Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Die bruchlose, brutale Fortsetzung von Hartz IV ist das einzige und zentrale Thema der Großen Koalition“

„Die bruchlose, brutale Fortsetzung von Hartz IV ist das einzige und zentrale Thema der Großen Koalition. Sie geht allen anderen Themen so sehr voran, daß sie nicht einmal erwähnt werden braucht, sie versteht sich von selbst. Hartz IV ist der Garant für europaweit konkurrenzlos niedrige Löhne, für bizarre Flexibilitäts- und Zeitarbeitskonstrukte, für die fortschreitende Durchdringung aller Gesellschaftsbereiche mit der Ideologie der Selbstausbeutung und der Verachtung von allem, was schwach ist.“

Leo G. Fischer hat recht. Es geht darum und um sonst nichts.

Diese ganzen Propagandaschlachten, in denen nun noch Irgendwielinke, am liebsten aber jene weiter rechts den – immer männlich, weiß und hetero – gedachten Arbeiter in Legitimationsdiskursen zur Wahl von Menschen wie Trump, Kurz oder Weidel missbrauchen, sind einfach nur Ablenkungsmanöver.

Sie stützen nur, was Hartz IV, in GB Mehr von diesem Beitrag lesen

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Die Annäherung zwischen den sozialdemokratischen Parteien und der nationalkonservativen Rechten: Lernen von Strohschneider, Eribon und „Analyse & Kritik“

Zu den strukurell zwar nachvollziehbaren, politisch jedoch fatalen Diskurslagen gehört auch weiterhin dieses Gegeneinanderausspielen von Minderheiteninteressen gegen die die Klassenfrage in sözioökonomischen Zusammenhängen.

Da ist zumindest bei mir schon der Eindruck entstanden, dass der symbolische, teils auch faktische Vernichtungsdrall der WHM-Struktur massiv durchschlug – also der von jenen, die sowieso schon Feminismus nur dann interessant fanden, wenn Frauen sich „tough“ gaben und so mehr Reiz in das Machtgebahren um Verfügungsgewalten über deren Körper hinein trugen. Die LGBTIQ*-Sichtweisen eh schon immer aus ähnlicher Sicht wie Walter Ulbricht betrachten wollten, um sie wenn überhaupt dem „Nebenwiderspruch“ zuzuschlagen und nun endlich wieder ihren Ressentiments freien Lauf lassen können. Indem sie das Zerrbild der „neoliberalen Schwulen“ an die Wand pinseln. Und zudem, wenn People of Colour mal nicht fortwährend die Güte weißer Menschen bauchpinseln, während diese sich aufgrund des je eigenen empfundenen Antirassismus gerade mal wieder selbst auf die Schulter klopfen, schadronieren viele wie Mark Lilla beleidigt von „Gemeinsinn“ und „Nation“. Um wieder zu überschreiben, zeigen sich produktive, eigenständige Ansätze z.B. in Black Communities mit eigener Tradition, die Sprach- und Definitionsmacht für sich beanspruchen – ja, wenn dann nur diese mantraartigen, reflexhaften Tiraden über „Identitätspolitik“ folgen, dann läuft halt was schief.

Ich wage die These, dass die ganzen „Wir reden lieber mit Rechten als mit schwarzen Schwulen und Feministinnen, labern über „Heimat“ und empören uns Monate darüber, dass auch mal ein anderes Gedicht eine Hauswand schmückt als das, was da vorher schon war„-Litaneien ja letztlich darin gründet, dass zu „It’s the economy, stupid“ diese ganzen regressiven Kulturtheoretiker einfach nichts zu sagen haben.

Zum Glück formieren sich auch Gegenbewungen gegen diese alles Linke endgültig in die Bedeutungslosigkeit schwemmende Diskurswelle.

Lesenwert ist hierzu unter anderem ein Interview mit Tom Strohschneider, ehemals Chefredakteur des „Neuen Deutschland“, im „Mosaik-Blog“:

„Hinzu kommt auch hier eine Debatte zwischen zwei Polen, mit einer starken Tendenz zum Schwarz-Weiß-Denken: Hier „Klassenpolitik“, dort „Identitätspolitik“.

Dabei wird oft unterschlagen, dass ein ganz wesentlicher Moment unserer Geschichte – der Geschichte der Arbeiterbewegung – die Synthese von identitäts-, demokratie-, und kulturpolitischen Fragen mit sozialen Fragen war. Diese Einheit in der Differenz war in der Arbeiterbewegung schon mal stärker. Vor 150 Jahren sind wir mit der Forderung nach dem Frauenwahlrecht gestartet. Wer heute für die Rechte von Frauen und Schwulen eintritt, gilt beinahe schon als Neoliberaler. Das ist grotesk und geschichtsvergessen.“

Das Interview ist insgesamt lesenswert; auch deshalb, Mehr von diesem Beitrag lesen

Spiel, Musik und Zeit: FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg 0:0

Mit Fussball ist ja ein wenig wie mit der Musik und letztlich allem: Auch hier geht es schlicht um erlebte Zeit.

Das, was zuschauend oder spielend erlebt wird, findet gewissermaßen IN der Zeit statt, den berühmten 90 Minuten.

Geneigt, vom Raume, dem Platz oder Spielfeld her Fussball zu begreifen, ist dieser ja nur als zeitlich „erschlossen“ zu denken, zu fühlen und zu erfahren.

Es ist schon kurios, wie Denken sich verändert, steht nicht der Raum am Anfang seiner Bewegung, sondern die Zeit, von der ja alle immer viel zu wenig „haben“. Probiert’s mal.

Und nimmt die Wahrnehmende das, was sich bietet und wahlweise genossen oder erlitten wird, zur Musik analog wahr, dann ergeben sich Gedanken wie der folgende:

„Durch die Eigenschaft der „Flüchtigkeit“ ihres vorübergehenden Eintretens in den Zeitfluss und wieder Verschwindens scheint sich Musik signifikant und wesentlich von anderen Künsten sowie von den sonstigen Gegenständen unserer Alltagswelt zu unterscheiden.“

Georg Mohr, Musik als erlebte Zeit, in: philosophia naturalis 47/2012/2

Trifft das nicht ebenso auf den Fussball zu?

Kaum ist die Torchance da, Mehr von diesem Beitrag lesen

Zum „Opfermythos Dresden“: Vortrag im Ballsaal des Millerntorstadions am 31.8. 2017

Der 13. Februar naht. In meiner Twittertimeline wird bereits jetzt, im Vorfeld des Jahrestages, der „Opfermythos Dresden“ reaktiviert; vorgeblich, um das realhistorische Geschehen gegen rechts- und „links“extreme Instrumentalisierung abzuschirmen. Was immer das ist, „linksextrem“. Genannt werden „Antideutsche“ und so gewichtige und immens einflussreiche Gruppen wie die MLPD.

Gemeint sind die erhebliche Teile der Innenstadt zerstörenden Bombardements Dresdens vom 13. bis 15. Februar 1945. Auch im Freundes- und Bekanntenkreis erschien mir dieses Thema immer wieder als „heißen Eisen“.

Vor einem Jahr zeigten bei einem Spiel auf der Südtribüne des Millernstorstadion engagierte Antifaschisten ein Transparent mit umstrittener Formulierung, um dem Dresdener Opfermythos etwas entgegen zu setzen.

Da dieses ein sehr breites und aggressives Echo in allerlei Medien nach sich zog, luden u.a. USP am 31.8. im Ballsaal den Dresdener Historiker Daniel Ristau zu einem Vortrag. Das Ziel: Die tatsächlichen historischen Hintergründe zu erläutern (es gibt von ihm auch eine Homepage, bei der ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich seine ist, deshalb dieser Link).

Ich habe damals eifrig mitgeschrieben, dann aber keinen Blog-Eintrag daraus gemacht, warum auch immer. Vielleicht ist ja ganz passend, das nun vor dem erneuten Jahrestag nachzuholen. In Zeiten von Pegida, Mehr von diesem Beitrag lesen

Vorfreude auf „Les Aveux de la chair“: Das letzte noch unveröffentlichte Werk Michel Foucaults erscheint in Frankreich

Nun ist es da. Zumindest in Frankreich. „Les aveux de la chair„, „Die Geständnisse des Fleisches“ von Michel Foucault.

Der vierte Teil seiner „Geschichte der Sexualität„, zu deutsche „Sexualität und Wahrheit.“ Ich erinnere mich noch gut daran, geradezu gelitten zu haben, als ich damals immer wieder DEN Rabinow/Dreyfus zu Rate zog, um das Werk von Michel Foucault zu erkunden und dabei auf dessen Analyse des frühen Christentums stieß. Dieses ist Sujet in „Les Aveus de la chair„. In den Interviews im Rabinow/Dreyfus formulierte Foucault lediglich Andeutungen.

Erste Einblicke in den Inhalt des posthum nun in Veröffentlichung befindlichen Bandes 4 gibt ein Interview des Deutschlandsfunks mit dem in Frankfurt lehrenden Philosophen Martin Saar. Es ist ziemlich spannend, es sich wirklich ganz anzuhören (einfach Zitat unten anklicken).

Die großen Philosophenkriege der 80er, ziemlich einseitig geführt von Jürgen Habermas und seinem Umfeld gegen die französische Philosophie, werden am Rande erwähnt – und die zentrale Pointe der „Geschichte der Sexualität“ auf den Punkt gebracht:

„Die Sexualität, von der wir ja immer denken, sie sei etwas Natürliches, ist selbst durch und durch konstruiert, was so viel heißt wie gedeutet, gehegt und gemanaged.“

Exakt das ist es ja, was von Beverfoerde bis Kelle bis heute harsche Attacken erfährt: Das so etwas wie „Sexualität“ Mehr von diesem Beitrag lesen

„Das maskuline, starke Ich ist das zentrale Problem, die zentrale Triebkraft einer losgelassenen kapitalistischen Gesellschaftsformation“ (Michael Hirsch)

Zu den interessanten Publikationen der letzten Wochen zählte ein vielfach distribuierter Beitrag auf dem neuen Portal „Republik“ in der Schweiz: „Demokratie unter Irrationalen“ von Constantin Seibt.

Viele werden es schon gelesen haben, so what.

Im Zusammenhang dessen, was ich hier so zu entwickeln mich bemühe, ist der Text von hoher Relevanz. Seibt fasst prägnant zusammen, was mir in numehr 5 Jahrzehnten Alltagskommuniktion wie auch im Netz sowie in beruflichen Zusammenhängen viel häufiger begegnete als die Annahme, es ginge im Falle der Politik um „Argumente“.

Wäre dem so, so wäre Angela Merkel schon lange keine Kanzlerin mehr. Auch Kohl hätte sich nicht so lange gehalten – beides Politikeinnentypen, die nicht unbedingt durch’s Argumentieren und das Bereitstellen von Gründen regieren. Kohl verfügte über einen guten Zugang zum Gefühligen im „kollektiven Unbewussten“. Merkel glänzt durch Moderieren und eine Perfektion des innerparteilichen Machterhalts sowie durch Verzicht auf Eindeutigkeit. Das einzige Mal, dass sie sich wirklich festlegen musste, 2015 im Zuge der Notwendigkeit eines akuten Reagierens in der Geflüchtetenfrage, geriet ihre Macht auch prompt ins Wanken. Selbst im Falle der „Griechenland-Krise“ schickte sie vorsichtshalber Schäuble vor. Kenne ich auch so von Chefs: Wenn es konkret wurde, war ich dran. Sie hielten sich lieber an das Allgemeine und wahrten die Option, im Falle des Scheiterns zu feuern.

Es wird in Ausschüssen und auch Parlamentsreden einen Austausch von Gründen geben. Durchsetzen werden sich dennoch eher die Persönlichkeiten, die gut Symbolpolitik beherrschen, die Kunst des Mauschelns und des Ungefähren. Und solche, die etwas verkörpern, was viele Menschen wahlweise im Habitus eines Elternteils oder als Chef_in kennen. Oder aber was ihnen aus dem Fernsehen vertraut ist (Sebastian Kurz wirkt ja immer wie „der Manager“ aus einer Vorabend-Soap). Auch Schröder ist gescheitert, als er auf einmal eine Programmatik zückte – eine, die die SPD nachhaltig zerstörte, die Agenda 2010.

Das weiß auch jeder, der in den Medien arbeitet. Es setzen sich nicht klügere Konzepte, ausgefeiltere Ideen, immanent besser durchdachte Produkte oder gar Ideen durch. Noch nicht mal wirklich charismatische Menschen vor der Kamera haben eine Chance, die wären ja schon bedrohlich.

Es gewinnt eine Mischung aus Appell an die niederen Instinkte, ein Spiel, abwechselnd mit Ängsten und wohligen Erinnerungen. Eine Simulation Mehr von diesem Beitrag lesen

Wo bleibt das Positive?

Ja, gemeint ist dieses legendäre Gedicht von Erich Kästner:

„Herr Kästner, wo bleibt das Positive?“

„Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt!“

Oder so ähnlich.

Tatsächlich gelingt es ja den Hatern, den Rechten und allen, die ständig mit denen reden wollen, also, zusammenfassend den alles gleich machenden und das Partikulare weg nivellierenden Identitätstheoretikern (nein, ich meine nicht das, was letztlich falsch unter „Identitätspolitik“ zum Wortfetisch der Reaktion mutierte, einfach Link anklicken), dass sie mittels Gaslighting, Gruppenmobben und Geltungssucht ihre narzißtische Zufuhr daraus beziehen können, dass 1 sich auch noch auf sie bezieht. Und so wird das Unheilvolle auch noch distribuiert.

Die herkömmlichen Medien bringen das Vokabular dann in die Öffentlichkeit jenseits der sozialen Medien. Ganz egal, ob sie diese Aussagen wertfrei wiedergeben oder sie verurteilen, sie vervielfältigen durch ihre Berichterstattung die monströse Sprache der Menschenfeinde und tragen damit zur Verschiebung der sprachlichen Normalität bei. Der Philologe Victor Klemperer beschrieb schon in seinem 1947 veröffentlichten linguistischen Buch Lingua Tertii Imperii, wie die durch ständige Wiederholung erzeugte dauerhafte Präsenz sprachlicher Brutalität schon in kleinen Dosen dafür sorgt, dass sich ihre Muster in unseren Köpfen festsetzen.

schreibt dazu Anatol Stefanowitsch in der „Jüdischen Allgemeinen“, und er hat ja recht: All die sich wacker wähnenden Suchenden, Mehr von diesem Beitrag lesen

Empfehlung: Das Onlineseminar „erfolgreich rassismuskritisch Veranstalten“ der Noah Sow-Academy

„Aus dem Wissen über Unterdrückungsmechaniken ist inzwischen eine Industrie geworden. Das wäre gerade noch erträglich, wenn das Wissen darin angewendet würde. Wird es aber in vielen Fällen nicht. Mir sind unzählige Antidiskriminierungsbeauftragte begegnet, die diese Aufgabe ehrenamtlich, zusätzlich zu ihren anderen Berufsaufgaben, „nebenbei“ erledigen sollen, und noch nicht mal Anerkennung und regelmäßige Fortbildungen dafür erhalten. Auf der anderen Seite gibt es „Diversity Management Consultant“-dudes, die Texte, die sie in den USA auswendig gelernt haben, in Konzerne tragen und dort nicht nur „Oohs“ und „Aahs“ sondern auch exorbitante Honorare ernten. Keines der beiden Modelle kommt infrage für die Subjekte intersektionalen Wissens, Schwarze Frauen*Inter*Trans*.“

Schreibt Noah Sow. Sie ist eine gute und langjährige Freundin von mir und auch eine meiner wichtigsten Lehrerinnen und Mentorinnen.

Ich bin ihr unendlich dankbar für das, was ich von ihr lernen durfte.

Was nun aber nicht aus Versehen in Antiwerbung umschlagen sollte: Für das, was ich hier schreibend fortwährend verbreche, kann sie nichts. Das Unheil richte ich höchstselbst an.

Dennoch: Zumindest glaube ich gelernt zu haben, wenigstens für 20 Minuten oder auch länger einfach mal das eigene Denken, Meinen und Wissen hinten anstellen zu können. Die ganzen Irrtümer und den Willen, nun einst geformte Argumente in jede Diskussion einwerfen zu müssen, auch mal auszusetzen und die Ohren aufzusperren.

Und das auch deshalb, weil anders, als z.B. Jürgen Habermas es annimmt, Performatives, de facto aufzuzuzeigende gesellschaftliche Macht- und Dominanzverhältnisse (und da gibt es noch weitere als nur ökonomische) und gendertypisches Sprechverhalten oft das Gegenteil dessen erzeugen, was angeblich Ziel sei: Nämlich die Möglichkeit einer nicht verdinglichenden, nicht instrumentellen Rationalität und ihrer Entfaltung zuzulassen.

Argumente wesen nicht irgendwo im idealen Raum (der selbst bei Habermas „kontrafaktisch antizipiert“ wird). Deshalb sind so viele Diskussionen rund um das Thema auch so irrational , wenn die Gralshüter des Tradierten mal wieder unter Schock stehen, nicht automatisch die Kompetenzprüfung ganz ohne Lernen, Aufwand und Führerschein bestanden zu haben. Die brüllen dann los und kriegen anschließend vermutlich einen Job bei DIE WELT. Da dürfen sie ja gerade mutmaßlich deshalb schreiben, in Ahnungslosigkeit, aber voller Meinungsfreude …

Ich weiß nicht mehr, wie der Comedien hieß, der sich neulich über den „marketplace of ideas“ lustig machte. Aber er amüsierte sich treffsicher.

Noah hat über die Jahre intensivst Aufwand betrieben, eben jenes Wissen zusammen zu tragen, das insbesondere in US-Communities, aber keineswegs nur da entwickelt wurde. Und das, um Situationen herzustellen, in denen über Rassismus überhaupt erst mal diskutiert werden KANN. Um nicht im Irrationalen und nackter Macht zu versuppen.

Sie hat es originell, poitiniert und profund mit ihren eigenen Ansätzen kombiniert und auf Deutschland zugespitzt. So entstanden Konzepte, die, statt in Retro oder absoluter Gegenwart zu verharren, Wege in die Zukunft weisen können. Der allseits anzutreffende Rollback verdankt sich ja dem, dass viele der Ansätze auch schon recht erfolgreich waren. Das ruft halt die Reaktion auf den Plan.

Dieses Wissen stellt Noah Sow nun in einem kompakten Onlineseminar jenen zur Verfügung, die statt Spruch, Mem und Abwehrschlacht tatsächlich die Vertiefung ihres Wissens anstreben. Es ist praxisbezogen, anwendbar, spannend.

„Das ausführliche Qualifizierungsseminar führt mit Videos, Arbeitsblättern, Quiz, Checklisten und Forum Schritt für Schritt durch die einzelnen Themen der Veranstaltungsplanung. Gleichzeitig erklärt es bei jedem Schritt die geschichtlichen und aktuellen Gründe für die Besonderheiten, die es zu beachten gibt.“

Also: Buchen! Bei der Academy Noah Sow.

„Wir sind nicht am Anfang, wir sind mittendrin.“

 

Die Worte in der Überschrift sprach Esther Bejarano gestern abend bei Anne Will. „Mein Vater war optimistisch, dass die Deutschen nicht mitmachen werden. Das war ein großer Fehler““ so ihre rückblickende Diagnose auf Entwicklungen in Deutschland, die schon vor 1933 einsetzten.

Bejanaro überlebte Auschwitz. U.a. war sie Mitglied es „Mädchenorchesters“. Mahnen. Musizieren. Erinnern – sie tritt bis heute auf, u.a. als mit der Kölner Mikrophonmafia. „Ich werde so lange singen, bis es keine Nazis mehr gibt„: Esther Bejaranos Lebensmotto.

Es ist geboten, ihr zuzuhören.

Schon deshalb:

Ist es. Aktuell mehr denn je.

Und so oft ich ja gegen „die Fanszene“ meines FC St. Pauli wetterte und wettere, durch die als deren Teil ich irrlichtere: Dass es möglich ist, gegen das, was Hanning Voigts skizziert, und mit Esther Bejarano symbolisch, recherchierend, schweigend und durch pure Präsenz wehrhaft zu bleiben, das wurde am Wochenende beim FC St. Pauli eindrucksvoll gelebt.

Es begann mit einer Kranzniederlegung am Samstagabend direkt vor dem Stadion im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Mannschaft: Ebenso anwesend wie Geschäftsführung und Präsidium. Sehr viele Fans und Mitglieder verharrten im Gedenken.

Anschließend durften wir einem hochinformativen und zugleich erschütternden Vortrag in den von 1910 e.V. bespielten Räumen des Vereinsmuseums zuhören. Ihn hielt Verena Schneider von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Thema: Der Widerstand von Frauen in Konzentrationslagern. Beeindruckende Klarheit Mehr von diesem Beitrag lesen

Mit Maxim Biller polemisieren – und der Streit um ein Gedicht

Ich finde den Maxim Biller ja immer wieder gut. Anregend auch da, wo er wurmt. Weil er wurmt. Seit damals, als er in der TEMPO seine „100 Zeilen Hass“ verkündete.

So nehme ich ebenfalls dankend entgegen, wenn er mich meint. Ohne mich zu kennen. Auch wenn ich mich damit in gefährliche Nähe zu Ulf Porschardt begebe. Weil der sich auf Twitter auch für den im folgenden zitierten Text begeisterte.

Oje, eine der wirklich erschreckendsten Nähen, die aufzusuchen in diesem Leben möglich und denkbar ist. Ist doch dessen borniertes Geschwätz regelmäßig in abstoßender Bräsigkeit und triefend vor provinziellem Mief derart fern jedes Gedankens situiert, dass eher als Symptom denn als Sinn es zum Glück auch schnell wieder verhallt. Dessen Getexte ist eben Ausdruck eines aufgeblasenen Nichts, das mit dem Nichts im Werke Sartres, wo es um die Negation dessen geht, was ich aus mir zu machen glaubte, so gar nix gemein hat. Mauvaise Foi halt.

Ja, auch solche Phrasen, nunmehr meinerseits, greift der Biller an. Gemeint sind Schreibende:

„… für die angelesene Theorien alles sind und eigene Gedanken nichts – weil man für die ja dann ganz allein verantwortlich wäre als armer, kleiner deutscher Untertan.“

Und zum Glück meint er ja nicht nur mich. Sondern auch jene, die Trumps-Twitter-Sottisen für witzige Polemik halten. Oder auch solche, die sich und Milo Dingensbums vermutlich für Schreiberlinge halten, die treffischer zuspitzten. Wenn sie nicht gerade Racial Profiling in Berliner Parks betreiben. Neoconnards halt.

Aktueller Anlass für einen erneuten Anfall der Maxim-Biller-Verehrung? Dieser Text:

„Und Sie wollen schon gar nicht, dass man die Heuchler und Arschlöcher beim Namen nennt, egal ob sie Jakob „Walser“ Augstein, Sigmar „Nazisohn und Iranfreund“ Gabriel, Frank-Walter „Ich wohne in einer arisierten Dienstvilla“ Steinmeier oder Alexander „Mehr Diktatur wagen!“ Gauland heißen, denn die Darf-man-das-Debatte, die dann ausbrechen würde, würde auch Sie selbst und Ihr Selbstverständnis als historisch und politisch hin- und hergerissener Täter-Enkel wegfegen – denn schließlich sind Sie es, Sie Heuchler, oder diese Alt- und Jung-Siegfrieds ständig fasziniert liest, druckt und interviewt.“

Im Text kriegen kriegen auch Luhmann-, Butler- und Eribon-Leser ein paar Watschen ab. Ja, ich fühle mich gemeint.

Und: Es wird das „Moralisieren“ gegeißelt.

Das Krude an dieser Kritik des vermeintlich „Moralinsauren“ aktuell ist ja,  Mehr von diesem Beitrag lesen