Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wie man sich fühlt …

Es ist kein Zufall, dass ich nach dem Spiel das erste mal seit Jahren wieder im „Toom Perstall“ war. Weil man immer der kleine Teenie auf dem Schulfhof bleibt, innerlich, der Angst hat, schlicht auf die Schnauze zu bekommen, wenn er zeigt, wen und was er begehrt. Dass er gemobbt und gemieden wird. Das geht nie weg, das bleibt. Da ist der FC St. Pauli eine heilsame Erfahrung.

Im Perstall ist es zwar jetzt alles anders, weiß gar nicht, ob man noch „Katharina“ zu ihm sagt. Die ist tot, eine schwer übergewichtige Transe mit tiefer Stimme und schief sitzender Perücke, die den Raum hinter dem Thresen völlig ausfüllte und den Laden betrieben hat. Man munkelte über sie, sie würde ein Doppelleben als Journalist in Wien führen. Man mußte immer aufpassen, daß sie wirklich korrekt Geld heraus gibt; irgendwo an die Wand geschmiert war eine Karrikatur von ihr mit Dollar-Zeichen in den Augen. Damals, als es nur die Music-Box mit Hanne Wieders „Circe“, Hildegard Knefs „In dieser Stadt“  und Heinz Erhardts „Fährt der alte Lord fort“ gab und nur vereinzelt ausgewählte, aktuelle Hits. Gibt Lieder, bei denen ich immer an diesen schmalen, verqualmten, überfüllten Raum denken muß, „Englishman in New York“ von Sting zum Beispiel. An die Pferdegeschirre an der Wand, die verranzten Bänke und die zerfetzten Plastikdecken auf den Tischen, die vollgeschreibene Clowand, wo ich einst ein Max Goldt-Gedicht hinterließ, „Könnten Bienen fliegen“. Wo ich mich in Sylvesternächten halb ausgezogen auf dem Clodeckel wieder fand und immer wieder die Geschichte erzählt bekam, daß ich beim Nachhausegehen mit einem damals noch sehr attraktiven Max beim Pinkeln am einzigen Gebüsch weit und breit auf der Stresemannstraße einfach umkippte und dort schlafen wollte – „Ja, ich habe Dich dann gerettet“, wieder und wieder erzählte Max mir das. Der Tequilla halt, fiese und verwerfliche Sauf-Geschichten, die einen Heidenspaß machten 😉 …

Auf dem Nachhauseweg kam ich immer am legendären „Penny“ vorbei, damals mit dem FC St. Pauli natürlich sympathisierend, aber ansonsten an Fussball desinteressiert. Gibt ja dieses herrliche „Sie waren, sie bleiben, sie sind“ von But Alive. Da sitzt der Fan vorm Penny, der Fankneipe, und die Zeile „nach Auswärtsniederlagen falle ich oft in ein tiefes Loch, wach am nächsten Morgen auf und denk: Ich lieb‘ sie doch“, na, in der dieser grauenhaften ersten Halbzeit gestern fiel sie mir wieder ein, die Zeile, auch wenn das ja eine Heimspielniederlage war, die sich da anbahnte. 0:2 nach 5 Minuten, und das ausgerechnet gegen Rostock. Leute also, vor denen mich die starke Antifa rund um Hamburgs Kiez immer beschützt hat.

Wie gut erinnere ich mich daran, wie damals nach dem WM-Endspiel 1990 binnen kurzem die Reichskriegsflaggen die Stresemannstraße unappetitlich garnierten und hinterher alle erzählten, die Polizisten hätten noch in der U-Bahn-Station den Nazis den Weg zum „Spar“ gewiesen, das dann gestürmt wurde. Hätte das nicht einen Hinterausgang gehabt, wer weiß, ob das alle überlebt hätten – Eisenpfeiler und Fahrräder flogen durch die Scheiben. An Wochenenden nach HSV- oder auch St. Pauli-Spielen mußte man unsinnige Umwege gehen, wenn man zum Beispiel in „Or“ wollte, weil die Nazi-Hools am Hans-Albers-Platz sich ballten und vorgaben, die Hafenstraße stürmen zu wollen. Im Alltag jedoch wußte ich: Meide Bergedorf und Harburg, aber rund um den Kiez bist Du sicher. Konnte auf offener Straße Händchen halten oder mit Typen knutschen, nur vor mancher Prostituierten mußte man aufpassen, die fanden das geschäftsgefährdend 😉 …von Polizisten fühlte ich mich diesbezüglich nie beschützt.

Und gestern randalierten sie nun vor dem Spiel rum vorm Stadion, die, die mein Leib, mein Leben bedrohen. Sehr offensiv und explizit sogar. Und saß inmitten eines Stadions, wo Transparente über die Geraden geschoben wurden, „Es grüßen die schwulen Hamburger“ und „Schwulenhass: In Rostock Normalität“. Eine Reaktion darauf, daß beim Hinspiel in Rostock deren Fans glaubten, Gesänge gegen schwule Hamburger würden beleidigen. Denen spielte man vor dem Spiel „All you need is love“; als ich gerade in’s Stadion lief, riefen alle „Arschloch“, da lief nämlich „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten.

Und dann lagen wir so früh zurück. Das war wirklich der Tiefpunkt meiner bisherigen St. Pauli-Fan-Karriere. Unsere Manschaft hatte schlicht Angst, selbst der sonst so megacoole Rothenbach fing an, zitternd herumzutapsen, wenn der Ball auf ihn zurollte. Abwechselnd liefen sämtliche Spieler gleichzeitig zum Ball, wie in der E-Jugend, die linke Seite blieb so dauerhaft verwaist; oder sie liefen vor ihm weg, wichen zurück, auch der später so grandiose Hoilett und Trojan sowieso. Sako wurde immer an der gleichen Stelle umgeschubst, jener Sako, der noch im Hinspiel mit Affenlauten bedacht wurde. Es war einfach nur schrecklich. Es war demütigend, niederschmnetternd, beängstigend, grausam, daß nun ausgerechnet diese Truppe, die für Rassisten auf den Rängen spielt (nein, sie sind es nicht alle, aber es gibt sie dort sehr wohl sehr lautstark) unsere Mannschaft so dermaßen verunsichert und fertig machte. Ich hatte das Gefühl, als würde meine ganze Kultur, die ich in Hamburg seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe, von der Hafenstraße, dem Subito und dem Dschungel über das Toom Perstall, das „Or“, das Café unter den Linden, das O-Feuer fast jeden Mittag, die Ominpräsenz von Wappen und Totenkopf im Viertel, Benny und sein „Viva con Agua“, die Musik von Kettcar, Fettes Brot und Tocotronic, der Blick auf die Elbe, die Domschenke, als würde all das mit Füßen getreten und von unseren Spielern jenem Mob, der uns schon immer abfackeln wollte, preisgegeben und ausgeliefert.

Wir alle haben in der Halbzeit nichts mehr erwartet. Überlegten, ob wir nicht lieber irgendwo ein Bier trinken wollen. Waren fertig. Litten. Versanken in Resignation. Rissen gequält Witze.

Dann diese tatsächlich ziemlich spektakulär aussehende Pyro-Show der Rostocker in der Halbzeit mit dem dämlichen Transparent „Hansa Hooligans“. War eindeutig für Filmteams und Fotografen ausgeleuchtet: Schwarze Figuren auf zaun und durchscheinender Banner vor Feuerschein.

Zugleich stellte man fest, daß Trojan und Ludwig zum Glück rausgenommen wurden, und die Boys in Brown standen inmitten des Nebels im Mittelkreis, man spürte es: Das wollen die sich nicht bieten lassen. Das lassen sie nicht zu. Nicht am Millerntor. Das können sie uns und sich nicht antuen. Boll zum Beispiel hat genau das dann ja später auch im Interview bestätigt. Es geht einfach nicht, daß Leute, die unsinnigen, sexistischen Quatsch über den „femininen Muschipups“ auf Transparente schreiben (habe ich wie alle anderen gar nicht verstanden, worum’s da wirklich ging) und bei deren „Sieg!“-Rufen man das „Heil“ einfach mithört, daß diese ausgerechnet bei uns die große Show abziehen.

Zum Wiederanpfiff war eine völlig andere Mannschaft auf dem Platz. Es war unglaublich. Es war großartig. Gerade noch die tiefstmöglichen Tiefen durchlitten, und dann so ein Höhenflug. In Sachen Fallhöhe einfach nicht zu toppen. Fussballgott Brunnemann gab den Antreiber, Hennings das Frettchen, das sich festbeißt, Hoilett den Super-Dribbler – und als Sako den Elfer versenkte, war ihm die Genugtuung anzuspüren. Was habe ich ihm und uns und der ganzen St. Pauli-Historie das gegönnt!!! Dann diese beiden wundervollen Tore von Hoilett, Tore, über die jede Mannschaft sich wegärgert – wundervoll, dass gerade die schwarzen Spieler trafen! Ist sogar dem NDR aufgefallen.

Es war wie eine Wiederauferstehung, es war so triumphal, so giganstisch, so gewaltig, eine Explosion all dessen, was am St. Pauli-Mythos wahr ist! Die Chöre nach Schlusspfiff, den Rostockern um die Ohren gesungen, „Nie mehr zweite Liga“ – ich hasse sonst Anti-Gesänge, aber das, das kam so zu Recht so von Herzen, da hat das Herz von St. Pauli wieder im Punkrock-Rhytmus geschlagen und gebebt und gelebt.

Und dann wollte PA, der Arsch, kein Bier mehr mit mir trinken gehen, und Ring2 war irgendwo im Schnee. Dann bin ich in’s Toom Perstall gegangen, Erinnerungen pflegen. Und obwohl meine wilden Zeiten dort eher von ’88 bis ’93 waren, ich ewig nicht da war (früher habe ich sogar Schoko-Nikoläuse zu Weihnachten geschenkt bekommen, von Vera, die jetzt wieder Werner ist) hat Marion hinter der Bar mich sogar wieder erkannt. Und ich fühlte mich ganz zu Hause …

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20 Antworten zu “Wie man sich fühlt …

  1. che2001 März 7, 2009 um 11:40 pm

    Danke für diesen Beitrag! Und bin echt froh, dass Du nichts auffe Fresse gekriegt hast 😉

  2. Lina März 9, 2009 um 10:55 am

    >>> ‚Man munkelte über sie, sie würde ein Doppelleben als Journalist in Wien führen.‘

    Ist da etwa der …

    http://en.wikipedia.org/wiki/Hermes_Phettberg

    … gemeint?

    By the way: bei der Googlesuche nach ihm bin ich auf popkulturelle Geschmacksfragen gestossen, die in den Kommentaren ein Schlaglicht auf Veränderungen (gegenüber 90er-Jahre-Prioritäten) werfen:

    http://www.eyesaiditbefore.de/2007/07/10/esib-gegen-geschmacklosigkeit/

  3. momorulez März 9, 2009 um 11:01 am

    Phettberg isses nicht 😉 … und die Liste bei eyesaiditbefore ist mir ja nun selbst viel Nineties, gebe ich zu. Weil z.B. politische Fragen zu Geschmacksfragen erklärt werden, das ist ja dann wie bei Milton Friedman.

  4. Lina März 9, 2009 um 11:40 am

    >>> Weil z.B. politische Fragen zu Geschmacksfragen erklärt werden, das ist ja dann wie bei Milton Friedman.

    Und umgekehrt! Auch Kanzler Schröder hat’s vorgemacht mit seinen Brionis …

    Mir fiel beim Lesen auf, wieviel (verborgener) Konservatismus sich im lustigen Bestrafenwollen von sog. Geschmacksentgleisungen zeigt. Und: ‚Wie man sich fühlt‘ 🙂 …

  5. momorulez März 9, 2009 um 2:16 pm

    Ja, Schröder war ja eh voll Neunziger, grauenhaft … auch diese sinnentleerte „Neue Mitte“, als die sich sogar irgendwelche Rostocker Nicht-Nazis empfinden, die sich per Abendblatt gegen „Punker, die nicht arbeiten und auch noch stolz darauf sind“, also „arbeitsscheues Gesindel“, ereifern und links und rechts gleich setzen, so, als ob strukturell identisch wäre, wann man nun Rassist ist und dagegen oder als sei es identisch, wenn man schwulenfeindlich ist und aber für eine Pluralität an Lebensformen und Partnerschaftsmodellen usw. eintritt … was für ein hanebüchener Unsinn.

    Wo hier schon lauter Leute vom NPD-Info-Blog rüberschwappen: Ich fand die Randale rund um die Feldstraße/Neuer Pferdemarkt nach dem Spiel von St. Paulianer-Seite auch völlig daneben, soweit ich das überhaupt beurteilen kann, ich war weiter südlich unterwegs, allem Massenmedialen glaube ich eh kein Wort im konkreten Fall, insofern alles unter Vorbehalt.

    Und wo schon so ein Rostocker Blogger Platz 1 beim deutschen WordPress ist, der im wesentlichen findet, daß Politik im Stadion nix zu suchen hat und daß sowieso alle vorurteilsgeschwängert rumlaufen, nur er natürlich nicht – Chöre wie „Wir haben ein neues Hassobjekt – das sind die schwulen Hamburger“ IST ein politisches Statement, aber daß solche Chöre am Freitag für mich zumindest nicht zu hören waren, das ist ja schon mal was.

    Was nix daran ändert, daß, wenn der das ernst meint, daß er Rassismus nicht verharmlosen wollen, sich doch fragen läßt, wieso der dann nicht bekämpft werden soll, wo er sich äußert, womiit ich keine Militanz meine. Hätten sich im Rostocker Block Plakate gefunden wie „Fussball ist alles, auch schwul“ oder deutliche Statements gegen Nazis und Rassismus, dann würde mich das überzeugen, aber so einfach das Unpolitische zu beschwören, das ist mir echt zu billig.

    Und der verborgene Konservatismus bei auch und gerade linker „Geschmackskritik“ ist ja eines meiner Lieblingsthemen 😉 …

  6. Lina März 9, 2009 um 3:28 pm

    Man muss wohl Fussballfan sein, um selbst zu erleben, wovon Du sprichst: ich krieg sowas i.d.R. nicht mit (es sein denn aus zweiter Hand über die Medien). Und wohl auch schwuler Aufläufer (‚als ich ins Stadion lief …‘ :-), um in dieser Intensität zu erfahren, dass Fussball eben doch mit Politik zu tun hat. Nur zu Zeiten der WM, von den Medien zum ‚Friedensfest‘ hochschrieben (was es ja wohl auch ohne die dreckigen kleinen + grösseren Nationalismen + Rassismen war), bin ich mal unerwartet in so einen Nachgang zum Spiel am Rand einer Fanmeile geraten, und von daher steigen ein paar verwandte Vollrauschbilder auf, die bei mir aber nur die Frage aufwerfen: warum tut man sich das alles eigentlich an 😉 ? Jetzt, aus Deinem Text, erfahre ich’s …

    Der ‚Rausch‘ (in jeder Beziehung), auch die beschriebene und offenbar gesuchte existenzielle Gefährdung – wirst Du nämlich einwenden – gehören zum Leben, stimmts? Sonst ist es keines … klar, so gesehen. Ich (neptunischer) Feigling geh‘ solchen Direktkonfrontationen lieber aus dem Weg, bevorzuge die Nische, in der aber die Brandung hörbar bleiben muss 😉 …

  7. momorulez März 9, 2009 um 4:02 pm

    @Lina:

    Na, den Direktkonfrontationen mit denen, die mir wirklich Böses wollen, denen gehe ich ja auch aus dem Weg.

    Wobei ich jahrelang im Sitzplatzblock direkt neben den Gästefans gesessen habe, was ich zumeist auch sehr schön fand – bei Dresden und Rostock allerdings weniger. Sowas wie Dresdener bei unserem ersten Regionalliga-Spiel gegen die (nicht das letzte, da waren die Fans ganz harmlos) hatte ich von so nah dran tatsächlich auch noch nicht gesehen, da waren so richtig frischgewaschene, rechte Kader dabei, die wirklich das ganze rechte Programm abgespult haben, das war schlimm, viel schlimmer auch als die Proll-Varianten.

    Und beim Erstligaspiel 2001 oder 2002, weiß ich nicht mehr ganz genau, da waren auch sehr viele Rostocker bei uns im Block, und das waren keine Nazis, aber sehr, sehr unangenehme Gestalten. Da ist auch nix passiert, gab keine Drohungen oder so, aber da bin ich schon so sozialisiert, daß ich auch ’ne unterschwellige Bedrohung sehr genau wahr nehme und eben auch, was ich dann zeige und was nicht. Mein schwarzer Kollege hier hätte das nicht ausgehalten, da mittendrin zu stehen. Am gruseligsten waren in den letzten Jahren die Chemnitzer, die sogar offenkundige Nazi-Flaggen enthüllten.

    Etwas kurios war.als Union Berlin da war, weil es da so viele Analogien zu uns, aber auch Unterschiede um’s Ganze gibt. Und die haben eher damit gespielt, daß man bei St. Pauli schon dazu neigt, alle Ossis für Nazis zu halten, daß ich da manchmal durchaus über mich selbst und meine Spontan-Reaktionen lachen mußte. Aber das ist halt ’ne ganze andere Widerstands-Geschichte, eine natürlich viel heftigere, als bei uns, wo sich ja doch noch der eine oder andere eher in einer Hafenstraßen-Tradition sieht, was ich gut finde.

    Diesmal ist das so hochgekocht, weil das Hinspiel so übel war, da gab es gedultete Angriffe von Seiten der Rostocker, üble Chöre usw.. Und es wurde vor Freitag im Vorfeld medial so massiv hochgespielt, daß das schon fast Aufforderungscharakter hatte. Mir kam auch die Berichterstattung jetzt im Nachhinein sehr so vor, als gäbe es doch auch Interessen, das mal so richtig auszuschlachten, daß ein paar Leute, die sich wohl eigentlich in den Weg stellen wollten, falls Rostocker Fans ins Viertel vordringen wollten, sich dann unsinnige Schlachten mit der Polizei lieferten. Sowas finde ich auch Scheiße, also letzteres, nicht, vorsichtshalber ’ne Puffer zu bilden, habe ja geschreiben, wie man früher davon profitiert hat als „Hassobjekt“.

    Aber wie gesagt: Alles Hörensagen. Seltsam immer nur,daß z.B. Zustände, die Kumpels in Dresden erleben durften, nie so breit in den Medien getreten wurden – das Hinspiel in Rostoopck hatte allerdings auch schon ein enormes Echo.

    Für mich war’s aber eher ein unglaublich dramatisches Spiel mit enorm hohem Symbolgehalt und gutem Ausgang.

    Und für mich ist das ganze „Ídentitätspolitische“, was sich um den Verein rankt, wo ich meine Version oben beschreibe, die ganze Historie, tatsächlich auch ein Grund, hinzugehen. Und auch das konkret-poltische it mir wichtig, was dann von anderen mit „Fussball ist doch keine Demo“ gekontert wird, das jedoch halte ich für Unsinn. Fussball und das Drumherum ist einfach wie ein Brennglas gesellschaftlicher Entwicklungen. War lediglich einmal beim HSV, ein Spiel ohne alle Krawalle, und trtzdem war einfach sonnenklar, wie fragil die hiesige Pluralität ist, wenn man den knackärschigen Gymnasiasten da zuhörte, die mal so richtig schön die Sau rauslassen, verbal. Und gegen das steht halt St. Pauli.

    Und ansonsten ist es eben ein wahnsinnig spannendes Spiel, was durch die Kopplung an all die Lokalpatriotismen Energie erfährt. Und die mag ich ja. Auf Nationalmannschaftsebene packt mich das auch eher selten, wobei es bei der WM auch wirklich viele tolle Momente gab – als das ganze Heiligengeistfeld für Ghana jubelte oder in meiner Straße Trommeln ertönten, als die Elfenbeinküste spielte. Sowas kann nur Fussball hervorbringen, weil’s eben ein irrsinnig emotionales Spiel ist.

    ’nen Kumpel von mir erzählt immer so eine Geschichte, wie irgendein Fussballspiel das Mullah-Regime richtig in die Bredouille brachte, das kriege ich nicht mehr zusammen, aber da ist halt richtig Power hinter. Und Mullah-Regime in die Bredouille bringen ist ja was Cooles 😉 …

  8. che2001 März 9, 2009 um 6:36 pm

    @“Fußball ist doch keine Demo“ —- 2/3 aller Demoparolen sind aus Stadionparolen abgeleitet, zumindest nach Melodie Rythmus 🙂

  9. che2001 März 9, 2009 um 6:37 pm

    Da fehlte jetzt ein „und“

  10. Lina März 9, 2009 um 6:49 pm

    >>> Und Mullah-Regime in die Bredouille bringen ist ja was Cooles 😉 …

    Jaaaaaaa, cool, ein Sieg über die Beinarbeit Andersdenkender, aber halt nur vermeindlich einer auch über deren Gesinnung 😉 …

    (Danke für die vielen zustimmungsfähigen Details drumherum!)

  11. SiamoNoi März 10, 2009 um 12:40 am

    Das ist der wunderschönste Text, den irgendwer über Freitag geschrieben hat und irgendwo reicht es mir schon fast, dass es solche Autoren bei „uns“ gibt und bei „denen“ nicht. Wobei mir mehr als alles andere die Frage nicht mehr aus dem Kopf geht, warum da bei „denen“ durchaus denkende Menschen mitfahren, die sich selbst für „Linke“ halten und das auch entsprechend vertreten (wer sich das antun will, wird in den Blogs von „besserscheitern“ oder „amispecial“ oder „ericcantona“ fündig). Ist aber vielleicht auch egal, besser als mit dem Schulhofbild kann man das alles nicht mehr auf den Punkt bringen. Chapeau!

  12. momorulez März 10, 2009 um 7:37 am

    Dankeschön! Habe mir diesmal auch wirklich richtig Mühe gegeben, ging mir ja um wirklich viel, was mir sehr, sehr viel bedeutet …

    „wer sich das antun will, wird in den Blogs von “besserscheitern” oder “amispecial” oder “ericcantona” fündig“

    Habe da auch mit heftiger Irritation gelesen. Komme ich auch nicht mit bei deren Texten.

  13. Lina März 15, 2009 um 6:25 pm

    Lebt Dein Hund noch? Und kann er statt Deiner mal sicherheitshalber bellen: ‚Si, siamo noi!‘ ???

    Wie fühlt man sich … als Verstummter 🙂 ?

  14. momorulez März 15, 2009 um 7:09 pm

    Mein Hund ist quietschvergnügt, wie ich auch, die Kleine hat heute sogar schon wagemutig mit ’nem Pitbull-Mischling gespielt, und ich bin bester Dinge, weil wir ja heute in Aachen gewonnen haben – juchhu!!! … und zu schreiben fällt mir aktuell einfach nix ein, was nicht Wiederkäuen wäre. Da kann dann ja ruhig mal verstummen 😉 – natürlich vorübergehend.

  15. Lina März 15, 2009 um 7:20 pm

    ‚Ihr‘ … habt … ‚in Aachen gewonnen‘?

    Was auch immer: Herzlichen Glückwunsch + Grüsse auch an Deinen tapferen kleinen Hund 🙂 !

  16. momorulez März 15, 2009 um 7:26 pm

    Ja, wir, der FC St. Pauli, das sind wir ja immer alle zusammen, 3:1 auswärts, großartig!

    Und den Hund grüße ich gerne – die kriegt jetzt zu fressen, ist dann rundum glücklich und hatte einen wirklich schönen Tag! Und ich auch dank ihr und der Mannschaft des FC St. Pauli!

  17. ring2 März 16, 2009 um 12:27 pm

    Moin Momo,

    habe mir das Spiel am AFM-Webradio per Telefonschalte angehört. Da war ich irgendwo zwischen Hildesheim und Kassel – ganz dunkle Gegend.
    Gestern auf dem Nachhauseweg dasselbe: Freude und Jubel auf der Raststätte Braunautal (sic!). Dann per fcstpauli.tv die ersten fünf Minuten und die letzten 40 nochmal angeschaut. So Thomas Magnum mäßig 😉

    Die Gänsehaut kommt da immer noch rüber – genauso, wie am AFM-Radio hängend – toll!

  18. jekylla März 16, 2009 um 12:49 pm

    Das war jetzt ein wirklich sehr schöner Text, ich bin froh, dass ich Eriks Link auf twitter gefolgt bin.
    Ganz ganz fein, ehrlich!

    🙂

  19. momorulez März 16, 2009 um 2:19 pm

    @Ring2:

    Das haste nun echt ’n Jahrhundertspiel im Bösen wie im Guten verpasst … aber schön, wenn meine Konserve hier noch Gefühle wachruft 😉 …

    Gestern war ich ja auch nur Ticker-Leser – bin genervt nach dem Mittagsschläfchen an den Computer gegangen, dachte, so gegen 14.25 h war das, ach, wir liegen ja eh schon wieder 0:3 zurück, und dann sowas 😀 – gutes Gefühl, das!!!

    @Jekylla:

    Dankeschön!

  20. Pingback: “In den 20er Jahren fuhr St. Pauli noch gerne nach Rostock” — ☠ Camp Ring2

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