Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: FC St. Pauli

Was ist überhaupt eine “Identifkationsfigur”

“Fehlt bei St. Pauli eine Identifikationsfigur wie Fabian Boll, ein Typ, der die Mannschaft mitreißen kann?

Dreyer: Ja, in jedem Fall. Boller klar, der würde der Mannschaft guttun. Aber einen Boller kannst du dir nicht aus den Rippen schneiden. Ich glaube übrigens, dass das Abschiedsspiel für Boller der Mannschaft geschadet hat. Plötzlich war das Stadion gegen sie und hat die “Alten” angefeuert. Und dann haben sie auch noch 1:5 verloren. Ich glaube, mit der Situation konnten einige nicht umgehen, Das hat sie verunsichert, und das schleppen sie immer noch mit.”

Das könnte wahr sein. Das könnte sogar das Problem sein. Auch die vom Magischen FC beklagen das Fehlen einer solchen “Figur”.

Es ergab sich neulich analog bei Facebook eine kuriose, aber spannende Diskussion rund um die Idole vergangener, vielleicht auch noch aktueller schwuler Subkulturen.

Noch in meiner Generation waren das sehr wenige, und Rosa von Praunheim bot nun zumindest für mich wenig Möglichkeiten, mich da zu identifizieren. Dann schon eher John Waters oder Marc Almond. Die Generation davor hatte kaum Angebote, außer Zeichen zu deuten – Anspielungen im Subtext und der Ikonographie zu Zeiten der Illegalität homosexueller Praktiken.

Pasolini lud noch am ehesten ein, “Teorama” zum Beispiel.

Man begab sich auf Spurensuche und suchte in der Historie, Mehr von diesem Beitrag lesen

Wie wird es, ein St. Paulianer zu sein? FC St. Pauli : Kaiserslautern – ach, das Ergebnis ist doch egal.

Okay, okay, okay. Nein, ich habe nichts zurück zu nehmen.

Das ist mein Ernst ;) … mögen auch die Zahlen meines Traffics hier in letzter Zeit besser gewesen sein als die Ergebnisse der Mannschaft, nun auch wieder heute gegen die Region: Das heißt ja nichts. Weil heute alles anders war. Besser. Viel besser. Und vielleicht sogar der Auftakt zu einer richtig guten Zukunft.

Weil Zahlen nicht wirklich etwas besagen. “Die Tabelle lügt nicht!”

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Erläuterungen zum offenen Brief an die Mannschaft

Der letzte Blog-Eintrag “Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …” ist in der Geschichte dieses Blogs der mit Abstand meistgelesene. Das war tatsächlich zu meiner Überraschung mein persönlicher Besucherrekord. Und wurde nun auch noch im Abendblatt zitiert.

Ich habe damit, wie man so sagt, wohl “einen Nerv” getroffen, sehr viel Zustimmung, Unterstützung und Beifall gefunden. Dafür einen ganz herzlichen Dank! Es hat allerdings auch derart drastische Gegenreaktionen gegeben, dass ich mich davon noch erhole. Weil die Attacken an einem Punkt ansetzen, der mir so neu nun auch nicht ist in der “aktiven Fanszene”, was auf Dauer zermürbt.

Es wurde nun schon zu mehr Liebe statt wechselseitigem Zerfleischen aufgerufen, völlig richtig und Danke! – ich will versuchen, die kritisierten Punkte, die ich weiterhin für sachlich gerechtfertigt erachte, nun noch einmal aufzugreifen in einem eigenen Eintrag. Der wird jetzt sehr lang, sehr ausführlich, sehr anstrengend und ich kenne viele, die den Text sehr viel besser schreiben könnten als ich. Die kann mensch allesamt ganz simpel googeln ;) … wie Rezepte für Hähnchen im Wok ja auch. Und über Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen freue ich mich sehr.

Freilich werde ich die Punkte nicht erläutern, um sie im Sinne des “Absolutismus” eines Blogs mit normalerweise eher geringer Reichweite nun allseits zu verordnen.

Wenn nicht stpauli.nu mich verlinkt, ist dieses Blog, von einem vereinzelten, schwulen St. Pauli-Fan betrieben, keine mit besonderer Machtfülle ausgestattete, gesellschaftliche Position. Da ich nun selbst regelmäßig ganz schön zulange, kann und muss ich mit Antworten und Kritik auch gut leben. Manche setzen allerdings auf Ebenen an, dass es schwerer fällt. Die aktivieren das, was ich schon auf dem Schulhof fürchtete und was sehr schnell geschieht, kratzt mensch an mehrheitsgesellschaftlichen Selbstverständnissen.

Auf die sachlich manche Lesende irritierenden, manche auch zu harschen Reaktionen animierenden Passagen sei nun noch mal erläuternd eingegangen für die Interessierten, Mehr von diesem Beitrag lesen

Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …

… ich schreibe jetzt einen echten Scheiß-Text und lasse mich dafür auch öffentlich beschimpfen.

Ich habe mir das Spiel heute in Leipzig nämlich noch nicht einmal angeguckt. Wegen euch.

Ich vermute, dass euch das scheißegal ist. Weil ich nicht glaube, dass ihr im Gegensatz zu anderen Spielern zuvor unsere Blogs lest. Na, zwei, drei, vier von euch vielleicht, eben jene, die auch in Jugendmannschaften schon hier gespielt haben und mit dem Umfeld auch jenseits folkloristischer Mitgröhl- und Kochveranstaltungen wie “Ein Kessel Braun-Weißes” zu verstehen suchten, was die Seele dieses Vereins bewegte.

Ich liebe den FC St. Pauli über alles, er begleitet mich seit über 14 Jahren. Ich habe Rumpelfüße bei uns brillieren, technisch limitierte Spieler ganz und gar st. paulianisch los dreschen sehen, sie waren erfolgreich, und bin grummelnd nach Niederlagen mit “Ich lieb sie doch!” eingeschlafen. Wir haben “Aufwachen!”-Chöre angestimmt,  “Scheiß St. Pauli” angesichts von Slapstick-Fussballt gebrüllt und Versagen TROTZDEM liebenswert gefunden. Ich bin nun auch schon drei Mal mit diesem Verein abgestiegen, und die Bindung zu denen auf dem Platz war immer da. Aber so was – nee.

Was ihr jetzt so treibt, das geht mir langsam echt auf die Nerven.

Man rekonstruiert sich als Zuschauer ja allerhand zusammen

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Jargon der Eigentlichkeit: Mottofahrt nach Leipzig

Ich wollte meine Klappe halten. Echt jetzt. Geht nicht, nachdem folgendermaßen zur “Mottofahrt zu Red Bull Leipzig” aufgerufen wird:

“Bringt etwas mit, was eure Geschichte mit Sankt Pauli widerspiegelt, was euch immer begleitet oder mit dem ihr ein geschichtsträchtiges Spiel mit unserem Verein erlebt habt. Ganz egal, ob ihr es anhattet als wir den DFB-Pokal unsicher gemacht haben, bei eurer ersten Auswärtsfahrt oder es einem Spieler abluchsen konntet.

Lasst uns allen zeigen, was wir schon erlebt haben und wie viele Erlebnisse uns mit unserem Verein verbinden. Wir müssen dazu nicht mit dem Wort Tradition um uns schmeissen, ein Blick in den Kleiderschrank genügt, um zu erfahren, was wir mit diesem Verein schon alles durchlebt haben.

Das liest sich harmloser, als es ist. Demnächst also irgendwo in Niedersachsen: Der örtliche Schützenverein holt seine Uniformen aus dem Jahre 1990 heraus, um dem neuen anatolischen Restaurant in der Fachwerkhaus-Fussgängerzone einen Besuch abzustatten und ihm seine Erlebnisse entgegen zu schmettern? Diese Heimatschutz-Attitude gibt es auch in der Gentrifizierungskritk, sie ist allerdings strukturell hochproblematisch. Wie sich auch in der letzen Ausgabe der BASCH zeigte:

“Den Medien ließ sich entnehmen, dass dass mehrere Testspielansetzungen gegen RB massiv kritisiert worden und RB als perverseste Form der Kommerzialisierung des Fußballs massiv angefeindet wird.”

Anachronist, Red Bull Leipzig verrecke, in: BASCH #57, S.

Im Gegensatz zu anderen “Dorffanszenen” (USP) Mehr von diesem Beitrag lesen

“Wir sind keine kickende Werbeunterbrechung!”

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Mit Glückwünschen und Danksagungen einsteigen – ach, das überlasse ich mal Wirtschaftsinformatikern und anderen Freunden der dehumanisierten Formeln und Algorithmen. Mühe mich eher um Synthese, die seltsame Melancholie und auch Ratlosigkeit, die diese Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli bei einigen auslöste, will ja sortiert sein.

Zentral wehte und windete, ja wand sich die Frage, was den Aufsichtsrat bewogen hat, das Präsidium um Stefan Orth nicht zur Wiederwahl zu stellen, Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, FSK, Mo, 10.11., 14-16 h

Ich bekenne ja: Seitdem der mutmaßliche Skandal bekannt wurde – Skandal, weil, wenn die Expertise von Ver.di stimmt, es sich um einen atemberaubend krassen Verfassungsbruch handelt – produziere ich nun noch viel lieber für das FSK ;)

Im Gegensatz wohl zum Innensenator, der zwar gerne mal über den Rechtsstaat doziert, aber da, wo der in seinen Grundsätzen mutmaßlich hart angegriffen wurde, lediglich anmerkt, er würde sich zu Internetveröffentlichungen nicht äußern, halte ich ja sehr viel von unabhängigen, demokratischen Öffentlichkeiten.

Die Sendung morgen ist maßgeblich vom Job eines der designierten Mitglieder des Präsidiums des FC St. Pauli inspiriert! Joachim Pawlik hat uns Mechanismen seiner Personalberatung für mittelständische Unternehmen skizziert, ich spinne das weiter; falls ich unsinnige Verknüpfungen vornehme, kann er da selbstverständlich auch nichts für. Ich hatte aber  auch angekündigt, dass ich darüber schreiben würde. So ist es aus Metalustversum-Perspektive in die Gestaltung der Sendung eingeflossen. Hört einfach rein. Umrankt ist das Ganze mit Erwägungen zum Trickster aus queerer Sicht wie auch mit Spielberichten aus besseren Tagen, als das Elend uns St. Paulianer noch nicht vollumfänglich ergriffen hatte – und wie immer mit viel Musik. FSK-Seite aufrufen und rechts oben den Stream starten! Wer auch immer das möchte.

Hier die Playlist:

 

Donna Summer – On the radio
Elaine Stritch – I’m still here
Julia McKenzie – Losing my mind
Grace Jones – She’s lost control
Lana del Ray – Money Power Glory
Phantom/Ghost – This work is inside out
SOHN – The Wheel
Nicolette – No Government
Kele – Like we used to
Y’akoto – Talk to me
Tocotronic – Neues vom Trickster
Macin Wasilewski, Michael Miskiewicz, Slawomir Kurkiewicz, Tomasz Stanko – Kattorna (Danke, @Fanne, für diesen Tipp!!!)
Contemporary Noise – Even Cats dream about flying (Danke, @Fanne, auch für diesen Tipp!!!)
Bang Bang – The Prisoner
Man Parrish & Klaus Nomi – Total Eclipse Remake
Phosphorescent – Wolves
Albert Ayler – Oh! Love of Life
Und hier die Literaturliste:
- Rosenkranz, Bernhard/Lorenz, Gottfried – Hamburg auf anderen Wegen, Hamburg 2005
- Han, Byung-Chul, Psychopolitik – Neoliberalismus und die neuen Machttechniken, Berlin 2014
- Marty_Huber, Queering Gay Pride, Wien 2013
- Tugendhat, Ernst, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung, Frankfurt/M. 1997 (8. Auflage)
Und dieser wundervolle Link sei nicht vergessen!

 

Und täglich grubt das Murmeltier … FC St. Pauli – Heidenheim 0:3

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Das Schlimmste war dieses Gefühl der Teilnahmslosigkeit. Schrecklich ist ja nicht nur, fühlt mensch sich schlecht. Sondern eben auch, verliert mensch den emotionalen Bezug zu dem, was doch zuvor noch heiß und innig geliebt wurde.

So, dass wir uns irgendwann zuraunten “Die haben das Millerntor tot gespielt.”

Zuvor hatte ich ja eher gedacht, dass es an den Motivatorenunfähigkeiten von Roland Vrabec liegen könne, die sich eher Unerfahrenheit und Ehrgeiz verdankten. Was er dann bei der nächsten Station fix gelernt haben würde.

Nun unter Meggle die gleiche Verunsicherung, das gleiche Getöffel, das selbe taktische Unvermögen. Zeitweise hatte ich das Gefühl, in einem kuriosen Flashback gelandet zu sein, einer Art Zeitschleife, und würde das Karlsruhe-Spiel noch einmal sehen. Mir ist das im Liebesleben ja durchaus auch passiert, immer wieder die gleichen Fehler :D -

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“Schwerer kann man gegen verfassungsrechtliche Grundsätze nicht verstoßen.”

Ich habe beim FSK zwar eine Sendung, im Tagesgeschäft stecke ich jedoch nicht drin und in den Debatten in den Redaktionen auch nicht. Das soll nun freilich keinerlei Distanzierung beinhalten, ganz im Gegenteil: Ein so freies Arbeiten habe ich neben dem Bloggen in meiner Medienarbeiterlaufbahn noch nicht erlebt.

Mittlerweile werden ja LGBTIQ-Herabwürdigungen, Hass und Vorurteile bezogen auf Muslime, Misogynie, verdeckter Rassismus und sonstwas für Varianten der meines Erachtens gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit massenmedial und auflagenstark als “Pluralität” unter dem Banner der “Meinungsfreiheit” abgefeiert – um so erstaunlicher, dass das mutmaßliche Einschleusen von verdeckten Ermittlern in ein tatsächlich und ausnahmsweise freies Radio in mir bekannten Umfeldern, ja, liebe Fanszene des FC St. Pauli, so gut wie gar nicht problematisiert wird. Und darüber hinaus den ganzen “Meinungsfreiheit”-Apologeten, die nur ungestört Andere nieder machen wollen, auch komplett am Arsch vorbei geht. Gerade die müssten doch nun lautstark protestieren.

Sehr, sehr deutliche Worte findet hingegen ein Vertreter von Ver.di gegenüber Radio Dreyeckland. Ich empfehle dringlichst, da mal hinein zu lauschen.

Der Hamburger Senat hat ja immer eine riesige Schnauze, wenn es um das Proklamieren von “Rechtsstaatlichkeit” geht – und hierzu will er schweigen? Wenn die Einschätzung des Ver.di-Vertreters richtig ist, dann ist das auf der Ebene des Prinzipiellen ein Umgang mit Verfassungsgrundsätzen, der derart deftig ist, dass es einem den Atem raubt.

Es scheint zudem so zu sein, dass in queerfeministische Zusammenhänge hinein agiert wurde – mit vollem Körpereinsatz. Das hat zwar gerade in Hamburg auch eine empörende Tradition, die in meiner Sendung am Montag unter anderem Thema sein wird – es war der ehemalige Präsident des FC St. Pauli, der einst in einer so genannten “Klappe” den einseitig durchsichtigen Spiegel, hinter dem Polizisten ausdrücklich nach Änderung des Paragraph 175 herum schnüffelten, medienwirksam eingeschlagen hat. Das macht die Sache aber um so schlimmer, weil es mutmaßlich eben auch eine Perspektive entlarvt, die die Exekutive im Bezug auf nicht-genormte Lebensentwürfe einnimmt. Die aktive Teilnahme einer verdeckten Ermittlern daran wird ja vermutlich keine Affirmation implizieren.

Mich erstaunt, dass der Protest bisher so leise bleibt.

Edith: Siehe auch das offizielle Statement von ver.di

Neues Präsidium, neuer Aufsichtsrat des FC St.Pauli: Chancen und Probleme

Ein erweitertes Verständnis medialer Öffentlichkeit

Geht gut los – uns als Social-Media-Aktiven wie auch Fanzine-Machern signalisierte das designierte Präsidium prompt: Wir begreifen euch im selben Sinne als relevante, mediale Öffentlichkeit wie BILD, Mopo und Abendblatt. Christoph Pieper hat das über Jahre hervorragend als stets ansprechbar und mit riesengroßen Ohren in die Dickichte von Internet und St. Paulianer-Veröffentlichungen hinein lauschend vorbereitet. Nun lud neben dem Übersteiger, der BASCH, taz und der Süddeutschen wie auch dem Lichterkarussell die zukünftige Führungsspitze auch StPauli.nu und mich zur Vorab-Befragung, um mögliche Multiplikatoren einzubeziehen, in den Clubraum der Domschänke.

Die sehr offene, diskursiv sich nicht auf das Plakative, das Sich-Verkaufen oder die totalisierte Präsentationsphrase beschränkende, erweiterte Presserunde war derart informativ, dass es gar nicht leicht fällt, die Aussagen zu filtern. Carsten Harms vom Abendblatt hat dieses – das war nach dem Interview mit dem scheidenden Präsidium gar nicht zu erwarten :Dhervorragend getan. Ich war Zeuge, es wurde so gesagt! Von daher spare ich mir das Referieren von Details und richte mein Augenmerk auf das, was ich aus Perspektive des Metalustversums sowohl prima als auch als hochproblematisch beurteile.

 

“Den Verein erstklassig spielen”

So sagte es Oke wörtlich. Ich habe das so verstanden,

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