Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

“Solche Mäkelfritzen mögen die Heteros nicht” – Sonntagsspaziergang durch wichtige Texte zu Fragen rund um Antidiskriminierung und indirekt Empowerment

Ich verspüre den Drang, sämtliche Blogeinträge im Blog “Der Zaunfink” zu empfehlen, sozusagen als Sonntagspredigt – auch und eindringlich den Text “Draußen nur Heten“.

Eine andere satirische Perle des Bloggens habe ich neulich schon mal verlinkt und sie zitierend in meine Radiosendung eingebaut, um zur vollständigen Lektüre zu animieren.

Der folgende Essays passt einfach zu gut zur letzten Kontroverse, die ich mal wieder weitestgehend mit dem Kleinen Tod und mir selbst austrug, andere Heten finden ja die Antilopengang viel spannender – der Zaunfink skizziert den “Heteroflüsterer” .

“Den Kampf um Gleichstellung und mehr Akzeptanz findet er unnötig. Diskriminierungen leugnet oder verharmlost er, egal, wo sie auftreten. Kritik an Diskriminierung, das ist etwas für die “Krawallschwuchteln”, die sich “in der Opferrolle gefallen und überall Benachteiligungen wittern”. Solche Mäkelfritzen mögen die Heteros nicht, glaubt er, und er will doch so gerne gemocht werden. “Man muss sich auch mal zufrieden geben”, findet er, “Immerhin werden wir nicht mehr eingesperrt, und anderswo werden Schwule an Baukränen aufgehängt.” Da ist eine erhöhte Suizidrate unter Jugendlichen doch verschmerzbar.”

Das Portrait jener also, die devot sich Parameter wie die Behauptung, Mehr von diesem Beitrag lesen

„Brüder, zum Hasen, zur Knarre!“ – Filmkritik zu „Xenia“ von Panos H. Koutras

(wird parallel auch bei QUEERmdb erscheinen, vermutlich gekürzt) 

 

Spielfilm, Dramödie, gay, metro

Produktionsland / Jahr: Griechenland, Frankreich, Belgien 2014

mit Kostas Nikouli, Nikos Gelia, Yannis Stankoglou, Marissa Triandafyllidou, Aggelos Papadimitriou

Drehbuch: Panos H. Koutras, Panagiotis Evangelidis; Kamera: Hélène Louvart, Simos Sarketzis; Schnitt: Yorgos Lamprinos; Musik: Delaney Blue; Produzenten: Eleni Kossyfidou, Panos H. Koutras, Alexandra Boussiou

Label/Studio: PRO-FUN MEDIA

Es beginnt mit einem Blowjob – zauberhafter Jüngling und reifer, hmm, Freier? Bekannter oder Freund, der mit Geld aushilft und Gegenleistungen erhält?

Ob die Anspielung auf „My own private Idaho“ bewusst gewählt ist, in dem eine analoge Szene River Phoenix in seiner Rolle als Stricher Mike Waters etabliert oder nicht, egal: Auch andere Kritiken schreiben von „the quirkiest queer road trip since My Own Private Idaho“.

Der Auftakt jedoch verdeutlicht bereits die Differenz zum Film aus den frühen 90ern: Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, FSK, Mo., 13.4. 2015, 14-16 h

Trotz chronischer, aber hochinspirierender Überarbeitung im Job-Leben (mal ‘nen Abend in einer Frankfurter Hotelbar als einziger Gast das Treiben in der Taunusstraße, Bahnhofsviertel im Schatten der Türme, zu beobachten, verabreicht nachhaltige Dosen Existentialismus auch ganz ohne Drogen, na okay, Bier und Zigaretten waren schon im Spiel) soll das Ehrenamtliche ja nicht liegen bleiben.

Hat ja schon Konstantin Wecker gesungen, “Doch bleib nicht liegen, denn sonst gräbt sich etwas fest in Deinem Hirn, das Dir irgendwann die Luft zum Atmen nimmt …”.

Und ja, ich bedaure aufrichtig alle, die die frühen 80er nicht erlebten :D … jene vor Kohl, meine ich. Als Thatcher allerdings schon Großbritannien verwüstete, was sogar einen Bezug zur Refugees-Politik des Senates ermöglicht: Neoliberalismus heißt halt auch Vereinzelung und “Individualisierung” durch administrative und ökonomische Systeme. Soll heißen: “Einzelfallprüfung” im Falle kollektiver Probleme.

Das, was nun die ja nicht erst seit Kurzem meines Erachtens unwählbaren GRÜNEN mittragen in Unterwerfung unter schillzsche und neumannsche Doktrinen im Zuge der Koalitionsverhandlungen bezogen nicht nur auf die Lampedusa-Gruppe IST unerträglich.

Diese in meinen Augen demokratiefeindlichen Bestrebungen (man beachte die Wahlbeteiligung; und ja, es ist auch ein Skandal aus Perspektive des Artikels 1 des Grundgesetzes, dass z.B. die Mitglieder der Lampedusa-Gruppe über kein Wahlrecht verfügen) Herrschaftssicherung auf Kosten großer Bevölkerungsgruppen (ja, Refugees SIND Teil der Bevölkerung, sobald sie den Geltungsbereich des Grundgesetzes betreten) schützen auch nicht vor den noch Rechteren, wie das manche in der SPD vielleicht glauben mögen – denen sind bessere Alternativen zu völkischem Treiben entgegen zu setzen und kein Entgegenkommen. Das stärkt sie nur auf Kosten Dritter.

Konnte ich alles nicht mehr in die Radiosendung einbauen. Montag beim FSK, einfach Stream oben rechts anklicken.

Diese akustische Spiel- und Plauderwiese atmet jetzt abgekoppelt von “die Fanszene” neue Frische, hoffe ich.

Das, was ich da so erzähle bei dem stets scheiternden Versuch, anderes zu Gehör zu bringen als Weißdeutschheteroselbstreferenz, interessiert in dieser Szene vermutlich viel mehr Leute, als mir das klar ist.

Es wird aber trotz sehr denk- und kommunikationsoffenem Präsidenten samt Geschäftsstelle, mutmaßlich auch Spielern und vielen Schweigenden, Lauschenden und Bloggenden (mensch beachte auch die Kommentare unter dem Link!) im Stadion und drumherum eben doch von zu viel zentralen Institutionen weg gedrückt, stumm gestellt und ja auch offen bekämpft. Um auch ja die eigene Selbstgefälligkeit und Binnenperspektive als dominante auf allen Ebenen der “Fankultur” aggressiv abzusichern.

Und so konnte ich nach Preisgeben der Hoffnung, dass sich in “die Fanszene” noch mal was ändern könnte, auch viel lockerer plaudern. Plätscherte nur so aus mir heraus – ganz anders, als wenn ich noch irgendwelche Jolly Roger-Facebook-Wegmobber und Analoge als Referenz, und sei es auch in kritischer Perspektive, im Kopf kleben hätte.

Die Sendung nimmt ihren Ausgangspunkt bei den Ergebnissen der Befragungen in der Planbude, also den Diskussionen, in denen sich Menschen Gedanken über die mögliche Zukunft des Terrains der ehemaligen ESSO-Häuser machen. St. Pauli wird eher als eine Art utopische Diversity-Metapher denn als tatsächlicher Ort begriffen. Und so beginnt eine eine Reise durch die Kontemplation und marginalisierte Perspektiven und Historien.

Hier wie immer die Tracklist:

Donna Summer – On the Radio
B.Slade – The Beautiful Place
Dalida – Bang Bang
Nitin Sawhney – Timetrap
Nneka – Restless
Imany – Shape Of A Broken Heart
Bettina Wegner – Waffenlos
Joan Baez – Diamonds And Rust
Asaf Avidan – Over My Head
Asaf Avidan – My Tunnels Are Long And Dark These Days
Billie Eve – Real Love
Charles Bradley – The World Is Join’ Up In Flames
Abbey Lincoln – Left Alone
Johnny McGovern – Soccer Practice
Jonny – The Gay Canon
Hidden Cameras – Skin & Leather
Alone Together – Logan Lynn
Frankie Knuckles – Baby Wants To Ride
49ers & Masters At Work – The Message (Vocal Dub)
Jeremy Gloff – Outsiders
Literatur:
Kureishi, Hanif, Der Buddha aus der Vorstadt, München 1990
Seel, Martin, Adornos kontemplative Ethik, in ders.: Adornos Philosophie der Kontemplation, Frankfurt/M. 2004
Links:

Kunst und Perspektivenübernahme

Oft gehört und selten wirklich vollends richtig gefunden: “Die Moderne” sei bestimmt durch eine Ausdifferenzierung von Rationalitäten, verschiedenen Modi der Vernunft. Zumeist gründet die Rekonstruktion der verschiedenen Modi in den 3 Kritiken Kants: Reine Vernunft als die theoretische, verallgemeinernde, die Erfahrung systematisiert und so zum Beispiel Naturgesetze konstatiert – bei Kant sind freilich Annahmen von Kausalität Verstand und Vernunft immanent. Praktische Philosophie hingegen tritt bei ihm als Moralphilosophie auf: Verallgemeinerungsfähige Handlungsgründe, welche Regeln zu begründen vermögen, die den Mensch als Zweck an sich selbst, nicht als Mittel zu irgendetwas begreifen.

Dann stellt Kant fest, dass da noch etwas fehlt: Wie hängen verallgemeinerungsfähige Regeln und das Besondere zusammen? Was also ist es, das fest stellt, dass etwas Gegebenes unter einer Regel subsummierbar ist? Er nannte dieses Vermögen Urteilskraft.

Binnendifferenzierungen ignorierend entstand so die dritte Kritik, jene der Urteilskraft. Deren Fehlen bezeichnete Kant schlicht als Dummheit. Da ist deshalb ganz interessant, weil diese weder an das Fehlen von Wissen noch Bildung gekoppelt bestimmt wird – ein Sich-nicht-Einlassen-Können auf das Besondere, unkantisch gesprochen, gilt ihm als dumm.

In der “Kritik der Urteilskraft” analysiert er das Phänomen anhand des “Geschmacksurteils” im Sinne des “interesselosen Wohlgefallens” wie auch der das Erhabenen – Naturgewalten zum Beispiel, die jegliche Vorstellungskraft sprengen und von Verstand und Vernunft nicht mehr in den Begriff geholt werden können. Überwältigung.

Für die Geschichte der Ästhetik und bezogen auf die Entwicklung der tatsächlichen Kunst von Relevanz war ein Abkoppeln insbesondere von christlichen Doktrinen. Helden mussten nicht mehr gut und sittsam sein Mehr von diesem Beitrag lesen

“… wie rührend es schon sein kann, dass man offen homosexuell lebenden Menschen nicht wenigstens die Fresse poliert”

“Nein, ich verstehe nicht, wie jemand mit IQ jenseits der 140 (und entsprechendem EQ) ernsthaft vom Mainstream erwartet, dass er in die von Dir geforderte Tiefe geht. Dort spielt sich das Leben halt nicht ab. (In meinem Job erfahre ich), wie rührend es schon sein kann, dass man offen homosexuell lebenden Menschen nicht wenigstens die Fresse poliert.”

Jetzt muss ich es mir doch noch raus schreiben. Wenn ich Selbstmythisierungen wie diese hier von selbstzufriedenen Vorort-Familienvätern in die Twitter-Timeline gespült bekomme, kocht die Wut halt doch wieder hoch und hindert mich tatsächlich am Arbeiten. Weil es mir fortwährend im Kopf herum schwirrt. Da quatschen dann selbstbeweihräuchernd Leute daher, die auf Konzepte für eine FC St. Pauli-Antidiskriminierungsstiftung nicht mal eine Antwort parat haben. Nicht nicht mal entgegnen, dass angesichts von Abstiegskampf und damit zusammen hängenden ökonomischen und strukturellen Zwängen aktuell der Zeitpunkt so ganz und gar nicht passt. Oder wenigstens “Wir sind doch so vollends aufgeklärt, wir brauchen so was nicht”. AFM-Vetretern ist so was schlicht gar keine Reaktion wert.

Im verlinkten Filmchen quasseln stattdessen wieder jene, die vor jedes Mikrophon hasten, um jedes marginalsierte Feld zu okkupieren. Andere ebenso, die dazu beitrugen, international anerkannte PoC-Antirassismusexpertinnen aus dem Stadion zu ekeln. Dritte, die nicht Besseres zu tun haben, als in die antischwule Klischee-Kiste zu greifen und mit Begriffen wie “Diva” um sich zu schmeißen, die sie so Heten nicht vorbehalten würden, und anschließend jede Kommunikation zum Thema zu verweigern. Und nein, bei Stefan Schatz oder Oke Göttlich sehe ich diese Probleme nicht.

Die Geschäftsstelle ist da eh erheblich weiter als “die Fanszene”, by the way. Aber auch in letzterer gibt es ja viele, die statt Musealisierung voran kommen wollen. Im Video sieht man auch, wer sie daran hindert. Ich habe dann abgeschaltet. Das sind eher die, die hinter den Kulissen werkeln oder desorganisiert Twitter-Trauben bilden, die keine Lust auf Stagnation haben, nicht die Organisierten. Letztere beißen lieber weg. Vielleicht ändert sich sogar auch was und ich bekomme es nicht mit. Habe jetzt bei Facebook alles weg geklickt, was mit der Fanszene zu tun hat.

Es ist auch nicht das erste “Pass mal auf, dass Du nicht ein paar auf die Schnauze bekommst”, dieses dem Text voran gestellte Zitat, was mir im Umfeld des FC St. Pauli begegnet. Ist auch scheißegal, wer das geschrieben hat. Werde ich auch für mich behalten, war ein Facebook-Kommentar. Natürlich Mehr von diesem Beitrag lesen

ONE DEEP BREATH by Anthony Hickling – Filmkritik

Da ich jetzt hin und wieder Texte für queermdb verfassen werde, wenn ich dazu komme, seien sie auch in diesem Blog veröffentlicht! Das impliziert freilich auch eine Empfehlung! Solche Projekte sind ja wichtig, Aufbereitung queeren Wissens und dessen Archivierung kämpft eben auch gegen heterosexistische, monokulturelle Geschichtsschreibung an. Gerade in Fragen des Antirassismus wie auch der Intersektionalität gibt es da noch viel zu lernen wie überall anders und in diesem Blog eben auch. Aber es hindert ja niemand wenauchimmer daran, dort mitzuwirken.

Ach ja: Gerade auch den St. Paulianern sei es empfohlen, dass sie statt Wiebusch und Antilopengang sich vielleicht auch mal mit den “Originalen” beschäftigen ;) … 

Ein Fluss. Eine Schleuse. Eine U-Bahn.

Frau sitzt unter der Brücke.

So beginnt der Film.

Bilder in klassischer Zentralperspektivkomposition.

Ein keineswegs idealisierter Männerkörper liegt nackt auf einem Bett. Ein Dialog. Eine gescheiterte Beziehung ist Thema. Der Körper räkelt sich in die Fötus-Pose hinein. Tiefsinnige Monologe zum Beziehungsleben aus dem Off, gesprochen auf flackernde Artefakte. Ein geschminkter Mund in Großaufnahme, leider nicht so lustig und süffisant wie in der “Rocky Horror Picture Show”.

Bedeutungsschwanger und schwerfällig gräbt sich der Film seinen Weg mit aneinander gehängten Postkartenbildern, nervt durch aufdringlich ästhetisierte Komposition. Stilisiert, aber öde.

Die Bildgeometrie bleibt der Fotografie verhaftet und öffnet sich gar nicht erst dem Potenzial des Filmischen. Ist das mit einer EOS gedreht? Die wird mit Vorliebe Mehr von diesem Beitrag lesen

“Zurück zum Tatort Stadion”: Die da unter sich!

Oje, oje … habe gerade “Zurück zum Tatort Station” quer gelesen, und bin neben Spuren des Besseren und bestimmt für manche Leser auch neuen Einsichten ein wenig erschüttert.

Kein durchgängiger Verzicht auf gewaltfreie Sprache, braucht mensch nur ins Inhaltsverzeichnis gucken – N-Wort, Z-Wort. Und nein, es geht nicht um “Sprachsäuberung”, sondern um Handlungen mit Effekten stärker, weil kontinuierlicher wie von jenen des Mobbings: Eben eine Form von Gewalt. Eine performative Platzzuweisung mit Drohpotenzial, eine soziale Praxis des symbolischen Ins-Gesicht-Spuckens – mindestens.

Zwar gibt es mittlerweile wieder ganze Texte auf stark frequentierten und oft verlinkten Blogs, die vor lauter N-Wort unleserlich werden, um final das Einfordern des Rechts auf Verwendung desselben vehement anzugreifen. Das sind dann eben jene in sich widersprüchlichen Botschaften, da die weiße Definitionsmacht kritisiert, zugleich jedoch abgesichert wird: Indem zum Beispiel nur die eigenen Texte weißer Autoren verlinkt und als Quelle genannt werden. Glatte Kommunikationsverweigerung.

Das passt zwar nicht ganz, aber ein wenig doch zu der Attitude von “Zurück zum Tatort Stadion”: Z.B. tauchen da Nicht-Weiße, soweit ich es überblicke, allenfalls als Interviewpartner auf. Dazu später mehr. Bei der Zusammenstellung ist noch ziemlich klar, wer steuert und wer blickt und wer fragt, sich somit sich aus dem Blick rückt noch da, wo “Whiteness” kritisiert wird. Ich zähle 4 Frauen Mehr von diesem Beitrag lesen

“”No more Heroes!” (The Stranglers”) Happy Ends sind doch was für … hmmm … Union Berlin – FC St. Pauli 1:0

Die Angst und das Urteil oder Tränen lügen nicht: FC St. Pauli – FSV Frankfurt 1:1

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Über Angst zu philosophieren hat eine ebenso lange Tradition wie sie zu haben.

Manche unterscheiden zwischen Furcht und und Angst: Erstere sei konkret, letztere diffus. Erstere befürchte ETWAS, letztere habe den Menschen/der Mensch.

Religionen wurden vermutlich gar nicht erfunden und kanonisiert, weil die, die sie durchsetzten, gemeint sind nicht die, die ihr freiwillig bekehrt folgten, an irgendetwas oder irgendwen glaubten – sondern weil Vermutungen über Vorgänge nach dem, wovor viele am meisten sich ängstigen, dem Tod, herbei spekuliert wurden. Die schrecklich oder traumhaft sein könnten. Und weil dann Behauptungen manipulativ direkt an den Lüsten und Begierden angesiedelt Personen eingepeitscht wurden, dass ihre Art zu leben Konsequenzen in der Ewigkeit nach sich zöge, wuchs die Macht. Ich glaube übrigens, dass Religion und Glaube nicht das gleiche sind und sogar das Gegenteil voneinander werden können. Und ich will auch nicht gegen wohl motivierte Erlösungshoffnungen polemisieren. Es geht mir um politische Macht. Und die Hölle hat meines Wissens erst das Christentum erfunden. Okay, griechische Mythen waren auch nicht ohne,

Säkular sind Hartz IV oder das Straf- und Asylrecht Methoden, mit Angst per Abschreckung zu regieren – auch Eltern können das können, den Aktionsradius naturgemäß neugieriger Kinder durch Visionen furchtbarer Konsequenzen einschnüren.

Angst motiviert zur Vermeidung und kann, in Panik gekippt, für Individuen grausame Verhaltensmuster nach sich ziehen oder auch körperlich massive Reaktionen erzeugen.

Manche behaupten auch, Angst sei doch nützlich – sie schütze vor dem unbedachten Eingehen gefährlicher Situationen.

Jean-Paul Sartre sah den Menschen Angst SEIN: Vor allem die vor der eigenen Freiheit und Verantwortung.

Bestimmte Personengruppen werden, da sie stets latenter Bedrohung ausgesetzt sind, durch Angst geformt und sozialisiert: Frauen, LGBTIQ und PoC. Auch Klassismen wirken so.

Dominante Teile der Mehrheitsgesellschaft implementieren Mechanismen, dass diese Gruppen sich nie sicher fühlen können und üben so Macht über sie aus. Besonders perfide ist, dass genau diese dominanten Gruppen nun auch noch als “Besorgte” ihren brutalen und ins Mörderische umschlagen könnenden Gesinnungsterror in sämtliche Massenmedien ergießen, um ihr Regiment der Angst aufrecht zu erhalten.

Aber was genau nun eigentlich treibt hervorragend ausgebildete, weit überdurchschnittlich fähige, durch- und austrainierte Männer auf dem Rasen des coolsten Stadions Mehr von diesem Beitrag lesen

Eine Routine unterbrechen: Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli 0:2

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In einem dieser ganzen Roman- und Drehbuchschreibratgeber, die ich verschlinge, um anschließend zugleich verwirrt und zugeschissen mit lähmenden Regelwerken unter Garantie nichts Fiktionales zustande zu bringen, um schon aus Trotz, weil alle sagen, dass man das doch nicht mache, Sätze über Absätze hinweg genussvoll zu bilden, um auf Bildhaftigkeit völlig zu verzichten und innere Lust auf Passivkonstruktionen zu entwickeln und ganz viele bunte, schlechte, unerträgliche, falsche, gruselige, überflüssige, nervtötende, langweilige Adjektive auf Kosten von Verben verwenden zu wollen – da fand ich neulich doch glatt einen richtigen guten Tipp. Der beste Startpunkt sei gar nicht: Schreibe eine Geschichte! Sondern: Unterbreche eine Routine!

So entsteht halt Plot Point 1.

Im Falle der Mannschaft des FC St. Pauli war die Routine – im Falle eines Romans oder Spielfilms die Exposition: Die Hauptfigur wird in ihrem normalen Alltagsleben vorgestellt -: Regelmäßig jede Woche fürchterlich viel Aufwand ohne Ertrag zu betreiben, mit quälender Regelmäßigkeit 20 Minuten heftig los legen und dann in die Einzelteile zu zerfallen, sich überflüssige Tore zu fangen und immer weiter in der Tabelle zu fallen.

Nicht, dass nun gerade in der als anspruchsvoll verschrienen “Kunst” solche Konzepte nicht auch, ästhetisch betrachtet, ihre Fürsprecher hätten. Walter Benjamins Flaneur, Guy Debords zielloses Herumschweifen als sich entziehender Protest gegen das Spektakel oder auch Gus van Sants Film mit zwei Typen, die ewig einfach nur durch die Wüste laufen – vermutlich haben wir den avantgardistischen Charme und die Utopie mancher Spiele unserer Mannschaft einfach noch nicht begriffen.

Zudem ja vermutlich ein Fest der Literatur zu zelebrieren wäre, würden die inneren Monologe der Spieler als Hörspiel zu hören sein, statt ein Spiel sich zu betrachten.

Das sind vermutlich viel widerständigere, sensitivere und reflektiertere Psychen als in anderen Teams, sonst gäbe es diese so genannten “Kopfprobleme” gar nicht. Die in der Regel Potenziale darstellen.

Wer mit solcher Konstanz sich plumper Kraftmeierei, stumpfem Funktionieren und reinem Ergebnishunger verweigert, bietet halt Stoff für die großen Geschichten. Solche, die im Einheitsbrei des Ligaalltagsgroschenromans für ein gewisses Niveau sorgen könnten. Und werden!

Solche Geschichten brauchen halt etwas mehr Anlauf.

Und da sind die Anlässe, die Routine doch noch zu durchbrechen, oft auch gar nicht so melodramatisch wie im Seriengeschehen aller Sender und von Video on Demand-Diensten. Trainerwechsel, allenfalls temporär wirksam – es muss ja nun auch nicht gleich jedes blöde Klischee bedient werden. Sportdirektor weg? So what? Wer sich an Chefs orientiert, ist eh ein autoritärer Charakter.

Für wahre Eleganz des Storytellings reicht oft der kleine Moment mit großer Wirkung. Etwas fast Beiläufiges leitet die Wende ein, unterbricht die Routine. Das Lächeln eines Kioskverkäufers. Dass die Krokusse so lila aus dem Erdreich sprießen. Eine flüchtige Melodie, die aus dem 3. Stock des Neubaus in einer verkehrsberuhigten Seitenstraße dringt.

Manchmal reicht auch eine schlichte Ecke, vortrefflich eingeschädelt – und die Welt leuchtet plötzlich wieder hinter dem Grau. Farbenfrohes Frühlingserwachen! Zudem auch noch nachgelegt wurde. Und statt opulenter Aufstiegsträume zu Saisonbeginn entfaltet der Sprung auf Platz 17 pures Glück.

Ich meine das jenseits jeder Ironie. Diese schlichte, Lienensche Ansage: “Lasst Braunschweig kommen, verteidigt konsequent und nutzt eure Chancen jenseits aller Schönheitspreise!” – was das auf einmal für Fähigkeiten frei legte!

Ist ja auch eine Debatte aus diesen ganzen Schreibratgebern: Die Hauptfigur müsse aktiv sein!

Aber wieso denn eigentlich? Wahres Schauspielern liegt ja auch in der Präsenz und im Reagieren.

Und wie sie reagierten!!! Braunschweig bekam kaum Luft. Was für Möglichkeiten sich eröffnen, scheißt mensch auf die Ansprüche Anderer! Konzentriert eigene Räume verteidigen ist letztlich ja auch das einzige, was politisch gerade geht. Und dann Nadelstiche setzen und so ganz allmählich doch noch vordringen.

Ich fand das schon cool, wie unser Team Spaß daran entwickelte, jenseits der Virtuosität Braunschweig in jene Rolle zu manövrieren, die uns in unzähligen Spielen zugedacht war. Als hätten sie denen nun den Schatten übergeworfen, der so lang uns verdüsterte.

Der bleibt da jetzt auch.

Jetzt ist ja die Routine unterbrochen.

Jetzt geht die Geschichte los.

Und ich habe das Gefühl, dass die Jungs noch sehr lust- und spaßbetont aus dem Trotzen heraus neue Erzählweisen finden werden, die ihnen so schon gar keiner mehr zugetraut hatte. Sie werden es uns zeigen!

Ich freu mich drauf. Und danke für dieses Spiel!!!

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