Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: FC St. Pauli

Deutungsmuster nach #HoGeSa: Die Mitte macht mobil – und scheitert …

Man muss sich doch nur die “Süddeutsche Zeitung” vom 18./19. Oktober 2014 angucken, S. 13, um zu peilen, was gestern in Köln los war: Große Überschrift “Die Spur der Bomben”, Unterzeile: “Seit Jahren versuchen Islamisten, in Deutschland Attentate zu verüben. Jetzt tritt eine neue Generation von Dschihadisten auf. Sie ist so gefährlich wie keine zuvor”. Daneben: Bilder von People of Colour, u.a. solche Darstellungsweisen, die zu Ferguson und mutmaßlich auch zu Oury Jalloh führten. Ich kann mich nicht an ähnliche, ganzseitige meines Erachtens dank Bebilderung rassistische Pamphlete erinnern in Fällen wie dem gestrigen: “Eine neue Generation “Bio-Deutscher”, gefährlich wie nie zuvor” war auch nach dem Aufmarsch nirgends zu lesen. Auch nach dem NSU nicht.  Ja, da steht “Dschihadisten”, die Bebilderung spricht aber ja für sich: Ggf. tatsächlich gefährlicher Terror wird “rassifiziert”.

Ich habe auch nach Überfällen auf Schwule in Berlin nie gelesen “Eine neue Generation Heterosexueller macht Jagd auf Minderheiten”. Nein, stattdessen Mehr von diesem Beitrag lesen

Sterek statt Karlsruhe: There’s a place for us

Karlsruhe

 

 

Schnell raus schreiben den Scheiß.

Das soll sich nicht irgendwo fest setzen und unwillentlich vor sich hin wesen.

Da kann man sich auch nichts mehr schön schreiben.

Mich drum lieber an abstrakte Liebe zum FC St. Pauli krallen und wieder der Musical-Sendung für das FSK widmen kann da wohl nur die Antwort sein. Entwickelt sich allmählich zu einer Art ästhetischem Manifest zur Ambivalenz, das Programm, Freitag um 20 h dort zu hören. The movie in my mind. Everything goes. Surabaya Johnny, warum bist Du so roh? Glitter and be gay. There’s a place for us. Die Breitseite ergänzt zauberhaft:

Ich sehe es nämlich auch so wie Hilary Hinton: „Es geht im Leben nicht darum, zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht. Es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen.“

Singin’ in the rain. Somewhere, over the rainbow …

Um das Spiel herum schreiben, so, als hätte ich diese zermürbende Hilflosigkeit meiner Helden gar nicht gesehen.

“Sterek” finde ich gerade cool. Während hierzulande die Mediennutzung ja eher, na, trübes Gemecker wie auch der Drang zur Herabwürdigung  und Selbsterhöhung plus Normalitätserwartung antreibt, haben die US-Fans mehr Drive. Die geben sogar den Popkulturtheoretikern vergangener Tage recht. Stuart Hall zum Beispiel, dessen Encoding/Decoding-Modell Generationen von Studenten der “Manipulationshypothese” entgegen stellten: Was ankomme, sei eben was anderes, als das, was die Sender intendierten. Oder John Fiske, der den kreativen Umgang mit Popkulturgütern als produktiv und eigenständig deutete. Von dem ich sonst so gar nix halte; ausgerechnet im Falle von “Teen Wolf” hat er recht. Da lesen US-Zuschauer in unzähligen Blogs und selbst zusammen geschnittenen  Youtube-Videos (man gebe “Sterek” als Suchbegriff ein), in liebevoll gezeichneten Comics und Gemälden eine Beziehung zwischen Stiles Stilinski und Derek Hale, zwei der Figuren, hinein, obwohl diese nie jemand hat schreiben wollen. Die Serie geht mit dem queeren Thema insgesamt schon recht souverän um, souveräner als mit black cultures, es gibt auch einen schwulen Werwolf und ein Lesbenpaar taucht recht selbstverständlich auf. Aber dass nun ganz und gar produktiv eine Konstellation begierig abgefeiert wird, die mir zwischen den Zeilen völlig entgangen ist, so dass sogar die Schauspieler in öffentlichen Auftritten miteinander zu schmusen beginnen, das zeugt ja geradezu von Zeichen des Besseren nach Jahrzehnten evangelikaler Propaganda. Wie die riesige Regenbogenherzflagge auf der Nord gestern ebenso. By, Bye Nord :( … Du wirst prachtvoll auferstehen, wie die Gegengerade im Gegensatz zur Haupttribüne ja auch.

Ich schreibe um das Spiel herum, weil ich über es nicht schreiben mag.

So auch der Smalltalk mit dem Kleinen Tod nach dem Spiel vor der Domschänke: “Willst Du DARÜBER etwa bloggen?”, fragte er. Ich empfahl, einfach über irgendwas zu schreiben. Irgendetwas, das wir schön finden. Das Spaß, Hoffnung und Freude bereitet.

So zum Beispiel die Begegnung mit einem tief ins Herz geschlossenen St. Pauli-Weggefährten nach dem Spiel. Der wieder mit dabei war. Das war viel wichtiger als das, was die Mannschaft so alles nicht machte. Und auch die anderen drumherum sind noch viel wesentlicher als das auf dem Platz. Das sich aber gerne steigern darf. Irrelevant ist es ja auch nicht.

Ja, wir lieben Dich und träumen von Dir, FC St. Pauli. Manchmal wacht man halt kurz auf, denkt sich “so what!”, und weiß, dass Liebe wichtiger ist als Erfolg. Da mache ich vielleicht eines Tages ein Musical draus. Weil es so schlicht wie wahr ist.

Die Dialektik von Ordnung und Varianz: FC St. Pauli – Union Berlin 3:0

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Die kurioseste Passage im OZ-Buch ist, es wundert kaum, jene, da psychiatrische Gutachten sich des Sprühlings annahmen. Die Funktionsfähigmacher, Unterdrogensetzer (ja, manche brauchen das Zeug auch und dann ist es ja gut so, wenn sie’s bekommen) und ihr Blick: Irgendwie schwingen da oft die Elektroschocks mit, die man Schwulen einst zum Abgewöhnen des Begehrens verabreichte.

Eines dieser Highlights der Indvidualisierung des Strukturellen, des Aufbürdens kollektiver Zurichtungen dem Einzelnen spricht aus einem der Gutachten zu OZ: “Aufgrund seines schweren Schicksals neigt Herr F. dazu, sich in Dinge hineinzusteigern. Er fühlt sich leicht abgelehnt und verfolgt”.

Und das wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, da auflagenstark der Boulevard ihn wortgewaltig hetzte, Innensenatoren in spe ihn für immer einsperren wollten.

Ihn, dem das Leben von Sozialhilfe von der BILD um die Ohren gehauen wurde, als müsse man an ihm das Exempel all der für nutzlos, überflüssig und dsyfunktional Erklärten statuieren. Die nicht auch noch wagen sollen, die Schnauze aufzumachen – oder gar zu sprühen.

Ihm, der noch bevor die CDU Wahlkampf gegen “Brandt alias Frahm” machte, um die uneheliche Herkunft wie auch das Nutzen eines Tarnnamens im Widerstand gegen die Nazis herauszustellen, außerhalb der christlichen Zwangsehe in diese Welt geworfen von Caritasschwestern als “Satansbrut” bespuckt wurde. Er kritzelte daraufhin auf Tischen herum, und die Sozialhygieniker rasteten aus. Immer wieder, immer neu – wie OZ da wohl den Eindruck bekam, in einer ihm feindselig begegnenden Welt zu leben, auch weiterhin, also, ganz klar ein Knacks. Der steigerte sich da nur rein.

Lustig auch der psychiatrisch geäußerte Satz “Er sprüht, um der Welt zu zeigen, dass er da ist!” Was man so wohl angesichts jedes Facebook-Kommentators, jedes Innensenator-Statements und jedes Hupens auf der Straße ebenso diagnostizieren könnte. Dass nun ausgerechnet Redakteure großer Schmierfinkblätter fragten, wie “gestört” dieser Mann sei, während sie fortwährend einvernehmliches Miteinander stören, na, manch Kommentator unter Fotoveröffentlichungen des FC St. Pauli scheint sich dem Hörensagen nach dem angeähnelt zu haben. Legalismus ist ein Zeichen für mangelndes, demokratisches Bewusstsein, ihr Lieben.

Nun stand das gestrige Spiel ganz im Zeichen von OZ, und das war auch gut so! Wie cool die quietschbunte

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Wie eine neue Sprache lernen … FSV Frankfurt – FC St. Pauli 3:3

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Nein, keine Fremdsprache. Eine neue.

Ich glaube ja nicht nur fest an Dennis Daube, sondern auch daran, dass zu viele Worte zu vorgeprägt und formatiert, Mehr von diesem Beitrag lesen

Danke, Mannschaft des FC St. Pauli!!!!


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Quelle: FC ST. Pauli/Facebook

“Nach dem Training am Donnerstagnachmittag übergaben Jan-Philipp KallaChristopher Buchtmannund Lennart Thy, stellvertretend für die gesamte Profi-Mannschaft, dem Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus eine neue Fahne, die zukünftig sichtbar auf dem Dach der Südtribüne wehen wird. “Wir freuen uns, dass sich die Mannschaft so engagiert”, äußerte sich Dirk Brüllung, Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses, nach der Übergabe der Fahne.

Freue mich ja über die Regenbogenfahne des FC St. Pauli jedes Mal, seitdem sie auf dem Stadiondach weht. Es ist ein Zeichen, dass LGBTIQ-People im Stadion willkommen und Teil der Community bzw. eingeladen, es zu werden, sind – dass sich der Verein und die Fanszene des FC St. Pauli prinzipiell für unsere Rechte (und somit auch die derer, die eh schon “drin” sind) einsetzen, dass ein diskriminierungsfreies Leben möglich sei. Finde ich sehr empowernd.

Es mag ja im Detail noch sehr viel zu tun sein; über die Funktions- und Wirkungsweisen von Rassismus, Sexismus und Homophobie sind manche derer, die sich prinzipiell dagegen zu engagieren bereit sind, nicht so informiert, wie es manchmal wünschenswert wäre. Aber das kann sich ja perspektivisch ändern.Und dieses so eindeutige Zeichen ist dabei ungemein hilfreich!

Das hat ECHT Gewicht, wenn die Mannschaft sich so engagiert, einsetzt, zeigt.

Gerade in diesem Feld des Profifussballs, wo so viele Ängste entstehen können und auch geschürt werden.

Das schafft Bewusstsein, das ist ein über Vereinsgrenzen hinweg solidarischer Schulterschluss auch mit den queeren Fanclubs in ganz “Fussballdeutschland”, die Dirk so oft so eindrucksvoll vertritt. Insofern nicht minder Dank dem Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus!

Ich freue mich! Ein Grund mehr, den FC St. Pauli zu lieben ;)

Der wildkonzentrierte Tanz bunter Fussballschuhe: FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 1:0

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Restrausch. Wiederinvolviertsein, Drinsein, Imflowsein – leuchtendes Dasein. Das Dasein, ins Französische einst fälschlich übersetzt mit “condition humaine”, das Subjekt, die Person, ist ja Heidegger zufolge das Seiende, dem es in seinem Sein um das Sein selbst geht. Da hat er schamlos den Taoismus kopiert, noch in den 20ern vor der “Kehre” und Rektoratsreden, und ja, in dieser Formel steckt, was ins Milerntor-Stadion treibt, immer und immer und immer wieder: Eben das, was man fühlt, wie man erlebt und erfährt, die Art, wie man sich auf die Welt bezieht: Mehr von diesem Beitrag lesen

Was passiert, wenn man einfach so drauflos schreibt :D – Zeitmaschine nach St. Pauli

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An manchen Abenden, gerade, wenn der Frühherbst dem Tag heimleuchtete und Parkwächter mir hinterherpfiffen “Leinen Sie bitte den Hund an!’, imaginiere ich mich des abends gerne in ein B-Movie voller Leben, Leiden und Melancholie.

Eben in diesen Zauber, diese Freiheit,

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Zwei “Querfronten”: Wieso die AfD auch Entwicklungen auf der Linken und bei Liberalen zum Ausdruck bringt

Energie folgt der Aufmerksamkeit, so einer der Leitsprüche Hawaiianischer Mystik. Und mag man das auch unter Esoterik verbuchen: Es stimmt ja, dass Aufmerksamkeitsverschiebungen, von vielen geteilt, ein Thema sozusagen “aufladen”.

Insofern werde ich mich hüten, mich nun täglich mit der AfD zu beschäftigen; solche zwanghaft-exkludierenden Kräfte mit ihren Vorstellungen “natürlicher Ordnungen”, übrigens das gleiche Begriffsfeld wie “Authentizität” und eben Heideggers “Jargon der Eigentlichkeit”, sind am besten durch die Attraktivität der Gegenentwürfe zu bekämpfen.

Nur schaffen es Agitatoren Mehr von diesem Beitrag lesen

Voran, FC St. Pauli …

Zunächst einen ganz herzlichen Dank an Roland Vrabec. Mag sich wie Krokodilstränen lesen, ich habe mich früh in die Reihen der Kritiker begeben, nachdem ich, wie viele andere auch, den Auftakt unter Vrabec zunächst prima fand.

Ich vermute lediglich, dass da noch Lernbedarf in der Personalführung besteht; das ist normal, wenn man in eine solche Rolle geschubst wird. Mit Sicherheit hat er voller Akribie und Engagement all seine Ressourcen in bester Absicht eingebracht. Und mit Sicherheit werden gerade die Kritiker, also auch ich, staunen, was er noch so alles reißen wird in der Zukunft. Wenn er die Erfahrungen verdaut hat und neu los legt, werden wir uns noch ganz schön die Augen reiben. Ich hoffe und wünsche ihm, dass weniger Gram als Erleichterung ihn befällt und er durchschnaufend nun Raum für Atem findend die für ihn schwierigen Situationen als Grundlage für zukünftiges Wachstum begreifen kann.

Rachid Azzouzi ist anzukreiden, dass er diesen Schritt nicht schon vor der Sommerpause vollzogen hat. Er geht, Mehr von diesem Beitrag lesen

Erosionen als zukunftsweisende Perspektive? Greuther Fürth – FC St. Pauli 3:0

“(Das Spiel des FC St. Pauli, MR) hat unterm Zwang der eigenen sachlichen Konsequenz die Idee des runden Werkes kritisch aufgelöst und den kollektiven Wirkungszusammenhang durchschnitten. Wohl hat keine Krise, nicht die wirtschaftliche und nicht die der Kultur, in deren Begriff der verwaltende Wiederaufbau mitgedacht ist, das offizielle (Vereinsleben, MR) zu unterbinden vermocht. Auch (im Fussball, MR) hat das Monopol der Tüchtigen überlebt. Vorm versprengten Klang jedoch, der sich dem Netz der organisierten Kultur und ihrer Konsumenten entzieht, wird solche Kultur als Schwindel offenbar.”

Theodor W. Adorno, Philosophie der Neuen Musik, S. 36

 

Ja, das habe ich von Brecht, diesem Banausen! Einfach in die heiligen Worte des Philosophen derart Profanes einzubauen. Und in Erosionsprozessen die Zukunft zu wittern ist immer zwiespältig – das Konzept der “schöpferischen Zerstörung” (Schumpeter) ist auch eines, das den Neoliberalen behagt, wie manche mit dem Sozialrevolutionären Kokettierende sich hinter die Löffel schreiben könnten.

Dennoch: Beim gestrigen Spiel in Fürth musste ich trotz der Ausmaße einer Tragödie der Lethargie an lauter gestrige und vorgestrige Theorieversatzstücke der  undogmatischen Linken denken. Während ja heute zumeist sich als heroisch inszenierender Aktionismus meckernd dem Strukturkonservatismus sich hingibt und jede Niederlage noch als Bestätigung des Falschseins des Ganzen freudig begrüßt wird, weil im Grunde genommen sie auch alle nicht wüssten, was zu tun wäre, würden Erfolge errungen, wieder andere weiterhin im Virtuellen wühlen, weil die Realität so hart ist, Dritte dann den ganzen Globus mit Analysen überziehen, weil sie sich hierzulande im Gerangel so gut eingerichtet haben, dass jeder Stellvertreter für fröhliches Projizieren willkommen scheint, angesichts all dessen erscheint manche Großartigkeit vergangener Debatten wie eine funkelnde Welt der, ja, Differenz im positiven Sinne.

Eben vor allem jene Versatzstücke, die in Brüchen, Dissonanzen, Diskontinuitäten, Dekonstruktionen große Erzählungen zertrümmerten und im Fragment, im Scheitern, im Auflösen der Sinnzusammenhänge bei gleichzeitiger Ortlosigkeit der Kritik, manche auch im reinen Flanieren (ganz wie manch Spieler gestern) die letzte Flucht wähnten vor dem, was gesellschaftlich quält.

Das entspricht ja bemerkenswerterweise ungefähr dem, was unter Vrabec, Mehr von diesem Beitrag lesen

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