Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Ernstfall, es ist schon längst so weit. Ernstfall, Normalzustand seit langer Zeit.“

„«Der Deutsche Fussball-Bund, der heute selbst alle drei Wochen irgendeine Anti-Rassismus-Aktion unterstützt, hat uns heftig angefeindet. Es hiess: ‹Lasst das mal doch sein, mit diesem ewigen «Gegen Nazis!», «Gegen Nazis!». Ihr bringt doch nur die Politik ins Stadion.› Im Berliner Olympiastadion gab es Fangruppen, die sich Zyklon B oder Endsieg nannten, und in fast allen Kurven der 1. Bundesliga hingen Reichskriegsflaggen. Damit hatte der DFB kein Problem. Wir waren die Ersten, die sich öffentlich und ganz massiv dagegen aufgelehnt haben, später dann zum Glück mit grosser Unterstützung von vielen anderen. Doch der Verband und andere Fans haben uns permanent vorgeworfen: Ihr bringt die Politik ins Stadion. Rassistische Gesänge, das hat ja dann keiner merken wollen, das ging in Ordnung. Erst als wir uns dagegen gewehrt haben, war das dann Politik.»

Auch die Alteingesessenen beim FC St. Pauli hätten anfangs «überhaupt keinen Bock drauf gehabt, dass da plötzlich die Hafenstrasse aufläuft», sagt Brux, während er im Millerntor auf der Gegengerade vor einer Bande steht, auf der keine Werbung zu lesen ist, sondern ein gedrucktes Statement: «Kein Fussball den Faschisten».“

Geht ja schon bei Twitter rum, dieser ganz hervorragende Artikel über die Wiedergeburt des FC St. Pauli aus dem Geiste des schwarzen Blocks Mitte der 80er Jahre. Schön, dass Ippig die Fehlfarben zitiert. Auch, dass Slime so ausgiebig zu Worte kommen, auch wenn das nie „meine Band“ war.

Auch über die aktuellen Gefährdungen wird ausgiebig berichtet, denen dieser so einzigartige Mikrokosmos ausgesetzt sich sieht:

„Doch auch auf St. Pauli gibt es Leute, die mit Protest und Boykott für ein grösseres Ganzes nicht viel anfangen können, sondern einfach Fussball gucken wollen. Darunter auch einige, die sich nicht um die vor 25 Jahren erkämpfte Stadionordnung kümmern, dass Rassismus und Sexismus am Millerntor nichts verloren haben. Einer beschimpft an diesem Tag einen Blockierer als «verdammte Schwuchtel», eine Blockiererin ist eine «dumme Fotze». Es kommt zu Rangeleien, und in der selbstverwalteten Kurve wird der Ruf nach Polizei laut. Ein Blockierter bittet den Schreibenden, «110» zu wählen, den Polizeinotruf. Weil der Schreibende der Bitte nicht nach kommt, macht es der Mann dann selber per iPhone. Das Präsidium spricht später von Nötigung, verzichtet aber auf eine Anzeige.“

Es sei auch in diesem Zusammenhang noch mal erwähnt, dass Herr Gentleman neulich mit Bennys „Viva Con Agua“, die ich großartig finde, Benifiz-Fussball spielte, nachdem der Gentleman zuvor meinte, man müsse gefälligst akzeptieren, dass „der Rastamann“ „Homosexualität“ nun mal mit seinem Glauben nicht vereinbaren könne, alles andere sei ja wohl „gefährliches Halbwissen“. Mordaufrufe in Songs sind da freilich profunder.

Am Millerntor würde er wenigstens idealerweise Stadionverbot bekommen, wenn er diese Akzeptanz äußerte. Muss man nämlich nicht akzeptieren. Danke an die mir bis dato gar nicht bekannte Wochenzeitung für diesen tollen Artikel!

PS: Dank Herrn Guenni bei Twitter hier auch ein Link auf das Blog des Autoren, Daniel Ryser: Nation of Swine.

2 Antworten zu “„Ernstfall, es ist schon längst so weit. Ernstfall, Normalzustand seit langer Zeit.“

  1. Karsten Mai 3, 2010 um 9:08 am

    Glückwunsch zum Aufstieg! Vielleicht kann man ja mal gemeinsam FCK vs. St. P gucken… dann erstklassig! 🙂

  2. momorulez Mai 3, 2010 um 9:14 am

    Dankeschön!! Ja, unbedingt! Köln ist ja immer eine Reise wert 😉 – Hamburg aber auch!

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