Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Vom „frommen Tanz“ ans Millerntor: FC St. Pauli – Hannover ’96 0:0

Nein. Nein, ich vermisse es nicht. Nicht die Sommer, als ich den mich umgebenden heterosexuellen Anbahnungsreigen am Baggersee nicht ertrug und stattdessen unter mein Hochbett kroch, Klaus Manns „Frommen Tanz“ und James Baldwins „Giovannis Zimmer“ lesend. Träume von Nähe, Träume von Körpern, Träume vom Du. Vermisse auch nicht frühlingshafte Radtouren zum Würmsee, keinen Herbstspaziergang mit Mutter in der Eilenriede (herbstliche Besuche bei B. in Lindwedel oder K. in Gailhof waren aber zum Teil schon ganz schön, K.s Hund hieß Billy und ich war in ihn verknallt), nicht das Streifen und Schlurfen durch Lindens winterliche, existentialistische Tristesse, damals, als wir noch The The, The Cure und The Smiths hörten. Als ich allein unter Heten dem Abitur mich näherte. 

Vermisse nicht, mit den grünen ÜSTRA-U-Bahnen in die City zu fahren, aufbrechend aus der Trabantenstadt, am alten Wasserturm vorbei und das Reihenhaus, die „Neue Heimat“-Siedlung mit ihrem bräunlichen Putz an den Häusern, 3-stöckig, 6 Wohnungen, Straße um Straße ähnlich bis gleich, und die vertrauten Geräusche der Fernbahnlinie im Ohr, das dröhnende Starten und Landen der Flugzeuge ein wenig weiter nördlich ebenso hinter mir lassend. Um zwischen der Betonwüste am Kröpcke und pittoresken Altstadtgassen herum zu irren und auch nicht zu wissen wie, was oder warum überhaupt. Obgleich doch Sartre mich gelehrt hatte, der Mensch erschüfe sich selbst durch Handlung. Aber wie nur? War deprimiert Bauhaus (oder der Streisand „Yentl“) hören „Handlung“?

Ich meine mich zu erinnern, damals, am 1.4. 1987, da herrschte Schneechaos am Bahnhof in Hannover, die Züge fuhren nicht oder Stunden zu spät – vielleicht war das auch ein anderes Mal, der Tag des Aufbruchs zur Zivildienstellensuche?, und ich vermische Etinnerungen; dieses Gefühl von Bangen und Hoffen, vor allem Hoffen, das kann ich als Nachhall noch fühlen, wenn ich das will. An diesem Tag verließ ich Hannover, brach auf in eine bessere Zukunft. In eine neue Stadt. Eine, wo tatsächlich keiner mich und ich keinen kannte. Völliger Neustart.

Ich fand mich zunächst im Schwesternwohnheim am Rande von Harburg wieder, Unterbringung durch den Dienstherren, der Bürgerrechte enthoben und dem Staat vollends unterworfen, bis zum „Zivi-Lehrgang“ in „Rufbereitschaft“, Ausharren mit Blick auf das AKH Harburg und inmitten dieser 16qm in Frustration mich auflösend – letztlich sah es da zwischen Eißendorf und Heimfeld so anders auch nicht aus als in dieser Verlängerung der niedersächsischen Landeshauptstadt, da, wo ich aufgewachsen war. Ich litt einen Monat im Off und zog anschließend in eine WG am Neuen Pferdemarkt: Das Leben ging auf. Es lockte Spaß und Sinn. Und ich wollte nie mehr zurück.

`96, das spielte in den ersten zwanzig Jahren keine Rolle, so unangenehm wirkte der Verein. Allenfalls als Karriereziel für jene, die in Sportvereinen sich aufrieben und 3 mal wöchentlich gegen den Ball traten, die hofften, aus der Vorstadt ins Zentrum zu gelangen – Fans waren die aber auch nicht. Ich kann mich an keinen einzigen `96-Fan auf der ganzen Schule erinnern; und das war ein Schulzentrum mit immerhin 3500 Schülern. Einer aus meiner Klasse fuhr nach Hamburg zu seiner Tante, um zum HSV zu gehen, mein Bruder trug Werder Bremen-Schal, Bayern-Fans gab es schon damals überall, halt die, die immer auf der Siegerseite stehen wollten. Mein Vater fieberte mit dem MSV Dietz, wie Duisburg damals genannt wurde, und wenn ich Pech hatte, begegnete ich in jenem Bahnhof, der an Wochenenden des nachts No-Go-Area für alles Langhaarige, Punkige, für Obdachlose und Nicht-Weiße war, besonders die Passerelle darunter, weil von der Bahnpolizei flankiert Nazi-Skins alles als „anders“ Identifizierte mit Baseballschlägern ins Krankenhaus prügelten, also, dort begegnete ich manchmal, wenn zufällig tagsüber es mich in die City trieb, ’96-Fans: Ein übler und übel riechender, aggressiver Haufen von Kuttenträgern. Fussball-Anti-Werbung. 

Da machte jeder, der ein wenig Würde bewahrt hatte oder aber auf sich aufpassen musste, einen großen Bogen drumherum. Später wurde der Verein, glaube ich, hipper, manch Freund, der sonst nichts zu tun hatte, ging nun zum Amüsement ins Stadion, ohne sich Fan zu nennen – und mein Paten-Neffe auch. Event. Mal was los in der Stadt. Was ja so wenig dort gar nicht ist. Einen Mangel an Konzerten in meiner Jugend kann ich zum Beispiel nicht beklagen.

Spult sich halt alles ab in in mir, wo mein „30 Jahre Hamburg“ naht 😉 … das, was zum Glück hinter mir ich ließ, lief als Film in blassen Farben vor mir ab, als ich auf meinem angestammten Haupttribünensitz Platz nahm und nach links sah, wo mutmaßliche Hanoveraner, vielleicht auch Wunstorfer und Wennigser, hüpften und komische Handchoreos vollführten und zumindest ganz schön laut waren. 

Das Spiel: Verfahren, der Schiedsrichter bekam es nie in den Griff. ’96 folgte der Strategie des permanenten Fouls – kurioserweise sogar immer an der gleichen Stelle. Vor unserer Trainerbank, immer wieder neu und sogar noch nach dem Seitenwechsel blieb das konstant der Bereich, in dem das taktische Foul vollstreckt wurde. Unsere Jungs sahen sich zumeist außerstande, über die Strafraumgrenze des Gegners zu gelangen und liefen dort in sich ähnelnden Situationen sich immer wieder aufs Neue fest. Wie Hannover es in diese Regionen der Tabelle geschafft hatte, blieb mir zumindest ein Rätsel – Union Berlin spielte klar besser. Lienen sah ein intensives Spiel, ich eher eines, das zerhackt, zerstückelt und geschreddert nicht so recht reifen und erblühen wollte. Gegen Ende der ersten Halbzeit bis ca. zur 80. Minute der zweiten Halbzeit, spielten die Boys in Brown dennoch kraftvoll auf; schon zuvor hatte es schöne Kombinationen trotz hannöverscher Haudraufgrätschreinschmeißum-Taktik von unseren Jungs gegeben, die Passsicherheit scheint mir ganz im Gegensatz zur Hinrunde gefestigt zur gelebten Erfahrung statt scheiterndem Versuch mutiert zu sein. Cool! Als Bouhaddouz sich hinter die Spitzen, derer eine er ja nominell ist, fallen ließ, kam Schwung ins Spiel – der erst abebbte, als Hannover so einen charmant Blondierten einsetzte, dessen Einsatz und Können für viel Gefahr und beinahe noch unsere Niederlage sorgte. Ging noch halbwegs, aber eben nur halbwegs gut aus. Nun kann auch nicht jedes Spiel solche Intensitäten liefern wie gegen Karlsruhe oder auch Union, aber frohlockend ging ich nicht aus dem Stadion. Eher mit einem „Da fehlte was“-Gefühl.

Nach Hannover sehnte ich mich beim Anblick der ’96-Fans schon mal gar nicht zurück … obgleich es im „Café Caldo“, Samstags auf dem Flohmarkt am „Hohen Ufer“ oder im „Bad“, fast noch in den Herrenhäuser Gärten, doch hinter dem Schnellweg versteckt ein altes Schwimmbad, zum Club umgerüstet, wo wir im Sommer auf Terrassen sitzend zum Open Air-DJ-Set das leere Schwimmbecken betrachten konnten, auch erfüllte Zeiten gab.

Auch wenn ich auf dem „Bad“-Parkplatz nach einem „Psych-„-Konzert, eine Subkultur, an die sich auch kaum noch wer erinnert, das Auto meiner Mutter, mit dem ich unterwegs war, zertreten und von Springerstiefeln malträtiert des nachts nach dem Disco-Besuch auffand: Komplett hinüber der orangene Golf, die Karosserie zerdellt, verbeult, deformiert. Vermutlich, weil eine Friedenstaube darauf klebte. Ist ja nicht so, dass Attacken auf so genannte „Gutmenschen“ ein neues Phänomen wären … heute können, müssen aber ja nicht, solche der mögliche ideologische Hintergrund von „Scheiß St. Pauli“-Rufen sein. Und manchmal greift ein ganzes Stadion diese Rufe auf und gibt sie amüsiert und lautstark zurück. 

Und ich weiß dann, wo ich jetzt zu Hause bin … 

Pyro sieht super aus: FC St. Pauli – Union Berlin 1:2

Seit Freitag sitze ich da, sinnierend, grübele im Laufen durch die wohlvertraute Stadt, suche Sprache, verkatert im Bette liegend: Wie fassest Du in Worte, oller Momo, was beim Heimspiel so alles sich in Dir bewegte, weil auf dem Platz vor Dir noch viel mehr aber so was von los war?

Endlose Texte seit einem Jahrzehnt beinahe verfasse ich zu „Wer will schon ungebrochene Helden?“, zur Intensität des Dionysischen, zur Magie, ja, bis hin zum Schamanismus trieb das Trommeln des Denkens mich. 

Nun ist Üblichkeit des Wahrnehmens, die Schablonen bisheriger Erfahrungen dem neu Erlebten aufzuprägen. Aber Üblichkeiten sind ja nur manchmal gut. Je nachdem. Und will das denkende Schreiben sich dem entziehen, so hat es immer neu zu reagieren, um das Einzigartige, das Ereignis nicht verbal platt zu trampeln. In den Fällen, da das Ereignis statt findet und nicht nur Struktur, Zitat oder Klischee sich endlos variierend wiederholen.
Das Formatierende erschlägt eben jenes Geschehen, das es abzubilden behauptet. Und was Du aus Strukturen machen kannst, lernst Du u.a. in der Jazz-Improvisation.

Zumindest wird es mir gelingen, wenn ich ja so weiter schreibe, kaum Leser zu finden. Deshalb einfach mal eine Überschrift, die Reaktionen etwas wahrscheinlicher macht. Das „Lieschen Müller“, das Henry Nannen einst als ideale Leserin für den „Stern“ und so erdachte, ist ein Konstrukt der allgemeinen Meinung vieler Medienmacher: Das Publikum will nur das, was es schon kennt. Bloß nix Neues. Das Vertraute sei stets zu gewähren. Alles andere verstöre ja nur. Pyro-Diskussionen sind so ein Fall. Da geht es gar nicht um den Austausch von Argumenten, sondern dass sie allesamt so gewöhnt sind. Wie ein eingelaufenes Paar Schuhe oder der Weg zur Arbeit. Wie Rosenkranzbeten und Wochentage. 

Doch, ein Gedankenexperiment: Du gehst das erste Mal ins Millerntor und siehst ein Spiel wie am Freitag. Die Spannung, die in der Luft knisterte und sich schon beim Einlauf derart eindrucksvoll entlud, also, ganz ehrlich, diese Mischung aus „Oje, Gefahr, es brennt!“ und „Wow, Wahnsinn, was ein Look, und das auch noch über so einem Banner, was ist denn das hier bitte, das ist ja infernal grandios!“ würde doch als gelebter Widerspruch genau die Energie versprühen, die das Spiel auch antrieb. Langweilig war es nun wirklich nicht.

Würde mensch so ein Spiel zum ersten Mal sehen, manches wäre vermutlich leicht verständlich – dass zum Beispiel visuell klar identifizierbare Menschengruppen, die Einen in braun, die Anderen in Weiß, sich um einen Ball kabbeln und versuchen, ihn in je unterschiedliche Richtungen zu bewegen. Ich denken, das würde recht schnell klar. Die homerotische Kompenten ist auch unübersehbar. Würde auch das Bier dazu schmecken, weil das erste Mal es über die Zunge rinnt und im Rachen verschwindet? Ich glaube, mein erstes Bier hat mir nicht geschmeckt. Aber unter solchen Bedingungen könnte das anders gewesen sein.

Was jedoch problemlos selbst für Haupttribünensitzer erfahrbar gewesen wäre: Da kochen die Emotionen. Das erste Mal seit langen, dass die auf ihr Sitzenden in Teilen schon während des Spiels standen, angetrieben vom Geschehen auf dem Platz – genauer nach Heerwagens Glanzparade gegen den einsam auf ihn zustürmenden Unioner. Da riss es sie von den Sitzen, entfesselt, entflammt, entrückt vor Verzücken. Womit nur einmal mehr klar gestellt wäre, wie schwer es ist, ohne Vorannahmen die Einzigartigkeit eines Ereignisses zu beschreiben. Etwas schleicht sich da immer ein. Zunächst Namen für etwas und für jemanden. 

Dabei sind Verben erkenntnistheoretisch wie auch grammatisch viel wichtiger. Gibt ja Sprachen, wo das Subjekt ganz im Verb verschwindet. Und so haben unsere Jungs auch gespielt gegen diesen perfektionierten Mannschaftsmaschinenkörper von Union Berlin, das wohl aktuell stärkste Team der Liga. Aber so kraftstrotzend, wie die auftraten, ästhetisch betrachtet: Wahnsinnig spielstark, aber sexy war das nicht wirklich. Zu gelungen kann ja auch abturnen, wenn die Brüche fehlen und das Individuum (mal ab vom hübschen Torwart) zu verschwinden droht.

Was bei der Mannschaft allerdings hervorragend funktionierte, sah bei den Schlaparaden der Fans nur Scheiße aus. Ja, auch, wenn ich es das erste Mal gesehen hätte, dieses, ich spar mir jetzt die gröberen Vergleiche, ein wenig wie beim Keulen einst in der Sportgymnastik inszenierende Gleichmaß der Armbewegungen beim kreisförmigen Wirbeln eines Schals: Es hätte mir nicht gefallen. Da würde ich mich nicht wohl fühlen in so einem Block. Geht mir aber genau so, wenn ich durch Köpenick laufe. Obwohl ich sogar „Wir sind ooooooho St. Pauli“ dort vor mich hin sang 😀 … zur Kompensation des Aufenthaltsortes. Ganz unabhängig von auswärtsspielbedingten Reisen.

Das zeitweise unberechenbare Wirbeln dieser Typen in den braunen Tirkots hingegen: Die Dramaturgie hätte sich mir sogar ohne jede Fussballkenntnis offenbart. Erst beeindruckt vom Gegner, war ich auch; dann saß ihnen der Trotz, anschließend der Wille im Nacken und sie wurden ganz Verb: Die reine Tätigkeit. Action! Cool. 

Selten eine Niederlage so genossen. Diese fortlaufende Steigerung, bis zum Schluß sogar der Ausgleich möglich war, und das so quirlig immer größere Löcher in das System der Unioner rennend (um den Systembegriff allmählich mal zurück zu erobern): Wow! 

Also, ich bin lange nicht mehr so „drin“ gewesen in so einem Spiel. Diese Momente, wo über das Erlebnis die Subjekt/Objekt-Spaltung sich aufhebt und das Involviertsein ins Fiebern, Fühlen, Feiern derart durchdringend wird, dass ich vor Begeisterung SMSsen an P.A. schreibend schon gar nicht mehr merkte, dass ich gerade eine Treppe herunter ging … wenn die virtuellen Welten plötzlich ähnlich aufsaugen wie die realen, dann geschieht’s: Der Mensch verfehlt eine Stufe, stolpert und stürzt. 

Nun habe ich ein Loch im Knie meiner Lieblingjeans, aber dafür einen grandiosen Abend verlebt. 

Der Riss im Stoff wird mich nun, so lange ich sie trage, an dieses Spiel erinnern, und das freut mich sogar – ein Spiel, für das ich mich bei den Boys in Brown bedanken möchte. Ihr habt die Einzigartigkeit und das Ereignis ans Millerntor zurück geholt. Das tut sehr, sehr gut.

Zum internationalen Frauenkampftag

Nachrausch als Spielbericht: FC St. Pauli – KSC 5:0

 

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Allmählich ebbt der Nachrausch ab. Das Aufwallen der Gefühle beruhigt sich zu Kümmel-Anis-Fenchel-Tee und Jazz-Sounds aus dem Radio.

Die Bilder jedoch, sie flimmern noch und wirken nach – die Jubelnden, die Begeisterten, die Erleichterten, die Entfesselten auf dem Platz und drumherum tanzen auf der inneren Leinwand des Erinnerns weiter und haben Spaß. Was ein Abend! Was ein Fest!

Misstrauisch gen Stadion gelaufen. Bei der Tabellensituation, wird das was?

Puh – bestimmt eher nicht. Zu viel Druck. Zu wichtig, das Spiel. Zu schön die Möglichkeit, oberhalb des Strichs in der Tabelle zu landen und die Anderen Mehr von diesem Beitrag lesen

Über’s Gedeihen und Verderben: FC St. Pauli – Dynamo Dresden 2:0

Was schreiben, wenn schon alles gesagt und trotzdem auch von mir, ja!, so viel gefühlt wurde – Konträres, Aufwühlendes, Begeistertes, im Nachklapp Entsetztes?Ich versuch’s mal …

Gedeihen:

Ja, enorm. Wo ich am Freitag so über Geschäftsstelle und Präsidium meckerte, weil ihr Aufjaulen angesichts des Agitierens des „Heads of Under Armour“, dessen Rost des Denkens unter polierten Oberflächen sich ausweitet, so verhalten nur erklang – das Spiel gegen Dresden offenbarte eine andere Qualität derselben Akteure.

Das Gedeihen und in Ruhe formen lassen statt demonstrativer Hektik, diese Coolness nach außen statt mackerhaftem Aktionismus, dieses Festhalten an Lienen und behutsames Ausgleichen der Defizite des Kaders und des Funktionsteams – wow! Und, siehe da, zumindest in diesem Zwischenhoch funktioniert es und setzt Früchte an. Hut ab! Das ist nämlich wirklich Managementqualität, auf diese Weise ganz in Ruhe zu gestalten.

Den Raum des Spielfelds bespielen und sich zu eigen machen, so, wie die Mannschaft das tat, der Spirit, das Nachsetzen, das Wollen, ja, auch das Befolgen des Appells, nun nicht auf Teufel komm raus bis zum Konter, der rein geht, Rauschhaftigkeit zu zelebrieren, sondern nach der Einwechslung von (leider) Sören Gonther doch lieber nicht zu sehr zu öffnen und Dresden abprallen zu lassen: Mir gefiel’s. Im Gegensatz zu Anderen sah ich keinen stehenden KO zwischendurch, sondern pure Konzentration.

Kann mich ja irren.

Zumindest ist dieses bleierne Gefühl Mehr von diesem Beitrag lesen

Facebook-Splitter: Kevin Plank, der Neoliberalismus und Fragen nach Möglichkeiten linker Politik

(Der folgende Text ist mir bei Facebook soeben eher passiert. Er greift am Anfang und Ende die „Under Armour“-Frage auf und liefert neue Zitate. Er geht aber ansonsten teilweise über das hinaus, was im Rahmen eines Vereinskosmos oder gar offiziellen Stellungnahmen des FC St. Pauli noch diskutiert oder Leitlinie sein könnte. Das würde selbst ich nicht vom Präsidium erwarten.)

Nicht, dass GQ nun meine bevorzugte Quelle wäre, das ist aber definitiv interessant. In einem neueren Statement suggeriert wahlweise Kevin Plank oder die Under Armour-Unternehmenskommunikation, so klar ist mir das ja nicht, Haltung und spricht sich vorsichtshalber aufgrund des schweren Imageschadens gegen den Trumpschen „Travel Ban“ aus:

Er verknüpft diese Frage aber wiederum mit der nach der Re-Nationalisierung industrieller Produktion.
Mir ist ein Rätsel, wie es sein kann, dass eine immer homophober werdende „Linke“ bis hin zur hochverdienten Nancy Fraser (den Text habe ich im St. Pauli-Forum gefunden, danke an Astranaut) nun plötzlich die Menschen im „Rust Belt“ wieder entdeckt, ohne Fragen des Wandels der Realwirtschaft in ehemaligen Industrienationen mitzudiskutieren.
Knackpunkt ist doch die Deindustrialisierung , auf Europa bezogen die Verlagerung der Produktion zunächst in ehemals real-sozialistische Staaten weiter östlich, dann gen Asien. Was in China zum Boom führte.
Deshalb können die ganzen klasssischen, linken „Arbeiterbewegungsfragen“ auch gar nicht so diskutiert, als müsse man nur wieder wie die 68er in die Fabriken gehen, um dort zu agitieren. Und die politisch Aktiven wollte da schon damals keiner haben.
Es gibt dazu weit und breit keine mir bekannte, linke Antwort. Die versucht Trump nun aber tatsächlich gerade zu geben durch die Renationalisierung der industriellen Produktion, und exakt da dockt nun, Profit riechend, Kevin Plank an. Das ist auch wirklich die große Gefahr dieser Bewegung, nicht zufällig zieht Oscar Lafontaine ja schon nach.
Ein weiterer, damit korrespondierender Mythos: „Individualisierung“ sei als zentrales Motiv „des Neoliberalismus“ gewesen. Sehr wohl liegt dessen Stärke und Erfolg in der Vereinzelung und Entsolidarisierung – diese freilich hatte er nie exklusiv für sich allein reklamieren können.
Das haben die Kumpels beim Streik bei Ford in Köln 1973 den so genannten „Gastarbeitern“ schon sehr und nachhaltig deutlich gemacht, dass diese keine Solidarität zu erwarten haben. In post-migrantsichen Communities und deren Erzählungen taucht dieser Streik nicht zufällig immer wieder an zentraler Stelle auf, während er unter „weißdeutsch“  Gelesenen in der Regel keine Rolle in der Geschichtsschreibung spielt.
Die Klassenfrage ohne die nach Rassismus zu stellen führt eben da hin: Zur Entsolidarisierung von den Marginalsierten. DAS ist zentral für neoliberales Agieren und dessen Folgen. Und die französische KP hatte da in den 60er Jahren auch keine Antwort parat. Eben darüber schreibt Didier Eribon ja auch. Sie hat das lediglich kaschiert.
Strukturell analog wird ja in den USA rund um „White Feminism“ diskutiert: Dieser stelle eine Entsolidarisierung dar, weil er Intersektionalität, also ein Verbinden z.B. von Fragen  zu „Race“ und „Gender“ in der Theoriebildung und politischen Praxis, nicht berücksichtige. In Deutschland führt das zu aktuellen Positionen von Alice Schwarzer.
Die „Spalter“ sind nicht jene, die darauf hinweisen, dass Blackness und Whiteness als nicht etwa „humane Essenzen“, sondern in zwischenmenschlichen Beziehung wie auch gesellschaftlichen Hierarchiebildungen wirksame und in der Sozialisation erlernte, soziale Tatsachen zu begreifen sind. Nix da „Essenzialismus“. Dessen Behauptung ist irrationale Lektüreverweigerung, um sich Argumentationen zu entziehen, wir dhlat mit Begriffsfetischen agitiert, um wissenschaftlichen Fortschritt zu verhindern.
Es ist ja richtig, die Frage nach Klassen wieder in den Mittelpunkt zu rücken – dieses gelingt aber bestimmt nicht, wenn kollektive Erfahrungen Nicht-Weißer wegzensiert und nieder gebrüllt werden wie die von Frauen sowieso auch immer schon. Dieses ganze Geschwätz, queere, PoC- und feministische Perspektiven würden nur das „Partikulare“, nicht verallgemeinerungsfähige proklamieren, während WHM seit der Aufklärung für das Allgemeine stünden und gefochten hätten, in dessen Namen sie  kolonisierten, psychiatrisierten und Frauen entrechteten, weil sie immer schon alles besser wussten, ist mindestens ebenso irreführend, wie nun jeden gesellschaftlichen Fortschritt als „progressiven Neoliberalismus“ zu geißeln. Sorry, Nancy Fraser.
Weil ein solcher Utilitarismus eben auch der Begründungsmodus des Kapitalismus wie auch des neoliberalen Begründungsprogramms ist: Fütter ich die Reichen, fällt für die Armen schon was ab, und, da trifft es sich dann, in der Summe, also im Sinne des Allgemeinen, geht es allen besser, und wenn es einigen schlechter geht, ist das eine Art Kollateralschaden.
Das ist exakt das Gegenteil der Indidviualrechtsbegründung in der Kantischen Tradition, ja, auch Kant ein Rassist, wo, wie und warum, ist allerdings aufzuzeigen und liefert keinen Grund gegen Individualrechte – dennoch ist an diesem Punkt der linke, politische Zweig des Liberalismus immer schon weiter gewesen als all die Stalinismen, Leninismen und Zizekismen.
Die These von der „Individualisierung“ als Zentrum ist deshalb falsch, weil der Kern der neoliberalen Agitation immer in der Staat-Wirtschafts-Relation verortet war und nicht in irgendwelchen Lifestyle-Programmen.
Das Geschwätz vom „Individualismus“ – „Ich kenne nur Individuen, keine Gesellschaft“ (M. Thatcher) – diente eher der Propaganda, um der totalisierten „unternehmerischen Freiheit“, der „negativen Freiheit“, also der Freiheit von Hindernissen, die Bahn frei zu schießen. Einer Freiheit von staatlichen Restriktionen also. Wozu auch alles Sozialstaatliche gezählt wurde: Das führte dann in den USA zum Krieg gegen schwarze Frauen, die vermeintlichen „Welfare-Queens“, hierzulande zu Hartz IV.Und heute gegen „Obamacare“.
Ähnliche Vorstellungen „negativer Freiheit“ (Isaac Berlin) führen auch zur Kritik an einem PC-Popanz, wo auch nur die von rechts vorbereitete Agitation auf einmal auf links eingelöst wird und unzulässige Restriktionen, Zensur usw. gegeißelt werden. Vorstellungen, die sich nicht nur im Falle des „Gamer Gate“ in Form eines radikalen Antifeminismus äußern, eines, der sich fortwährend von Mami unterdrückt wähnt, da ist eher magelnde Individuierung im Spiel,  um in aller Ruhe und ungestört „Grab them by the Pussy“ rufen zu können und wie schon beim Gerede vom „Nanny State“ männliche Autonomie recht infantil zu deuten.
Dahinter steht ein ziemlich mackerhafter Macher-Mythos, an dem auch die Ideologie der „unternehmerischen Freiheit“ sich nährt, und exakt den versucht doch Trump gerade in Regierungspolitik umzusetzen.
Da schließt sich nun doch wieder der Kreis zu Kevin Plank:

 

Die Stellungnahme des FC St. Pauli zur Trump-„Under Armour“-Connection

Nun ist es da, das Statement des FC St. Pauli zur politischen Praxis des „Under Armour“-CEOs Kevin Plank.

Presseverlautbarungen zufolge gehörte Plank zu den ersten Wirtschaftsvertretern, die Trump unmittelbar nach seiner Amtseinführung zu sich lud. Plank bezeichnete Trump unter anderem als „Asset“ und äußerte sich positiv über dessen nationalistische Politik -also z.B. die Rückverlagerung der Produktion von Industriegütern in die USA mitsamt eines flankierenden Protektionismus. Das referiere ich hier aus der Erinnerung.

Der Punkt ist deshalb so heikel, weil er aufzeigt, wie anknüpfungsfähig vieles von dem, was Trump treibt und proklamiert, auch bei manchen Irgendwielinken ist. Ist die Kritik an Produktionsbedingungen in China oder Wünsche nach mehr Protektionismus, um Freihandel und Globalisierungsfolgen einzudämmen, doch auch bestimmten Gruppierungen links nicht fremd, und das nicht erst seit gestern.

Das kompliziert zwar die Sachlage erheblich und kostet Leser, die auf Meme und Slogans fliegen und glauben, Politik sei das, was auf Aufklebern steht. So what.

Komplizierter, meines Erachtens verwirrend äußerte sich nun die Geschäftsstelle des FC St. Pauli ganz offiziell, den Präsidenten Mehr von diesem Beitrag lesen

Metalust bei Instagram

Amüsiere mich jetzt auch bei Instagram und spiele dort ein wenig herum – für die, die’s interessiert:
Klick

Facebook-Splitter zu Trump, Hate Speech und Co

Habe mir leider angewöhnt, das, ich was alltäglich so raus rotze, fast nur noch bei Facebook zu posten. Damit hier auch mal wieder was passiert, ziehe ich das jetzt als „Facebook-Splitter“ hier mal mit rüber.

US-KONSERVATIVE ZU TRUMP LESEN: BRIAN ENO SAGT, WOHIN DAS FÜHRT

„The Guardian published an interview with Brian Eno the other day, in which he offered some political reflections. On Brexit and Trump, the legendary musician and composer said: “I thought that all those Ukip people and those National Front people were in a little bubble. Then I thought: ‘Fuck, it was us, we were in the bubble, we didn’t notice it.’ There was a revolution brewing and we didn’t spot it because we didn’t make it. We expected we were going to be the revolution.”“

Sag ich doch, und meine Mutmaßung, und nicht nur meine, ist das ja eh schon: Das Republikaner-Establishment Mehr von diesem Beitrag lesen

Frohes Neues! Und eine Frage aus den USA wie auch eine Leseempfehlung

Vor lauter Hypnose durch Trumps Inszenierung weißer, männlich-hegemonialer Brutalität sollte vielleicht nicht vergessen werden, dass „wir“ zwar keine Mauer nach Mexico bauen, aber das Mittelmeer und Frontex gibt’s ja auch schon.

Dass der Kampf gegen „Illegale“ und „Migranten aus islamischen Ländern“ hier ganz genau so tobt, auch hier Länderlisten, im Neusprech als „sichere Herkunftsländer“ gelabelt, existieren wie jene, die Trump nun im Zuge des „Muslim-Bans“ veröffentlicht hat. Dass ein institutionalisierter Rassismus hier auch die staatliche Macht durchwirkt.

Und wenn ich mir anschaue, was die „Sanctuary Cities“ gerade an Power gegen Trump aufbringen, insbesondere in Kaliornien, dann ist Olaf Scholz viel näher an Trump als diese.

Der setzt doch dessen Programme täglich durch, meines Erachtens.

Was derzeit ja täglich an der Hafentreppe beobachtet werden kann.

Die versprochene Frage aus den USA und auch der Text von Alicia Garzia, der einfach mal gelesen werden sollte, anstatt alles vorher eh immer schon besser zu wissen:

„More than a moral question, it is a practical one. Can we build a movement of millions with the people who may not grasp our black, queer, feminist, intersectional, anti-capitalist, anti-imperialist ideology but know that we deserve a better life and who are willing to fight for it and win?“

Kann ich nicht beantworten können, will ich nicht werten wollen. Es ist tatsächlich möglich und geboten, so etwas unterstützend zu rezipieren, ohne nun gleich selbst schlaumeiernd vorzupreschen.

Und die Antwort kann zudem NICHT nur von Marginalisierten gegeben werden.

Sondern viel mehr noch von der „Gegenseite“, die „Hetzfeminismus“ geißelt bzw. Texte dazu total super findet, sich in „Religionskritik“ ergeht, anstatt mal wieder über Ökonomie zu reden, wie sie selbst es ja stetst fordert, aber nie tut. Die Minderheitenrechte für „Partikularinteressen“ hält (ja, auch auf links) und ganze Theoriestränge, in den USA virtuos erarbeitet, unter „psychische Probleme“ und „wertlos“ verbucht.