Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: März 11, 2010

Was geht da eigentlich gerade ab inmitten des Patriarchats?

Das spritzt ja aus allen Ecken, Untiefen und Vorhöllen derzeit, ganz, als hätten Evangikale mal wieder zu viel masturbiert. Die homophobe Konnotation des Rumhackens auf Westerwelles Gatten muss man ja gar nicht eigens hervor heben, die Sippschaften im sonstigen Tross mal außen vor gelassen: Unter aller Sau. „Auch als Homosexueller muss sich Westerwelle die Frage stellen lassen“, so sinngemäß DIE ZEIT, als würde man dem Homosexuellen an sich als permanent und seit Jahrtausenden Geschonten nun vor lauter Angst, als homophob dazustehen, ansonsten besonders sammetweiche Behandlung angedeihen lassen, seitdem man das mit den Elektroschocks hat bleiben lassen. Die Anti-PC-Kamapganen waren erschütternd erfolgreich.

Das ist vor allem unsäglich frauenfeindlich, weil ja bei Frau – wie hieß der noch, der Ex-Außenminister? Steinmeier? Den Typ vergisst man immer wieder – wohl niemand auf die Idee gekommen wäre, dass sie nun als Geschäftsfrau mit unterwegs sein könnte. Und die ganze Benefiz-Industrie, die Schirmherrinnen ansonsten allseits gefeiert zugeschoben wird, bedürfte eh mal einer eigenen Analyse.

Frau repräsentiert an der Seite ihres Mannes und hat selbstlos zu sein, das ist doch die Botschaft – der eigeninteressierte Mann hingegen fällt plötzlich auf. Dass nun ausgerechnet die kürzlich auf die christliche Kacke hauende Frau Nahles da am lautesten los geiferte, das ist nicht nur paradox, das lässt auch Schlimmes ahnen, wie weit nun auch die SPD dabei vorgedrungen ist, die konservativen Giftsuppe zu löffeln, wenn es zweckdienlich scheint.

Die Frau Kraft oder so macht das mit ihrer Gemeinnützigkeits-Show im selben Paradigma, denen die Erwartungshaltung Politikergattinnen gegenüber folgt, und gibt sich so ganz compassionate, harhar. Auch nicht besser als Westerwelles Schneeschipp-Visionen. Zudem schon jetzt der Pflegehelfer-Kurs ein ganz praktikabler Weg aus Hartz IV ist, wenn man das mag. Auch der süße Generalsekreträr der FDP  fordert nun vehement die Einführung bereits geltenden Rechts. Ich bin geneigt, den Kontrahenten vom anderen politischen Ufer hinsichtlich der „Unpolitik“ zuzustimmen.

Und dann diese gesammelten Unsäglichkeiten in der Amarell-Debatte, da bleibt mir ja langsam die Luft weg. Ich meine damit gar nicht die bierselige Exklusionsforderung von Herrn Assauer, dem Realisten, sondern all den anderen Dreck im Feld der vermeindlich Seriösen und Crediblen. Harald Schmidt lässt dann schwule Fussballer und katholische Kinderschänder zusammen total witzig tanzen, da freut sich ja die gemeine Hete, wenn nicht Väter, die ihre Töchter begrabbeln inmitten der Keimzelle des Staates, Thema sind, sondern allesamt den evangikalen Propagandaerfolgen der Gleichsetzung von Pädophilie und „Homosexualität“ uneingestanden hinterher empfinden. Auch Herr Zwanziger hat das, wenn ich mich nicht verlesen habe, aus der Erinnerung zitiert und somit unter Vorbehalt, ganz offensiv analogisiert – Anbahnungsversuche unter Erwachsenen bei ungleichen Machtverhältnissen und den sexuellen Missbrauch von Kindern.

Beim Focus, da war’s, glaube ich, ich will das jetzt nicht alles raus suchen, weil ich e nicht noch mal lesen will, wurde das gleiche recht subtil praktiziert: Da gilt Herr Kempter als „knabenhaft“, achwas. Irgendwo anders, polterte die typisch selbstgerechte christlich-männlich-weiße-christliche Ekelhete vor sich hin, in welchen gesellschaftlichen Feldern, sogar Außenministerien, kicher, man sich ja an Schwule „gewöhnt“ habe – nee, sorry, ich habe mich leider noch nicht an jene gewöhnt, die die Perspektive der Dominanzkultur durch solche Sprüche zementieren wollen.

Herr Gräfe, Schiedsrichter, findet wieder woanders, dass im Falle Kempter die Grenze privat-geschäftlich überschritten worden sei – war’s nicht sogar Beckenbauer, als zukünftiger DFB-Präsident gehandelt, der die FC Bayern München-Sekretärin als Vorstand desselben (war er da doch noch?) erst schwängerte, dann heiratete? Habe ich mich da vergooglet? Verweisen nicht alle Statistiken darauf, dass der Großteil aller Partnerschaftsanbahnungen im Berufsalltag stattfindet? Heten gehen doch dafür auch nicht in den Darkroom, vermute ich mal.

Nee, für Homos und Bisexuelle gilt das natürlich alles nicht, was dazu führt:

„Britische Profi-Fussballer weigern sich, an einer Videokampagne gegen Homophobie teilzunehmen, wie der «Independent» berichtet. Offenbar fürchten sich die Sportler, ausgelacht zu werden, wenn sie sich für Schwule einsetzen, so das Blatt. Sowohl die Spieler als auch ihre Agenten hätten eine entsprechende Anfrage des Fussballverbands PFA abgesagt. «Niemand will seinen Kopf hinhalten», wird ein Mitglied des Verbands zitiert. «Vielleicht in ein paar Jahren, aber im Moment nicht.»“

Da ist ergänzend zu erwähnen, dass die Spieler des FC St. Pauli keinerlei Ängste hatten, neulich ein Transparent gegen Homophobie auf den Platz zu tragen und sich in kurzen Spots deutlichst zu äußern. Geht doch. Und auch ansonsten weht Gegenwind, zum Glück:

„Zwar hat sich DFB-Chef Theo Zwanziger dem Kampf gegen Homophobie und Rassismus in den Stadien verschrieben wie keiner seiner Kollegen zuvor. Doch als es dann zum Ernstfall im Nahbereich kommt, da versagen Zwanziger und seine Mitarbeiter komplett. Ein Schwuler – nämlich Amerell – auf der Führungsebene des DFB, sogar in der Altersgruppe von Theo Zwanziger. Da kann dann nicht sein, was nicht sein darf.

Die Möglichkeit, dass hier eine einvernehmliche Beziehung zwischen zwei Schiedsrichtern in den Rosenkrieg übergegangen ist, wurde von der DFB-Spitze gar nicht erst erwogen. Stattdessen legte man sich auf „sexuelle Belästigung“ fest und ließ zu, dass üble Klischees und Vorurteile ihre Wirkung entfalten konnten: Der alte Mann muss der Täter sein, der junge Mann das Opfer. Die tiefsitzende Männerangst obsiegt: Der Schwule geht dem Hetero ans Leder.“

Genau. Ich plädiere mal dafür, das Thema „Homosexualität“ wieder mit der klassischen Patriarchatskritik zu verknüpfen. Darum geht es nämlich.

Nachtrag: Man beachte mal die Kommentare in DIE ZEIT. Prototypisch der nun zitierte von „Julia 09“, kann man ja auch als Erwiderung auf mich lesen, der Herr Geiger treibt’s noch krasser, man lese drüben:

„Ihre Sichtweise erscheint mir doch etwas dogmatisch und neben der Realität.

andreasgeiger zeigt doch lediglich eine in der weitgehend heterosexuell orientierten Gesellschaft weit verbreitete Sichtweise, die ich für legitim halte.

Wenn jemand in einer homosexuellen Beziehung leben möchte, so soll er das können. Nur ist es eben seine Privatsache und kein gesellschaftliches Ideal. Man ist eben der Meinung, dass man Homosexualität selbstverständlich respektiert, es aber nicht gefördert sehen möchte. Das ist das gute Recht einer heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft. Der „Normalfall“ ist auch in Deutschland mehrheitlich die Beziehung zwischen Mann und Frau.

Wenn nun Herr Westerwelle im Ausland bei Staatsbesuchen der Bundesrepublik Deutschland seine Homosexualität zelebrierend, Händchen haltend über den roten Teppich läuft, dann vermittelt er damit eine Botschaft über Deutschland im Ausland, die sehr schnell ein falsches Bild über unser Land vermittelt und nicht im Interesse der Bundesrepublik Deutschland ist.

Gerade der China-Besuch war in meinen Augen höchst dumm, denn Westerwelle hat Diskussionen losgetreten, ob er nun Außenminister Deutschlands sei oder der Botschafter der Schwulen der Welt.

All das liegt nicht im nationalen bundesdeutschen Interesse, hat aber mit Homophobie auch nichts zu tun.“