Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: März 16, 2010

Die Effekte deutschen Lohndumpings: Jens Berger erklärt es noch genauer

Unbedingt den ganzen Artikel lesen:

„Laut [extern] Eurostat sind die deutschen Löhne zwischen 1995 und 2006 um gerade einmal 9,5% gestiegen – dies ist weniger als die Inflation und entspricht einer Reallohnkürzung. Im Vergleichszeitraum [extern] stiegen die Löhne in Frankreich um 49%, in Spanien um 103% und in Großbritannien gar um 128%. Natürlich hat diese Niedriglohnpolitik auch die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger gemacht. Seit Einführung des Euro sind die Lohnstückkosten in Deutschland um 14% gesunken, während sie in Griechenland stabil blieben, in Portugal um 5% , in Spanien um 28% und in Italien gar um 46% gestiegen sind.

Mit den Löhnen steigt natürlich auch die Nachfrage nach Gütern – so konsumierten die Franzosen im Jahre 2006 29% mehr Güter und Dienstleistungen als zehn Jahre zuvor. Die Briten leisteten sich 43%, die Spanier sogar 61% mehr als vor einem Jahrzehnt. Während halb Europa sich mehr leisten kann, muss Deutschland knausern – die Niedriglohnpolitik hat dazu geführt, dass Deutschland in der letzten Dekade gerade einmal 9% mehr Waren und Dienstleistungen konsumierte. Deutschland produziert demnach von Jahr zu Jahr billiger, exportiert von Jahr zu Jahr mehr und konsumiert von Jahr zu Jahr weniger als seine Nachbarn. Funktionieren kann dieses eigenwillige „Erfolgsmodell“ jedoch nur, weil die Europäer nicht allesamt „Deutsche“ sind.

Zwei Drittel aller deutschen Exporte gehen nämlich in die EU, fast jeder zweite Euro, den Deutschland mit dem Export verdient, stammt aus den Ländern der Eurozone.“

(via fk bei Genova, heute spielen wir mal Ping Pong)

Evangikalisierung

„Ich will nichts verallgemeinern, aber schauen sie doch mal, was derzeit in anderen Lebensbereichen abläuft. So ein System ist dank des Mutes von Herrn Kempter bei uns aufgedeckt worden. In anderen Bereichen stellt man fest, dass sich die Menschen erst nach vierzig Jahren melden“, sagte der DFB-Präsident am Freitag.

Zwanzigers skandalöser Vergleich ist eine Zumutung. Die Vorwürfe von vier erwachsenen Schiedsrichtern gegenüber Amerell sind weiter ungeklärt. Der Staatsanwalt hat bisher keine Anklage erhoben. Amerell hat bisher als unschuldig zu gelten. Zwanziger aber erweckt nun sogar den Eindruck, das „System Amerell“ und der jahrelange systematische sexuelle Missbrauch von minderjährigen Schulkindern in katholischen und privaten Einrichtungen durch Lehrer stünden in einem direkten Zusammenhang. Das ist weder juristisch akzeptabel (erst recht nicht für einen ehemaligen Richter wie Zwanziger) – und schon gar nicht moralisch.“

Da hat die FAZ mal recht: Das ist exakt die Strategie von Evangikalen und Katholiken, Homosexualiät und Pädophilie miteinander zu identifizieren, die Herr Zwanziger da, ob nun gewollt oder nicht, betreibt. Es ist wirklich ein Hohn, dass er sich zunächst als glaubwürdiger Kämpfer gegen Homophobie inszenieren konnte, und nun so was  – und mich würde langsam mal interessieren, wer da im Hintergrund beim DFB die Fäden zieht. Das ist doch alles kein Unfall, vermute ich, der nur in der mutmaßlichen Selbstherrlichkeit eines Präsidenten begründet liegt.

(via Direkter Freistoß)

Nachschlag:

„Manfred Amerell hat beim Landgericht Augsburg eine Einstweilige Verfügung gegen DFB-Präsident Theo Zwanziger erstritten. Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darf demnach die Affäre um den ehemaligen Schiedsrichtersprecher Amerell und Bundesliga-Referee Michael Kempter nicht mehr mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vergleichen.

Landgerichts-Sprecher Maximilian Hofmeister bestätigte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Online-Ausgabe der „Augsburger Allgemeinen“. Zwanziger drohe bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Die Summe sei vom Gericht, das den Fall am Dienstag beraten hatte, aber noch nicht festgesetzt worden, erklärte der Sprecher.“

Sehr gut.

Neues aus dem Kundencenter: Die Sponsorenwelt des Herrn Ahlhaus

Man denke das:

„Warum fällt mir jetzt der Begriff Faschismus ein? Natürlich ist es kein Faschismus, was Beise will, aber es ist eine Art, die Gesellschaft in einen Zustand zu versetzen, der jede menschliche Regung und das Subjekt ausschaltet, alles dem Kapital unterwirft bis zur Selbstzerstörung.“

und das:

„3. Glaubt irgendwer, einschließlich der Boulevardpresse, hier gehe es um “linke” und “rechte” Chaoten, um “gewaltbereite Ultras”, gar um “Wessis” gegen “Ossis” oder um eine Gewalt neuen Ausmaßes?“

und dann noch, dass Herr Ahlhaus ausgerechnet heute dem Abendblatt folgendes erzählt, zusammen:

„Stadionverbote sind ein Mosaikstein in einem Gesamtkonzept gegen Gewalt im Fußball. Oftmals finden Auseinandersetzungen aber vor den Stadien oder in der An- und Abfahrtsphase statt. Da haben die Vereine wenig Einfluss. Erfahrungen der Fußball-WM 2006 in Deutschland zeigen aber, dass zusätzlich präventiv einiges möglich ist. Beispielsweise könnte das Ticketing verbessert werden. Auch wenn die Vereine Schlägereien außerhalb ihrer Arenen und Sportplätze nicht verhindern können, sollten sie doch zumindest ein Interesse daran haben, diejenigen zu kennen, die sie sich ins Stadion holen. Hausverbote könnten so auch besser durchgesetzt werden. (…) Von Fußballspielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit halte ich nichts. Sportler brauchen die Zuschauer, um ihre Leistung zu bringen. Der Sport lebt von den Emotionen und der Leidenschaft – nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen. Und welcher Sponsor will schon in Geisterspiele investieren?“

Ja, ja, der Sponsor. Ich finde, man sollte den Steuerzahler mal von Herrn Ahlhaus entlasten, und ansonsten enthebt sich eine Politik, die ständig jene Gewalt erzeugt, die sie anschließend zu bekämpfen vorgibt durch immer neue Exklusionsmechanismen, um immer totalitärer in alle Lebensbereiche vorzudringen bei gleichzeitiger Eliminierung eines öffentlichen  Sektors, schlicht ihrer eigenen Legitimation. Man wende eine Mischung aus Prävention und Repression auf den Hamburger Senat an, so als Wähler und Steuerzahler, der dem Staat eben nicht äußerlich ist und auch nicht dessen „Kunde“. Ja, wir sind das Volk, Herr Ahlecker-Honhaus.

PS: Zur Vertiefung auch das hier.

PSS: Zu nochmaligen Vertiefung die Forderung nach Geisterspielen – im anderen Thread zu den Analysen von Herrn Berger bei Heise kann man ja lesen, wie man das dem US-Vorbild folgend durch eine Intensivierung des Strafvollzuges auflösen kann. Die Gesellschaft als Bootcamp, passt ja zum Nachmittagsprogramm.

„Ich erwarte aber, dass der DFB und die DFL ihre sozialpädagogischen Programme auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Da gibt es viel Aktionismus ohne Sinn, wenn Geld für die Bastelstuben der Ultras ausgegeben wird.“