushalte, die auch durch die Bankenrettung ausgeblutet sind, ihren Aufgaben gerade gegenüber den Schwächeren in unserer Gesellschaft nicht mehr nachkommen können? Das wäre eine Normerhöhung besonderer Art. Um an den 17. Juni 1953 zu erinnern.“

Vor allem diese Sätze erregten Abgeordnete. Während der Rede verließen einige FDP-Parlamentarier sogar den Saal. „Wer das notwendige und gut begründete Sparen der Koalition mit den willkürlichen Normerhöhungen der DDR-Unrechtsregierung gleichsetzt, darf sich nicht wundern, dass ihm liberale Abgeordnete keine Aufmerksamkeit mehr schenken wollen und das Plenum verlassen haben“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jörg van Essen.“

Kein Wunder, dass die das nicht hören wollen, das ist ja in deren Lager (Ausnahmen bestätigen die Regel) die typische Reaktion auf jedes Argument: Herrschaft und Ignoranz an die Stelle dessen setzen, um weiter doktrinär wie die DDR-Kader die immer selbe Leier abzuseilen, die dann mittels Finanz- und Euro-Krisen als permanenter Terror gegenüber der eigenen Bevölkerung installiert wird. Es ist zudem Unfug, der Normerhöhung 1953 „Willkür“ statt „Gründe“ unterzuschieben: Das war schlicht die Implementierung von Wirtschaftslichkeitsforderungen.

Zu erinnern sei übrigens auch an die Diagnose, die DDR habe ja „über ihre Verhältnisse gelebt“ und sei daran pleite gegangen. Was am falschen Wirtschaftssystem gelegen habe. Aha …

6 Antworten zu “Die FDP und ihr heimliches Vorbild SED

  1. Katzenblogger Juni 19, 2010 um 12:49 pm

    Momorulez, besteht die Möglichkeit, dass ich meinen Kommentar (oben) noch mal rechtschreibkorrigiere (d.h. neu einstelle)? Ich find ihn eigentlich zu hübsch, um seine Fehler stehen zu lassen.

    😉

  2. momorulez Juni 19, 2010 um 1:13 pm

    Ich korrigiere gerne für Dich, was ich finde 😉 – ansonsten kannst Du auch doppelt posten, und ich mache den fehlerhaften Kommentar dann weg!

  3. Katzenblogger Juni 19, 2010 um 3:24 pm

    Sie sind halt paranoid. Sie haben ein sorgsam konstruiertes Feindbild, an dem sie eisern festhalten, auch um den Preis, dass dieses kaum noch Berührung mit der Realität aufweist. Vor dem Hintergrund dieser Feindbildfolie konstruieren sie ein Selbstbild, das Toleranz, Demokratie, offene Gesellschaft, Wissenschaftlichkeit, Verantwortungsgefühl (und vieles andere) beinhaltet, mehr als Hülse denn als Inhalt, und gerade darum fangen sie sofort an zu jaulen, wenn ihnen die eigene Doppelzüngigkeit aufgezeigt wird.

    (auch darin mag man einige Parallelen zum Gehabe des DDR-Staats sehen…)

    Es handelt sich im Kern um die geistige Intoleranz eines sich liberal nennenden Extremismus der Mitte. Wahr ist aber in der Tat, was Gesine Schwan gesagt hat, zumal wenn man weiß, mit welcher Bereitwilligkeit, ja heiteren Gelassenheit, die FDP-Bundestagsfraktion und deren Abgeordneten die zig- und hundertmilliardenschweren Geldspritzen in den Popo der Finanzmarktakteure gebilligt haben.

    Da lief niemand von denen empört aus dem Saal heraus…

    Ja, anders gesagt: Die FDP betreibt einen Freiheit und Gerechtigkeit verachtenden Klassenkampf von oben – sichtbar auch an den neuesten und gegenüber sozial Schwachen geradezu aggressiven und auf deren Tötung gerichteten politischen Ergüssen von Klein-Philipp (der merkwürdigerweise als Gesundheitsminister agiert). Sollte jemand diese Vorhaben vernehmlich als das benennen, was sie sind, so werden diese Möchtgernherrenmenschen empört aufschreien und greinend aus dem Saal flüchten. Die Schwarzgelben wollen den Marsch in eine neue Republik, aber sie wollen nicht, dass darüber öffentlich geredet wird.

    Liberal, my ass.

    Der Herbst wird heiß.

    (ich sehe, dass meine Fehler gefunden wurden)

  4. momorulez Juni 19, 2010 um 7:12 pm

    Soll ich denn jetzt den oberen weg nehmen?

  5. momorulez Juni 20, 2010 um 12:18 am

    Den Rest lasse ich jetzt aber stehen, das ist so schön kryptisch 😉 …

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