
Im Forum wird gemutmaßt, Stani könnte zur IG Farben wechseln wollen. Also zu Bayer Leverkusen. Die Historie solcher Konzerne sollte ja nicht beschwiegen werden. “Wirtschaftwunder”: Auch so ein Witz aus der neudeutschen Mythologie.
Und ich weiß noch nicht mal, ob ich das schlimm fände, wenn er wechseln würde … man kann auch tief empfunden “Danke!” sagen und trotzdem los lassen … man munkelt, manche hätten Angst, zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung im Sinne der Sozialromantiker aufzurufen, weil Stani sich ja aufregen könnte. Vor dem Spiel in Frankfurt kündigte er an, man wolle sich dort “belohnen”. Wofür eigentlich?
Nein, es kann nicht darum gehen, mangelnde Erfolge zu beklagen – vielmehr stellt sich doch die Frage, was als Erfolg zu werten ist. Warum war der Derby-Sieg einer? Weil es der erste nach 33 Jahren war? Nein, weil wir nie so werden wollten wie der HSV, sondern in Abgrenzung zu solchen 5. Kolonnen der umsatzstarken Großmannssucht und alles aufsaugenden Kapitalstrudel uns neu erfanden. Ich zähl mich als einer, der erst 2000 erstmals ins Stadion ging, da dreist mit zu. Lebe lange genug ums Stadion herum, um als Teil dessen mich zu fühlen, was auch ins Millerntorstadion schwappte.
Das Stuttgart-Spiel saß mir noch in den Knochen. Ich habe so vieles als so abgrundtief verlogen empfunden. Jeky hat großartig dieses Gefühl fort geschrieben; die Diskussion dort erschütterte mich ein wenig. St. Pauli lediglich als Geschichte des linken Widerstandes verstehen, aber schwule Pornokinos ausklammern? Kein Wunder, dass die Szene nach St. Georg abgewandert ist. Das Abstreiten spezifisch weiblicher Perspektven? Auch so entreißt man Frauen die Möglichkeit, als potenzielles Sexismus-Objekt exakt diese Erfahrung artikulieren zu können, ohne dass ein Heteromann da rein quatscht und als Hüter des Allgemeinen neues Terrain annektiert.
“Lass uns lieber über Fussball und Abstiegskampf reden” steht da. Ja, tun wir doch! Weil unter all den Oberflächen die Normalisierung droht. Und zu diesen Oberflächen gehört auch, nach jedem Spiel wie Matthias Lehmann sich hinzustellen und “Wir waren das bessere Team!” zu behaupten. Weil man sich gerade wieder mit einem 1:2 belohnt hat.
Sich einzureden, in der 1. Liga prima mitzuspielen, anstatt sich zu vergegenwärtigen, wofür man steht, kann nur in Niederlagen münden. Und Stani macht den Eindruck, als sei er in die Liga seiner persönlichen Inkompetenz befördert worden. Die Einstellung stimmt offenkundig nicht, die Konzentration nicht, und Last Minute-Tore sind eben auch ein Zeichen mangelnder Fitness.
Was alles scheißegal wäre, wenn sich auch nur irgendwas Kämpferisches, Unangepasstes, wirklich Rebellisches im Spiel äußern würde. Ging ja oft genug als Haltung. Wenn nur das Underdog-Gefühl sich hinter all den Business-Seats und Logen wieder finden ließe. Dieser Stolz darauf, aus geringeren Mitteln mehr zu machen. Nein, man strebt ja “Augenhöhe” an. Und verschwindet in dem Bedürfnis nach Verwechselbarkeit.
Wo isses hin, dieses Gefühl, diese Haltung, der Kleine zu sein, der den Großen ans Scheinbein tritt, bis sie umfallen? Man kann sich auch so weit normalisieren, dass es verschwindet … da muss man sich nur Gernot Stenger angucken. Der strahlt das aus, diesen Wechseln aus devotem Schleimen und angepasster Juristerei – doch wenn sich etwas widerständig gibt, geht er zur Attacke über und wittert beim “Jolly Rouge” gleich Blut. Wegen solcher werden wir absteigen, nicht wegen der Sozialromantiker. Weil sie für alle gesellschaftlichen Lügen gleichermaßen stehen, während sie höhnisch ausrufen, dass Plakate gegen die GAL ja “toleriert” würden, obgleich die doch mit Fussball nichts zu tun hätten. Wer nicht kontextualisieren kann, nivelliert die Welt noch unter sein Niveau. Und verliert.
Der Spieltag begann bei wundervollem Sonnenschein im Park. Mein Wauwau spielte herzig mit einer charmanten Hundefreundin, der ein “St. Pauli”-Tuch umgebunden war. Planten & Blomen breitete so schön sich aus, weil man überall die Keime der Zwiebelblumen durch altes Laub stoßen sah. Ein Noch-Nicht der hoffnungsvollen Art wogte als Gefühl über die Beete.
Ein Idiot versperrte mir den Weg, packte mich doof an, und das, weil ich einfach geradeaus weiter gehen wollte. Sie seien von einer Medienakademie und würden gerade einen Werbespot für die “HSV Blue Devils” drehen. In meinem Park! Beim Filmteam war einer mit St. Pauli-Mütze dabei. Ich ging weiter. Mir doch egal. Sollen sie ihren Dreh doch unterbrechen. Dass dieser Arsch sich legitimiert fühlte, für so einen medialen Dreck (ich weiß, wovon ich rede) mich auch noch mit Körpereinsatz zurück halten zu dürfen, spricht Bände: Wo die Kamera ist, ist es wichtig. Von wegen!
Ich ging einkaufen, legte mich eine Runde hin. Auch beim Mittagsschlaf kann man verschlafen – ich erwachte 16.30 h. Gucke bei Twitter, im Forum, im Ticker. 1:1. Tenor überall gleich: Grottenkick, kein Engagement. Das 2:1 fällt. Klicke alles weg und beantworte hier im Blog lieber Kommentare. Der Spieltag eines inaktiven Fans.
PS: Und warum zu alldem ein verfremdetes Bild der Stonewall-Riots? Ja, warum wohl?
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