Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Exzess

Dornseiff? Nie gehört. Aber die Bedeutungsgruppe zu „Exzess“, die ist ja ziemlich prima:

Mal ab  von Randale und Ausschreitung in den meisten Fällen, Stonewall zum Beispiel ausgenommen, als ein Lynchmob aus Transen und Strichern die a priori selbstverständlich klar unterlegenen Polizisten jagte, sich gegen eine Razzia wehrend.  Pumps gegen Gummiknüppel, da sahen die Cops ganz schön alt aus. Kann man, also ich, ja mal wieder erzählen, weil das ja keiner mehr auf dem Zettel hat, was hinter  dem „CSD“ steckt. Und auch wegen der letzten Diskussion hier im Blog.

Blutschande und Blutschuld sollen auch nicht ins folgende Thema leiten, Skandal, Schurkerei, na ja, nicht wirklich, und Rohheit will ich das Wort auch nicht reden – Verfolgung und Übel wollen schon gar nicht. Ärgernis und Gräuel ist wohl eher eine Frage des Standpunkts.

Aber ansonsten ist das schon eine  tolle Aufzählung  – zur Orgie hat es leider doch nicht gereicht. Ich habe gesucht, aber niemanden dafür gefunden, stattdessen ganz wundervoll – steht ja auch oben, Schwoof – mit einer nicht minder wundervollen Frau geschwooft. Und irgendwann hätte ich auch definitiv nicht mehr gekonnt, also, Mitwirken bei einer Orgie. Der Heimweg war hart …

Ein Liebesabenteuer bleibt es jedoch, mein Verhältnis zum FC St. Pauli, allen Unkenrufen über den „gentrifizierten Verein“ zum Trotze … schon deshalb:

(Danke, Fussball lebt, was auf einmal anders heißt, und ich finde das Foto da grade nicht wieder für die Direktverlinkung)

Ja, es bleibt bei allem Erreichten noch viel zu tun. Eine solche exzessive Liebesbeziehung wie die vom FC St. Pauli und mir, von Taumel und Triebhaftigkeit geprägt, kann halt nur überleben, wenn man sich hehre Ziele setzt. Da machen die in den Logen in der nächsten Saison bestimmt mit, beim Kapitalismus abschaffen. Die haben im Gegensatz zu mir ja die Macht dazu. Wobei Benes Blick auf Herrn von Beust beim Rathausempfang zeigte, der der Weg dahin noch ein weiter sein wird. Was dem Exzesse vorgestern zumindest bei mir keinen Abbruch tat …

Der ja schon deshalb nötig war, weil es so spannend nun wirklich nicht mehr war. Das Spiel hatte ja schöne Momente (dieser Dropkick von Ebbers an die Latte war so scheißcool! Sensationell!), Paderborn hat völlig verdient gewonnen, und es war niedlich, wie die Jungs vom „Aufsteigerbesieger“ da standen in ihren orange-gelben Socken und unserer Mannschaft bei ihrer ziemlich lustigen Performance zusahen. Die ja da bei Facebook die richtigen Feinde gefunden hat. Ja, es gab auch Wermutstropfen: Dass trotz Marius‘ Ebbers‘ bestimmt situativ komischem Flughafen-DJing mit dem Song „I’ve been looking for Freedom“ vom unsäglichen Hasselhoff dieser am heiligen Tage des magischen Aufstiegs gespielt wurde, das war eine Pflichtverletzung jener Regeln, die Good Bad Taste von Bad Bad Taste unterscheiden. Aber mich hat ja vorher mal wieder keiner gefragt.

So hatte man also die ganzen Gefühle von Ausgelassenheit und Lebenslust im Grunde genommen schon nach dem Fürth-Spiel süchtig genossen. Dieses ekstatische Herzplatzen der abgrundtiefen Erleichterung, dass man zuletzt mit vergleichbarer Intensität bei den Toren von Rothenbach und Deniz Baris erlebt hatte, fand halt nicht statt. Mit diesem unvergesslichen Kopfstoß einst in Nürnberg, bei dem ich noch Wochen später angesichts des Anblicks all der hochgerissenen Arme auf dem Heiligengeistfeld auf den Videomitschnitten ebenso in hysterisches Schluchzen ausbrach wie auch bei den Bildern der auf dem Rasen unseren im Block eingesperrten Leuten zujubelnden Nürnberger Fans, konnte das vorgestern nicht ganz mithalten.

Das liegt aber daran, dass unsere aktuelle Mannschaft einfach viel zu prima ist. Man hat ja an sie geglaubt und eher zweckgezweifelt. Was haben die uns für Erlebnisse verschafft! Die Spiele in Aachen (trotz schaurigen Randgeschehens) und Oberhausen, die ich im Sinne aktiven Fanseins sittenwidrig nur am Fernseher verfolgte – aber noch viel mehr die gegen Augsburg und Koblenz in der Rückrunde, das war ja schon Luxus pur für uns als St. Paulianer. Die Halsabschneidergeste samt Mondlandung Deniz Nakis sind unkündbar in meine innere „Hall of Fame“ eingezogen und haben da einen Ehrenplatz. Und eben Fürth …

Insofern war man, also ich, schon so oft geplatzt, ausschweifend in Eskapaden überbordender Gefühle über sich hinaus treibend, dass ich mich nunmehr einfach ganz liderlich, verlottert und maßlos dem Alkohol hingab, um zumindest die Ereignishaftigkeit des übermäßigen Leichtsinns zu erzeugen.

Auf dem Spielbudenplatz war es zu voll, die Spieler habe ich aber schon noch gesehen, aus dem Innenbereich nach außen  vor die „World of Sex“ geflüchtet. Zog anschließend durch die Straßen und fand es schön. Wirklich schön. Wenn man da seit über 20 Jahren drumherum wohnt und auf einmal an allen Ecken und vor allen Kneipen die Leute sich freuen sieht, das ist schon prima.

Kehrte ein im Toom Perstall, aus reiner Nostalgie, da waren ja einige der schönsten Exzesse meines Lebens situiert – wo außer mir nur drei sehr nette Lesben vor und eine großartige, blondierte Trine hinter der Bar saßen. Genoss das Gefühl, zu Hause zu sein, und trank in wohliger Erinnerung an Tequilla-Gelage in grauer Vorzeit einen solchen. War nur ein Auftakt … aber über den Rest schreibe ich lieber nicht und lasse stattdessen die Lexika sprechen:

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51 Antworten zu “Exzess

  1. momorulez Mai 11, 2010 um 9:58 pm

    Ah, Danke! Ich habe die tatsächlich nicht wiedergefunden, sonst hätte ich auch richtig verlinkt!

  2. ring2 Mai 12, 2010 um 7:28 am

    dieses uni-leipzig dingens ist ja ein quell purer Freude 🙂

  3. momorulez Mai 12, 2010 um 8:29 am

    Ja, war auch richtig begeistert, als ich das fand 😉 …

  4. ziggev Mai 13, 2010 um 10:10 pm

    absoluter Fan bin ich auch von dieser Seite:

    http://www.dwds.de/?woerterbuch=1&corpus=1&kompakt=1&sh=1&qu=Laster

    Besonders das Häkchen bei

    „Corpora“ http://www.dwds.de/?corpus=1&qu=ausbeuten&cc=DWDS&tc=%2F.%2F&ps=50&kw=off&von=1900-01-01&bis=2000-12-31&sort=1&res=-1&cp=1

    bring tolle Beispiele (letztes Jahrhundert!).

  5. ziggev Mai 13, 2010 um 10:22 pm

    zweimal Leipzig

    http://www.phillex.de/

    und (kommt ursprprünglich ebenfalls von dort):

    http://www.dict.cc/?s=hooded (hier n Beispiel, wenn auch auf Wortlisten stehst)

  6. momorulez Mai 13, 2010 um 10:26 pm

    Danke! Klicke ich in Ruhe durch! Für Blog-Einträge sind die super hilfreich, und im Grunde genommen sind die auch hochphilosophisch …

  7. ziggev Mai 13, 2010 um 10:40 pm

    phillex ist (war?) ziemlich sehr an analytischer Philosophie interessiert, wie mir scheint. Aber da findet man schöne knappe Definitionen. Auch gemahnt die Seite eine Wenig an euphorische Internet-Anfänge, find´s einfach sympathisch (abgesehen, davon dass ich eh auf die analytische Philosophie stehe …) …

  8. momorulez Mai 14, 2010 um 9:15 am

    Phillex ist prima! Wirkt wirklich ein wenig wie früher. Analytische Philosophie war und ist mir ja auch immer recht wichtig:

    https://metalust.wordpress.com/2010/03/08/danke-ernst-tugendhat/

  9. ziggev Mai 14, 2010 um 7:50 pm

    Da du so begeistert bist von Tugendhat, werde ich mich vielleicht doch noch mal mit dem beschäftigen; da hilft wohl alles nix: selber lesen. So: http://kritik-und-kunst.blog.de/2010/04/15/gelesen-8374194/ kam es ja auch, dass ich jetzt „Buddenbrooks“ lese …

    Also jetzt zweimal ganz unsachlich:

    1.
    Ich hatte den Eindruck (ja, ich hatte das Reclamheftchen tatsächlich mal in der Hand, habe sogar 1mal die Seiten durchgeblättert), dass Tugendhat andauernd ergebnislos versucht, das Rad neu zu erfinden, wohin das führen sollte – keine Ahnung. Instrumentalisiere niemanden – ergibt sich das nicht schon aus Kant, der auch sehr schöne Formulierungen gefunden hat? Wie auch immer:

    2.
    Da war mal ne Großveranstaltung in HH, ein „gesellschaftliches Ereignis“, eine oder mehrere Vorlesungen von eben jenem Philosophen. Bei einer war ich zugegen. Als Tugendhat geendet hatte – ich kann mich an keinen erhellenden Moment erinnern, und die einzige Stelle, die mich interessiert hätte (es ging um das Problem der Aufrichtigkeit) hat er so vernuschelt, dass nichts zu verstehen war – als also sich eine Diskussion anschließen sollte, meldete Frau Dr. Frede sich sehr angelsächsisch/ungezwungen, wie an die „Fellows“ sich richtend, die Diskussion im wahrsten Sinne des Worts zu zu e r ö f f n e n d zu Wort, so, dass sich jeder ermutigt fühlen durfte, an ihr teilzunehmen, wirklich toll, da wehte ein anderer Wind, eine viel freiere Atmosphäre konnte man erahnen … Nach meiner Erinnerung stellte sie keine Detailfrage, nein, sie hatte tatsächlich vor, Tugendhats „Thesen“, jedenfalls den Inhalt seines Vortrags z u r D i s k u s s i o n z u s t e l l e n … Und da lag doch tatsächlich bei einer philosophischen Diskussion was von I n f r a g e s t e l l e n in der Luft!! … Doch was dann passierte: Noch nie habe ich mitbekommen, dass jemand im universitären Umfeld so kaltschnäuzig abgewatscht wurde! Spielte da eine Macho-Attitüde mit rein? Jedenfalls wurde ihr gleichsam das Wort abgeschnitten, in keiner Weise darauf eingegangen, was sie gesagt hatte, es wurde einfach arrogant ignoriert – da kommt doch tatsächlich dieser weißhaarige, hoch gewachsene HERR aus Chile, wo er feinsinnige, sokratische Dialoge verfasst, nach Hamburg, und dann soll die „Diskussion“ gänzlich ohne Lobhudelei stattfinden – muss ich mir das bieten lassen, mag er gedacht haben, aber nee, da sprach für mich die reinste Arroganz aus der Haltung, die er an den Tag legte, der ist mit ihr umgegangen, wie mit einem kleinen Kind, das plötzlich bei einem „Erwachsenenthema“ mitreden will, nur dass man dann meistens mit einer gewissen Nachsicht reagiert. – Ich war wirklich geschockt! – Und verließ, wie ich glaubte, als einziger – in dem Vorlesungssaal wurde es mir mit einem Mal einfach zu eng – immer noch fassungslos das Auditorium. In dem Moment sehe ich jemanden wutentbrannt vor mir klack-klack-klack mit lauten Schritten durch den Gang eilen: Frau Dorothea Frede … Ja, die, Princeton University, wenn ich mich nicht irre, etc., etc.

  10. momorulez Mai 14, 2010 um 8:28 pm

    Ich habe den nie persönlich erlebt, wie dessen Auftreten ist, weiß ich somit gar nicht. Und bei Frau Frede hatte ich übrigens trotz jahrelangem Studium auch nie ein Seminar, bei Künne übrigens auch nicht … Die Story liest sich auf jeden Fall alles andere als sympathisch, Tugendhat betreffend.

    Dieser Eindruck mit der Neuerfindung des Rades könnte daran liegen, dass er immer zunächst mit den ganz grundsätzlichen Begriffsverwendungen los legt – sich dann aber in intensiver Auseinandersetzung mit der Tradition und einzelnen Philosophen zu eigenen Positionen vor kämpft. Das „Instrumentalisiere niemanden“l ist eine explizite Interpretation der Zweck-Formel des Kategorischen Imperativs, die zudem in einer Analyse von „gut“ gründet (und so mal eben nebenbei evaluative und deontologische Moralbegründung verknüpft).

    Dass das manchmal so wirkt, als käme da viel bei raus, liegt, glaube ich, daran, dass manche große These wie eine ganz bescheidene wirkt. Tugendhat zitiert oft das Heideggersche „Zahlen sie Kleingeld!“, macht das seinerseits auch, um die Philosophie auf den Teppich zu bringen. Und solche muss es ja auch geben.

  11. ziggev Mai 14, 2010 um 10:50 pm

    hmm, nja, … „die Philosophie auf den Teppich zu bringen“ – gefällt mir eigentlich, fange langsam an, mich ein wenig zu beruhigen. Oder ist es diese Tiefstapelei, die mich ärgert? Zudem befürchte ich, dass ich seinen Stil einfach nicht mag … Aber es ist für mich müßig, darüber zu diskutieren, denn gelesen hab ich seine Sachen eben nicht.

  12. Bersarin Mai 15, 2010 um 10:58 am

    Ich habe es mittlerweile aufgegeben, mir Vorträge anzuhören. Es kommt meist nicht viel dabei heraus. Das eine sind die Schriften, das andere das Wort oder die Person. Oft ist die Person unangenehm (siehe etwa Heidegger), die Philosophie jedoch bedeutsam. Da wird für einen Vortrag Odo Marquard als begnadeter Rhetoriker angekündigt, und er hält dann einen derart langweiligen, uninspirierten, geistlosen Vortrag, daß eine Freundin und ich den Saal noch während dieses Blah-Blahs verlassen, weil das Absitzen so viel verschenkte Lebenszeit bedeutet.

    Lustig allerdings bei einem Ästhetikkongreß: Bohrer gibt einen Vortrag über Romantik und Surrealismus, der sogar gut war. Bei der anschließenden Diskussion springt Bazon Brock auf, stellt wütend eine Frage, stürmt zum Vortragspult mit seiner übermächtigen Statur, steht da, bebend vor Zorn (Achilleus, Hektor und Ajax in einem), als ob er Bohrer gleich eine semmelte und das Pult umwürfe. (Schön anzusehen dort auch Josef Früchtl mit einer kanariegelben Krawatte.)

    Wie schon einmal gesagt, kann ich Tugendhats „Vorlesungen über Ethik“ empfehlen. Wenngleich das kein Kriterium für Philosophie abgeben darf: aber sie lassen sich ganz gut lesen. Es eröffnen sich darin recht instruktive Momente, die es mir ermöglichten Moralphilosophie und Ästhetik in eine Konstellation zu bringen, ohne daß dabei die Ästhetik in eine dienende Funktion versetzt wird.

  13. momorulez Mai 15, 2010 um 11:24 am

    Der schönste Vortrag, den ich mal hören durfte, das war einer von Peter Wicke auf einem Kongress der Ästhetischen Gesellschaft im hannöverschen Sprengelmuseum. Es ging um Techno, und er erläuterte dem erlauchten Auditorium das Prinzip des Loops. Indem er einen anspielte. Schier endlos lief dieser Loop. Das hörte gar nicht mehr auf. Und er stand da mit gerecktem Kopf und einem Blick „Wer sich zuerst rührt, wird rhetorisch nieder gemetzelt!“ All saßen starr da, und der Loop ging immer weiter … man spürte ihm in dem Moment all die Erfahrung mit den FDJ- und SED-Gremien an, wie er da stand, stolz und angriffslustig keine Miene verzog, während er sich innerlich tot lachte 😉 …

  14. che2001 Mai 15, 2010 um 2:00 pm

    Eigentlich äußerst ähnlich dem 1. Mai, der CSD. In beiden Fällen ging es um Widerstand gegen Bullenterror.

  15. momorulez Mai 15, 2010 um 6:52 pm

    Ja, nur das Objekt der Bullenwillkür kein willkürlich gewähltes ist. Kannst Du mal aufhören, ständig Homo-Geschichte nivellieren zu wollen? Nix für ungut, ich meine das nicht böse, aber ich glaube auch nicht, dass die Souffragetten im Grunde genommen das gleiche waren wie die Black Panther.

  16. che2001 Mai 15, 2010 um 10:05 pm

    So war das aber gar nicht gemeint. Eher im Sinne von wir haben dieselben Feinde oder der Kampf hat ein gemeinsames Ziel. Ich kann doch auch nicht Antirassismus – Schwerpunkt meiner Tätigkeit – relativieren, weil ich nicht schwarz bin. Das liefe dann auf eine Sozialbewegung der weißen, heterosexuellen, nicht-mainstream-vermehrungs-familienorientierten Lower-Middleclass- Männer hinaus. Die im 3-zu-1 Machtverhältnis nichts bringt. Im Endeffekt liefe es sogar darauf hinaus, mich von radikalen Positionen zu verabschieden, weil die zu meiner gesellschaftlichen Rolle im Widerspruch stehen. Dann hätte schon Engels wirtschaftsliberale Positionen vertreten müssen. Da halte ich es eher mir Rio Reiser: „Kommt zusammen Leute, lernt Euch kennen.“

  17. momorulez Mai 15, 2010 um 10:12 pm

    Es liefe lediglich darauf hinaus, das wirklich Einzigartige an Stonewall wahrzunehmen und anzuerkennen. Und das ist doch keine Frage der Identität dessen, der wahr nimmt und anerkennt.

  18. che2001 Mai 15, 2010 um 10:47 pm

    Nein, eine Frage der Identität ist es nicht. Aber eine Frage der Solidarität. Wie soll ich denn bitteschön die Positionen von Dir als linkem Schwulen oder Netbitch als linker hedonistischen Feministin unterstützen, ohne mich außerhalb von dem zu bewegen, was meiner „originären“ Klassenposition entsprechen würde? Für mich läuft das immer nur darauf hinaus, mich mit Standpunkten zu identifizieren, die ich richtig finde, aber nichts mit meiner eigenen Lebenssituation zu tun haben.

  19. momorulez Mai 15, 2010 um 10:55 pm

    Wollen wir über Stonewall reden oder über Dich?

  20. che2001 Mai 15, 2010 um 11:19 pm

    Über Stonewall. Und zwar so,dass da etwas herauskommt, das auf eine sozialrevolulutionäre Perspektive hinausläuft und nicht nur auf ein Fest.

  21. momorulez Mai 15, 2010 um 11:34 pm

    Ja, die doofen Partytrienen, ist schon klar.

    Stonewall war wenigstens mal was, was wirklich gewirkt hat.

  22. che2001 Mai 16, 2010 um 9:33 am

    Sage ich ja. Ich habe nichts über doofe Partytrienen gesagt.

  23. momorulez Mai 16, 2010 um 12:19 pm

    „nicht nur auf ein Fest“?

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=12173

    Wenigstens ist mein neuer Gravatar endlich auch hier auf meinem Computer angekommen – fühle mich wie neu geboren 😉 …

  24. Nörgler Mai 16, 2010 um 4:32 pm

    Sicherlich hat der neue einen hohen Coolness-Faktor. Doch der alte drückte solche Gehalte wie „vielfältig zusammengesetzt“ und „gegen den Strom“ aus.

  25. che2001 Mai 16, 2010 um 4:49 pm

    Also, was da in Osteuropa so abgeht hinsichtlich staatlich organisierter oder „begleiteter“ Hassausbrüche gegen Gays ist wirklich das Allerletzte. Die könnten da wirklich ein Stonewall brauchen – oder drei, vier, viele.

  26. momorulez Mai 16, 2010 um 5:19 pm

    @Nörgler:

    Ja …. aber …. der alte war ja sogar selbst gemalt.

    Aber manchmal ist mir sogar ein ganz klein bisschen nach weniger Sperrigkeit und etwas, nur etwas mehr nach, hmmmm, wie soll ich sagen, halbwegs ansprechend sein. So schwer mir das fällt 😀 … kann ich ja eh immer nur bis zu einem gewissen Punkt. Und der Trotz, der mir zueigen ist, der ist ja bewahrt in der Haltung des Bildes.

    @Che:

    Das ist megafinster. Und das war hier ja vor knapp mehr als 40 Jahren noch genau so; und es zog sich ja bis in die 70er hinein. Corny hat Ende (!!!) der 70er den Spiegel auf der Klappe zertrümmert.

    Lese auch gerade die ansonsten sehr amüsante und so gar nicht doofe Rupert Everett-Autobiographie, wo er über Razzien im London der 70er berichtet, weil man da schwul nur in privaten Räumen sein durfte, aber nicht öffentlichen Kneipen (wenn ich das richtig nachgegooogle habe). Und Thatcher hat als erstes neue Paragraphen gegen die „Beförderung der Homosexualität“ erlassen. Bush hat seine Wiederwahl unter anderem im Kampf gegen die „Homo-Ehe“ gewonnen.

    Das läuft doch alles immer mit, wenn Loellie und ich so zickig werden. Die Stories von Kumpels von Kumpels, die in Moskau mit einer Flasche im Arsch, mit Aschenbecher tot geschlagen, in Hotelzimmern aufgefunden wurden, die sind ja immer schon präsent gewesen. Von Freunden, die auf dem Kölner Ring zusammen getreten wurden. Usw. – Heteronormativität ist ja keine Erfindung paranoider Homos. In Lettland wurde kürzlich der CSD mit Scheiße, ganz buchstäblich, beschmissen.

  27. che2001 Mai 16, 2010 um 5:34 pm

    Das weiß ich doch alles. Nur, wenn Ihr wütend werdet, liest sich das manchmal so, als unterstelltet Ihr Nörgler oder mir implizit, selber zu den Sympathisanten der Schwulenmisshandler zu gehören, und da trefft Ihr dann die Falschen. Den Zorn selbst verstehe ich bestens. Und ich überlege mir, ob man tatsächlich Angst haben muss, dass ein schwulenfeindlichers Klima von Osteuropa und/oder USA zu uns rüberschwappt oder ob das nicht passieren kann. Ich traue ja der „Zivilisiertheit“ moderner Gesellschaften wenig über den Weg. Hat ja sich auch in Yugoslawien gezeigt, wie dünn da der Lack ist.

  28. momorulez Mai 16, 2010 um 6:10 pm

    „Und ich überlege mir, ob man tatsächlich Angst haben muss, dass ein schwulenfeindlichers Klima von Osteuropa und/oder USA zu uns rüberschwappt oder ob das nicht passieren kann.“

    Das ist schon längst geschehen. Das wirkt ja unterschwellig heftigst. Gerade gestern oder vorgestern in der taz stand wieder ein Artikel über einen Lehrer, der wegen Schwulsein gefeuert wurde, weil irgendwelche Hysteriker befürchteten, er könne kleine Jungs befingern. Da ist die Saat evangelikaler und katholischer Propaganda längst aufgegangen – wird ja auch keiner wegen Heterosexualität gefeuert, weil er kleine Mädels befingern könnte oder der Familienvater verboten, weil er seine Tochter begrabbeln könnte. Obwohl beides viel häufiger passiert.

    Und dass Du oder Nörgler zu Sympathisanten der Schwulenmisshandler gehören könnten, da käme ich im Traum nicht drauf. Gerade beim Nörgler habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass wir ihm besser verständlich machen konnten, was wir meinen. Worüber ich mich sehr gefreut habe. Deshalb habe ich auch die verletzte Reaktion drüben bei Dir des Nörglers sehr gut verstanden.

    Was aber im Netz wie auch im wahren Leben gerade bei „Linken“ einschließlich meiner selbst extrem häufig ist, ist, dass sie sich ihrer „Homophilie“ so dermaßen sicher sind, dass sie gar nicht merken (!!!), wann sie in homophobe Hörner stoßen. Das erlebe ich ständig, und daher kommt die Zickigkeit.

    Weil oft so ein „wirdochnichthierdochnicht“, so ein komisches im Grunde genommen deutsches Selbstverständnis da mit läuft, das dann Mechanismen verschleiert, von denen ich doch auch alles andere als frei bin. Was glaubste denn, was für schiefe Bilder man auch als Homo internalisiert hat und auch nicht los wird.

  29. Nörgler Mai 16, 2010 um 6:11 pm

    Selbst gemalt? Donnerwetter, hätte ich nicht gedacht!

  30. momorulez Mai 16, 2010 um 6:13 pm

    Ja, das alte Bild war tatsächlich von einem – ich bekenne – Till Schweiger-Foto ausgehend entstanden 😉 … da war so schön dramatisch ausgeleuchtet, da konnte man was draus machen.

  31. Nörgler Mai 16, 2010 um 6:27 pm

    „… dass wir ihm besser verständlich machen konnten, was wir meinen.“
    Ich empfinde das für mich selbst genau so. Die vielen Diskussionen lassen mich Dinge sehen und spüren, die mir vorher nicht einmal ihrer Existenz nach bekannt waren. Das hat auch Folgen. Beispielsweise reagiere ich auf Schwulen“witze“ mittlerweile nochmal einen scharfen Zacken anders als bislang schon, und zwar ganz unwillkürlich, einfach aus der Empfindung heraus.

  32. ziggev Mai 16, 2010 um 7:59 pm

    Hi, habe mit kurz eure blogs zum Thema Tugendhat angesehen und, wieder kann ich zugegebener Maßen nur einen Eindruck versuchen mitzuteilen: Nicht besonders beeindruckt. Aber jetzt nur ganz kurz (ist doch ein bisschen mehr geworden):

    Jemand soll „homosexuell“ oder „heterosexuell“ „sein“? – Einen solchen Gedanken versuche ich gänzlich aus meinem Denken zu streichen. Denn mir scheint schonnenklar, dass mit einem solchen Satz nie etwas identifiziert wird, etwa das, „worum es sich tatsächlich handelt“. Und dazu brauche ich jedenfalls nicht Tugendhat; um der Gefahr zu entgehen, zu glauben, dass solche Sätze mir irgend etwas wahres mitzuteilen vermöchten, die mir so lediglich die Gelegenheit gäben, alles Mögliche – z. B. das, was es mir am bequemsten macht, an meinen Vorurteilen festzuhalten – in eine solche Identifikation hineinzuprojizieren, mache ich mir immer klar, dass die ganze Sache in entgegengesetzter Richtung vonstatten gehen muss. Eigentlich müsste man hier rein naturalistisch vorgehen (irgendetwas messen und hinterher ggf. einen Namen dafür verwenden, während es völlig zufällig ist, wie man´s nennt), dann hätten wir irgendeine Definition, mit der gleichwohl niemand etwas anfangen könnte – abgesehen vielleicht von denen, die es auf Diskriminierung etc. abgesehen haben. Also:

    Die Auskunft, der und der begehrt aktuell den und den, reicht doch vollkommen. Da hast du exakt ausgesprochen, wie ich darüber denke. Warum nicht einfach konstatieren und Ende? Aber selbst das (in der dritten Person) scheint mir noch gefährlich; Vielleicht so: Wenn der und der den und den begehrt, was folgt daraus? Gar nichts folgt daraus, weil: muss denn überhaupt daraus etwas folgen? Wer hat das denn je behauptet?; ich begehre den und den, oder die und die oder dieses oder jenes. Na und? What´s the difference, ich werd´s wohl nie begreifen …

    „Nachhaltige Attake“? – Wie das? „ich“ als Deiktikum aufzufassen, das ist doch wunderbar, aber ich kann da nichts aufregendes finden. (BTW: Warum soll denn ein Gedanke immer gleich aufregend sein?; Isaia Berlin, glaube ich, hat gesagt, sinngemäß, im Zusammenhang mit Nietzsche: dass ein Gedanke aufregend ist, spricht noch lange nicht für ihn.)

  33. che2001 Mai 16, 2010 um 9:25 pm

    @omorulez: So, wie Du das jetzt sagst, wird ein Schuh draus, den ich mir anziehen kann.

    @ziggev, ganz Recht, und wir sollten überhaupt von all den Zuschreibungen ganz weit weg kommen.

  34. momorulez Mai 16, 2010 um 9:32 pm

    @Nörgler:

    Das für mich Frappierende, Erstaunliche und eigentlich auch Erschreckende ist, dass es mir gar nicht so viel anders geht als Dir dabei.

    Ich habe ja selbst in diesen Diskussionen hier noch allerhand hinzu gelernt oder, im konkreten Fall, an „Erfahrungsedimenten“ frei gelegt unter emotionalen Hornhäuten (so was meinte wohl Freud mit „Wo Es war, soll ich werden“, wobei ich das „Es“ sehr anders fassen würde) und blinden Flecken, etwas, dass ich mir wütend (das Verb wüten ist gemeint) gewissermaßen erst erringen musste.

    Und frage mich immer, wieso das mit 20 noch nicht möglich war, mir zumindest, da sollte das ja eigentlich statt finden – aber wahrscheinlich ist man oder war ich da noch in völlig falschen Anerkennungsstrukturen verwoben.

    @Ziggev:

    Ja, alles richtig, mal ab von dem Messen und dem über Tugendhat 😉 – der sich ja gerade dadurch auszeichnet, dass so ein Satz von Isiaah Berlin bei Nietzsche, aber nicht bei ihm möglich ist.

    ABER: So lange man ALS homosexuell identifziert WIRD; kommt man auch nicht umhin, sich dazu zu verhalten. Und wenn Du schon auf dem Schulhof dieses ewige „schwule Sau“ zu Anderen gesprochen hörst, kannst Du Dich nicht dagegen immunisieren. Das ist ja der Punkt, wo Foucault, „Andorra“ von Max Frisch und Sartre sich treffen.

    „Die Auskunft, der und der begehrt aktuell den und den, reicht doch vollkommen.“

    Das ist wahr, völlig, aber kurioserweise als Utopie. Das kann Kritik begründen, aber leider als gesellschaftlicher IST-Zustand eben nicht voraus gesetzt werden. Das halte ich ja mittlerweile für den Kardinalfehler der ganzen liberalen Tradition: Dass sie ein Sollen als IST voraus setzt.

  35. ziggev Mai 16, 2010 um 11:04 pm

    ok., bin wohl so ´ne Art einsamer Utopist. Einsam, und faul. Denn theoriemüde, wie ich es geworden bin, glaubte ich mich davon zu überzeugen, dass das, was die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse betreffend leider als Sollen erscheint, dasjenige ist, was übrig bleibt, wenn man allen überflüssigen (theoretischen) Ballast abwirft, wenn man sich einfach darauf reduziert, was – jetzt wieder das Wort – i s t. Aber vielleicht, hechle ich ja nur einer liberalen Tradition hinterher – mir jedes Mittel (und sei es eine Art selbstgestrickter Naturalismus) recht sein lassend, um behaupten zu können, dass das, was sein soll, bereits vorausgesetzt ist. – Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie darüber Gedanken gemacht, ob ich damit irgendjemand, der etwa „schwule S..“ sagt, überzeugen könnte. Für mich, für meinen Privatgebrauch – um mich selber zu überzeugen – reicht´s.

    Vorerst bleibe ich jedoch bei meinem reduktionistischen Konzept; denn dass Rassismus einfach dumm ist, davon kann ich mich selbst überzeugen, indem ich beobachte, was sich in meinem Kopf abspielt, wenn ich beginne rassistisch zu denken, wenn also, nur weil jemand so und so aussieht, ich im positiven oder negativen Sinne zu denken beginne: der ist bestimmt so oder so: dann fühle ich mich einfach so unsagbar dumm!!! – Damit konnte ich zum Rassismus neigende Menschen jedenfalls schon das eine oder andere Mal zum Nachdenken bewegen oder dazu, ihre Denkweise zu ändern.

    Dich jetzt aber auch noch zum waschechten reduktionistischen Naturalisten zu machen … darüber jedenfalls mache ich mir keine Illusionen 😉

  36. momorulez Mai 16, 2010 um 11:57 pm

    Nee, das mit dem Naturalisten, keine Chance 😉 – und da ich davon ausgehe, dass die meisten wenig Probleme damit haben, sich dumm zu fühlen, kann mich das auch nicht wirklich trösten. Notfalls attackieren die Normalisierer sogar den Blognamen hier als elitär – und dass sie ansonsten vor allem jene, die sich ihren Normalitätsvorstellungen nicht fügen wollen, ihrerseits nicht in Ruhe lassen, sobald die sich zeigen, ist halt Erfahrung, um die man nicht herum kommt.

    Insofern habe ich das auch mit der Selbstgenügsamkeit nie hin bekommen. Am meisten gab es immer auf die Fresse, wenn ich einfach mal so tat, fühlte, dachte, machte, wie es mir einfach so richtig erschien. Die Korrektoren schritten dann eigentlich immer ein … und so ganz robinsonesk kriege ich auch nicht hin.

  37. ziggev Mai 17, 2010 um 12:23 am

    momorulez, soviel also zum Thema Selbtgenügsamkeit u. Ä., da ist ja ein gewisser bitterer Unterton kaum zu überhören! Okay, Message angekommen!

  38. momorulez Mai 17, 2010 um 8:35 am

    Passt gerade – erst bin ich 24 Jahre krank gewesen und dann urplötzlich gesundet 😉 :

    http://www.l-mag.de/news/internationaler-tag-gegen-homo-und-transphobie.html

    Ich frage mich manchmal, wo dieser Gestus hin ist, der in den 70ern sich in Zeilen wie „… und wenn Du aus der Reihe fällst, kommen Regenmacher, Priester und Doktoren“ äußerte – Klaus Hoffmann, „Hannah“. Und wieso dessen Attacken gegen die Mittelmäßigkeit in diesem neoliberalen Quatsch des Elite-Dünkels aufgehen konnten. Jetzt regt sich stattdessen der Kampagnenjournalismus darüber auf, dass die LINKE in NRW das „Recht auf Rausch“ fordert, ein damals – in den frühen 90ern – ja recht spektakuläres Urteil eines Lübecker Richters, der genau dieses Recht einforderte. Die Stromlinienförmigkeit des funktionalistischen Normalisierungsapparates ist ganz schön flächendendeckend wirksam geworden, würde ich mal sagen. Und im Grunde genommen ist es Neid und Angst angesichts der Unangepassten, ganz plump.

  39. che2001 Mai 17, 2010 um 10:03 am

    @“Ich frage mich manchmal, wo dieser Gestus hin ist, der in den 70ern sich in Zeilen wie „… und wenn Du aus der Reihe fällst, kommen Regenmacher, Priester und Doktoren“ äußerte – Klaus Hoffmann, „Hannah“. Und wieso dessen Attacken gegen die Mittelmäßigkeit in diesem neoliberalen Quatsch des Elite-Dünkels aufgehen konnten. “ —– Wieso gehen Klaus Hoffmanns Attacken gegen die Mittelmäßigkeit in neoliberalen Elite-Dünkel auf? Hören die neoliberalen Eliten Hoffmann?

    Und diesen Zwang zur Mittelmäßigkeit habe ich aber in den Siebzigern mindestens so krass erlebt wie heute. Wenn etwa ein Jugendlicher in der Straßenbahn von einem Opi dafür angepöbelt wurde, dass er die Füße auf einer gegenüberliegenden Sitzfläche hatte und „da fehlt der Rohrstock“ zu hören bekam. Die Luftschutzübungen, die bei uns in der Schule noch stattfanden, und der Klassenlehrer, der uns bei jedem Starfighterabsturz in feierlichem Tonfall erklärte, wieso „wir“ dieses Flugzeug bräuchten. Was anders war war die Gegenbewegung, die heute weg vom Fenster ist.

  40. momorulez Mai 17, 2010 um 10:20 am

    Ich meine ja die Gegenbewegung. Und natürlich bezieht sich kein Neoliberaler explizit auf Hoffmann, die haben aber die Attacke der „Mittelmäßigkeit“ sich auf die Fahnen geschrieben, während sie sich paradoxerweise gleichzeitig als gesellschaftliche Mitte behaupten.

  41. che2001 Mai 17, 2010 um 10:55 am

    Stimmt, und sie wettern gegen einen „Mainstream“, der in Wirklichkeit die etablierte Opposition ist. Und die Mittelmäßigkeit, gegen die sie hetzen, ist in Wahrheit die Gleichheit. Mittelmäßig sind sie selber in höchstem Maße.

    Ich hatte in einer Runde von sich hip und supermodern fühlenden, aus meiner Sicht aber entsetzlich konformen und neoliberal/neokonservativen JungunternehmerInnen sogar mit einem alten Burschenschafter Gemeinsamkeiten entdeckt, weil der, ebenso wie ich, zumindest irgend eine Art von nicht an Effinzienkriterien festgemachter Studienzeit hatte und wir uns beide von dem grauen Sumpf doch abhoben.

  42. momorulez Mai 17, 2010 um 11:06 am

    Wir sind uns „kulturell“ ja eh mit einem Karsten, Rayson oder Stefanolix näher als mit dem Proll aus Lichtenhagen, dem fränkischen Kleinstadtbewohner oder Guido Westerwelle, dessen Existenz ja deshalb so provoziert, weil er die deutsche Mitte geradezu karrikiert vor lauter internalisiertem, voraus eilendem Gehorsam, der dann irgendwann anderen vorschreiben will, genau so zu sein. Wie ein Robert Koch ja auch.

    Das ist ja eine der Paradoxien der Debatten unter Bildungsbürgern. Dass die eben was anderes sind als die „Schaffe, Schaffe, Häuslebauer“ mit ihrem „Ich habe es geschafft, also benimm Dich!“-Programm.

  43. Nörgler Mai 17, 2010 um 2:17 pm

    „Wie ein Robert Koch ja auch.“
    Ganz zu schweigen vom unsäglichen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. 😉

  44. che2001 Mai 17, 2010 um 2:29 pm

    Der dafür aber der schlechtere Chemiker ist.

  45. che2001 Mai 17, 2010 um 2:40 pm

    @“Das ist ja eine der Paradoxien der Debatten unter Bildungsbürgern. Dass die eben was anderes sind als die „Schaffe, Schaffe, Häuslebauer“ mit ihrem „Ich habe es geschafft, also benimm Dich!“-Programm.“ —— Zum Kontrast war ich aber viele Jahre in einem beruflichen Umfeld tätig, in dem unternehmerische Entscheidungen auf einer Jagdgesellschaft klargefahren werden, rituelle Umtrünke mit 20 Krügen Bier hintereinander zum Brauchtum gehören und Betriebsfeiern nach einer Choreographie abgehalten werden, die an Offiziersbällen der Bundeswehr orientiert ist. Da kam ich mir immer als Fremdkörper vor. Und diese Leute, die für Dich wahrscheinlich völlig jwd sind, waren für mich der tägliche Mainstream.

  46. momorulez Mai 17, 2010 um 2:56 pm

    Ich bin neben einer Robert-Koch-Schule aufgewachsen, das prägt 😉 … und habe die Sylvester meiner Kindheit in Kasernen und Urlaube mit höheren Offizieren verbracht!

    Danach hatte ich mit solchen aber tatsächlich nix mehr zu tun … außer dem querschnittgelähmten Bauleiter im Zivildienst …

  47. Nörgler Mai 18, 2010 um 4:25 pm

    „… Kaum verdient man was, isses schon wieder weg.“ Kaum hat man gefickt, sind die Eier schon wieder voll.
    Es ist alles so sinnlos!

  48. momorulez Mai 18, 2010 um 4:39 pm

    Ja, eben 😉 – soll ich meine täglichen Twitter-Ergüsse lieber immer noch mal zu eigenen Einträgen machen, „Twitter Today“ oder so, dass die besser kommentierbar werden?

  49. Nörgler Mai 18, 2010 um 5:38 pm

    Für mich war das bislang so OK. Vielleicht probierst Du es einfach mal aus.

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