Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Pop + Philosophie

“Ob es so oder so oder anders kommt …!” – FC St. Pauli – FCK 2:3 (und Momo on the radio)

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“Zusammenfassend bleibt in meiner Erinnerung ein Niederlagenrausch zurück. Geile Atmosphäre, geile Leute, Scheißergebnis. Scheiß aufs Ergebnis! Geiler Abend! Das ist Fußball? Quatsch, das ist Sankt Pauli! So richtig schade war eigentlich nur, dass Boller sein Comeback nicht in dieser geilen Atmosphäre erleben durfte. Ich hätte es ihm gegönnt.”

Womit JaWasDenn das Entscheidende bereits auf den Punkt gebracht hätte. Das folgende ist die Fussnote dazu.

Als ich da stand nach dem Spiel auf der Haupttribüne, jenem Ort, da man Autohöfe gerne ignoriert, die glauben, verordnen zu können, wann man sabbeln, wann man singen sollte und um mich herum Menschen aufgelöst in Standing Ovations ihren Trance auskosteten trotz der Niederlage – ich wusste die Wunder des hypnotischen Sogs, zu dem Mannschaften des FC St. Pauli fähig sind, durch und durch zu schätzen. Zu genießen. Zu inhalieren als pralle Lebenslust.

Es war natürlich schon traurig, hinterher zu lesen, dass die Mannschaft den Last Minute-Treffer, klar auch, als Genickschlag empfand, nachdem sie mit dem 2:2 noch mal so eindrucksvoll zurück gekommen war. Und doof, dass Tschauner sich eine Verletzung zuzog – gute Besserung! Doch wie ihr trotz nun echt bravourös druckvoller Regionisten immer wieder euch aufbäumtet, domiertet, sie fast auf ihre Torlinie drücktet, da war mir auch schnurz, dass denen das umgekehrt auch gelang. Das war Big Entertainment, packend, spannend, großes Gefühlskino, Dramatik, toll!

“Aber schön war es doch, schön war es doch, und ich möcht es noch einmal erleben”, um einmal mehr mit Hildegard Knef zu sprechen, nur das nächste Mal halt mit anderem Ergebnis. Ich fand es umwerfend sexy, wie sich die Boys in Brown von der 90. bis zu 97. Minute aber noch mal so was von hinein warfen, und no risk, no fun ist immer (!!!) das bessere Motto als “Cleverness”. Smartness war ja genug vorhanden. P.A. neben mir war zwar auch irgendwie bedöppelt, aber hey, es mag zwar nichts erfolgreicher sein sein als der Erfolg, doch: Es geht um’s Tun und nicht um’s Siegen.

Fällt mir jetzt noch eine Floskel oder irgendein Zitat ein? Noch’n Songtext? “Ob es so oder so oder anders kommt, so wie es kommt, so ist es recht, es kommt sowieso nie so, wie man es gerne möcht’!” (Lena Valaitis) “So ist nun mal das Leben, es kommt so, wie es kommt, den einen trifft es eben, der andere bleibt verschont.” (Marianne Rosenberg) “Nur wenn ich lache, tut’s noch weh” (Daliah Lavi) – nee, der passt ja nun gerade nicht. Dann schon eher Weckers “Wer nicht genießt, ist ungenießbar!” “Wenn der Sommer nicht mehr weit ist und der Himmel violett, weiß ich, dass das meine Zeit ist weil die Welt dann wieder breit ist, satt und ungeheuer fett!” Auch Konstantin Wecker.

Und das nehmen sich die Spieler auch zu Herzen, spielen weiter mit praller Lust und breiter Brust, und weil uns das allen zusammen so einen Spaß macht, gewinnen wir sozusagen als Nebeneffekt die restlichen Spiele.

Wo ich schon beim Sampeln bin: “Move your Body” von Frankie Knuckles, R.i.P.!, wurde in der Halbzeitpause auch angespielt, was mich sehr, sehr freute! Danke! Gerne mehr davon!

Und der FC St. Pauli ist immerhin auch der Verein, da man hinterher schwer angeknallt, aber hallo!, vor Kneipen steht und tatsächlich über Platons “Politeia”, die Fortentwicklung seiner “eingeborenen Ideen” in Kants transzendentalem Programm und ob der “Seelenwagen” denn nun was mit Freud zu tun habe diskutiert. Echt jetzt. Schön!

Morgen geht es ohne Kant und Platon, aber mit Foucault und jenem Topos der Kritischen Theorie, der die “verwaltete Welt” beklagt, mit Momos “Tales of St. Pauli” beim FSK weiter. Dieses Blog hat jetzt ja einen akustischen Ableger. Um 14 h ist es so weit, es wird Musik zu hören sein u.a. von Frankie Knuckles, Fela Kuti, Noiseaux, Donna Summer, Georgette Dee, Divine, Carmen McRae, Heather Small, S O H N, Nate57 und Joshua Redman – es lebe der Eklektizismus! Zwischendurch ereifere ich mich über Bürgermeisterreden, begeistere mich für John Waters und ersehne die Utopie. Und erinnere mich an das After Shave verflossener Liebhaber. Wer Lust hat, kann ja mal rein schnuppern.

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Fehler führen zum Erfolg: Sandhausen – FC St. Pauli 2:3

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Man kann verschlafen und leidenschaftslos, aber feige immer alles richtig machen wollen.

Gähn.

Dabei raus kommt oft fiktionales, öffentlich-rechtliches Fernsehen. Wenn es dennoch auf ein konsensfähiges Thema setzt, kriegt es ganz unabhängig vom Ausbleiben mutigen Gestaltungswillens, Risikofreude oder audiovisueller Visionen auch einen Grimme-Preis.

Oder man kann kultivieren, was als fehlerhaft gilt: Das “Outside”-Improvisieren im Jazz zum Beispiel. Also nicht in der Tonart verbleiben, die mit dem Akkord harmoniert, sondern gezielt auf Dissonanz setzen. Kann sich sehr, sehr aufregend anhören.

Seltsam unbefriedigt bleibt Mensch freilich, wenn die Spannung sich nicht löst – das brachte Theodor W. Adorno dazu, zwar nicht im Jazz, doch in der als “E” verschrienen Musik die Dissonanz in Relation zur gesellschaftlichen Wirklichkeit zu setzen.

Fussball als im besten Falle therapeutisches Geschehen – irgendjemand hat eine Psycho-Therapiesitzung mal mit chemischen Reaktionen im Erlenmeierkolben verglichen, ein verhältnismäßig geschütztes Setting, in dem es rund gehen kann, so ist es beim Fussball ja auch, 90 Minuten mal einfach so emotional sein dürfen – ist in der Hinsicht ja gerade NICHT Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse. Es hört nämlich auf, und man muss sich mit dem Ergebnis abfinden. Oder kann sich sogar darüber freuen!

JAAAAAA!

So wie wir am Samstag. Andere Leute fahren ja heroisch durch die Republik zum Vor-Ort-Support; ich bekenne, die erste Halbzeit buchstäblich verschlafen zu haben. Als ich endlich hinein schalte, steht es kurz noch 1:1. Ein misslungener Rückpass auf Tschauner von Kalla – Peng. So what.

Aber da in jedem Misslingen eine Chance sich verbirgt: Wow! Ich hatte ja nach dem Trainingslager die Befürchtung, dass im Team was nicht stimmte. Nun hatten andere Twitterer und ich den Eindruck: Die Mannschaft spielt für Kalla. Vielleicht wäre es sonst sogar ein müdes 1:1 geblieben, ohne seinen Patzer.

Nun freilich zeigte sich eine Tugend, für die ich den Boys in Brown nur noch lieber zujubele: Sie legten los und bügelten alle zusammen incl. Kalla den Fehler wieder aus. Was ein Schachten, was ein Ratsche: Wow. Solidarisches Toreschießen. Cool.

Das hat echt Spaß gemacht, das anzugucken. Nicht, weil es Zauberfussball gewesen wäre. Sondern, weil das St. Pauli war.

EDITH: http://www.stefangroenveld.de/2013/jan-philipp-kalla
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Tears: Rest in Peace, Frankie Knuckles

Gerade Freitag, als ich das Stadion betrat und dort das ja auch bahnbrechende “Now I wanna be your Dog” lief, als dann die Fürther Hymne in seltsam fränkisch-männlichem Mundartpop erklang, da sehnte ich mich danach, nur einmal vor dem Spiel eine der großen House-Hymnen zu hören.

Die Musikästhetik rund um den FC St. Pauli ist ja protoptypisch für die ungebrochene Dominanz des Rockism in weißen Gegenkulturen: Weiße, heterosexuelle Männer definieren zu Gitarren die Welt, und hätte der Hip Hop seine Bezüge zur House-Music noch ernster genommen, hätte ihm das gut getan. Warren G. und andere haben das ja auch.

So jubeln alle gerade diesem Markus Wiebusch oder wie der Kettcar-Sänger heißt zu, dass er Schwule erst “othert”, um sodann zu hoffen, dass das, was schwule Erfahrung tatsächlich anders macht, doch bitte egal sein möge – und haben vermutlich kaum mal eine queere KünstlerIn im iPod oder wo auch immer sie ihre Musik stapeln oder spreichern. Hört doch mal LGBTQ-People zu und all ihren Künsten und nicht nur denen, die sich löblich für sie einsetzen. Ja, ist ja auch schon geschehen, bei “Fussball & Liebe” zum Beispiel.

Zum Glück gibt es ja auch viele Andere im Stadion, den Oke, den Willy zum Beispiel, über die ich heute bei Facebook erfuhr, dass ein wahrer Revolutionär verstorben ist: Frankie Knuckles.

Ich musste schon ganz schön schluchzen. Selbst als ich auch Mehr von diesem Beitrag lesen

Die vorkritischen Gegner der Gender-Theorien: Alexander Kissler glaubt das alles nicht …

Eine so ganz und gar nicht neue Form vermeintlicher Kritik an etwas ist, es als Religion behaupten.

Oft machen das sogar jene, die in den Fällen, da Religionen offen diffamieren, dieses unter dem Banner der “Religionsfreiheit” für schützenwert erachten. Walter Benjamin hat den Kapitalismus als Religion eher kryptisch beschrieben; zum mit Neocon-Think-Thank- Munition bewaffneten Arsenal ehemaliger Pro-Bush-Blogger gehörte es, wahlweise den Sozialstaat, den Klimawandel, die Kritik an Konzernpolitiken und realwirtschaftlichen Prozessen, somit alles, wo Gegenargumente fehlten, zur “Religion” zu verklären.

In Deutschland vernichtet man ja gerne bürokratisch, so ist es hier anders als ich Frankreich bisher noch nicht angesagt, wie die Bilderstürmer einst Bibliotheken zu attackieren, in denen Werke der Gender-Theorie ausliegen. Aus diesem Geiste des Nichtwissenwollens freilich nährt manch Publizist sich ebenso. Ermordet hat man hier auch noch niemanden, der für die Homo-Ehe eintrat; homophobe Gewalt und massenmediales Mobbing Heranwachsender wird dennoch eifrig betrieben.

Ganz und gar faszinierend plump und weltabgewandt geschieht die Fortsetzung dessen – nun wieder mit Bezug auf die Gender-Theorien –  im Cicero. Unter Berufung auf “unser aller Steuergelder” begibt Alexander Kissler sich tief ins Reich des vorkritischen Katholizismus, um gewitzt ausgerechnet die Erben Kants der Religiosität zu bezichtigen. Nun hat auch dieser die Vernunft beschränken wollen, um dem Glauben Raum zu schaffen, aber Herr Kissler hat sich offenkundig gar nicht mit ihm beschäftigt, um ihn als Chiffre dennoch zu beschwören und Lügen, äh, Vorurteile schlecht recherchiert zu verbreiten:

“Die Gender-Religion befindet sich im vorkritischen Zustand. Sie hat keinen Spinoza, keinen Kant, keinen Schleiermacher erlebt. Sie ist wieder das, was einmal der Fall war: ein hermetisches Lehrgebäude aus kanonisierten Dogmen.”

Schein-Journalist, der er mutmaßlich dem Text zufolge ist, zeigt Kissler sich zumindest als unwillig, diese “Dogmen” mal ausführen im Sinne ernstzunehmender Belege. Er thematisiert stattdessen gesellschaftliche Wirkungen wie den “Queer History Month” und ein Interview. Ich vermute, er verwechselt die Systematik der Gender-Theorien und die der Neoklassik entstammenden Volkswirtschaftslehren, die tatsächlich mit einer solchen Axiomatik arbeiten und oft wie eine mathematisierte Kosmologie wirken.

Inwiefern eine Verflüssigung der Grenzen zwischen Homo und Hetero als normativ, also menschlich-gesellschaftlich wirksame Konzepte nun ein “Dogma” darstellen, das erläutert er nicht. Ist es nicht eher das Gegenteil?

Stattdessen attackiert er die Erben Kants mit dem Argument vermeintlicher “Ineffizienz”. Als wäre nicht nach Kant gerade nicht-instrumentelles Denken jenes, das intersubjektive Freiheit ermögliche – ja, eben jene Formulierung des Kategorischen Imperativs, die den Mensch nicht als Mittel, sondern als Zweck an sich selbst behandelt. Aber Freiheit ist Herrn Kissler vermutlich nur dann wichtig, wenn es darum geht, Diffamierungen als “Meinung” zu verteidigen.

Nun geht es es, so ganz deutlich wird das nicht im Text, aber vermutlich auch um so etwas wie “Wahrheit”, nicht Moral oder Freiheit. Was ihm dabei entgeht, dass im Gegensatz zu ihm die Gender-Theorien in ihrer Vielfalt sich ganz und gar im kantisch-kritischen, erkenntnistheoretischen Paradigma bewegen, obgleich sie nicht mentalistisch vorgehen.  Sie soziologisieren und historisieren u.a. auf Michel Foucault aufbauend eben das, was “Erkenntnis” GESELLSCHAFTLICH erst ermöglicht, was dabei angerichtet wird – und nehmen die Unterscheidung zwischen Ding an sich und Erscheinung ernster als all die denkfeindlichen Katholizisten, Naturalisten und Biologisten, die die Publizistik gerade zukleistern.

Die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis ist institutionell manifestiert im Falle der Wissenschaftsgeschichte und gesellschaftlich wirksam z.B. in den Geschlechterverhältnissen – wie, das untersuchen dann die Gender-Theorien. Und die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung ist zugleich die Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände von Erfahrung. Diese Bedingungen sind gesellschaftlich-historisch Gewordene. Die Gender-Theorien fragen nach eben diesen Bedingungen in jenen Bereichen, da sie aufzuspüren sind – z.B. in Texten –  und hinterfragen so Methodiken und unhinterfragte Vorraussetzungen traditioneller Forschung, ganz im Sinne Kants. Um diese aus ihrem dogmatischen Schlummer zu erwecken.

Anders als Kant mühen sie sich freilich nicht um ein transzendentales Programm, sondern arbeiten  z.B. im linguistischen Paradigma. Oder analysieren das Performative. So what? Eine Dogmatik kann ich da nicht erkennen.

Dogmatisch sind Konzepte wie Zweigeschlechtlichkeit, Heteronormativität als Naturzweck usw.. Und das ja nun nicht im wissenschaftlichen Sinne – weil es Organe gibt, die der Fortpflanzung dienen können, heißt das ja noch lange nicht, dass all die anderen “Naturzwecke” wie Spaß, Liebe, Schönheit irgendwie sekundär wären. Die sind auf Ebene der Motivation, der Handlungsgründe, auch maßgeblich.

Das ist ja die andere Pointe im Werke Kants, der Unterschied zwischen theoretischer und praktischer Vernunft: Sich selbst die Gründe für Handlungen geben zu können, ohne von den Sinnen affiziert zu sein, ist Freiheit. Da das Reich des Intelligiblen dennoch auf die Sinnenwelt gerichtet ist, ohne die es auch nichts zu erkennen vermöge, kann es auch immer wieder gute Gründe für Lust geben, die niemandem schadet. Und die biologische Ausstattung zu so genannten “homosexuellen Praktiken” haben übrigens auch alle Menschen. Probiert mal! Nur dass man nur einmal in die Quantenphysik gucken könnte, um einen naiven Biologismus schon wieder aufzulösen.

Herr Kissler findet das alles im Gegensatz zu seinen eingestreuten Namens-Chiffren nicht relevant, obgleich er das spaßorientierte Ausgeben von Steuergeldern für Feuerwerke an der Alster, die ja nun auch keine Effizienz für sich beanspruchen können, nicht kritisiert. Womit ich nun meinerseits keineswegs die Gender-Theorien mit Feuerwerken vergleichen will, sie sind aber umfassender wissenschaftlich, als eine Verengung auf Nützlichkeit dieses je sein könnte.

Alleine schon die Prämisse der vermeintlichen “Evaluation”, die er verlinkt, ist ja falsch – “Forschung von Frauen über Frauen”. Dieses ist ein Hinweis auf den monströsen Mist, den die Realgeschichte der Wissenschaft als männliche, verfügenwollende verbrochen hat: Nämlich das Männliche, Weiße, Heterosexuelle als das Allgemeine auszugeben und den Anderen den Raum des Spezifischen zuzuweisen. Das ist aber wissenschaftlich falsch, weil es auf Ausgrenzung von Sphären des Sozialen als Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis beruht und somit nur Teile dessen, was relevant ist, in den Blick geraten. Den Gender-Theorien geht es zudem schon auch darum, wie Vorstellungen von Männlichkeit sozial wirksam werden. Da können “Evaluationen” noch so lustig polemisieren.

Aber diese Attacken auf das Fortsetzen des Kritischen Geschäfts eines Immanuel Kant sind letztlich ja selbst im Vorkritischen verortet und im Religiösen erst recht: Das sind die impliziten Rekurse auf Naturrechtslehre, einem höchst dogmatischen, vatikanisch verordneten Weltbild, dass der Ex-Papst dreist allen Religionen verordnen wollte.

Dieses ist nun gerade das, wogegen ein Kant sich wandte, weil er eine naive Vorstellung von Natur als unmittelbar zugänglicher nun gerade attackierte und die Naturgesetzlichkeit als Regel der Vernunft selbst begriff – im Rahmen einer sich selbst kritisierenden Vernunft, nicht des vermeintlich Offenkundigen. Da kommt dann auch nix Effizientes bei raus außer, eher, so Popper, dass man allenfalls falsifizieren könne. Wiederum eine Figur, die die Gender-Theorien methodisch vielfältig aufgreifen, ihm auch dahingehend folgend, dass Weiteres zur Natur Kant sich für die “Kritik der Urteilskraft” aufsparte, eben seiner Begründung der Ästhetik, nicht der Wissenschaft im naturwissenschaftlichen Sinne. “Interesseloses Wohlgefallen”. Rums! Ist ja gar nicht effizient oder nützlich. Was dann häufig Thema ist in den Gender-Theorien; Judith Butler kommt nicht zufällig aus der Literaturwissenschaft.

Insofern mag man Kisslers in den 50ern bereits verreckten, ästhetischen Naivität vielleicht noch so etwas wie Meinungskraft zugestehen – mit kritischer Wissenschaft hat sein Text nix zu tun.  Und was anderes als “Ich glaub nicht an die Gender-Theorie” schreibt er ja auch gar nicht, er, der Religiöse.

Zukunft statt Häme: Der Möglichkeitsraum hinter dem x

Aktuell weht in Orkanstärke ein Shitstorm durch’s Netz; eine dieser Abwehrschlachten gegen das Infragestellen repressiver symbolischer und institutioneller Ordnungen und korrespondierender Geistesgeschichtsschreibungen. Räume der Kritik werden autoritär und gehässig mit Häme zugestellt.

Vermeintlich Liberale vergleichen bei Twitter studentische Interventionen an Universitäten gegen verschnarchte und denkfaule Klassiker-Lektüren mit dem Agieren der SED; ehemalige Bürgerrechtler gar, die wohl vergessen haben, wie eine unkritische Lesart des historisch-dialektischen Materialismus jedes Denken in öffentlichen Räumen einst in der DDR erstickte. Man kann freilich auch Rousseau so lesen, wie die FDJ Marx las: Im Sinne der Herrschenden.

Viel gelesene Blogger, die sich über Verschwörungstheorien, zugesandt, freuen

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Momo on the radio, die dritte

Uff. Ächz. Diesmal bin ich echt ins Schwitzen gekommen. Vermutlich, weil das Thema viel aktueller, relevanter ist und tiefer sitzt, als mir selbst es klar war zuvor.

Weil ich immer wieder vor mich hin quatschend merkte, wie ich mich verrannte (oder auch nicht?), dann mich selbst korrigierend kommentierte, anfing, Passagen gar nicht so einfacher, englischer Originaltexte lieber noch mal genauer zu übersetzen – um dann fest zu stellen, dass ich sie eigentlich ganz richtig verstanden und auch ganz gut zusammen gefasst hatte. Trotzdem musste ich die ganze Zeit auch vieles voraussetzen – Beat-Generation, Hippie-Bewegung -, und anderes kann man nicht mal eben so zwischen zwei Jazz-Stücken erläutern, den Existentialismus zum Beispiel.

Kurioserweise merkte ich dennoch, oder aber glaubte es zu merken, dass gerade diese Inswankenkommen dessen, der sich so oft in der oft in der Rolle des souveränen Weltendeuters gefällt, exakt Thema der Sendung ist. Und im Grunde genommen ein guter Effekt ist. Mehr wanken!

Konkret geht es um die “Vergessene Vorgeschichte des Hipsters”, ausgehend von einem hochumstrittenen Essays von Norman Mailer von 1959, “The White N…”. In dieser Zeit tauchte der Begriff des Hipsters zunehmend in Feuilletons und Traktaten auf. Gemeint waren damals jene weißen Jazz-Fans, die den Habitus urbaner Schwarzer kopierten. Oder aber die Jazzer idolisierten, wie Jack Kerouac – dieses freilich auf eine Art, die ziemlich ungebrochen Rassismen reproduzierte, während es sie zu reflektieren vorgab.

Dann vertiefte ich mich und fragte mich natürlich zunehmend, warum ich nun ausgerechnet den dieses Phämonen aus einer sehr eigentümlichen Perspektive auch kritisch betrachtenden, hochproblematischen Mailer ausbuddele, anstatt lieber gleich du Bois oder James Baldwin oder Autorinnen der Harlem Renaissance zu referieren.

Ich bin dann doch dran geblieben, weil ich mittlerweile kaum etwas für dringender geboten halte als eine kritische Selbstreflektion weißer “Gegenkulturen”. Dann entsteht freilich schnell das Übliche, dass Weiße wieder nur über sich selbst reden. Daraufhin bemühte ich mich, die Musik, zumeist aus dem Kontext des Jazz, dagegen zu montieren und zunehmend die (angelesenen) Erfahrungen von PoC gegen die teils hanebüchenen Deutungs- und Aneignungsformen der Black Cultures durch weiße “Gegenkulturen” ins Feld zu führen.

Ich habe keine Ahnung, ob das gelungen ist. Ich habe so was wie “Critical Whiteness” auf diesem Feld einfach mal versucht. Und die frühen Hipster, die Beat-Generation und ” Nonkonformisten” der 50er und ihre Hippie-Erben haben da einfach eine Folie geschaffen, eine Blaupause, die auch scharf kritisiert gehört, weil sie immer noch wirkt.

Falls ich gescheitert bin, war es den Versuch vermutlich nicht wert und ich freue mich trotzdem über Kritik, damit ich daraus lernen kann. Falls wem daran gelegen sein sollte ;)

EDITH: Läuft von 14 -16 h – siehe hier.

PS: Was ich aufgrund der Größe des Sujets völlig außen vorgelassen habe ist die schwule Erfahrung Burroughs und Ginsbergs, auch Vertreter der Beat-Generation, und in letzterem Fall auch dessen Bezüge zur jüdischen Tradition. Das wäre zu kompliziert gewesen.

Storytelling mal anders: FC St. Pauli – Union Berlin 2:1

Enteisernt

 

 

Blick auf die Tabelle. Wir könnten an Union vorbei ziehen.

Darum: Wird doch eh nix, bei so einer Voraussetzung.

Erstaunen.

Ziereis als Buchmann-Ersatz? Kein Bartels im Team? Nöthe draußen? Huch? Letzteres geht schon aus ästhetischen Gründen gar nicht. Eigentlich.

Na, der Trainer wird das schon besser wissen als nun ausgerechnet ich.

Spiel beginnt. Sooo lahm erzählt.

Julia Cameron, die auch das tatsächlich lebensverändernde Konzept der “Morgenseiten” im ziemlich esoterischen und doch großartigen “Der Weg des Künstlers” mir und so vielen anderen schenkte, empfiehlt in ihrem Creative Writing-Ratgeber, dessen Name mir jetzt nicht einfällt:  “Schlecht schreiben!”

Sollte man einfach mal probieren, so richtig schön schlecht schreiben, ganz absichtlich. Wie für einen Groschenroman, eine Daily Soap, eine schlechte Serie. Übertragen auf Fussball heißt das ja nicht schlecht spielen, sondern keine Angst vor der großen Geste, den großen Gefühlen, dem Schurkesein und dem Helden haben. Etwas wagen und probieren, auch wenn’s blöd kommt.

Schlecht schreiben sei der beste Weg, sich von all dem Kladderadatsch zu lösen, der einem von Lehrern und Kunstgelehrten eingeimpft wurde und seinen wertend-mahnenden Zeigefinger im eigenen Kopf fortwährend erhebt. Dieses etwas “gut machen” wollen kann ja ätzende Resultate hervor rufen.

So fände man viel besser eine eigene Stimme, schreibt Cameron, erfände richtige Bösewichter, Besessenheit und Liebe ohne Furcht vor Kitsch und Pathos. Entflöhe dem Ego, das ganz großartig sein wolle, und würde stattdessen viel spannender erzählen als in dem verkrampften “gut schreiben wollen”. Der Handlungsbogen fürchte sich so nicht vor dem Diktat des Realitätsprinzips, gehe viel angstfreier drauflos auf so richtig deftige Handlungsbögen, die größer sind als der triste Alltag und deshalb sehenswert.

Fussball ist ja auch so eine Art Storytelling, wie Serien gucken – einige Handlungsbögen ziehen sich über die ganze Saison, manche Spieler werden Hauptdarsteller und Helden, andere mutieren zu denen, über die man sich immer ärgert, oder verschwinden ganz aus der Geschichte. Der Trainer führt Regie.

Es ist kaum möglich, das Spiel nicht als Geschichte im strikten 90-Minuten-Schema wahrzunehmen, eine, die wahlweise begeistert, langweilt, zu Tränen rührt oder quält, richtig sauer macht und eben öde dahin plätschert. Eine mit einem Anfang, einem Ende, einer Mitte, mit einer Exposition – die Mannschaftsaufstellungen -, und alle kommen aus ihrem Ordinary Life ins Stadion und erleben die Heldenreise stellvertretend mit.

Ja, ich überbrücke gerade die Zeit bis zur Auswechslung Kringes. Bis dahin geschah es mir nämlich, dass ich fortwährend abschweifte. Mich fragte, ob die Boys in Brown glaubten, das irgendwie spielerisch locker nach Hause zu bringen, ob sie einfach ratlos sind oder warum sie nicht die Protagonisten, die in all den Lehrbüchern als einzig mögliche (zu unrecht) behauptet werden, eben jene, die ein Ziel unbedingt erreichen wollen, auf dem Platz wenigstens darstellten. Die Story entwickelte sich aus den antagonistischen Kräften, den Widerständen, auf die sie dabei stoßen. Klar, Union war schon ‘ne Wand, aber. Ihr Spiel war irgendwie so, als hätten sie die wahren Künste der Dramatik in den Bereich des Kitsches verbannt und müssten der Tristesse des Realitätsprinzips folgend da möglichst wirklichkeitsnah herum traben.

Vielleicht tue ich ihnen Unrecht, ich weiß ja nicht, was in den Jungs vorgeht, und manchmal ist das vermutlich auch besser so, aber ich ertappte mich ständig dabei, wie meine Gedanken zu meiner eBook-Soap “Tales of St. Pauli” schweiften. Schreibe ich da eigentlich pathetische Scheiße voller politischer Plattitüden? Kann ich das mit dem Prinzip des “schlecht Schreibens” rechtfertigen? So als John Waters der FC St. Pauli-eBook-Soap? Wie der gehe ich da aber gar nicht ran. Habe immer die Stimme von Brian Kinney im Ohr, “Momo, you’re SO pathetic!” Und wie er dabei das “th” so weich ausmoduliert und das Konsonantische des “c” am Schluss zum Klicken bringt. Sexy. In der der deutschen Quer as Folk-Fassung wurde das mit “peinlich” übersetzt. Als hieße das nicht was ganz anderes. Na ja, je nachdem.

Die Jungs spielten da unten auf dem Platz irgendwie ganz  niedlich vor sich hin, und ich beschäftigte mich derweil damit, wieso ich Karla eigentlich Karla genannt habe, was für ein blöder Name! So hieß die Frau des Offiziers-Kumpels meines Vaters. Mit denen waren wir einst in Lignano, ein an sich scheußliches Touristenkaff an der Adria, völlig zugebaut, Menschen wie Ölsardinen am Strand und Hotelkomplex an Hotelkomplex; die reale Karla verspeiste da immer “Nafta”, irgendein Eis-Getränk mit Kirschen. Aber dieser Name verschwindet einfach nicht. Geht nicht mehr. Die Karla in meiner eBook-Soap, die hat sich innerhalb eines Jahres schon völlig verwandelt und erweist sich als erstaunlich eigenwillig. Von der ausschließlich spießigen, christlich Indoktrinierten von Polizei und Politik des Jahres 2025, der Zeit nach dem “großen Schnitt”,  eingesetzten Fanratsvorsitzenden hat sie sich mittlerweile zur spaßorientierten Geliebten des Beinahe-Mörders ihres Bruders gewandelt. Bei gleichzeitig überkorrekter Amtserfüllung, die selbst vor der eigenen Familie nicht halt macht. Ein Feuer lodert unter dem Wunsch nach Macht und Kontrolle. Weil Karlas Bruder, mit dem sie gar nicht aufgewachsen ist, nämlich, aber auch nur vielleicht, er musste dafür in den Knast, vielleicht ja auch unschuldig verurteilt?, seinen Vater auf dem Gewissen hatte, wird Karlas Geliebter selbst fast zum Mörder. Dann passiert aber was.

Und das klärt sich alles frühestens in Band 12, im Staffelfinale, was wirklich mit dem Vater von Karlas Geliebtem passiert ist.

Man merkt, ich nehme das mit dem “schlecht schreiben” echt ernst! Und Arthur, Karlas Gatte, entgleitet mir auch schon völlig. Wird Kuno ihn überzeugen? Tom, Karlas Bruder, ist mir ein völliges Rätsel, aber sehr sexy, und Diana in ihrem Biker-Dress, das ist eigentlich ziemlich konsistent  …

Wieso zum Teufel nimmt der jetzt Kringe raus? War zwar zumeist, mal ab von Tschauners Glanzparaden, eher öde, aber wieso raubt Vrabec der Truppe die Stabilität? Sehe mich schon am nächsten Tag bloggen, dass ich von Frontzecks Korsett-Fussball ja nun auch nicht viel hielt, besser als der Bürokraten-Fussball von Schubert war der allerdings, aber dessen Auswechslungen, die hatten ja was, das Spiel lesen konnte er, und wieso JETZT Bartels und nicht von Anfang an? Und wenn die eh schon so kopflos spielen, wieso dann der Erfahrenste raus? Prompt klingelt es. Gegentor. Fühle mich bestätigt.

Ja, sorry, Herr Vrabec. Sie behielten ja recht. Ich schreibe ja nur, was ich dachte, als ich aufhörte, ständig wegzudämmern in Zonen fernab des Spiels.

Plötzlich war nämlich Feuer drin. Sie rafften sich, bäumten sich auf, Barrels machte richtig Wind, Sturm, Orkan, und Schachten, ja, also, es ist ja auch nicht leicht, gegen die “Heldengeneration” zu bestehen, starke Charaktere, schönste Beine der Liga,  aber wenn jemand das Zeug und die sittliche Reife dazu hat, sie noch zu überragen, dann ja wohl Du. Hach! Es passt einfach, dass Du das Steuer mit dem Ausgleich herum gerissen hast.

Bin wieder ganz im Spiel, diesem hypnotischen Zustand der Selbstvergessenheit, da die Distanz zwischen Subjekt und Objekt sich auflöst, weil sinnlich das Sich:Entwerfen hin auf das Spiel total wird und jeder blöde Tritt gegen einen Ball Emotionen hervor ruft, man folgt und wird stimuliert, das große JAAAAA! nach einem Pass von Maier, was ein Pass, hatte gar nicht mit bekommen, dass der jetzt auch auf dem Platz war, noch mal sorry, Roland Vrabec, da war ich wohl pinkeln, also, dieser Pass, grandios, mit der Hacke hinterrücks, wenn ich das richtig gesehen habe, sah gar nicht, dass er es war, sah aber den Pass und musste ihn mir auf Quotenrockers Geheiß noch mal angucken, auf Halstenberg und der auf Bartels und JAAAAA!

Doch der Fatalismus alternder Stänkerer kann gnadenlos sein. Statt Genuss nur die Überzeugung “Wir fangen uns doch eh noch einen!”, alles stoßen schon Jubelchöre aus, ich denke an irgendein Spiel, wo wir uns zu früh einschunkelten und doch noch was schief ging, und doch, Abpfiff!! Gewonnen!

Komisches Storytelling ist das ja schon, erst mal soooo lange fast episch zu erzählen und durch den Wechsel der Hauptfiguren erst Unruhe, dann Spannung und auch noch ein fantastisches Folgen-Finale einzuleiten.

Das mit dem Wechsel der Hauptfigur mitten im Film hat Hitchcock in “Psycho” ja auch gemacht. Und bei uns wurde noch nicht mal jemand in der Dusche erstochen. Das nenne ich zivilisatorischen Fortschritt!

 

“That makes it much harder — and almost always much better.”

“That gap in our culture, the one that exists outside the mainstream — that’s where you find artists, gay people, all the outsiders. ‘Queer culture’ is bigger than most people think.”

Danke, Herr Matussek! Spätestens, als Sie sich in die Debatte eingeklinkt haben mit Ihrem chronisch talentfreien, aufmerksamkeitsheischenden Gekeife, das sich schon Überschrift zeigte, da war ich froh. Und es perlte nur noch ab.

Ich meine, wer will schon sein, denken, schreiben oder leben wie so einer?

Mir sind ja wenige heterosexuelle Beziehungen bekannt, angesichts derer ich denke: “Hey, da habe ich aber was verpasst!” Mit einer davon fahre ich immer nach Sylt, eine andere, frisch verliebte mit bald 50, treffe ich nach Spielen vor der Domschänke. Die wissen um das, was im Rock’n’Roll über Appropriation hinaus geht.

Ich würde vielen Heten wie auch Regenbogenfamilien wünschen, dass gerade das Aufziehen ihrer Kinder gesellschaftlich so organisiert würde, dass sie es eingebettet in andere solidarische Zusammenhänge freier erleben könnten, als das, was der Fall ist. Wo man sie in das Hamsterrad ökonomischer Zwänge sperrt und sie erpresst, den Kapitalismus am Laufen zu halten. Dass Arbeiten, Wohnen, Kreativität Mehr von diesem Beitrag lesen

“White Brothers with no Soul” – Radiofeature orientiert an einem Vortrag von Alexander Weheliye, 10.2., FSK, 14 h

Momo on the radio die zweite: Morgen ab 14 h läuft beim FSK-Hamburg ein weiterer Versuch, mich in diesem für mich neuen Medium zu orientieren. Damit ich mich nicht völlig verlaufe, habe ich mich an einem Vortrag von dem in Chicago Kulturwissenschaft lehrenden Prof. Alexander Weheliye orientiert: “White Brothers with no soul – wie der Berliner Techno weiß wurde”. Er hat ihn vor der Queer AG der Universität Hamburg gehalten, mir freundlicherweise die Power Point-Vorlage zur Verfügung gestellt und auch genehmigt, dass ich da drumherum die Sendung baue. Ich danke ganz herzlich dafür!!!

Wo ich mich verplapper, Unsinn rede oder etwas falsch verstanden habe, da bin ich freilich selbst voll und ganz verantwortlich. Selbst ja ein white brother, ob mit ein klein wenig Soul oder nicht, das mögen andere beurteilen, habe ich lediglich hier und da queere und Hamburger Perspektiven ergänzt.

Alex’ Vortrag rekonstruiert virtuos und profund die oft verschwiegene Vorgeschichte dessen, was als Techno teutonisiert und als Sound von Berlin behauptet und vermarktet wurde: Zu weiten Teilen eine der PoC in den USA, Schwarze und Latinas und dortiger, queerer Clubkultur. Und nimmt darauf basierend das Selbstverständnis weißer, männlicher, heterosexueller “Macher”, “Schöpfer” und “Erzeuger” in der Musikproduktion hierzulande auseinander.

Ich bringe einiges an frühen House-Sounds auch zu Gehör, Frankie Knuckles, Phuture, Remixe von Larry Levan, Jamie Principle, schrecke auch vor zu Tode gespielten Disco-Krachern nicht zurück – einfach, weil sie es verdient haben, vor dem kulturellen Hintergrund gehört zu werden, vor dem sie entstanden.

Ich habe aus schlichter Unkenntnis nicht vertiefend einen ebenso wichtigen Aspekt ausführlich behandelt, die Rolle der G.I.-Discos in Berlin – hoffe aber, trotzdem deutlich genug gemacht zu haben, dass ich PoC keineswegs ausschließlich in den USA verorte. Ganz im Gegenteil. Alex hat mir u.a. ein sehr bedrückendes Gedicht zur “Wieder”vereinigung einer deutschen Autorin vorbereitet.

Ebenso habe ich mich bemüht, mich vor den großen schwarzen Sängerinnen des Sounds zu verbeugen und hoffe, dass dieses gelang. Adeva habe ich nicht mehr unterbekommen und werde es nachholen. Das Thema verträgt noch einige Sendungen. Auch die Bezüge zu Hip Hop und Synthie-Pop muss ich in die Zukunft verlagern. Wollte ja nicht nur quatschen, sondern auch Musik spielen.

Eventuell wird die Sendung um 23 h noch einmal wiederholt, was angesichts der gespielten Tracks auch Sinn machen würde.

Wer also zu diesem Blog eine Stimme hören möchte, der kann das morgen mal probieren. Habe wiederum nix vorformuliert, hatte ja Alex’ pointierte Texte – insofern sind alle “diediedie”, irgendwies, Wortdopplungen (3 mal “Wurzel” in 30 Sekunden), nicht zu Ende gesprochenen Sätze und Versprecher auch weitestgehend drin geblieben. Im Sinne von Emotion und Spontanität. Vielleicht gefällt’s ja.

“Eat the Meat”

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Beziehungslos in einem Raum im Schatten Eimsbütteler Hochhäuser sitzen. 2 fremde Männer checken mich ab. Was kann der? Ist der eine Gefahr, weil er etwas besser kann? Nervt er, weil er gar nichts kann? Männer mittleren Alters. Sie kommunizieren wenig. Ich bin ihnen zu laut, sie haben sich die leisen, filigranen Nuancen in die Finger trainiert. Ganz kultiviert. Ich will sprechen über das, was wir tun. “Willst Du etwa Feedback?”

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Pittsburgh. Queer as Folk, eine Fernsehserie aus den frühen Nuller-Jahren. (Achtung, Spoiler) Brian Kinney, Partner in einer Werbeagentur, kreiert die Kampagne für einen konservativen Polizeichef, der Bürgermeister werden will. Dieser plädiert für Moral, Sitte und Anstand. Will den “Sumpf” in der schwulen Szene “trocken legen”. Brians Freunde verstehen es nicht, dass er diesen Law & Order-Demagogen unterstützt. Brian jedoch träumt davon, die “großen Tiere” als Kunden zu gewinnen, die ihm eine Karriere in New York ermöglichen könnten. Sein Kumpel Ted, Betreiber einer Porno-Website, wird verhaftet – einer seiner Angestellten hat sich mit gefälschtem Ausweis eingeschlichen und ist minderjährig. Der Polizeichef möchte den Fall aufblähen, ein Exempel statuieren. Brian rät ab. Mehr von diesem Beitrag lesen

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