Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Trends, die sich bestätigen … furchtbar bestätigen.

Das ist schon länger meine Befürchtung, dass genau das Trend in konservativen Kreisen ist und hinter dieser plötzlich so offensiven „Migrantenfreundlichkeit“ der NRW-CDU steckt:

„Die Sachverständigen der Regierung hielten von der Idee rein gar nichts. Sie argumentierten, der Bundestag müsse sich Spielraum zur „Differenzierung“ erhalten, um auf gesellschaftliche Probleme reagieren zu können. Der von der Union bestellte Gutachter Winfried Kluth von der Universität Halle-Wittenberg erklärte sogar, die Aufnahme von Lesben und Schwulen ins Grundgesetz würde die Integration der Muslime in Deutschland erschweren. Muslimen, argumentiert der Jurist, würde das Bekenntnis zur deutschen Verfassung „zusätzlich und erheblich erschwert“, wenn Schwule und Lesben darin geschützt werden würden. Zwar müsse von Muslimen die Gleichbehandlung der Geschlechter eingefordert werden – jedoch traut der Professor den nichtchristlichen Zuwanderern Toleranz gegenüber Homosexuellen offenbar nicht zu. Es sei wichtiger, Muslimen die „Identifikation mit der Verfassung“ zu ermöglichen als Schwule und Lesben vor Diskriminierung zu schützen.“

„Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich“ ist, so vermute ich lediglich, in den Augen von Herrn Winfried Kluth insgeheim dysfunktionaler Gutmenschenmüll – voraus gesetzt, der Artikel bei queer.de gibt die Äußerungen des Herrn korrekt wieder.  Liest man in Kurt Sontheimers „Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik“, so ist ja traditionell gerade die Juristerei zu allerlei Avantgardismus fähig.

Trend ist, dass aufgrund des viel beschworenen „demographischen Wandels“, der früh schon Heiner Geißler dazu veranlasste, die Zukunft der Volksfortpflanzungsfähigkeit bei den Einwanderern zu verorten, sich bei den Rechten die Erkenntnis durchsetzt, dass die Konservativen unter den Migranten prima Bündnispartner sind.

Und dass es ja so klasse klappt, ständig Homos gegen „Südländer“ und Schwarze auszuspielen.  Kicher.

Nun frage ich mich trotzdem: Was ist denn in diesem Fall eigentlich Sachverstand? Was zeichnet Herrn Winfried Kluth aus, solche „gesellschaftlichen Ziele“ auf Kosten von Minderheiten zu propagieren? Dann googlet man nach und stellt mit Erschrecken fest, dass er sogar Verfassungsrichter in Sachsen-Anhalt ist. War da nicht mal jemand Ministerpräsident, der mit dem Kreationismus kokettierte?

Und ist da neuerdings Job der Judikative, nun „gesellschaftliche Zielsetzungen“ wie die Abwertung von Homos – wenn er Homosexualität als nicht-schützenswert behauptet, ist das ja strukturell eine „vogelfrei“-Erklärung, der freilich, uff, noch das Recht auf körperliche Unversehrtheit ganz dysfunktional entgegen steht – zu proklamieren? Zwar fordert er nicht zur Diskriminierung auf, er sieht sie aber sogar, so interpretiere ich das, als förderlich hinsichtlich der „Integration“ von Muslimen.

Und was treibt die Exekutive dazu, sich solche Leute an die Seite zu holen? Seit wann ist Recht Vehikel kultureller Integration? Eine solch seltsame Funktionsbestimmung läuft jeglicher Rechtsbegründung auf der Ebene der Grundrechte meiner Ansicht nach schlicht zuwider.

Dann könnte man auch behaupten, dass ein Großteil der Bewohner von Meck.-Pomm. potenziell antisemitisch veranlagt ist (nur als Beispiel, nicht als Tatsachenbehauptung, bezieht sich auf den Slogan „Freiheit statt BRD“) und man die nie wirklich heim ins Reich holen könne, sorry, zur Bejahung des demokratischen Systems bewegen könne, so lange die jüdische Religionsausübung verfassungsrechtlich geschützt ist.

Die Einwände gegen den Begriff der „sexuellen Identität“ im verlinkten Artikel freilich sind pfiffiger und auch nicht nur falsch. Der Begriff ist halt tatsächlich blöd und unpräzise.

Priviligiert man jedoch, wie die CDU das immer wollte, die Hetero-Ehe als jene Lebensform, die das Grundgesetz mit „besonderem Schutz“ versieht, das Bundesverfassungsgericht schloss sich dem meines Wissens an, steht diese „sexuelle Identität“ im Grunde genommen als Exklusionsmethode da schon längst drin und widerspricht meiner Ansicht nach schlicht dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Was das „Sittengesetz“ da soll, das frage ich mich immer schon, Sinn macht das nicht. Der Passus mit dem Verletzen des Rechtes Anderer ist jedoch völlig ausreichend, um Pädophilie auszuschließen. Und wechselseitig einvernehmliche sadomasochistische Praktiken haben den Gesetzgeber schlicht und ergreifend nicht zu interessieren, und natürlich dürfen sie auch kein Diskriminierungsgrund sein.

Ansonsten hat das Bundesverfassungericht ganz im Sinne dieses Artikels entschieden, dass der besondere Schutz der Hetero-Ehe kein Grund sei, andere Lebensformen nicht ebenso zu schützen. Die Regierungs-Sachverständigen scheint das nicht zu interessieren.

Insofern ist der Erhalt eines „Spielraums“, der aus rein logischen Gründen also im selben Sinne dann auch für Geschlecht, Abstammung, „Rasse“ (autsch), Heimat, Herkunft, Glauben, politische Anschauung beim Entstehen „gesellschaftlicher Probleme“ von Sachverständigen der Regierung (!!!) gefordert wird, um auf  diese „reagieren“ zu können, zum einen eine glatte Drohung: Kommt, ihr Schwuppen, aktuell mag der Zeitgeist mit euch sein, aber wartet nur ab, bis die Saat der katholischen und evangelikalen und islamistischen Propaganda aufgeht! Dann wollen wir zuschlagen können!

Zum anderen ist dies aber wieder mal ein Beispiel,wie sich die Exekutive dieses Landes ganz unabhängig von den in ihr vertretenen Parteien mittlerweile versteht: Bloß keine Einschränkung durch Grundrechte, das hindert uns doch nur am Reagieren, Regieren und verhindert Gefahrenabwehr, bedroht die öffentliche Sicherheit und die sittliche Ordnung! Das ganze Gerangel mit dem Bundesverfassungsgericht lässt sich ja darauf reduzieren. Armes Deutschland. Das haben die Verfassungsväter nicht verdient.

PS: Kleine Ergänzung zu einem anderen Thema, wo ich gerade mal wieder in den „Grundrechtekatalog“ geguckt habe:

„4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.“

Wenn ein Gunnar Heinsohn fordert, alleinerziehenden Müttern Hartz IV auf 5 Jahre zu beschränken, na, was macht er da??? Es ist alles der gleiche verfickte Rollback, der mittlerweile wohl gar das Grundgesetz als von „68ern“ erfunden deutelt.

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31 Antworten zu “Trends, die sich bestätigen … furchtbar bestätigen.

  1. Loellie April 22, 2010 um 3:37 pm

    Na schönen Dank auch. Da sitz ich überm Mittagessen vor mich hinsinierend, meine stetig widersprüchlicher werdenden Gedanken kein bisschen ordnend, weil ich doch wenigstens irgend etwas anderes zum Zizek schreiben wollte, als dieses mich seit Wochen wie ein Ohrwurm plagende „there is no spoon!“ … und dann so eine Blutgrätsche, das ich mich erstmal wieder in profane Hausarbeit flüchten musste. Meine schönen wirren Wendung hast du mir jedenfalls fürs erste Ausgetrieben.

    Langsam frag ich mich, ob die Rechte, Konservativ kann man das ja nicht mehr nennen, sich gerade ihrer liberalen Hampelmänner entledigt, weil sie bei den Evangelikalen ein grösseres Mobilisierungspotenzial wittern. Sollte das zutreffen würde das bedeuten das die, ich nenn das jetzt aus purem Trotz, Unterwanderung schon erheblich weiter fortgeschritten ist, als ich die ganze Zeit schon befürchtet hatte.
    Pädosexuell, das nur am Rande, ist ja so ein typisches Buzzword.

    Doch, das muss jetzt sein, das Ich sags doch schon die ganze Zeit, dass es überhaupt nicht um irgend einen Adoptionspipifax geht, sondern darum der juristischen Ungleichheit von Menschen Verfassungsrang zu geben.
    Ich als Schwuler, Ich als Migrant, Ich als Kopftuchmädchen, Ich als Ueberflüssiger schaff es langsam aber sicher nicht mehr, eine komplette Liste an Gruppen zu erstellen, aufgrund der Zugehörigkeit mir systematisch Rechte aberkannt werden.
    BOAH EY

    Und sorry, Grammatik geht gerade überhaupt nicht mehr.

  2. momorulez April 22, 2010 um 4:10 pm

    „Langsam frag ich mich, ob die Rechte, Konservativ kann man das ja nicht mehr nennen, sich gerade ihrer liberalen Hampelmänner entledigt, weil sie bei den Evangelikalen ein grösseres Mobilisierungspotenzial wittern.“

    Ich glaube, das trifft es exakt. Ich zitiere mal zwei Tweets eines auch Dir bekannten Liberalen von gestern nacht:

    „Nach dieser totalen Umwälzung durch Schwarz-Gelb, die alle Lebensbereiche umfasste, wäre doch eine Reconquista fällig“

    Und:

    „Es wird aber schwer: Die Latte für anti-liberale Rhetorik hat Rüttgers schon recht hoch gelegt.“

    Das ist ja instinktsicher. Vom Twitterer wie auch von den Rechten. Die Distanzierung von den „Finanzkrisenverursachern“, die ja nun wirklich viele Lebensbereiche hätte umfassen können auch hierzulande und noch umfassen wird, wird volllzogen. Siehe Eindreschen der CSU auf Westerwelle und seine schicken Jungs.

    So dient man sich Herz-Jesu-sozialistisch dem allgemeinen „kapitalismuskritischen“ Zeitgeist seitdem an, nutzt ihn aber in konservativer Hinsicht im Sinne heimeliger Gemeischaft, Sitte und Anstand und einer vermeindlich „natürlichen Ordnung“, wo wir noch froh sein können, wenn man uns nicht ganz verbietet, sondern noch duldet. Eben in genau diesem Sinne:

    „Doch, das muss jetzt sein, das Ich sags doch schon die ganze Zeit, dass es überhaupt nicht um irgend einen Adoptionspipifax geht, sondern darum der juristischen Ungleichheit von Menschen Verfassungsrang zu geben.“

    Da hat Rüttgers ja schon zu Beginn seiner Regierungszeit erste Maßnahmen auf dem „lettischen Weg“ unternommen.

    Zudem weiß man, dass die Linken bereit sind, gegen Rassismus notfalls auch die Schwulen zu opfern, siehe Gentleman, und nimmt denen so Wind aus den Segeln. Und hat neue Bündnispartner, weil endlich begriffen wurde, dass z.B. die Familien-Leitbilder in manchen (!!!) Migranten-Communities sehr nah an denen der CDU sind.

    Strategisch ist das eine Meisterleistung.

    Und das Schlimmste ist, dass Zizek mit seiner Kommunitarismus-Adaption das so weit zum Teil auch mit macht …

  3. momorulez April 22, 2010 um 4:20 pm

    Karstens Reaktion sei nicht vorenthalten:

    http://www.bissige-liberale.net/2010/04/22/spruch-des-tages/

    In der verlinkten CDU-Pressemeldung liest sich das Ganze dann ungleich moderater – nicht nötig, weil gegeben.

    Aber queer.de wird das ja nicht erfunden haben. So was Perfides kann man ja gar nicht erfinden.

    Zudem gerade Herr Rüttgers meines Wissens wenig Sinn in Aufklärungsarbeit sieht, die Schwule als was ganz Selbstverständliches darstellt. Und Frau Merkel hat sich ja auch postioniert, das so was nicht ins „Menschen – und Familienbild“ der CDU passe. Sie selbst ja eigentlich auch nicht.

  4. che2001 April 22, 2010 um 4:41 pm

    Divide et impera. Und Kinder-statt-Inder-Rüttgers hat schon vor 10 Jahren endgültig offenbart, wo er steht. Der hat zur Demokratie nur ein instrumentelles Verhältnis.

  5. Loellie April 22, 2010 um 5:41 pm

    Das ist einfach zu schön, was der Herr Robert Bollig in Kommentar no36 auf Queer.de abschliesst

    „Es kommt leider zur Allianz konservativer Kräfte verschiedener Herkunft. Weltweit sind Zeichen zu beobachten, die auf Restauration hindeuten. Die Teaparty beginnt. Alte bis uralte Verhältnisse werden wieder hergestellt. In einigen afrikanischen Ländern ist die Wiedereinführung der Todesstrafe für Homosexualität in Diskussion, auf den Schulhöfen bereichern sich Bushido und andere Hasssänger mit homophoben Pamphleten, KInder beschimpfen sich als „schwul“, in amerikanischen Gerichten kommen Schwulenmöder mit dem „gay panic“-Argument durch, in der UNO schmieden die Katholiken mit den Muslimen homophobe Zweckbündnisse und teilen sich die religiöse Welt auf wie einst Hitler und Stalin Europa.“

    Und bei Herrn Kluth scheint es zu Opussen.

  6. che2001 April 22, 2010 um 6:12 pm

    Die extreme Homophobie im Rap-Bereich, wo kommt die eigentlich her? Ich würde nicht denken, dass es die immer schon gab. Was die Allianz der konservativen Kräfte angeht: Es ist schon seit längerem so, dass „interkultureller Dialog“ in der Praxis meint, mit Religionsverbänden, Mullahs und Muftis zu reden, aber immer weniger mit demokratisch legitimierten Vertretungen. Wenn Schäuble Islamkonferenzen oder Integrationsgipfel veranstaltet, dann lädt er das türkische Religionsministerium, Ditib, besagte Mullahs und Muftis ein, aber z.B. nicht die Arbeitsgemeinschaften der Kommunalen Ausländerbeiräte und auch keine Migrantenselbstorganisationen. Das ist der blanke Neofeudalismus, was da abläuft. Dass da jetzt auch noch ganz große homophobe Allianzen geschmiedet werden passt ins Bild eines insgesamt reaktionären Projektes. Gegenaufklärung, aber holla!

  7. Loellie April 22, 2010 um 7:01 pm

    Im deutschen Hip-Hop ist das definitiv made in Kreuzberg, nur weiss ich nicht, wie um alles in der Welt man auf den Trichter kommen kann, das hätte was mit Mullahs zu tun. There is no Spoon.
    Das ging gegen Ende der 90er los, dass sich schwul als Schimpfwort etablierte, ganz allgemein ja und eben nicht nur bei die Türken.

  8. momorulez April 22, 2010 um 7:43 pm

    @Loellie:

    Opussen?

    Und der Kommentar fasst das wirklich gut zusammen. Das mit dem Rap kippte meiner Wahrnehmung nach in den späten 80ern um, ursprünglich war der ja allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotze noch sehr nah an Disco. Zudem sich da

    @Che:

    … eben wirklich nur ein allgemeiner Trend – in den schwarzen Communities waren Kirchen halt traditionell immer besonders wichtig, weil das lange Zeit die einzigen Orte, an denen überhaupt kommuniziert werden konnte – abbildet, der sich mit der Selbstbehauptung von „Unterschichten“ koppelte, Demonstration physischer Stärke, und dabei schlicht die patriarchalen Muster reproduziert, die bis in die Wirtschaftstheorie Usus sind. Nur dass man das nicht körperlich löst.

    Und es ist einfach verdammt praktisch, das dann latent rassistisch aufgeladen – verzei mir – am Rap fest zu machen. Auch am Reggae an sich, übrigens. Gibt ja auch die Theorie, „No Woman, No Cry“ habe eine schwule Pointe, die ist dann aber frauenfeindlich, also nicht gut.

    Für mich ist das einfach weiterhin ein Zeichen dafür, dass „Homosexualität“ in christlich-patriachalen Zusammenhängen immer ein Politikum bleiben wird, weil sie bestimmten Rollenvorstellungen widerspricht.

    Dass das im Islam, wo das Patriachat auch Scheiße ist, traditionell auch ganz anders funktionierte, das ist ja mittlerweile vielfach nachgewiesen. Marokko war einst ein El Dorado.

    Das war doch in der Diskussion bei Dir drüben auch wieder deutlich bei dieser Streisand-Intervention, wie stark sich im Grunde genommen gar nicht nur „Homosexualität“ als Abweichung von „Heterosexualität“ begriffen wird auf der Ebene westlicher Identitätskonzepte, sondern auch umgekehrt: Hetero heißt „nicht schwul“ bei vielen Männern, und alle Energie richtet sich darauf, genau das ständig zu betonen.

    Das ist implizit ganz schön frauenverachtend, die werden im Zuge dessen in Sozialisations- und Identitätsbildungsphasen einfach ignoriert. Da gibt es ja empirische Forschungen zu. Die Jungs bereiten sich darauf vor, Fortpflanzer, Ernährer und nicht schwul zu sein. Frauen sind da, wenn überhaupt, Vehikel zur Statusgewinnung. Während Frauen sich auf den Beziehungshaushalt vorbereiten.

    In den USA hat es schon School Shootings gegeben, weil in einer Schülerzeitung der spätere Attentäter als schwul bezeichnet wurde. Und der war weiße Mittelschicht. Wie sowieso der „Gangsta Rap“ von denen immer am meisten gehört wurde, und wo ein markt ist, gibt es auch Homophobie.

    Ich kann das langsam nicht mehr hören. Man geht mittags essen, lernt jemand kennen, und muss nicht lange warten, bis erzählt wird, wie unerotisch es sei, sich von schwulen Friseuren die Haare waschen zu lassen. Vorsichtshalber gleich mal betonen. Was ja sein kann, dass er das so empfindet, das sei unbenommen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, den ganzen Tag von Heten umgeben zu sein, die vor allem damit beschäftigt sind, zu betonen, dass sie nicht schwul sind und dass sie an Männern nun rein gar nix reizt. Beste Freunde brechen in hysterischen Gnickern aus, wenn ich sage, dass ich Männerbeine sexy finde. Und das nicht, weil sie das zufällig nicht teilen. Das ist eine Abwehr gegen Erotisierung jenseits von „Stecher“- und Gewaltfantasien.

    Ich kenne das umgekehrt bei Schwulen nicht, die regelmäßig auch von Frauen schwärmen. Ja, ich auch.

    Erik bildet da eine glorreiche Ausnahme, schreibe ich jetzt, weil der heute mittag auch dabei war. Und der „Defekt“, der hier neulich kommentierte, twitterte neulich den großartigen Passus „Bist Du schwul?“ – „Wenn Du ein Problem damit hast: Ja!“. Geht also auch anders.

    Diese Pseudo-Gangsta Hanswürste aus Berlin vor allem haben dann mit ihren kleinen Hirnen und verschrumpelten Schwänzen einfach kopiert, weil sich das gut verkaufte. ohne auch nur irgendwas von einem Ice-T oder einem Snoop verstanden zu haben.

    Die sind ja ganz außerordentlich selbstironisch, das geht diesen „Mein Block“-Pappnasen mit ihren Gewaltfantasien ja völlig ab. Die merken gar nicht, dass sie die Karrikatur rassistischer Stereotype reproduzieren und sich automatisch zum Gespött derer machen, die sie imitieren.

  9. momorulez April 22, 2010 um 8:45 pm

    Was Du mit „opussen“ meinst, habe ich auch gerade ergooglet – finster, ganz finster.

  10. che2001 April 22, 2010 um 9:06 pm

    @Loellie: Meine Frage nach dem Rap und die Sache mit den Mullahs haben überhaupt nix miteinander zu tun. Letzteres bezog sich auf die reaktionäre Ausländerpolitik der Bundesregierung.

    @Momorules: „Gibt ja auch die Theorie, “No Woman, No Cry” habe eine schwule Pointe, die ist dann aber frauenfeindlich, also nicht gut.“ — Das Lied handelt davon, dass Partisanen im Busch sitzen und der Sänger eine weinende Frau tröstet. „No woman, no cry“ heißt auf Patois, dem eigenartigen Englisch der Jamaicaner „Nein Frau, weine nicht“. Die Übersetzung in korrektem Englisch, die „Keine Frau, kein weinen“ bedeuten würde ist eben keine korrekte Übersetzung.

  11. che2001 April 22, 2010 um 9:22 pm

    Als ich in Ägypten war, hatte ich das Gefühl, mich in einem Schwulenpardies zu befinden. Zumindest flanierten überall in den Straßen händchenhaltende Männer.Dass gleichgeschlechtliche Liebe dort eine Straftat ist steht in krassem Gegensatz zu dem, was man in den Straßen so sah. Lysis hat über diese Diskrepanz mal was geschrieben.

  12. Momorulez April 22, 2010 um 9:25 pm

    Che,da kenne ich so viele Theorien zu dem Thema, dass ich nicht wüsste, wieso ich die Deine für die autorisierte halten sollte 😉 …

  13. Momorulez April 22, 2010 um 9:27 pm

    Ich meinte natürlich zu Woman und cry ..,

  14. momorulez April 22, 2010 um 9:31 pm

    Huch, wenn ich vom iphone aus kommentiere, sehe ich ja fast aus wie Lina 😦 …

  15. che2001 April 22, 2010 um 9:39 pm

    Ich habe da keine Theorie zu, nur eigene Beobachtungen, liebe Lina;-)

  16. Loellie April 22, 2010 um 9:42 pm

    Ja, Opus … ich finde das ganz ganz ehrlich bedenklich, dass solche Leute in einem säkularen Staat in Amt und Würde gedulded werden. Bitte ausweisen nach Vatikanstaat, da können die dann soviel hasspredigern wie sie wollen.

    überschnitt: die Theorie ist deshalb autorisiert, weil der Loellie das auch sagt. 😉

    Diese Pseudo-Gangsta Hanswürste aus Berlin haben mit ihren asozialen Nummern dafür gesorgt, dass ich, seit es den Hip-Hop-Boykott in den frühen 90ern gab, von Homophobie bei den US-Rappern nichts mitbekommen habe. NWA fand ich von den Beats her noch ganz schön krass, aber da waren mir die Lyriks schon zu heftig und danach gings ja eh heftig bergab. ……… jetzt hab ich den Faden verloren … LOL 🙂

    Wieso beziehst du, Che, die Mullahs auf dich? Solln das? Wenn ich migrantiöse Arbeitsscheue öffentlich der Homophobie bezichtige, werde ich doch wohl noch anmerken dürfen, dass der Zusammenhang mit deren Homophobie und dem Islam das Ergebnis eines feuchten Traums rechtsextremer Rassisten ist … There is no Spoon!

  17. che2001 April 22, 2010 um 9:46 pm

    Äh nein, das bezog sich jetzt auf Ägypten. Bei No woman no cry ist das einfach die Übersetzung des Textes aus dem Patois. „Good friends we have had, oh good friends we’ve lost along the way
    In this bright future you can’t forget your past
    So dry your tears I say

    No woman, no cry
    No woman, no cry
    Oh my Little sister, don’t she’d no tears
    No woman, no cry.“

    Gute Freunde hatten wir,und gute Freunde haben wir verloren auf unserem weg.#
    In dieser hellen Zukunft können wir die Vergangenheit nicht vergessen.
    So trockne Deine Tränen, ich sage

    Nein Frau, weine nicht,
    Nein Frau, weine nicht,
    Oh meine kleine Schwester, vergieße keine Tränen,
    Nein Frau, weine nicht.“

    Ich hatte mal einen Sprachkurs besucht, in dem uns ein in der South Bronx aufgewachsener Afroamerikaner Black Slangs unterrichtete, und da wurde das so übersetzt.

  18. che2001 April 22, 2010 um 9:55 pm

    @Wieso beziehst du, Che, die Mullahs auf dich? Solln das? Wenn ich migrantiöse Arbeitsscheue öffentlich der Homophobie bezichtige, werde ich doch wohl noch anmerken dürfen, dass der Zusammenhang mit deren Homophobie und dem Islam das Ergebnis eines feuchten Traums rechtsextremer Rassisten ist … There is no Spoon!— Ähh, ich hatte in meinem Kommentar oben geschrieben, dass die Bundesregierung, wenn sie davon spricht, sie würde“interkulturellen Dialog“ betreiben in Wirklchkeit mit islamischen Geistlichen und deutschen Vertretern des türkischen Religionsministeriums redet, die schön paternalistisch dann als Vertreter „der Muslime“ und „der MigrantInnen“ an sich behandelt würden, statt mit Normalmigrantens oder Selbstorganisationen von Flüchtlingen oder Ausländerbeiräten zu reden, wie das früher mal gemacht wurde. Da ist dann die Begründung der Entrechtung von Schwulen mit angeblicher Rücksichtnahme auf die Homophobie von Muslimen der logische nächste Schritt: Erst werden konservative klerikale Repräsentanten bestimmter islamischer Gruppen als „die MigrantInnen aus islamischen Ländern an sich“ behandelt, und anschließend eine Mischung aus rassistischer Zuschreibung, wie „die Muslime“ seien, in diesem Fall homophob und dieser falschen Gleichsetzung als besonders perfides Herrschaftsinstrument benutzt. Darauf hatte ich Deinen Satz mit den Mullahs bezogen. Kommunikationsknoten entwirrt?

  19. momorulez April 22, 2010 um 10:01 pm

    @Loellie:

    Nun kann man, nimmt man die eigene Argumentation ernst, schlecht fordern, dass Verfassungsrichter nicht einer Religionsgemeinschaft angehören dürfen.

    Schlimm wird es halt, und das hat ja ein wenig den Anschein, reine Hypothese, da muss man ja aufpassen, keine falschen Tatsachenbehauptungen aufzustellen, wenn religiöse Deutungen sich in die Beurteilung von Rechtsfragen einschleichen. Wie Che ja auch bezüglich der Islamkonferenz völlig zu recht anführt.

    Wir haben ja auch schlimmerweise gar keinen richtig laizistischen Staat. Die Präambel, die meines Wissens noch gilt, ist klar christlich orientiert. Und Kirchensteuer usw. sind andere Verwicklungen.

    @Che:

    Die schwule Deutung wurde uns sogar von Jamaicanern mal bestätigt. Ist mir aber auch schnurz, mir geht es ja nur darum, nicht die musikalische Form, die ja prima ist, durch manche Interpreten zu entwerten. Die Form als solche ist ja nicht homophob, bei Marley weiß ich es nicht, und „Get up, stand up“ ist auch eine Schwule betreffende Hymne, ob Sizzla das nun mag oder der Opus Dei lieber die Bibel gegen deren Gehalt liest, das alles kann da nix dran ändern.

  20. Loellie April 22, 2010 um 10:08 pm

    Issja gut issja gut, jaja …
    Die machen ja nur das, was nu auch von eurer Regierung für richtig befunden wurde, auf den Schwuppen rumhacken. Die sind ja jetzt hochoffiziell auf der Hackordnung unter den Kanacken angesiedelt.

    Random Fact: Die Hate-Crimes gegen Schwule haben sich in den letzten Jahren an der Ostküste vervierfacht, was im alleingang auf die Zuwanderer aus der ehemaligen Soviet Union zurück zu führen ist. Mullah wo steckst du?

  21. che2001 April 22, 2010 um 10:14 pm

    Der Haken ist, dass schaurige Leute versuchen, genau das zu ändern. @Die Bibel: War nicht Jesus ein bisexueller Hippie, der gleichzeitig mit Johannes und Maria Magdalena was am Laufen hatte und auch noch Kommunist?

  22. Momorulez April 22, 2010 um 10:19 pm

    Das liegt aber an Stalins Erbe und deshalb an Marx, das mit den Hate Crimes, NIEMALS an den Orthodoxen! Es führt ein klarer Weg von Trier über Georgien und Moskau an die Ostküste. Kann man bestimmt in jedem Navigationsgerät unter „Links abbiegen“ anwählen und bei Google Maps unter „Denunziation“ und „Folter“ finden!

  23. Loellie April 22, 2010 um 10:20 pm

    GEIL!!!!!!!!

  24. Momorulez April 22, 2010 um 10:24 pm

    @Che: nee, der hatte was mit Lazarus, da hat Lysis mal großartig recherchiert! Es gibt ja unterschlagene Passagen in den Evangelien und auch ganze Evangelien, die einfach weg gelassen wurden.

  25. che2001 April 22, 2010 um 10:34 pm

    Ja, stimmt, ursprünglich gab es wohl 12 Evangelien. Übrigens habe ich eine georgische Studentin, die sich für die Ideale der französischen Revolution begeistert. Führt damit auch ein Weg von der Erklärung der Menschenrechte zu Stalin? Dann müsste man die Menschenrechte abschaffen, weil stalinistisch. Da arbeiten bestimmte Leute sicher schon dran.

  26. Momorulez April 22, 2010 um 10:50 pm

    Das Video ist ja echt unglaublich!!!!!!!

    @Che: Ja, genau da wollen sie hin – wider den Totalitarismus der Menschenrechte!

  27. Loellie April 23, 2010 um 9:40 am

    Ja, das Video ist der Hammer. Der User hat noch mehr Ausschnitte in seinem Kanal. Das muss man einfach gesehen haben.
    Ich hab die Tage ein bisschen dazu gegoogelt und fand in praktisch jeder Rezension, auch in den wohlwollensten, die Paralellen zur Westerwellediskussion frappierend. Genausuwenig wie auch nur eine Hete es geschaft hatte was zu schreiben ohne anmassend über Homophobie zu dozieren und sich daurch meist ad absurdum zu führen, genauso berechenbar wurde K. pathologisiert um so den Löffel Genie=Wahnsinn zu konstruieren. Food for thought gibts in den Clips jedenfalls bis zum Abwinken.

    Nur der Vollständigkeit halber, weil ich den verlorenen Hip-Hop-Faden da oben in dem Abschnitt, dann doch wieder gefunden habe … ich wollt nur sagen, dass ich zwischen ca 93 und dem auftauchen des Kreuzberger „Flavors“ eine Bildungslücke hab.
    Das Thema schwarze Kirchen und Homophobie ist ja auch ein interessantes. Das die Black Community in der Beziehung noch heftiger drauf ist, als das bei uns in Europa üblich war, hat mir bis jetzt noch jeder schwule Schwarze bestätigt, faszinierender finde ich dennoch die Frage, wie und welche Methodik als Kritik hier ansetzen kann und wann welche Kritik an sich vor dem historischen Kontext in Rasissmus kippt. Das mal so in den Raum gestellt.

    Und meine Argumentation wird keineswegs inkonsistent, wenn ich, natürlich mutmassend da ich zur Behauptung erheblich recherchieren müsste, im Falle Opus Deis erhebliche Zweifel habe, worum es da geht. Verkürzt scheint es evident, dass es keineswegs darum geht, berechtigterweise Christen vor Verfolgung zu schützen, sondern darum, Abweichler zur Strecke zu bringen und inwieweit es sich hier überhaupt um eine religiöse Vereinigung handelt wäre noch zu ermitteln.
    Interessant auch, das auf Queer.de mancher die Sharia kurz vorm Einzug sieht, dabei sitzen unsere Taliban längst mit an den Hebeln der Macht.

  28. momorulez April 23, 2010 um 10:50 am

    Das mit den Kirchen und den schwarzen Communities ist in der Tat ein sehr schwieriges Thema – aber wenn es bei Kritik der Kirchen in dieser Hinsicht und der Homophobie beläßt, dann kippt das auch nicht in Rassismus um.

    Man darf zudem nicht vergessen, dass sehr viele Schwarze in den USA auch Knast-Biographien durchlaufen, dass das auch so gewollt ist, und dass Vergewaltigungen in den Knästen keine Erfindungen sind. Dass zudem der „Pimp“ eine ganz eigene Geschichte hat, die auch damit zusammen hängt, dass nach dem Ende der Sklaverei es vielen ja wirtschaftlich noch schlechter ging als vorher – dann haben sie halt ihre Frauen auf den Strich geschickt. Das ist leider kein Gerücht. Usw. – es gibt da sehr viele Anästze, auch harsche, femnistische von schwarzen Lesben an US-Universitäten, die solche Fragen betreffend viel weiter sind als die hiesigen, in die man sich ganz gut einlesen kann.

    Conlcusio ist aber immer, dass im wesentlichen Ableger einer weiß-patriachal-christlich-kapitalistischen Struktur sind, die selbst noch Homophobie im Rap erzeugen.Jamaica ist da ein ganz anderes Phänomen, weil sich da ein kruder Antikolonialismus einmischt.

    Opus Dei muss ich mich jetzt auch mal schlau machen. Und dass manche bei queer.de so blöd sind, gar nicht zu merken, dass dieses Gutachten gegen Schwule und Muslime gleichermaßen gerichtet ist, das hat mich auch erstaunt. Aber im Grunde genommen noch viel mehr, wie viele da doch sehr vernünftig sind.

  29. Loellie April 23, 2010 um 2:09 pm

    Ja, genauso war das gemeint mit den schwarzen Gemeinden, auch wenn mir gerade auffällt, dass ich im Zusammenhang mit evangelikaler Missionierung in Afrika, von US-Seite noch nie schwarze Gesichter gesehen habe. Man liesst und sieht immer nur Afrikaner und weisse Amis. Vllt weiss da dein Tischnachbar ja was zum Thema.

    Und auf Queer hab ich das Forum auch als nicht gerade dumm in Erinnerung, weshalb ich mich mehr darüber geärgert hab, dass keiner bereit war zu seiner absolut berechtigten Rache an WW zu stehen und stattdessen fast alle den Homophobievorwurf kleingeredet haben. Na … absolut berechtigt … Mitleid war meinerseits jedenfalls nicht im Spiel.

  30. Nörgler April 23, 2010 um 4:40 pm

    In 7 Monaten ist Vorweihnachtszeit. Dann gibt’s wieder den evangelikalen Missionierungsdreck per „Päckchen der Hoffnung – Weihnachten im Schuhkarton“. Aber nicht vergessen, auch den 5 €-Schein beizulegen, damit diese Propagandaschleudern auch noch Geld haben, um ihre braune Jauche zu publizieren.
    Das Konzept ist genial: Man läßt sich die eigene Propaganda einfach von ahnungslosen Leuten bezahlen.

    Vielleicht sollte ich das auch mal machen:
    „Hoden der Hoffnung – Ostern im Eierkarton“.

  31. che2001 April 23, 2010 um 5:37 pm

    Bei den Absendern der Weihnachtspakete hilft nur eins: Hasan vorbeischicken.

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