Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Camping

Lesen! Dann hören!

Die Saxophon-Dialoge – Folge 1

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Da liegt er nun. Silbern. Massiv. Schwer. Voller Klang. Einer, der ordentlich röhren kann, doch auch in den Tiefen dieses rauchige Hauchen hervor bringt, das ein Tenor-Saxophon zu schenken vermag. Eines, das an schummerige Bars mit knackigen Keepern in steifen Hemden mit Weste erinnert, das den Geschmack von Gin oder Scotch oder Martini auf Lippen und Zungen zaubert. In dem die Melancholie der Wissenden wohnt, die Sehnsucht derer, die alles schon erlebt zu haben glauben und deren Wollen nur mehr einem Glimmen gleicht, das doch so stetig leuchtet wie kein Strohfeuer juveniler Intensitätshoffnungen dieses jemals zustande brächte. Dieses lauernde Trotzdem in der Resignation, das sich Tönen, so geschmeidig und variantenreich wie jenen der menschlichen Stimme, hingibt, die locken, auch in die Distanz schubsen, röcheln und schmeicheln.

Er hat rote Knöpfe, mein neuer Freund. Selbstverständlich ist ein Saxophon für mich männlich, gerade der Tenor. Er lag in einem Keller in Klein-Borstel zusammen mit schicken, teureren, neuen Instrumenten und hat auf mich gewartet. Gerade neulich so ein Billig-China-Instrument getestet im Weltkriegsbunker unweit des Millerntores; das flatterte, klang blechern, stieß weg. Ein Alt der selben Marke hatte einen schönen Klang, aber ich liebe doch Tenöre …

Da lockte mich, im Internet und auch im Preis halbiert, mein neuer Weggefährte. Ganz unsexy als VEB belabelt. Hatte einst auch ein DDR-Instrument, ein Tenor, das ich liebte. Einem Freund geliehen, nie wieder bekommen. So hat er mich verlassen: Durchgebrannt mit einem Anderen.

Die Saxophonbauerin schloss die Stahltür hinter mir. Einem, der seit 20 Jahren kaum einen Ton auf so einem Rohr spielte, will man nicht lauschen. Er strahlte mich mit starker Aura an; Gebrauchsspuren zeigten: Er wurde geliebt. Die Lackierung auf Dis- und C-Klappe weg gespielt, er strahlt die Erfahrung derer aus, die mit Anderen viel erlebt, sich eingelassen haben. Ich setze an, leicht zitternd, fürchte mich vor dem Quietschen, das nun folgen würde.

Es bleibt aus. Sanft, samtig, liebevoll dringen die stockend angespielten Laute aus dem Horn. Später, vor Publikum, da bleibt es aus, klingt schief. Wir müssen uns noch ein wenig kennen lernen, ohne, dass störende Blicke und Ohren uns ihre Label aufkleben. Dialoge müssen her.

VEB. Ich googel herum, das frisch erworbene Instrument, das mir gleich vertrauensvoll Einblicke in die Welt seiner Sounds und somit Gefühle gewährte, ist älter, als sie in der Werkstatt dachten. Irgendwann zwischen 1950 und 1952 muss es in einem verstaatlichten Instrumentenbauerbetrieb gebaut worden sein. In Klingenthal im Vogtland, gar nicht weit entfernt vom Angstgegner Aue. Dort haben Einheimische 1994 laut Wikipedia eine Gedenkstätte für Nazi-Opfer abreißen lassen. Und nennen sich “Musikstadt”. Sehr musikalisch, Erinnerungen tilgen, ist das nicht. Drum trendy.

Im 19. Jahrhundert war Klingenthal wohl eine der wichtigsten Produktionsstätten für die Vorläufer des Akkordeons.

Mein neuer Freund: Also noch zu Zeiten des Terrors Stalins gebaut. Nach dem Vorbild von US-Instrumenten, den Conn-Saxophonen. Hoffe, dass auf ihm keine Militärmusik gespielt wurde, sondern sich tarnender Swing und Rock’nRoll. Wurde ja in Orchestern so gemacht, “See you later, Alligator” einspielen, es aber anders nennen, damit keiner es merkt in Einstufungskommissionen und anderen Vorläufern öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten und sonstigen Casting-Shows.

Überhaupt war der Jazz das Gegenbild zum sozialistischen Realismus (das ist das, was jene fordern, die mir sagen, ich solle mal knackiger und weniger verschwurbelt schreiben) und deshalb als widerständige Form auch in der CSSR und Polen sehr beliebt. Vielleicht wurde auf meinem Instrument der Marke “Akustik” ja auch so was gespielt?

Ich werde es vielleicht erfahren, wenn wir uns jetzt näher kennen lernen. Und berichten. Von dem FC St. Pauli-Bläsersatz, der sich heute bei Twitter schon fast formte und eines Tages bei Spielen supporten wird. Vom Wiederentdecken John Coltranes. Von all den Erfahrungen, die ich mit meinem neuen Gefährten sammeln werde, den Geschichten und Assoziationen, die unsere Entdeckungsreise weckt, herauf beschwört, im kreativen Raum des Nichts entstehen lässt.

Ich bin frisch verliebt in einen echten Tenor-Kerl, wahrscheinlich
Jahrgang 1952, aus dem sächsischen Vogtland. Wenn mir das wer vor einer Woche erzählt hätte …

Mit Apps herum probieren und an das denken, was ich will!

Ja, okay, ich muss noch üben.

Die Dialoge sind schwach, die Bilder nicht optimal komponiert.

Liegt aber auch daran, dass die App ständig abstürzt und man zwischenspeichern muss. Ist aber ein Weg, all denen entgegen zu kommen, die stetes Schwurbeln, ungenügende Eingängigkeit und zu seltenes Pointieren mir diagnostizieren.

Die Übersetzung ins Comic-Genre birgt zwar auch die Gefahr, bedeutungsgesättigte Verdichtungen in Sprechblasen zu tippen; doch nein, ich bin der Versuchung nicht erlegen, so gar nicht :D – und werde nunmehr immer mal ein “Pow!” in Bilder und Texte setzen.

Die Dramaturgie ist schlicht. Die Botschaft ist klar.

Und wühlt man sich durch all die Psycho-Coaching-Literatur selbst für an Burnout Erkrankte und Abnehmwillige, so ist immer wieder die Message klar: Konzentriere Dich auf das, was Du willst, nicht auf das, was Du nicht willst!

Finde positives Feedback im Unbewussten, im rein adaptiven, nicht-analystischen Raum Deines Erlebens! Suche jene Leitsätze und Zielbilder, die mit positiven Gefühlen assoziiert werden!

Drum, mein Comic-Tipp

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Regensburg – FC St. Pauli 3:0. Ein Twitterabend an der Bar.

@quotenrocker @ring2 Prost mit einem Becks!

Jetzt machen wir sie fertig!

Irgendwie machen wir uns gerade eher selbst fertig :(  #fcsp

Und sie glauben immer noch, den tollen Pass spielen zu müssen, dann würde alles gut … - und lassen sich dann überlaufen. Oje, sitzt die Unsicherheit und Ratlosigkeit tief :(

@kleinertod Ja, aber sie haben irgendeinen verdrehten Glauben an das, was sie können.

Immerhin wissen die Meistertrainer an der Bar neben mir ganz genau, was zu tun wäre! Soll ich Azzouzi deren Nummern besorgen? Die Meistertrainer haben auch Top-Ideen für die Budgetplanung. Voll die Bescheidwisser. Echte Fernguckprofis. Prost!

@ring2 Bei Tor war es Buchtmann …

@jawasdenn1910 Ja, sogar für Dropbox und Cloud :)

@ring2 Tor 1, meine ich.
Den Abend habe ich mir aber irgendwie anders vorgestellt …
Ein Scherbenhaufen funkelt im Regensburger Flutlicht wie eine Discokugel. Jetzt bitte “We will surwife” anstimmen, Boys in Brown.
Oooooooooh, wie ist das schön …
Wenigstens hab ich Bruns noch nie so ausrasten sehen.
Frustfouls sind Menschenrecht!
@kleinertod Bei dem lohnt sich alles :) . …
Meeske stellt Montag einen ausgeklügelten und gewinnträchtigen Plan vor, das Millerntor-Stadion in eine Bowling-Bahn umzuwandeln. Das Präsidium ist begeistert von den Erlösmöglichkeiten und stimmt zu. Unter der Bedingung, V.I.P.-Kugeln mit LED-Laufband einzuführen.
Dichten wir ABBA um!
The looser takes it all. The winner standing small besides his Victory. Hey, it’s history!
Dem Morgenrot entgegen…
Glückwunsch an Regensburg, wir werden von euch lernen!
(t.b.c.)

Entmumifiziert und transformiert. Ein Fussball- und Kunstabend.

Ein Fussball. Ein Fussballabend. Warhol sein Siebdruck, mir mein iPad.

Wie ein Planet leuchtet der Ball.

Dabei leuchten Planeten gar nicht. Da gleichen sie Fussbällen – eigentlich nur runde Stücke, allerdings von Menschenhand gefertigt. Ohne Spieler ganz nutzlose Dinger.

Doch wie Planeten von der Sonne ihr Licht empfangen, damit sie strahlen können, ihre Ringe gar leuchtend der Sichtbarkeit schenken, so auch das Spiel mit den Dingen. Für Menschen nur. Ja, liebe Leute, das Universum ist FARBLOS.

Doch wir, wir haben diese Fähigkeit, Saturnringen wie Fussbällen sehend und spielend Pracht zu verleihen:  Der Ball lebt von der Energie jener, die aus ihm etwas machen, das größer ist als sie selbst!

Denn, wie schreibt die Mutter von Norman Bates, äh, der Gegengeraden-Gerd vom Dingens, äh, ja. Lehne mich zurück, nippe am Laphroaig Quarter Cask, danke, P.A., danke. S.! Der Whiskey umspült die verkaterte Zunge. Wärme breitet sich wohlig aus im Brustraum. Aromen finden freudige Begrüßung. Geschmacksnerven lehnen sich genüßlich zurück und spüren den Torf hinter der Schärfe. Das Auge trinkt mit, eine hübsche Farbe hat das Zeug. Weil ja der Gegengeraden-Gerd schrub:

“Kennt ihr vielleicht vom Camping.”

Eben. So heißt Mehr von diesem Artikel lesen

Eine Zwischenbilanz zum tausendsten Blogeintrag

Das Unerfreuliche

Anlässlich des tausendsten Eintrags in diesem Blog, nach der wohl begründeten Flucht vor Shifting Reality ins Leben gerufen, kann ich ja mal vor mich hin schwurbeln und vielleicht so etwas wie ein kleines Fazit ziehen.

Ausgestiegen aus dem Gemeinschaftsblog war ich, weil mir zunehmend auf die Nerven fiel, dass sich inmitten der linken Theoriebildung immer mehr als “Neoliberalismuskritik” getarnte, homophobe Einsprengsel fanden. Und auch, weil mir in Fragen des Rassismus die je eigene Rolle, also das, was “Critical Whiteness” meint, dort im Grunde genommen nicht als mehr thematisierbar erschien.

So traurig das ist, für mich, für andere, hat sich das im Zuge des Bloggens hier fortwährend bestätigt, dass das so ist. Es gab Phasen, da brauchte ich nur Jean Genets “Querelle” thematisieren, und irgendwer rastete in der Kommentarsektion mit Sicherheit homophob aus. Auch Judith Butler nur erwähnen führte zu wirklich absurden Kommentarschlachten – wohlgemerkt NICHT wegen der Israel-Frage (einmal aber doch).

Ob nun linksliberal, linksradikal oder linksistdochegalaberirgendwiedochlinks, viele in diesen Szenen Geprägte haben viel zu häufig ein akutes Problem damit, auch nur zuzuhören, wenn es um marginalisierte Perspektiven geht, um Erfahrungsräume, nicht die ihren sind. Sie reagieren hochaggressiv auf Hinweise diesbezüglich, tun alles dafür, ihre eigenen Biographien und Lebenswelten als einzig relevantes Thema und Kriterium durchzusetzen und greifen im Konfliktfall auf bewährte, rechtsliberale Schemata zurück, um Abweichendes möglichst in Gruppen zusammen gerottet auch weiterhin marginalisieren zu können.

Diese Leute ertragen “Deviante” nur, wenn diese den ganzen Tag die “Danke, Massa, dass Du mich tolerierst”-Haltung einnehmen.

Was ich noch nicht verstanden habe, ist, ob das nun Ängste sind, ob echter Widerwille  und echte Abneigung sich zeigen oder einfach nur Ego-Reflexe einsetzen, die dann entstehen, wenn antrainierte Schuldgefühle – unter anderem – mobilisiert werden. Die in einer merkwürdigen Opferhaltung anschließend denen vorgeworfen werden, die nichts anderes tun, als sich auch mal zwischendurch mal Gehör sich zu verschaffen. Oder ob sie es einfach nicht ertragen, wenn sie mal nicht der Plenums-Platzhirsch sind. Geht mir dabei ja nicht um eine konkrete Person, sondern um einen weit verbreiteten Habitus, der alle nervt, die auf ähnlichen inhaltlichen Feldern ackern wie ich. Und ich als weißer Mann haben die ganz krassen Formen des Mobbings, wie sie am heftigsten PoC-Frauen erleben, tatsächlich auch noch nicht erleiden müssen.

Trotzdem ein Dankeschön an all die Rausgeworfenen! Ich habe da zwar vieles gelernt, was ich nie lernen wollte, aber was ja gut zu wissen ist.

Das Erfreuliche

Was mich täglich freut, ist, dass der Kontakt zu der feministischen Welt sich so intensiviert hat. Ich erlebe sie als hochinspirierend, freue mich, wenn mir zum Geburtstag als erstes Nadine Lantzsch bei Twitter und Antje Schrupp bei Facebook gratulieren, die über verschiedene Facetten feministischen Denkens schreiben. Ich finde beides sehr lehrreich, sehr spannend, sehr bereichernd wie auch die Mädchenmannschaft und ihr Umfeld im Allgemeinen. Und lese da gerne zu.

Viele der Twitter- und Facebook-Kommunikationen sind hier ja gar nicht mehr sichtbar, da hat sich auch was verschoben. Ich habe tatsächlich eher biographisch, nicht sachlich begründet lange Zeit einen Bogen um den Feminismus gemacht; aktuell erscheint er mir produktiver als vieles, was im klassischen Antifa-Spektrum diskutiert wird. Gerade auch da, wo das, was man wohl, bin ja nicht mehr der Jüngste und nicht immer firm in aktueller Theoriesprache, aktuell Intersektionalität nennt, gedacht wird. Da, wo die Identitäten und Unterschiede zwischen rassistischen, sexistischen und homophoben Strukturen offen gelegt werden. Was, glaube ich, für alle die große Aufgabe ist, ist, das Ganze rückzukoppeln an die Themen der Kritik der politischen Ökonomie. Das kann aber auch mein Problem sein und alle anderen sind längst dran.

Ebenso erfreulich finde ich die Intensivierung all der Kontakte rund um den FC St. Pauli. Auch da gab es ja durchaus Kontroversen, die in fast, leider nur fast, allen Fällen sich aber auflösen ließen.

Umgekehrt sind, nachdem ich ja jahrelang eher unbemerkt hier rund um diesen, meinen heiß geliebten Fussballverein bloggte, zuerst Dank Twitter und die Verlinkungen durch stpauli.nu und dessen riesige Facebook-Gruppe, immer mehr sehr schöne persönliche Kontakte, Freundschaften, Solidaritäten und Zwischenmenscheleien entstanden, die ich echt nicht missen möchte. Das ist eine tolle, vielseitige, lebendige Community mit so vielen großartigen und einzigartigen Individuen, da fühle ich mich doch sehr zu Hause. Will jetzt gar nicht alle aufzählen, dann vergisst man eh nur wen oder welche, die einem besonders an Herz gewachsen ist. Dass unter anderem über das Lichterkarussell auch eine Anbindung an die Perspektive der Jüngeren erfolgte, dass lässt doch Vertrauen in all die Möglichkeiten gesellschaftlichen Wandels wachsen. Und ich bin weiterhin überzeugt, dass er möglich ist, der Wandel!

Der Ausblick

Von Anfang an habe ich hier zumindest versucht, ein wenig neben Spur und antisystematisch auch in der sprachlichen Form mich zu bewegen, teils auch in den hoch geladenen Bildern übliche Darstellungsweisen zu verschieben. Auch Fussballerkörper haben ein Recht darauf, mal jenseits der Klischees der Sportfotografie abgebildet zu werden, und da haben wir ja auch Fotografen im Stadion, die das können.

Keine Ahnung, wie weit dieses Anliegen, sprachlich wie bildnerisch, mir wirklich gelang, ist aber der Sinn des Blogs für mich eben auch.

Ich bekam heute bei twitter von der mir bis dato unbekannten @h4rri3t den wundervollen Tweet, sie läse hier gerne und wünsche mir noch viele schwurbelige Ideen. Das hat mich gefreut!

Zu den wirklich ärgerlichsten und frustrierensten Erfahrungen gehörte für mich, dass dann, wenn ich mal wieder einfach nur herum spielte und probierte mit Sprache, um Wege zu erkunden, vielleicht Unbegriffenes in den Begriff zu bekommen, oberlehrerhafte Reaktionen, sinngemäß wie “Das ist doch nur noch zusammen assoziierte Scheiße, schreib gefälligst wie angelernt!” auf mich prallten. Da ich nun aber genug anderslautende Reaktionen eben auch immer wieder empfange, schwurbele ich mal weiter. Und auch, weil es mir Spaß macht :D

Dahinter steht ja schon auch eine ernst zu nehmende Problematik, nämlich die, welche ästhetischen Formen vielleicht dazu in der Lage sind, das aufzubrechen, was im kritischen Teil dieses Blogs als Kackscheiße (seit Welding schreibe ich das Wort supergerne) identifiziert wird.

Das ist so eine Art Lebensthema für mich, und da baue ich immer mal wieder viel Mist, aber manchmal gelingt ja auch was. Am meisten Raum bieten da lustigerweise die Spielberichte, weil man vom objektivierenden Referat auf die Ebene der Erfahrung gehen kann und so ein Joch abwirft, das den Sprach-Ochsen vor den immer gleichen Karren spannt.

Dieses Blog ist in der Hinsicht auch “Probierzone”, weil ich zunehmend, anders als noch zu Zeiten meines Examens, dazu tendiere, die literarischen und künstlerischen Techniken als die gewichtigeren gegenüber den argumentativen zu begreifen. Und immer da, wo jemand “objektiv!” ruft, die Repression des Biedermanns am Wirken ist.

Für mich war die poststrukturalistische Kritik des Subjekts immer dahingehend zu lesen, dass sie eine unreglementierte Subjektivität ermöglichen könnte – und somit auch gelingende Intersubjektivität. Und das ist eben was anderes als plumpe Psychologisierungen – letztere waren das Ziel der Kritik von Barthes und Foucault.

Was nun aber “unreglementierte Subjektivität” heißen kann, die nicht einfach eigene Befindlichkeiten an marginalsierten Gruppen abarbeitet, so wie Frau Reiche von der CDU das aktuell tut, das ist eine utopische Frage. Aber man kann ja schon mal rumprobieren.

Und das mache ich ja die ganze Zeit parallel im Falle der eBook-Soap “2020 – Tales of St. Pauli“. Gar nicht so einfach. Schon deshalb, weil ich mich letztlich immer schon mehr an Popkultur als an künstlerischer Avantgarde orientiert habe und eher die Narrative des Thrillers anwende, in ihrem Rahmen schreibend spiele. Und fest stelle, dass, wenn ich im dystopischen Raum das Utopische suche, auf einmal ganz ähnliches schreibe wie John Shirley in in “Stadt geht los”, und das, ohne das Buch je gelesen zu haben. Habe es mir jetzt besorgt.

Auch das meinten ja Denker wie Roland Barthes in Schriften wie jener zum “Tod des Autors” – dass sowieso die Sprache spricht, nicht der Autor, aber das eben auf seine Art :D … und dass ich in einem symbolischen Feld unterwegs bin, in dem ich Dinge weiß, die ich gar nicht kenne. Ein Mysterium.

Übrigens folgt all das Probieren und Entwerfen dem zu Shirley ziemlich entscheidenden Unterschied, dass er im Punk-Szenario, Barthes würde wohl vom Phantasma schreiben, des CBGB agierte, an Patti Smith orientiert, während ich instinktiv eher in die Disco- und House-Tradition hinein gehe.

Das dann mit dem FC St. Pauli und anderen Fragestellungen dieses Blogs zu verbinden und doch ganz konservativ eine lineare Geschichte mit einem Figurenensemble in die Welt zu setzen, das macht einen Riesenspaß. Man erwarte keine große Kunst, ich bin letztlich doch ein Pop-Heini. Aber ich hoffe, es wird unterhaltsam und trotzdem nicht nur Klischee.

In diesem Sinne: Einen ganz herzlichen Dank an alle, die hier mitlesen und mitkommentieren!

Und ein ganz besonderer Dank geht auch an Loellie und T. Albert für all die Jahre. Jawohl!

Die Produktion des Defizitären – Normalisierungszweck erfüllt

“”Dass ich nicht ganz normal bin, habe ich zum ersten Mal in der siebten Klasse vermutet, als ich den achten Verweis innerhalb von drei Monaten kassierte. Jetzt habe ich es schwarz auf weiß: Meine Persönlichkeit ist im Arsch. Fast alle meine Eigenschaften sind im “nicht annehmbaren Zustand”. Sonja starrt mich an. “So kann es doch nicht weitergehen. Du bist orientierungslos, unsicher und du verschwendest deine Energie. Du lebst nicht effizient.”"

Das Urteilen.

Die Rationalität, die der Verwertungslogik folgt und nicht der Emphatie, der Offenheit, der Akzeptanz.

Max Weber setzte kurioserweise die Wertrationalität der Zweckrationalität entgegen mit dem Argument, dass Selbstzweckhaftigkeit irrational sei, es irgendetwas geben müsse, woran sie sich orientiere, wolle sie vernünftig bleiben, die Rationalität. Horkheimer und Adorno geißelten wortgewaltig die instrumentelle Vernunft; Adornos Werk im Zeitraum der “Negativen Dialektik” wie auch der “Ästhetischen Theorie” lässt sich auch dahingehend lesen, dass er Praxen, die sich in Modi wie jenem der Mimesis als Versuche etablierte, dialektische Denkbewegungen als dynamisierte Formen der Vernunft zu vollziehen. Solche, die sich dem identifizierenden Denken, das so oft die Verurteilung gleich mit vollbringt, entziehen.

Liest sich schrecklich abstrakt, ist aber wichtig – auch das Gesamtwerk von Jürgen Habermas kann man als Unterfangen lesen, dem strategischen Vernunftgebrauch, der Menschen nur unterwerfen und benutzen will, das verständigungsorientierte Argumentieren entgegen zu stellen. Meiner Ansicht nach ist ihm das in der “Theorie des Kommunikativen Handelns” passagenweise und in Grundgedanken gelungen, später nicht mehr.

Warum das wichtig ist? Weil Praktiken wie jene der Scientology – ich kann da nur auf die Recherchen anderer verweisen wie eben jenes Stern-Autoren und bin da wirklich kein Experte, beziehe mich somit auf dessen Text und nicht auf diese Organisation – ja nichts wären, was nur in Sekten und anderen Kirchen praktiziert würde. Die zeitweise etablierte Therapeutokratie mit Mitteln der Psychoanalyse

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Wie Texte mal aussahen, wenn sie geschrieben wurden: On the Sofa

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Die literarische Haltung zum Anderen als Modus der Emphatie (auch mit sich selbst)

Angeregt einerseits durch einen Text von Bersarin, andererseits von Nadine Lantzsch, aber auch durch die Versatzstückhaftigkeit der rein normativ, aber nie am Tatsächlichen orientierten Rhetorik des Hamburger Innensenators Neumann greife ich mal eine Diskussion wieder auf, die sehr dominant war in der Philosophie der 80er Jahre – die aber älter ist.

Habermas hat es einst den “Gattungsunterschied” zwischen Literatur und Philosophie genannt, Foucault immer den Gegendiskurs der Literatur thematisiert; auch Rorty hat das literarische Schreiben am Leitfaden Nietzsches und Derridas in “Kontingenz, Ironie, Solidarität” eindrucksvoll diskutiert.

Die Frage ist dahingehend zu erweitern, wie man denn nun sich Wirklichkeit annähert und welche Form der Darstellung welche Art der Wahrheitsgeltung und auch Wirkung zu entfalten vermag. Weil, so meine These, paradoxerweise im Fiktionalen mehr sag- und darstellbar ist als im Theoretischen, und das auch deshalb, weil man sich – teils in der in der grammatischen Form der 3. Person beim “personalen Erzählen” – in die Perspektive der 1. Person versetzen kann und eine Haltung zur Figur, die man erfindet, wie im Falle der 2. Person einnimmt. Und weil man etwas verständlich machen kann, was theoretisch an dem Punkt, wo quantifiziert wird, nicht mehr möglich ist: Menschliches Erleben.

Das spielt seit Einstein, Heisenberg und Schrödinger auch in die Naturwissenschaften hinein; jene Naturalismen, die bevorzugt von der  Rechten in Anspruch genommen werden, formulieren ja zumeist einen metaphysischen Realismus, der mit Wissenschaft wenig gemein hat.

Bersarin und Nadine kommen da deshalb mit rein, Mehr von diesem Artikel lesen

Wieder da …

Weite. Himmel. Wasser. Die Landschaft karg – Sandhügel, auf denen Strandhafer und Heide dem puren Wirken der Elemente widerstehen. Alte Spiritualität vor der Christianisierung verehrte die Elemente selbst in der Vielfalt ihrer Gestalten – auf Sylt kann man spüren und erfahren, warum.

All die Klischees der  mondänen, versnobten Insel mögen auf Kampen zutreffen. Da stehen höhere Töchter wie aus dem Bilderbuch ganz und gar blond an der Straße, teure Boutiquen glitzern und Paraden luxuriöser Karossen setzen sich dem Gespött der Inselgeister aus – oben im Listland, da wird der Atem der Zeit zu kosmischer Meditation, der Zustand des einfach nur weit Guckens gebiert Freude an der Sinnlichkeit der Reduktion. Ein unspektakulär-spektakuläres Farbenspielpiel aus Taubenblau, Sand- und Brauntönen mit zartem Grün durchwoben tritt hinter die verzaubernde Wucht der Ewigkeit von Meer und Himmel zurück, umspielt sie in warmen Nuancen.

Mag das Universum ohne die Vermittlung unserer Sinne auch farblos sein, dieses Zusammenspiel von Welt und Sinnlichkeit greift und ergreift da am Tiefsten, wo nicht Firlefanz, Details, Lautstärke und kleinteiliges Lichtermeer den Blick fragmentieren und herum irren lassen, sondern ein Gefühl des Ganzen angesichts des Meeres das Sich-Auflösen in Gischt und Rauschen schenkt.

Danke für eine wundervolle Woche. Und leckere Brötchen zum Frühstück, Meeresfrüchte zur Nacht.

Das Einfahren in die Stadt gestern Abend, die Heimkehr, war verwirrend nach dieser Woche des Blicks, der nicht sucht und solche monumentale Schlichtheit findet; plötzlich schien es unvertraut, das Häusermeer, die Lichter, die Menschen, all das, was sonst doch Alltag prägt.

Das Gefühl der Entdifferenzierung von Nähe und Ferne beim Genuss des Laphroaig und dem Blick in die Magie aus Pastelltönen beim Sonnenuntergang, abends, als rauchig sich Cool -Jazz einpflegte ins Wahrnehmen, das selbstzweckhaft zur Tätigkeit sich wandelt und einfach nur IST, es schuf Distanz zu den Wirren und wird von nun an wieder vermisst …

Danke an jene, die in der Kommentarsektion dieses Blog weiter pflegten.

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