Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Für Hedonismus

Kommt in die Millerntor-Gallery!

Eine tiefe Verbeugung vor der Action, dem Engagement, dem Einsatz, dem Ideenreichtum der Macher der Millerntor-Gallery!!!

Ich durfte gestern an dem “Pre-Opening” teilnehmen (incl. Kunstauktion durch Sotheby-Hochadel) und bereits im Vorfeld fest stellen, mit was für einer denkoffenen Crew da bis hin zum Kurator Jörg Heikhaus und Marcel Eger gearbeitet wird. Ich finde es immer wieder beeindruckend, was Benny Adrion und seine Teams da auf die Beine gestellt haben – die Millerntor Gallery ist ein Projekt von Viva con Agua.

Ich finde es wahnsinnig spannend, wie die kargen Gänge des Millerntor-Stadions mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen belebt werden und kann nur jedem empfehlen, sich das heute Abend bei der Vernissage oder die nächsten Tage mal anzuschauen. Fotos gibt es u.a. bei Stefan Groenveld zu sehen und beim Facebook-Auftritt der Millerntor-Gallery selbst.

Es ist cool, wie die altehrwürdige Institution und der ja in der engen Spitze von 1 oder 2% der KünstlerInnen auch millionenschwere Markt der Kunst dadurch, dass sie in ein Stadion wandert, umdefiniert wird. Wie umgekehrt ein trotz gelegentlich auch bei unserer Mannschaft aufblitzender “Spielkunst” sich ein eher, na, “bodenständig” gerierender Raum sich dem Spiel mit Form, Farbe, Figur usw. öffnet. Ein Raum, der ja idealerweise alles “Authentische” und Reproduzierende aufbricht und, um mit Cézanne zu sprechen, eine “Harmonie parallel zur Natur” kreiert – Disharmonie wäre zu ergänzen.

Ich finde es auch toll, wie Präsidium und Geschäftsführung des FC St. Pauli sich auf Viva con Agua und die Millerntor-Gallery einlassen, weil ich Sätze wie

“Der FC St. Pauli ist ein Lebensgefühl und zwar ein unkonventionelles, das für Kreativität, Anderssein, Toleranz, Weltoffenheit, Selbstironie, vor allem aber auch für soziale Verantwortung steht”

mal ab von dem blöden Toleranz-Begriff voll und ganz zustimmen kann dann, wenn das auch mit Leben gefüllt wird. Auch die Conclusio

“Darüber hinaus schafft die MILLERNTOR GALLERY es zu integrieren, denn sie bietet für nahezu jeden etwas. Und genau diese Aufgabe MUSS (Hervorhebung von mir) auch der FC ST. Pauli leisten: Ein spannendes Angebot für alle zu schaffen, zumindest für all jene, die sich die Freiheit nehmen, (mal) abseits der Konventionen zu denken und mit diesem Angebot auch noch der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.”

(Quelle: Katalog Millerntor Gallery, Katalog 2013, S. 7)

ist mit einem vehementen “Yes!” zu beantworten. Call and Response.

Womit ich freilich bei der solidarischen und sympathisierenden Kritik angekommen wäre. Es ist großartig, dass auch Künstler wie Zezao dort statt finden – und das Genörgel bei Facebook und Twitter über die “unstpaulianische” Farbe blau am Millerntor finde ich deshalb nicht zutreffend. Auch der Street-Art-Anteil ist sehr, sehr cool, weil dieser “Aufstand der Zeichen” (Baudrilliard) und die Wiedergewinnung des urbanen Raumes gegen Kommerzialisierung, Platzverweise usw. alltäglichen Widerstand darstellt.

Ansonsten ist es leider wie überall: Der Großteil der Künstler ist weiß, männlich und mutmaßlich heterosexuell. Eine queere Perspektive wäre mir zumindest nicht aufgefallen, ein heterosexueller Blick auf Frauen wie auch Männer schien mir hingegen sehr präsent zu sein (z.B. bei den “Mehl-Fotos”, deren Making off bei Gröni zu sehen ist, wo als männlich konnotierte Eigenschaften wie “Dynamik” z.B sich vor eine mögliche Erotisierung schieben – erotisierte Frauen, was ja an sich nichts Schlimmes ist, beraubt man sie nicht Eigenständigkeit und Subjektivität und unterlässt Übergriffigkeit, oder? Kritische Anmerkungen erwünscht!, sieht man schon auf dem Cover des Kataloges). Vielleicht habe ich auch Wichtiges übersehen.

Nun lassen sich durch diese sozialen Konstruktionen – “weiß, männlich, heterosexuell” – per se keine Rückschlüsse auf die Qualität der Kunst ziehen. Sehr wohl aber, inwiefern das soziale und auch ökonomische Setting, in dem sie sich als Kunst bewegt, auch reflektiert wird auf der Ebene des Werkes.

Und da ist, glaube ich, mehr drin als das, was ich gestern gesehen habe – gerade in einem Fussballstadion, wo Männermannschaften einen “Männersport” spielen, gerade dann, wenn eine unterstützenswerte und jetzt schon ruhmreiche Hilfsorgansisation wie “Viva con Agua” als Veranstalter auftritt.

Deutlich wurde das, als Michael Meeske von den “Tränen in den Augen derer”, denen Brunnen in Uganda gebaut wurden, berichtete – dass er da tatsächlich mitgefahren ist, finde ich toll, nur muss schon jeder Hilfsorgansiation klar sein, dass auch sie sich in einem kolonialen Setting bewegt und das Selbstbild des “hilfreichen Weißen”, der “Entwicklungshilfe” leistet, eben auch Teil dessen ist.

Das sollte niemand vom helfen abhalten noch das diskreditieren, was da mit enormen Aufwand betrieben wird, noch ist es möglich, individuell aus strukturell-postkolonialen Konstellationen wirklich auszubrechen – da fehlt aber eine Reflektionschleife, und was böte sich da eher an als Kunst, Wege zu sehen, diesen weißen Blick und dieses weiße Selbstbild auch kritisch zu thematisieren?

Und zugleich die nun tatsächlich genuin europäische Institution “Kunst” auch daraufhin zu befragen, wie sich das, was “wir” als weiße, meist männliche Mitteleuropäer mal als “Kunst” durchgehen lassen, mal nicht (das kommt dann ins “Völkerkundemuseum”), vielleicht von Praktiken in anderen Regionen dieser Erde unterscheidet – oder auch nicht? Wie es als Vehikel von “White Supremacy” und “Male Supremacy” genutzt werden kann und wie man zumindest versuchen kann, das auch aufzubrechen, auch wenn dabei ein Scheitern wahrscheinlich ist – und wie dieses Scheitern denn nun aussehen könnte?

Und wieso entstehen dann, wenn Weiße, zumeist Männer, mal nicht weitestgehend unter sich bleiben, solche Paradoxien?:

“Denn, Frage: Wie viele rassifizierte Menschen müssen bei einem Kollektivprojekt mitmachen, damit es nicht mehr als rein “weiß” wahrgenommen wird? Antwort: Ist egal, denn das Kollektiv wird immer ein böses, komplett weißes, rassistisches Arschprojekt bleiben. (Und das heißt, am Ende bist auch Du als Kanak_in immer nur das böse, rassistische Arsch mit an Bord. Oder: Es gibt dich halt einfach gar nicht. Oder: Du bist halt ein armes Opfer “in den [weißen] Fängen von xyz”. Kann aber ja auch gar nicht anders sein, schließlich bist Du ja Kanake, arharharhar!)”

Und lassen die sich vermeiden, oder geht das gar nicht? Für mich auch gerade eine sehr zentrale Frage als in Sachen “weiß” und “männlich” zumeist Ummarkierter, somit aus anderer Perspektive Schreibender. Weil ich da auch gerade an eine Grenze gestoßen bin im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Da wird auch mittels einer Kunstausstellung in einem Fussballstadion nicht die Welt zu verändern sein. Aber würde das stärker in der Kunst selbst Thema sein, wäre das nicht St. Pauli-like? Erste Kommunikationen zwischen MILLERNTOR GALLERY und 1910 – MUSEUM FÜR DEN FC ST. PAULI e.V. haben ja diesbezüglich auch schon statt gefunden ;)

Der ökonomische Rahmen, in dem sich das ganze, globale Drama rund um sauberes Wasser abspielt, wurde zumindest angedeutet, indem deutlich Front gegen die Privatisierung dessen votiert und Wasser als Menschenrecht verteidigt wurde.

Da können Frau von und zu Wittgenstein und Frank Otto und andere, die auf ganz anderen politischen und Wirtschaftshochzeiten tanzen können als der normale Spender und die gestern da waren, weiter  dran arbeiten. Dass Frank Otto Viva con Agua von Anfang an unterstützt, das ist ihm eh schon schon hoch anzurechnen.

Unsortiertes zu Yücels Plädoyer für kolonialrassistische Regime, das Erbe der “Aufklärung” und was das mit Kunst zu tun hat

Im Grunde genommen ja langweilig, die ewig gleichen Textbausteine von Greiner bis Roenicke, von Fleischhauer bis Tsianos, von Hacke über Scheck bis Yücel zu kommentieren. Sie verharren in ihrer selbst verschuldeter Unmündigkeit, wanzen sich ran an die Macht und hassen mutmaßlich Kommunikation, Kunst und Kreativität.

Und die Freiheit des Anderen geht ihnen eh am Arsch vorbei. Sonst würden sie ja nicht alle den immer gleichen Marsch blasen und dazu im Gleichschritt argumentieren, triefend vor Rassismus, Sexismus, aber ausnahmsweise mal keiner Homophobie. Die aber vermutlich bei nächster sich bietender Gelegenheit im Zuge allgemeiner Besitzstandswahrung, Kritikunfähigkeit und Ego-Absicherung auch aufbricht, um sich als was Besseres fühlen zu können, so wie in Frankreich derzeit.
Es ist mir jetzt zu ermüdend, über Differenzen in der Konnotation von US-Vokabular und jenem in Deutschland zu dozieren (und ich bewundere die Akribie und Geduld Accalmies, das so großartig zu tun ebenso wie die von Halfjill!!!).

Ebenso nervt es mich, über die Ambivalenz der Aneignung diskreditierenden Vokabulars durch Diskreditierte zu sinnieren, das von Nicht-Betroffenen so gerne diskutiert und anempfohlen wird.

“Schwul” ist da ja ein gutes Beispiel; es ist erstaunlich, wie häufig das Wort in abgrenzender Absicht an ganz normalen Arbeitstagen allerorten fällt, von Heten verwendet; wie angewiesen sie darauf sind, es ständig zu thematisieren, um sich als das Andere dessen zu positionieren. Ich war gestern nur einmal wieder verblüfft während meines Broterwerbs: Ständig. Dass “schwul” zu den beliebtesten Schimpfwörtern auf Schulhöfen zählt ist bekannt; ob es nun sinnvoll war, es zur Selbstbezeichnung zu nutzen? Zunehmend sehne ich mich nach von Begriffen freien Sphären des namenlosen Begehrens, das nicht den Kategorien, die zugleich Hierarchien stabilisieren, sich unterwirft. Weil das Abgrenzungsbedürfnis “tolerierender” Heten nur nervt.

Nun ist freilich schon der Einstieg in diesen Text dann hochproblematisch, wenn ich als weißer “Biodeutscher” in Anspielung auf Kant, “selbst verschuldete Unmündigkeit”, Yücel gegenüber die Haltung einnehme, dass ich nun natürlich in Fragen der Kunst die Weisheit mit Silberlöffeln gefressen und der Muttermilch eingesogen habe. Er ist in Deutschland geboren wie ich, wird jedoch ständig erleben, dass er im Sinne des “Migrationshintergrundes” markierbar ist – passiert mir nicht: Privileg. Nadia von Shehadistan konterte neulich köstlich mit “Faschismushintergrund”, den ich als Sohn eines Pimpfes definitiv habe.

Würde ich nun eine Haltung einnehmen wie Yücel in seinem rassistischen Pamphlet (Achtung, Triggerwarnung, schlimmer Text), wäre dies die der Neuen Rechten.

Er adaptiert dort  ein zutiefst kolonialrassistisches Bild: Da die Wilden und “Hysterischen” (das kann man u.a. anderem bei Michel Foucault nachlesen, was die “Hysterisierung der Frau” für eine gesellschaftliche Funktion hat; feministische KommentatorInnen werden bessere Quellen kennen), hier er, der aufgeklärte, um Kunst und Historie wissende Mann, der alles Eigene Kolonisierter in eine barbarische Vorgeschichte überführt; er, der selbstverständlich nur ausnahmsweise mal “die Contenance verliert”.

Das ist eine Reproduktion dessen, was sich z.B. bei Immanuel Kant findet: Der unterscheidet zwischen “Neigung”, die “natürlichen” Impulsen folgt, und sieht so u.a. wörtlich in der “Grundlegung zur Metaphysik der Sitten” die “Südseebewohner” von “Sinnlichkeit affiziert” – und der vorsinnlichen, voremotionalen usw. Vernunft, bei Kant heißt das im Falle der praktischen Vernunft Pflicht.

Das ist das Grundschema des Kolonialismus zudem, Kant war da nicht Ursache, sondern Symptom: Auf der einen Seite die Vernunft, die Zivilisation, die Kultur, die Fähigkeit, das “Natürliche” zu beherrschen, die Geschichte, die von weißen Männern gemacht wird – auf der anderen Seite das “Naturverfallene”, die “Horde”, nicht individualisiert, die nur kreischt und brüllt und trommelt.

Das ist die Perspektive, die sein Text einnimmt, der macht auch vor Pathologisierung nicht halt, und wie bei der Neuen Rechten üblich, tritt das Ganze auch noch als Totalitarismuskritik auf. Während der über den Dingen schwebende Mann nur kurz die Fassung verlor. So pflegt er sich perfekt in den bundesdeutschen Konsens ein, bemüht wie üblich die ja ungeheuer wirkungsmächtigen “K-Gruppen” und vorsichtshalber auch die Prüderie der Katholischen Kirche zur Denunziation der Geotherten.

Das ist freilich das Muster, das nun auch permanent spätestens seit dem 11. September im hehren Kampf gegen “Islamofaschismus” Mehr von diesem Artikel lesen

“Ich sehe aus dem Augenwinkel nur ein hellblaues Trikot reinfliegen und plötzlich war es unfassbar laut.” – Florian Bruns

Von hinten erzählen? Vorne anfangen? Mitten rein springen?

Vorgeschichten ausmalen – wie schön es z.B. ist, in dieser traumhaften Stadt zu leben, trotz allem, trotz Neumann, Scholz, Gentrifzierung? Wie gut es sich anfühlt, an arschkalten Frühlingsabenden durch den Park der Abendsonne entgegen zu gehen, in Erwartung dessen, die Boys in Brown gleich auf dem Platz zu sehen, vertraute Menschen in und um das Stadion zu treffen, wenn das Bier schmeckt und die Seele braun-weiß lacht?

Klar, bin auch kein potenzielles Opfer von Racial Profiling, nicht von Abschiebung bedroht – erinnere mich aber gut daran, wie einst, als ich noch in dem Alter und der Form war, da man Erfolge auf dem Fleischmarkt feierte, mich drei bis vier mal umsah, bevor ich mit dem jeweiligen Typen los knutschte auf offener Straße.

Weil man ja zumindest ahnen konnte, wer darauf gewalttätig reagieren könnte …

Nun sehe ich manchmal deutschtürkische Jungs Händchen halten durch die Wallanlagen streifen. Und freue mich dann. Ja, ist “nur” Freundschaft zwischen denen, aber nicht umsonst formulierte Michel Foucault einst in vielen Interviews, dass sich als schwul erfinden als Freundschaft zu anderen Männern verstanden werden  könnte – durchaus in Abgrenzung zu oft von sexistischen Hierarchien und Role-Models durchdrungenen, heterosexuellen Beziehungen. Und auch deshalb: Unbedingt lesen, den Text!

Weil ich auch manchmal das Gefühl habe, dass Homo-Ehe für manche Heterosexuelle auch deshalb so befürwortenswert ist, weil man sich deren Lebensformen damit anähnelt. Was ich nie gewollt hätte. Bin ja trotzdem für die rechtliche Gleichstellung, fand aber das Abenteuer, in jeder Konstellation erst mal entdecken zu müssen, Mehr von diesem Artikel lesen

“Jazz handelt vom Mutigsein”: Über Risiko, Vertrauen, Fussball und die Problematik eines Begriffs

saxflirt

 

Nach Hause!

Im SPEX-Kosmos der 80er weich gekocht und danach im Flirt mit der BRAVO bei gleichzeitigem Sträuben dagegen mit den Mitteln der Philosophie wurde mein Denken geformt, irgendwann habe ich mich durch die Rolling Stone-Phase gefolkt (ich ließ das Lesen dessen bleiben, als Stuckrad-Barre dort schrub), entdecke ich nun im fort geschrittenen Alter: Es gibt richtig coole Jazz-Zeitschriften!

So z.B. die JAZZthetik. Die berichtet von Menschen, die musikalisch besser machen, was ich hier manchmal bloggend versuche – und wohl, weil trotz Giganten wie Joe Lavano, Wayne Shorter und anderen sich kein der bildenden Kunst, der Klassik oder dem Pop adäquates Starsystem heraus bildete (Sonny Rollins, Herbie Hancock und Tomasz Stanko live übertragen von der Waldbühne um 22.30 h im ZDF zur Eröffnung irgendeines Sport-Events ist schwer nur vorstellbar), denken die Autoren und spielen die Musiker crossovernd vor sich hin.

So erschließen sie sich sinnlich und reflektierend Welt, dass es eine Freude ist.

Da verjazzen im Wagner-Jahr reihenweise Künstler (Eric Schaefer und Dieter Ilg zum Beispiel) das olle, politisch niederträchtige und künstlerisch doch so überragende Genie, Ruth Wilhelmine Meyer und Helge Lien umschmeicheln die Figuren Ibsens ohne Text, weil Sprache ja einen Schlusspunkt habe, an dem es nicht mehr weiter ginge – und der Altsaxophonist Christian Weidner musiziert jungianisch seine Träume:

“Die Wesen, die dort anzutreffen sind, haben eine bestimmte Energie und einen bestimmten Gestus und leben weiter, auch wenn ich nicht mehr schlafe. Ich gehe gerne bewusst zurück in die Träume und erinnere mich an sie. Ich tue so, als wären sie im wachen Zustand lebendig, indem ich mit Figuren spreche und ihrer Energie nachspüre. In diesen Energien und dem Nachspüren taucht dann die Musik auf.”

Christian Weidner in: Traummusik im Wachzustand, JAZZthetik März/April 2013, Ausgabe 251, S. 22

Wundervoll. Das sollte ich mal als Konzept an meine Kunden verkaufen, die Chancen stünden schlecht, dass sie zu begeistern wären – aber genau deshalb ist diese jazzige Welt ja so wunderbar. Kommerziell kann man da eh nicht viel reißen, drum gibt sich programmatisch die Formenvielfalt ganz der nun mal wirklich tabufreien Imagination hin.

Diese ganze angeblich “Tabus brechenden” Feuilleton-Schmierfinken in ihrer formalen Öde, die “Zensur”-Schreihälse mit ihren Textbausteinen machen ja gerade das NICHT, was auch nur in Nischen sich findet, doch solchen, wo das Abenteuer der Form noch gesucht wird .

Don Byron auf S. 46 weiß so zu berichten, wie schwarze Musiker in den USA dazu gedrängt werden, doch lieber Saxophon statt Klarinette zu spielen und begibt sich als Antwort in die Gospelkirche, die Historizität des Materials erkunden. Chris Potter zwei Seiten weiter hat sich als Urformel aller Heldenreisen Homers Odyssee gekrallt – nicht zufällig auch dramaturgischer Höhepunkt in Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung”, die Nummer mit den Sirenen und dem Mast, an dem fest gebunden der alte Grieche dem Trieb entsagt, da er ihn zerstören könnte. Naturbeherrschung. Und das Drama nahm seinen Lauf …

Mehr Inspiration in einem Heft als in 20 Jahren Abo von DIE ZEIT. Nach Hause! In Ben Zabo muss ich mich noch mal separat einarbeiten.

Und, hach, auf S. 60 dann ein Essays zu, na, was wohl: Jazz und Fussball! Autor Mehr von diesem Artikel lesen

Poesie, Eros, Drama: Millerntor! Bruuuuuuuuuuns!

Die augenzwinkernde Poesiewerdung des FC St. Pauli:

“Wenn im Wald die Hölle los ist, wenn Bäume beben, das Blätterdach wackelt und selbst der Wurmfarn vor Frühlingsgefühlen platzt, wenn zottelige Gestalten ihr Glück in den Himmel röhren oder ineinander verkeilt den Euphorieüberschuss austanzen – dann weiß der Förster: Es ist wieder Brunszeit.”

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Okay, der Gegengeraden-Gerd ist ja eh Sprachkünstler. Meine Verehrung!

Aber selbst die Mopo, ausnahmsweise verlinkt, müht sich auf einmal  im Ringen um den bildhaften Ausdruck:

“der Rest waren ausflippende Zuschauer, am Boden kauernde Gäste und eine Jubeltraube in mehreren Metern Höhe auf dem Schützen.”

Ohne “der Rest war” hätte aus dem Satz wirklich was werden können! Dranbleiben, Mopo!

Als Meister der Verdichtung erweist sich Fabian Boll (dem Hamburger Abendblatt vom 9.3. 2013 gegenüber):

“Platz umpflügen, grätschen, wo sich was bewegt.”

Beinahe ein fernes Echo der Lyrik August Stramms meint der Hörer da zu erlauschen.

Ja, das ganze Regensburger Forum mag sich verpfiffen fühlen Mehr von diesem Artikel lesen

Die Kohl-Generation: Der Deckel auf dem Topf

Jedes Denken entsteht unter spezifischen Zeitbedingungen. Es ist sozusagen Pflicht, auf jene zu reflektieren, unter denen das eigene sich formte, will man nicht politischen Journalismus oder politische Theorie im Sinne der handwerklichen Hanswurstigkeit betreiben.

Heute geraten zunehmend jene, die in den Kohl-Jahren politisch sozialisiert wurden, an all die kleinen Hebelchen der Macht. Sitzen in die Führungpositionen, besetzen Plätze in der veröffentlichten Meinung, reiben sich an denen, die in den 70ern groß wurden und und oft auch an deren Denkoffenheit.

Da machen ein paar Jahre schon viel aus: Während Jahrgänge wie der meine genervt angesichts des Dogmatismus vieler 68er im zarten Alter von 14 wahlweise mit den “Neuen Sozialen Bewegungen” identifizierten – Frauenbewegung, Schwulen-Bewegung, Anti-AKW- und Friedensbewegung, von den “Black Panthers” war in meiner Wahrnehmung in Deutschland wenig zu spüren -, die man wohl als “Alternativbewegung” zusammen fassen kann, kokettierten andere mit dem “Null Bock” des Punk, manche mutierten später zu “Gothics” oder wurden Popper. Mal idealtypisch zugespitzt.

Die Alternativbewegung fand auch in der Popkultur Nachhall und setzte anders als noch der “Arbeiterbewegungsmarxismus” auf das Dezentrale – im Nachhinein ist für mich der Kern, dass von unabhängigen Jugendzentren über Hausbesetzungen bis zur Öko- und Second-Hand-Laden-Gründung, dem Independant-Label und Stadtzeitungsverlag versucht wurde, unabhängige, ökonomische Strukturen auf die Beine zu stellen. Das Ganze freilich in einer so ganz und gar nicht mehr marxistischen Technikfeindlichkeit situiert: Die Studien des “Club of Rome” hatten die “Grenzen des Wachstums” und “Endlichkeit der Ressourcen” aufgezeigt, das Vertrauen in die Produktivkraftentwicklung, das noch die SPD zur Atomkraftpartei werden ließ, war geschwunden. Im Nachhinein halte ich das für problematisch, nicht wegen der Frage der Atomenergie, sondern weil es zum technischen Fortschritt halt keine Alternative gibt und nicht nur in diesem Fall ein merkwürdig konservativer Einschlag das begleitete, was in der Etablierung der GRÜNEN enden sollte. Wohl das Erbe der Naturverklärung der Romantik.

In den frühen 80ern formierten sich die Autonomen, und zeitgleich brachte die Friedensbewegung, der Protest gegen den NATO-Doppelbeschluss,  so viele Menschen auf die Straße wie nie zuvor: Ich erinnere mich an ein Wochenende, da weit über eine Million Menschen in verschiedenen Städten gleichzeitig demonstrierte. Man kann nur sehr viel über das Für und Wieder der damaligen politischen Ansätze streiten; zumindest war eine Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte allerorten spürbar. Man besann sich auf das Erbe von Brecht und Tucholsky, und Fasia Jansen und Esther Bejarano standen gemeinsam auf den Bühnen. Es gab noch nicht dieses künstliche Auseinanderdividieren von Antisemitismus und Antirassismus, Strömungen wie jene der “Antideutschen” hatten ihr demagogisches Verwirrspiel noch nicht entfaltet. Auf der anderen Seite gab es tatsächlich einen plumpen Antiamerikanismus, der sich in Songs wie “Amerika” von Fee zeigte und sich vom Dünkel der Kulturindustrie-Kritik der Kritischen Theorie auch bei jenen nährte, die die “Dialektik der Aufklärung” nie gelesen hatten. Später wurde dieses typisch deutsche “Kultur!”-Geschrei in “McWorld” und ähnlichen Slogans pointiert wurde. Auf der anderen Seite kritisierte man den US-Imperialismus, den es von Pinochet bis zur Inthronisierung Ayatollah Khomenis, ja, man glaubt es kaum, nicht nur zu Unrecht. Den Khomeni-Zusammehang kann man googeln, ebenso Die “Iran-Contra”-Affäre – das haben die meisten ja auch lieber verdrängt. Und, allen Unkenrufen zum Trotze, der der Sowjets in Afghanistan wurde auch kritisiert. Mit der Solidarnosz fühlten sich jene, die ich kannte, ebenfalls solidarisch wie auch mit der “Schwerter zu Pflugscharen”-Bewegung in der DDR. Die war mit der “Umweltbibliothek” zusammen eine der Keimzellen der späteren Bürgerrrechtsbewegung.

Dann kam Kohl, und allmählich ist es wohl an der Zeit, Bilanz zu ziehen, in welcher Hinsicht er fatal wirkte. Die Raketen wurden stationiert, doch anders als Thatcher oder Reagan vollzog der allseits als “Birne” Diffamierte kein brutales, neoliberales Programm, und einem Lambsdorff wurde ein Blüm entgegen gestellt. Trotz gelegentlichen Aufflackerns der massenhaften Politisierung wie in Wackersdorf oder rund um die Hafenstraße und die Alte Flora, trotz starker Aktivitäten der Autonomen in Groß- und Studentenstädten, war vieles in der Alltagsästhetik und Haltung in Abgrenzung gegen “Öko” geprägt und Politik wurde zunehmend uncool. Wer sich für hip hielt, las die Tempo, die durchaus politisch startete, ansonsten aber ästhetisierend wirkte, stellte sich Chromregale auf den abgeschliffenen Holzfußboden und diskutierte Popkultur. Kohl prägte den ungeheuer wirkungsmächtigen Slogan von der “Gnade der späten Geburt”, der damals zwar harsch kritisiert wurde, sich heute jedoch erst vollumfänglich als Desaster entpuppt, wie zum Beispiel die N-Wort-Debatte zeigt.

Dann wurde die Mauer zum Einsturz gebracht, und ich erinnere mich gut an die ambivalenten Gefühle: Einerseits Freude, dass die im kleinbürgerlichen Staatskapitalismus Eingesperrten nun raus konnten. Umgekehrt befiel schlagartig mich das Wissen, dass man nun 20 Jahre lang keine linke These mehr würde vertreten können und dass es nicht lange dauern würde, bis massenhaft Neonazis das Land bevölkern würden. Kohl erzwang die “Wieder”vereinigung und gestaltete sie so, dass allen halbwegs Informierten klar war, dass es ein ökonomisches Desaster geben würde. Ja, ist so, man mag von Lafontaine heute halten, was man will, im Nachhinein gibt sogar ein Wolfgang Schäuble ihm recht, dass z.B. der Umtausch 1 zu 1 von DDR-Geld zu D-Mark ein Riesenfehler war. Aber der nationalistische Pomp mit all seinem Pathos verdrängte jegliche Rationalität und mündete in Lichtenhagen, Hoyersverda und Mölln und der de facto-Abschaffung des Asylrechtsparagraphen.

Zeitgleich erschien zunächst rund um Loveparade, VIVA und BRAVO TV alles so schön bunt hier, eine wahre Pop-Explosion befeuerte die Kanäle, und das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem geriet unter den Druck der Privaten. Heute gedenkt USP dem “Familienduell”, der brachiale Ökonomismus von “Glücksrad” und “Der Preis ist heiß” wird auch Spuren hinterlassen haben.

Es setzte nach und nach und nach eine bedingungslose Affirmation kapitalistischer Produktionsweisen ein, die angeblich ohne Alternative seien, wie ja der Zusammenbruch des “Sozialismus” genannten Staatskapitalismus gezeigt habe. Letztlich war es dann Gerhard Schröder, der das Thatchersche und Reagansche Erbe Deutschland aufzwang. Staatliches Eigentum wurde verscherbelt, ohne dass die Bürger davon irgendetwas gehabt hätten, die Sozialversicherungssysteme, insbesondere jenes der Rente, wurde vom Staat teilentkoppelt – eine irrwitzige Freisetzung von Kapital, auch einer der Gründe späterer Krisen, fand statt.

Zugleich verschwand die Kritik politischer Ökonomie weitestgehend aus der Linken zugunsten reiner Moralisierung. Das ist das Argument, was fälschlich immer wieder gegen Antisexismus, Antirassismus und den Kampf gegen Homophobie ins Feld geführt wird, und tatsächlich haben ja manche Zweige postmodernen Denkens, auch in den Cultural Studies, ja nicht gerade die materiale, ökonomische Basis dieser gesellschaftlichen Phänomene im Visier.

In ein paar Rand- und Splittergruppen wurde ergänzend aus dem zustimmungsfähigen Slogan “Nie wieder Deutschland!” ein Adorno verdrehendes, letztlich voller liberaler Topoi steckendes “antideutsches” Denken, das alles dafür tat, auch ja nicht mehr sinnvoll über Antisemitismus reden zu können, noch nicht mal über den sekundären, an Israel orientierten, weil sie ihre nationalistischen Gelüste Israel instrumentalisierend auf diesen Staat projizierten und Juden zu Ersatzariern imaginierten. Wofür diese nun wirklich nix können, es gibt ja mittlerweile sogar Antisemitismen in Reaktion auf “antideutsche” Gehirnwäsche, schlimmerweise. Inbesondere im Osten Deutschlands hat diese Ideologie ja wahre Verwüstungen in Hirnen angerichtet: An sich tolle Menschen, mit denen man sich jahrelang schöne Mails geschrieben hat, mutieren auf einmal zu irrationalen Fanatikern, weil sie zu viel von dem Zeug geraucht haben.

So weit grob skzziert Prägungen derer, die zwischen 1983 und 2005 politisch sozialisiert wurden und dabei noch irgendwielinks dachten: Trotz dessen haben sie den Slogan  ”Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” mit der Muttermilch eingeatmet und sind fast dran erstickt. Für “Ökonomie” halten sie die Slogans der Privatisierer und der Initiative für Neue soziale Marktwirtschaft. Mit Habermas’ “Faktiziät und Geltung” sind sie der Meinung, der liberale Rechtsstaat wäre der Historie letzter Weisheitsschluß. Der ist ja auch gar nicht nur übel. wenn es ihn denn gäbe. Denn empirisch sind es einfach verschiedene Typen der gesellschaftlichen Großorganisation – Banken, Behörden, Fernsehsender, Konzerne, Parteien, Lebensmittelketten, DFB usw. – die alles andere als zu beherrschende Umwelt betrachten, die es gleichzeitig auszubeuten und ruhig zu stellen gilt. Sozial wirksam ist die Unterscheidung zwischen denen, die drin sind, und denen, die draußen, aber angewiesen bleiben. Parallel wird eine Präventivjustiz etabliert, die dem, was “Rechtsstaat” meint, mitten ins Gesicht rotzt und eine Entrechtung und Gängeleung all jener betrieben, die sich dem Lohnarbeitszwang entziehen, während zugleich Rassifizierung die soziale Ordnung stabilisiert.

Eine Gemengelage, die gerade bei den unter Kohl und dann Schröder Sozialisierten zu einem ganzen Bündel merkwürdiger Phänomene führt. Als Kinder der “Gnade der späten Geburt” halten sie sich zumeist für postrassistisch, Sexismus lebten ja nur “Migranten”, und homophob sind eh immer die Anderen. Sie haben die Moral für sich gepachtet, ohne auch mal einen Gedanken daran verschwendet zu haben, was “Moral” so alles heißen kann – und kriegen drum von den Altlinken immer wieder die “Moralisierung der Politik” oder auch Theorie aufs Butterbrot geschmiert. Während sie selber im Falle von Kunst und Kultur oft Allergien gegen alles Politische entwickelt haben und so auch vehement das “N-Wort” verteidigen. Ihre Bezüge sind so oft auch eher der etablierte Kunst-Kanon, falls sie sich für was anderes als Julie, Thees Ullmann, Tocotronic, Element of Crime oder Post-Punk-Gitarrenmusik interessieren.

Ihre Popmusikhistorie beginnt in der Regel nicht bei Charly Parker, Illionois Jcquet, Bessie Smith oder Ike Turner, sondern ganz wie beim ZDF bei “Rock around the Clock” Bill Haleys. Ihre ästhetische Welt ist zumeist weiß gewaschen und von Adepten schwarzer Musik, aber nicht dieser selbst geprägt, und ansonsten haben sie vor allem Angst. Durch jahrzehntelange Massenarbeitslosigkeit geprägt neigen sie zu Überanpassung an die Institutionen, eben jene Großorganisationen, um die herum sie noch als “Prekäre” gruppiert bleiben – und die, die drin sind, sind vor allem mit Politics beschäftigt und auch damit, in Meetings und Redaktionssitzungen bloß nicht als linker Spinner, Visionär oder irgendetwas, was einem totalitär gewordenen Realitäts- und Formprinzip widersprechen könnte, aufzufallen. Sie sind in einer medialen Entwicklung groß geworden, die alles formatiert, was formatierbar ist, und ganz auf Konsumierbarkeit ausgerichtet ist – alles andere macht ihnen wahlweise Angst oder sie aggressiv. Sie erheben sich ganz wie einst Kohl mit einer gewissen Schlichtheit und gleichzeitigen Arroganz über das Sperrige, Konsequente, Nachgedachte, Unsichere, Verspielte, die offene Form – und sind immer ganz weit vorn dabei, den aktuellsten Claim auch aufzugreifen. So mühen sie sich, die Welt auf ihr Niveau zu reduzieren.

Das ist wohl das am tiefsten sitzende Erbe Helmut Kohls. Man muss nur mal dessen Reden mit denen eines Willy Brandt vergleichen. Das ist schon sprachlich ein Spaziergang in zwei völlig verschiedenen Landschaften, und die von Kohl ist die blühende nicht.

Das Interessante ist, dass bei den nunmehr 20-30 jährigen der eine oder andere sich diese ganze Überanpassung an das falsche Ganze nicht mehr verkaufen lassen will. Vielleicht sind es nur Einzelne und meine Wahrnehmung ist selektiv; mir fällt jedoch auf, dass zumindest in meinem Umfeld immer mehr von denen auftauchen, die sich nicht mehr bluffen, sich von Rhetorik gegen Elfenbeintürme nicht verschrecken lassen und sich mal wieder eigenständig Wissen aneignen. Sie stoßen nun überall auf die Kohl-Kinder auf Dozentensesseln, als Abteilungsleiter oder in der Publizistik und nicht zuletzt als Geschäftsführer des FC St. Pauli.

Die wie ein Deckel auf dem Topf zunehmender Unzufriedenheit sitzen. Vieles sucht sich einfach so die Bahn, als Gewalt, als teils auch kindische Auseinandersetzung mit der Polizei, gerade bei den Abgehängten und von den Sicherheitskräften aktiv Kriminalisierten.

Andere knüpfen nicht zufällig da an, wo die Zäsur Kohl alles platt saß: Bei dem Erbe der Alternativbewegung. Das gibt Hoffnung.

(Mit Dank an das Lichterkarussell)

Borniert, ignorant und faul: Denis Scheck und wie er und andere Kunst ermeucheln wollen

Nein, das ist KEINE reine Schmähkritik. Ich werde begründen.

Das geradezu Verblüffende an der “Performance” des institutionell bestens abgesicherten Denis Scheck ist ja dessen offenkundige, vielleicht unbewusste Verachtung dessen, was Kunst sein könnte. Auch deshalb ist dieses Stoßen ins Horn der Neuen Rechten nunmehr auf der Seite der gebührenfinanzierten ARD so entlarvend:

“Die Sprache der Literatur lebt ja gerade davon, dass sie sich nicht in das Korsett des “politisch-korrekten” Sprachgebrauchs begibt, was der Diskurs im öffentlichen Raum auf oft bedenkliche Weise unnötig tut.”

Das ist Beleg 1 für borniertes, faules Kunstbanausentum: Wenn man schon die PC-Keule zum Mundtotmachen schwingt, sollte einem klar sein, dass “Political Correctness” von Anbeginn an ein Kampfbegriff der Politischen Rechten in den USA war. Gegen Stonewall, gegen die Bürgerrechtsbewegung und Black Panther und gegen den Feminismus für die Restauration zu kämpfen – und somit gegen PoC, gegen Frauen, gegen Lesben, gegen Schwule -, das war sein Zweck. Dass man nun ständig in die Rolle des PC-Verfechters gedrängt wird, um homophobe, sexistische und rassistische Quälereien abzuwehren, ist leider Teil der Strategie der Kunstverhinderung. Kunst geht mit Sprache ja kreativ um, also konträr zu den Forderungen Denis Schecks in diesem Fall. Kaum jemand inszeniert Shakespeare so wie zu Shakespeares Zeiten. Zensur?

Und man muss viel häufiger versuchen, die Begriffe der ganzen PC kritisierenden Dominanzverteidiger einfach hinter sich zu lassen, will man den Anforderungen dessen, was Kunst kann, gerecht werden.

Wäre Herr Scheck ein auch weiterhin ernst zu nehmender Literaturkritiker, würde er diesen Zusammenhang reflektieren und ganz im Sinne der Kunst nach Wegen suchen, den Kanon und die Tradition zeitgemäß und produktiv sich anzueignen, anstatt aktiv zu mummifizieren. “Politcal Correctness” als zu Kritisierendes und das sich vermeindlich dagegen Behaupten  ist eine Strategie, Rassismus, Homophobie und Sexismus zu bewahren. In welche künstlerischen Formen nunmehr eine Thematisierung eben genau dessen zu überführen wäre, auf der Bühne, in der Literatur, der Musik, der bildenden Kunst, und auch, von wem und in welchen institutionellen Ordnungen, DAS ist doch die Frage, wenn einem denn wirklich an der Kunst gelegen ist.

Nein, stattdessen will Dennis Scheck konservieren – das ist der Tod der Kunst und nichts weiter als die Verteidigung einer rassistischen Ordnung.

Nun ausgerechnet Herrn Wildgruber und nicht zum Beispiel den Film von Spike Lee zu diesem Thema anzuführen zeigt: Das ist ein Köcheln in der immer gleichen, weißen Sauce. Man kann sich auch den Katolog zu einer ganz und gar verunglückten Ausstellung zu “Zwischen Charleston und Stechschritt: Schwarze im Nationalsozialismus”, Peter Martin und Christine Alonzo (Hg.), Hamburg/München 2004 heran ziehen – Journalisten recherchieren ja eigentlich, nicht so Denis Scheck und seine Redaktion in diesem Fall – und zweierlei daraus lernen: Zum einen, wie ungeheuer problematisch es ist, einfach nur plump abzubilden, welche  Rassismen bereits in den 20er Jahren (und davor natürlich nicht minder) ungeheuer krass erblühten. Zum allgemeinen, weißen Gelächter, ich zitiere die Worte nicht, die da zu finden sind.

Das Dokumentieren kann man noch als Kunstform betrachten, das simple Abbilden ist es nicht, das reproduziert nur – insofern hat es gegen ein ungebrochenes Aufhängen extremst rassistischer Darstellungen einen durch und durch berechtigten Aufschrei gegeben im Falle der Ausstellung. Ursprünglich hieß sie “Besonderes Kennzeichen N …”, wie das gerne geschieht, wenn lustvoll aus weißen, deutschen Münden das N-Wort kriecht wie Würmer aus einer Wasserleiche da, wo vermeintlich “gut gemeint” die eigene Geschichte, aber nicht die Schwarzer in Deutschland, thematisiert wird. Der Buchtitel des Kataloges erfuhr so drum bereits eine Überarbeitung, angesichts derer wieder viele sachwidrig von “Zensur” krakelen würden.

Klappt man den Kataolog auf, folgen Wochen der Fassungslosigkeit angesichts der ungeheuren Brutalität Weißer, wenn es um die Darstellung von Schwarzen ging. Nichtsdestotrotz räumt diese Materialsammlung mit der Vorstellung auf, “Blackface” sei lediglich eine im US-Kontext relevante Praxis. Nein, eben nicht, da braucht man sich nur die Tradition reaktionärer Karnevalsvereine anschauen, in die Dennis Scheck sich ungebrochen einreiht. Literaturkritik als Büttenrede. Und eine schlechte noch dazu.

Das müsste jedem Kulturjournalisten, der nicht wie die “Druckfrisch”-Redaktion und Herr Scheck mit Scheuklappen ignorant durch die Kulturwelt läuft, auch alles bekannt sein. Es wurde rund um die Inszenierung am Schlossparktheater nun wirklich genug Wissen bereit gestellt und großflächig informiert, welche deutschen Traditionen es gibt. Diesen Diskussionsstand nicht zur Kenntnis zu nehmen, das ist nicht zuletzt schlechter Journalismus. Da braucht man nur mal kurz zu googeln, und schon würde klar, dass diese beleidigende Verquatschheit, mit der Scheck sich des Themas annimmt, nichts anderes als eine Zementierung von Machtverhältnissen ist.

Das Vermitteln von Informationen über Ulrich Wildgruber hinaus, somit das Vetraute hinter sich zu lassen ist  ja gerade Sujet in der Kunst, die, wenn sie gut ist, der Macht das Werk entgegen setzt. Und die Anschlussfrage ist jene, welche Form denn angemessen sind, um das zu erreichen.

Denis Scheck, ganz machtbewusst, will solche Fragen offenkundig verbieten und zensieren, spricht er von “Sprachexorzismus” – große Literaten und Literaturkritiker weichen der Aufgabe nicht wie Scheck durch Sprücheklopfen aus, sondern suchen Wege, sich ihr zu stellen.

Es ist dieses die Weigerung, die Herausforderung anzunehmen, Kunst jenseits existenter gesellschaftlicher und somit auch institutioneller Ordnungen wirklich mutig und Neuland betretend zu denken und zu betreiben und somit eine Attacke Schecks auf das, was sie immer schon am Leben hielt.

Diese unglaubliche Feigheit derer, die sie gerade als mutig inszenieren, während sie Schwarze herab würdigen, zeigt sich auch in der mangelnden Reflektion auf die eigene Praxis und somit die institutionellen Ordnungen, in denen Kunst historisch wie gegenwärtig situiert ist.

Ein prägnantes Beispiel: In den 50er Jahren fuhren schwarze und weiße Musiker gemeinsam auf Jazz-Tournee. Dave Brubeck und Gary Mulligan saßen in Eisenbahnen in der ersten Klasse für die Weißen, Miles Davis und John Coltrane in der dritten für die Schwarzen. Die treibenden Kräfte für die Jazz-Entwicklung waren freilich die schwarzen Künstler. Da sie sich als Virtuosen ihres Fachs mit der Situation konfrontiert sahen, dass sie als schlecht bezahlte Kräfte, steter Herabwürdigung ausgesetzt, durchschlagen mussten, während Orchestermusiker in der Metropolitan-Oper meines Wissens ganz gut leben konnten. So setzten sie sich aus der Perspektive der Marginaliserten mit dem, was als “weiße Hochkultur” galt, auseinander. Miles Davis war einerseits genervt, im Konservatorium den ganzen “weißen Scheiß” gelehrt zu bekommen und warf zugleich älteren Kollegen wie Coleman Hawkins vor, sich nicht mit den Symphonien und Partituren der Großen auseinander zu setzen. Um diese übersteigend und kombiniert mit eigenem Material zu toppen. Aus diesem Zwiespalt entstand eine produktive Auseinandersetzung mit Debussy, Rachmnaninow einerseits und dem Blues, mit Count Basie, Charlie Parker und Duke Ellington, auch Folk andererseits. Dizzy Gilespie gab in seinen Augen zu sehr den Clown für Weiße, er selbst spielte lieber mit dem Rücken zum weißen Publikum, bot keine Show, auf dass die wirklich der Musik lauschten.

Das sind die sozialen Konstellation, in denen wirklich große Kunst entsteht. Im Übergang vom eher an Akkorden orientierten Improvisieren eines Charlie Parker zum “modalen System”, das sich eher an Skalen und Tonleitern nicht nur “westlicher” Zusammenhängen orientierte, wurde ein epochales Werk wie “Kind of Blue” geboren. Das kann man alles nachlesen bei Ashley Kahn, “Kind of Blue – Die Entstehung eines Meisterwerkes”, Berlin 2000 – und es ist anzunehmen, dass ein Denis Scheck davon auch irgendetwas mit bekommen haben wird, immerhin hat er meines Wissens in den USA studiert und auch als Übersetzer aus dem Amerikanischen gearbeitet.

Vielleicht ist ihm auch einfach der Schreck in die Glieder gefahren, dort erlebt zu haben, wie weiße Dominanz und weiße Deutungshoheit aufgrund der deutlich überlegenen Kreativität und Produktivität aus den Black Communities ins Wanken geriet. Und das mag ja der weiße Bildungsbürger gar nicht, wenn ihm nun ausgerechnet ein Schwarzer was über Kunst erzählt – und als Antwort bleibt doch nur die feige Häme, weil das Potenzial, sich damit wirklich auseinander zu setzen, offenkundig nicht gegeben ist. Seine jämmerliche Performance ist einfach Zeichen der Angst, sich eines Tages nicht mehr so problemlos als Oberschlaumeier im Fernsehen inszenieren zu können. Weil das eigene kulturelle Kapital zu karg ist angesichts eines erweiterten Horizonts der Möglichkeiten.

Und das Ganze in einem gesellschaftlichen Feld, dem Fernsehen, wo redigiert und unterdrückt wird wie sonst nirgends. Ach, doch, in Großverlagen. Möchte den freien Autor sehen, der Herr diLorenzo “Zensur” vorwirft, wenn der Themen vor gibt und Texte redigiert.

Das ist geradezu lächerlich ist, dass nun in solchen Institutionen aktive Protagonisten sich als Vorkämpfer der Kunstfreiheit gebährden. Wo alles Avancierte wenn überhaupt in den Randbereichen von ARTE und 3Sat noch Raum findet und ansonsten eine sozialpädagogische Biederseeligkeit à la Tatort oder aber fortwährende Skandaliserungs- und Demütigungsorgie à la Dschungelcamp statt findet. Wo formatiert wird, bis alle kotzen und der Quotendruck die wirkungsvollste Art der Zensur darstellt wie auch der Fernsehrat, in dem unter anderem die Kirchen mit regieren. DA findet Einwirkung auf Produkte der Kulturindustrie statt, großkotzig, zynisch und zensierend. Es kann ja mal wer versuchen, dem HR Kunst zu verkaufen. Das Gelächter und Gelästere, das als Antwort aufbricht, wird sich kaum wer antun wollen.

Die institutionelle Ordnung halt, die Parade-Bildungsbürger wie Denis Scheck (oder mich, aber bitte nicht zu schwul) hochspült, den Marginalierten aber den Zugang versperrt – siehe Miles Davis – und zudem historisch auch noch im Kolonialismus gründet.

Ein gutes Beispiel ist die Familie Laeisz, die die Hamburger Musikhalle stiftete. Einer dieser Orte, wo sich Weiße die vermeindliche Überlegenheit ihrer “Kultur” wechselseitig vorführen. Diese Sippe  ist reich geworden mit dem Salpeterhandel, vornehmlich mit Chile. Was rund um die heute im Netz verklärten “Salpterfahrten”, die letzten Segler, vor Ort im postkolonialen Chile abspielte, das kann man hier nach lesen (unbedingt ganz):

“Die Salpeterarbeiter waren nach Iquique gekommen, um ihren Forderungen nach 
Gehaltserhoehung, menschenwuerdiger Behandlung und Gewaehrung einer 
Mittagspause Gewicht zu verleihen. Mit dem ,,Hungermarsch der 
Salpeterarbeiter” aus den Salpeterminen nach Iquique waren die Streikenden 
dem Ruf der Behoerden, die sie nach der Hafenstadt zitiert hatten, gefolgt. 
In Iquique erwarteten sie Heerestruppen und Marineeinheiten. Das Erdreich 
des geraeumigen Innenhofes der Schule Santa Maria war vom Blut der 
Massakrierten so sehr getraenkt, dass nichts darauf wachsen wollte. Erst 
nachdem das Erdreich einen halben Meter tief abgetragen und durch frische 
Erde ersetzt worden war, konnten Gras, Blumen und Unkraut wieder gedeihen. 
Die Salpetermagnaten britischer und chilenischer Provenienz luden den 
Praesidenten der Republik, Pedro Montt, nach der,,Niederschlagung” des 
Streiks zur Besichtigung der Salpeterminen und zu rauschenden Banketten ein.”

Damit wurde in Hamburg Kunst finanziert.

Herr Scheck könnte all das wissen, und die Druckfrisch-Redaktion auch. Aber sie sind zu borniert, zu ignorant und zu faul, sich mit Kunst mal ernsthaft auseinander zu setzen, und verteidigen stattdessen lieber mit Inszenierungen ganz in der Tradition des Präfaschismus – Belege finden sich dem oben erwähnten Ausstellungskatolog zuhauf, aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts – N-Worte in Kinderbüchern. So bewirken sie den Tod der Kunst.

PS: Eigentlich geht es im Hintergrund um eine unter Weißen intensiv seit dem späten 19. Jahrhundert, zugleich der Hochzeit des Kolonialismus wie auch der An- und Enteignung von Kunstformen der Kolonisierten in der bildenden Kunst (“Les Fauves”, die Masken in Picassos “Demoiselles d’Avignon”), geführte Diskussion, nämlich jene um die Autonomie des Kunstwerks insbesondere von dem, was unter Moral verstanden wurde.

Das ist eine natürlich hoch spannende Diskussion, die durch solche platten Interventionen wie jener Dennis Schecks aber gerade unterbunden wird. Weil der Focus rassistisch, im Sinne der White Supremacy, verschoben wird und somit in den Raum sozialer Kämpfe um Dominanz. Das eingehender zu diskutieren erfordert freilich noch viele, andere Texte.

Zurück auf die Schulbank, Herr Kasten!

Eigentlich ist ja ermüdend, aber das gehört ja zum Spiel, dass DIE die Themen vorgeben, auf die man dann in ständiger Abwehrbereitschaft reagiert – außerdem ist es erstaunlich, wer in Deutschland so alles eine Professur erhält. Ebenso dass, trotzdem allseits der beeindruckende und großartige Brief einer 9-jährigen allerorten kursiert, DIE ZEIT nicht müde wird, alternde weiße Männer zu befragen, was es denn nun mit dem N-Wort auf sich habe.

Herr Professor Kasten konfektioniert und manipuliert aktuell auf der Internetpräsenz dieser nicht mehr kaufbaren weißnationalen Propaganda-Postille außerordentlich fantasielos vor sich hin. Auf die Idee, dass es auch PoC-Kinder geben könnte, kommt er gar nicht, nein, stattdessen predigt er Exotismus für weiße Kinder (Achtung. Trigger-Warnung, N-Wort wie gerade überall in Deutschland in dem Interview):

“Kinder lechzen nach Andersartigkeit, das ist Futter für ihre Fantasie. Je weniger die Personen und Szenarien mit ihrem Alltag zu tun haben, umso intensiver setzen sie sich damit auseinander. Das liegt am Orientierungsreflex: Kinder richten ihre Aufmerksamkeit auf alles, was sie nicht kennen.”

Soll man da jetzt schlucken oder lachen? Bei meinem heutigen Weg in den Park mit Hund am Schulhof vorbei fragte mich eine Gruppe von Mädchen, PoC und weiß, ob sie mir etwas vorsingen dürften. Hörte sich gut an, und, wie das so ist beim Einüben in diese Welt, wollten sie danach eine Spende haben.

Und die kriegen per Kinderbuch das Evergreen geliefert “Einer von diesen Menschen ist nicht wie die anderen”, was als Gewaltakt einbricht in ein trautes und offenkundig einvernehmliches Miteinander.

Die standen da nämlich ganz einträchtig nebeneinander, anders als vermutlich im Walddörfer-Gymnasium oder in Othmarschener Schulen, und man kann sich sicher sein, dass da auch “Chinesen” auf dem selben Schulhof herum liefen. Was sollen denn solche Aussagen bitte bei einer Diskussion über das N-Wort? Natürlich sind Fantasiereiche toll. Aber wenn sie nur der Stabilisierung eh schon quälender Stereotype dienen bestimmt nicht pädagogisch wertvoll.

Würde Herr Kasten sein Fach adäquat vertreten, hätte er sich vielleicht mal mit der Psychologe der exotisierten “Chinesen” beschäftigt. Und mit jener der großartigen, 9-jährigen Briefschreiberin. Aber in Deutschland lehrt man wohl Psychologie exklusiv für Weiße und kennt auch nur deren Erleben.

Vielleicht beschäftigt er sich ja auch mal damit, dass es von außerordentlicher Fantasielosigkeit zeugt, dass in Märchen nie zwei Prinzessinnen happy ever after leben? Die Überschrift ist einfach grotesk angesichts dessen, was der redet. Das ist eine brutale Normierung, die in Kinderbüchern oft vorgenommen wird. So ein schwuler Harry Potter hätte mir das Leben tatsächlich erleichtert.

Er kommt auch gar nicht auf die Idee, dass es sich um Freiheitsberaubung handelt, wenn man mit N-Worten oder ähnlichem Vokabular hantiert, und dass die Erfahrungen einer großen Gruppe möglicher Leser weg zensiert werden. Während er ja von DIE ZEIT befragt wird. Wie wortreich die vermeintlich Zensierten gerade auf allen Kanälen quatschen – hätten sie recht, säßen sie im Knast. Oder würden zumindest nicht von unappetitlichen Gazetten wie DIE ZEIT befragt, wo es immer häufiger braun müffelt.

Freiheitsberaubung, weil der ganz alltägliche Flow des Lebens, Erfahrens, Fühlens von Menschen brutal unterbrochen wird, wenn die diskretierende, entmenschlichende Bemerkung fällt. Weil die Stigmatistierung einschränkt, lähmt, wütend und verzweifelt macht, verletzt und beleidigt und dadurch Handlungsfreiheit einschränkt.

Eine Freundin sprach treffend vom “Überschreiben von Erfahrung” – das ist so, als würde man (fiel mir eben ein, als ich den Text eines befreundeten Bloggers kommentierte) – ständig in die Küche der Nachbarn platzen und denen einen anderen Radiosender einstellen, aus dem sie beschimpft werden. Es gibt Tage, da schalte ich den Fernseher deshalb nicht ein, weil ich das ewige “Schwanzlutscher” und “Schwuchtel” insbesondere in US-Produktionen ausnahmsweise mal NICHT hören will. Achtet mal drauf. Ständig.

Nun also der groß angelegte Kultur-Kampf, dass man möglichst auch da wieder fortwährend dasN-Wort höre, wo die meisten Journalisten noch nicht mal geschnallt haben, dass “farbig” auch völlig daneben ist.

Mit Psychologen-Expertise.

Vielleicht sollte Herr Kasten seine Professur lieber an eine PoC-Vertreterin abgeben?

 

Edith: Viel besser als mein Text ist dieser hier: Mit den Kindern reden. Das meinte ich.

Auch noch mal hier: Hört lieber Jazz, als in DIE ZEIT oder bei SpOn zu lesen!

Ich meinerseits habe aktuell echt ein Problem, mich noch mit diesen ganzen “meinungsführenden” Heinis irgendwie schriftlich auseinanderzusetzen. Solche, die sich reihenweise als auch nur welche, an denen man sich produktiv abarbeiten kann, disqualifizieren. Solche, die einfach nur mächtig und machtbewusst Unsinn daher schwadronieren, um Andere ganz im Sinne des Sadismus des Autoritären Charakters herabwürdigen zu können.

Es kann mir auch keiner erzählen, dass die diLorenzos, die Massen durchgeknallter Antifa-Kids, Ex-Autonomer, Tsianos, Roenicke, Außenminister des Vatikan nicht selbst genau wissen, dass ihre ganzen Rassismus- und Homophobie-Legitimationsdiskurse obsolet sind und sie die Gegenargumente nicht in und auswendig kennen würden.

Das mag vielleicht bei irgendwelchen hirngewaschenen, vermeintlich Unpolitischen in Fankurven noch so sein, dass ihnen keiner Angebote machte, mal ein klein wenig vom eigenen Erfahrungshorizont zu abstrahieren und zu respektieren, dass Andere auch andere Erfahrungen machen als sie selbst.

Aber nicht bei diLorenzo, Fleischhauer oder Hacke. Das sind einfach solche, die es schon auf dem Schulhof witzig fanden, den Dicken oder den Brillenträger zu hänseln, weil die so lustig heulten, wenn sie ordentlich gemein wurden, und die wider besseren Wissens dann diese ganzen boshaften und erniedrigenden Pamphlete auch noch als “kritischen Journalismus” behaupten.

Gedankenlosigkeit, die totale Befreiung von jeglicher Emphatie, als “Humor” getarnter, menschenverachtender Zynismus – eben alles sehr, sehr deutsch. Shehadistan hatte Recht, auf den Faschismushintergrund zu verweisen.

Um so großartiger die nicht verebbende Mühe des Mädchenmannschafts-Teams, sich damit auseinanderzusetzen. Danke!!!

Ich freue mich meinerseits über das Zeitungssterben, wünsche SpOn den baldigen Konkurs und diLorenzo die Notwendigkeit, irgendwann Friede Springer allsonntäglich vollschleimen zu müssen.

Gestraft genug ist ja eh schon; wer so denkt und so lebt wie diese Typen hat eben auch nicht viel vom Leben, sondern simuliert es allenfalls. Weil es in diesen Biographien den Anderen nicht gibt, sondern nur den Rekurs auf Sätze, Regeln und Auflagen. Arme Schweine halt.

Mal was ganz anderes (oder auch nicht): Harmonielehre, Klaus Kauker und das “Best of Musikladen”

Im Zuge meiner teilweisen Wiedererinnerung, teilweise auch Neuerwerbs der Aneignung von Harmonielehre und Musiktheorie bin ich auf jemand enorm Spannendes gestoßen: Klaus Kauker. Den vermutlich eh viele schon kennen, er hat bei Youtube ein Portal mit enormer Reichweite aufgebaut und sogar schon den Grimme-Online-Award gewonnen. Zu recht; wenn man sich durch die Videos durchklickt, lernt man ungeheuer viel über Intervalle, Jazz-Akkorde bis hin zur Rhythmik – auch, wieso der Groove eben so wichtig ist. Habe da wirklich gerade noch mal ganz viel gelernt, und da der eine oder andere Musikmachinteressierte hier ja mitliest, kann ich das nur empfehlen, da Wissen wahlweise zu gewinnen oder zu erweitern oder zu erinnern.

Irgendwann begann Klaus Kauker sich der Analyse von Casting-Show-Songs zu widmen. Wie ich finde, auch das ungeheuer lehrreich. Richtig Spaß macht seine symbolische Vernichtung Dieter Bohlens, wozu nicht nur Plagiatsanalysen zählen. Sondern eben auch ein Song, den er nach Bohlen-Mustern gebaut hat: “I can not wait for you”. Am witzigsten und ja auch wieder lehrreichsten finde ich die Remixe, die daraufhin andere Youtube-User davon erstellten. Weil durch die aktive Auseinandersetzung mit der ziemlich lustigen Vorgabe sozusagen schrittweise Einblicke in die aktuellen, nachhaltig demokratisierten Musikproduktionsweisen vom erschwinglichen “Logic Pro 9″ bis hin zur unglaublichen Vielfalt von iPad-Apps hörbar wird.

Keine Ahnung, womit die nun jeweils geremixt haben; was dabei in Ansätzen nachvollzogen werden kann, Mehr von diesem Artikel lesen

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