Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kleiner Hinweis, allgemeinverständlich?

„Wer einmal primär als Angehöriger dieser oder jener Gruppe identifiziert wurde – der kann noch so sehr insistieren, wie Sen dies in seinem eigenen Fall tut, er sei gleichzeitig ein Asiate, ein Bürger Indiens, ein Bengale aus Bangladesh, ein Mann mit Wohnsitz in den USA, ein Wirtschaftswissenschafter, ein Feminist, ein Verteidiger der Rechte von Schwulen und Lesben, ein Heterosexueller, ein Sanskrit-Gelehrter und noch vieles mehr. Doch sich selbst sehen und von anderen gesehen werden, Identität und Identifizierung durch andere, ist zweierlei; und man hätte gern etwas genauer gewusst, wie Menschen sich kraft der Vernunft, deren ausserordentlich eloquenter Fürsprecher Sen ist, fatalen Identifizierungen widersetzen können.“

Kann man bei Foucault, Adorno und anderen lernen, wie man das Prozessuale und das Sich-Zuschreibungen-Entziehen als theoretische Programmatik mit praktischem Wert vollziehen kann.

Der Schlüssel: Man untersuche, wie man „sich identifizierenn mit“ und „sich identifzieren als„, verwendet, wie das geht, wie man dazu kommt, wozu das führt – und vor allem auch, was die Quellen sind, aus denen man schöpft, wenn man das tut.

Dann meditiere man darüber, was es heißen kann, „mit sich identisch zu sein“, das ist dann entweder eine raumzeitliche Zuschreibung (also immer der gleiche Körper) oder ein sich-identifzieren mit konstanten Merkmalen wie dem Äußern einer und immer der gleichen Meinung, dem alltäglichen Beten gen Mekka, mehrfach, der Tendenz, unwirsch zu reagieren, wenn jemand intellektuellenfeindliche Worthülsen, homophobe Klischees, implizit sozialdarwinistische Weltbeschreibungen oder latent-faschistoide Biologismen proklamiert.

Dann vertiefe er sich in die Verletzung, die er empfindet, wenn er mit massiv allergischen Reaktionen diesbezüglich konfrontiert wird, und er bekommt vielleicht eine Ahnung davon, was es heißt, im Falle des „sich-Identifizierens als“ ein Leben lang mit Vorstellungen arttypischen Konstanten oder auch nur „Rahmen der sexuellen Orientierung“, die dann angeblich eine „qualitative Idetität“ sei, also ein so-oder-So-sein, konfrontiert zu werden: Es ist eine Versteinerung durch Fremdzuschreibung, zu der sich zu verhalte man genötigt ist. Max Frisch hat darüber  „Andorra“ gechrieben.

Wütend macht das, weil das in solchen Zuschreibungen  sich äußernde Begriffsrepertoire an der Wahrheitsgeltung  von Sätzen wie „Der Kapitalismus lebt von der Abschöfpung des Mehrwertes“ sich orientiert und damit zum einen das vollbringt, was in der Kritischen Theorie (und auch der Lebensphilosphie der 20er Jahre) als „Verdinglichungskritik“ auftritt und ebenso als Kritik des zu Recht so genannten „identifizierenden Denkens“: Was benennt und definiert, will beherrschen, verfügbar machen, instrumenatalisieren, in den Begriff und somit auch Griff bekommen, indem es „objektiviert“, also, siehe oben, versteinert. Sei es per Elektroschock, Missionierung oder Tolerieren: Die Subjekt-Objekt-Relation, die ist da klar bestimmt.

Es ist dies eine unrichtige Vermengung diskursiver Ebenen, ein Kurzschluß ethischer Perspektiven, die immer nur auf der Zeit-Achse auftreten können, weil sie sich Ziele setzen, die Verwirklichung von Ideen anstreben, sich mit den Anderen beschäftigen wollen, und Wahrheitsfragen: „X ist liberal“, „Der Baum ist grün“, „Gott ist tot“.

Insofern ist es fast ein Fortschritt, wenn z.B.  Heizpilze Schwulsein als „Lifestyle“ betrachten, das trifft es sogar, es ist ein Lebensstil, wie jener der alleinerziehenden Mutter, des Spazierens in Parks oder der Vorliebe für Nouvelle Cuisine. Und Lebensstile ruhen immer auf ökonomischen Bedingungen, nichts anderes kann die Formel „Das Sein bestimmt das Bewußtsein“ und „Der Mensch ist das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ auch heute noch heißen. Soziologen wie Pierre Bourdieu haben das in neue Formen der Sozialstrukturanalyse geführt, all die verdinglichenden Gen-Fetischisten (Fetischsmus ist ja das sich-Richten auf ein Objekt statt eine Person) und Hirnheinis wollen genau solche Ansätze verdrängen, obgleich sie doch gerade mal wieder gemerkt haben, dass ein Gen allein noch gar nix sagt und alles Entscheidende in Interaktionen mit Umwelt entsteht. Die Teilnehmerperspektive können sie nicht denken, wenn sie sagen, ein Psychopath habe eben ein anderes Hirn als ein Nicht-Psychopath, deshalb lügen sie, meistens gedruckt.

Nun erst stellt sich die Frage nach der Politik. Meiner Ansicht nach hat sie auf der Lebenstil- und Lebensform-Ebene, jener der ethischen Vernunft, nichts zu suchen. Das ist übirgens eine liberale Position (wie sie z.B. gegen Kommunitaristen meiner Ansicht nach zu Recht ins Feld geführt wurde).

All dieses Rassismus- und Kulturalismus-analoge Geschwätz darüber, wie Linke seien, lenkt nur ab von Politik, deshalb wird es ja verbreitet, gerade jetzt „in der Krise“, ebenso diese Erziehungsprogramme zur Volksgesundheit von grünen Prä-Faschisten und Nichtraucher-Waggon-Siegern über das Lotterleben.

Es ist das Kennzeichen konservativer Positionen, solcherlei Vorschrebungspraktiken, die genuin religiös sind und immer irgendeine Variante von Askese-Modellen und Ritualisierung beinhalten. Es ist dieses aber auch die Ebene von „Sich identifizieren als“ und „sich identifizieren mit“. Genau DAS ist übirgens tatsächlich ein Drama, das ’68 hervorgebracht hat: Diese ganze Psycho-Diskurse, die dann moralisch sich aufgeladen, jeden Fick „politisch“ aufgeladen haben und auch nur eine invertierte Form der Askeseparaxis waren: „Wer zwei Mal mit derselben pennt gehört schon zum Establishment“ ist als Lifestyle-Programm strukturell konservativ, so paradox sich das anhört.

Wenn man Die Linke als „Szene“ begreift, als eine bestimmbare Gruppe mit geteilten ethischen Vorstellungen, dann ist man strukturell konservativ. Deshalb reagiere auf dieses Szene-Gerede aus Provinzstädten in Nordhessen so allergisch, dann, wenn es politisch-programmantisch und fast im Sinne einer Wesensmetaphysisk der Linken auftritt und nicht als reiner Erfahrungsbericht. Die meisten Redeweisen von „Identität“ laufen auf solche Wesensmetaphysiken hinaus: „Ich bin liberal, ich plane nicht“. „Ich als Liberaler verfüge über die Eigenschaften x, y und z“. „Ich als westlicher Mensch bin wesensmäßig tolerant, anders als diese wesensmäßig intoleranten Muslime“. usw.

Wenn ich mich als St. Paulianer identifiziere, die einzige „Identität“, die ich mir selbst zuschreiben würde, von mir aus sogar wesensmetaphysisch, hat das mit Politik nix zu tuen. Die Frage nach der Gleichberechtigung der Frau hat dieses aber sehr wohl, weil Recht Organ des Politischen ist und immer von der Selbstkritik, wann Demokratie und somit Rechtsetzung den eigenen Grundlagen – z.B. den formal-egalitären – zuwiderläuft , begleitet zu werden hat, sonst ist es Unrecht. Eine Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung ist ein solcher  rechts-setzender Akt, z.B..

Und überhaupt erst da treten dann auch politische Differnezen auf den Plan: Linke Positionen sind für mich solche, die eben jene oben erwähnten, auch ökonomischen Grundlagen und Bedingungen von Lebensstilen als der Politik zugänglich erachten und als Thema des Politischen, ganz egal auf welcher Eeben, im Blickpunkt haben, und zwar auf egalitärer, nicht traditionaler oder konventionaler, sondern rational-prozessualer Basis.

Das unterschiedet sich nur wenig von bürgerrechtsorientierten, linksliberalen Positionen, und da kann man dann auch sinnvoll diskutieren über mögliche Differenzen, nicht, wenn man sich über Lifestyle und Mentalitäten ausläßt.  Wirtschaftsliberale Posotionen behandeln solche Fragen hingegen prinzipiell als privat und wollen diesen Bereich vor dem Eingriff des Politischen, der „kollektiven Entscheidung“ deshalb schützen, weil sie sich mit Verfahren jenseits des symetrischen Vertrages zwischen zweien gar nicht auseinanderzusetzen bereit sind, es sei denn, es geht zwischendruch mal darum, Abgaben für das Grillen in Parks zu erfinden, also öffentliche Güter als quasi-privat zu deuten und zu budgetieren.

Konservative hingegen setzen direkt am Lifestyle an und proklamieren die Präferenz bestimmter Lebensstile – keine Schulbücher, die „Schwulsein“ positiv darstellen, Herr Rüttgers – und vollziehen einen Kurzschluß zwischen ethischen – den Lebenstil betreffenden – und normativen Fragen – was ist eine moralisch richtige Handlung, auf welcher Regel kann diese gründen? Steht in der Sunnah, der Bibel, bei Herbert Marcuse oder Wilhelm Reich  – und verstehen diese dann als na, was wohl, Identitätsfrage, als ein invariantes „sich identifzieren mit“ (Nation, Familie usw.) und „sich und Andere identifizieren als“ (Deutscher, Linker, Liberaler, Christ oderwasauchimmer).

Und dann ist der „Zigeuner“ der, der stiehlt, der Muslim der, der Ehrenmorde begeht, der Linke der, der spitzelt und verbietet, der Schwule der, der Volksgesundheit und Jugend gefährdet und der Spießer der, der treu ist. Und das ganze fatale Karussell von Fremd- und Selbstzuschreibung kann beginnen … und ich bin ständig mittendrin und mit dabei, ich Arschloch.

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61 Antworten zu “Kleiner Hinweis, allgemeinverständlich?

  1. Lina Juni 6, 2009 um 10:28 am

    Da hat also das ‚Arschloch‘ (das Du Dich nennst) seine jüngsten Erfahrungen als Blogger subsummiert, einige (willkommene (-; ?) ‚Lieferanten‘ von Klischees + Normierungen unter Beschuss genommen, sich anderer (wärmender Heizpilze etwa) bedient und etwas in Summe Beachtliches abgelassen … mit dessen Gehalt ich mich auch im Heterogenen *identisch* fühle (-: …

    Ansonsten bin ich als Subjekt identisch nur mit meinem Äusseren, meinem Schicksal und meinem Wesen und solchen, an deren Äusserungen es, weil wesensverwandt oder erfahrungsidentisch, freiwillig und unprogrammatisch andocken kann. So entsteht Parteilichkeit, die sich darauf beschränkt, Meinungen zu teilen – nicht aber Politik, diese manipulativ zur verbindlichen Norm erheben zu wollen.

    Wahre Liberalität besteht also für mich im Wesentlichen in lernfähiger Selbstbeschränkung wie im Recht, das sich Auferlegte, wenn’s sein muss, auch zu verteidigen. Denn, ehrlich gesagt, geht es zunächst nur um die eigene Haut … und dann erst um die der anderen. Wie auch an Deinen vorausgegangenen Beiträgen (zum Schwulsein als bedrohte ‚Identität‘?) gut abzulesen war …

  2. momorulez Juni 6, 2009 um 11:55 am

    Im Sinne der Identität bin ich nicht schwul 😉 …. „schwul“ als Eigen-Identifizierung aus der Not heraus, weil der Begriff einer abwertenden Fremdzuschreibung gelebten Trotz entgegen setzt, mehr aber auch nicht. Ich „bin“ nicht schwul und „homosexuell“ schon gar nicht, da kann ich noch so viel Spaß mit Thomas gehabt haben. Fühle mich durch die Zuschreibung selbst bedroht, weil sie ent-individualisiert und somit entmenschlicht. Das werte jetzt aber bitte nich als persönlichen Angriff, sondern als generelle Aussage. Mit „queer“ kann ich schon mehr anfangen, weil da das Spielerische mit drin steckt.

    Und es geht mir schon, auch ganz alltäglich lebenspraktisch, immer auch um die Haut Anderer. Habe mich sogar mal auf einen 80-Kilo-Hund geworfen, der sich in meinem Hund verbissen hatte, um den zu Boden zu drücken, und der hätte nur seinen Kopf umdrehen müssen, und mein Gesicht wäre weg gewesen. Habe in dem Moment so gar nicht an meine Haut gedacht. Ich gaube nicht, dass man das Eigeninteresse als primär in allen Fällen ansetzen kann, auch wenn ich natürlich was davon habe, dass mein Hund überlebt hat.

    Wahre Liberalität ist für mich auch was Reziprokes, Wechselseitiges: Weil ich mir Recht X zugestehe, habe ich auch keinen Grund, es Dir abzuerkennen. Habe mich ja als durchaus liberal verstanden, bevor ich auf all diese seltsamen Varianten im Netz gestoßen bin, und damit kann ich mich dann nicht mehr identifizieren 😉 … was aber auch daran liegt dass bei Übersetzugen aus US-Diskussionen, wo dann Rawls und solche auftauchen, das us-amerikanische „liberal“ einfach eingedeutscht wird. Und aus so einer Ecke komme ich ja eigentlich mal, zumindest, was mein politisches Denken betrifft. Marx kam bei mir erst durch Berufserfahrung hinzu, und deshalb ist ja auch kein Zufall, dass unter den Netz-Liberalen so viele sind, die das eher aus einem akademischen Blickwinkel betrachten, mit der Ausnahme Rayson, deshalb ist das auch der einzige, den ich da ernst zu nehmend finde – die Ossis nehme ich da mal aus, da ist die Motivation und die Erfahrung einfach eine andere. Und Rechtsanwälte z.B. haben ja nur abgeleitet eine kapitalismusspezifische Arbeitssituation.

  3. Lina Juni 6, 2009 um 8:35 pm

    >>> “ … weil der Begriff einer abwertenden Fremdzuschreibung gelebten Trotz entgegen setzt …“

    Find‘ ich gut: als biologisch *natürliche* (Yes!) Abwehr-Haltung 😉 – denn keiner soll schliesslich einen Anderen zur Einhaltung einer Norm verpflichten dürfen – ausser den sinnvoll rechtlich fixierten.

    Aber was ist das eigentlich, eine Norm? Ergibt sie sich oder wird sie zu einer, weil ein Sachverhalt mehrheitlich identisch gesehen, bzw. gar als identitätsstiftend verstanden wird … mal ganz abgesehen von geschlechtlichen Ausbildungen, die immerhin einen funktionalen Zusammenhang, und sei es nur der einer Fortpflanzungsmöglichkeit, erkennen lassen (-; …

    Und ist Identität, z. B. gesuchte, sich solidarisierende Identität nicht auch friedensstiftend und somit eigentlich wünschenswert? Nicht unbedingt, lese ich gerade, denn: „Die Gesellschaft ist integral, schon ehe sie totalitär regiert wird. Ihre Organisation umgreift noch die, welche sie befehden, und normt ihr Bewusstsein.“ (Adorno, ‚Minima Moralia‘), was mir besonders im Hinblick auf die libertäre Fixierung auf ‚den Staat‘ als Wurzel allen Übels schwer zu denken gibt. Ist es nicht die Gesellschaft selbst (und Politiker nur ihre Erfüllungsgehilfen), die den Ausschluss des ‚Abnormen‘ (Schwulsein, Fettsein, Anderssein, Rauchen, Saufen etc. … ) von der gesellschaftlichen Norm auf demokratischem Weg herbeiführt () – mit zunehmendem Erfolg je absoluter, totalitärer einerseits von Brüssel aus, andererseits (und das gewichte ich eigentlich viel höher) von der medial verbreiteten sog. öffentlichen Meinung aus ‚regiert‘ werden will?

    Was anderes noch: Hättest Du eigentlich einen ‚fremden‘ Hund, der nicht der Deine, also nicht Teil Deiner Mensch_mit_Hund_Identität war, auch vor diesem 80-Kilo-Brocken gerettet? Na klar, wirst Du mich glauben machen wollen 😀 …

  4. momorulez Juni 6, 2009 um 10:27 pm

    „Normen“ gibt es ja viele, auch außermoralische und nicht-rechtliche, auch solche für Möbel und Schuhgrößen, zumeist sind es schlicht Handlungsregeln. Funktionalität liegt im Auge des Betrachters bzw. da, wo eben diese Betrachtungen dann „ausgewertet“ werden, da bin ich voll und ganz Kantianer, nicht in „Natur“ (oder wasauchimmer man darunter versteht) selbst. Und genau da setzt ein Adorno ja an.

    Funktionalität ist ein aus zweckrationalen Handlungsregeln abgeleitetes Erklärungsprinzip: „Um x zu erreichen, muss man y tun“, z.B. einen Flaschenöffner holen, um eine Flasche zu öffnen. Und erklär mir mal, was all das Gummipuppen rammeln und Pillen einschmeißen irgendwelcher Heten mit Fortpflanzung zu tun hat. Fortpflanzung ist ein Nebeneffekt von Lust. Sonst muss man schon Kreationist sein, um anderes zu behaupten. Und Biologie vollbringt auch keine Abwehrhaltungen, sondern ist eine wissenschaftliche Disziplin, die z.B. Zellteilungsprozesse untersucht.

    Und natürlich gibt es allerlei soziale Prozesse, die das Abnorme konstituieren, was ja gerade ein Grund ist, die ganzen Identitätsphrasen aufzulösen. Da, wo sich „Gruppenidentitäten bilden“, also Leute sich mit so jämmerlichen Eigenchaften wie „deutsch“ identifizieren, wird das Nicht-Deutsche z.B. automatisch mitgedacht, und das hat in der Tat Folgen für demokratische Prozesse, ist aber nicht notwendig eine Folge dieser. Auch staatliche Institutionen konstituieren das Abnorme, klar, Kriminologie, Psychiatrie, die Humanwissenschaften, die Biologie, Arbeitsagenturen usw. – das ist ja gerade das Thema Foucaults.

    Es macht nur in der Regel nicht allzu viel Sinn, von „Die Gesellschaft“ oder „der Staat“ zu reden, in der Hinsicht sind ja all die Kritiker Elche usw. – diese ganze affige Agitaion von Herrn Fleischau bis hin zu all den Scheinliberalen findet ihre Pointe ja gerade darin, dass sie all das, was in der Historie der Schreihälse auf der Linken schon immer genervt hat, bruchlos übernehmen. Ob nun „der Staat“, „die Gesellschaft“ oder „die Wirtschaft“ oder immer nur „der Einzelne“ nun gerade an allem Schuld ist oder die 68er gegen den faschistischen Staat agitierten oder die Liberalen, das ist ja alles eine Sauce.

    Ach, und „die öffentliche Meinung“ – ich halte ja 1.) für ein Gerücht, dass da in Brüssel irgendwer drauf reagiert, die reagieren auf Leute wie Steffn H., die denen da fortwährend auf dem Schoß sitzen, Lobbyisten aller Lager, und b.) halte ich es für falsch, zu glauben, unter aktuellen Bedingungen habe die „öffentliche Meinung“ irgendwas mit Politik zu tun, wenn es nicht gerade um Kinderschänder oder solche Themen geht. Der Topos der „Unpolitik“ bei den B.L.O.G.s, da ist ja was dran, was aber nicht an der angeblichen linken Meinungsführerschaft liegt, sondern daran, dass die öffentliche Meinung irgendwo zwischen Pilcher und Blöd angesiedelt ist, also Boulevard und Kitsch. Und das ist in der Tat eine Folge des Privatfernsehens, und Kohl hat das so gewollt, der hat ja auch so Politik gemacht.

    So , nun geh Dich aber mal fortpflanzen, Mädchen, Du erfüllst sonst nicht Deine biologische Funktion 😉 …

    Und nein, ich hätte im konkreten Fall nicht einem fremdem Hund in der selben Form geholfen, aber in anderer eventuell schon. Interessanter als ich ist da aber der junge, anämische Handwerker, der den anderen Hund weggetreten hat und der weder mich noch meinen Hund kannte, und der hat ihm trotzdem das Leben gerettet.

  5. Lina Juni 7, 2009 um 7:13 am

    >>> Fortpflanzung ist ein Nebeneffekt von Lust.

    Was Du nicht sagst 😀 ! Nur Kreationisten und papsttreue Katholiken wollen das einfach nicht so sehen – Du und auch ich aber: wir wissen es …

    Das ist ja der Punkt, die Sache mit der Funktionalität von Geschlechtsmerkmalen mittels Identifizierung der gerade auch zur Fortplanzung geeigneten Apparate, der mich an Deinen vorangegangenen Statements so irritiert hat: dass Du die evidente Funktionalität zugunsten Deiner Sicht in Bausch + Bogen auf’s Emotionalste negierst, weil es Dir so nicht in den Kram passt; über derlei Unsachlichkeit tröstet mich auch Dein süffiger Spott nicht hinweg 😉 …

    Ansonsten danke für die Abklärung in Sachen ‚Norm‘! Auch was Du zur öffentlichen Meinung schreibst, findet Zustimmung bei mir, allerdings nur soweit, als ich jemanden wie den Steilwandtheoretiker SteffenH nicht auf irgendjemandes Brüsseler Schoss sitzen sehe, auch keine Lobbyisten Klinken putzen, sondern vielmehr sogar offene Türen einrennen sehe, die ihnen Volkes leider unvernehmbare Stimme geöffnet haben.

    Das satte Schweigen des Wahlviehs zwischen ‚Pilcher und Blöd‘ isses doch, das den Falschen den Zutritt verschafft. Wo sind sie denn, die Unzufriedenen, die weder einen sichtbaren Aufstand machen noch zu Wahlen gehen, weil ihnen ihr Almosen vom Staat zur Existenz doch irgendwie hinzureichen scheint? Von der Politik verraten und verkauft und so weit gesättigt, um stillzuhalten? Das wäre in der Tat hilflos bis oberfaul – was mich angesichts des Schweigens des Wahlviehs nur weiter darin bestärkt, die liberale Theorie von den fatalen Wirkungen solcher Stilllegungen von – sorry! – abfindungsbereitem ‚Humankapital‘ aufrecht zu halten. Auch ‚Hartz IV‘ hat es – man mag es kaum glauben – bereits zum Identitätsstifter gebracht …

  6. momorulez Juni 7, 2009 um 8:25 am

    „dass Du die evidente Funktionalität zugunsten Deiner Sicht in Bausch + Bogen auf’s Emotionalste negierst, weil es Dir so nicht in den Kram passt“

    Was als Unterstellung aber einigermaßen heftig ist, erkenntnistheoretisch unsinnig zudem und eben doch Kennzeichen einer biologistisch-funktionalistischen Metaphysik, die allerhand Unheil nach sich gezogen hat und immer wieder ziehen wird.Ich muß mich auch gerade schon wieder zusammen reißen, um hier nicht etwas heftiger loszupoltern und mache das gerade aus reiner Sympathie nicht.

    Zudem ich mich zusätzlich frage, wieso mich in den 80ern ständig Heten nötigten, mich mit ihnen über AIDS zu unterhalten (damals war die höchste Neuinfektionsrate bei heterosexuellen Frauen), andere Perspektiven auf das Thema interessierten da gar nicht, Liebe, Lust oder sowas, übirgens auch nie das Leid der Erkrankten und Verstorbenen, und aktuell Menschen in das Blog Schwuler laufen, um ihnen dann über die Evidenz des Fortpflanzungspotenzials von Geschlechtsorganen Gespräche anzubieten. Warum? Was motiviert Dich dazu, mit mir nun gerade darüber reden zu wollen?

    Gab ja mal Zeiten, da hat man über Freiheit geredet bei solchen Themen, was immer auch Freiheit vom Naturzwang war, übrigens ist das die Marxsche Utopie, und nunmehr gliedern sich alle freiwillig ein wie Ameisen in eine Welt des Funktionalen und vergessen völlig dabei, dass es auch schmeckt, wenn man was isst.

    Und erzähl Du mir mal was von „Evidenz“, wenn Du es schaffst, bei nun wirklich jedem Thema irgendwie bei Hartz IV zu landen. Das ist übirgens eine uralte, linke These, die Du da formulierst, die historisch sogar richtig ist – natürlich hat z.B. Bismarck die Sozialgesetzgebung eingeführt, um revolutionären Bestrebungen das Wasser abzugraben und den oberen Ständen und seinen ja niemals was mit Paternalismus zu tun habenden ostelbischen Junkern das Leben zu erleichtern und deren Besitzstandswahrung zu betreiben. Und die organisierten sich dann im „Ostmarkenverband“ oder so ähnlich und fanden es evident, dass Slawen doch biologisch minderwertig seien … auch die Idee der „Sozialen Marktwirtschaft“, also jene der Ordoliberalen, war eine, die historisch in Konkurrenz zu Sozialisierungsmodellen stand,weil es völlig offen war nach dem Krieg, nachdem auch Kommunisten im KZ gesessen haben, was da ökonomisch sinnvoller war. Während man immer noch „Mischlingskinder“, also jene von weißen, deutschen Frauen und schwarzen US-Soldaten, den Müttern wegnahm und in Heime steckte. Wahrscheinlich, weil die Adenauers davon ausgingen, dass Sozialsysteme nur „unter Gleichen“ funktionierten …

  7. Lina Juni 7, 2009 um 9:45 am

    >>> Was motiviert Dich dazu, mit mir nun gerade darüber reden zu wollen?

    Wie kommst Du darauf, dass ich das wollen könnte? Nein, nein, ich sehe mich förmlich gezwungen, Platz und Stellenwert der Biologie gegenüber einer nach Deinen Worten ‚biologistisch-funktionalistischen Metaphysik, die allerhand Unheil nach sich gezogen hat und immer wieder ziehen wird …‘ zu verteidigen. Dieser mögliche Effekt bleibt zwar – weil realisiert – unbestritten, hat aber in meiner Nase hier doch den Geruch eines Vorwands, um m. E. völlig unsinniger- und überflüssigerweise rechtfertigen zu wollen, dass es andere Verwendung von Geschlechtsorganen als diejenige zur Fortpflanzung gibt. Sorry again, aber das mutet mich eben paranoid an, da, wo ich keinen Bedarf an Paranoia vermuten würde: im freien Ausleben von sexueller Orientierung. Ich pfeif‘ doch (aus purer Sympathie) auf die ‚Homophobie‘, die Du jeder meiner Bemerkungen abzupressen versuchst … indem ich es einfach nicht ernst nehme, mich aber anscheinend doch darüber ärgere 😦 …

    Na ja, und das mit der uralten linken These bezüglich Bismarcks Sozialgesetzgebung ist mir bekannt; was ich hinzufügen wollte und weiter will, ist die nachteilige Wirkung auf das abgeschriebene, bzw. sich abschreiben lassende Potenzial an Arbeitskraft, das dann schon einer Betrachtung wert ist, wenn zeitgleich Demotivierung, Deprimation, Depression geradezu identitätsstiftend an Boden gewinnt – imho.

  8. momorulez Juni 7, 2009 um 11:23 am

    „um m. E. völlig unsinniger- und überflüssigerweise rechtfertigen zu wollen, dass es andere Verwendung von Geschlechtsorganen als diejenige zur Fortpflanzung gibt“

    Ach, wenn die Welt mal so einfach wäre – wegen diesem biologistischen Quatsch, nicht Deinem, sondern dem Allgemeinen, wurden unter anderem armen Schweinen, also Menschen, fremde Hoden eingesetzt, und die sind dran krepiert, und wenn irgendein Irrer irgendwann glaubt, das „Schwulengen“ gefunden zu haben, wird das in der pränatalen Diagnostik auch gesucht und ggf. abgetrieben werden. Zudem weigere ich mich einfach, mir Sex als sowas wie Verdauung vorzustellen (vielleicht ist das ja bei funktionsgerecht fickenden Heten so, bei mir nicht) oder das Verspeisen eines Kolibris durch eine Vogelspinne. Naturalisierungen sind einfach ein derart gewichtiger Machtfaktor, dass man dagegen anstinken muß, und unwahr sind sie zudem.

    „ist die nachteilige Wirkung auf das abgeschriebene, bzw. sich abschreiben lassende Potenzial an Arbeitskraft“

    Ja, in der Planwirtschaft wäre das nicht passiert, das stimmt – wie hieß das noch in der DDR, Werkhöfe? Der hannöversche Maschsee ist auch so entstanden.

  9. Rayson Juni 7, 2009 um 1:40 pm

    Ich wollte hier ja eigentlich nicht mehr kommentieren, weil ich dich für einen Egozentriker mit Divenallüren halte. Ist aber leider so, dass mir solche Leute nicht unsympathisch sind 😉 Nur bringt es erfahrungsgemäß nichts, mich da auf Diskussionen im Netz einzulassen, das zerfasert zu sehr, wird zu persönlich und die Art zu denken dominiert über die Art zu fühlen, was aber beides wichtig ist, wenn man den anderen verstehen will, und oft auch erst zusammen ein stimmiges Bild ergibt.

    Aber den Text da ganz oben, den finde ich als Positionsbestimmung wirklich sehr authentisch. Dem kann ich zumindest folgen, zwar eher kopfschüttelnd als -nickend, aber immerhin doch so, dass ich mich an der Kette entlang hangele, ohne zwischendurch abzustürzen und mich fragen zu müssen, was für ein Problem der da jetzt wieder hat 😉

    Aber dennoch muss ich, ich kann nicht anders, dann doch mal darauf hinweisen, dass eine Menge Kritik an „den Linken“, auch die Fleischhauersche übrigens, cum grano salis und tongue-in-cheek zu sehen ist, was nicht zufällig gängige Übernahmen aus Fremdsprachen sind. Umgekehrt hat euereins ja nicht weniger Probleme, den jeweiligen Feind in Begriffe zu bannen, also wäre da meines Erachtens zunächst mal ganz unmittelbar physiologisch Entspannung angesagt. Also vielleicht mal den Vernichtungswillen nur hinter jeden zweiten Aussage sehen, das wäre ja mal ein Fortschritt.

  10. momorulez Juni 7, 2009 um 2:59 pm

    @Rayson:

    Gut, den Egozentriker mit Diva-Allüren, den ziehe ich mir manchmal sogar an. Aber nicht immer. Aber manchmal schon. Im Netz übrigens häufiger als im wahren Leben, da kommt das aber auch vor. Da wird das manchmal sogar von mir erwartet 😉 …

    Und vielleicht, falls das überhaupt nötig ist bei Netz-Diskussionen, ich hatte nur so einen seltsamen Fall mit massivem Konflikt auch gerade mal wieder im wirklichen Leben: Im Grunde genommen bin ich einfach ein extrem misstrauischer und ängstlicher Mensch, weil’s Zeiten gab, wo ich sehr gute Gründe hatte, es zu sein. Das führt zu in der Tat manchmal seltsamen psychologischen Auf- und Überbauten dann, wenn ich mich instinktiv (!!!) bedroht fühle (!!!), nicht immer nur zu Unrecht, oder auch, wenn Andere eine bestimmte Distanz nicht einhalten. Kann man ja als Lebensbeichte hier mal reinstreuen. Dann werde ich undosiert und verschaffe mir auf die Art sowas wie Handlungspielraum.

    Dass das für Andere oft sehr doof ist, das entgeht mir dann manchmal tatsächlich. Kurioserweise gewöhnt man sich daran, dass einem das entgeht wie auch, dass das für Andere doof ist, und genau das muß ich mir wieder abgewöhnen. Mal so zwischendruch. Ist ja nicht so, dass ich über die Konflikte auch im Netz, die Frage, wann und warum sie auftreten, ich mir keine Gedanken machen würde.

    Der Text da oben das ist zum Teil ein Substrat eines ja recht komplexen Themas, über das ich auch meine Magisterarbeit geschrieben habe. In den frühen 90ern wurde das in der Philosophie oft als Verhältnis von „Gerechtigkeit und gutem Leben“ beschrieben, was immer auch die Relation Kant/Aristoteles beleuchtet und damals in der Diskussion zwischen „Liberals“ und „Kommunitaristen“ in den USA akut wurde. Das ist recht prägend für sehr vieles, was ich so denke, diese Diskussion.

    Hineinspielen tun dann noch Topoi der postmodernen Vernunftkritik, man kann Adorno auch postmodern lesen,die für mich imer Ansporn war, mit Habermas dann Vernunft dann trotzdem denken zu wollen, ohne objektivistischen oder szientistischen Irrtümern zu erliegen. Und später kam für mich noch sowas wie eine Marxsche Fundierung des Ganzen hinzu.

    Das ist grob umrissen mein theoretisches Programm. Mit viel frühem Sarte und Foucault und wohl auch dem frühen Heidegger angereichert, und ich finde es immer gar nicht so einfach so einfach, das dann ohne so blödes Namedropping wie hier gerade in Blog-Diskussionen aufzufächern, halte es analytisches Instrumentarium aber schon auch für richtig.

    Kompliziert ist das, weil immer nur Teile davon in den „bildungsbürgerlichen Mainstream“, der uns Kommunikation ermöglicht, eingesickert sind, das kennst Du ja von Deinen Wissensfeldern, wie seltsam es sich dann manches Mal kommunziert – weil man irgendwas voraussetzt, was keiner so recht kennt, was viele bestimmt auch falsch fänden, wenn sie es denn kennen würden, was sie aber eben noch nicht mal kristisieren können, weil man immer nicht dazu kommt, es ausführlicher darzustellen.Hier war ich es dem Che sozusagen schuldig nach seinem Identitätsdebatten-Eintrag, das noch mal auszuführen.

    „Also vielleicht mal den Vernichtungswillen nur hinter jeden zweiten Aussage sehen, das wäre ja mal ein Fortschritt.“

    Ja, auch mit dem Hinweis kann ich leben 😉 – was mich bei Fleischhauer, zumindest bei Auszügen, die ich gelesen habe, irre macht, ist, daß ich falsch finde, was er über Konservative schreibt. Dieser selbstironisch-hedonistische Skeptizismus, den er beschreibt als seine Haltung, denhat es ganz es vereinzelt auch bei Leuten wie Odo Marquardt („Abschied vom Prinzipiellen“) gegeben, aber das ist eher sehr postmodern als Haltung und kommt dem der Tempo ’85 teils sehr nahe.

    Die Postmoderne wurde nun wiederum von Habermas tatsächlich des Neo-Konservatismus gescholten, aber der lag da ja falsch.

    Das Spannendste auch in dem Interveiw mit ihm und Baring, das ja ansonsten wirklich unsäglich klitternd war, war dieser Satz „Links denken, rechts leben“.

    Da fängt er bei vielen, wenn man so durch Ottensen läuft, ja tatsächlich an, dieser ganze Blödsinn – bitte weg der Einschränkung des Asylrechtsparagraphen, bitte mehr Ausländer rein, bitte nix gegen Muslime, aber meine Kinder schicke ich lieber auf die Waldoffschule, da ist der Immigrantenanteil nicht so hoch, und wenn die Tochte ’nen Türken heiraten will,hat man Angst, dass der sie schlägt.

    Das ist ja als Gesamtkomplex nix Linkes, also keine linke Position, sondern eben nur verlogenes Gequassel bei einer konservatien Lebenspraxis. Und diese Pointe ist als solche bis mir zumindest noch nicht durchgedrungen als „Kritik gegen Links“.

    Hatte übrigens selber gerade den Effekt, dass es mir in Eppendorf gefiel und ich dachte, „Scheiße, ich jetzt auch“ 😉 … ich glaube, das ist Altern, nicht links.

  11. Rayson Juni 7, 2009 um 4:42 pm

    @MR

    Du, ich will den „divenhaften Egozentriker“ auch gar nicht als Kritik verstanden wissen – jeder hat das Recht, ein solcher zu sein. Ich will mich ja auch gar nicht davon ausnehmen, solche Züge zu zeigen, nehme sie nur eben bei dir stärker wahr, und das ist dann kein Kritikgrund, sondern eine Einsicht in die Grenzen von Netzkommunikation. In – modern ausgedrückt – „ganzheitlichen“ Kommunikationen wabert viel zu viel anderes noch über die Tastatur, wovon du einiges angesprochen hast. Da muss man einfach mal sagen: Wir zwei werden über ein politisches Sachthema fast nie nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen, vielleicht schon eher bei den emotionalen Dingen, vielleicht, weil wir da auch mehr Sorgfalt walten lassen. Aber natürlich spielt da auch eine Rolle, was du in deinem Beitrag angeschnitten hast, nämlich das, was wir „dem Politischen“ überhaupt als Einflussbereich zugestehen. Das scheint mir bis ins tief Kulturelle zu gehen.

    Das „links denken, rechts leben“ hat mich komischerweise noch nie beschäftigt. Ich verlange von denen, die Ideen propagieren, nicht, dass sie diese auch vorleben. Meistens wäre das auch eine Zumutung, und meinen Messias habe ich eh längst gefunden. Das bezieht sich zumindest auf die damit verbundenen Klischeees. Demzufolge sind diese Vorwürfe an „die Linken“ in meinen Augen auch sehr schwache. Ich glaube also nicht, dass seine Villa und sein Koch echte Argumente gegen einen Lafontaine sind. Natürlich sähe das anders aus, wenn jemand, der für die Integration beliebig vieler Einwanderer aus beliebigen Ländern plädiert, peinlichst darauf bedacht wäre, seine Kinder in Schulden weniger „problemlastiger“ Stadteile oder gleich in Privatschulen unterzubringen. Oder wenn sich ein Apologet gegen zu viel Besteuerung als Steuerhinterzieher großen Stils entpuppt. Das wäre dann aber kein genuin „linkes“ Problem.

  12. momorulez Juni 7, 2009 um 6:08 pm

    @Rayson:

    Ich hätte das jetzt aber gar nicht weiterschlimm gefunden, wenn Du das als Kritik gemeint hättest 😉 – wäre ich nur das, würde ich mich ja selbst nicht mögen.

    Im realen Leben habe ich, glaube ich, auch ausgeprägt fürsorgliche Seiten und einen Schuldkomplex, deshalb muss ich einfach oft alleine sein, sonst hält man das nicht aus :-C .

    „Aber natürlich spielt da auch eine Rolle, was du in deinem Beitrag angeschnitten hast, nämlich das, was wir “dem Politischen” überhaupt als Einflussbereich zugestehen. Das scheint mir bis ins tief Kulturelle zu gehen.“

    Ja, und das ist ja immer, warum ich mich so wundere, was bei „euch“ und anderen so alles unter „links“ verstanden wird: Ich bin mitten hinein sozialisiert in die Proteste gegen Volkszähllung, Überwachungsstaat etc., es gab da weit und breit keine paternalistische Linke und auch keine etatistische, schon gar keine, die irgendwas an der DDR gut fand, da lief man doch nicht zufällig mit dem umkreisten „A“ rum, außer den paar Spacken der Marxistischen Gruppe, die Seminar-Agitaion betreiben wollten. Thatcher habe ich als paternalistisch, autoritär und durchaus auch etatistisch wahrgenommen, weil die mit staatlichen Mitteln den Gewerkschaften den Garaus machte.

    Ausnahme: Bildungsbürgerlichem Distinktionsverhalten („Man darf Disco nicht mögen“, „Man kauft nur Indie-Platten“, „In Schickie-Discos auf Stöckelschuhen tanzen nur Doofe, wir gehen zur Nichtraucher-Barfuss-Disco“, wobei ich letzteres so nie teilen konnte, als Postpunk-Heini fand man das uncool und hat lieber – möglichst viele – Bierdosen vollgeascht und Frühstückseier auch und kokettierte, wenn überhaupt, mit Springerstiefel lecken und dem Kater, den man gerade hat, möglichst ungesund) und so. Es wäre jetzt aber der blanke, historische Hohn, das als „links“ zu begreifen.

    Adornos Jazz-Kritikwar zwar dämlich, hat aber ganz woanders angesetzt als die Agitation Konservativer gegen Elvis, den „Schluckauf- “ und „Negersänger“. Der wahre „Working Class Heroe“ war Elvis trotzdem seit „Now or Never“, nicht etwa John Lennon, um mal Alan Posener zu zitieren, weil man zu dem auch auf Schrebergartenfesten tanzen kann. Und Ulbrichts Gewetter gegen die „Beat-Musik“ und die „Monotonie des Yeah Yeah Yeah“ war Kleinbürgertum, das sich bildungsbürgerlich gibt, und das im Wortlaut geradezu identisch mit westdeutschen Konservativen. Das ist nicht links, das ist zutiefst bürgerlich.

    In unsere Theorien passt es übrigens gar nicht, dass es im Falle der Popkultur tatsächlich der Markt war, der das im Westen dann trotzdem durchsetzte, aber da sind die Kritiker ja wieder zu doof, einem das unter die Nase zu reiben.

    Gaaaaanz schwierig wird es bei Marcuses „Erziehungsdiktatur“, und was sehne ich mich danach, dass die Kritiker lieber mal sowas hervorkramen, dann wären wir vielleicht bald auch Herrn Kauder, Herrn Lammert und Frau von der Leyen los.

    Aber für was plädiert Jo@chim? Für eine Koalition mit genau denen. Und dann frage mich mal, wo mein Mißtrauen her kommt …

    Sorry, dass ich da so drauf rumreite, ungefragt, aber mich macht das wirklich irre. Weil wir natürlich, links wie liberal, auf Schutzrechten für die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu beharren haben, mehr denn je.

    Ich habe nur immer das Gefühl, dass „ihr“ das einfach noch nicht gar begriffen habt, wie funktioniert, was diese freie Entfaltung einschränkt. Um mal den Dissens meinerseits zu bestimmen.

    „Ich verlange von denen, die Ideen propagieren, nicht, dass sie diese auch vorleben.“

    Was ich aber schon verlange, ist, dass die Waldorffschulkindereltern jene Berliner Taxifahrer ernst nehmen, die mir dann, nachdem sie sich lange deutlichst rechtfertigten, dass sie doch keine Nazis seien, dann fast schon beichten, dass es einfach nicht mehr ging, in diesem Hochaus mit den ganzen Ukrainern und Russen zu leben und sie dann doch lieber in ein Stadtviertel mit geringerem Ausländeranteil gezogen sind – wo diese ganze Ottenser Linksspießer, mittlerweile eine der teuersten Lagen in Hamburg, ja nicht leben müssen mit ihren ganzheitlichen Zahnarztpraxen.

    Da müsste man natürlich Tacheles reden, aber ob SADO, PI oder all die linken Dummschwätzer, sie verschanzen sich in ihren Strandburgen und kleben Muscheln und sorgen dafür, dass das Ganze auch ja nicht Thema wird.

    Und Herr Fleischhauer und Herr Baring sind derweil damit beschäftgt, ständig an allen relevanten Pointen vorbei zu qutaschen, weil sie vor lauter „gegen links“ dann eben rechts werden. Dabei sind sowas eigentlich klassisch linke Themen, weil es da um nichts anderes als um soziales Gefälle geht, also das, was Linke wie Bourdieu schon in den 60ern untersuchten..

    Und was macht die SPD? Sie erfindet Hartz IV. Klappe zu, Affe tot. Es lebe der Kulturkampf.

  13. momorulez Juni 7, 2009 um 6:16 pm

    Ach, der noch: Steuerhinterziehung und deren Bekämpfung ist KEIN genuin linkes Problem. Besteuerung haben doch keine Linken erfunden, das ist sowas wie ein Überbleibsel des „Zehnten“ (Leute, die sich in der Antike auskennen, mögen mir widersprechen). Auch die Krichen haben da lustige Sachen erfunden. Ist übrigens auch eine der Säulen des Islam, dass man einen bestimmten Teil abgibt an die Bedürftigen, nur, dass da Staat meines Wissens ursprünglich keine Rolle spielt, da kann ich aber irren. Beschäftige Dich doch lieber mal mit dem Zusammenhang zwischen Staat und Kirche in historischer Perspektive 😉 …

    Das ist nur unter Bedingungen des real-existierenden Kapitalismus ein linkes Thema, weil Staat da zur Kompensation von Verteilungs-Ungerechtigkeiten in Produktionsprozessen in den Augen mancher einzusetzen ist. Was ich gar nicht immer richtig finde. Bin eher für Arbeitskämpfe 😉 …

  14. Rayson Juni 7, 2009 um 7:07 pm

    @MR

    Was bei uns und woanders noch als „links“ verstanden wird, nimmt auf deine Positionen nun leider nicht immer Rücksicht. So ähnlich wie du Machtspiele in Unternehmen als „neoliberal“ wahrnimmst, kommt für unsereinen vieles staatlich Verordnete als „links“ an. Wobei ich, und der Dissenz muss sein, ich hinter unserer Sichtweise viel mehr Substanz sehe, da der linke Mainstream-Ansatz ja genau so funktioniert: Man sieht zu, Mehrheiten zu gewinnen, um die eigene Sicht den anderen aufzudrücken. Da nehmen sich Linke und Konservative aus unserer Sicht nicht viel, nur die jeweilige höhere Moral hat andere Inhalte.

    Auch Fleischhauer ist eigentlich kein Konservativer übrigens, damit kokettiert er nur, weil er Liberalismus als Marktheilsversprechen definiert, was er politisch gesehen zumindest in Deutschland keinesfalls ist. Manchmal zu meinem Bedauern, aber das ändert nun einmal nichts…

    Ich glaube schon, dass es genug Differenzen zwischen „links“ und „liberal“ gibt, wobei ich kurz mal auf die US-Bedeutung von „liberal“ eingehen muss: Meine Ablehnung dieser Definition ergibt sich schon allein daraus, dass sie von echt linken Positionen so gut wie gar nicht zu unterscheiden ist, wenn man mal vom orthodoxen Marxismus absieht. Kaum in der Motivation, aber praktisch gar nicht in den Forderungen.

    Aber der wesentliche Unterschied scheint mir darin zu liegen, dass wir uns nicht durchgehend einig sind, was Politik soll und was sie nicht soll. Dass sie nicht in der Privatsphäre der Bürger herumschnüffeln soll, darauf können wir uns verständigen. Dass zu dieser Privatsphäre auch solche Dinge wie religiöses Bekenntnis oder sexuelle Orientierung gehören, ebenfalls. Nur eben wenn es um diese ominösen „Bedingungen“ geht, dann zeigen sich die eigentlichen Unterschiede und Grenzen. Zum Beispiel, welche Motive wirtschaftlichen Handelns erlaubt sein sollen – da versteht unsereins schon die Frage nicht…

    Die 68er übrigens sehe ich im Ergebnis durchaus pro-kapitalistisch (und auch deswegen nicht zwingend positiv), aber auch da war bisher jeder Linke zu doof, das aus mir herauszukitzeln… Du siehst, die Unterforderung gibt es auf allen Seiten.

    Was Koalitionsdebatten angeht, wird man als FDP-Liberaler immer Bauchschmerzen haben. Ich halte die Sichtweise, die du als jo@chims kennzeichnest (wo hat der sich denn so klar geäußert?), jedenfalls für gut vertretbar, würde daraus aber, und so weit kenne ich jo@chim dann doch, ebenso wenig wie er eine Grundsatzposition daraus machen. Es geht da nicht um „natürliche Bündnisse“, sondern um konkrete und aktuelle Zweckgemeinschaften.

    Was ich aber schon verlange, ist, dass die Waldorffschulkindereltern jene Berliner Taxifahrer ernst nehmen…

    Ja, das gehörte dazu. Ich bin auch explizit gegen alle, die das jetzt fürchterlich schlimm finden, dass der Wilders in den Niederlanden so viele Stimmanteile ergattert hat, denn denen muss man wirklich raten, sich bei Gelegenheit das passende Volk zu wählen. Die eigentliche Frage wäre ja: Warum habt ihr dem Wilders die Themen exklusiv überlassen, deren schematische Behandlung ihn nach oben getrieben hat? Ihr könnt nicht missliebige Teile der Bevölkerung einfach ausgrenzen, und das gilt ebenso für die Einwanderer, die nun einmal da sind, wie für diejenigen, die sich deswegen bedroht fühlen oder vernachlässigt sehen. Nicht die Themen an sich machen letztlich den Unterschied, sondern wie man sie formuliert und beantwortet.

    Und was macht die SPD? Sie erfindet Hartz IV.

    Hartz IV ist aus meiner Sicht ein ernstgemeinter Versuch, Menschen in Arbeit zu bringen, und von daher sehr sozialdemokratisch. Dass ein solcher Versuch in Bürokratie und Bevormundung endet, unterscheidet ihn nicht von den anderen ernstgemeinten Versuchen der Sozialdemokratie. Ich könnte da ein paar nennen…
    Und dass jemand, für den Konsum ohne eigenen Produktionsbeitrag machbar sein sollte, das nicht mag, kann ich nachvollziehen, aber nicht mehr weiter mit ihm diskutieren.

  15. momorulez Juni 7, 2009 um 7:52 pm

    @Rayson:

    „Wobei ich, und der Dissenz muss sein, ich hinter unserer Sichtweise viel mehr Substanz sehe, da der linke Mainstream-Ansatz ja genau so funktioniert: Man sieht zu, Mehrheiten zu gewinnen, um die eigene Sicht den anderen aufzudrücken.“

    Ja, ihr behauptet das immer, aber mir fehlt da jeglicher Beleg. Wie denn? Wo denn? Was denn?

    Wo findet sich denn bitte aktuell ein „linker Mainstream-Ansatz“?

    Der besteht wenn, dann in der Forderung, die Sozialsysteme nicht weiter auzuhöhlen.

    Wenn irgendwer seit Jahrzehnten Anderen seine Sicht aufdrücken will, Derugulierung, Privatisierung, Sozialabbau, Abbau aller Handelsschranken, jeder soll ein Unternehmer sein, Aktien statt Rentenversicherung, dann seid ihr das, pardonnez-moi. Wann hat denn zuletzt „die Linke“ (in Westdeutschland) irgendwem irgendwas aufgedrückt? 1972? Bei der Ökosteuer und dem Antidiskriminierungsgesetz könnte man streiten, aber sonst?

    „Ich glaube schon, dass es genug Differenzen zwischen “links” und “liberal” gibt“

    Ja, klar, in der Eigentumsfrage. Da halte ich fast alles für falsch, was ihr sagt, was sich im Zuge meiner Unternehmensgründung – bin ja jetzt „Unternehmer“ 😉 – auch in jeder Hinsicht bestätigt hat.

    Wobei „liberal“ ja auch nicht so klar ist, wie ihr behauptet, mit Gerhadt Baum oder Frau Leuheusser-Schnarrenberger (die ich immer falsch schreibe) hatte ich nie Probleme, und auch Du wirst Dich erinnern, was sie zum Rückzug bewegte. Gibt da halt Kantische und utilitaristische Spielarten, solche, die auf den unteren und solche, die auf den höheren Kohlberg-Stufen operieren. Da seid ihr halt meistens kognitiv etwas rückständig 😉 … im evolutionären Sinne, meine ich. Kann Steffen ja mal untersuchen.

    Ansonsten: Mit wem von den US-Liberals außer Sen hast Du Dich denn jemals beschäftigt?

    Jo@chim hat ganz explizit bemängelt, dass Westerwelle zunächst keine klare Koalitionsaussage zugunsten der CDU ausgesprochen hat. Seitdem finde ich alles albern und unglaubwürdig, was er und seine Leute da gegen den Überwachungsstaat schreiben, aber das war die FDP ja schon immer, wenn es um solche Fragen ging, von Ausnahmen mal abgesehen, das hat dann für mich mit „liberal“ im positiven Sinne auch nichts mehr zu tun.

    Dass der Wilders da so viel gewonnen hat, das halte ich für ein Desaster, aber bestimmt für nix, wovon der Taxiifahrer profitieren würde.

    Einer der ersten, der übrigens im von mir gemeinten obigen Sinne argumentiert hat, das war Cohn -Bendit zu Zeiten seines Dezernats für multikuturelle Angelegenheiten. Und in der Tat hat die Linke nicht sonderlich intelligent agiert infolge. Man hätte sich viel klarer sein müssen, dass es eben nicht um kulturelle, sondern um sozioökonomische Fragen geht, und da hat gerade meine Generation versagt, indem sie mit der Postmoderne und somit der Kritik der „großen Erzählungen“ auch ökonomische Fragen vernachlässigt hat. Der Übergang von der „Sozial-“ zur „Kulturgeschichte“ war da symptomatisch. Schlimm, Macht aber auch nicht besser, was der Wehler in letzter Zeit manchmal so schreibt.

    Das ist ja der eigentliche Quatsch hinter diesen ganzen „Identitätsdiskursen“ in den USA, von den schwarzen Wurzelsuchern und den Gender-Frauen usw., dass sie einem diagnostischen Kulturalismus Vorschub geleistet haben bei gleichzeitiger Ignoranz sozioökonomischer Kategorien. Die „Pimps“ im Hip Hop sind eine ökonomische Rolle wie auch eine Zerrspiegelung rassistischer Klischees.

    Deshalb ist ja so deppert, wenn Leute wie Zettel Postmoderne und Relativismus identifzieren, im Resultat ist genau das Gegenteil der Fall: Identitätsdenken prallt auf Identitätsdenken, und in Harlem wehrt an sich gegen „Kaukasier“, die gentrifizieren. Schlimm. Das ist alles die Wilders-Welt, und wenn solche Leute wie der mehr Zulauf bekommen, dann brennt’s bald überall in Europa.

    Ich bestreite übrigens das „ihr“ bei der Ausgrenzung. Das wart immer noch ihr 😉 …

    Hartz IV ist ein ernst gemeinter Vorschlag, Menschen zur Arbeit zu zwingen, flächendeckend Löhne zu senken und die Gesamtbevölkerung zu erpressen. Schröder hat mit Sozialdemokratie in etwa so viel zu tun wie Du. Da mein Vater noch einiges mit dem zu tun hatte, bevor Schröder Kanzler wurde, habe ich da noch die eine oder andere Erinnerung aus erster Hand, sozusagen – wie Typen wie der (und Clement und solche) tatsächlich eine Kultur zerstört haben. Als von dem das Beileidschreiben nach dem Tod meines Vaters kam, hätte ich fast gekotzt. Hätte er es nicht in seiner Funktion als Ministerpräsident verfasst, hätte mein Vater so was wirklich nicht verdient.Und mein Vater war Sozialdemokrat durch und durch. Für Hartz IV hätte er sich geschämt. Mußte er zum Glück nicht mehr erleben.

  16. Rayson Juni 7, 2009 um 9:31 pm

    @MR

    Ich muss jetzt so langsam aufpassen, denn wir erreichen den Punkt, wo es für mich komplett unproduktiv wird.

    Wie denn? Wo denn? Was denn?

    Ich sage nur: Glühbirnenverbot.

    Derugulierung, Privatisierung, Sozialabbau, Abbau aller Handelsschranken, jeder soll ein Unternehmer sein, Aktien statt Rentenversicherung, dann seid ihr das, pardonnez-moi.

    Bullshit. Du verwechselst Rhetorik mit Aktion.

    und auch Du wirst Dich erinnern, was sie [Leutheusser-Schnarrenberger] zum Rückzug bewegte

    Korrektur: Es war ein Rücktritt, kein Rückzug. Die Frau ist heute stellvertretende Parteivorsitzende und bayerische Landeschefin.

    Man hätte sich viel klarer sein müssen, dass es eben nicht um kulturelle, sondern um sozioökonomische Fragen geht,

    Auch das ist aus meiner Sicht Bullshit. Ein Bullshit, der linke Tabus ganz gut kennzeichnet. Denn natürlich geht es auch um kulturelle Fragen. Nicht nur, aber auch. Sie einfach ignorierend auszublenden, ist eine Form freiwilligen Autismus.

    Hartz IV ist ein ernst gemeinter Vorschlag, Menschen zur Arbeit zu zwingen, flächendeckend Löhne zu senken und die Gesamtbevölkerung zu erpressen.

    Wieder Bullshit. Es gibt keine Gruppen, die irgendwas „erpressen“ könnten. Da ist der Markt vor. Die Produktivität bestimmt die Lohnhöhe, und wenn jemand davon abweichen will, erntet er entweder ein Überangebot oder eine Übernachfrage von Jobs. Das ist übrigens ein Zusammenhang, den zu bestreiten man sich auch als Keynesianer nicht leisten kann, wenn man noch halbwegs ernst genommen werden will. Tut jemand wie Krugman auch nicht.

  17. momorulez Juni 7, 2009 um 9:52 pm

    Was ist denn am Glühbirnenverbot links? Ist die Zuzahlung von aktuell 1500 Euro für Zahn-Kronen, 1992 null, bei im Grunde genommen gleichem Einkommen sowie eine Begrenzung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld sowie einer Privatisierung der Stromversorgung Rhetorik?

    Spielte der Rücktritt einer Bundesministerin wegen des „großen Lauschangriffs“ keinerlei Rolle für die weitere Orientierung der FDP?

    Zur Frage „Kultur versus Sozioökonomie“: Es ist ein Tabu in euren Köpfen, so eine Diskussion überhaupt zu führen, deshalb kommt da ja immer nur „Basta!“ und „Bullshit!“. Weil die Welt natürlich viel einfacher ist, wenn das an irgendwelchen Eigenschaften der Anderen liegt. Kann jetzt aber an liberalen Kulturen liegen, dass sie, statt Fragen zu stellen, lieber „Bullshit“ ausrufen. Das unterscheidet sie ja – freilich gelegentlich nur – dann aber nur marginal von dem Auftreten Bushidos, zum Beispiel. Ein Liberaler?

    „Es gibt keine Gruppen, die irgendwas “erpressen” könnten. Da ist der Markt vor.“

    Wie bitte? Ist Hartz IV jetzt auf einmal vom Markt hervorgebracht? Und natürlich gibt es Gruppen, die erpreessen können, z.B. die Gruppe der Agenturangestellten. Wurde doch selbst gerade erst zum unterzeiichnen der „Eingliederungsvereinabrung“ genötigt.

    „Die Produktivität bestimmt die Lohnhöhe, und wenn jemand davon abweichen will, erntet er entweder ein Überangebot oder eine Übernachfrage von Jobs.“

    Bullshit 😀 … dazu werkel ich nun doch zu lange in Budgets rum, sorry, wennn das bei den Wiwis keiner bestreitet, dann spricht das nicht für sie. Das hast Du übrigens neulich noch abgestritten, dass ihr sowas vertretet. Das legitimiert übrigens zudem die Arbeitsbedingungen in China. Die Post-Maoisten sind da ganz bei Dir. Aber sowas ist ja immer noch besser als gar nix zu fressen, gelle?

  18. noergler Juni 7, 2009 um 11:17 pm

    „Die Produktivität bestimmt die Lohnhöhe.“ Ich wußte gar nicht, dass die Produktivität am Standort D in den letzten 20 Jahren derart in den Keller gerauscht ist. Man hatte ja eher den gegenteiligen Eindruck. Aber Rayson ist da unbedingt der Experte. Da er als Berater auch ständig im Kontakt mit Entscheidungsträgern in Firmen steht, weiß er, dass da niemals mit dem Hinweis „Dann seid Ihr demnächst Kunde beim Fallmanager“ Lohnpolitik gemacht wird, weil: ist ja nur die Produktivität, und außerdem haben wir Vertragsfreiheit. Dass die Belegschaften gleichwohl sich verhalten wie Erpresste, liegt nur am Rotfunk, der ständig dergleichen tendenziös berichtet.

    Und dass Herr Riester für die Rentenprivatisierung jetzt einen tollen Job in eben der Branche bekommen hat, für deren Wohlergehen er zuvor sorgte, meinen auch bloß Leute, die vom Saufen ein Delir haben. Wenn die dann zusätzlich noch Meth einpfeifen, fangen sie an von hunderten von Stadtwerken zu lallen, die sich mit transatlantischen PPPs die Finanzen ihrer Wasser- und sonstigen Versorgung ruinierten.

    Welch erschreckendes Ausmaß das Drogenproblem in unserem Lande inzwischen angenommen hat, sieht man daran, dass die Rückführung privatisierter Betriebe in die öffentliche Hand Thema der Jahrestagung des Verbands kommunaler Unternehmen am 29. und 30. April in Berlin war. Vom Alk in die Hand diktiert ist auch der Informationsbrief des Bayerischen Städtetags 5/2009, der einen Beitrag zur Jahrestagung enthält. Tenor: die kommunale Daseinsvorsorge durch Stadtwerke hat wieder eine Zukunft, da gerade die Wirtschafts- und Finanzkrise das Dogma „Privat vor Staat“ widerlegt habe, eine eigentumsfeindliche Haltung, die Rayson so aufregt, dass er jetzt selber einen guten Schluck braucht.

    Mein Gott, komplette Gemeinde- und Stadträte sind voll auf Droge, denn die Privatisierung war laut Rayson doch nur Rhetorik, aber nicht Realität. So ist das eben mit psychotropen Substanzen: Man redet nur von was, und dann glaubt man, es sei Wirklichkeit.

  19. momorulez Juni 8, 2009 um 8:29 am

    Bemerkenswerterweise wird es ja immer dann „unproduktiv“, also nicht zum Lohnempfang berechtigt, die Diskussion betreffend, wenn sowas wie eine Reflexion der eigenen Grundlagen einsetzen müßte und die Weltbildpflege in Gefahr ist.

    Dann kommen Lehrsätze und all die bösen anderen Kulturen und die selbstgebastelte Linke, deren zentraler Gehalt eine irrationale Aversion gegen Glühbirnen ist, immer schon, und der unterjochende Staat, der ja bemerkenswerterweise immer ganz woanders unterjocht, als hier nun gerade angeführt, mit den Linken von der Leyen und Schäube an der Spitze, die finsteren Muslime (die ja strukturell ganz ähnlich argumentieren wie manch Liberaler, die wissen ja auch immer ganz genau, was Gott will und was nicht, ob man nun Suren oder Wirtschaftswissenschaften axiomatisch interpretiert, das ist ja an dem Punkt, wo die Lehrsätze einfach so schlechthin gelten, unerheblich), und in Unschuld und Reinheit spaziert der historisch invariante und seit 2 Jahrhunderten komplett wirkungslose Liberalismus durch die Weltgeschichte, der ja immer schon recht hatte, und die immer schon nur und ausschließlich behinderte wirtschaftliche Freiheit spaziert mit. Und alles, was irritiert, bringt das System nur dahingehend zur Stabilisierung, dass alle Welt in Tabus verstrickt ist, nur als Fanal der Aufklärung leuchtet einzig: Man selbst. Wir praktisch.

    Das Schlimme ist ja: Es wirkt. Europaweit klappen die einst mal (gemäßigt) linken Kräfte wie die Sozialdemokratie in sich zusammen, weil sie so dämlich waren, der neoliberalen Propaganda zu trauen, und stattdessen erstarken Konervative und Rechte mit ihrer Volkstumspflege, und was die eigentlich wollen und denken, bekommt keiner mit, weil alle glauben, dass die das ja gar nicht meinen könnten, weil das doch eingentlich die Linke vertreten, das konservativ-protektionistische, während die Rechten ja nur die Aufklärung beschützen.

    @Nörgler:

    Wie immer völlig auf den Punkt gebracht 😉 …

  20. Lina Juni 8, 2009 um 11:30 am

    @ noergler / momorulez

    >>> ‚Wie immer völlig auf den Punkt gebracht‘

    YeSS!

    Nicht zu vergessen: eine Wirtschaft, die sich vor aller Augen zur Shareholder-Value-Competition (SVC) entwickeln konnte, ohne ein politisches Wimpernzucken an diejenigen zu verschwenden, die eigentlich von und durch sie zu leben hätten; man fand sie ab – mit Hartz IV. Sie akzeptierten – was eben auch nicht zu vergessen ist!

    Es verbleiben die noch der Leistung und des Erwerbs Fähigen, um generationenweit die Zeche zu zahlen. Der Skandal ist so gross, dass er grösser nicht sein könnte – und dennoch isses bereits wieder möglich (Alarm, Alarm!), dass Banken sich kreditdicht machen* und eine Banken & Opel stützende Konservative hergehen und den Karstädtern sagen kann: Da könnte ja jeder kommen …

    *der neueste Slogan einer solchen lautet: „Vertrauen Sie uns Ihr Geld an! Wir behandeln es wie unser eigenes!“ Fröhliche Selbstironie oder gezielte Verarschung? Egal: dieser ‚Bote‘ ist zu köpfen …

  21. momorulez Juni 8, 2009 um 12:40 pm

    „man fand sie ab – mit Hartz IV. Sie akzeptierten – was eben auch nicht zu vergessen ist!“

    Na ja, das stimmt ja nicht ganz. Es hat sich die Linke als gesamtdeutsche Partei gebildet, und die SPD kommt aus ihrem Loch nicht mehr raus. Aber sonst: Ja.

    Und diesen Slogan „Wir zahlen nicht für eure Krise“, den habe ich tatsächlich als links erlebt, mal so zwischendurch. Zieht zwar immer den Streit nach sich, wessen Krise das nun eigentlich ist, aber egal, für mich isses auch deren Krise, unter anderem Raysons.

  22. istvan Juni 8, 2009 um 3:12 pm

    @Ich “bin” nicht schwul und “homosexuell” schon gar nicht, da kann ich noch so viel Spaß mit Thomas gehabt haben. Fühle mich durch die Zuschreibung selbst bedroht, weil sie ent-individualisiert und somit entmenschlicht. Das werte jetzt aber bitte nich als persönlichen Angriff, sondern als generelle Aussage. Mit “queer” kann ich schon mehr anfangen, weil da das Spielerische mit drin steckt.

    Das klingt jetzt so wie ein Schwarzer, der nicht schwarz und schon gar nicht Afrikaner genannt und erst recht als solcher nicht definiert werden will, „Bimbo“ aber in Ordnung findet, weil es ein lustiges Wort ist. Dafür, „queer“ genannt zu werden kann man in den USA auf Schmerzensgeld klagen, während „gay“ neutral homosexuell heißt. „Queer“ bedeutet übersetzt verdreht, verquer, durcheinander, pervers, wenn Menschen sich selbst als „Queer community“ bezeichnen ist das das Gleiche wie wenn Schwarze sich bewusst „Niggas“ nennen. Du hattest weiter oben geschrieben, dass schwul sein kein abendfüllendes Programm ist, doch lese ich dieses Posting und die letzten davor habe ich eher den Eindruck, es ist ein Vollzeitprogramm – oder besser gesagt, die Unmöglichkeit, völlig selbstverständlich, ungefragt, ungehemmt, ohne schräg angesehen zu werden Deine eigene Sexualität nach Gusto zu leben steckt als Dauerwiderspruch in Deinem Leben drin. Und das vermischt sich dann natürlich mit realen Normalisierungsangriffen, aber auch phobischen Reaktionen auf Dinge, die gar nichts mit Homophobie zu tun haben. Dabei habe ich mitunter auch den Eindruck, dass Deine Angriffe Leute treffen, die eigentlich nur eine Reaktion auslösen, aber nicht das bezwecken, was Du in Ihren Äußerungen liest. Bei Deinen kürzlichen Naturalisierungs/Biologismusattacken auf Lina hatte ich den Eindruck, das sei eine Stellvertreterbestrafung. Wen es eigentlich treffen müsste ist wahrscheinlich Mama.

  23. momorulez Juni 8, 2009 um 4:05 pm

    @Istvan:

    „Das klingt jetzt so wie ein Schwarzer, der nicht schwarz und schon gar nicht Afrikaner genannt und erst recht als solcher nicht definiert werden will“

    Ja, so ungefähr isses ja auch, weil sehr viele Schwarze keine Afrikaner sind und gerade in dem Kontext diese ganzen Wurzelsucher und Identitätsfetischisten ja auch nur paradox agitieren. Ich fahre doch auch nicht nach Pommern, obwohl da „meine Wurzeln“ liegen. Wat habe ich dazu schon für Diskussionen geführt! Und mach das dann irgendwann wie Rayson, dass ich in 30 Jahren Blogeinträge schreibe, dass ich ja immer schon recht hatte 😉 …

    Wenn man meine eine schwarze Freudin fragt, wo sie denn her kommt, rastet sie aus, weil sie halt aus Bayern und nicht aus Kenia „kommt“ – ganz unabhängig davon, ob der, der fragt, das nun „böse meinte“ oder auch nicht (war lustigerweise ein Deutschiraner, den’s da mal ganz heftig erwischt hat). Mich fragt sowas ja auch keiner. Zudem hier auch die dichotomische schwarz-weiß-Denke einfach nur Humbug ist. Nicht umsonst gibt es da auch immer wilde Debatten, manche finden „Afrodeutsche“völlig dämlich, andere okay, und da hängt schon jeweils ein ganzes, diskursives Universum dran.

    Auch Deine persönlichen Vorstellungen, wie ich das Sujet lebe, soll ich da wirklich drauf eingehen? Finde ich etwas übergriffig, nun Wildfremden irgendwelche grundsätzlichen Widersprüche in ihrem Leben anzudichten, weil man 5 Blogeinträge gelesen hat. Aktuell ist es gerade mal wieder Thema für mich, weil mir Angst und Bange angesichts einer erstarkenden Homophobie wird, und ich glaube auch, dass keiner völlig unbeschädigt durch sein Coming Out kommt – habe einen einzigen schwulen Freund, bei dem das keine Wunden geschlagen hat.

    Im Alltag spielt das bei mir zumeist keine Rolle ob nun schwul oder nicht, da ist das selten Thema und völlig selbstverständlich, bei manchen Kunden allerdings dann plötzlich doch nicht mehr so ganz. Da habe ich schon nicht so erfreuliche Erlebnisse gehabt.

    Zudem meine Erfahrung ist, daß ganz unabhängig von der Intention, die jemand zu verfolgen glaubt, sich allerlei Stereotype einschleichen, und gegen die gehe ich an. Und solche sehe ich auch bei Lina am Wirken hinsichtlich dessen, was sie schreibt, nicht, wie sie ist. Wer das dann als Aussage über seine Person rezipiert, hat halt ein Identitätsproblem 😉 …

    Aber noch hierzu:

    „oder besser gesagt, die Unmöglichkeit, völlig selbstverständlich, ungefragt, ungehemmt, ohne schräg angesehen zu werden Deine eigene Sexualität nach Gusto zu leben steckt als Dauerwiderspruch in Deinem Leben drin“

    Zeig mir mal irgendeine Hete, die so lebt – ich kenne keine. Das ist doch an sich schon wieder so ein quasi-normativer Anspruch, den man dann Dritten ungefragt überbügelt. Genau deshalb war der Freudomarxismus ja zum Kotzen. Wieso zum Teufel SOLL man ungehemmt sein?

    Mich würde eh mal interessieren, was Dich zu Deiner Verve hier gerade treibt? Ist jetzt etwas mystisch, aber ich werde sowohl bei besagten Kunden als auch manches Mal im Rahmen des FC St. Pauli als auch bei Blog-Diskussionen den Eindruck nicht los, dass, wer 5 Mal hintereinander „schwull“ sagt, mit Sicherheit mit irgendeiner Form von Belehrung zu rechnen hat.

    Das mit der Verwendung von „gay“ ist übirgens Quatsch, und verquer, durcheinander und pervers bin ich definitv 😀 …

  24. Lina Juni 8, 2009 um 6:30 pm

    >>> „Und solche sehe ich auch bei Lina am Wirken hinsichtlich dessen, was sie schreibt, nicht, wie sie ist. Wer das dann als Aussage über seine Person rezipiert, hat halt ein Identitätsproblem 😉 … “

    Quatsch! Dir von mir zugeschriebene (gar stereotype!) Qualitäten, gebündelt im ‚Identitätsproblem‘, existieren nur in Deiner Einbildung! Dich kriegt man doch selbst, wenn man wollte (und ich will gar nicht!) sowieso nicht zu ‚fassen‘, wie etwa Deine Rochaden, genauer: ‚Raysoniaden‘ erkennen lassen (-; …

    Und weder weiss ich, wie Du bist, noch weisst Du, wie ich bin* – weil eben Schriftliches, Aussagen in der Internet-Kommunikation als schwierige ‚Non-face-to-face-Unternehmung eben immer auch, ohne dass der Andere rechtzeitig etwas einwenden könnte, nach eigenem Gusto interpretierbar sind. Ein Problem, an dem ich noch einmal ‚zerbreche‘ 😀 …

    *Na ja, stimmt nicht ganz, denn die Frage „Wieso zum Teufel SOLL man ungehemmt sein?“ fügt dem Entdeckerspiel, das parallel eben doch immer mitläuft, (zusammen mit dem Verdauungs-Akt, dem Zwergkolibri und der Vogelspinne) ein beziehungsreiches Mosaiksteinchen hinzu 😉 …

  25. momorulez Juni 8, 2009 um 7:28 pm

    @Lina:

    Nix da nur Einbildung, aber ich bezweifel mal, dass wir uns da einigen können werden – und natürlich kenne ich nur Deine Internet-Persona, aber homophobe Intentionen würde ich der nicht unterstellen. Bei Seinsweisen wird es da schon heikler, wir sind doch alle Produkte einer heteronormativen Gesellschaft 😉 … nicht wahr, Noergler?

    Dazu hatte ich mal eine völlig idiotische Diskussion mit Herrn Zettel, der immer dachte, ich wolle ihm rassistische Intentionen unterstellen, dabei hat er doch „nur“ ziemlich üble rassistische Stereotype bedient, wahrtscheinlich wirklich, ohne das zu merken. Der ist da auch immer noch belediigt, was mir in dem Fall wenig macht. Dem war aber die Differenz gar nicht geläufig. Der dachte, ich würde sowas wie „Unbewußtes“ meinen, aber so ist das bei den bildungsfernen Schichten.

    Haue doch selbst dauernd mal ein homophobes oder rassistisches oder sonstwas für ein Stereotyp raus. Freu mich dann aber eher, wenn man mich darauf hinweist. Das Leben wäre doch auch langweilig ohne. So lange man sich klar macht, dass die Bösen immer die Anderen sind, meine ich 😀 …

    Jetzt aber Schluß mit den Raysoniaden. Wieso eigentlich Rochaden?

    @Istvan:

    Jetzt bin ich Dir insofern auf den Leim gegangen, dass ich gar nicht darauf hingeweisen habe, dass Du die Pointe des Zitierten ja gar nicht aufgegriffen hast in Deiner ungebremsten Lust, mich zur Teilzeit-Klemmschwester zu verklären: Insofern „bin“ ich nicht homosexuell. Man beachte die Anführungsstriche.

    Außerdem biin ich für sofortige Einführung einer Coming-Out-Pflicht für sogenannte „Heterosexuelle“ (Linke wollen ja immer irgendwas entweder zur Pflicht erklären oder aber verbieten). Am besten in so einer Art öffentlichem Bekenntnis-Ritual. Wie sie sich dazu durchringen, das ihrer Familie und ihren Freunden zu beichten. „Wie? ich bekomme doch Enkel? Du Schwein! Denk doch an Gebärmutterhalskrebs!“

    Mama!

  26. Lina Juni 8, 2009 um 9:29 pm

    @ momorulez

    *Rochaden*, weil Du im Dialogischen das Doppelziel zu verfolgen scheinst, den KÖNIG (also Dich) in eine wehrhafte Position zu bringen und dazu die ArgumentationsTÜRME Deiner Verteidigung (von denen einen der Noergler hält!) im Affekt und/oder Affront zu verbinden, also dem Feind oder Freund gegenüber (der er halt gerade ist … ) erst mal dicht zu machen 😀 …

  27. momorulez Juni 8, 2009 um 9:39 pm

    Wäre nicht alles andere rhetorischer Masochismus?

    Wobei ich ja schon auch finde, dass man beim Fussball noch mehr über Diskussionen lernen kann als beim Schach, im prinzip ist das aber ähnlich: Der Torwart ist das Arguiment, das man bis zuletzt zurück hält und nur gaaaaanz selten einsetzt,das aber das Spiel implizit immer schon eröffnet hat, durch die Stürmer hält man den Gegner unter Druck und beschäftigt dessen Defensive, das Mittelfeld ist der bildungsbürgerliche Konsens, da gibt es defensive und offensive Varianten, die Verteidiger sind die Schuldzuweisung, grobschlächtig, aber effizient, und wenn man genau hinguckt, kann man sogar über Sex was dabei lernen 😉 … das ist jetzt wieder so ein Kommentar, den irgendwann irgendwer gegen mich verwendet 😀 …

  28. Michel Juni 8, 2009 um 10:43 pm

    Ich kann verstehen, dass Rayson aussteigt, wenn ihr anfangt, gegen den Freihandel zu agitieren. Das ist bei Liberalen ein ähnlich emotionales Thema, wie bei euch die heteronormativen Biologismen.

    „Ich habe nur immer das Gefühl, dass “ihr” das einfach noch nicht gar begriffen habt, wie funktioniert, was diese freie Entfaltung einschränkt. Um mal den Dissens meinerseits zu bestimmen.“

    Die freie Entfaltung ist im liberalen Denken immer nur im Rahmen der Eigenverantwortung wünschenswert. Linke sehen in dieser Eigenverantwortung, wohl eine unzumutbare Einschränkung.
    „Unschuld und Reinheit spaziert der historisch invariante und seit 2 Jahrhunderten komplett wirkungslose Liberalismus durch die Weltgeschichte, der ja immer schon recht hatte, und die immer schon nur und ausschließlich behinderte wirtschaftliche Freiheit spaziert mit.“

    Siehe mal hier:
    http://www.fnst-freiheit.org/uploads/896/Wirtschaftliche_Freiheit_BundeslaenderEndfassungNeu181106.pdf
    Seite 19, trotz jahrzehnterlanger Hegemonie haben die Neoliberalen noch nicht einmal das Niveau der Nachkriegszeit (sozialen Marktwirtschaft) erreicht. Linke Ideologie ist eben nur solange Lebensfähig, wie sie ihre eigne Hegemonie verleugnet.

    „Zieht zwar immer den Streit nach sich, wessen Krise das nun eigentlich ist, aber egal, für mich isses auch deren Krise, unter anderem Raysons.“

    Die Zuordnung wird dir nicht gelingen solange du eine Weltanschauung verantwortlich machen willst und nicht bestimmte Einzelmaßnahmen. Nichts verstanden, aber Hauptsache politisches Kapital drausschlagen, so liebe ich meine Linken.

  29. momorulez Juni 8, 2009 um 11:14 pm

    „Ich kann verstehen, dass Rayson aussteigt, wenn ihr anfangt, gegen den Freihandel zu agitieren.“

    Na, dann geht’s ihm ja bestimmt jetzt besser. Danke. Es lebe die Sunnah. Abgesehen davon bin ich mit Sicherheit nicht „Dein“ Linker. So weit wollen wir die Eigentumsrechte ja nun doch nicht ausdehnen, die Leibeigenen waren „euch“ doch eh zu teuer.

    „Die freie Entfaltung ist im liberalen Denken immer nur im Rahmen der Eigenverantwortung wünschenswert.“

    Erklär das mal, anstatt hier die Liberalismus zu diskreditieren, desssen immanenter Logik folgend so ein Satz einfach keinen Sinn macht. Darüber kann ich mich im Grunde genommen immer am meisten aufregen: Wie „ihr“ den Liberalismus zu Grabe tragt, ihn mit Füßen tretet und auf den Müllhaufen der Geschichte werft. „Euch“ hat der nicht verdient, der Liberalismus. Schämt „euch“. Eigentlich hat der ’ne ganz coole Story, „ihr“ seid dessen Ende. Weil „ihr“ ihn gar nicht begriffen habt … sonst wärt „ihr“ ja links.

  30. noergler Juni 9, 2009 um 10:13 am

    Und jetzt erklärt uns Michel, wie die linke Hegemonie zur Finanzmarktkrise führte, und warum die Krise rein gar nichts mit den Postulaten der Freihandelshaussierer zu tun hat.
    Im Gesprächskreis „Odins Auge“ haben wir es neulich so diskutiert, dass jüdische Kommunisten schuld sind: gierig weil jüdisch, und freimarktzerstörend, da kommunistisch.

    Danach erklärt uns Michel dann noch, wieso Reaganomics, Washington Consensus, Thatcherism, New Labour und die Agenda 2010 weltanschauungsfreie Sammlungen unverbundener Einzelmaßnahmen sind.

  31. netbitch Juni 9, 2009 um 12:24 pm

    Na ja, bei der Israel-Begeisterung der prowestlichsten unter unseren Freiheitsfreunden fragen Einige, ich auch, uns schon seit längerem, ob diese daher rührt, dass sie die Juden mit den Finanzmärkten gleichsetzen, die Finanzmärkte aber nunmehr das Gute schlechthin sind. Herrenmenschen in philosemitischer Verpackung halt. Nein, ausdrücklich keine Leute wie Rayson, um hier nicht missverstanden zu werden, aber ein paar Blogs weiter.

  32. momorulez Juni 9, 2009 um 1:26 pm

    Schlimm finde ich ja immer Doktrinäre – aber dann behaupten, sich auf Empirie zu beziehen. Als das mal losging mit dem Liberalismus, war das keine Weltformel, sondern eine Kritik herrschender Verhältnisse und reflexiv. Selbst das „Naturrecht“ ist ja eigentlich ein komplizierter Begründungsmodus, kein Repitieren. Manche, die da heute Lehrsätze aneinander reihen, hätten damals das Gottgegebene der Feudalherrschaft proklamiert. Wo dann ja auch der Philosemitismus noch ein weiteres Mal Quatsch wird: Meines Wissen ist da gerade immer neue und vielfältige Auslegungspraxis unter Rechtsgelehrten ja eine recht wichtige Pointe. Unsere Liberalen heute tun dann genau das als Geschwurbel ab.

  33. che2001 Juni 9, 2009 um 2:19 pm

    Anatevka: Die Bibel immer wieder diskutieren bis wir sie verstehn. Genau das ist urjüdisch, und das wirkt sogar noch bis in die fragmentarische Theoriebildung (Dialektik der Aufklärung) von Horkheimer und Adorno hinein. Und die Liberalen der ersten Stunde waren ebenfalls ausgesprochene Open-End-Diskutierer, siehe Mirabeau oder Thomas Paine.

  34. momorulez Juni 9, 2009 um 2:23 pm

    Womit wir schon mal geklärt hätten, das jeder, der vermeindlich „Wolkiges Geschwurbel“ bekämpft, strukturell antisemitisch agitiert 😉 … ich fand diese jüdsche Hermeneutik und auch den Grund des Bilderverbots, der bei Horkdorno ja auch eine große Rolle spielt, eh immer sehr überzeugend und auch handlungsleitend, und das hat mit dem Urspungseintrag auch ’ne Menge zu tun.

  35. Lina Juni 9, 2009 um 5:55 pm

    @ noergler

    >>> „Und mal ganz doof gefragt, wieso ist es denn besser, diese Leute in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen (in das sie tatsächlich ja gar nicht gebracht werden, aber mal gesetzt den Fall), als sie sich selbst zu überlassen? Weil Scheißmaloche ein Menschheitswert per se ist? Damit diejenigen, die malochen, keine Neidkomplexe kriegen auf die, die nichts tun? Oder was?“

    Von nix kommt nix! Das ist die eine Sache; die andere ist, dass, wenn nix kommt, wir ein Problem kriegen, nämlich das der Aufrechterhaltung barer Existenz.

    Lebst Du gern auf anderer Leute Kosten? Ich nicht. Und wenn wieder ‚in Arbeit kommen‘ irgendetwas bedeutet, dann i. d. R. den Rückgewinn von Würde, auf die eigene Leistung bauen und auf eigene Rechnung leben zu können. Ich weiss nicht, warum das so ist (Schlaraffenland wär‘ vielleicht schöner … ), aber in dieser arbeitsteiligen Wirtschaft entfällt schon mal weitestgehend das Privileg von Ackerbau und Viehzucht zwecks Erhaltung einer autharken Existenz (mit der Entledigung vom Copyright btw. ein weiteres …). Also?

    Wobei sich dem Verlust an Würde – um das noch zu sagen – die unbestreitbar (!!!) gewachsene sog. Versorgungsmentalität hinzuaddiert – die willfährig mit sich machen lässt, was ein in Spendierhosen erstarkter Vater Staat will. Im Verein mit Mutter Staatin, die zunehmend im Kleinteiligen (also Privaten) tätig wird, entsteht so eine autoritäre Verwahranstalt für Abhängige, auf der Strecke Gebliebene, Zurückgelassene – von denen, die 2 Jahrzehnte lang ungebremst ihres höchsteigenen Glückes Schmied sein konnten … nein, nein, ich bin nicht neidisch, nur sauer!

    Den Neid gibt es ja auf’s auf Nichtstunmüssen wie auf’s Arbeithaben, auf Kohle, auf Erfolg, auf Bedeutung, auf Schönheit, auf Glamour – und, und, und – praktisch auf alles, was den Anderen auf irgendeine Weise auszeichnet, aus der Masse hervorhebt, bevorteilt – und damit auch zum Angriff freigibt. Für mich ist er die_Wurzel_allen_Übels, die sich zwar benennen, aber nicht ausreissen lässt, was ein gesellschaftliches Miteinander automatisch zum Gegeneinander macht, friedvolles Nebeneinander also von vornherein verunmöglicht. Ich nehme an, dass vernunftorientierte ’soziale‘ Modelle unausgesprochen (!) darauf bauen, diesen bösen Fleck auf der menschlichen Weste, mittels konstruierter Verteilungsgerechtigkeit tilgen zu können – aber vergebens: der geht nicht weg …

    Oder doch? Mama empfiehlt Bleichmittel für die Vorwäsche plus satter Beigabe desselben beim 90°-Hauptwaschgang; hört sich scharf an, revolutionär geradezu (-; …

  36. che2001 Juni 9, 2009 um 11:00 pm

    @“Von nix kommt nix! Das ist die eine Sache; die andere ist, dass, wenn nix kommt, wir ein Problem kriegen, nämlich das der Aufrechterhaltung barer Existenz.

    Lebst Du gern auf anderer Leute Kosten? Ich nicht. “ — Hartz IV bringt keine Ersparnis, sondern kostet aufgrund der Verwaltungskosten sogar ziemlich viel. Das Fallmanagement ist Alles Andere als billig. Die alte SGBIII-Regelung beinhaltete, dass Arbeitslose nach dem Auslaufen des Arbeitslosengeldes Arbeitslosenhilfe bekamen – 90% des vollen Arbeitslosengeldes – quartalsweise nachweisen mussten, dass sie keine neuen Einkünfte hatten, und das lief dann bis ultimo. Die kamen nur sehr selten im Endeffekt auf Sozialhilfesatz.Vor Hartz IV sahen im Osten ganze Bevölkerungsgruppen darin ihre Zukunft, nach der Deindustrialisierung. Aus dem Bereich Sozialarbeit kenne ich so Geschichten, dass sich zwei Leute eine ABM-Stelle (z.B. in der Flüchtlings- Obdachlosen- oder Suchtkrankenarbeit) teilten, indem immer zwei Leute real auf einer Stelle arbeiteten, offiziell aber eine Person zwei Jahre eine ABM-Stelle innehatte, dann wieder zwei Jahre arbeitslos war usw., bis dieser Mensch wieder dran war (und tatsächlich arbeiteten zwei, die sich das Gehalt teilten). Damit wurden Familien ernährt und zugleich die Versorgung der Bedürftigen mit SozialarbeiterInnenjobs gesichert. Geht im heutigen System nicht mehr, im besten Fall machen das Ehrenamtliche, ansonsten gibt es halt keine Sozialarbeit mehr.

    Da gibt´s keinen bösen Fleck konstruierter Verteilungsgerechtigkeit, sondern eine Schlechterstellung aller Beteiligten, ohne dass es den Staat weniger kostet. Einfach nur ein Sozialdisziplinierungsprogramm, das alle wie die Deppen mitmachen.

    Mal ne ganz andere Perspektive: Die Arbeitslosenbewegung in Frankreich fordert Urlaubs- und Weihnachtsgeld für Arbeitslose, weil sie davon ausgeht, dass es ihnen ZUSTEHT. Die betrachten Arbeitslosigkeit nicht als kurzfristiges Zwischenstadium, sondern als zwangsläufiges Ergebnis des modernen Kapitalismus.

  37. momorulez Juni 10, 2009 um 7:31 am

    @Lina:

    „Lebst Du gern auf anderer Leute Kosten? Ich nicht.“

    Das muss schlimm sein, so chronisches Unwohlsein – wie geht es Dir damit? Sinds nicht eigentlich „die Linken“, die chronisch von Schuldgefühlen geplagt druch die Gegend spazieren laut Herrn Fleischau????

    Desto höher Du in Gehalts- und Lohnspiralen steigst, desto mehr lebst Du auf Kosten Anderer. Wenn Du Gewinn machen willst als Verkäufer, lebst Du auf Kosten Deiner Kunden, wenn Du Aktien besitzt, auf Kosten der im Unternehmen Arbeitenden usw. – das ist eine völlig naive Vorstellung, wie Geldströme fließen, was Du beschreibst. Du tust ja so, als habe das was mit Leistung zu tun, aber sobald Arbeitsteilung in’s Spiel kommt, stimmt das grundsätzlich nicht mehr. Die kaufmännische Leitung LEISTET nicht mehr, und es zieht sie auch keiner in Verantwortung – und die findet schon ’nen neuen Job, wenn was schief geht.

    Und die Millionen Exempel, die statuiert weden, von denen leben die Profiteure der Lohnsenkungsprogramme doch ganz hervorragend, wenn sie nicht gerade globale Krisen auf Kosten aller Anderen verursachen.

    Wie schrieb Kästner so schön: „Was immer auch geschieht, nie dürft ihr so tief sinken, den Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu triken“, und Dein Kommentar ist da ganz schön durstig. Auf dem aktuellen Stand der Produktivkraftentwicklung ist das „von nix komt nix“ einfach nicht mehr wahr. Da braucht es zumindest deutlich weniger Arbeit als noch 1830.

    Und Che hat Recht: 1.) ist es schlicht eine Frage der RECHTE, die man in einem demokratischen Gemeinwesen sich zuzugestehen HAT, sonst ist es auch keins, wenn eine Politikerkaste Hand in Hand mit Unternehmerverbänden die Gesamtbevölkerung mit Hunger und Obdachlosigkeit bedroht, und wer nicht spurt, wird sanktioniert. Das ist sowas wie die Bonzen in der DDR, wenn man Herrn Hundt und Olaf Scholz in der Talkshow sich wechselseitig angrinsen sieht. und 2.) ist es nur recht und billig, dass die Arbeitsplatzbesitzer die Nicht-Arbeitenden dafür bezahlen, dass sie das Auseinanderdriften der Lebensverhältnisse zugunsten weniger nicht noch weiter forcieren. Hat doch Rayson begründet: Je mehr Leute auf den Arbeitsmarkt deindustrailsierter Gesellschaften drängen, desto tiefer die Löhne. Wenn man das Überangebot an Arbeitskräften drosselt, geht es allen besser 😉 …

  38. Lina Juni 10, 2009 um 11:29 am

    @ Che

    Von wem fordern die Franzosen da, ‚was ihnen zusteht‘? Vom Mit-Citoyen. Geht das nicht in den ‚linken‘ Kopf? Der Staat ist keine anonym sprudelnde Geldquelle, sondern speist sich und die ‚Portokasse‘ per Einzugsverfahren bei seinen Bürgern.

    Was kann also der Nachbar dafür, dass seinem Nachbarn der staatlicherseits entregelte Kapitalismus nicht bekommen ist? Der Staat als Verteiler ist der Adressat, der direkt Schuldige, der es dahin hat kommen lassen. Bezahlt aber wird vom Bürger, und ob der in der Pflicht ist, über eine Ausgleichszahlung hinaus auch noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu spendieren, wage ich zu bezweifeln. Fazit: Der Staat muss weg, jedenfalls in der Form, in der er nicht in der Lage ist, die wirtschaftlichen Weichen zugunsten der Erwerbsmöglichkeiten der Mehrheit seiner Bürger zu stellen.

    Mit dem ‚bösen Fleck‘ war übrigens der Neid gemeint 😉 …

    @ momorulez

    „Desto höher Du in Gehalts- und Lohnspiralen steigst, desto mehr lebst Du auf Kosten Anderer. Wenn Du Gewinn machen willst als Verkäufer, lebst Du auf Kosten Deiner Kunden, wenn Du Aktien besitzt, auf Kosten der im Unternehmen Arbeitenden usw. – das ist eine völlig naive Vorstellung, wie Geldströme fließen, was Du beschreibst.“

    Wenn ich im Tausch gegen meine Arbeitskraft beim Kunden kassiere, lebe ich nicht von ihm, sondern aus meiner Leistung, die er mir zusammen mit dem Produkt bezahlt. Ein ganz anderer Fall isses, wenn ich von ‚Almosen‘ des Staates lebe, der dieses zuvor beim Erwerbsbürger kassiert hat, ohne ihn gefragt zu haben, ob im das auch in Höhe und Modalitäten so recht ist; dann erst lebe ich auf fremde Kosten …

    Fragt sich, wer hier naiv ist 😉 …

  39. momorulez Juni 10, 2009 um 12:35 pm

    Ganz klar Du 😀 …Du zerlegst das was in Einzekteile, bei Deiner Vorstellung, was Staat sei , ebenso wie bei den willkürlichen Verteilungsregeln, was erst im Zusammenspiel möglich ist. Das ist dann sowas wie die Reformulierung der Leibnizschen Monadenlehre und kann Strukturen der Interaktion gar nicht denken, die ja nie nur den Tausch zwischen zweien betreffen …

  40. che2001 Juni 10, 2009 um 2:08 pm

    @“Ein ganz anderer Fall isses, wenn ich von ‘Almosen’ des Staates lebe, der dieses zuvor beim Erwerbsbürger kassiert hat, ohne ihn gefragt zu haben, ob im das auch in Höhe und Modalitäten so recht ist; dann erst lebe ich auf fremde Kosten …“ —- Das ist ein Frechheit. Wer Arbeitslosengeld1 bezieht, hat vorher mit seinen Beiträgen in eine Sozialversicherung eingezahlt, er bekommt also das zurück, für das er oder sie selber vorgesorgt hat. Die Sozialhilfe war hingegen ein minmaler Lebensunterhalt, um Leute nicht verhungern zu lassen, letztlich also materielle Ausstattung eines Grundrechts (und mit genug bürokratischen Schikanen behaftet) und Arbeitslosenhilfe mischfinanziert aus beiden Komponenten. HartzIV bedeutete, dass man den Teil an der Arbeitslosenhilfe, der noch auf Ansprüche aus der Arbeitslosigkeitsversicherung zurückging einfach strich. Diese einseitige Aufkündigung von Ansprüchen aus einem Versicherungsverhältnis könnte man auch Betrug oder Raub nennen

  41. momorulez Juni 10, 2009 um 3:02 pm

    @Che:

    Bei aller Zustimmung, man muss das Argument schon ernst nehmen, dass es sich ja um eine Risiko-Versicherung handelt, nicht um sowas wie eine kapitalbildende. Und dass es tatsächlich auch schon Familien gibt, wo Hartz IV in der dritten Generation den Unterhalt deckt (oder auch nicht), wo also nie jemand eingezahlt hat.

    Ich finde somit die materielle Ausstattung des Grundrechts auch das gewichtigere Argument. Lina macht daraus eine Grundpflicht im Rahmen eines Tauschverhältnisses. Das ist auf einer prinzipiellen Ebene so, als würde man sich vor Gericht freikaufen können, wenn man einen Mord begangen hat.

    Und Rechte gesteht man sich halt unter den Bedingungen einer Demokratie wechselseitig-symetrisch und allen gleichermaßen zu, da kann dann nicht die FDP oder Herr Schröder oder Herr Hundt kommen und einseitig aberkennen, ohne die Demokratie als solche anzugreifen. Nicht umsonst hat Sen belegt, dass Hungersnöte in Demokratien signifikant seltener bis gar nicht vorkommen.

    Was hier passiert, ist ein Steuern in Richrtung China – ein geschlossenes, politisches System verfügt über einzelne Bevölkerungsgruppen. Das ist dem egalitären Partizipationsgedanken widersprüchlich. Und in China gab’s große Hungersnöte. Und hier wählt keiner mehr die SPD, das gibt zumindest Hoffnung …

  42. Lina Juni 10, 2009 um 5:21 pm

    >>> „Lina macht daraus eine Grundpflicht im Rahmen eines Tauschverhältnisses. Das ist auf einer prinzipiellen Ebene so, als würde man sich vor Gericht freikaufen können, wenn man einen Mord begangen hat.“

    Und momorulez macht daraus einen Vergleich, dem nicht zu folgen ist …

    Von ätzender Polemik in Sachen Hartz-IV-Gesetzgebung, die geeignet ist, ‚Hungersnöte‘ ausschliessen (es gibt kein Ironiezeichen, das dieses Wort aus anderen Sphären begleiten könnte …), habe ich aus Eurer Ecke nun genug. Bedient war ich bereits, als ich ‚Somlus Welt‘ einst damit erheitern konnte, meine persönliche Dankbarkeit für gewährte Überbrückungsgelder der Solidargemeinschaft der Verteilerbehörde gegenüber genau so geäussert zu haben – für eine weiträumige Sozialgesetzgebung, die im Vergleich zu anderen Demokratien, GB ausgenommen, keine Selbstverständlichkeit darstellt.

    Ihr Hängematten-Image und die Folgen trägt sie allerdings nicht umsonst … genauer: WIR alle tragen sie und werden noch sehr lange an den durch sie entstandenen Deformationen der natürlichen (!!!) Leistungsbereitschaft zu tragen haben …

    Dass die kapitalistische Wirtschaft zwei Jahrzehnte auf den Staat als Förderer zählen und lobbyierend wie geschmiert mit ihm kooperieren konnte, steht auf einem anderen Blatt.

  43. momorulez Juni 10, 2009 um 8:51 pm

    Lina, es ist aber auch ein bißchen einfach, ständig „Natur“ und „Deformation“ und „Tausch“ zu sagen und alle Widerworte in den Rang ätzender Polemik zu schieben. Was erwartetst Du denn? Dass wir jetzt alle bekehrt jubeln und erleuchtet ausrufen: „Mönsch, auch ich hätte meiner Überbrückungsgeldbeamtin in Dankbarkeit entgegen treten müssen wie ’nem Patenonkel“?

    Ich bin in der Tat der russischen und amerikanischen Armee sehr dankbar, dass sie dafür sorgten, dass sich hier sowas wie eine Demokratie entwickeln konnte, und all den Trümmerfrauen und Leuten wie meinem Vater und vielen anderen mehr, dass sie für deren Aufbau dann viel Lebenszeit opferten, dass es zum Beispiel keine Zwangsarbeit und keinen Arbeitszwang mehr gab (von Wehrdienst und Zividienst mal abgesehen). Den Verfassungsvätern bin ich dankbar für das Sozialstaatsprinzip und einen tollen Grundrechtekatalog.

    Aus beidem ergibt sich meiner Ansicht nach sogar notwendig die bedingungslose Grundsicherung, und Hartz IV ist wegen der Entrechtung von Millionen von Menschen ein Instrumentarium, das Gift für jeden demokratischen Prozess ist. Weil ich nicht der Ansicht bin, dass es ein staatliches Recht auf Umerziehung gibt, sondern dass demokratische Verfahren eben diese Grundrechte voraus setzen. Und dass es keinen Sinn macht, diese Rechte in irgendeiner Form erzwungenen „Tauschverhältnissen“ (ich würde Beschäftigungssituationen ja anders beschreiben, ein „sich einigen auf x“, das ist was anderes als ein Gütertausch) zu opfern. Und wer das fordert, agiert meiner Ansicht nach antidemokratisch.

    Ein Freund von mir, der von Hartz IV leben musste, hatte keine andere Chance, als sich die letzten 10 Tage des Monats von Tütensuppen zu ernähren. Natürlich ist der nicht verhungert, ein Rest Anstand ist ja noch verblieben, und die Nachkriegsgeneration hätte wahrscheinlich erläutert, dass sie sich ja auch von Kartoffelschalen ernährt haben. Ich finde es angesichts dessen trotzdem angemessen, auf Sen zu verweisen, weil doch klar ist, was abgehen wird, wenn die Zeche für die Banker zu zahlen sein wird: Hartz IV-Kürzung und Mehrwertsteuererhöhung. Und dann reicht’s irgendwann auch nicht mehr für die Tütensuppe an den letzten drei Tagen. usw.

    Der Kumpel wurde nach der Ausheilung einer Kreuzband-OP dann in der Tat gezwungen, im Sadtpark Sand zu schippen. Das magst Du ja gut finden, weil so seine „natürlichen“ Ressourcen dem Naturgott, der Linas ethische Vorstellungen allen und jedem einbläuen können soll, wieder zur Verfügung stehen und er dadurch der Entfremdung entronnen ein besserer Mensch wird in Dankbarkeit, ich sehe da keinen Unterschied zu Adolfs Arbeitsdiensten, denen aus der Frühzeit, nicht die Moorsoldaten später, oder der DDR mit ihrer de facto-Arbeitspflicht, und das rührt für mich an die Grundlagen des politischen Systems.

    In all dem spielen Deinen Vorstellungen, was denn Wrtschaft sei, gar keine Rolle. Das ist eine Argumentation, die sogar ohne auskommen MUSS, sonst wird sie von einer Rechtskonzeption zum rein funktionalen Sozialingenieurstum.

    Zudem man ja nun auch nicht vergessen sollte, wer überhaupt Hartz IV erhält: Meines Wissens ganz überwältigend viele alleinerziehende Mütter, und die Behinderten, die ich einst betreut habe, auch. Wenn denen jemand mit „Dankbarkeit“ kam, hatten die einen Spasmus im Oberarm, der Dich locker in die Isar befördert hätte, und ich habe nie wieder Menschen kennen gelernt, die so dermaßen gut wußten und so dermaßen sensibel reagierten, wenn es um Fragen wie Demütigung, Stolz und Entmündigung ging. Was Du forderst, ist Arbeit statt Mündigkeit und Zwang statt Recht. So erklärt sich der Vergleich. Man kann nicht mit quasi-ökonomischen und protestantischer Arbeitsethik sich verdankenden Ansichten Rechte aushebeln.

    Die knackigen Jungs, die mit geilen verschwitzten Unterhemden heroissch die Kaugummis abkratzend Fusswege flankieren sollten und so wieder „in Würde“, harharhar, gebracht werden sollten, die Du Dir vorstellst, die dealen derweil sowieso lieber mit Drogen, weil man da besser verdient als beim Kisten schleppen im Supermarkt. So ist das im Kapitalismus.

  44. che2001 Juni 10, 2009 um 9:54 pm

    @ Lina „für eine weiträumige Sozialgesetzgebung, die im Vergleich zu anderen Demokratien, GB ausgenommen, keine Selbstverständlichkeit darstellt.“ — Schau Dir mal die Sozialgesetzgebungen skandinavischer Länder an, die sind z.T. „weiträumiger“. In der Republik Irland betrachten SachbearbeiterInnen in Sozialämtern ihre KlientInnen als genau Solche, denen sie im Zweifelsfalle auch GEGEN den Staat, der sie bezahlt, maximale Rechtsansprüche herausholen wollen -so wie Anwälte, die Klienten vertreten, hat etwas mit der dortigen Verbindung von common law und Antietatismus zu tun- und selbst in den USA werden billiglohnarbeitende Sozialhilfempfänger von einem kostenlosen Fahrdienst, den es in Deutschland nicht gibt, von Zuhause zum Arbeitsplatz befördert. Arbeitslosengeld liegt in Spanien bei 80% des letzten Nettoeinkommens, und betriebsbedingte Kündigungen können nur bei nachgewiesenen Problemen des Unternehmens ausgesprochen werden. Gut, führt dazu, dass es praktisch nur noch befristete Arbeitsverträge gibt – aber: Eine Sozialgesetzgebung, die es in diesem Umfang nur in Deutschland gibt ist Ideologie.

    Und in Japan, von neoliberalen Ideologen früher mal als Paradebeispiel für eine „gesunde“ Wirtschaft herangezogen, weil es dort kaum staatliche Sozialfürsorge gibt, kümmern sich die Unternehmen durch eigene soziale Leistungen um die Beschäftigten. Das bedeutete früher, wenn Werften oder Stahlwerke schlossen, das sie Bekleidungsmärkte und Fastfoodketten eröffneten und ihre Belegschaften entsprechend umschulten, das hieß, als Sony vor ein paar Jahren die Produktion von Röhrenmonitoren einstellte, dass alle nicht vermittelbaren Beschäftigten im Alter über 29 auf Betriebskosten in Rente geschickt worden. Bei Insolvenzen zahlten bis vor Kurzem die Unternehmer dort die Belegschaften noch bis zum persönlichen Ruin aus. Wer das nicht tut, gilt dort nämlich als ehrlos, und die Konsequenz darauf kann dort bis heute rituellen Selbstmord bedeuten.

  45. Istvan Juni 11, 2009 um 10:51 am

    @Auch Deine persönlichen Vorstellungen, wie ich das Sujet lebe, soll ich da wirklich drauf eingehen? Finde ich etwas übergriffig, nun Wildfremden irgendwelche grundsätzlichen Widersprüche in ihrem Leben anzudichten, weil man 5 Blogeinträge gelesen hat…..

    Zeig mir mal irgendeine Hete, die so lebt – ich kenne keine. Das ist doch an sich schon wieder so ein quasi-normativer Anspruch, den man dann Dritten ungefragt überbügelt. Genau deshalb war der Freudomarxismus ja zum Kotzen. Wieso zum Teufel SOLL man ungehemmt sein?

    Was Du übergriffig nennst, war von mir eigentlich als Empathiebekundung gemeint und als meine Wiedergabe von dem, was ich aus Deinen Selbstbekundungen – ich lese Deinen Blog seit Februar – herauszulesen gemeint habe. Und im Übrigen bin ich kein Hetero, sondern ein bisexueller BDSMer, der sowohl die Heteronormalität als bedrohlich und meine Neigungen pathologisierend erlebt (für die bin ich eine Art Psychopath) als auch von „schwuler“ Seite (ich meine damit die Vertreter einer Subkultur, nicht Leute mit bestimmten Neigungen an sich und schon gar nichts als Seinsidentitäten) als so noch nicht richtig angekommen, sozusagen „unvollständig“ betrachtet wurde. Und dem das schrille Gekeife und Gekreische, dass in der Schwulenszene mitunter die Kommunikation bestimmt auch wieder gehörig auf die Nerven gent.

    Warum „soll“ man ungehemmt sein? Ich habe nicht behauptet, dass irgendjemand das sein soll, aber gehemmt ist eine glücklich machende Sexualität mir jedenfalls nicht vorstellbar. Und wieso Du daraus machst, ich erklärte Dich zur Klemmschwester ist mir gar nicht mehr nachvollziehbar.

  46. momorulez Juni 11, 2009 um 3:14 pm

    @Istvan:

    „Was Du übergriffig nennst, war von mir eigentlich als Empathiebekundung gemeint“

    Dann sorry, dass ich das falsch verstanden habe. Auch das mit der Teilzeit-Klemmschwester. Tut mir leid.

    Sind tatsächlich Reaktionen aus der Zeit, als alle Welt proklamierte,was man so alles als psychisch gesunder Mensch zu sein hätte, und das machte dann alle unglücklich. Habe ja meinerseits eher die Erfahrung gemacht, dass Hemmungen, Neurosen und was man so alles hat zumeist ein ganz sinnvoller Schutz sein kann, und dass der beste Weg, sich überwinden, darin besteht, sie anzuerkennen, manchmal verschwinden die dann einfach 😉 …

    Diese gruseligen Pathologisierungen von BDSM-„Praktiken“ (ist schon wieder so ein Wort, das unpassend abstrahiert, finde ich, „Praktiken“, und Sprache die Sinnlichkeit austreibt), die sich ja auch in der Blogosphäre finden, die regen mich auch immer sehr auf. Da steckt ein komplettes Zerrbild von Sexualität dahinter.

    Hatte allerdings immer das Gefühl, dass das in schwulen Kreisen letztlich als Spielart akzeptierter ist, kann mich da freilich irren, bin auch kaum noch „in der Szene“ unterwegs. Vielleicht hat sich aber auch was gewandelt, was mit der „Homo-Ehen“-Diskussion zu tun hat, das hatte ich mit Somlu ja gerade in einem anderen Thread, dass das auch zur freiwilligen Selbst-Normalisierung führen kann und man dann das „Deviante“ oder „Unvollständige“ eben selbst bei Anderen sucht, um sich zu stabilisieren. Sowas geht mir auch immer auf die Nerven.

    Und „die Szene“ war für mich auch immer ein sehr ambivalentes Erlebnis, verstehe, was Du mit schrillem Gekeife und Gekreische meinst. Ich mochte auch immer am liebsten die Läden, wo schwul und Hetero sich mischte, da hat sich wechselseitig was reguliert. Und habe mich tatsächlich im Toms (weiß gar nicht, ob es das noch gibt) deutlich wohler gefühlt als in diesen Tanz-Schuppen … Aktuelles kann ich gar nicht mehr immer beurteilen, bin wohl zeitweise eher Worcaholic gewesen und gehe nicht mehr so viel aus. Außer zum Fussball 😉 …

  47. Loellie Juni 11, 2009 um 6:22 pm

    Nee, mit „nicht angekommen“ oder „vollwertig“ meint er (da bin ich mir gerade sicher), dass, wenn man für sich ablehnt, sich als hetero-bi-schwul zu definieren, also genauso, wie du es an anderer Stelle angerissen hast, stattdessen über Vorlieben, Praktiken, Stellungen oder sonstwas definiert, selbst die allermeisten Schwule aussteigen und man dann in der Regel nach dem Motto „der arme Kerl wird schon noch merken dass er in wirklichkeit schwul ist“ bestenfalls bemitleidet, schlimmstenfalls als „Verräter“ ausgegrenzt wird, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
    Ausser der Handvoll Dauerphilosophiestundenten bei mir im Haus damals, die das natürlich total klasse fanden, wenn ich sowas gesagt hab, ist mir in meinem ganzen Leben aber auch noch keine einzige Hete untergekommen, die auch nur ansatzweise hätte verstehen können, was ich damit meine. „Also doch Bi“ war alles was denen dazu einfällt. Da kannte ich dann doch auch ’n paar Schwule die das begriffen haben, auch wenn es mit Sicherheit eher Ausnahmen waren.
    Dabei erscheint mir das doch so natürlich :-))
    SM war zumindest als eine Art Modetrend, also Gummi und Latexklamotten und so, bereits nach der Jahrtausendwende in der westdeutschen Provinz angekommen, auch wenn ich bei den Klemmschwestern davon ausgehe, dass da kokettiert und nicht gelebt wurde.

    Die „Schwulenehe“ hatte mich auch glatt verunsichert, weil das selbstverständlich die Lesben aussen vor lässt, hätt aber trotzdem geschworen, dass ich Lesben kenne, die von sich sagen dass sie schwul sind … scheiss egal … bevor ich sowas schmutziges wie „Homo Ehe“ in den Mund nehme, riskier ich lieber Troubble mit denen. Ehrlich.

    Ich hatt‘ mich ja auch schon gefragt obs das Alter ist und ich jetzt anfang das Sensibelchen zu spielen, aber nö, seit das mit der schwulenehe gelaufen ist, hat sich im Gegensatz zu früher, wo man sich am Gauweiler seinen KZ-Sprüchen hochziehen konnte, doch sehr viel verändert. Ich werd dem das ja nie verzeihen, aber, auch wenn da von den Pfaffen Applaus kam, er natürlich dem reaktionären Stammtisch zu 5 Minuten Ruhm verhalf, als er sagte was viele dachten … das war trotzdem sowas wie ein Einzelfall, wo mann heute mit gut vernetzten und organisierten Strukturen sich plagen muss.
    Mich hat das auch stellenweise ganz schön mitgenommen was hier die letzten Tage gelaufen ist. Dieses totale Unverständnis, von wegen Paranoia, „da hat die Diva mal wieder ’ne Attacke am laufen“ und so.
    Früher, als mehr Lametta war, da ist man vllt auch einfach in der Antispiesserfraktion untergegangen, vor lauter WGs und alleinerziehender Mütter und leben ohne Trauschein, aber, mittlerweile ist Homophobie wohl fett im Mainstream angekommen.
    ______

    Mitte der 90er, da haben die in Berlin das, was die Kölner jetzt schruben, ja schon praktisch umgesetzt. Da stand auf den Waagen so oft AIDS und Hilfe das mein Zwischenfazit lautet „Wir sind krank und brauchen Hilfe“ … bis die Veranstalter kurz hinterm Brandenburger Tor, den einzigen Waagen mit einer politischen Parole, von einem Einsatzkommando aus dem Zug knüppeln liessen und die ganzen Tunten, fröhlich gackernd vorbei getanzt sind. Das hat mich so mitgenommen, dass ich da noch immer Probleme hab‘ dadrüber nachzudenken, geschweige denn zu schreiben …

  48. Lina Juni 11, 2009 um 6:40 pm

    @ momorulez / Che

    Als dankbarer Mensch danke ich für Eure Comments, die ich mit Interesse und mit mal voller, dann wieder nur partieller Zustimmung gelesen habe (auch Deine gewohnheitsmässigen, polemischen Sottisen, momorulez)! Zur Frage:

    >>> ‚Was erwartetst Du denn?‘

    … die Gegenfrage: Was kann man denn erwarten? Erfahrungsgemäss nur, dass letztlich doch immer die Moralkeule zum Einsatz kommt! Das ist von ‚links‘ wie mit der Antisemitismuskeule: die haut rein, macht schuldig, und darum geht es: Aus vermeindlicher Schuldhaftigkeit politisch das Recht auf eine Allround-Daseinsfürsorge erwirken zu wollen; wo nehmt Ihr diesen ANSPRUCH bloss her?

    Im Kapitalismus isses wie im echten Leben, wo Schicksalsvorsorge für gewöhnlich schwer zu treffen ist. In welche Verhältnisse auch immer man – benachteiligt (von wem?) oder behindert (worin?) – hineingeboren wird, welche Chancen sich enem bieten könnten: die ‚Linke‘ will’s richten! Solange sich ihr Ansinnen auf ‚gleiches Recht für alle‘ statt auf betuliche Gleichmacherei (also Nivellierung, Egalisierung, Normierung etc.) richtet, habe ich nichts gegen den Ansatz, im Gegenteil: auch ich möchte niemanden leiden sehen an dem, was er vermisst. Nur: jede Korrektur im Verteilerstaat geht auf Kosten von Mitmenschen, die i. d. R. nichts dafür können (aber u. U. alles dafür tun), besser dazustehen. Darf man sie, sofern sie nicht stehlen oder gestohlen haben, allen Ernstes zur Kasse bitten? Das ist eine Grundsatzfrage.

    Unser Dissens besteht also darin, dass ich die Dimension Eures ANSPRUCHSDENKENS nicht teile, es absurd, inakzeptabel und unzumutbar finde, für fremde ‚Schicksale‘ (ich nenne es bewusst so!) aufkommen zu sollen – es sei denn, man verständigt sich eben solidarisch (wie in der modernen Demokratie Recht geworden) auf einen an den Lebenshaltungskosten orientierten Sockelbetrag für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer nicht für sich selbst sorgen können. ‚Rien ne va plus‘! Mehr (Weihnachtsgeld! Urlaubsgeld!) und Anderes ist Eingriff in und Übergriff auf die Souveränität beider, sowohl Geber wie Nehmer (ja, der soll auch eine haben!), denen ausser Respekt im weitesten Sinn nichts geschuldet wird. Wer solches Denken auf vermeindliche ’neoliberale‘ Gefühlskälte zurückführt , der hat Erkenntnisse verpasst, die mit dem Heiligenenschein des privaten und verstaatlichten Helfersyndroms und seinen vielfältigen und weitreichenden Nebenwirkungen (!) aufräumt.

    Es ist doch bereits so, dass der Staat private Helfer en masse akquiriert (und sie sich bereitwillig für dessen politische Versäumnisse einspannen lassen), während ‚er‘ selbst sich heuchlerisch seinen Leistungsabfall/-ausfall bezahlen lässt! Das ist neue Knechtung, von (Sozial-)Staats wegen! Da soll auch der Fiesling Sloterdiyk mal Recht haben, wenn er (via FAZ bei den ‚antibürokraten‘) sagen kann: „Lebten im ökonomischen Altertum die Reichen unmissverständlich auf Kosten der Armen, so kann es in der ökonomischen Moderne dahin kommen, dass die Unproduktiven mittelbar auf Kosten der Produktiven leben- und dies zudem auf missverständliche Weise, nämlich so, dass sie gesagt bekommen und glauben, man tue ihnen unrecht und man schulde ihnen mehr.“

    Schweinesystem bleibt Schweinesystem, so oder so …

  49. che2001 Juni 11, 2009 um 6:49 pm

    Wer redet denn von Verteilerstaat? Den wollen weder Momorulez noch ich (was meine Heimat angeht: die Eigenbezeichnung Autonome sagt schon mal, dass der eigenverantwortliche, auf sich selbst gestellte Mensch im Mittelpunkt steht) und auch niemand von den Anderen, die hier so zu Wort kommen, keine somlu, kein noergler, kein momoma, keine netbitch. Du stülpst Anderen ein Klischeebild von dem, was links angeblich sei über und beklagst Dich dann über das Übergestülpte, das mit Deinen Gesprächspartnern aber nichts zu tun hat.

  50. Lina Juni 11, 2009 um 7:39 pm

    >>> … dass der eigenverantwortliche, auf sich selbst gestellte Mensch im Mittelpunkt steht

    Der eigenverantwortliche Mensch käme imho kaum auf die Idee, dass Andere ihm zur Wiedergutmachung staatlicher Versäumnisse ein BGE spendieren sollten …

    >>> Du stülpst Anderen ein Klischeebild von dem, was links angeblich sei über und beklagst Dich dann über das Übergestülpte, das mit Deinen Gesprächspartnern aber nichts zu tun hat.

    Tue ich das? Sorry, das war nicht meine Absicht.

  51. momorulez Juni 11, 2009 um 7:57 pm

    @Loellie:

    Welcome Back!!!!!! Freue mich, Dich wieder hier zu lesen!!! Und, mal ganz Sachfremdes: neulich standen immer Kommentare von Dir bei bei Che zu Frau Cassdingensbums, waren die dann wieder weg? Oder habe ich die einfach nicht mehr gefunden?

    Das ist jetzt keine Intrige, die ich hier versuche, ich war da nämlich ganz bei Deiner Wut, ohne unbedingt jedes dahinter stehende Argument zu verstehen. Mußte daran denken, als jetzt schrubst, dass die Diskussionen hier Dich mitgenommen hätten, „Dieses totale Unverständnis, von wegen Paranoia, “da hat die Diva mal wieder ‘ne Attacke am laufen” und so“, was mich ja freut, nicht daß es Dich mitnimmt, sondern Dass Du verstehst, was ich meine, weil man sich ja schon manchmal fragt, ob man jetzt nicht doch richtig einen an der Waffel hat, so bei manchen Kommunikationen.

    Dabei bestanden meine bisherigen 42 Jahre Leben im wesentlichen daraus, Schritt zu Schritt zu erfahren, dass das aber ganz definitv nicht der Fall, hatte da neulich gerade mal wieder ein einschneidendes Erlebnis, in einer bestimmten Konstellation sowas wie den letzten Beweis zu erhalten.

    Na, worauf ich hinaus will, man fühlt sich ja manchmal schon wie bei „Des Kaisers neue Kleider“ mit anderer Schlußpointe. Dass das Kind halt ruft „Aber der hat ja gar nichts an!“, und keiner glaubt es ihm, und es wird immer wütender und verzweifelter und noch wütender und noch verzweifelter und wird dann in die Klapse gesteckt (ich glaube übirgens, dass Lina sich hier auch so fühlt, aber das ist was ganz Anderes 😉 …). Und das meinte ich da bei Dir auch zu lesen, diesen Effekt.

    Zum anderen Thema: Ich weiß immer noch nicht genau, ob ich das jetzt richtig verstehe Deine Ergänzung zu Istvan. Hinsichtlich „bi“ kann ich mir das vorstellen, diese Verräter-Diskurse auf schwuler Seite, dieses „Ach, Du traust Dich doch bloß nicht, Dich wirklich zu entscheiden und brauchst noch die Frauen in der Hinterhand“ oder sowas? Ud bei heten halt „Oha, scher verdächtig, wie, geht doch nicht, entweder man ist Arschficker oder nicht“?

    Was ja mitschwingt in dem, was ich tatsächlich auch meine, dass ich es idiotisch finde, da so ein falsches Allgemeines oder am besten noch so einen Gayromeo-Beipackzettel mit Gebrauchsanweisung als „Identität“ – Ich bin Fußfetischist, ganz vom diesem Sein erfüllt! – dann anzunehmen. Das ist doch Bullshit. Gab auch immer mal wen, da hätte ich an Schritten in Richtung SM Lust gehabt und vielleicht auch irgendwann nach Erfahrungen mit dieser konkreten Person festgestellt, dass Grenzen, von denen ich glaube, sie zu haben, sich dann auflösen, weil das eben eine Erfahrung mit dieser, konkreten Person ist, die ich mit sonst niemandem weltweit machen könnte.

    Sigusch hat in „Das Verschwinden der Sexualamoral“ mal als Folge der „Vertragsmoral“, die sich da eingeschlichen habe, beschrieben dass bei diesem „Alles ist erlaubt, wenn man sich vorher gründlich darauf einigt, was“ natürlich alles Entdecken, sich überwältigen lassen und überwältigen, forschen, auch sich miteinander Zeit lassen, suchen, ja, kennenlernen, komplett auf der Strecke bliebe. Bei anderen Typen wieder käme ich ja nicht im Traum auf die Idee, da jetzt auch nur im entferntesten an irgendwas mit SM Verwandtes zu denken. Und ist wohl so, dass dann, wenn man auch Frauen in dieser Hinsicht mag, falsch formuliert, halt immer ohne schützenden Rahmen auf Personen reagiert, weil die eben so sind, wie sie sind, und nicht etwa, weil sie einem Geschlecht zugehören, der Erfahrungsspielraum sich erweitert und die Reaktionen all derer, für die Leben darin besteht, sich zu einer Kategorie zu bekennen, um „authentisch“ zu sein, dann irritiert sind und Unvollständigkeit wittern. Meintest Du sowas?

    Ansonsten: Ich denke auch, dass im Zuge dieses ganzen Gewetters gegen „Political Correctness“die Homophobie mitten im Mainstream längst wieder angekommen ist. Und ich habe ja mit jemandem mit Vater aus Burundi, den Du aus ’nem Forum kennst ;-), gerade eine Firma gegründet, und das ist genau das gleiche: Überall nur total aufgeklärte „bei uns doch nicht, in den USA veilleicht, aber wir?“, die sich dann auch mal ’nen Negerwitz genehmigen, geht doch mittlerweile wieder, weil ja alles in Ordnung ist, und ansonsten der festen Überzeugung sind, dass die Schwarzen, die überhaupt noch thematiseren, dass sie es sind, die wahren Rassisten seien, aber SIE SELBST doch nicht. Und wenn sie dann mit der Nase auf rassistische Sterotype gestoßen werden, dann geht auch die ganze Leier los von der Paranoia, der Instrumenatlsierung, dem Wunsch nach Positiv-Diskriminierung, dem Unterdrückstein druch Schwarzen-Verbände, obwohl die doch eh alle Antisemiten sind – das ist die gleiche Struktur, um sich auch ja zu versichern, dass man ja selbst normal ist und der Andere nicht. Und wenn die Tochter dann Änen Schwatten mit nachHause bringt, wird erst vielleicht noch hinter vorgehaltener hand über den schwanz gewitzeltt, wenn beide dann aber zusammen ziehen wollen, dann ist der Ofen aus.

    Hatten wir ja gerade drüben beim A-Team, zurück zur Homophobie, das sind ja keine randständigen Ultrarechten, die sich da äußern. Und an Herrn Gauweiler erinnere ich mich bestens, glaub’s mir, an die „Menschen mit hamsterhaftem Sexualverhalten“.

  52. momorulez Juni 11, 2009 um 8:21 pm

    @Lina:

    Dann ist es auch eine unverschämte Anspruchshaltung, wenn Du erwartest, dass ein Richter bei einem Eigentumskonflikt – Kunde hat eine Rechnung nicht beglichen oder so -, Dir dann recht gibt, wenn Du Recht hast.

    Zudem ich es immer etwas seltsam finde, übirgens auch bei den Debatten um die „Gier“ bei Managern, von Anderen Bescheidenheit zu fordern, das ist dann aber eine Frage jenseits dessen, wie Recht sich konstituiert, sondern eine ethische Präferenz Deinerseits, und Präferenzen sind nicht generalisierbar.

    Und die Art und Weise, wie Du gegen die „Anspruchshaltung“ Dritter wetterst, die ist so dermaßen moralisch aufgeladen, was überhäufts Du Leute, die was zu fressen haben wollen, mit Vorwürfen in tiefer Empörung, das entbehrt nicht einer gewiessen Komik, dass nun gerade Du die Moralisierung durch Andere beklagst. Selber.Dein Moralischer Umerziehungsanspruch iist doch viel ausgeprägter. Von mir aus dürfen Leute gerne bleiben, wie sie sind.

    Zudem es bei Fragen der Grundsicherung sich natürlich sowieso im engeren Sinne um morlaische Fragen handelt, da zielt der Vorwurf der Moralisierung in’s Leere. Würde es sich um funktionale Fragen handeln, müßte man alle Kranken über 60 umbringen, weil alles andere zu teuer ist und die’s leistungsmäßig nicht mehr bringen.

    „Solange sich ihr Ansinnen auf ‘gleiches Recht für alle’ statt auf betuliche Gleichmacherei (also Nivellierung, Egalisierung, Normierung etc.) richtet, habe ich nichts gegen den Ansatz, im Gegenteil: auch ich möchte niemanden leiden sehen an dem, was er vermisst.“

    Um nichts anderes geht es mir.Ich will da nix richten, ich bin der festen Überzeugung, dass es Rechte gibt, die man sich wechselseitig notwendig zugestehen muss, wenn man Demokratie will. Punkt. Das ist kein Sozialingenieurstum, das ist einfach die Grundlage eines solidarischen Miteinanders. Da spielt eine Geber- oder Nehmer-Situation gar keine Rolle,das ist nicht aufrechenbar, wei es kein Tauschverhältnis ist. Rechte sind unteilbar. Ich kann mein Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht eintauschen selbst dann, wenn ich meine Niere verscherbel. Ich habe das dann immer noch.

    Weihnachts- und Urlaubsgeld sind was völlig anderes, das sind privatrechtliche Regelungen, man spricht ja nicht umsonst von „Tarifautonomie“. Finde das auch keine sonderlich intelligente Forderung, wenn Arbeitslose sie erheben.

    Und zu Herrn Schlotterdeik, diesem erbärmlichen Dummschwätzer, philosophischer Hanswurst, der glaubt, Philosophie bestünde darin, irgendwelche Begriffe zu erfinden, schreibe ich lieber nicht mehr als diese Worte – das ist genau so eine mediale Figur wie Dieter Bohlen oder Arnulf Baring, mehr nicht.

  53. Lina Juni 11, 2009 um 9:13 pm

    >>> … was überhäufts Du Leute, die was zu fressen haben wollen, mit Vorwürfen in tiefer Empörung, das entbehrt nicht einer gewiessen Komik, dass nun gerade Du die Moralisierung durch Andere beklagst.

    Komisch, iss mir gar nicht aufgefallen – auch jetzt nicht, wo Du’s sagst 😉 … (und ich es nochmal durchgelesen habe). Wir waren uns doch einig, dass hier dank ausbleibender Hungersnöte jeder Demokrat ‚was zu Fressen‘ kriegt, oder nicht? Mahlzeit auch …

  54. momorulez Juni 11, 2009 um 10:08 pm

    Klar, das Dein Moralisieren natürlich gar keines ist, das ist das wohl im Sinne der konsequenten verfolgung des Eigeninteresses auch praktisch, aber inkonsistent.

    „Erfahrungsgemäss nur, dass letztlich doch immer die Moralkeule zum Einsatz kommt!“

    Was schwingst du Denn hier sowohl uns als auch den ggf. arbeitsfähigen Hartz IV-Empfängern gegenüber? Das banner der Wahrheit? Erklär mir das mal! Was mich in liberalen Blogs ja immer schon nervt: Ein moralinsaures Gegeifer gegen alle und jeden, das aber immer dann, wenn’s mal im modernen, nicht traditionalen Sinne um Moral geht, mit hochmoralischen Argumenten das Moralisieren der jeweils Anderen geißelt. Das ist sogar im engeren Sinne manipulativ. ne reine Herrschaftspraktik. Strategie.

  55. Lina Juni 12, 2009 um 7:10 am

    “Erfahrungsgemäss nur, dass letztlich doch immer die Moralkeule zum Einsatz kommt!”

    Was ist das denn anderes als Keule, oder wie würdest Du das gebetsmühlenhafte Einführen Deiner Behindertenarbeit sowie Negativ-Nominierungen zum Tütensuppenstrecker, Sandschipper, Kaugummiwegkratzer, schlicht: zum behinderten oder vergewaltigten, immer aber bedauernswerten Underdog nennen? (Billige) Keule ist das. Unter anderem.

    Im Übrigen: Bin ich ein ‚liberales Blog‘? Von Anbeginn an werde ich hier so kategorisiert, als Person mit der Lehre verglichen, aus der Schublade genommen, gewogen und wieder hineingesteckt, während ich selbst vorsätzlich, jedoch ohne jede ‚Herrschaftspraktik‘ (wie ich doch meinen will) nur die Statik der beiden politischen Denkgebäude vergleichen und dabei markieren will, was mir da und dort auffällt; gelegentlich mit einem allzu fettem Filzschreiber, das schon 😉 …

    Kleine Rückblende noch, aus der vermeindlichen ‚Klapse‘ heraus gesprochen:

    >>>“da hat die Diva mal wieder ‘ne Attacke am laufen” und so”

    Exakt! So erschuhn es mir! Als ich dann (oben) lus, was Du schrubst, als ‚Istvan‘ von ‚Gegacker und Gezeter‘ in der Szene schrub, da staunte ich nicht schlecht: was hätte er MIR wohl geantwortet, an gezielt Homophobem unterschoben, dachte ich, wenn ICH (als ‚Hete‘ – was mir wie ‚Soze‘ ein eigentlich unsäglicher Terminus ist …) von ‚Gegacker und Gezeter‘ in der Szene geschroben hätte, wiewohl ich ihr dies offen und klischeehaft zuordnen bereit bin? Da ich vom Theater komme, kenne ich Klapsen von innen – wie ja auch das Normalo-Leben eine sein dürfte …

    Die Diva hat Launen, sagt man ihr nach. Na und? Theres no business like showbusiness 😀 …

  56. momorulez Juni 12, 2009 um 7:52 am

    Nee, nix da und. Und wenn die Beschreibung von Lebensrealitäten jetzt die „Moralkeule“ ist, schließen wir die Realität doch am besten aus der Diskussion aus und verbleiben bei Prinzipien. Ist ja auch einfacher. Deshab gibt es ja so viele liberale Blogs: Deren Simplizität ist halt attraktiv.

    Und natürlich bist Du kein liberales Blog, im konkreten Fall argumentierst Du aber gerade wieder so – auch,weil Du jeglichen Ansatz zur Rechtbegründung zurück weist und zudem dem keine Relevanz zuweist, dass Du die ganze Zeit viel heftiger moralisierst.

    Istvan hat keine Aussage über Schwule im Allgemeinen formuliert, sondern über Szene-Spezifika, die Resultat der Heteronormativität selbst sind. Subkulturen zerrspiegeln ja nur den Mainstream. Auch die in der Klapse, übrigens. Und die im Theater. Da sogar ganz besonders.

    Ansonsten Danke für die Verständnislosigkeit, ja, den Unwillen, Dich auf auch nur irgendwas außerhalb Deiner Selbständigen-Hetero-Welt gedanklich auch nur einzulassen. Und da unterstellt man mir Egozentrik.

    Das hat ja damals auch maßgeblich zu meinem Ausstieg bei Shiftimng Reality beigetragen: Dass mir die Perspektiven von Heten tatsächlich oft einfach zu reduziert sind, als dass ich sie noch an irgendwas koppeln könnte, was mit meinen Erfahrungen zu tun hat. Und ich verstehe deren ja auch oft nicht.

    Aber mit der Diva hat sich die Sache ja mal wieder erledigt. Wie praktisch.

  57. Lina Juni 12, 2009 um 8:30 am

    >>> Ansonsten Danke für die Verständnislosigkeit, ja, den Unwillen, Dich auf irgendwas außerhalb Deiner Selbständigen-Hetero-Welt gedanklich auch nur einzulassen.

    Danke für diese ebenso verständnislose wie unwillige Einschätzung, die bar jeder Referenz auf dieses Pflaster, das Blog_Pflaster, auszukommen meint, auf dem nach dessen innerer Logik i. d. R. Thesen, Theorien, auch Prinzipien geschoben/ verschoben werden; gelebt wird nebenbei und sowieso … und unausgesprochen davon ausgegangen, dass es prägt.

    Ich persönlich mag ja gerade das hier charakteristische Einführen von echtem Leben in den Diskurs, wenn es aber Mittel zum Zweck wird, Andere per Moralkeule zu demütigen, d. h., moralisierend auf den ‚rechten Weg‘ führen zu wollen (wessen ICH mir tatsächlich nicht bewusst bin … sorry!), oder sie als simplifizierend zu verunglimpfen, wie soeben geschehen, dann: Ade.

  58. momorulez Juni 12, 2009 um 8:45 am

    Na ja, was soll man auch ständig aneinander vorbei reden? Warum sollte man überhaupt mit Leuten kommunizieren, die im wesentlichen die Launenhaftigkeit der Diva leben, sowieso immer nur rumspinnen, paranoid, und ständig die Moralkeule schwenken?

    Sorry, mir ist aber wirklich nicht klar, wieso es nun demütigend sein soll, auf reale Biographien zu verweisen, nicht jedoch, das Gegenüber einer unsinnigen und übersteigerten Anspruchshaltung und der Paraonia zu bezichtigen und sich zu fragen, was die Diva nun gerade mal wieder hat. Ist mir alles ein bißchen einseitig.

  59. Lina Juni 12, 2009 um 10:58 am

    >>> Warum sollte man überhaupt mit Leuten kommunizieren, die im wesentlichen die Launenhaftigkeit der Diva leben, sowieso immer nur rumspinnen, paranoid, und ständig die Moralkeule schwenken?

    Das hast DU gesagt! Ich sage, dass ich es bedaure, eine so kluge und eloquente, hochgebildete und lebenserfahrene ‚Diva‘ 🙂 als GesprächspartnerIn – ausgerechnet in beidseits beleidigtem Zustand! – verlieren zu müssen.

    Ein PS noch: Dir ist nicht klar, warum es für Andere ‚demütigend‘ sein soll, etwa auf caritatives Wirken hingewiesen zu werden? Vielleicht, weil es als gewollte (?) Beschämung dessen gemeint sein könnte, der so Ehrenwertes nicht vorweisen kann? Oder auch nur, weil so immer wieder obere Plätze auf der humanen/sozialen Werteskala verteidigt und (keulenartig) Noten verteilt werden …

  60. momorulez Juni 12, 2009 um 11:08 am

    Nein, komm, ich unterstelle Dir weiß Gott keine Paranoia, aber die Behinderten führe ich nicht an, um zu belegen, was für ein guter Mensch ich bin. Ich habe da erst gezwungenermaßen Zivildienst gemacht, und dann ganz freiwillig neben dem Studium was hinzu verdient, war reine Erwerbsarbeit. Bei der ich aber wahnsinnig viel gelernt habe von den Behinderten und auch über mich, das ist einfach ein sehr wertvolles Stück Leben, eine Erfahrung, für die ich dem Leben sehr dankbar bin und die sehr schön war.

    Damals war das ja noch Sozialhilfe, was die bekamen, und das war schon verdammt knapp. Einige von denen waren auch in Werkstätten, was ihnen sehr gut tat, übrigens, und im Grunde genommen Deine These von der „Wiedergewinnung der Würde druch Arbeit“ in diesem konkreten Fall stützen könnte.

    Und ich muss oft dran denken, wie es denen jetzt wohl geht, wo ja alles zusammen gestrichen wurde. Die hatten zum Teil 4 Stunden jemanden nachmittags, der ihnen einfach dabei half, ein selbständiges Leben zu führen (das war dann z.B. ich). Und das wird jetzt anders sein. Und man unterschätzt bei den Hartz IV-Diskussionen immer, dass da ja auch viele Alte, Behinderte, die berühmten alleinerziehenden Mütter dabei sind – bei mirg gegenüber wohnt ’ne Hartz IV-Alkoholiker-WG, die kommen auch nicht mehr auf die Füße und haben trotzdem die gleichen Rechte wie Du und ich.

    Danke aber für die Komplimente!

  61. Pingback: Treets Schokoklicker und das Verstopfen — ☠ Camp Ring2

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