Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

iMIN4

Auf der Suche nach einer Sprache der Liebenden.

Slut. Pussy. Bitch. Bei uns gibt es wenigstens noch Twinks. Sahneschnitten. Wenn ich das denn überhaupt richtig verstanden habe.

Süss. Scharf. Wenigstens Geschmäcker. Schmeckend identifizieren wir Welt. Wein. Wodka – flüchtig und wirkungsvoll. Das Salz auf Deiner Haut.

Bilder. Metaphern: Bär. Bunny. Schwanz. Muschi.

Psychiatrisch-psychoanalytisch: Sadomasochistisch. Heterosexuell. Gerontophil.

Fetisch ist noch am Hübschesten, da stellt man sich niedliche oder auch gruselige Skulpturen vor, die man anbetet, weil sie für das stehen, was heilig ist. Wie der Arumbaya-Fetisch bei Tim und Struppi. In dem war ein Edelstein drin, und Massenproduktion hat ihn entwertet. Das Erotische und das Sakrale. Das Anonyme: Ich und Er.

Haben Eskimos wirklich viel mehr Wörter für Schnee als wir?

Allerlei Privatsprachengebräuche zwischen Zweien, klar. Nur wenn man mal wieder viel mit Liberalen diskutiert, dann wird man bei all der Unsinnlichkeit der Sprache oft so lüstern. Anreiz, okay, das geht ja noch. Reiz ist nur so unangenehm unspezifisch, wie ein kurzer, stechender Schmerz und geht einer Reaktion, nicht einer Antwort voraus.

Aber wenn selbst die Arie, die Form des durch Worte Unsag-, aber Singbaren, das Vissi d’Arte oder wie sich das schreibt, zum Subventionspoblem wird? Macht dann das Leben Spass?

Die schönsten Worte sind oft die, die weder mich noch Dich meinen. Lust. Begehren. Begierde. Selbst Trieb, so wie das frische Holz im Frühling. Sich verzehren – buchstäblich zwar brutal, aber doch die Leere ohne Dich umreißend.

Das sind Worte, die das Zwischen sich als Raum erschliessen wollen, den all die Feindseligkeit in den Pornemen stählern verschlossen halten will wie Schandmasken und Keuschheitsgürtel.

Wenn Sinne fließen könnten, dann fänden sie das Wort für dieses Du und bräuchten Intimität vielleicht nicht mehr in Schlägereien suchen … Was nix gegen diese sagen soll. Man hat sie sich ja nicht ausgesucht.

32 Antworten zu “iMIN4

  1. che2001 Mai 26, 2010 um 10:11 pm

    Beiwohnen. Sich erkennen. Yoni und Lingam. Let´s make it through the night. Einander mit Zärtlichkeit bedecken. Come on baby, light my fire. Amour fou. Deinem Liebreiz folgen. Es miteinander machen. Einander verräumen, es miteinander treiben, vögeln (hat was vom Flug, eigentlich sehr extatisch). Great balls of fire. Poussieren. Wieso eigentlich Blowjob, das ist weder ein eigentlicher Job, noch wird im engen Sinne geblasen? 69, 68 (Lecken oder Blasen und eins schuldig bleiben, das später überraschend doch noch kommt).

  2. momorulez Mai 26, 2010 um 10:22 pm

    To suck hat ja dem Blowjob durchaus den Rang abgelaufen – bei blow bläst ja eh das Faggot mit. Und was wird draus? Disco sucks.

    Das Bemerkenswerte ist, dass auch bei Deiner Auflistung das Indische – das Kamasutra ist ja ein wirklich spannendes Buch! – und das, was nahe am Kitschroman und dem Schlager ist und immense Abwehrreaktionen hervor ruft, noch am ehesten einen Weg weist. Selbst „Tanze Samba mit mir“ ist ja noch besser als „Ich knall die Alte“ oder was man unter Heten so zu sagen pflegt …

    PS: Der Eintrag wird jetzt finstere Suchmaschinenzulàufe mir bescheren …

  3. netbitch Mai 26, 2010 um 10:37 pm

    Sehr schön finde ich Poppen. Das beschreibt rein lautmalerisch das Aufeinanderkommen der Körper sehr gut. Besser als Bumsen, denn Knallen tut es da gar nicht (womit Knallen auch abgehandelt wäre). Um bei Ausdrücken aus der Mechanik zu bleiben werde ich auch sehr gerne genagelt, ich schiebe aber auch gerne (liege oben und bestimme den Rhythmus) oder reite (sehr ambivalent, kann Schieben oder auch Nummern unter Zuhilfenahme von Stiefeln, Sporen und Gerten bezeichnen). Mache auch gerne den Becher (Freund trinkt Sekt oder Wein aus meinem Bauchnabel), die Schüssel (er isst z.B. Krabben aus meiner Muschi und leckt mich dann durch) oder schlürfe (er macht Becher). Überraschungsmahl: Eine Person liegt gefesselt und mit verbundenen augen auf dem Bett und weiß noch nicht, ob es Erdbeeren, Krabben, Trüffel oder Pralinen in den Mund, Eiswürfel oder heißes Wachs auf die Brustwarzen oder eine Massage gibt, meistens ja Alles in unkalkulierbarer Reihenfolge hintereinander, oder den Überraschungsfick. 3 zu 2: Ein Dreier zu Zweit, ich liege auf meinem Liebsten, er dringt in mich ein und arschfickt mich gleichzeitig mit Kerze, Dildo oder Vibrator, wobei es dann darum geht, beide Rhythmen zu koodinieren. Was ganz ganz Schönes!!!!

  4. momorulez Mai 26, 2010 um 10:47 pm

    @netbitch:

    Das liest sich sehr spannend und sehr anregend, und natürlich ist gerade in diesem Fall die Praxis der Sprache gegenüber prioritär – aber, verzeih mir, ist im Gegensatz zu den geschilderten, siehste, ich finde kein Wort, weil Praktiken schon wieder doof ist, liest sich das nicht bei alledem ganz im Gegensatz zu dem, was man fühlt, wenn man es macht, ziemlich technisch? Wie bei jeder Kunst ist auch hier Handwerk Voraussetzung; was aber den öffentlichen Sprachgebrauch betrifft – ist das jetzt meine eigene Abwehr, dass ich da ein Bedürfnis nach einer Poetisierung habe?

  5. netbitch Mai 26, 2010 um 10:58 pm

    Na jaaahhaaah, da fehlen wirklich poetische Bezeichnungen, die es in unserer Sprache scheinbar nicht gibt – meine, mich zu erinnern, dass das im Chinesischen, Japanischen, Indischen, Persischen anders ist, Hafez wäre vielleicht zu lesen, das genannte Kamasutra oder das Hohe Lied des Salomo. Ansonsten wäre ein Paar der Dinge, die Che oben nannte brauchbar. Manchmal erscheinen mir die deutschen Begriffe echt zu vulgär, die englischen zu brutal (außer great balls of fire – das hat was!)

    Was ich fühle, während ich es mache, lässt sich überhaupt nicht in Worte fassen, und Extase bedeutet für mich, keine Worte mehr zu haben.

    Übrigens: Sich vereinigen und Ineinander Einschlafen fehlten noch.

  6. momorulez Mai 26, 2010 um 11:09 pm

    Ich glaube, ich insistiere da auch gerade so drauf, weil mich bei Männern extrem oft, eigentlich immer, die Art, wie sie formulieren, wie sie sprechen, wie sie Worte finden, wie sie sie aussprechen, wie sie einen Weg zum Unverstellten, Frischen, nicht so Eingeübten, Gelackten suchen und finden, wie sie Kitsch phrasieren und überpointieren und dann über sich lachen können, tatsächlich angemacht hat. Diese technische Zugangsweise, die ich Dir absolut NICHT rüber schieben will, die kickt mich nicht. Ich finde Sprache da tatsächlich enorm wichtig, übrigens auch und gerade dann, wenn einer geknebelt sein sollte. Dann können doch die Worte des Anderen alles zerstören oder auch intensivieren …

  7. netbitch Mai 26, 2010 um 11:18 pm

    In der Frauen/Lesbenszene galt ich oft aufgrund meiner Formulierungsweise als „weiblicher Macker“. Das ist teilweise Schutz, teilweise hängt es damit zusammen, dass ich die „typisch weibliche“ Gefühlsseligkeit tatsächlich nicht abkann und schwer erträglich finde. Bei Frauendiskussionen um Ästhetik, Subjektivität und Emotionalität denke ich oft „Was für ein Problem haben die eigentlich?“ Hat wohl auch etwas damit zu tun, dass ich aus einem proletarischen Elternhaus komme und der größte Teil der feministischen Szene aus Bürgerhaushalten, wo ich oft gedacht habe, diese Mittelschichtstussen kennen meine Probleme nicht. Gut, das sagt jetzt die arrivierte gutbezahlte Sportwagenfahrerin. Aber ich weiß, wo ich herkomme, und da ist das eben nicht bildungsbürgerlich konnotiert.

  8. momorulez Mai 26, 2010 um 11:24 pm

    Das Du dieses „Mackertum“ so zelebrierst, das finde ich prima, das ist ja auch eine Form von Poesie, ist spielerisch und lustvoll und überhaupt.

    Das ist aber keine Frage von Bildungsbürgertum, was ich meine. Ganz im Gegenteil. Ich habe mich noch nie in einen Akademiker verknallt. Okay, einer wurde es später, der hat aber nie die Sprache angenommen. Der hat jedes, wirklich jedes Wort erst gesucht und deshalb ganz langsam geredet – aber dadurch ganz seltsam intensiv. Toll.

  9. ring2 Mai 26, 2010 um 11:35 pm

    Muss gerade an *** denken, ein Mädchen, quatsch inzwischen eine Frau wohl. Und gleichzeitig an Sam Cooke’s „where the poeple are so gay“, als das noch so ungedeutet mit nächtlicher Geschmeidigkeit hätte übersetzt werden können. 😉

  10. netbitch Mai 26, 2010 um 11:41 pm

    Das ist seltsam: Du, der Du mich nicht kennst, Nörgler, der mich nicht persönlich, aber online viele Jahre länger kennt, Che, der mich tatsächlich kennt, und das Stamm-Publikum meines Blogs kommen bestens damit zurecht, und ich habe ja selbst die Art von Selbstbewusstsein, die mich selbst bruchlos gut findet, aber sowohl der Großteil der sonstigen Blogosphäre als auch ein nicht unerheblicher Teil meiner Bekanntschaften im real life reagieren irritiert, verschreckt oder verwirrt auf mich. Ich finde mich selbst äußerst normal. Klar provoziere und pointiere ich gerne, und es macht mir einen Heidenspaß, „frapper les Bourgeois“ zu spielen. Klappt ja auch immer wieder gut. Suchende, intensive, sich selbst findende Menschen gibt es viel zu wenig und sind meistens Klasse.

  11. momorulez Mai 26, 2010 um 11:46 pm

    @ring2:

    Absurderweise war der für mich beste Soundtrack zum Sex, jeweils an die jeweilige Person gekoppelt, tatsächlich „Lay all your Love on me“ von ABBA 😀 – und „Why, God, Why“ aus Miss Saigon. Das ist ein Lied darüber, dass ein G.I. mit einer Hure schläft, deren erster Kunde ist, und sich in sie verknallt – und sich fragt, warum er so high von ihrem billigen Parfum ist. So ging es dann auch ungefähr weiter mit uns … der Hubschrauber kam … ist eine „Madame Butterfly“-Adaption, „Miss Saigon“. Schön war aber auch „Ich geb Dich nicht her für ein bisschen Orgasmus“ von Georgette Dee … seufz …

  12. momorulez Mai 26, 2010 um 11:51 pm

    @netbitch:

    Ich finde das eher sehr bewundernswert und dass das im Gegensatz zu all den Verschreckten und Irritierten tatsächlich völlig normal im Sinne von selbstverständlich ist, wie Du Dich gibst, auf die Online-Persona bezogen. Mir macht das immer sehr viel Spass, das zu lesen, und ich empfinde das als sehr liebenswert.

  13. Katzenblogger Mai 27, 2010 um 8:38 am

    Mal eine doofe Frage zwischendurch: Warum sollte Netbitch sonderlich viele Menschen irritieren?

    Okay, verklemmte Politblogger (soll es ja geben), Moralfeministen/innen, überkorrekte Linkssektierer oder auch geistige Opis/Omas: Die mögen damit ein paar Probleme haben. Ich denke aber, ein kompletter Nachmittag mit RUndTL2 ist allemal schockierender als unsere Netbitch.

    Und unser G, so sehe ich das, der benötigt möglichst schnell eine entzückende, kluge Freundin. Dann sieht er ein paar Dinge deutlich lockerer. Es sei ihm gewünscht.

  14. Katzenblogger Mai 27, 2010 um 8:39 am

    (man nehme statt RUndRTL2 bittschön: RTL2)

  15. MartinM Mai 27, 2010 um 8:41 am

    „Haben Eskimos wirklich viel mehr Wörter für Schnee als wir?“

    Nein.

  16. momorulez Mai 27, 2010 um 8:50 am

    „Ich denke aber, ein kompletter Nachmittag mit RUndTL2 ist allemal schockierender als unsere Netbitch.“

    Das war nun aber keine nette Kontextualisierung! Und Steve Jobs würde ein Netbitch-App zensieren lassen, übrigens. Und vielleicht braucht G. ja auch einen Freund?

    @Martin:

    Weil man „Eskimos“ wahrscheinlich auch gar nicht schreiben darf, oder? Faux-Pas?

  17. somluswelt Mai 27, 2010 um 8:59 am

    Was mir zum Thema eben in der Dusche durch den Kopf ging.

    Ist es nicht so, dass die direkte Visualisierung eben das Non-u nd Paraverbale aus lässt. Die Blicke, die Gesten, die kleinen Zeichen, der Eros oder technisch gesprochen, das Libidonöse. Ein Quickie ist ja in einem komplett unerotischen Zustand auch nur seltenst möglich.

    Vor ein paar Tagen habe ich mir den Film „die Schwester der Königin“ angeschaut. Es geht um Anne Boleyn, die dort als gewissenlose, machtgierige Verführerin Henry Tudors dargestellt wird, die also zurecht auf dem Schafott endet, während ihre Schwester Mary sich von Henry Tudor stittsam verführen lies, in Liebe verfiehl, weswegen Henry Tudor ihr allein bis zum Ende vertraute. Natürlich bekomme Mary am Schluß den liebevollen Ehemann und das friedvolle Leben,d ass sie sich wünscht. Soweit so schlecht.

    Aber, um zum Thema zurück zukommen. nachem der Plan gesmiedet wurde, Anne Henry zuzuführen, um an Macht und Einfluß zu gewinnen, wurde henry eingeladen und Anne sollte in „unterhalten“. Es wurde auch eine Jagd geplant, dort ritt Anne einen Damensattel, der wohl damals neuartig war. Henry bemerkt, das er sich nicht vorstellen kann, wie sie sich auf einem solchen Sattel halten könne. Worauf Anne erwiedert, genau wie er, mit ihren Schenkeln. Wobei sie ihn direkt anschaut. Das Bild funktionierte in der Situation außerordentlich. Es reichte schon, den guten Henry, der als außerordentlich schwanzgesteuert in dem Film rumkommt, zum Schlucken zu bringen.

    Ich habe vor Jahren mal beim Don ein kleines Stück Prosa hinterlassen, wo es letztlich das Verspeisen einer Mango ging. Letztlich sind es doch die Bilder von glitschigen Fingern, tropfenden Mündern, die vorbereiten. Sicher das Ficken, Blasen, Vögeln usw. sollte nicht hinter einer bilderreichen Sprache verschwinden, sonst endet alles in der Qualität der Loreromane. Dennoch, zumindest bei mir, müssen die Umstände auch vorhanden sein. I, allgemeinen sind bei mir diese Art von Prosa auch meinen Geliebten vorbehalten und entwickeln sich meist im Laufe des Kennenlernens maßgenscheidert auf sie, mich und die aktuelle Situation. Was, zumindest bei mir, heißt, dass all diese Prosa zu den konkreten Personen gehört.

    Was die offenen Kommunikation angeht. Ich finde es bis heute sehr interessant, dass ich mich mit meinen heterosexuellen Freunden weit besser über Sex unterhalten kann als mit jeder Freundin, sei sie nun lesbisch oder hetero. Und diese Freunde sind immer erleichtert, dass sie mit mir darüber sprechen können. Sie kennen, so ihre Aussagen, keine andere Frau, nicht mal die eigene, mit der so reden können. Und genaus diese drei waren auch an dem Abend bei mir, als sich meine damalige große Liebe von mir trennte und mir das Herz brach. Und, auf Grund der Tatsache, dass im Vorfeld schon seit einiger Zeit nichts mehr sexuelles zwischen uns gelaufen ist, brach am selben Abend eine unbeändige Lust in mir auf. Ich war sehr froh damals mit diesen Freunden zusammen zu sein, denn die hatten mit dieser Situation überhaupt kein Problem. Ich bin mir sicher, die allermeisten Lesben (die eh Sex und Liebe verwechseln, bzw. gleichsetzen) wären entsetzt gewesen.

  18. momorulez Mai 27, 2010 um 9:29 am

    Ich finde, man sollte diesen Thread verfilmen, der ist prima 😉 …

    „Ist es nicht so, dass die direkte Visualisierung eben das Non-u nd Paraverbale aus lässt. Die Blicke, die Gesten, die kleinen Zeichen, der Eros oder technisch gesprochen, das Libidonöse.“

    Doch, das geht, das zu visualisieren. Was kaum geht, ist das Taktile, das ist sehr schwierig, wenn es nicht gerade um den Klaps auf den Arsch oder härteres geht. Was gar nicht geht, ist das schmecken oder Riechen. Das geht nur indirekt.

    Am brilliantesten ist das – nun wirklich ganz widerlicher Szenenwechsel – im „Schweigen der Lämmer“ gelöst, als die sich irgendwas in die Nasen schmieren, bevor sie eine Leiche obduzieren. Und das Schmecken geht auch nicht. Aber dieses Non- und Paraverbale, das macht deshalb kaum jemand, weil a.) gerade in all den existenten, audiovisuellen Varianten die meisten, die sie produzieren, dafür viel zu desensibilisiert sind und b.) Lore-Roman und fieser Porno viel mehr Distanzierungsmöglichkeiten bieten.

    „Was, zumindest bei mir, heißt, dass all diese Prosa zu den konkreten Personen gehört.“

    Ja. Das ist ja immer dieses Problem mit dem Besonderen und dem Allgemeinen. Ich glaube trotzdem, dass ein öffentlich-allgemeines Sprechen über Lust auch anders funktionieren könnte. Wie hat Foucault so schön geschrieben? Der Westen hat die Sexualwissenschaft hervor gebracht, der Orient die Ars Erotica.

    „Ich finde es bis heute sehr interessant, dass ich mich mit meinen heterosexuellen Freunden weit besser über Sex unterhalten kann als mit jeder Freundin, sei sie nun lesbisch oder hetero.“

    Seltsam, ich hatte oft Freundinnen, mit denen das prima ging – während die meisten heterosexuellen Männer bei mir lieber ausweichen 😀 … gibt aber auch Ausnahmen. Aber auch immer eine sehr klare Grenze.

    „Ich bin mir sicher, die allermeisten Lesben (die eh Sex und Liebe verwechseln, bzw. gleichsetzen) wären entsetzt gewesen.“

    Ich habe gleich wieder eine tollen Arbeitstag mit einer ganz wundervollen Lesbe vor mir – und die ist da ziemlich, na, unentsetzbar. Und früher, als ich noch mehr in der „Szene“ unterwegs war, fand ich die, die ich kannte, auch immer ziemlich offensiv. Aber da bin ich nicht mehr up to date, und das ist ja eh nur so was wie eine Fernwahrnehmung. Und sollte auch gar kein Kommentar zu Deiner Erfahrung sein, die steht da ja ganz unkommentiert für sich.

  19. somluswelt Mai 27, 2010 um 9:59 am

    „Aber da bin ich nicht mehr up to date, und das ist ja eh nur so was wie eine Fernwahrnehmung“

    Geht mir inzwischen ähnlich. Wo ich das noch eine Weile mitbekommen habe, war auf einschlägigen Lesbenportalen. Inzwischen habe ich alle meine Accounts dort gelöscht. Und sicher sind meine Erfahrungen auch nur Ausschnitte meiner spezifischen Erfahrung. Die Diskussion hatten wir hier und bei Che drüben ja auch schon öfter.

    Wahrscheinlich hatte ich in meinen 20ern noch zu sehr das Bedürfnis irgendwo dazu zu gehören, bis ich in den 30ern dann bemerkte, dass ich das doch nicht brauche und ich nun mehr nachweislich mich nicht so verbiegen kann, wie es dazu nötig gewesen wäre.

    Mir ist eine Netbitch (auch wenn ich sie nicht weiter kenne und auch hier kaum Kontakt mit ihr habe) letztlich näher als viele Lesben, die mir in meinem Leben begegnet sind. Letztlich ist die sexuelle Orientierung nicht ausschlaggebend für mich. Auch wenn es für mich als Teenager und junge Frau bedeutend war, dass es eine Szene gab, weil ich dort diesen Aspekt meiner Selbst stablisieren konnte. Aber heute spielt die „Szene“ für meine Identität kaum noch eine Rolle.

  20. somluswelt Mai 27, 2010 um 9:59 am

    Ups, mal wieder nicht ordentlich die Tags geschlossen.

  21. momorulez Mai 27, 2010 um 10:20 am

    Ziehe ich gleich noch gerade, die Formatierung!

  22. momorulez Mai 27, 2010 um 10:33 am

    So, jetzt sitzt es!

  23. che2001 Mai 27, 2010 um 10:47 am

    Eine der besten Diskussionen hier seit Langem. @Schockierend: Netbitch ist ja eben gerade nicht zotig, pornografisch oder vulgär, sondern auf freundliche und ehrliche Weise sinnlich, das ist einetotal andere Kategorie als derMüll, der medial so verbraten wird. @Somlu: Stimmt, die Liebe-und-Lust-geht-über-den-Magen-Sinnlichkeit damals bei Don, das hatte was!

  24. momorulez Mai 27, 2010 um 11:48 am

    „Im Zug nach Paris,
    Fenster voller Wasser und Misteln,
    Im Zug nach Paris,
    Stahlräder klopfen und wispern.
    Zwei Augen gegenüber
    und was da klopft sind die Räder,
    graue Sonne, graue Krähen, grauer Wunsch.
    Wie wir guckten
    und nichts sagten,
    und uns langsam näher wagten,
    und die Räder klopfen weiter
    nach Paris, nach Paris, nach Paris, Paris, Paris.
    Wach ist das Verlangen, durch das Schöne seiner Fremdheit.
    Wach ist die Begierde, und nur noch so wenig Zeit.
    Zwei Hände gegenüber, und was da klopft, sind das die Räder?
    Flauer Morgen, flaue Knie, flauer Sinn.
    Wie wir lachten, und nicht küßten, und nichts machten, na, weil wir nichts wußten.
    Und die Bäuche klopfen lauter, nur ein Kuß, mehr als ein Kuß, nur ein Kuß, mehr als ein Kuß, ein Kuß, ein Kuß.
    Tu parler Anglais? No. Alemagne? No. Schade…
    Seine Augen, lange Wimpern, seh´ ich sprühen, hör´ ich flüstern.
    Seine Augen, lange Wimpern, höhr´ ich klopfen und wispern.
    Zwei Menschen gegenüber,
    und was da klopft sind nicht die Räder,
    sondern Wünsche, und Sinne und Verlangen.
    Ob wir hofften, und nicht trauten,
    und auf´s Klopfen Hoffnungen bauten,
    und sein Lächeln in der Tasche
    in Paris, ¡n Paris, in Paris, Paris, Paris, in Paris.
    In Paris. “

    Georgette Dee – Die Chansons-Literatur steckt voller Überraschungen

  25. che2001 Mai 27, 2010 um 11:53 am

    Allerdings, wunderschön!

  26. momorulez Mai 27, 2010 um 11:55 am

    So was weist einen Weg, finde ich …

  27. somlu Mai 27, 2010 um 12:00 pm

    @che, erst mal danke nachträglich, ich wurde, wenn ich mich recht entsinne, als „routiniert“ bezeichnet ;-). Ob es dabei aber um das „durch den Magen gehen“ ging, …

  28. somlu Mai 27, 2010 um 12:04 pm

    Im Gegensatz zu dem hier: http://sv63mg.wordpress.com/2010/05/27/kalte-muschi/

    Passt irgendwie zum Blog hier 😉

  29. momorulez Mai 27, 2010 um 12:27 pm

    Das hat für irrwitzige Diskussion bei uns gesorgt!

  30. somluswelt Mai 27, 2010 um 12:38 pm

    Das kann ich mir vorstellen, sowohl Inhalt (Cola und Rotwein *grusel*) als auch Aufmachung, ich finde es lustig, nur würde ich es niemals trinken.

  31. MartinM Mai 28, 2010 um 11:14 am

    „Weil man „Eskimos“ wahrscheinlich auch gar nicht schreiben darf, oder? Faux-Pas?“

    Nein. In Grönland jedenfalls wäre das meines Wissens keiner.
    Auf Grönländisch (Kalaallisut) (und bei anderen Inuit-Sprachen wird es kaum anders sein, die sind ziemlich eng miteinander verwandt) gibt es genau zwei Worte für „Schnee“: „aput“für Schnee, der fällt, und „qanik“für Schnee, der liegt. Alles anderen der angeblichen 50 Worte (oder 100) Worte für „Schnee“ sind. wie im Deutschen, zusammengesetze Substantive.

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