Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Flaschenwurf

Ist eigentlich niemand der Skandal bei Sport3 oder wie das heißt aufgefallen, den der Herr Berichterstatter anlässlich des Flaschenwurfes Guerreros? Erst referierte Frank Rost im Interview über dessen „südländisches Temperament“. Der Off-Sprecher übernahm und sprach sinngemäß (!!!): „Guerrero ist Peruaner. In Mitteleuropa herrschen andere Sitten, denen er sich anzupassen hat“.

Andere Sitten? Mitten in Europa? In der Tat – oft, weil sie „Südländer“ für ungezügelte, potenzielle Messerstecher halten, sich selbst Sittsamkeit und Ordnungsliebe zugestehend.

Und das angesichts eines pfeiffenden und prollenden Mobs da unweit der Autobahn auf den Rängen zu formulieren, das ist schon wagemutig …

PS: Ein angemessener Nachschlag dort.

PPS: Wenn die mopo mal richtig berichtet, dann hat Guerrero auf „Schwuchtel“ so treffsicher reagiert. Wohl kaum, um den Kampf gegen Homophobie von Seiten der Fussballprofis zu eröffnen … scheint ein ungleiches Duell zwischen Schwulenhassern gewesen zu sein.

Undnochwas: Hat sie die Mopo noch alle beisammen?

„Ja, er und die anderen umstehenden Fans hätten sicher verbal über die Stränge geschlagen. Beschimpfungen wie „Schwuchtel“ sollen laut Ohrenzeugen gefallen sein. Hartes, in Fußballstadien aber eben auch keineswegs unübliches Vokabular. „Sicher haben wir uns im Ton vergriffen“, sagt Axel Z., „der Frust über die Leistung war gewaltig. Für Guerreros Reaktion habe ich trotzdem überhaupt kein Verständnis.„“

Aber die Mopo offenkundig für „keineswegs unübliches Vokabular“ wie „Schwuchtel“. Ist ja lediglich „hart“. Wie Kruppstahl, ja. Weil Guerrero nicht schnell wie ein Windhund war, wahrscheinlich.

Auf die Idee, dass das einen Gewaltaufruf nicht etwa gegen Guerrero, sondern gegen Dritte, Unbeteiligte ist, dass mit diesem Mist sich ganze Generationen von Verprügelten auf Schulhöfen auseinander setzen müssen, dass hier genau das Männerbild seine eklige Fratze zeigt, dass oft weit Schlimmeres als „Flaschenwürfe“ erzeugt, kommen weder diese Schmierfinken noch Herr Axel Z., der das als „im Ton vergreifen“ begreift? Noch ganz frisch?

Dieser Typ, diese Glatze, soll sich mal schleunigst bei allen Schwulen, allen Südamerikanern und allen Huren gleichermaßen entschuldigen, indem er, was auch immer er jetzt einklagt, z.B. an Opfer homophober Gewalt spendet. Vollumfänglich. Wenn Täter Opfer spielen … und was die Mitte als Normalität empfindet.

Undnochmalwas: Und wer ermittelt gegen Axel Z.?

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15 Antworten zu “Flaschenwurf

  1. ring2 April 6, 2010 um 2:52 pm

    Das passt doch plastisch zu einer Textpassage, die ich in einer geklauten FAS am Montag im Zug las. Da schnürte der Autor eine Verbindung zwischen der Moral / Kultur Nordeuropas und dem Erfolg – und schloss sinngemäß: Deswegen sind wir so erfolgreich, weil wir eine echte Moral und überlegene Kultur besitzen.

    Das manifestiert sich dann da am Stellinger Wald (- und mir sei der Seitenhieb gestattet – auch in manchen Ultra-Gesichtern – nicht mit Stammtischvokabular, aber mit demgleichen Glauben an eine überlegene Fußballkultur)

  2. momorulez April 6, 2010 um 3:02 pm

    Irgendwie habt „ihr“ das geschafft, dass mir USP, die ich bisher, na, teilalbern, was Gesänge und Attitude, großartig, was die Choreos und das Engagement betrifft, fand, so richtig sympathisch geworden sind 😉 …

    Aber wenn das in der FAS stand, ist das ganz außerordentlich bedenklich.

    Wir haben zwar im anderen Thread auch gerade die Behauptung eines eigenen, soziokulturellen Raumes nördlich des Deisters vertreten, aber doch mit deutlich anderer Akzentsetzung.

    Klassiker auf der Rechten sind ja die „Mitteleuropa“-Konzeptionen, um Deutschlands „Vormachtrolle“ zu behaupten und sich zugleich gegen die primitiveren „Hunnen“ und Slawen im Osten wie auch die „feurigen“, aber vor lauter Triebhaftigkeit eben potenziell gewalttätigen „Südländer“ zugleich abzugrenzen, die auch eh allesamt mafilös und korrupt sind (Griechenland). Im Gegensatz zu den „deutschen Sekundärtigenden“ wie Fleiß.

    Wenn die FAS da jetzt wieder rein haut, ist das hierzulande noch völkischer geworden, als es mir eh schon schien.

  3. ring2 April 6, 2010 um 3:11 pm

    Ja, sorry wegen des offtopic Einwurfs. Ich habe ja wirklich die Sorge, dass ich mich mit den falschen versöhne. (- war ja schon sehr zerfasert der Support da im Dorf am Rhein) und wegen der FAS – da war ich wirklich erschrocken. Man darf eben nicht immer nur den Sport und Gesellschaftsteil lesen – im Wirtschaftsteil da offenbart sich der Charakter einer Zeitung 😦

    Auch interessant, dass immer argumentiert wird, dass sich Fußballprofis das anhören müssten, weil sie ja so viel verdienten. Den Kommentar von Maik Koltermann in der Mopo heute dazu fand ich ganz gut:

    „Und wissen Sie was? Auch wenn es politisch komplett unkorrekt ist: Ich halte trotzdem zu ihm. Das hat nur einen einzigen Grund. Weil mich als HSV-Fan nur eines mehr nervt als ideenloses Gekicke und Spieler, die unfähig zur Selbstkritik und unbeherrscht sind: all die Biedermänner auf den Tribünen, die sich im wahren Leben die ganze Woche ducken, um dann am Sonnabend nach dem vierten Bier im Stadion geifernd Zeter und Mordio zu schreien.“

  4. momorulez April 6, 2010 um 3:27 pm

    Oh, der Kommentar von Herrn Koltermann ist wirklich gut. Das hatte ich auch mit S. eben beim Mittag – das wir uns fragten, was zum Teufel diese ganze Biedermänner, die wohl noch nie einen Ball getreten haben, eigentlich dazu treibt, eine so derartig hasserfüllte, menschenverachtende Haltung den Spielern gegenüber einzunehmen. Zudem, weil sie glauben, diese würden „Leistung“ nicht bringen. Und das mit der Höhe des Gehaltes ist ja auch irgendwie ein Verhältnis wie Prostituierten gegenüber: „Ich habe Dich bezahlt, also … !!!“

    Ist ja nicht so, dass mir nicht gelegentlich auch ein Fluch z.B. gegen einen Charles Takyi entweichen würde (den ich gestern in Halbzeit 1 übrigens prima fand, in Halbzeit 2 leider nicht mehr), aber im Falle dieser Totalausraster da auf den Rängen im Volkspark, da ist doch irgendwas anderes am Wirken – wahrscheinlich wirklich das, was Maik Koltermann schreibt. Und zudem ist das einfach nur in Extremform, was halt im Kapitalismus als Leistungsprinzip generell gilt, ins Überdimensionierte aufgeblasen.

    Ganz schön eklig.

  5. ring2 April 6, 2010 um 3:34 pm

    Habe ja in Düsseldorf gestern auch wieder „aus der Nähe zugereisten“ Paulianern erklärt, dass man sich auf der Düsseldorfer Gegengerade nicht wie ein Besenkter aufführen darf – und habe meine ganze „Autorität“ in die Waage legen müssen, um da eine Schlägerei zu verhindern. Der St. Pauli Fan hatte den vor ihm sitzenden Düsseldorfern so laut und hysterisch „Saaankt Pauliiiii“ ins Ohr gepresst, dass die nach mehrfachem Auffordern den Mann schlicht entfernen wollten.

    Komisch dann, dass ich ihn mit dem Hinweis, dass wir hier uns als Gäste auch zu benehmen hätten, doch noch erreichte – und er sich wohl an etwas erinnerte, was denn „die anderen Fans“ ausmacht – ihre Anständigkeit nämlich. Das wirkt aber immer weniger.

  6. momorulez April 6, 2010 um 3:44 pm

    Ist denn das da das Argument? Dass man sich auch als Gast zu benehmen habe? Ich meine, das ist doch ganz unabhängig davon Scheiße, Leuten ins Ohr zu brüllen …

    Habe ja mittlerweile nach langen Debatten mit BKA-Jeky einen derartigen Affekt gegen das „Benimm“-Wort und „Anständigkeit“ entwickelt, dass ich ständig zu Unflätigkeiten und Gewaltgelüsten Affinität verspüre 😉 … kann man da nicht den Sprachmodus ändern, weil es ja in der Sache richtig ist? Als das, was Du schreibst, nicht Jeky.

    Abgesehen davon: Guck Dir mal die Statistik auf der Homepage an. Thorandt hat 13 von 12 Zweikämpfen verloren, wenn ich mich nicht verlesen habe. Mehr hatte der auch gar nicht.

    Ist Dir das aufgefallen? Ich fühlte das ganze Spiel mit Lechner, weil ich das Gefühl hatte, dass ihn Liga 2 mittlerweile etwas überfordert, obwohl er so lange unser Kämpfer-As war und ich solche Spieler mag – und dann sieht man so was und versteht besser, warum Lechner so in den Focus rückte …

  7. ring2 April 6, 2010 um 3:51 pm

    Ich kann mich noch gut an Diskussionen erinnern, da haben wir genau um dieses Wort „Anstand“ herum diskutiert. Ich mag das immer noch, auch das Benehmen, wenn auch weniger. Weil er eben ausgehandelt werden muss, der Anstand und doch in gewissen Regelwerken sich bewegt. Die dürfen dann aber viele Dimensionen haben. Eine davon wäre dann meine Oma 😉

    — aber nochmal zum Spiel. Dass der Thorandt fast alle Zweikämpfe verloren haben soll, würde mich aber überraschen, denn das habe ich ganz anders gesehen. Aber ich verstehe ja bekennenderweise nix von Fußball. – was ja auch für uns Bruns gilt, das immer doof aussieht, wenn einer seiner Querpässe wieder mal beim Gegner landet. – und das Gegentor sah wirklich doof aus – Thorandt hat ja dann von Hain auch seinen Teil der Meckerei abbekommen – so wie Lechner die andere. … Übrigens wurde das Spiel vielleicht von den beiden verloren – nicht gewonnen wurde es aber von unserem verspielten Mittelfeld, mit Kruse (bei dem ich auch immer staune, wenn die Stationen des Spiels sich in der Mopo finden – und an allen gefährlichen irgendwie der Kruse teilnahm), Bruns und Takyi – da vermisse ich den Kommisar je regelrecht 😉

  8. ring2 April 6, 2010 um 3:58 pm

    … das hier erinnert mich ja an unsere Diskussion, dass mir manchmal „echte Fieslinge“ lieber sind, als …

    „Manche Schufte wären weniger gefährlich, wenn sie nicht irgendwo doch anständig wären.“ – François de La Rochefoucauld, Reflexionen

  9. Loellie April 6, 2010 um 3:59 pm

    „Habe ja mittlerweile … einen derartigen Affekt gegen das “Benimm”-Wort und “Anständigkeit” entwickelt, dass ich ständig zu Unflätigkeiten und Gewaltgelüsten Affinität verspüre.

    Ach! 😉

  10. momorulez April 6, 2010 um 4:14 pm

    @Ring2:

    Ach, dieses Benimm und Anstand ist irgendwie immer traditionale Sittlichkeit. Ich plädiere ja eher für eine Moral wechselseitig zuzugestehender Rechte, von Achtung und wechselseitigen Anerkennung des Anderen in seinem konkreten So-oder-So-Sein. Was Vorausetzung des Aushandelns von Handlungsregeln ist. Und würde auch aus dieser Perspektive den HSV-Mob kritisieren – das ist eine verachtende Haltung dem Spieler gegenüber, nicht falsches Benehmen.

    – Und auf der Homepage steht das tatsächlich, das mit Thorandt – 8% der Zweikämpfe gewonnen. Der kann sich gut darstellen.

    Während Bruns, der in der ersten Halbzeit echte Highlights gesetzt hat, innerhalb von 83 Minuten immerhin 91 Ballkontakte hatte, 72 Pässe spielte,wovon lediglich 21 daneben gingen. Das sagt jetzt nix über die Qualität der Pässe aus, und man kann auch kritisieren, das bei so viel Action nicht mehr rum kam. Zudem er auch den Hang zum etwas spektakuläreren Fehler hat.

    Aber diese allgemeine Bruns-Bashing ist sachlich einfach nicht richtig. Über den läuft wahnsinnig viel im Spiel, und schwierig wird es, wenn er keine Entlastung durch Leute wie Boll bekommt. Ich witter da ja andere Motive bei den Bruns-Bashern – das ist halt ein smarter, intelligenter Typ, der auch mal ein Buch liest und dem normalen Bildungsbürger problemlos die Frau ausspannen könnte 😉 – schlicht gefährlicher als die, die tumber wirken. Und ist eh nicht so der Robuste, das findet ihr wahrscheinlich weibisch 😀 …

    Richtig gut sind die Werte bei Lehmann, der mir gestern gar nicht so aufgefalllen ist – 70% gewonnene Zweikämpfe ist schon dolle.

    Und soooo verspielt waren die doch gestern gar nicht – Problem waren die beschissenen Standards, dass Hennings zu früh abgeschlossen hat, Kruse sich nicht durchsetzen konnte (36% der Zweikämpfe gewonnen), Charles in der ersten Halbzeit zu konzentriert darauf war, den Gegener auch mal umzuknocken, anstatt selber ständig dieses Schicksal zu erleben, und dass sie zu viel Kraft in den ersten 20 Minuten verpulvert haben. Und alls dann Naki und Sukuta Paso rein kamen, waren die beiden einfach zu verdaddelt.

  11. momorulez April 6, 2010 um 4:17 pm

    @Loellie:

    Fällt das schon auf?

  12. Loellie April 6, 2010 um 4:44 pm

    Nö, zumindest fällt mir nichts wirklich auf. War eher ein „Willkommen im Klub“ weil mir bei dieser Sitte & Anstandnummer seit jeher die Fussnägel hochgehen.

    Naja, OK, merken tut man da schon was, aber nicht in Richtung verbaler Gewalt oder so.

  13. momorulez April 6, 2010 um 8:15 pm

    Ich schreibe hier ja auch nicht alles, was ich denke oder gern schreiben würde 😉 …

  14. Loellie April 7, 2010 um 11:35 am

    „Mit solchen Leuten will ich nicht gemeinsam jubeln.“ … wär so ein Beispiel. Es ist zwar auch schon vorkommen, das du hier Leute rauskomplementiert hast, das hat aber schon eine neue Qualität, find ich. Was wohl daran liegt, dass Das immer schlimmer wird mit solchen, qualitativ, aber in letzter Zeit vor allem die Häuffigkeit.

  15. momorulez April 7, 2010 um 12:20 pm

    Ja, ich erlebe das auch als brachiale Intensivierung der Normalisierungsagitation der Mitte in letzter Zeit und bin deshalb auch dolle aggro derzeit …

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