Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Besoffen von zu viel Kakao, bis man darin ertrinkt …

Dieser neuerdings so seltsam expandierte des „Die wollen doch nur unsere D-Mark!“-Nationalismus geht mir seit Monaten schwer auf den Sack.

In Umfragen wird erkundet, dass „wir“ ja der Ansicht sind, „Deutschland“ habe in der Finanzkrise mehr „geschultert“ als all die anderen, ganz so, wie manche im Stadion ja auch mehr supporten als andere.  Die BILD titelt, irgendwer wolle UNSER Geld. Mir bleibt ein ums andere Mal vor lauter Ekel angesichts dieser Rhetorik der einst Kriegsführenden der Atem stehen – will nicht riechen müssen, wie es mir stinkt.

Diese Selbstgerechtenmentalität, die auf dem „Wirtschaftswunder“ ihren Ersatzmythos gründete, nachdem zuvor sie so unvergleichlich fleissig, diszipliniert und außerordentlich effektiv 6 Millionen Juden und allerlei Schwule, Sinti, Roma, „lebensunwertes Leben“ und sonstige „Asoziale“ und „unnütze Esser“ gleich mit vernichtet hatte. Von all den Leichenbergen bei den Eroberungsfeldzügen in Osteuropa mal abgesehen.

Seit der WM 2006 nunmehr sind sie vollends gesundet und spazieren kraftmeiernd durch Wirtschaftszonen, sie haben ja „ihre Hausaufgaben gemacht“. Exportieren ihre Zucht- und Schulmeisterlichkeit, von verbissenem Sinn getrieben, die eigene Bevölkerung mit Hartz IV erpressend und immer weiter lohndumpend, marschieren durch die Weltgeschichte und genießen diese Rolle des Zurechtweisers und mental gleichgeschalteten Superzöglings wie süße Rache an allem, was ihnen zum Trotze noch lebendig ist und bruchstückhaft nur widersteht.

Vollends aufgeklärt und christlich nächstenlieb im Gegensatz zu all den mittelalterlichen Eselstreibern, den korrupten und faulen „Südländern“ hat die Schöpfungsgeschichte einmal mehr das ewige Leuchten des Stahlgewitters als formidablen Fortschritt zur Entrechtung jedes Einzelnen im deutschen Wesen tief verankert, nur dass sich dieses nun in volkswirtschaftliche Termini verkleidet über die Welt ergießt wie ein Lavastrom.

Und da homoöpathisch man Gleiches mit Gleichem bekämpfen kann, was eklig Anderen abgepresst so triumphal das Lehrbuch schwenkt, sei auf einen hervorragenden Kommentar von Robert von Heusinger heute in der FR verwiesen:

Diese Borniertheit, diese Unfähigkeit zu reflektieren, ja überhaupt die Frage zu stellen, ob nicht auch das Verhalten Deutschlands in den elf Jahren des Euro zu den Spannungen in der Währungsunion beigetragen hat, machen klar: Das Problem des Euro ist weniger Griechenland als der vermeintliche Musterknabe Deutschland.

(…)

Eine Aufwertung um rund 30 Prozent gegenüber dem Rest-Euro wäre die Folge. Das wäre zwar ein Überschießen des tatsächlichen Arbeitskostenvorteils hierzulande, aber so ist das nun mal am freien Devisenmarkt: Die Kurse überschießen. Eine Aufwertung um 30 Prozent kommt der Rettung Griechenlands gleich, auf den Inseln würde die Kosten-Nutzen-Funktionen wieder stimmen.

Eine Aufwertung um 30 Prozent würde Frankreichs und Italiens Industrie und genauso derjenigen Belgiens, Hollands und der Slowakei enorme Wettbewerbsvorteile auf den Weltmärkten verschaffen.

Rest-Euroland stünde vor einem wahren Exportboom und könnte endlich von Deutschland befreit wachsen.“

Und vielleicht würde dann hier die Möglichkeit von Freiheit, ihre Ahnung zumindest, mal wieder neu bedacht … jenseits dieses verdinglichenden Intrumentalisierungsapparates, der unter dem Banner der „Wirtschaftlichkeit“ nunmehr als Eurosuperstar den Rest des Kontinents erpresst und so die eigene Wählerschar gleich mit.

Diese möge es doch endlich begreifen, weil bis heute Kästners Diktum gilt: „Was immer auch geschieht, nie dürft ihr so tief sinken, den Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

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60 Antworten zu “Besoffen von zu viel Kakao, bis man darin ertrinkt …

  1. Nörgler April 28, 2010 um 8:50 am

    Fulminanter Text, insbesondere der Absatz „Vollends aufgeklärt …“!

    Ja, die „Hausaufgaben“. Oh wie gerne hätten auch in anderen europäischen Ländern die interessierten Wirtschaftskreise und die ihnen jeweils angeschlossene Regierungs-Junta diese Hausaufgaben gemacht! Die wußten keinen Deut schlechter als „wir“, worin diese „Hausaufgaben“ bestehen, nämlich im ökonomistischen Terrorismus der Minderheit gegen die Mehrheit.
    Nur war die brachiale Verschlechterung der Konditionen für Kauf und Verkauf der Ware Arbeitskraft andernorts nicht durchsetzbar, weil die Betroffenen nicht so devot und dämlich sind wie der deutsche Schlafmützenmichel und seine zahnlosen Gewerkschaften.
    So wurden die konkurrierenden Volkswirtschaften von „uns“ aus der Wettbewerbsfähigkeit herausgedumpt, und jetzt ist der Jammer hierzulande groß, weil die heiige Kuh „Wettbewerbsfähigkeit“ auch denjenigen gegenüber als Monster sich erweist, die sie anbeten und füttern.

  2. momorulez April 28, 2010 um 9:01 am

    „Nur war die brachiale Verschlechterung der Konditionen für Kauf und Verkauf der Ware Arbeitskraft andernorts nicht durchsetzbar, weil die Betroffenen nicht so devot und dämlich sind wie der deutsche Schlafmützenmichel und seine zahnlosen Gewerkschaften.“

    Wie wahr 😦 – ich kriege aktuell wirklich alltäglich die Krätze bei der Zeitungslektüre und freue mich dann immer, dass es wenigstens den Herrn von Heusinger noch gibt.

    Das war gestern Abend übrigens ganz seltsam – wollte eigentlich nur ein paar einleitende Zeilen zum Heusinger schreiben, und dann fuhr plötzlich was aus der DdA in mich, und der Text passierte mir. Das habe ich auch selten. Ich bin für den gar nicht verantwortlich.

  3. che2001 April 28, 2010 um 2:29 pm

    Es kam über Dich wie Allah über den Propheten – unio mystica;-)

    Was da Deutschland mit Griechenland, Portugal, Italien und Spanien gemacht hat – die Banker und Wirtschaftsfachleute sind zynisch genug, diese Länder als PIGS abzukürzen – haben vorher schon die alte EG und die USA mit Mexiko, Ägypten, Pakistan, Marokko, Tunesien, Philippinen gemacht. Damals kamen die Diktate zur Kürzung der sozialen Leistungen vom IWF. Nichts Anderes leitete den Anfang vom Ende Yugoslawiens ein. Und nun entblödet sich die EU nicht, das sogar mit Staaten der Eurozone machen zu wollen. Das ist die Diktatur des Kapitals, die allmaehlich offen terroristische Zuege annimmt.

  4. momorulez April 28, 2010 um 7:17 pm

    Zum Thema „offen terroristische Züge“:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691901,00.html

    Die Ratingagenturen waren ja zwischenzeitlich schon mal in den Schlagzeilen, der Terror hat damit schon mal einen Namen (von vielen): S&P, Standard & Poor’s. (ja, ich weiß, es ist die kapitalistische Struktur als solche, mir geht es ja nicht um die Leute da, sondern um einen Knotenpuunkt mit Terror-Effekt).

    Und dann guckt oben bei SpOn ein gewählter Ministerpräsident, als hätte Herr Bohlen ihm bei DSDS die Leviten gelesen.

    Was für eine Macht diese Agenturen haben, das macht doch einfach nur fassungslos. Ja, das gibt es auch im Kleinen, ich weiß. Aber gegen solche Leute ist doch Al Quaida ein Scherz – wobei die ja vermutlich irgendwie miteinander vernetzt sind, finanziell.

    Weltweiter Schuldenerlass für alle gleichermaßen Jetzt, und dann mal von vorne anfangen.

  5. momorulez April 28, 2010 um 7:39 pm

    Passend zum Kommentar eben, ging gerade bei Twitter rum:

    http://www.gegenfrage.com/sind-rating-agenturen-die-herrscher-der-welt/

    Ist mir zu sehr auf die Privatinteressen von „Hintermännern“ konzentriert, trotzdem erhellender Text.

  6. che2001 April 28, 2010 um 10:33 pm

    Sorry, mir fällt jetzt nichts Anderes mehr ein als: Wir haben Euch was mitgebracht, Hass, Hass, Hass! If I had a rocket launcher…. Some Sons of a Bitch would die.

  7. momorulez April 28, 2010 um 11:06 pm

    Ja. Ja, so geht es mir auch.

  8. genova68 April 29, 2010 um 8:07 am

    Diese Verbindung zwischen der alten und der neuen Kraftmeierei kommt mir auch immer öfter in den Kopf. Gerade in der SZ noch gelesen, dass Deutschland zu schwach sei, um das Fremde zu ertragen (S. Korn). Personalisierungen von Nationen sind zwar dämlich, aber in diesem Fall treffend formuliert.

    Diese Aggressivität, die verbunden ist mit der Bereitschaft zum totalen Opfer: Das läuft heute subtiler. Meine Beobachtung seit Jahren ist beispielsweise, dass in Deutschland immer öfter auf das Mittagessen verzichtet wird, statt dessen Brötchen, gerade in Agenturen, in denen gut verdient wird. In Kulturgegenden undenkbar.

    Dieser Verzicht macht aggressiv, da ist es nachvollziehbar, dass man sofort auf die Idee kommt, Griechenland isst uns jetzt das Mittagsgericht weg, das wir selbst nicht mehr verzehren.

  9. momorulez April 29, 2010 um 9:10 am

    Ich gehe ja mittags immer bei Griechen essen 😀 – kein Witz. Und gucke da unseren Fussballspielern beim gemütlichen Backgammonspielen zu, freue mich über tatsächlich vorhandene, ganz tiefe Herzlichkeit der „Macher“ des Ladens und der polnischen Bedienung und nehme mir gaaaaanz viel Zeit und Muße. Ist herrlich „migrantisch“ und „nicht-mgirantisch“ gemischt, auch wenn man da Fussball guckt, und mein kleines, total unstylishes (na gut, die Sportsbar ist das schon, der Restaurant-Teil so gar nicht) Stück Geborgenheit und Utopie in dieser finanzhaizerfressenen Welt des ganz alltäglichen Terrors gegen alle. Da wird dann immer noch die Omma im Rollstuhl mit in den Laden gefahren und nimmt teil, statt irgendwo in einer „Altenwohnung“ am Sauerstoffschlauch hängend als Sorge der Krankenkassen „Kosten zu verursachen“.

    Weiß gut, was Du meinst. Und hoffe immer, dass die Leute irgendwann begreifen, dass es auch anders geht und wirklich vieles wichtiger ist als Hetze und Hetzen. Irgendwas spürt man da mittlerweile – so ein ganz allmähliches Durchwachsen mediteraner Klischees inmitten von Teutonen-Seele. In Berlin ja noch viel mehr.

  10. ziggev April 29, 2010 um 11:51 am

    Wer ist so naiv?
    … Denn das sind doch alles alte Hüte, wer will denn noch jemand damit hinter den Ofen hervorlocken, wenn man bedenkt, dass Deutschland die ersten Jahre zumindest (seitdem habe ich das Thema nicht mehr weiterverfolgt und ganz stressfrei auf die Krise gewartet – denn wenn der „Eurosuperstar“ es nichtmal schafft, „die Hausaufgaben“ zu machen, wer soll uns dann noch vor dem Untergang des Abendlandes retten? – wobei ich mir natürlich darüber im Klaren war, dass das, was dann kommen könnte, meine eigene Phantasie, die eines in wirtschaftliche Ungebildeten, übersteigt), dass das angebliche Euro-Vorzeigeland die EU-Stabilitätskriterien lange eben nicht erfüllt hat. Dass jetzt plötzlich wieder nach all den Jahren am deutschen Wesen die Welt genesen soll, oder hätte genesen sollen, wer, im Erst, soll denn darauf hereinfallen?

    Nun, ich bin womöglich (und ich müsste zugeben, selbstverschuldet) etwas naiv. Es kommt ja vielleicht noch die ganz große Lüge – sowas Richtung Dolchstoßlegende -, denn das dicke Ende kommt vermutlich erst noch.

  11. momorulez April 29, 2010 um 11:56 am

    Ich glaube, der BILD-Leser ist so naiv, sonst würden die so einen Quatsch ja nicht titeln. „Der da will doch nur mein Geld und tut nix dafür“ ist doch so was wie ein nationales Mantra derer geworden, die national denken.

  12. ziggev April 29, 2010 um 12:35 pm

    oh, mann, das ist ja gruselig.
    Neulich (26.04) haben sich zwar Eichel und Solms in der Sendung „Unter den Linden“ gegen Stimmungsmache gegen Griechenland gewandt, aber andererseits fiel Solms dann zur Finanzierung der geplanten Steuerentlastung außer ein paar wenig überzeugende „Einsparmöglichkeiten“ nix anderes ein, als dass diejenigen, die „nicht bedürftig“ sind, keine sozi, oder weniger, bekommen sollen. Das war also ganz offen die Antwort auf die Frage, wer denn nun zahlen soll.
    Ohne die Lektüre einiger blogs in letzter Zeit hätte ich eine solche Zumutung möglicherweise anders wahrgenommen. Der Nachteil dabei ist, dass mir jetzt, da ich angefangen habe, mich mehr mit der Gegenöffentlichkeit zu beschäftigen, zur Kenntnis kommt, wie die Titel eines gewissen Blattes im einzelnen lauten.
    Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise lag es nahe (jedenfalls ein Bekannter von mir dachte genau das Gleiche, wie sich dann herausstellte), einen (neuen?) Faschismus zu befürchten. Das, glaubte ich, war eine übertriebene Angst. Aber ich kanns immer noch nicht glauben, da soll, so scheints mir, den Leuten mit aller´Gewalt etwas eingehämmert werden, nämlich etwas, woran sie im Grunde gar nicht glauben. Stimmt mich schon etwas nachdenklich.

  13. Redford April 29, 2010 um 12:49 pm

    genova68 hat mich auf diese Seite aufmerksam gemacht.Wenn Euch mein Statement also nicht passt, bedankt Euch beim ihm 😉

    Ich bin VWL-technisch leider nicht bewandert, aber was mir sofort an diesem Artikel auffiel ist der Hinweis auf 2. WK, Tote und Wirtschaftswunder. Man spürt förmlich den Hass aufs eigene Land zwischen den Zeilen. Das habe ich in „linken Kreisen“ leider schon oft feststellen müssen: Deutschland und deutsche Geschichte sind scheisse, alles andere OK. Dabei wird oft vergessen, dass auch andere Staaten – völlig legitim – zunächst eigene Interessen verfolgen und sehr viele dunkle Kapitel in ihrer Geschichte haben. Im Gegensatz zur beispielsweise Türkei mit ihrem Völkermord an den Armeniern, gehen wir in Deutschland mit unserer Geschichte vernünftig um.

    Nichts gegen Kapitalismuskritik, doch bitte sachlich und vor allem dieser Selbsthass wirkt auf Personen aus der „bürgerlichen Mitte“ (wozu ich mich zähle) recht abstoßend. Früher nannte man so etwas Nestbeschmutzer.

  14. momorulez April 29, 2010 um 1:48 pm

    @ziggev:

    Ich glaube, wir stecken mittendrin, in der ersten Stufe eines neuen Faschismus, der u.a. dadurch funktioniert, dass er deutsche HartzIVler gegen Griechen ausspielt. Und die Leute internalisieren den im engen Verteilungskampf längst.

    Hatte vor ein paar Tagen hier einen Text über einen Konflikt vor der Haustür hier geschrieben, in dem ein sich „unbescholten“ wähnender „Bürger“ ein paar Kids, die „migrantisch“ aussahen, dann als „Prolls“ und „Nicht-Bürger“ betitelte. Pfiffige Leute haben das als „Klassismus“ bezeichnet, und genau das erleben wir nun im intern-europäischen Masstab. Nachdem das Afrikaner gegenüber z.B. ja eh schon gilt. Und Redford ist ja so freundlich, diese Gedanken zu belegen.

    @Redford:

    Ist ja nicht so, dass Sie mir bei Genova nicht schon unangenehm aufgefallen wären; dass Sie Hinweise auf die Shoah und den 2. Weltkrieg nunmehr als „Hass aufs eigene Land“ bezeichnen, ist auch schon wieder mehr als nur reaktionär und zudem auf den Text gar zu nicht beziehen. Weil Sie Konstruktionen nationaler Selbstverständnisse zur Legitimation von allerlei Unheil mit der empirischen Realität des alltäglichen Lebens in Deutschland verwechseln, was ja typisch für Ideologen ist.

    Sie haben auch nicht verstanden, dass es in dem Text um die Kritik einer bestimmten Form von Disziplin- und Effizienzdenken ging.

    Zu Selbsthass habe ich im Gegensatz zu Ihnen auch keinerlei Veranlassung, ich bin ja nicht so wie im Text beschrieben und lebe hier in Zusammenhängen, in denen auch niemand so denkt – inmitten Hamburgs. Zum Glück.

    Ihre analen „Nestbeschmutzer“-Fantasien – es gibt ein treffendes Buch über Himmler von Erich Fromm zur Genese solcher Termini – traten halt früher zunächst als „vaterlandslose Gesellen“ in den Blick der Rechten; eine Rhetorik, die direkt in den ersten Weltkrieg mündete. Später hat man sie halt gleich ins KZ gesteckt.

    Immerhin ein Erkenntnisgewinn ist Ihre Selbstzuordnung als „bürgerliche Mitte“; das ist ja schon länger meine These, dass die, die sich dafür halten, offen rechtsradikal geworden sind.

    Darüber, wie abstoßend ich Sie finde, lasse ich mich jetzt lieber nicht aus …

  15. Nörgler April 29, 2010 um 2:09 pm

    Der schreibt seinen Kram von der Website des „Studienzentrum Weikersheim“ ab.

    Ich kann’s natürlich nicht wissen, aber eben durchzuckte mich unwillkürlich der Gedanke, dass wir es hier mit Ziwo 2.0 zu tun haben könnten.

  16. momorulez April 29, 2010 um 2:15 pm

    Meinste? Ziwo war doch viel witziger … das ist ja nicht lustig („Redford“, auch ’n passendes Synonym für Deutschtümelnde, übrigens 😀 ), das ist ganz außerordentlich schlimm dämlich, weil es auch noch so verblüffend selbstgefällig ist.

    Hatte auch gerade so gar keine Lust auf pflegliches Behandeln so eines Pseudo-Provokativen. Das macht ja noch nicht mal Spaß, mit solchen zu streiten.

  17. che2001 April 29, 2010 um 2:53 pm

    Ich hatte solche Leute oftmals live im Seminar. Meistens Burschis.Sehr anstrengend.

  18. genova68 April 29, 2010 um 2:59 pm

    Aber immerhin redet man so ein wenig miteinander. Ist doch ein Vorteil des Internets. Und es wäre eine Herausforderung, diese Leute dort abzuholen, wo sie stehen.

    Ich kann das allerdings auch nicht 🙂

  19. momorulez April 29, 2010 um 3:06 pm

    Es gab ja hier auch immer viele, mit denen man inhaltlich auch nie einig würde, wo das aber mit der Kommunikation und der Koexistenz ziemlich gut ging.

    Aber „Nestbeschmutzer“, und „Ihre Positionen sind abstoßend“ wie soll man denn darauf antworten? „Nee, bin ich gar nicht“? „Ich bekenne unter Fahneneid, der nationalen Sache nunmehr zu dienen“? „Och, ich versuche mich zu bessern, dass Sie das hier nicht „abstoßend“ finden“?“

    Da sind ja schon die Prämissen so absurd, dass man gar nicht darauf antworten kann, ohne diese selbst erst mal zurück zu weisen und damit dem Gespräch auch gleich die Grundlage zu entziehen. Das ist ein Nicht-Ort zum Abholen.

  20. genova68 April 29, 2010 um 3:13 pm

    Redford ist aber eine reale Person, die so denkt wie hundertausende Andere auch. Du beschreibst ja selbst deine Wohnsituation, in der niemand so denkt, die man auch als ein Biotop beschreiben könnte (ich kenne das sehr gut).

    Und was das Vokabular angeht, bist du ja auch kein Kind von Traurigkeit, hehe.

    Ich würde an Redford immerhin loben, dass er hier überhaupt schreibt und nicht einfach nur dort, wo er Lob bekommt. Wie gesagt, reden ist immer gut. Und es bleibt etwas dabei hängen, da bin ich mir sicher.

  21. momorulez April 29, 2010 um 3:21 pm

    Na, so sehr Biotop isses nun aber auch wieder nicht – gegenüber meiner Wohnung steht ein Sozialbau, wo nun wirklcih alles Vorstellbare lebt, kenne viele Rentner und Handwerker, die man beim Hundespaziergang trifft, griechische Gastwirte und Gastronomie-Personal ….

    Habe jahrelang in der Behindertenarbeit und Altenpflege gearbeitet, Freunde gehabt, die als Altenpflegehelfer auf Harzt IV-1-Euro-Job-Basis gearbeitet haben, sitze neben Frührentnern, ehemaligen Seefahrern und Pintenwirten am Millerntor, kenne massenhaft Freiberufler, die das gar nicht sein wollen … arbeite für konservative CDU-Mitglieder, die mit ihrer Familie Häuschen auf dem süddeutschen Lande inmitten von Weinbergen haben.

    Und keiner von denen pflegt eine Rhetorik wie Herr Redford. Sooo biotopisch ist das immer alles gar nicht, wie Du engagierter Massenaufklärer das gerne glauben würdest 😉 …

  22. genova68 April 29, 2010 um 3:32 pm

    Du hast einen Hund?

  23. momorulez April 29, 2010 um 3:35 pm

    Ja, den tollsten der Welt!

  24. ziggev April 29, 2010 um 3:55 pm

    Die These also, dass es eine Art „faschistische“. ich sage mal, „Tendenz“ gibt. Aber die (die „Tendenz“) wird unterschwellig vorangetrieben, vermutlich schon seit einiger Zeit, und, soweit ich bisher die dies betreffenden warnenden Texte gelesen habe, handelt es sich bei dieser Diagnose meist darum, Indizien festzuhalten, auf sie aufmerksam zu machen. Klar, da wird mit Verunsicherung, gearbeitet, damit, dass widersprüchliche Aussagen gemacht werden, bzw. Dinge falsch miteinander in Zusammenhang gebracht werden, die dann typischerweise Ressentiments auslösen, „da sagt es eine mal endlich!“. Aber auf der anderes Seite ist man sich dann immer schon gleich sehr sicher, und, in Foren, Blogs, mehr oder weniger derselben Meinung. Ich meine, auch in der „öffentlichen“ Opposition findet man deutliche Worte, und die meisten sind wirklich sehr unzufrieden mit der jetzigen Regierung. (Einfach nur peinlich, was die sich leisten, finde ich.) Aber ob d i e s e r Unwillen, den, wie ich glaube, die meisten Mitbürger gegenüber Merkel u. Co. empfinden, in der bewährten Weise in Ressentiment, Hass, umgewandelt werden kann, das bezweifle ich – wenn es das ist, was passieren soll, also Abschaffung der, jedenfalls formal, existierenden Demokratie, dann naja, das war es was ich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise befürchtete, dann gute Nacht! Aber das sehe ich noch nicht. Mir fehlen auch noch belege, dafür, dass die Nach-unten-Treten-Mentalität Züge eine „nationalen“ Bewegung angenommen hat.

  25. genova68 April 29, 2010 um 3:58 pm

    Noch kurz zu den konservativen CDU-lern in Süddeutschland: Wenn du dich mit denen ernsthaft unterhältst, wirst du keine großen Unterschiede zu Redford feststellen, sonst wären es ja keine konservativen CDU-Mitglieder in Süddeutschland.

  26. momorulez April 29, 2010 um 4:10 pm

    @Genova:

    Also, dass Du mir noch diagnostizieren möchtest, mit wem ich mich „ernsthaft unterhalte“ und mit wem nicht und was die „eigentlich denken“, dann brauche ich ja gar nix zu schreiben, weil Du es vorher schon besser wusstest, was ich so alles erlebe und worüber ich rede … Redford hat sich selbst gerade „rechts von der CDU, eher Republikaner“ bei Dir genannt.

    @ziggev:

    „wenn es das ist, was passieren soll, also Abschaffung der, jedenfalls formal, existierenden Demokratie, dann naja, das war es was ich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise befürchtete, dann gute Nacht! Aber das sehe ich noch nicht. Mir fehlen auch noch belege, dafür, dass die Nach-unten-Treten-Mentalität Züge eine “nationalen” Bewegung angenommen hat.“

    Na, so lange die Differenzen zwischen SPD und CDU und GRÜNEN so unerheblich sind, wie sie sind, und wir eine de facto-Liaison zwischen ökonomischen und politischen Sektoren und Großroganisationen haben, die sich, was die Exekutive betrifft, sowieso einig sind und unter Aushebelung der Rechtsstaatlichkeit Schritt für Schritt die Polizeistaatlichkeit ausbauen, braucht man auch keine Abschaffung der Demokratie aus deren Sicht. Und zum Teil ist an die Stelle des Nationalen „Der Westen“ oder die „christliche Welt“ getreten.

    Das ist eine andere, internationalere Form als die historischen Abschnitte, die einem sonst so einfallen. Und es gibt ja noch so was wie ein Erstarken der Linkspartei und das Bundesverfassungsgericht etc., da haste recht.

  27. che2001 April 29, 2010 um 4:48 pm

    Insbesondere die Clusterform, in der die industriellen Zentren heute organisiert sind und in der z.B. auch Arbeitsagenturen, ARGen und Firmen zusammenwirken sorgen dafür, dass Private Public Partnership zum allgegenwärtigen Normalzustand wird, wobei die Unterschiede zwischen privat und öffentlich mehr und mehr verschwimmen und immer mehr private Unternehmen quasi hoheitliche Aufgaben übernehmen. Das ist weniger ein neuer Faschismus als eine schleichende Refeudalisierung.

  28. genova68 April 29, 2010 um 6:19 pm

    Momo,
    wenn du von einem konservativen CDU-ler schreibst, dann denke ich an den konservativen Flügel der CDU mit seinerzeit Dregger und Co. und heute den Protagonisten von „Linkstrend stoppen“ oder auch Weikersheim und auch Burschenschaftler. So weit ist Redford da nicht entfernt, das ist alles fließend.

  29. momorulez April 29, 2010 um 6:48 pm

    @Che:

    Leibeigenschaft und vererbbare Kanzlerschaft wären Feudalismus, z.B.. Was wir haben, ist eine enge Verknüpfung von Exekutive und Ökonomie, wir sind sehr nah am 1-Parteiensystem, Legislative und Judikative werden massiv zurück gedrängt oder folgen zunehmend den Vorgaben der Exekutive oder aber sind auch einmal an „Effizienzvorgaben“ gehängt wie Universitäten auch, von Inseln wie dem Arbeitsrecht und dem Verfassungsrecht mal abgesehen, und das System ist konsequent inegalitär, wobei ich letzteres als faschistoide Komponente des Feudalismus betrachte, nicht umgekehrt, auch wenn die historische Reihenfolge umgekehrt war. Für mich sind das alles eher faschistoide Komponenten und haben mit Feudalismus nicht viel zu tun, oder?

    @Genova:

    An Weikersheim ist Redford nah dran, aber es gibt ja auch ganz andere Konservative, guck Dir mal „Die Deutschen“, diese ZDF-Reihe, an. Das ist ein völlig anderer Einschlag, auch bei anderen Knopp-Produktionen. Auch zwischen einem Rüttgers und einem Dregger ist der Unterschied doch noch recht groß.

  30. ziggev April 29, 2010 um 7:38 pm

    @momorulez, che

    Wie ich euch (ich werfe euch mal in einen Topf, da ich mich auf Argumente von euch beiden beziehe) verstanden habe, handelt es um ein faschistoides System, das einen gewissen Faschismus hervorbringt, den viele bereits verinnerlicht haben.

    Nun, wovor mir geraut, ist das, was passieren könnte, wenn die Sachen, die die Bild-Zeitung so an Steilvorlagen zum Schüren von Hass verbreitet, wie du sagtest, zum „nationalen Mantra der national denkenden wird“. Dann fehlte nur noch ne handfeste Krise, damit so ne Propaganda umkippt und kurzerhand mal ein paar Grundrechte außer kraft gesetzt werden, dass aus der Demokratie ohne Meinungsbildungsprozess, ergo ohne Partizipation, aus dem quasi Einparteiensystem ein Eine-(aufgezwungene)-Meinung-System wird ..

    Aber letztlich wäre einem solchen System daran gar nicht gelegen, es zum offen Umsturz kommen zu lassen, bzw. dafür müssen wir dann schon bis zum Eintreten der ultimativen Klima- oder Globalkatastrophe warten?

  31. momorulez April 29, 2010 um 7:57 pm

    Ich glaube ja, dass wir eine solche Krise in Ansätzen gerade haben – zunächst halt in Griechenland und Island, wo de facto alle demokratischen Gestaltungsspielräume ausgehebelt sind, zugleich aber die nationale Bevölkerung in Haftung genommen wird. Und das hat es auch in afrikanischen Staaten längst gegeben, die dann „Geierfonds“ gehören. Che hat oben andere Beispiele genannt. Naomi Klein hat ja zurecht geschrieben, der Kapitalismus brauche solche Schocks wie den 11. September (man erinnere sich nur, was für antidemokratische Sicherheitsmassnahmen der provozierte, ja, selbst Folter legitimierte) und die Finanzkrisen zu seiner Entfaltung, und Effekt ist immer ein korrelierendes Repressionssystem oder Bürgerkrieg und dienliche Warlords. Eine ja auch in Europa nicht auszuschließende Zukunft, wenn die industriellen Kerne in Asien stark genug geworden sind. (Das WordPress App ist cool! Danke, Kapitalismus 😉 )

  32. ziggev April 29, 2010 um 8:17 pm

    Dass es für solche Effekte („ein korrelierendes Repressionssystem „) Belege gibt, bezweifle ich eigentlich nicht, nur ist mein Zugang etwas anders, weniger, wenn ich so sagen darf, thesenhaft, denn so muss natürlich so eine Diskussion jemanden erscheinen, der sich den ganzen Naomi-Klein-Stoff nicht zu Gemüte geführt hat. Aber vielleicht lese ich mir mal das durch, wie du sagst hier im Forum schon als Belege aufgetaucht sind, aber ich weiß nicht, ob ich mir das wirklich antun will. Irgendwie glaube ich, dass aus dem, was im Fernsehen, auf der Straße gesagt wird, aus den normalen Nachrichten bzw. Nicht-Nachrichten sich genug Schlüsse ziehen müssten. Bis jetzt lag ich damit meist – Für heute genug politischer Bildung.

  33. ziggev April 29, 2010 um 8:19 pm

    Dass es für solche Effekte („ein korrelierendes Repressionssystem „) Belege gibt, bezweifle ich eigentlich nicht, nur ist mein Zugang etwas anders, weniger, wenn ich so sagen darf, thesenhaft, denn so muss natürlich so eine Diskussion jemanden erscheinen, der sich den ganzen Naomi-Klein-Stoff nicht zu Gemüte geführt hat. Aber vielleicht lese ich mir mal die durch, die, wie du sagst, hier im Forum schon als Belege aufgetaucht sind, aber ich weiß nicht, ob ich mir das wirklich antun will. – Für heute genug politischer Bildung., schon fast zuspät, zum Joggen!..

  34. che2001 April 29, 2010 um 9:04 pm

    Naomi Klein und Hazel Henderson sollte man tatsächlich gelesen haben, und die sind auch nicht so schwer.

    Ansonsten fällt mir hier die Band „Maria Perzil“ ein: „Die Abstraktion ist nicht genug, ihr fehlt der Geruch von Eisen und Blut. Führerwetter – der Morgen beginnt.“

  35. momorulez April 29, 2010 um 9:09 pm

    Ach komm, Che, das Zitat war jetzt aber ziggev gegenüber fies und auch nicht sachangemessen.

    Aber, @ziggev, so das eine oder abstraktere Modell hilft schlicht dabei, die Daten, die man aus dem Fernsehen und auf der Straße erfährt (wegen dem Passus habe ich beide Kommentare stehen gelassen), besser einzuordnen.

    Ich habe ja Naomi Klein ja auch gar nicht gelesen, sondern heute mittag bei Zizek eine positive Bezugnahme 😉 …

  36. che2001 April 29, 2010 um 9:43 pm

    Wieso gegenüber Ziggev? Ich meinte damit eigentlich, dass es nicht beim „kalten Charakter“ des Abbaus sozialer Rechte und der Umstrukturierung ökonomischer Strukturen bleiben muss, sondern dass die hysterische Komponente der emotionalen Mobilmachung in der Bevölkerung der nächste Schritt wäre.

  37. momorulez April 29, 2010 um 9:58 pm

    Ach so, hatte ich dann falsch verstanden, sorry.

  38. ziggev April 29, 2010 um 10:12 pm

    @momorulez

    hm, vielleicht sind es Modelle, die man braucht, um sich einen Reim auf die größeren Zusammenhänge machen zu können. Ich glaube schon, dass auf theoretischer Ebene wichtige Arbeit geleistet wird oder wurde, wichtig, um Phänomene des Alltags einzuordnen. Das Wort Modell besagt aber auch etwas, auf das ich hinaus möchte: nämlich dass es eigentlich etwas Vorläufiges ist, so dass ich manchmal den Eindruck habe, dass die Fakten von Anhängern einer bestimmten Weise, sie zu erklären, irgendwann nur noch dazu herangezogen werden, um die Stimmigkeit dieses Modells zu bestätigen. Und manchmal mögen allzuviele terminologisch-theoretische Debatten den Blick für die Phänomene verstellen. Gut, ich bin ein Skeptiker, und ich habe auch mal gelesen, was Horkheimer über den Skeptizismus so schreibt.
    Aber wenn dir jemand sagt: „Wieso, Möllemann hat doch recht“ (ich möchte hier nicht wiederholen, w a s der gesagt hat), dann hilft es dir nix, dass du glaubst, ein adäquates Modell zu haben. Dann musst du, wie soll ich´s sagen, in den Phänomenen verankerst sein, um diesen Kerl zu überzeugen, dass er Schwachsinn labert.

  39. momorulez April 29, 2010 um 10:20 pm

    Das eine schliesst das andere ja nicht aus. Man propft ja auch keine Modelle auf, sondern entwickelt sie aus dieser. Und im Möllemann einen verpasst haben zu können, verbal, musste man ein „Modell“ dessen, was Antisemitismus ist, wie er funktioniert und er angerichtet hat, mitbringen. Ist ein uraltes philosophisches Problem. Widerspricht aber auch nicht notwendig dem, was Horkheimer zum Skeptizismus schrieb.

  40. ziggev April 29, 2010 um 10:50 pm

    Ja, genau, nicht aufpropfen! So stelle ich mir das vor!

    Das Aniti-Möllemann-„Modell“ hat für mich was mit einem gewissen moralischen Furor zu tun, den ich aber aus dem Artikel oben, um nicht etwa bei der Ansicht zu landen, der hätte was mit deutschen Selbsthass zu tun, erst herauslesen musste (ist recht polemisch, nicht wahr?), wobei mir sicherlich ein gewisses „Modell“ hilfreich war …

    Und ich werde mir als Gutenachtlektüre Anstelle von Montaigne mal die Stelle bei Horkheimer vornehmen, der steht hier wenigstens griffbereit im Regal.

  41. momorulez April 30, 2010 um 8:26 am

    Puuuh, als polemisch würde ich den Text oben gar nicht bezeichnen, der ist sehr komprimiert.

    Und „deutscher Selbsthass“ wäre das dann, wenn a.) das Nationale eine relevante Kategorie über die demokratische Partizipationsgemeinschaft hinaus wäre und b.) Hartz IV-Empfänger und Lohngedumpte allesamt undeutsch wären im Gegensatz zu den „Funktionseliten“ und c.) also dieser mythisierende D-Mark-Nationalismus das „deutsche Wesen“ wäre, was es ja gar nicht gibt und was für mich auch nicht den Kern meiner erlebten Geschichte in diesem Land entspricht, da haben genau diese Leute immer nur genervt, die das so sahen. Ich bin eher mit Tucholsky oder Kant, der Knef oder Fehlfarben identifiziert als mit diesem anderen Schmonz. Und das nicht, weil die deutsch, sondern weil die klasse waren.

    Und da schwingt schon die Moralität des „Instrumentalisiere niemanden!“ (Tugendhat) mit, und die Kritik der instrumentellen Vernunft ist Thema. Und da war schon die Lektüre von ein paar Büchern nötig, um solche Gedanke dann komprimieren zu können.

  42. Katzeynblogger April 30, 2010 um 8:45 pm

    Brua, auwei, also, hahaha, sag ich mal. Warum? Darum:

    Nichts gegen Kapitalismuskritik, doch bitte sachlich

    Sorry, es ist gar nicht nett, einen Neudiskutanten gleich abzuwatschen, aber in gewissermaßen kapitalistisch-egoistischer Anmaßung mach ich das trotzdem, mehr aus hedonistischen Lustgewinn heraus, weniger in der Hoffnung, einen echten Dialog oder gar ein Umdenken/Neudenken damit auszulösen.

    Also: Der hier so vorsichtig behütete Herr Kapitalis, der „nur sachlich“ kritisiert werden dürfe, dieser ist zwar krumm und auf wenig hübsche Weise verwachsen, aber er klappt (leider!) nicht gleich zusammen, wenn hier mal eine Prise Polemik ins Kommunikationsspiel kommt.

    Okay?

    Die Personifizierung des Kapitalismus als überpersonale Quasiperson, die vor Kritik behütet werden müsse, ist einfach nur lächerlich.

    Und zwar völlig.

    Jetzt was verstanden?

  43. ziggev Mai 1, 2010 um 12:50 am

    ok. polemisch im Sinne von unsachlich ist nicht treffend. Aber eine gewisse Empörung kling schon mit an.

  44. momorulez Mai 1, 2010 um 8:27 am

    Ja, und Wut. Teils Entsetzen. Aber das ist ja beides nix, was außerhalb der „Sachlichkeit“ verortet wäre, sondern ist selbst ein Form, Welt zu erfassen. Gefühle haben ja einen Gehalt, der einen Bezug auf etwas oder jemanden impliziert. Wenn ich sage „Ich quatsche hier gerne mit ziggev“, dann enthält ja auch eine Aussage über Dich – das das gut geht, gut tut, gut ist. Eine Bewertung halt. Ich halte das Wertfreiheitspostulat für nicht zuende gedacht, so weit es gesellschaftliche und politische Frage betrifft. Die sind gar nicht kommentierbar ohne Wertung.

  45. ziggev Mai 1, 2010 um 10:52 am

    Anders wär es auch auch öde, und gerade durch Gefühlsarmut zeichnet sich oft unüberlegtes Geschwafel aus. Enstsetzt, aber auch provokant: Metaphern „ewige[s] Leuchten des Stahlgewitters“, „Lavatrom“ in Verbindung mit einem bestimmten Vokabular/Terminologie „verdinglichenden Intrumentalisierungsapparates“, da muss man, uff, erstmal analysieren: Hat der überhaupt recht?, was ist Metapher, was Argument?, ist beides nicht unzulässig vermischt?, ist er dann also aufrichtig? – Also erst vor (Argument herausschälen), und dann wieder zurück (ist der sprachliche Gestus gerechtfertigt?). Da spielt für mich die Kategorie des Ästhetischen mit rein. Vielleicht sogar hierbei: Ob jemand jedoch, dann in der Praxis, adäquat handelt, das entscheidet sich auch an althergebrachten Werten wie Haltung, Anstand. Da bin ich ein bisschen bei Hartmut (Kritik-und-Kunst). Man muss einfach wissen, was gut, was schlecht ist.

  46. momorulez Mai 1, 2010 um 11:59 am

    Na, Rorty hat mal so schön geschrieben, dass unsere Sprache eh von so vielen toten Metaphern bevölkert ist (die Linse im Mikroskop, der Stammbaum, der Pferdefuß einer Argumentation), dass das ja gar nicht so einfach ist, die Relation buchstäblicher und metaphorischer Sprache zu bestimmen. Da hat Hartmut auch mal einen schönen Text zu geschrieben, zu Rorty.

    Und das „Stahlgewitter“ spielt hierauf an:

    http://de.wikipedia.org/wiki/In_Stahlgewittern

    weil Jüngers frühe Texte halt eine bestimmte Form des Präfaschismus darstellen, die ein Höheres als das Individuum beschwören (wie die Futuristen und Teile der russischen Avantgarde ja auch). Nicht umsonst hat sich danach eine rechtsradikale Band benannt. Und Stahlgewitter leuchten nun mal, und dann musste ich im Bild bleiben 😉 … der Lavastrom bot sich da an.

    Ich finde den sprachlichen Gestus gerechtfertigt. Ich erhebe hier ja keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, und Bilder können nichtsdestotrotz richtig oder falsch sein. Und die Ästhetik ist dem Politischen immer immanent; ob da der Umkehrschluss auch gilt, das weiß ich immer nicht.

    Mit Anstand habe ich’s ja nicht so, mit Haltung und Respekt schon, wenn nicht gerade so einer wie Reford auftaucht.

  47. ziggev Mai 1, 2010 um 12:55 pm

    Da haste mich wieder ertappt: Anstand ist etwas anderes als Anständigkeit. Und, ach, Rorty, der hier leider nicht griffbereit im Regal steht: Du macht mich schmerzlich auf Versäumtes aufmerksam. Bin gerade erst dabei, das Netz als Medium zu entdecken, das, ja, auch interessante Inhalte verlinkt. Jedenfalls vielen Dank für die Interessante Diskussion, aus der ich jetzt aussteige, da du beinahe anfängst, deinen wunderbaren aufwühlenden Text zu erklären – also bitte weiter so, ich bin jemand, der sich gerne mal ein wenig irritieren lässt 😉

  48. Loellie Mai 1, 2010 um 3:06 pm

    Aus gegebenem Anlass

    🙂

  49. che2001 Mai 1, 2010 um 3:14 pm

    War sehr sachliche Kapitalismuskritik, der Erste Mai heute: Konkrete Mißstände kritisiert und anschließend zusammen gefeiert, teils auch sich gefetzt und beschimpft, auch umarmt und gelacht. Das ist sachlich, weil dem Thema, nämlich der Condition Humaine angemessen, und da der Mensch keine Sache ist, kann Kapitalismuskritik in diesem Sinne gar nicht sachlich sein, sondern immer nur den ganzen Menschen umfassen. Mit Emotionen, mit Wut und Aggro, mit Hoffnung und Träumen. Der Aufruf zur Sachlichkeit an dieser Stelle würde den Menschen zu einer Sache erklären.

  50. momorulez Mai 1, 2010 um 3:25 pm

    @Loellie:

    O ja 😉 – schön übrigens auch, wie Zizek in „Auf verlorenem Posten“ die Behauptung einer „faschistischen Massenästhetik“ als liberale Diagnostik enttarnt und direkt anschließend Rammstein feiert. So nebenbei erwähnt.

    @Che:

    „Der Aufruf zur Sachlichkeit an dieser Stelle würde den Menschen zu einer Sache erklären.“

    Eben. Das wollnse gerne, aber das kriegense nicht.

  51. Loellie Mai 1, 2010 um 4:52 pm

    Aeusserungen Zizeks zu Aesthetik sind mir noch nicht begegnet. Passend insofern, als das ich vergeblich nach einer Version, aufgenommen während einer Kundgebung in zB Pjöng Jang oder Moskau, gesucht hatte.

    Ich finds gerade interessant, dass man wirklich garnix mehr sagen kann, ohne das irgendwelche Blockierten zurechtweisend erklären, man solle dies oder jenes. Ob es wirklich darum geht, Mensch zur Sache zu erklären weiss ich nicht mal, mir scheint das eher Diskursstrategie zu sein. Wie soll man Ideologie denn sachlich diskutieren, oder Meinung. Sachlich steht doch in Verbindung mit Tatsache und da gibts doch nichts zu diskutieren und inwieweit Ideologie überhaupt Meinung sein kann ist mir auch eher unklar.

    LOL, mir fällt grad ein das ich Momo das erste mal angepöbelt hab, da ging es ihm um Schubladendenken und dessen Ueberwindung. Keine Ahnung mehr worum es genau ging oder wer was warum schrub oder was mich da genau störte. Heute ist mir da schon einiges klarer als damals, dieses wettern gegen lechts/rinks, Lagerüberwindung und das ganze Gedöhns, am besten noch mit Toleranzgeschwafel gewürzt … da haben doch nur und ausschliesslich die Rechten von profitiert während Links nicht mehr gedacht, geschweige denn formuliert wird.
    Deshalb hatte ich das eine Zizek-Zitat nicht verstanden, hier nur derletzte Satz:

    „Die neue globale Ordnung behauptet von sich, die beste aller möglichen Welten zu sein; die moderate Zurückweisung von Utopien endet mit der Durchsetzung einer eigenen, marktliberalen Utopie, welche Wirklichkeit wird, wenn wir die Mechanismen des Marktes und der Menschenrechte richtig anwenden. Hinter alledem lauert der ultimative totalitaristische Alptraum: die Vision eines neuen Menschen, der seinen alten, ideologischen Ballast abgeworfen hat.”

    weil er ansonsten aller Orten wettert das wir in der ideologischsten aller Zeiten leben, Ideologie nur als obsolet behauptet wird. Wenn „wir“ uns entideologisieren stehen „wir“ doch mit runtergelassener Hose da und marschieren mit einem Nagelknipser zu einer Schiesserei, was ja nu kein Loblied auf Ideologie sein soll, aber Standpunkt muss doch sein.

    Standpunkt, na prima, hab ich mir weiter oben gedacht. Wo und wie soll ich denn jemand abholen, der seinen Standpunkt aus taktischen Gründen verleugnen muss. Auch eine hübsche Schnittstelle zwischen Liberalismus und Rechtsextremimus. Die sagen ja auch nie was sie sagen.

    Ist Standpunkt intollerant? Kackwetter ist heute, kann der Bauer bestimmt tolerieren auch wenn er das anders sieht. „Man muss ja auch an die Landwirtschafft denken.“
    Sie können sich ja mal die Reden und Schrifften von Dr. Martin Luther King herunterladen und nach dem Wort ‚Toleranz‘ suchen … sagt Zizek immer wieder.

  52. momorulez Mai 1, 2010 um 6:04 pm

    Das ist auch eher eine Deutung des Sozialen, die Zizek da vornimmt, als im engeren Sinne „Ästhetik“ – und eigentlich isser ja berühmt dafür geworden, dass er Trash- und Populärkultur in seine Analysen einwebt. Das Kapitel zu „Kant und David Lynch“ in der „Tücke des Subjekts“ ist schon prima – wo er immer auf so eine abwegige Hegel-Stelle Bezug nimmt, ich suche auch das noch mal raus.

    Auch wenn ich ja immer noch finde, dass er immer viel zu schnell ins Fies-Reaktionäre umkippt, wenn er z.B von den „lustbetonten Linken“ Disziplin fordert, ist das trotzdem prima inspirierend, das Buch.

    Und ich glaube deshalb, also wegen Zizek, auch gar nicht, dass diese ganze Diskussionen nur dazu führten, dass links nicht mehr gedacht und formuliert werden kann.

    Ganz im Gegenteil; mein persönliches Umfeld, viele Familienväter Anfang bis Mitte 40, radikalisiert sich gerade so dermaßen hinsichtlich klassisch-linker Positionen, dass ich das zwar nicht im Netz, aber im realen Leben eher so wahr nehme, dass der rechtslastige Neoliberalismus den Bogen so dermaßen überspannt hat, dass er eine ganz saftige Packung bekommen wird.

    Diese immer aggressivere Gegenpropaganda z.B. der Großverlage, da spürt man doch schon die nackte Angst durch. Bei Redford auch. Der hat doch Panik und winselt deshalb so rum.

    Selbst in Meck.-Pomm. laufen der NPD die Wähler davon. Die größte Gefahr aktuell ist, und genau das haben ja die Konservativen geschnallt, dass das Ganze eben auch konservativ-völkisch aufgesogen wird. Aber dazu sind hier schlicht schon zu viele Nicht-Arier präsent. Und guck mal nach Frankreich oder England. Die U-Bahn-Schläger allerorten – ja, ich finde die Scheiße, die sind aber ein Symptom – sind doch so was wie eine Vorhut, die die nicht in den Griff bekommen werden. Dazu sind das zu viele.

    Das Zitat von Zizek versetzt sich ja in die liberale Innenperspektive: Die bilden sich halt ein, postutopisch zu sein, und dieses Sein jenseits der Ideologie ist auch Bestandteil der stalinistischen Selbstverständnisse, darauf bezieht sich Zizek. Und will damit sagen, dass diese Vorstellung, eine postutopische Utopie sei längst realisiert, schlicht totalitär ist, weil sie das Ideologische der eigenen Ideologie nicht reflektiert und Zustände zementiert. So ungefähr.

    Das zeigt sich ja schon darin, dass bei unseren liberalen Mitdiskutanten „Ideologie“ im Sinne „geistiger Orientierung“, „Weltanschauung“ verwendet wird, scheintolerant. Während Sie zugleich den Kernbestand ihrer Ideologie NICHT als solche wahr nehmen, sondern als Naturgesetzlichkeit, was ja hieße, dass die Zustände in Griechenland derzeit so was wie Wetter wären. Da erübrigt sich übrigens der Standpunkt dann – um das von Dir Geschriebene noch mal in eigenen Worten zu wiederholen 😉 …

    Muss unbedingt das „Eure Toleranz kotzt mich an“ von Egotronic (?) hier mal verlinken. Da stehen meinen neuen, linksradikalen Freunde aus Rostock drauf. Auch auf Frittenbude und solche.

    Und allein, dass es die gibt, eine rege linksradikale Szene in Rostock, das zeigt doch schon, dass das gar nicht mehr stimmt, dass links sich nicht artikulieren könne. Da wächst gerade wirklich eine neue Generation nach den Pfeiffen aus den 90ern und Nullerjahren heran …

  53. Katzenblogger Mai 3, 2010 um 3:36 pm

    Linksradikal, jung und reflektiert aus Rostock, und kein bisken Antideutsch?

    Dann scheint ja wirklich was Neues unterwegs zu sein.

  54. Katzenblogger Mai 3, 2010 um 3:58 pm

    Ach, da fällt mir anlässlich des letzten Philosophischen Duetts (zusammen mit dem großartigen Moritz Rinke) völlig zusammenhangslos etwas ein.

    Also: Da deklinieren seit rund drei Jahrzehnten die immergleichen Reaktionären den Begriff der „Neuen Bürgerlichkeit“ durch und meinen am Ende die oft nur die Wirtschaftsbürger. In seiner einzigartigen geistigen Verlotterung meinen Sloterdijk (sowie die ihn Nachäffenden), dass die nur wirtschaftlich gedachte „Leistungserbringung“ das entscheidende Trennkriterium zur Ermittlung des „Bürgerlichen“ an sich sei, was wiederum im Gegensatz zum „Transferempfänger“ gedacht sei.

    Nunja. Und solche Leute meinen dann, sie hätten das Recht, Goethe zu zitieren. Aber egal. Es brachte mich auf einen Gedanken (zusammen mit Rinkes spitzer Bemerkung, dass Neoliberalismus der Totengräber echter bürgerlicher Tugenden sei), zwischen zwei Formen der Bürgerlichkeit zu unterscheiden:

    A) Wirtschaftsbürger
    B) Emanzipationsbürger

    Ich finde das als Befund durchaus bemerkenswert, auch wenn gewisse Schnittmengen bestehen. Der Punkt nämlich ist, dass die Neoliberalen (und Philosophienachäffer wie Sloterdijk) am Ende nur auf die Wirtschaftsbürger und Etablierten abzielen (zu denen sie frecherweise auch untätige reiche Erben rechnen), während sie den Kerngehalt echter Bürgerlichkeit (Emanzipation! – siehe Kant!) nicht nur ignorieren, sondern, schlimmer noch, als Automatismus des Wohlstands zum Zweck der Inszenierung wirtschaftlicher Herrschaftsschichten behaupten.

    Hinter all dieser neoliberalen „Bürgerlichkeit“ steht aber immer (!) ein massiver Mangel von Herzensbildung und ein Verkennen des Gehaltes und Inhaltes bürgerlichen Emanzipationsstrebens, sowie, ein Verkennen des Umstandes, dass die Emanzipation ALLEN zukommen sollte – und eben nicht nur den Gutsituierten.

    Wollte ich einfach mal schreiben. Zumal ich „Emanzipationsbürgerlichkeit“ als Begriff gerade so richtig schön klasse finde.

    Auch als Gegenprogramm und Enttarnungsmittel.

    Achja, die ZDF-Mediathek hats mal wieder nicht gepackt. Daher kein Link. Dabei fand ich die Aussagen von Moritz Rinke und fast noch mehr: die Reaktionen auf ihn so spannend. Ich bin mir fast sicher, dass Momorulez hier viel Spaß gehabt hätte.

    P.S.
    Falls ich mir einen Themenvorschlag wünschen dürfte: Momorulez zum Thema Bürgerlichkeit und den neoliberalen Lebenslügen rund um diesen Begriff.

    Bitte!

    (ich hatte vor vier Monaten Geburtstag – da darf ich mir doch was wünschen, oder?)

  55. che2001 Mai 3, 2010 um 4:41 pm

    Ja, aber das ist doch Tobak von 1791: Bourgeois vs. Citoyen, Aktiv – und Passivbürger.

  56. che2001 Mai 3, 2010 um 4:42 pm

    Und nochmal herzlichen Glückwunsch, sowohl St.Pauli zum Aufstieg als auch Katzenblogger zum gehabten Geburtstag!

  57. Katzenblogger Mai 3, 2010 um 4:43 pm

    Ach, und weil ich nicht völlig linklos bleiben wollte, habe ich das hier, zumal der gute Moritz Rinke mit am Start ist:

    http://diegesellschafter.de/video/film.php?uk=1c5oa0qb6medj&z1=1272901213&z2=1dcea0fab15e8f40dddb806149dabca1&

    (wenn ich mir von Momorulez schon mal was wünsche – wegen meinem Geburtstag – muss ich ja wenigstens ein winziges Gastgeschenk machen, und sei es nur, ein linker Link)

  58. Katzenblogger Mai 3, 2010 um 4:47 pm

    Wie ist das eigentlich, wenn ich mich über St. Paulis Aufstieg auch ganz doll freue – gratuliere ich mir dann selbst? Ach, nein. Also:

    Auch von mir herzliche Aufstiegswünsche! Jubelschreie! Selige Freudigkeit!

    Che, sag mal, ist der „Citoyen“ der Passivbürger? Das Wort Passivbürger kenne ich gar nicht. In meiner Vorstellung wäre das ein typischer CDU-Wähler, der einem mit großen Augen entgegenstaunt, wenn man ihm erklärt, für welche Politik die CDU steht – und was das mit den realen Lebensverhältnissen anstellt.

    Herrje, was ist ein Passivbürger? Einer, der ob der Zustände depressiv wird?

  59. momorulez Mai 3, 2010 um 6:05 pm

    @beide:

    Dankeschön für die Glückwünsche – und, Katzenblogger, dann gratuliere ich Dir hiermit auch zum Aufstieg des FC St. Pauli! 😀

    Und ansonsten: Das mit Citoyen und Bourgeois dachte ich natürlich auch gleich, und die Marxschen Kommentare über das Widerspruchsverhältnis zwischen beiden sind schon prima. Und obwohl ich von „Bürgerrechten“, „bürgerlicher Kleinfamilie“ und „Kleinbürgern“ ja oft schreibe, kann ich mit dem Begriff des „Bürgers“ eigentlich erstaunlich wenig anfangen, fiel mir eben beim Lesen auf. „Passivbürger“ kannte ich noch gar nicht. Deshalb mal gucken, ob mir dazu was einfällt, mmmmh … das Verlinkte schaue ich mir in Ruhe an, bin noch etwas angeschlagen.

    Und meine neuen Rostocker Freude: Doch, antideutsche Doktrinen ragen da teilweise rein, aber sie werden in einer sehr sympathischen Weise adaptiert.

    Außerdem fiel mir da auf, dass es manchmal gut ist, einfach hinzulesen, statt die antideutsche Schublade parat zu haben, weil das, was sie wollen in gesellschaftlicher Hinsicht, das ist mit einer Erfahrung gesättigt, die wir gar nicht gemacht haben können, weil wir noch in einem völlig anderen, historischen Umfeld sozialisiert wurden.

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