
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose – aber ist das da oben auf dem Bild eine?
Ja, ja, die Natur und ihre Bedeutung oder wenn die Frage nach Grundlagenliteratur für Logik-Module im Bachelor-Studium mich auf einmal völlig aus der Fassung bringt. Wie wüst ins Googlen stürzt, Bücher werden aus den Regalen gerissen und stapeln sich neben dem Sofa …
Was empfehle ich da mal? Aristoteles! Am besten mit Aristoteles anfangen! Verfickt, steht das mit den Syllogismen jetzt in der “Metaphysik” oder woanders? Und wie gehen die da wohl ran an dieses Thema, heute, im Jahr 2010, an Universitäten?
Eigentlich geht es doch eh nur um die Relation singulärer und genereller Termini. Bei uns im Grundkurs “Sprache, Zeichen, Logik”, da haben wir eine hundsmiserable Lehrveranstaltung am Leitfaden der “Logischen Propädeutik” von Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen durchlitten. Allerdings im Hörsaal des damaligen “Instituts für angewandte Botanik”. Toller Saal, wilhelminische Holzvertäfelung für die deutschen Mandarine von einst – und die ganzen botanischen Klassifikationssysteme, Foucault zufolge noch dem Zeitalter der Klassik zugehörig, haben ja durchaus eine Menge – haha – mit formaler Logik zu tun.
Dass da nun die Bucerius Law School ihr juristisches Unwesen erscheinen lässt, das hat wohl doch mehr mit dem Intimfeind aller analytischen Philosophen (“in der Wirklichkeit gibt es keine Widersprüche, die gibt es nur im Falle zweier Aussagen, von der die eine unwahr, die andere wahr ist” – und prompt steht man schon vor dem Problem, dass falsch im Sinne von unwahr eben “nicht wahr”, also eine Negation impliziert und blickt ehrfürchtig auf dieses Phonem “un-”), Hegel, zu tun.
Nervös heraus gefordert, hey, ich habe das schließlich studiert, krame ich Kamlah/Lorenzen hervor – zielsicher schreit mich sogleich die Passage an, in der sie sich über “Kunstwahrheit” lustig machen, und, auch klar, in Abgrenzung zu Wagner und Hegel, die Pfeiffen. Und behaupten stumpf, diese würde im Sinne von “Echtheit” verwendet, die Banausen.
Und ebenso klar, dass einst im Hörsaal des Instituts für Angewandte Botanik der “Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose”-Witz gerissen wurde, weil hier die Identität der Rose mit der Rose ebenso wenig Gegenstand – Kapitel 1, Paragraph 5 bei Kamlah/ Lorenzen: “Ist “Gegenstand” ein Prädikator?” – ist wie die Nichtidentität des generellen Terminus “Rose” mit dem konkreten Einzelwesen “Grace”, das draußen auf meinem Balkon blüht. Bei Kamlah/Lorenzen heißt das eh Nominator und Prädikator, Wittgensteins “Die kleinste sinnvolle Einheit ist der Satz” schießt mir prompt ebenso durch den Kopf wie die Erinnerung daran, dass der Grossteil der formalen Logik, wie sie in der Philosophie zumindest gelehrt wurde, in einer Analyse der Verknüpfungen von Sätzen besteht, “wenn, dann”, “und”, “oder”, und so grübelt man kurioserweise darüber, ob die Verknüpfung wahr ist, trotzdem einer der Teilsätze falsch ist, gibt an mit ganz vielen tollen Sonderzeichen und verblüfft sich mit rein logischen Wahrheiten.
Diese Wahrheitstafeln, sind die nicht eigentlich aus dem “Tractatus” von Wittgenstein? Den müsste ich ja auch empfehlen, der ist eh einer Grundtexte überhaupt im 20. Jahrhundert. Aber kann ich das guten Gewissens tun, ohne ausgiebig auf Wittgensteins Selbstkritik in den “Philosophischen Untersuchungen” zu verweisen und diese wenigstens in groben Zügen zu erläutern?
Vielleicht doch lieber Frege. Fuck, auch so ein Name, wo ich erst mal rum googlen müsste, um nachzuschauen, was da der Grundlagentext ist.
Eigentlich würde ich eh die “Logische Propädeutik” von Ursula Wolf und Ernst Tugendhat empfehlen, die baut ja auf Frege auf, nur dass die für naturwissenschaftlich Interessierte wahrscheinlich genau das Büchlein ist, das vor lauter Grundsätzlichkeit genau das Faszinosum formaler Logik, diese ganzen schicken Symbole, die ein wechselseitiges Zeichenverweisen so virtuos wie ausgefeilte Kompostionstechnik erlauben, nun gerade nicht behandelt.
Der Feind der formalen Logik ist ja immer noch, allen Unken- und Derrida-Rufen zum Trotze, die Semantik selbst dann, wenn man sie negativ-dialektisch dynamisiert, weil Erkenntnis, die den Inhalt will, die Utopie will, und schon deshalb ist dieses formalisierte Gequatsche von Godwins Law Unfug.
Und dann hatte ich Bersarin auch noch versprochen, mal wieder Quine zu lesen, dessen Kritik der Dogmen des Empirismus angesichts der Frage nach einer Einführung in die Logik höchste Relevanz hat, und doch treibt es mich, auf Gadamers ” Wahrheit und Methode” zu verweisen , am besten parallel zu Tarskis Wahrheitssemantik , der Satz A ist gdw, wenn, zu lesen – und dann gibt es ja noch diesen herrlichen Disput zwischen Rorty und Davidson zum Thema “Wozu Wahrheit?”.
Ach, ich liebe die Philosophie!
Sich treiben lassen von Buch zu Name zu Gedanke … nur wisse, was Dir blüht, wenn Du jemanden, der gedanklich Felder zwischen Kant, Habermas, Foucault, Marx, Adorno, französischer Phänomenologie und analytischer Philosophie beackert, nach einer Einführung in die formale Logik fragst
.
Meiner Ansicht nach ist die Philosophie ja der Versuch um kritisch-analytische Präzision angesichts eines mal romantischen, mal abgründigen und schrecklichen Dschungels rund um Begriff und Sinnlichkeit, Geschichte und Macht, Gewalt und Sinn, Kritik und Kunst, ein Poem, in Geltungsansprüchen verwurzelt, von Erotik und Musik durchdrungen, ein Ethos der Weltoffenheit, so sollte die Philosophie zumindest sein, und ich als Pflänzlein in diesem Wundergarten müsste konsequent tatsächlich Gertrude Stein als Einführung in die formale Logik empfehlen. Allein schon, weil ihr Portrait von Picasso so gar nicht echt aussieht …
Hilfe! Nörgler, David, Bersarin, Hartmut, hat einer von euch einen Tipp, welche Einführung für naturwissenschaftlich Interessierte sich da anbietet neben Tugendhat/Wolf und Kamlah/Lorenzen?
Obwohl doch eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist … we shall be released.
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