Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Es werde und sei Kritik! Und die Transzendenz des Ego!

Da monoma ja inhaltlich nichts entgegen zu setzen  hat – natürlich habe ich da drüben kommentiert, und natürlich erschien der Kommentar dann nicht, warum sollte ich da lügen?  – und mit seinem „im projizierenden delirium“ wieder zur quadratisch-praktisch-gut-Lösung greift, wenn der Andere krank ist, ist die Welt ja in Ordnung, greife ich mal den einzigen Absatz auf, der sich nicht exklusiv um ihn dreht und mit dem irgendwas anzufangen ist neben seiner Plattensammlung. Ist ja auch hier immer mal Thema und wird bei Ches Haustroll auch gerne mal mißverstanden:

„aus meiner perspektive würde ich den betreffenden autor durchaus in der rubrik der sog. „postmoderne“ sehen, mit all den (de-)konstruktivistischen fatalen irrwegen, die sich heute aktuell u.a. in einer weitgehenden unfähigkeit gerade der verbliebenen „linken“ zeigen, in den zeiten einer tiefgreifenden globalen systemkrise tatsächlich qualitative alternativen zu entwickeln und zu vermitteln. fragmente der bisherigen auseinandersetzung finden sich – für interessierte – in diesem blog bspw. hier; einen schwerpunkt auf diesbezgl. erfreuliche entwicklungen in den kulturwissenschaften setzt zb. dieser beitrag. beide enthalten dazu viele weiterführende bloginterne links.“

Solche Wortblasen sind ja ähnlich gelagert wie jene, die die postmodern angefixten Germanistikstudenten damals in den Seminaren auch aufpusteten; ja, sie gingen mir deshalb auf den Geist, weil sie dazu neigten, etwas für etwas zu kritisieren, was das weder weder intendiert noch sagt.

Bei den Dekonstruktivisten der 80er ging das so, dass man sich z.B. auf den „Konsens“ bei Habermas eingeschossen hat und als Entgegnung „Differenz!“ rief. Ha! Der hat gesessen! Treffer!

Ganz so, als habe man damit etwas gesagt. Bei einem Habermas muss man sich schon die Mühe machen, verstehen zu wollen, was ihn zu seiner Vorstellung von Konsens trieb; mehr, als er umgekehrt sich Mühe gab, Derrida und Foucault im „philosophischen Diskurs der Moderne“ zu verstehen, da hat der dann auch wortreich an diesen vorbei doziert.

Nun gibt es postmoderne Motive, die ich tatsächlich auch anwende, ebenso wie anderes von Habermas. Aber dieses päpstliche „Auch ihr werdet auf die Wahrheit (bzw. Realität) stoßen, wenn denn der Tag des jüngsten Gerichts angebrochen ist!“, wie monoma das drüben praktiziert, das ist immer schon die dümmste Entgegnungen aller möglichen als Antwort auf „postmodernes“ Denken gewesen. Das ist wie dieser Aufschrei „Es gibt aber doch zwei biologische Geschlechter!“, der sich weltweise gibt in seinem Hinweis auf „Evidentes“ und dann aufhört zu denken, in’s tiefe Staunen der Ontologie versunken.

Natürlich weiß auch ein Lyotard, dass   es möglich ist, zu verhungern, gegen die Wand zu laufen und sich dabei eine Beule zu holen und von Polizisten die Schneidezähne ausgeschlagen zu bekommen. Ebenso, wie Frau Butler weiß, wie es sich anfühlt, mit Rassimus und Homophobie konfrontiert zu sein, während man gleichzeitig mit den damit getränkten Begriffsapparaten hantiert, wenn man über sich selbst spricht.

Ein Foucault hat nicht nur Anti-Gefängnis- und Anti-Psychiatrie-Bewegungen beeinflusst, initiiert und ging zusammen mit Sartre, den er zuvor philosophisch befehdete, Flugblätter verteilen. Er war aber, und das ist ja die eigentliche Pointe derer, die man mit „postmodern“ oder „poststrukturalistisch“ identifiziert, gegen totalisierende Weltentwürfe und stattdessen für das Konzept des „spezifischenIntellektuellen“. Also jenen, die das Wissen für all die konkreten und punktuellen, politischen Kämpfe liefern. Konkrete, politische Arbeit statt der großen Erzählungen. Statt DIE GESCHICHTE oder DIE UNIVERSELLE EMANZIPATION (eine Idee, mit der George W. Bush den Irak-Krieg begründete) , heute würde Lyotard DER MARKT mit aufnehmen und man kann es ihm vorwerfen, dass er da damals noch nicht ansetzte, anders als Fouacult, übirgens, stattdessen die ganz konkrete Emanzipation unter ganz konkreten Bedingungen.

Das Dumme an diesen Figuren ist, dass sie selbst totalisiert werden können, kann man ja bei den Liberalen verfolgen, wenn sie richtige Hayek-Versatzstücke falsch totalisieren und zu Patentrezepten und General-Antworten formen, und auf je unterschiedliche Art gaben sich die Denker sich dann Mühe, genau das zu vermeiden, da fängt wie bei Adorno ihr Denken erst an: Lyotard mit einem Sprachspiel-Ansatz, Foucault mit der Analytik KONKRETER Machtformationen und von Subjektivierungsweisen, und Derrida so, dass ich es auch nicht verstand. Das ist nichts anderes als „in den zeiten einer tiefgreifenden globalen systemkrise tatsächlich qualitative alternativen zu entwickeln“, nur eben nicht totalisierend und mit dem Mittel der Kritik.

Meine ironiefrei tiefe Bewunderung für den Nörgler gründet darin, dass er TROTZ Totalisierung der Theorie des Kapitals genau in diesem Sinne Kritik auch versteht: Nee, ich verweigere praktische Rezepte, Kritik ist meine Waffe – um dann trotzdem beim konkreten Fall der Hartz IV-Gesetzgebung anzugreifen. In diesem Sinne sind Horkdorno oft auch als Vorreiter des postmodernen Denkens begriffen worden, bei dem „späten Adorno“ der Negativen Dialektik und der Ästhetischen Theorie trifft das, glaube ich, auch zu, weil er auf die gleichen historisch Erfahrung reagiert wie auch die postmoderen Denker: Dass es möglich war, sich auf Marx berufend den Gulag durchzuziehen. Wenn es um DIE GESCHICHTE geht, sind ein paar Opfer halt nicht so wichtig …

In einem anderen Sinne sind nun gerade Hordorno mit ihrem genial-fatalen „Kulturindustrie“-Kapitel auch mitschuldig an dem, was ich auch weiter als mentalen Faschismus bezeichnen werde: Dieses Sich-Zusprechen eines höheren Bewußtseins im allumfassenden Verblendungszusammenhang. Wußten sie ja selbst nicht, wieso sie zu den Auserwählten gehören, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, wieso also der Verblendungszusammenhang auf sie selbst nicht zutrifft. Während ein Foucault seinen eigenen Willen zur Macht fröhlich bejahte. Da war der einen Schritt weiter. War aber ja auch jünger. Und kein jüdischer Intellktueller im Exil, während man dergleichen in Deutschland und Polen millionenfach vergaste.

Diese ganzen „Hollywood = Holocaust“, „Michael Jackson = Neoliberalimus“-Theoreme, das sind dann auch Totalisierungen, die Foucault zwar nicht interessierten, die mich aber, mich auf ihn berufend, irre machen, aggressiv machen, fertig machen, quälen.

Das Dumme ist, dass die Analyse der „Subjektivierungsweisen“ in Foucults Spätwerk nie jemand ernst genommen außer dieser Pappnase, die dann ein Buch nach dem anderen über die „Ästhetik der Existenz“ verfasst hat und dabei NICHTS verstanden hat.

Denn das war die Postmoderne auch immer: Kritik moderner Vorstellungen von Subjektivität und Identität. In „Die Ordnung der Dinge“ läßt Foucault „den Menschen“ verschwinden wie ein Gesicht im Sand am Meer, und das genau deshalb, weil er anthropologische Festlegungen und vermeindliche Konstanten immer an historisch-spezielle Episteme, also Wissensysteme, gebunden sah, die Vorstellungen dessen, was der Mensch sei, erst produzierten. In „Überwachen und Strafen“ ist Subjektivität der Effekt von Machttechnologien in gesellschaftlichen Institutionen wie Schule, Krankenhaus, Fabrik und Gefängnis und zugleich Gefängnis des Körpers, in „Sexualität und Wahrheit 1“ Effekt der Nötigung, die Wahrheit seines Sexus permanent produzieren müssen, um so der Sanktionierung, also Therapie, zugänglich zu bleiben, die sich am Begriffspaar „normal“ und „anormal“ abarbeitet und das Anormale, die Abweichung, fortwährend produziert, um sie dann anzugreifen und zu formen. Es gibt da diesen schönen Scherz, der Westen habe eine Sexualwissenschaft hervorgebracht, der Orient die „ars erotica“, und da steckt viel drin und ist viel dran.

Sein Spätwerk nun setzt dem andere, auch nicht viel bessere Weisen der „Selbstpraktiken“ entgegen, weil es idiotisch ist, Fragen nach dem „Wer oder was bin ich?“ wie Wahrheitsfragen zu behandeln. Das sind praktische Fragen, die nur über Dynamzität überhaupt sinnvoll zu stellen sind.

„Authentisch“ ist nun gerade einer jener Begriffe, die genau diese Einsicht abräumen und Menschen auf ein So-oder-So-Sein festnageln will, für mich das Schlimmste und Gemeinste, was man mit Menschen machen kann in Alltagskontexten. Natürlich sind foltern und verhungern noch schlimmer, aber ich halte das tatsächlich für eine Form des Missbrauchs mit gravierenden Folgen. Sartre hat das in „Das Sein und das Nichts“ einfach unübertroffen als „das Für-Andere-Sein“ beschrieben, eine der wohl eindringlichsten und großartigsten Pasagen der Weltliteratur, und er hat recht: Wenn man das so macht, dann sind die Anderen die Hölle. Die Psychoanalytikerin Jessica Benjamin hat in „Die Fesseln der Liebe“ eine grandiose Antwort geliefert.

Was dabei rauskommt, wenn man mit so einem totalisierten Begriff von Sachwahrheit operiert, gegen den tatsächlich alle Postmodernen opponierten, aber ebenso ein Habermas oder die US-Pragmatisten und alle Kunst sowieso, das kann man dann in Monomas letztem Absatz lesen:

„vielleicht wird eine der wenigen positiven wirkungen der krise auch sein, dass sie die sich in diversen rosaroten als-ob-welten befindlichen, von inszenierungen und events aller art – wie bspw. auch us-amerikanischen präsidentschaftswahlen – faszinierten demokraten (die das nur durch beständige ausbeutung anderer in all ihren finsteren variationen sein können) allesamt wieder in die zwar niemals (und glücklicherweise) perfekte, aber dafür authentische und einzig lebbare realität regelrecht zurückschleudern wird.´“


Sorry, aber wenn ich „einzig lebbare Realität“ lese, dann kann ich das wohlwollend als einen falschen, metaphysischen Realismus lesen, aber ich lese das tatsächlich als mentalen Faschismus, wenn jemand sich die privilegierte Einsicht zuspricht, zu wissen, was für Andere das „einzig lebbare“ sein soll. „There’s no Alternative!“, so was sagen doch normalerweise die Schröders.

Da geht nun wirklich in der Diagnostik alles so dermaßen durcheinander, dass die apokalyptische „Aber am jüngsten Tag, da werdet ihr erfahren“-Nummer direkt danach kein Wunder ist. Das ist Kraut und Rüben. Natürlich ist Politik zu poppig geworden, natürlich nervt Eventisierung, aber das sind zwei paar Schuhe.

Neulich rannte im Bus ein geistig-Behinderter auf einen glatzköpfigen Schwarzen zu und rief lachend immer wieder „Obama, Obama!“; vor kurzem hätte der noch „Ein Neger, ein Neger“ gerufen, und da finde ich „Obama, Obama!“ besser. Das ist die Ebene, auf der Pop wirkt, und die gibt es nun mal, da ist doch besser, man mischt mit. David Bowie hat mehr für mich getan als Volker Beck.

Eine GANZ ANDERE Frage ist, ob die konkrete Politik Obamas nun gegen oder für Ausbeutung gerichtet ist. Das ist aber keine Frage nach authentisch oder auch nicht, sondern von richtig oder falsch. Man beutet aber jemanden, auf den den geistig Behinderte „Obama, Obama“ rufend zu rennen, nicht so leicht aus wie jemanden, den die über „Critical Whiteness“ drüben bei beim Che witzelnden doch auch am liebsten mal wieder als  „Neger“ bezeichnen wollen würden …

Das sind dann Fragen, an die sich jene „personaler Identität“, traditionell gesprochen, anknüpfen lassen – natürlich ist das der „Input“, über den man sich definiert bzw. definiert wird, zudem man sich dann PRAKTISCH, nicht konstatierend, verhält. Probierend, tastend, spielerisch, kreativ – ja, auch karnevalesk, rollenhaft. Man tue plötzlich Überraschendes, handele ganz anders als sonst und warte dann mal ab, was passiert … die Zukunft ist offen, Baby!

Wer  hingegen „sich neu erfinden“ geißelt und mit Neoliberalismus-Kritik kurz schließt, der sagt im Grunde genommen zu jedem Afroamerikaner „Bleib Sklave! Das ist Deine wahre Geschichte! Steh zu ihr!“. Das finde ich nicht gut.

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16 Antworten zu “Es werde und sei Kritik! Und die Transzendenz des Ego!

  1. MartinM Juli 8, 2009 um 10:46 pm

    Wieder mal einer dieser Beiträge, die ich gern geschrieben hätte, aber nicht hätte schreiben können …

    Ich sehe in dieser apokalyptische “Aber am jüngsten Tag, da werdet ihr erfahren”-Nummer und der damit einhergehenden Geringschätzung der Pop(ulären) Kultur ja auch eine Auswirkung der „neuen Bürgerlichkeit“ (in meinem Freundeskreis besser bekannt als „neue Spießigkeit“), auch wenn z. B. Monomas das sicher bestreiten wird. (Mit „neuer Bürgerlichkeit“ meine ich die ab etwa Mitte der 90er auftauchenden modernen Konservativen, die ständig von überkommenen Werten reden, Gesellschaftsmodelle von gestern mit einem Familienbild von vorgestern kombinieren, Autorität und Disziplin für wichtiger als Toleranz und Liberalität halten, ständig Egoismus und Individualismus verwechseln, Neues fast nur noch als Bedrohung wahrnehmen, und die unangenehm viel Zustimmung in der Politik und den Medien erhalten.) Der Kurzschluss von „sich neu erfinden“ und Neoliberalismus-Kritik liegt m. E. ganz auf dieser Linie, auch wenn die „neuen Spießer“ politisch anderswo zu verorten sind (so ab dem rechten Flügel SPD) und sich deren Neoliberalismus-Kritik auf das Verfluchen von Gier und Leichtsinn beschränkt.
    Wenn damals Adorno & Horkheimer auf die Popkultur ihrer Zeit herabsahen, dann sicherlich auch aus ihrer ihnen anerzogen bildungsbürgerlichen Arroganz heraus. Die gehörten den auserwählten Durchblickern, weil man ihren von klein auf beigebracht hat, zu den Auserwählten zu gehören.
    Diese Ausrede haben heutige Kritiker der Popkultur eher nicht.

    (Apropos: was ist Pop? Konkret Pop-Musik? Sogar bei uns ist die Abgrenzung von „E-“ und „U-“ Musik fast nur noch für die GEMA interessant (im Übrigen wäre mir neu, dass dieser Unterschied irgendwo außerhalb des deutschsprachigen Kulturraums gemacht würde).
    Ich bin der Ansicht, dass in den Moment, in dem etwa ein klassisches Musikstück populär wird (wie es z. B. mit dem Chor aus Beethovens 9. geschah), wird es ein Teil der Pop-Kultur. Und in dem Moment, in dem ein Jazz-Stück – oder vielleicht sogar ein sehr ambitioniertes Rock-Stück – nicht mehr ohne musikalische Vorbildung „verstanden“ werden kann, ist es kein Pop mehr … Kann man sicher auch anders sehen.)

    Aber zurück zum Thema: schon der Begriff der “personaler Identität”, die man nun mal hat, und zu den man gefälligst zu stehen hat, widert mich an. Da muss ich automatisch an jene Spinner denken, die einen amerikanischen Schwarzen, der z. B. Wagner hört, Selbsthass unterstellen – oder einem weißen Deutschen, der Wagner verabscheut. Ein Feld weiter, und man ist beim völkischen Blut & Boden-Denken.

    „There’s no alternative!“ war ja die stehende Redensart von Misses Thatcher, die deshalb auch Tina genannt wurde. Im Grunde totalitäres Denken, auch wenn es liberal getarnt sein sollte (was bei Thatcher nicht der Fall war – extrem wirtschaftsliberal, aber ansonsten völlig illiberal). Schon deshalb antworte ich Leuten, die mir so kommen, gerne mit „There is allways an alternative“ (am Besten, damit der popkulturelle Bezug auch deutlich wird, mit hochgezogener rechter Augenbraue und im trockenen Spock-Tonfall.)

  2. momorulez Juli 9, 2009 um 7:55 am

    Dankeschön! Und ja, das ist eine Art „neuer Bürgerlichkeit“, deshalb frage ich mich zunehmend, ob nicht doch viel mehr dran ist an Herrn Fleischauer, als ich zunächst dachte. Und es ist nicht etwa die Postmoderne, die da zum Einbruch von „Die Linke“ führte, sondern die Kurzschlusshaftigkeit von Leuten wie Monoma. Behaupte jetzt mal, in meiner Alltagspraxis, die Du ja kennst, permanent politischer zu wirken als all die linken Splittergruppen und ihr Puritanismus.

    „Pop“ ist, was populär ist, deshalb ist in Heavy Metal-Kreisen auch was anderes populär als bei mir 😉 – und deshalb ist es so naiv zu glauben, man könne ohne Pop die Massen bewegen. Da hatte Benjamin schon recht. Und eben das, was medial verfielfältige Ästhetiken transportiert, da ist die Ästhetik schon der Ölfarbe immanent gewesen, deswegen kann man die auch nicht aus Medialem rauswerfen. Und Adornos Attitude, dann einsam Schönberg zu lauschen, die ist schon konsequent, bringt aber auch nicht wirklich weiter.

    „Aber zurück zum Thema: schon der Begriff der “personaler Identität”, die man nun mal hat, und zu den man gefälligst zu stehen hat, widert mich an.“

    Ja, mich auch, deshalb meine fortwährende Irritation darüber, dass das hier auch unter den Kommenatatoren so viele nicht verstehen wollen, wieso mich das so aggressiv macht. „Authentisch“ ist in schwacher Form der Geltungsanspruch bei Habermas, „Wahrhaftigkeit“, und dann meint das einfach, dass man meint, was man sagt, ist also auf Identitätsdiskurse oder Kunst nicht übertragbar, weil es der Kunst z.B. eine eindeutige Botschaft abverlangt, und dann ist es keine. Und Kunst grundsätzlich als Botschaft im politischen Sine deutet und das ist deren Tod.

    In starker Form meint es „echt“ und wird dann in Oppostion zu „künstlich“ gedacht, und da fängt die Kacke an zu dampfen. Dann ist es analog zu „gesund“, „natürlich“ usw. zu verwenden, und ein Einfallstor für wirklich alles Üble dieser Welt, dann kommt immer irgendwann „undeutsch“, „unafrikanisch“ und dieser ganze Murks dabei raus. Dann ist die echte Sexualität die heterosexuelle und alles andere nur abgeleitet – Butler -, dann sind die perfidesten Juden die, sich sich assimiliert haben, weil sie ja tarnen, dass sie EIGENTLICH echte Juden sind. Das ist diese ganze manipulative Entfremdungsscheiße, von der mich die Postmodernen befreit haben – Gott sei Dank!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. Michel Juli 9, 2009 um 9:39 pm

    Wirklich interessant, das ist das erste Mal, dass ich Postmodernismus in einem positiven Zusammenhang sehe. So wie du ihn verstehst hat er eine ähnliche Angriffsrichtung wie der Antikollektivismus. Aber meine Vorurteile gegenüber dem Postmodernismus räumt das noch lange nicht aus. Führt Postmodernismus nicht in einen Relativismus, der auch die Grundkonstanten des Zusammenlebens attackiert? Also deine Vorstellung einer egalitistischen Ethik, genauso wie meine Vorstellungen des Rechts? Und auch wenn du die emanzipatorischen Seiten des Postmodernismus betonst, nutzen die Staatfeministen ihn nicht mit gleichem Recht, um ein technokratisches Programm zu rechtfertigen?

  4. momorulez Juli 9, 2009 um 10:18 pm

    „So wie du ihn verstehst hat er eine ähnliche Angriffsrichtung wie der Antikollektivismus.“

    Ja. das ist historisch definitiv so. Der hat sich explizit so formiert, als Absatzbewegung zur marxistischen Praxis- und Geschichtsphilsophie des späteren Sartre und der „Temps Modernes“, gegen zwei der drei Hs, Hegel und Husserl, auch gegen die französische KP. Althusser jetzt mal ausgenommen. Das war ein Versuch, links zu denken, aber durch Totalitarismen belehrt. Hinten kamen dann ja Glucksmann und solche raus, und das kann man dann Foucault und so vorwerfen 😉 …

    „Führt Postmodernismus nicht in einen Relativismus, der auch die Grundkonstanten des Zusammenlebens attackiert?“

    Die Frage halte ich für ewig offen – ich glaube, man braucht sowas wie den Grundsatz der Kantische Rechtslehre,Du ja offenkundig auch, Lars zum Besipeil glaubt das nicht. Wichtig ist, dass man Moral in Auseindersetzung mit der Postmoderne nur reflexiv über die Kritik konkreter Lebensformen und Kulturen gewinnen kann, nicht aus diesen hegelianisch-sittlich entnehmen kann, weil den „sozialen Kitt“ jenseits der Ökonomie ja gar keiner braucht 😉 … außer dem Papst, zur Herrschaftssicherung.

    Und Du spielst wohl auf die Antidiskriminierungsgesetzgebung an: Ich glaube dass man die nicht psotmodern begründen kann,sondern nur funktional, und da wird es dann kompliziert, das packe ich heute abend nicht mehr. Wenn ich recht entsinne, spricht sich aber z.B. Judtih Butler deutlich dagegen aus, weil sie findet, dass man solche Fragen nicht an die staatliche Rechtssprechung deligieren kann, weil die dann unzulässige Defintionsmacht erhalte.

  5. Michel Juli 13, 2009 um 9:58 pm

    „Wichtig ist, dass man Moral in Auseindersetzung mit der Postmoderne nur reflexiv über die Kritik konkreter Lebensformen und Kulturen gewinnen kann,…“
    Das sehe ich etwas anders, Moral muss sich an den eigenen Lebenserfahrungen entwickeln und ist immer subjektiv, Recht das wegen seiner Funktion objektiv sein muss, lässt sich m.E. besser vertragstheoretisch begründen.

    „… nicht aus diesen hegelianisch-sittlich entnehmen kann, weil den “sozialen Kitt” jenseits der Ökonomie ja gar keiner braucht … außer dem Papst, zur Herrschaftssicherung.“
    Wem sagst du das.

  6. momorulez Juli 13, 2009 um 10:21 pm

    „Moral muss sich an den eigenen Lebenserfahrungen entwickeln und ist immer subjektiv“

    Der erste Teil stimmt, der zweite nicht 😉 – Moral ist genuin intersubjektiv.

    Und Recht ist nicht objektiv, sondern prozedural bestimmt, und ob das bei Moral auch so ist, darüber kann man dann streiten ….

  7. noergler Juli 14, 2009 um 8:44 am

    Vermutlich meint Michel, dass der Staat das Recht als ein Objektives setzt, während ich mir meine Privatmoral selber basteln kann („Wenn meine Fabrik die Landminen nicht produziert, macht es ein anderer.“)

    Dem widerspricht nicht, dass Moral „intersubjektiv“ ist, denn die Moral ist immer die des warentauschenden Bürgers, und intersubjektiver als Warentausch geht nicht. Aber gerade wegen der Intersubjektivität des Tauschs kann der bürgerliche Verkehr nicht auf dem Voluntarismus von Einzelmoralitäten beruhen. Deshalb schaffen sich die Bürger selber eine Instanz, der sie Macht über sich einräumen: den Staat. Weil der Warentausch – der Tausch von Äquivalenten – nur funktioniert, wenn die Bürger sich gegenseitig als freie und gleiche Rechtssubjekte anerkennen, bedarf es dieser übergeordneten Instanz, welche die wechselseitige Anerkenntnis der Bürger durch Gewalt zu erzwingen in der Lage ist.

    Bankraub wird nicht verfolgt, weil er unmoralisch ist (da lachen ja die Hühner!), sondern weil er die Gesetze des Äquivalententauschs verletzt. Der Frauenaufschlitzer wird nicht verfolgt, weil Vergewaltigung und Mord unmoralisch wäre, sondern weil der Täter dem Opfer die Anerkenntnis als gleiches Rechtssubjekt verweigert.

  8. momorulez Juli 14, 2009 um 9:58 am

    Hinsichtlich Recht magst Du teilweise Recht haben, aber was Du beschreibst, berücksichtigt zum einen nicht die Differenz zwischen legitim und legal und kann Rechtstatbestände wie das Verbot der Vergewaltigung in der Ehe (gibt’s das eigentlich mittlerweile?) gar nicht erfassen, es sei denn, es deutet den Körper der Frau als Eigentumsverhältnis. Und dann bewegst Du Dich im gleichen Paradigma wie Herr Nef vom Liberalen Institut in der Schweiz. Wobei Du, was Genese und Faktizität des Rechts betrifft, natürlich Recht hast mit den lachenden Hühnern.

    Und Moral kannst Du auch nicht in jedem Fall aus Tauschverhällnissen herleiten. Es gibt zwar Typen der Vertragsmoral, die auf sowas hinaus laufen, aber z.B. die Motivation, jemandem zu helfen, die kann es ja auch geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

    Und so Phänomene wie wechselseitige Achtung sind ja kein Tauschverhältnis dann, wenn man sie nicht über die „Goldene Regel“ begründet, sonder eine Einstellung, Haltung, dem Anderen gegenüber, die man zudem richtig und vernünftig findet.

  9. noergler Juli 14, 2009 um 2:04 pm

    Wer wen wo vergewaltigt, ist ohne Belang. Vergewaltigung ist immer die Mißachtung eines freien und gleichen Rechtssubjekts, und damit die Mißachtung der bürgerlichen Geschäftsgrundlage. Gerade weil die Ehefrau nicht Eigentum des Ehemannes ist, muß der Straftatbestand ‚Vergewaltigung in der Ehe‘ existieren. Wäre die Ehefrau Eigentum des Ehemannes, dann wäre sie seine Sklavin. Bürgerlich aber geht das nicht, weil der Markt nur funktioniert auf der Grundlage voneinander unabhängiger Warenbesitzer, die gerade kein Eigentum aneinander haben.

    Zum Thema Helfermotivation, Kultur des Helfens etc. verweise ich auf die bibliothekenfüllende Literatur, der wir manch Verblüffendes und Irritierendes entnehmen können.
    Und dass die gegenseitige Hilfe unter bürgerlichen Verhältnissen im Vergleich zu früheren Epochen drastisch abnahm – eben wegen der Unabhängigkeit der Waren-Bürger voneinander – ist ja nicht wegzudisputieren.

    Es besteht kein Zweifel am historischen und zivilisatorischen Fortschritt, der in der gegenseitigen Achtung der Warenbesitzer als gleiche Rechtssubjekte besteht. Diese wechselseitige Achtung ist in der Tat „eine Einstellung, Haltung, dem Anderen gegenüber, die man zudem richtig und vernünftig findet.“ Nun wissen die Bürger aber selbst, dass es mit der wechselseitigen Achtung oft nicht weit her ist. Deshalb braucht’s den Staat, der reinhaut, wenn einer der Bürger durch Betrug, Raub oder Mord mal wieder an der Achtung hat fehlen lassen.

    Die Widersprüchlichkeit des Bürgers, der ständig zwischen Achtung/Respektierung und Abwertung anderer/aggressivem Handeln oszilliert, erklärt sich aus der Konkurrenz. Die nämlich erfordert etwas, was gar nicht geht: Respektierung und Killerinstinkt simultan.
    Die Achtung ist nötig, um den Äquivalententausch nicht zu stören, der gleichzeitig als Markt die robuste Durchsetzungsfähigkeit des Einzelnen erforderlich macht – einer der immanenten Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft.

  10. che2001 Juli 14, 2009 um 2:25 pm

    Chapeau, Nörgler, großartig formuliert.

    Einen anderen Punkt sehe ich vor meinem eigen Erfahrungsgrund etwas anders. @“Mit “neuer Bürgerlichkeit” meine ich die ab etwa Mitte der 90er auftauchenden modernen Konservativen, die ständig von überkommenen Werten reden, Gesellschaftsmodelle von gestern mit einem Familienbild von vorgestern kombinieren, Autorität und Disziplin für wichtiger als Toleranz und Liberalität halten, ständig Egoismus und Individualismus verwechseln, Neues fast nur noch als Bedrohung wahrnehmen, und die unangenehm viel Zustimmung in der Politik und den Medien erhalten.) Der Kurzschluss von “sich neu erfinden” und Neoliberalismus-Kritik liegt m. E. ganz auf dieser Linie, auch wenn die “neuen Spießer” politisch anderswo zu verorten sind (so ab dem rechten Flügel SPD) und sich deren Neoliberalismus-Kritik auf das Verfluchen von Gier und Leichtsinn beschränkt.“ —- Unterhalb der Ebene V.d.Leyen – Westerwelle und INSM-Aktiven sind mir solche Leute noch nie begegnet. Ich würde da eher an seit etwa 1988 auftretende vom traditionellen Konservatismus völlig losgelöste Konservative denken, die ästhetisch es mit „anything goes“ halten (kenne da einen Unternehmer, der Ärzte-Fan ist und es toll findet, dass HartzIV ihm die Billig-Arbeitskräfte zuführt und CDU-Stammwähler ist und kifft), vollkommen bindungs- und veratnwortungsfreie Gesellschaftsmodelle mit gestrigen Familienkonzeptionen (in die durchaus „wohlwollend“-paternalistisch Homo-Ehen mit eingebaut werden, Hauptsache, die heterosexuellen Rollenzuweisungen werden dort übernommen mit einem „männlich“ toughen und einem „weiblich“ weichen Partner), stark differente Geschlechtsrollen sehr wichtig finden (bloß keine Frauen, die ihr Motorrad selber reparieren), extremen Wert auf Markenklamotten legen und soziales Engagement uncool finden. Die neue Bourgeoisie/Upper Middle Class, die aus den Yuppies hervorgegangen ist und Hauptträger der Gentrifizierung ist.

  11. che2001 Juli 14, 2009 um 2:28 pm

    Die betreffenden Kreise, politisch außer bei CDU und FDP oft auch bei den Grünen beheimatet befürworten übrigens Auslandseinsätze der Bundeswehr oftmals mit einer Verve, die mir den Verdacht nahelegt, dass es da eigentlich um die Erotik des militärischen Handelns geht.

  12. momorulez Juli 14, 2009 um 5:28 pm

    @Nörgler:

    Der Grund von Moral ist der Andere in seiner Leidensfähigkeit und in seinem konkreten So-oder-so-Sein.

    Das ist aber nur ein Teil-Dissens, weil das ja einerseits alles stimmt, was Du schreibst, andererseits aber noch nicht alles ist. Glaube ja auch an die Durchdringung aller Lebensbereiche durch Ökonomie, aber nicht an die totale Durchdringung.

    Aber zumindest hinsichtlich der folgenden Passagen sind wir uns schon mal völlig einig:

    „Es besteht kein Zweifel am historischen und zivilisatorischen Fortschritt, der in der gegenseitigen Achtung der Warenbesitzer als gleiche Rechtssubjekte besteht. (…) Die Widersprüchlichkeit des Bürgers, der ständig zwischen Achtung/Respektierung und Abwertung anderer/aggressivem Handeln oszilliert, erklärt sich aus der Konkurrenz.“

    Letzteres auch oft und gerne bei mir, stimmt schon …

    @Che:

    Alter Jubelperser 😉 …

    Und ich kenne die beide, also die, die Martin beschreibt, als auch jene, die Du meinen könntest. Wobei das immer weniger wurden, die Deinen, seitdem die New Economy in sich zusammen brach, während Martins „Neue Bürgerlichkeit“ in meinen Augen/meiner Wahrnehmung deutlich zunimmt und die „Yuppies“ auch immer nachhaltiger infiziert.

    Und die Verve bei der Befürwortung von Auslandseinsätzen sehe ich eher in der moralischen Überhöhung derer, also dem, was Nörgler implizit kritisiert und ggf. auch manchmal bei mir wittern könnte: Das sind die verschiedenen Varianten „pro-westlichen Kulturalisten“, die’s ja auch auf der (Quasi- und ehemals) Linken gibt, Joschka Fischer und solche, die dann mit der Shoah ALLES begründen und im Namen des Guten Kriege führen wollen. Die sind nur deshalb hierzulande nicht noch massiver geworden,weil mit den Neocons von Bush niemand was zu tun haben wollte.

    Was die machen, ist dann aus dem moralischen Universalismus z.B. eines Habermas so eine Art Ersatznationalismus der „aufgeklärten Welt“ zu basteln, was in sich widersprüchlich ist.

    Vielleicht meinen wir aber auch verschiedene Leute …

  13. che2001 Juli 14, 2009 um 6:18 pm

    Ich denke, das hat Schnittmengen. Martins Leute kenne ich einfach nicht, dann aber Altkonservative, für die jenseits von Klassik, Country und Jazz bereits das kulturbolschwewistische Chaos losgeht und Grenzen zwischen Rock, Pop, Disco und Metal schlicht inexistent sind, weil das alles vom Teufel bzw.entartet ist (meine früheren Chefs z.B.). Und bei Ex-Grünen, die ehemals ideologisch überzeugte Gewaltfreie mit Aggressionsabbautraining gewesen sind, habe ich eine solche emotionale Begeisterung für den Kosovo-Krieg erlebt, dass ich mir die in der Tat nur mit „jetzt dürfen wir endlich“ und der o.g. Begründung erklären konnte.

  14. Michel Juli 14, 2009 um 6:55 pm

    @momo: Wenn der Prozess der Rechtsfindung, Teile des Rechts eindeutig festlegt, kann man diese Teile ohne weiteres als objektiv bezeichnen.

    @noergler: Da kennst du mich schlecht, m.E. ist das Recht unabhängig von Institutionen die es setzen. (Natürlich kann das was die Institutionen als Recht bezeichnen, von dem Abweichen was tatsächlich Recht ist.) Ausführlicher habe ich das hier skizziert. Auch mit den Begriff Privatmoral bin ich nicht zufrieden. Moral hat Bestandteile die den Anspruch haben universell zu sein (insbesondere der Bereich der altruistischen Moral), die müssen jedoch durch andere Teile ausbalanciert werden. Welche Balance ein Einzelner sucht kann man nicht ohne seinen Lebensweg verstehen und ist zutiefst individuell.

    Deine Rechtfertigung des Staates ist lange nicht hinreichend. Notwendig um sich als freie und gleiche Rechtssubjekte anzuerkennen, sind Sanktionssysteme, wie die konkret ausgestaltet sind, ob in Form eines Gewalt- und Rechtssprechungsmonopols oder nicht steht auf einen anderem Blatt.

  15. momorulez Juli 14, 2009 um 9:27 pm

    @Michel:

    Ja, aber das sagt dann trotzdem nicht viel aus 😉 … Du kannst dann nicht zwischen Rechtspositivismus, Rechtsbegründung und Regel-Anwendung unterscheiden, sondern mußt das als so eine Art „fait social“ behandeln … so verfehlst Du schlicht und ergreifend die Differenz zwischen praktischer und theoretischer Vernunft und betreibst Rechtssoziologie,nicht Rechtsbegründung.

    „Moral hat Bestandteile die den Anspruch haben universell zu sein (insbesondere der Bereich der altruistischen Moral)“

    Die Unterscheidung zwischen traditioneller und moderner Moral ist u.a. die Universalisierbarkeit im Falle letzterer (aus der Perspektive der modernen Moral selbst gesprochen, also einer, die sich nicht mehr auf „höhere Warheiten“ beruft), so rum wird ein Schuh draus – das ist ein mögliches Kriterium, die Verallgemeinerungsfähigkeit.

    „Altruismus“ ist eh ein seltsamer Begriff, der annähernd ausschließlich von Leuten aus den neueren Varianten libertären und liberalen Denkens so häufig angeführt wird, aus was für Gründen auch immer. Meiner Ansicht nach ist das ein Popanz und nur auf extreme Formen protestantischer Moral überhaupt anwendbar.

    Die meisten Moraltypen setzen entweder kantisch, also anhand einer Begründung aus den wie auch immer bestimmten Regeln der Vernunft selbst an, oder sie formulieren eine Güterethik, die zumeist auch die konkrete Verfaßtheit von Lebensformen betrifft, oder sie geben sich utilitaristisch, also am größtmöglichen Nutzen aller interessiert.

    Im Rahmen einer „Güterethik“, die auch moralische Pflichten sich selbst gegenüber behauptet, kann „Altruismus“ auftauchen, aber meistens ist das entweder Mitgefühl, das da auftaucht, oder eben eine Überzeugtsein, das den Standpunkt der Unparteilichkeit voraussetzen muss, das ist aber kein Altruismus, sondern Vernünftigsein.

    Und das ist keine Frage der Wahl zwischen Alternativen, sondern der Begründungsfähigkeit einer Regel. Die natürlich auch in Konkurrenz zueinander treten können, die Art der Gründe ist aber was anderes als Geschmackfragen z.B.

  16. noergler Juli 15, 2009 um 8:04 am

    „Deine Rechtfertigung des Staates ist lange nicht hinreichend.“
    Gerechtfertigt habe ich ihn ohnehin nicht; wie käme ich dazu.
    In Deiner Formulierung klingt das so, als ob Du die von mir angedeutete Erklärung des Staats selber schon längst Dir zu eigen gemacht hast, jedoch darauf aufbauend noch darüber hinausgehst, um ihn dann noch besser zu erklären.
    Ich habe allerdings den Eindruck, dass dem keineswegs so ist. Vielmehr ist Dir die Erklärung des Staats aus der Konkurrenz der Revenuequellenbesitzer ein sehr fremder Gedanke, da Dir dessen in der Marxschen Theorie vorfindlichen Grundlagen nicht bekannt sind. Und dann eiert man bei der Staatserklärung eben rum.

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