Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Und es tropft ab

Sich imprägnieren kann doch nicht gewollt sein. Von wem auch immer.

Zumeist hinter Scheiben stehen. Die Metasprache. Und sie rufen trotzdem „Falsche Unmittelbarkeit!“. Du zuckst zurück. Klopfst zaghaft an die Scheibe.

Sie gucken Dich an. Du grinst verschämt und wappnest Dich. “ Was guckst Du?“, das traust Du Dir nicht. Dazu braucht man die Freiheit dessen, der zwischen Stigma oder auch nicht gar nicht mehr wählen darf.

Du lernst: Nie guckst Du nur heraus. Die Beobachtung zweiter Ordnung ist, dass DU beobachtest WIRST. Ganz genau. Und wehe, wehe .. der Anspruch wirkt. Sonst funktioniert das nicht.

Du klopfst an die Scheibe, so wie sie es wollen. Das nennt man Acquise. Ob Fleischmarkt, Partnerschaftsbörse oder andere Kunden – man
muss die Tricks schon drauf haben, sonst stimmt die Auftragslage nicht.

Die Job Descriptions werfen sie Dir herein wie bei der Fütterung des Zitterrochens im Aquarium. Welche Textbausteine sie wohl für das Zeugnis wählen? Freuen sich, wenn Du flatterst, so wie sie es erwarten. Sei Rochen!

Gibt es ein Stilmittel, dass Du heute noch nicht genutzt hast? Ja. Den Schnappschuss. Den, den Sol Stein meint. Das Polaroid aus dem Winkel Deiner Wohnung, den Du NIE jemandem zeigen würdest. Daraus macht man Literatur, sagt er. Für Weicheier ist die nix, sagt er. Die muss da ansetzen, wo Du verbirgst, sagt er. Aber wer will noch Literatur? Du etwa? Sei ehrlich! Nix ängstigt mehr …

Ich lese darüber, wie schwer es ist, sich dem Anspruch zu verweigern, man müsse seine Bedürfnisse auch artikulieren und zu befriedigen wissen, sonst sei man defizitär. Sich genau dieser Folter verweigern, das ist in der Tat Gebot. Schuldgefühle angesichts der Frustration entwickeln: Die Hartz IV-Gesellschaft lebt davon.

Hinter der Scheibe stehen und Ansprüche abtropfen lassen – komm herein.

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2 Antworten zu “Und es tropft ab

  1. Katzenblogger Juni 11, 2010 um 7:22 pm

    Lebt man nicht immer, jedenfalls sofern man lebt, bis zu einem gewissen Grad in und aus den Ansprüchen Anderer und zugleich an diesen vorbei? Ist das Leben, bis zu einem gewissen Grad, immer auch Rollenspiel, und mehr noch, ist die Rollenwahl nicht immer auch, bis zu einem gewissen Grad, fremdbestimmt?

    Was ist bei Dir das Konkrete daran, was so schwer ist? Okay, Äiquikwisitör – das ist schwer. Jedenfalls in der heutigen, verlogenen Zeit, heute, wo Falschheit und Habitus Voraussetzung zur Näherung an das Eigentliche bilden. Schwer ist das dann, wenn man sich treu bleiben möchte. Und dann wieder nicht (finde ich)!

    Wenn das, wofür man „akquiriert“, eben das ist, was man befürwortet, ja mehr noch, was liebt und man voran bringen möchte, und sei es, dass es für Menschen ist, die man liebt, und für eine Sache, die es wert* ist:

    Wird es dann nicht leichter?

    * Exkurs Wert:

    Wert ist ja leider in der heutigen Zeit zum Wieselwort mutiert, übler noch, zum Lieblingswort meiner Feinde. Ich meine aber Wert in einem Sinne, der weit oberhalb der Sphäre des Ökonomischen steht. Also Wert im eigentlichen Sinn.

  2. momorulez Juni 12, 2010 um 11:00 am

    „Ist das Leben, bis zu einem gewissen Grad, immer auch Rollenspiel, und mehr noch, ist die Rollenwahl nicht immer auch, bis zu einem gewissen Grad, fremdbestimmt?“

    Na ja, es gibt Lebensbereiche, in denen man die Rolle schon eher sich aussuchen kann – hier im Blog zum Beispiel. Glaube ja noch nicht mal an „das Eigentliche“, aber wenn man zwischendurch das Gefühl hat, dass man in zu vielen Lebensbereichen das macht, was man macht, wenn man im Job Aufträge haben will, dann stimmt doch irgendwas nicht. Dann wird man Produktpalette. Und Menschen, die man liebt, Sachen, an die man glaubt, zu denen hat man ja eine ganz andere Einstellung als zu Produkten, eher ein Anerkennungsverhältnis zu – jetzt die hegelianische Figur bemühend – ihrer Freiheit, ihrer Möglichkeiten. Gerade OHNE diese zu bewerten, glaube ich.

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