Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Auf den Hundt kommen …

„Die Arbeitgeber haben die Bundesregierung in der aktuellen Spardebatte aufgefordert, die Ausgaben für Arbeitslose um sechs Milliarden Euro zu kürzen. „Auch die Arbeitsmarktpolitik kann und muss einen Beitrag leisten“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt WELT ONLINE.“

Könnte man demokratisch gewählte Regierungen nicht eh gleich ganz abschaffen, der Ehrlichkeit halber und stattdessen Hundt und die seinen direkt verfügen lassen, wonach ihnen gerade der Sinn steht? In Sachen Wirklichkeitskonstitution, gegen die Ausführungen der Wirtschaftlichen Freiheit ist das transzendentale Programm Kants ein Witz, sind die ja eh exklusiv zugangsberechtigt, und da hieße es doch lieber: „Wer vom Papst lernt, kann führen lernen!“

In der politischen Klasse  hat sowieso gerade einer nach dem anderen keine Lust mehr oder wechselt gleich ins Lager derer, die ihm bisher Direktiven sandten; die Banker schicken Angie doch eh nur Kaffee kochen, wenn sie sich mal wieder verpokert haben, und sorgen für ihre eigene Bedürfnisbefriedigung per Hilfspaket und Rettungsgesetzgebung – und wenn der Hundt ganz offiziell unterwerfen und drangsalieren würde, dann könnte man ihn wenigstens stürzen. Stattdessen wird weiter getarnt und selbstentmächtigt:

Staatliches Handeln, heißt es auf einer Website des Bundestags, müsse legitimiert sein, das gelte „in ganz besonderer Weise“ für die Verwendung der finanziellen Mittel: „Aber das war nicht immer so.“ Und so wird es auch nicht mehr sein. Denn der Haushaltsausschuss des Parlaments hat die ihm verfassungsrechtlich zugewiesene Hauptrolle im Staatsschauspiel abgelegt und begnügt sich mit dem Auftritt als Statist.

Der Parlamentsvorbehalt, der ihm nach zähem Verhandeln im Kreditermächtigungsgesetz schließlich zugestanden wurde, beschränkt sich auf ein „Recht zur Stellungnahme“. Vor der Übernahme von Bundesgarantien für Kredite an andere EU-Staaten soll sich die Bundesregierung „bemühen“, Einvernehmen mit dem Ausschuss herzustellen. Das ist nicht viel mehr als Nichts.“

Ja, alles freilich nur, weil „wir“ über unsere Verhältnisse gelebt haben. Vor allem die Arbeitslosen. Und die Griechen. Das ganze dysfunktionale Gesocks halt.Und da muss nun der Hundt ran. Wenn er doch Führer wäre!

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25 Antworten zu “Auf den Hundt kommen …

  1. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 11:17 am

    Könnte man nicht diesen Hundt zum Bundespräsidenten küren – und damit gleich mehrere Probleme auf einmal lösen?

    Erledigt wären dann (eher früher als später):

    1. Die jetzige Machtfunktion von Hundt
    2. Die öffentliche Überbewertung des Präsidialamtes
    3. Die Entsorgung der Leyen als Konkurrentin Angelas via Wegloben
    4. Die allzu hohe Bewertung der gesellschaftlichen Vorschläge des Arbeitgeberlagers
    5. Die liberale Blogosphäre

    Den fünften Punkt muss ich erklären: Wenn der Hundt Präsi ist, dann sind diese wirtschaftslibertären Blogger quasi Mainstream und nach eigenen, latent revolutionären Verständnis überflüssig, zumal dann ja sicher gestellt ist, dass dann wirklich jede wirtschaftslibertäre Quatschidee umgehend Teil einer breit angelegten öffentlichen Diskussion wird.

    6. Außerdem lässt sich anführen, dass von diesem Moment an die öffentlich-rechtlichen Talkshows von dem immergleichen neoliberalen Teilnehmern (Henkel, dieser merkwürdige, gestörte Schweizer u.v.m.) weitgehend entlastet werden können. Es könnte dann wieder sinnvolle Gespräche stattfinden – an Stelle der so gut wie immergleichen neoliberalen Parolen-Dauer-Präsentation.

    7. Nicht zuletzt wäre es auch ein Vorteil, dass die Arbeitgeberseite, dadurch, dass sie dann ein bedeutendes Staatsamt besetzt, auch formal demokratisch repräsentiert wird – damit gleichen sich Verfasstheit und die Verfassungswirklichkeit an.

    Also, bitte: Macht den Hundt zum Bundespräsidenten!

  2. che2001 Juni 3, 2010 um 12:08 pm

    Die pädagogischen Effekte der Tatsache, dass einst ein Arbeitgeberpräsident in einem Kofferraum gefunden wurde wirke eben schon lange nicht mehr.

  3. momorulez Juni 3, 2010 um 12:08 pm

    Fand ich jetzt so witzig nicht, Che.

  4. Nörgler Juni 3, 2010 um 12:24 pm

    Ich finde es witzig und als Spruch genau passend.

  5. somlu Juni 3, 2010 um 1:33 pm

    Ich finde ihn auch witzig und passend.

    In Anbetracht der vielen ruinierten Leben, der der Typ zu verantworten hat und wenn ich das Zitat da oben so lesen, wahrscheinlich in Zukunft auch Tote, mehr als angemessen.

  6. momorulez Juni 3, 2010 um 2:06 pm

    Ich kann einfach der RAF keinen pädagogischen Effekt zugestehen. Und bin dezidiert gegen die Todesstrafe und würde ihr auch keine präventive Wirkung zubilligen.

    Vielleicht bin ich aber ja auch einfach nur humorlos.

  7. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 2:17 pm

    Strafende Pädagogik wird ohnehin überschätzt. Außerdem; die RAF hatte einfach keine Ahnung von Waffen. Ich bin überzeugt, dass der Präsentierteller eine der mächtigsten Waffen ist – in der politischen Auseinandersetzung. Wirkungsvoller als jeder Kofferraum wäre es, wenn man den Hundt auf den Präsidentenpräsentierteller verfrachten würde.

    Das wäre zugleich auch fies und gemein.

    (insofern bleiben jetzt wirklich nur noch ganz wenige Gegenargumente gegen Hundt als Bundespräsi – wenn sich denn überhaupt finden lassen, nungut, okay, eine Gegenkandidatur von SteffenH würde die Sache schon etwas knifflig machen)

  8. che2001 Juni 3, 2010 um 2:34 pm

    Nun, ja, diese Art Sprüche ist halt genau mein Humor. Ich hatte allerdings kürzlich eine Diskussion mit meinem Vater, in der dieser ganz humorfrei und auch ganz entspannt die These vertrat, dass u.a. der Terrorismus der 70er und 80er Jahre die herrschende Klasse in Westdeutschland so weit in Schach gehalten habe, dass es eben nur eine Bonner Wende, aber keinen Tchatcherchen Durchmarsch gegeben habe, und dass der Hauptvorteil der Sowjetunion in ihren Atomraketen und Kreuzerflotten gelegen habe, die der westlichen Bourgeoisie eine gewisse Zivilisiertheit und Rücksichtnahme auf die Arbeiterklasse aufgezwungen hätten. Mein Vater ist kein Linker, sondern Bewunderer von Weizsäcker, Geißler, Blüm und Süßmuth, aber er sieht das ernsthaft so.

  9. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 3:27 pm

    Plausibler fände ich es, das Gegenteil zu vertreten: Die RAF-Bewegung (inkl. der größten Teile der Unterstützerszene) gab dem Staat eine Rechtfertigung für eine repressiven Kurs, stärkte die rechtsgerichteten Kräfte in der SPD, radikalisierte und entsachlichte das öffentliche Klima, während ein erheblicher Teil der Linken in der BRD auf ein faalsches Gleis gerieten. Das, was mit 68 teils gut und hervorragend begann, wurde im Rahmen dieser Entwickungen zur Farce. Der „deutsche Herbst“ war eine vertane Zeit.

    Selbstverständlich war die Blockkonkurrenz ein Faktor dafür, dass der Kapitalismus bei uns „rheinisch“ zivilisiert wurde bzw. dafür, dass das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft hochgehalten wurde.

    Das war aber gewiss nicht das Verdienst der RAF. Für mich hat die RAF deutlich mehr mit den Denk- und Fühlungsweisen der Waffen-SS zu tun (und dem, was sie zu bekämpfen vorgaben) als mit irgend einer Form von progressiven militant-politischen Avantgardismus.

    Revolutionstheoretisch bestand die RAF ebenfalls nur aus Nieten. Wie man sowas nur irgendwie loben kann, pardon, befremdet mich – auch wenn ich die Macht der politischen Indoktrination (diesmal: von Che auf seinen Vater) nicht klein schätzen will.

  10. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 3:29 pm

    Oh, ich vergaß zwischen Vater und der Klammer dieses hier: 😉

  11. momorulez Juni 3, 2010 um 3:40 pm

    Im Grunde genommen ärgert es mich auch, dass man den Hundt nicht dissen kann, ohne dass die RAF herbei assoziiert wird – was ja von den verbalen Verbrechen eines Hundt nur ablenkt, und es ist schlicht an der Zeit, diese Wirtschaftstäter, -Attentäter- und -Terroristen aus der freien Wirtschaft und deren ideologische Sympathisantenszene ausgiebig zu kriminalisieren.

    Diese RAF-Nummer ist doch nur Wasser auf die Mühlen der Extremisten, die überall Linksextremismus wähnen. Bin da ganz beim Katzenblogger: Dieser Haufen von Waffenfetischisten war die Chuck-Norris-Version von Politik. Eben Scheiße.

  12. somlu Juni 3, 2010 um 4:02 pm

    Aber findest du nicht, dass ihn ein bisschen bedrohen, so dass er sich vor Angst in die Hose macht (und das am besten als Foto veröffentlichen) nicht wirklich mal angesagt wäre?

  13. momorulez Juni 3, 2010 um 4:07 pm

    Glaube ich tatsächlich nicht. Das führt eher zu Notstandsgesetzen in die andere Richtung, da warten die doch nur drauf und versuchen schon ständig, welche druch die Hintertür einzuführen und die dahingehend bereits bestehenden auszudehnen – und zu Dauerhetze durch die Presse. Was jetzt nicht heißt, dass ich es ihm nicht gönnen würde 😉 – und sei auch nicht als Versuch verstanden, Che seinen Humor ausreden zu wollen.

  14. somlu Juni 3, 2010 um 4:13 pm

    Hast ja recht, aber die Vorstellung gefällt mir gut und nicht nur bei dem Hundt.

  15. momorulez Juni 3, 2010 um 4:14 pm

    Ja, als Fantasie zum Aggressionabbau ist die Vorstellung sozusagen überlebensnotwendig 😉 ….

  16. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 4:17 pm

    Wenn du willst, dass sich jemand vor Angst so richtig in die Hosen macht, dann mache ihn zum Bundespräsidenten!

  17. momorulez Juni 3, 2010 um 4:20 pm

    Das wird ja jetzt Wullf stat Hundt. Ich hätte es auch historisch angemessener gefunden, Hundt gegen Steffen H. antreten zu lassen in einer Kampfabstimmung. Meinste, unsere Kampagne für Steffen H. hätte Erfolgsaussichten gehabt? Auch wenn die BILD dann getitelt hätte „H. wer?“?

  18. momorulez Juni 3, 2010 um 4:21 pm

    PS: Nicht zu vergessen die Rufe seiner Bewunderer bei öffentlichen Auftritten: „H.! H.! H.!“!

  19. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 4:26 pm

    Das hat Potential für einen neuen Gruß.

    (aber auch: „Hentrich! Hentrich! Hentrich“ klingt ziemlich schlimm – womit Hundt dann wohl vorn läge)

    Nun, wenn wir dann aber mit einer Kampagne pro Glühbirne kontern, dann scharen wir damit die Bundesversammlung doch noch um unseren Kandidaten!

  20. somlu Juni 3, 2010 um 4:40 pm

    Katzenblogger, was soll an einem Amt mit reinen repräsentativen Aufgaben denn Angst machen?

  21. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 5:10 pm

    Frag den Köhler. Dem ist es wirklich zuviel geworden. Ich denke wirklich, kaum ein Amt ist schlimmer für den Betreffenden. Die Öffentlichkeit erwartet ständig, der Gute möge von Zeit zu Zeit etwas Kluges sagen. Und alle betrachten dann deine Äußerungen durch ein Elektronenmikroskop. Kaum machst du etwas wirklich Sinnvolles (z.B. die grundgesetzliche Überprüfung der eingereichten Gesetze), schon verlierst du alle Freunde, die du zuvor hattest.

    Nee, nicht schön. Fast genauso schlimm muss wohl die Leitung der Arge in der Stadt Hamburg sein. Erst der 47.te Bewerber, den die Stadt Hamburg geradezu bettelnd ersuchte, dieses Amt zu übernehmen, war dazu dann bereit. Wirklich wahr: Davor lagen 46 Absagen.

    (das weiß nicht einmal die Presse – Interna sind doch was Wunderschönes, oder?)

  22. momorulez Juni 3, 2010 um 5:26 pm

    Ja! Bei Dir kann man sich also um solche Posten bewerben?

  23. Katzenblogger Juni 3, 2010 um 6:04 pm

    Schön wärs…

    Ich bin nur derjenige, dem die Interna gesteckt werden.

  24. somlu Juni 3, 2010 um 7:36 pm

    Das Amt eines Bundespräsidenten mit der Leitung einer ARGE zu vergleichen, auch nicht schlecht.

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