Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: FC St. Pauli

“Fuck you, Freudenhaus”?

Sonntagmorgen. Heute nacht Geräusche in der Stadt, wummernd, laut, aufbrandendes Martinshorn. Klingt kurios, dieser Krach aus der Ferne; so, als seien Aliens gelandet.

Ich mag das englische Wort “alienated”. So habe ich mich oft genug gefühlt. Eine Frau schluchzt laut im Hinterhof, morgens um 6. Es ist hell. Ich dämmere wieder weg.

Sonntagmorgen. Habe den Ventilator eingestartet. Muss dabei immer an eine Passage aus Stephen Kings Autobiographie denken. Nach einem schweren Unfall – das Auto, das ihn fast tot fuhr, hat der große Erzähler später gekauft, um es genüsslich verschrotten zu lassen – von Schmerzen geplagt, im Rollstuhl sitzend, spürt “seine Frau”, dass er wieder arbeiten muss, um nicht in völligem Verdruss zu enden. Sie richtet ihm einen Platz zum Schreiben im “hinteren Flur” ein. Ich frage mich immer, wie in Kings weltberühmten Haus in Maine mit den zwei verschiedenen Türmchen wohl der “hintere Flur” aussehen mag. Sie stellt Fotos von seinem Sohn auf den Schreibtisch und ihm einen Ventilator dazu. Es ist ein heißer Sommer in Maine, und Stephen King genießt es, im Kühlen wieder arbeiten zu können …

Sonntagmorgen. Einst, als ich noch die Nächte auf dem Kiez saufend mir um die Ohren schlug und gelegentlich auch jemanden mitnahm, war das “Or” in der Gerhardstraße mein erweitertes Zuhause. Ein kleiner, schmaler Club mit roten Wänden und Möbeln aus Metallabfällen aus dem Hafen, designet von Lommel, die auch fantastische SM-Möbel herstellte. Ihre Freundin Miss Nico stand an den Plattentellern;

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In Deutschland verhöhnt man halt die Deklassierten …

“Loser!”

“Opfer!”

So tönt es doch schon auf Schulhöfen.

Das trainiert man denen doch an.

In einem Land, da Hartz IV eigens erfunden wurde, um zu deklassieren, zu sanktionieren, zu demütigen, zu zermürben und so genannte “Unterschichten” im RTL-Nachmittagsmagazin vorzuführen.

Sich einfach mal so zu freuen, weil zusammen was erreicht wurde, wird ja nicht unbedingt trainiert, wenn von Kindesbeinen die Siebe regieren und später Exzellenz-Etiketten aufgeklebt werden, um andere Institutionen als Schrott für “Verlierer” zu brandmarken. Und sogar Volksentscheide von Elbvorortlern angestrengt werden, damit das so bleibt.

Wenn Status und Männlichkeit zur Einheit zusammen schießen und als das Nonplusultra gelten. Das ist nicht typisch deutsch, aber halt allgegenwärtig im Kapitalismus.

Da werden die Jungs einander ausstechend durch “Elite”-Internate geschleust, wo sie noch nicht mal flirten lernen, und alle sprechen noch von “Belebung” angesichts der krassen Konkurrenz.

Klar, es gibt in Fussball-Philosophien auch das “jeder rennt für den anderen”, Mehr von diesem Beitrag lesen

Noch mal Schland und wie es auch anders ginge …

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(Quelle: Schlandwatch, Facebook)

Wie kommen diese Typen eigentlich immer darauf, dass SIE nun ausgerechnet irgendeine besondere Aufenthaltsberechtigung innerhalb der Grenzen des deutsches Staates hätten?

Bei Facebook kommentierte in des Möllers Richtung schon jemand treffend, er solle doch nach drüben gehen. Zu Putin zum Beispiel – meines Erachtens lebt jeder der Lampedusa-Flüchtlinge eher den Geist der Vefassung als Herr Möller.

Wieso glauben diese verschlandeten Hirne eigentlich, sie hätten auch nur irgendwas mit den Errungenschaften der Nachkriegsgeschichte, die es ja durchaus gab, zu tun?

Nur dass diese Errungenschaften allesamt sich eben gerade aus internationalen Quellen speisten, solche, die in diesem Land zum Lebenswerten beitrugen. Parteiisch erwähne ich Stonewall. In Deutschland lebte man bis dahin noch in der nationalsozialistischen Kontinuität des Paragraph 175.

Frauenbewegung, Bürgerrechtsbewegung: Noch das “Mehr Demokratie wagen” Willy Brandts, dem Deutschvölkische ein “alias Frahm” anhängten, ist doch vom Geiste Martin Luther Kings eben auch inspiriert. Ohne die angloamerikanische Popkultur hätten auch ein paar bewegte Studenten kulturell nichts erreicht.

Dass es in innenstädtischen Bereichen z.B. Hamburgs zwar zu teuer ist, aber sich ansonsten prima lebt, das ist ja dem zu verdanken, dass solche wie der Möller sich allenfalls auf Musical-Wochenendtouren Mehr von diesem Beitrag lesen

Mehr Musik im FC St. Pauli!

Wurde ja auch Zeit. Dieses verstaubte Rock’n’Roll-Missverständnis, das ganz hetero selbst “Bad Taste” missversteht und den Camp-Gehalt von Superheldentrikots oft nicht adäquat zu lesen vermag, bot ja auch keine Zukunft mehr im Millerntor-Stadion.

Wobei zunächst wirklich Stefan Orth und denen um ihn herum großer Dank auszusprechen ist!!!

Ich habe sie nicht gewählt, war zu Zeiten der “Sozialromantiker”-Aktionen dafür, sie flugs aber so was von aus dem Amt zu jagen – und mich machten all jene sehr zornig, die sich an einer Persönlichkeit wie Corny Littmann abarbeiteten, als seien sie auf religiösen Missionen der Teufelsaustreibung unterwegs, die in Relation dazu mit Orth aber weniger Probleme hatten. Vermutlich, weil er sie so schön an den Papa zu Hause erinnerte, irgendwie knuffig, manchmal ein wenig hilflos, gelegentlich ganz wie der Erzeuger auch jemand, bei dem man daran gewöhnt ist, dass er einem und einer auch mal peinlich ist. Aber ungefährlich und ganz nett. Und einer, der mit Team trotzdem zu konsolidieren und fort zu treiben vermag, was Corny initiierte.

“Nichts hassen sie mehr als eine erfolgreiche Tunte!”, diese Worte Brian Kinneys in “Queer as Folk” schienen sich in der Orth/Littmann-Relation dennoch zu bestätigen – wenn einer, der als “Familienvater” auftritt, auftritt, arrangiert sich der gemeine Heterosexuelle wohl lieber damit.

ABER: Was mich beim nun scheidenden Präsidium tatsächlich ungemein beeindruckt hat wie auch bei der Geschäftsstelle unter Michael Meeske, das ist die ungeheure Lernbereitschaft. Auch wenn diese nur darin bestehen sollte, dem zu vertrauen, der die hervorragenden Pressemeldungen verfasst – ein Turnaround war nach dem “Jolly Rouge” ja spürbar. Das Thema “Goliathswache” und “Museum” haben sie zwar zunächst verschlafen, aber dann, per JHV sanft gezwungen, reagiert. Insgesamt setzten sie eigene Impulse zwar weniger, aber doch war eine stete Bereitschaft spürbar, einzusammeln, was in der Fanszene sich regt. Beim Thema “Kampf der Homophobie” hat Tjark Woydt auch dezidiert eigene Akzente gesetzt. Das hat mich sehr gefreut, und seit geraumer Zeit gab es gar nichts mehr zu meckern.

Insofern echt von ganzem Herzen Dankeschön und Respekt für die Fähigkeit der Wandlung.

Zuletzt habe ich “die Fanszene” weit kritischer gesehen als das Präsidium.

Der Aufsichtsrat sah das offenkundig anders und hat nun gehandelt. Er wird seine Gründe haben, das Geraune hinter den Kulissen konnte ja kaum überhört werden.

Ich kenne den neuen Kandidaten Oke Göttlich nur flüchtig von einer “Weinbar-Tour” nach Mainz, eine unvergessen tolle Auswärtsfahrt, von der ich lange zehren konnte.

Bei Facebook konnte ich verfolgen, dass Oke über ein sehr weit gespanntes Verständnis von Popkultur verfügt und auch um die Relevanz weiß, hebt man beispielsweise die Notwendigkeit der Präsenz queerer Acts hervor oder wettert gegen die Appropriation, somit die Annektion der Stilmittel und Traditionen von PoC-Kulturen durch Weiße, auf dass diese letztlich verdrängt werden.

Im Freundes- und Bekanntenkreis lauschte ich dem Raunen, dass er in der Tat ein sehr, sehr fähiger Netzwerker sei. Das ist bei einem Verein, bei dem stets dem “Respekt für Gremien” derart ungeheure Bedeutung zugesprochen wird, dass man völlig vergisst, vor was konkret man den nun eigentlich haben solle, ungeheuer wichtig, all die Egos zu bauchpinseln.

FALLS das Abendblatt recht hat und von der DFL nun Druck ausgeübt werden könnte, Profiabteilungen auszugliedern, und FALLS die wirtschaftliche Notwendigkeit bestehen sollte, sich enger an finanzstarke Partner zu binden, wird Oke sehr, sehr viel kommunikatives Geschick benötigen und sich zugleich widerständig und kompromissbereit zeigen müssen.

All die Leute, die ganztägig ihr Geld in irgendwelchen Schweineläden verdienen, um am Feierabend lautstark in Markenklamotten Kommerzkritik zu üben, sind ja zu kuriosem Aktionismus fähig. Während sie gleichzeitig Ehrenamtlichen-Strukturen stützen, die dafür sorgen, dass in das Gute mit Sicherheit auch in Zukunft nur punktuell, nicht strukturell Geld fließen wird.

Kann alles ganz schön haarig werden.

Oke kommt aus dem Indie-Musik-Business, da ist ihm von ganzem Herzen zu wünschen , dass er die richtigen Rhythmen, die angemessenen Harmonien und auch Dissonanzen finden wird, um eine Zukunft des FC St. Pauli zu moderieren. Eine, die jenseits von mummifizierter Punkrock-Folklore und den neuen Sport- und Ergebniszentrierten, Unpolitischen sich auf der Höhe der Zeit auch ästhetisch zu bewegen vermag.

Wenn er denn gewählt wird – ich glaube, er ist eine gute Wahl.

Superhelden! Der FC St. Pauli und seine Trikots – DC-Comics, Raj und die Geschichte der Subversion

Hummelflug

Nachdem die Qualitätsblogger sich ja schon allesamt zur Frage “Neues Trikot des FC St. Pauli” ausführlich geäußert haben, will ich mit meinem schmierigen Soccer-Fetish-Blog natürlich nicht schweigen.

Mein heimliches Vorbild beim Bloggen sind ja Groschenromane, Geschichten voller richtiger Schurken, gebrochener Helden, dramatischer, mitreißender, leidenschaftlicher und pathetischer Liebesgeschichten, proppevoll mit quietschbunten Adjektiven und Adverbien.

So stand auch ich im Ballsaal, fantasierte ganz Lore-like Christopher Nöthe in diesem Sinne in die verborgenen, nach Veilchen und Kamelien duftenden  Regionen meiner blumigen Fantasie hinein (ja, Florian Bruns, Du hast mich ja verlassen), Bonnie Tylers “Holding out for a Hero” auf den Lippen, Enrique Iglesias’ “Hero” nicht minder mit Inbrunst summend und froh darüber, nicht in einer Zeit geboren zu sein, wo Menschen für Klaus Biederstedt schwärmen mussten. Und das auch noch, während er einen Arzt spielte.

Wobei das unvergessene “Geheimnis einer Nachtigall” Victoria Holts noch immer zu den wirklich einschneidenden Lektüren in meinem Leben zählt. Angelehnt ist der, ja, Schinken im besten Sinne an das Leben Florence Nightingales. Nur dass in dieser Adaption des Stoffes die Heldin rachsüchtig jenen dunklen, ist klar, Verführer ihrer Schwester besessen sucht: Einen Herrn Doktor, der die Schwester mittels Drogenkonsum in den Abgrund stieß. Um final, da sie ihn endlich nach Jahren der Entsagung und Ausbildung zur Krankenschwester findet, ihm und seiner Leidenschaft wie auch dem Eros selbst zu erliegen,

Helden! Das ist ja sozusagen der “Gag” am neuen Drag unserer Spieler. Jason Lee, Lead Teamsport Designer von hummel international, äußerte sich im Vorfeld in der Pressemappe wie auch gestern auf der Bühne:

“Die Entwicklung des Trikots wurde getragen durch unsere gemeinsame Denkweise und Werte. Inspiration für die Trikots war das Thema “Kiezhelden”. Die soziale Komponente ist essentiell für beide Marken. Es war uns sofort klar, dass das Trikot mehr als nur eine Ausrüstung sein sollte. Es sollte das Lebensgefühl eines Kiezhelden widerspiegeln – eines “hidden heroes”, der anpackt, ohne viel Wind darum zu machen.”

Und, so der Text weiter, es wurde auch demonstriert: “Das Design des Trikots visualisiert dieses Lebensgefühl, aber durch die versteckten Details erst auf den zweiten Blick”.

Klappt man den Kragen des Heimtrikots hoch, so wird ein von Sternen umgebener Totenkopf in Phosporgrün auf schwarz sichtbar. Echt campy, so gar nicht passende Muster und Farben zusammen zu nähen! Und: Auch das Wappen des Pokaltrikots leuchtet im Dunklen! Flutlicht aus, Spot an, sozusagen.

Ich gebe ja zu, dass, als eine halbe Stunde lang ungefähr so humorig anmoderiert wurde, wie ich es bei der Eröffnung der Filiale einer Möbelkette erwarten würde, zu Glück durchbrachen subersiv Kinder diese Haltung im Interview und verkündeten ganz richtig, der FC ST. Pauli sei halt kein Verein, den man nur mögen, sondern den man lieben würde, immer wieder betont wurde, dass nun “Kiezhelden” das Trikot inspiriert habe, ich schon auf ein Regenbogentrikot hoffte, eines mit Zeilen der “Internationalen” auf Stoff oder dem Konterfei von Angela Davis.

Ich trauerte kurz,

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Innenstädte verschlanden: 45.000 machen auf dem Heiligengeistfeld mobil (und Publikative betreibt Klassenkampf mit den Onkelz und Frei.Wild … )

Der Hund zittert.

Könnte er sich festklammern, so würde er es tun: Er kriecht auf meinen Schoß und drückt sich an mich, Panik in den Augen.

Vom Heiligengeistfeld weht das Johlen der zum “Sieg!”-Gebrülle bereiten Masse Mensch. Das Dauerrauschen, phonstark, ängstigt das Tier.

Wage mich vor dem Anpfiff gar nicht mehr auf die Straße. Nach Spielbeginn, auf dem Weg zum Supermarkt: Der von mir als “deutschtürkisch” gelesene Kioskverkäufer sitzt mit schwarz-rot-goldenem Cowboyhut vor dem Laden mit Freunden, die fortwährend, vermutlich, damit konfontiert werden, über einen “Migrationshintergrund” zu verfügen, und guckt das Spiel. Später spielen sie auf der Straße Fussball. Finde ich gut.

Das 1:0 fällt, Schreie aus diversen Wohnungen. “Scheiße, Scheiße, Scheiße!” zische ich.

Wie üblich ist Deutschland damit beschäftigt zu diskutieren, was und wer so alles nicht rechts sei. Politisch gesehen.

Rechte Bewegungen wie der Nationalismus werden zu “Patriotismus”, Die Böhsen Onkelz und Frei.Wild zu Klassenkämpfern

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Momo on the Radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, die Dritte

Beinahe hätte ich es ja verpasst, die Sendung fristgemäß zu produzieren, weil ich nicht geschnallt hatte, dass ich JEDEN ZWEITEN MONTAG IM MONAT UM 14 h dran bin, sondern diffus “Montag Mitte des Monats” dachte.

Nun habe ich es doch noch geschafft.

Heute um 14 h geht es musikalisch über 3 Kontinente, Thema ist das Wetter, Brasilien (incl. Reiseerinnerungen), die WM, die Reaktionen auf die Demonstration der Refugees vor dem Rathaus, Viva con Agua und die Millerntor-Gallery und kurz noch mal um Conchita Wurst. Da ich die meisten Titel nicht ansage, bin ja kein Ansager, hier die Playlist zur Sendung:

Donna Summer – On the Radio (die Erkennungsmelodie)

Gil Scott Heron & Jamie XX – Ur Soul is mine

Dr. John – Gris-Gris Gumbo Ya Ya
Gato Babieri – Niños
Lucas Santtana – Cira, Regina e Nana
Inti Illimani – A Luis Recabarren (ich glaube, ich sage aus Versehen “Inti IllimaTi” :D – kein Wunder, wenn allseits Verschwörungstheorien kursieren. Aber keine Sorge, ich sehe die Fnords.)
Lidia Borda – Manzi, caminos de barro y pampa
Joan Baez – Gracias a la vida
Calexico – Victor Jara’s Hands
Michael Jackson – They don’t really care about us
Según Damisa & The Afro Beat Crusaders – Suffer Dey
Femi Kuti – What will tomorrow bring (dieses Mal sind die Söhne von Fela Kuti dran, mehr Afrobeat!)
Seun Kuti – Slave Masters
Dr. Lonnie Smith – Dancin’ in an easy Groove
Thrid World – Now that we found Love (Found in the Closet-Remix)
Frankie Knuckles – Waiting on my Angel (der ist, wie gesagt, jetzt immer mit dabei)
Grace Jones – This is Dub
Shirley Bassey – The Performance of my Life
Pet Shop Boys – We all feel better in the Dark
Zu hören ist das Ganze beim FSK Hamburg!
PS: Liebe Mrs. Mop, 1000 Dank noch einmal für den Girogio Moroder-Tipp! Habe es wegen Verpeiltheit nicht geschafft, ihn einzubauen – beim nächsten Mal!!!!

Millerntor-Gallery #4: Nachbetrachtung

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Ich habe vermutlich einfach nur das Beste verpasst. Beim Pre-Opening mit Grönemeyer, V.I.P.-Raum und von und zu Wittgenstein-Auktion war ich nicht. Das “Schwule Mädchen”-Sound-Syndikat habe ich auch nicht gehört.

Am Donnerstagabend bin ich vor heterosexueller Dominanz nach einem einzigen Bier und Entsetzen über das Animationsprogramm eines Schweizer Rap-Duos geflüchtet; eines, das ein wenig an gescheiterte Entertainer in mediteranen Clubanlagen erinnerte und offenkundig mit “Viva con Aqua Schweiz” Menschen in Uganda belästigt hatte (falls sie da auch rappten).

Ich liebe Cypress Hills’ “Insane in the Brain”, vom DJ gespielt; wenn nur aneinander geklammerte Heten dazu rum hängen, bekommt die Veranstaltung dennoch eine andere Färbung als in den letzten Jahren, da coole House DJs wenigstens den Sounds queere Färbungen verliehen.

Durch die Ausstellung bin ich eher gehuscht. Habe bestimmt das Wichtigste verpasst. Bei 90% der gesichteten Exponate fehlte mir weniger der Viertelbezug als der Versuch, darüber, nun irgendwie Fussball und Wasser thematisch auf dem gleichen Bild unterzubekommen, auch mal hinaus zu gehen und weiße Institutionen wie “Kunst” oder “Entwicklungshilfe” kritisch zu befragen.

Ich meine tatsächlich die bürgerliche Institution Kunst im Besonderen, nicht Kunst im Allgemeinen, die ausgrenzende, wie sie sich im 19. Jahrhundert rund um Sammlungen, Museen, Salons, Galerien und Ausbildungsorte etablierte. Mag auch die Avantgarde der Moderne, Cézanne, Van Gogh, außerhalb dieser Institution agiert haben: Da, wo Kunst auch in Aktionen verkauft, also Ware mit bestimmten Charakterista ge- und behandelt wird, geht es zumindest auch um den institutionellen Zusammenhang.

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Millerntor-Gallery #4 vom 29. bis zum 31. Mai 2014

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Das Stadion mutiert zum Raum für Kunst und Partying jenseits der sonst üblichen Punkrock-Folklore und Thees-Ullmann-Bierseligkeit: Ich mag das ja.

Und zudem wurden dieses Mal auch “wir Blogger” mit vorbildlicher Social Media-Arbeit bedacht, zu Info-Veranstaltung geladen und per Mail versorgt. Freut und passt zum Anliegen: Ein Verständnis von “sozial”, wie es die Veranstalter formulieren, zu etablieren, das in einer Mischung aus Aktion, Kommunikation und wechselseitiger Unterstützung eine Art Labor erzeugt ist Ziel, Sinn und Zweck der Veranstaltung. Und Geld sammeln auch: 70% der Verkaufserlöse gehen an Viva con Agua. Ein Labor wo das, was gemeinhin unter “sozialem Engagement” verstanden wird, an ungewöhnlichem Ort mit “Kunst” zusammen findet. Kunst sei wie Fussball eine Art Universalsprache, die verbinden könne. Zumindest dann, wenn nicht gerade die “deutsche Nationalmannschaft” ihrem Motto “Kein Fussball!” folgend gegen Italien verliert und der Mob Pizzerien stürmen will.

Bei aller Sympathie kann freilich gerade Viva con Agua als Veranstalter der Millerntor Gallery auch Gegenstand harscher Kritik sein. International renommierte Antirassismus-ExpertInnen in meinem Freundeskreis nehmen das VcA -Wasser nicht mehr an, wird es ihnen angeboten. Hier würde lediglich das, was an dem paternalistischem Gedanken der “Entwicklungshilfe” immer schon schlecht war, für Hipster aufgehübscht. Und anstatt als weißer Retter zur Reise aufzubrechen und in schwarzen Lebenswelten afrikanischer Regionen publikumswirksam sich in Heldenpose ablichten zu lassen, um nach dem “Abenteuer” ins gemütliche Europa zurück zu kehren, wo Menschenrechte nur für Europäer gelten – wenn überhaupt, zumeist ja nur, wenn diese weiß gelesen werden – , könne man das Geld auch einfach überweisen als Vorhut längst fälliger Reparationzahlungen und Eigenregie stärken. Und absurd ist ja schon, wenn 1000 NGOs sich in Äthiopien tummeln, allesamt aus Ländern, deren Wohlstand auch im Kolonialismus gründet.

Die Darstellung des Dorfes in Uganda (?)

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FCSPOB

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Bei Ebbe und Bruuuuuns kam die Musik noch vom Band.

Jetzt steht da dieser Thees Ulmann mitsamt Gitarre, er, der manchmal akustische Allergien unaufgefordert mir schenkt, läuft seine Musik irgendwo, kann ich ja gar nicht drauf, ein Symptom, der Typ – singt er freilich den Holperreim “Hooray, hooray, hooray, FC St. Pauli”, ja, mit dem Stück kriegt er mich auch. Aber so was von.

Ich schluchze mit. Schon gar aus diesem Anlass.

Ich meine – FCSPOB, FC St. Pauli ohne Boll, das ist jenseits des Vorstellungsvermögens angesiedelt. Erinnerungen steigen auf Mehr von diesem Beitrag lesen

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