Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Twitter ausnahmsweise

Der Gurkenkaiser bloggt!

Und da ja nicht gilt “Wir pfeiffen auf den Gurkenkaiser”, sondern ganz im Gegenteil, seine Tweets sind mir wohl vertraut, sei er prompt mit einem Text zur auch hier heiß diskutierten Leitfiktion “Migrantenkriminalität” empfohlen:

“Da der Zweck alle Mittel heiligt greift er beherzt in die sprachliche Trickkiste der “Integrationsdebatte” und stellt heraus: Es gibt Kriminalität und es gibt arabische Kriminalität. Und die kann man scheinbar nur bekämpfen, wenn man sie als ethnische Kriminalität wahrnimmt.”

Dann noch mal als Eintrag

Eines Tages werfen sie Mollis auf Asylantenunterkünfte, von Chören begleitet: “Ihr habt uns Rassisten genannt, ihr Schweine!”. Sie stürmen dann brandschatzend schwule Kneipen, gröhlend: “Wer uns homophob nennt, hat es auch nicht besser verdient, ihr Arschficker!”
Könnte man jetzt fortschreiben … “Du nennst mich Sexist, Fotze? Na, das wollen wir doch mal sehen …” – usw.

“Ich geb Dich nicht her für ein bißchen Orgasmus!”

Es begab sich aber zu der Zeit, da Beverly Hills 90210 durch Kitschherzen flimmerte, da riefen wir “Beiß mich, ich will das Leben spüren!” Verlorener Verstand flüchtete ins Ungefähre und wollte das Sein leer und unbestimmt dem Nichts überantworten – doch das Sein schlug zurück. Wie immer passiv-aggressiv, stets auf Versagen aus Trotz seiner Mutter Nichts gegenüber bedacht:

“Komm heute nacht!'” sang so in Tüll und Tand gehüllt die Diva von der Bühne. Ich folgte dem “Ich geb Dich nicht her für ein bißchen Orgasmus!” – “Why am I high from his cheap parfume?” schmetterte er nach zu viel Wein und krallte sich am Thresen fest. Das Sein wankte. Es soff mit. Eifersüchtig lauschte das Nichts dem “Losing my mind”, ob von Musical-Sternchen oder Minelli. Es griff ein und löschte die Entwürfe aus. Das Sein hingegen gönnte sich noch ein paar Wodka und hing dann kotzend über den Becken der Theatertoilette. Es hatte sich aufgegeben. Das Nichts frohlockte, wie immer erschreckend nüchtern, und überließ uns beide feixend dem “J’avais revé d’une autre vie. Mais la vie …”.

St. Germain, New York, Hilde mit Tyrone in der Bar, Cole Porter …

Juliette Gréco sah mich mitleidig an, verwischte keck ihren Lidschatten. Sie wollte mich zum Lachen bringen. Ich starrte auf den Boulevard.

Wir lauschten dem Accordeon. Der Pernod schmeckte nicht. “Les Chemins de la Liberté” saßen in mir fest. “Nimm ihn nicht ernst”, sagte sie.

Frei sein von, frei sein zu … die Chrysanthemen im Jardin du Luxembourg wollten einfach nur blühen. Es war Herbst, und Fliegen starben.

Ich zog mich zurück in die kleine Pension im Marais. Ich ahnte noch nicht, daß Fernsehen Fragen nach Sein und Nichts bald aufheben würde.

“The Medium is the message!” würden sie posaunen und darüber twittern. Es war schön, einst mit Juliette Gréco am leeren Boulevard.

Aber am Hafen …

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Aber am Hafen, da cruisen die Geister der Matrosen. Sie weinen all ihre Sehnsucht in das Brackwasser, wo Zweige modern, die vom Frühling schwärmen.

Aber am Hafen, da sinkt ein Hering mit letztem Kiemenschlagen auf ein Kinderfahrrad, das ein wütender Vater vom Ponton stieß.

Aber am Hafen, da erklingen nachts Shanties unter still gelegten Schleppern und Fähren. Ratten sitzen auf Takelagen – sie lauschen gebannt.

Aber am Hafen, da plauschen die Krebse von Ebbe und Sturmflut, erzählen, wie Öl schmeckt, ja, wie gut es doch tut, wenn es dunkel und naß ist des nachts.

Aber am Hafen, da lockt gierig die Strömung, will saugen und locken und ziehen und ersäufen, bis eines Tages Querelle aufersteht.

Versteckte Architekturen des Innenlebens …

Der Glockenklang des Soprans erleuchtete die filigranen Säulengänge der gut geschützten Kathedrale ungetrübten Liebens tief in mir. In der inneren Kathedrale wird jede neue Erfahrung besungen, getauft und gesegnet, Chöre preisen die Wunder des Erlebens, Staunens und Wollens.
Sich die Musik in inneren Kathedralen vorstellen, die Lichtverhältnisse, die Fenstermosaike, das formt die eigene Legende.

Ja, ja, ich höre ja schon auf, pöbel jetzt auch wieder von kotzenden Wolken und verschissenen Politiken und Pickeln und Eiter und Scham …

Kleines TwitterBestOff

“zwei doofe, keine gedanken” @tjarkson “zwischen coolness und kotzen passt immer noch ein wodka-lemon” @tjarkson “”Du gehst mir unter die Haut.”/”Keine Sorge, das eitert raus.”” @UteWeber “Sich solange mit dem Finger an die Schläfe tippen, bis es blutet.” @ronz “Eine Handvoll Traumsand bitte. Irgendwas, was weg muss.” @ HausOhneFenster  “Wenn das Leben dich anstarrt, weil es nicht weiter weiss…” @ronz “Melancholeriker” @mindwarp “jemanden finden, der deine tränen wert ist.” @heckscheibe “Wahrscheinlich falle ich gleich diesem sexy Busfahrer, der mich immer so scheißarrogant anglotzt, weinend um den Hals.” @momorulez

Von hier.

Die Minibar, der Wodka und ich

“Hey, komm, ich bin doch auch nur ein Kartoffelschnaps,” gurrte kehlig der Wodka aus der Minibar. Wir schlossen Blutsbrüderschaft. Als er dann jedoch anfangen wollte, mir aus seinem Leben zu erzählen, habe ich ihn lieber ausgetrunken.  “Als Piano-Tonfolge dem Leben ein Schnippchen schlagen!”: So seine  letzten Worte. Die Prenzlauer Allee war leer und hässlich. Dann erschien mir Philip Marlowe. “Hey, Baby, life is hard-boiled.” raunte er. “Und Tote schlafen fest.” Er meinte den Wodka. Ich rülpste.
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