Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Alltagsfreuden

Poesie, Eros, Drama: Millerntor! Bruuuuuuuuuuns!

Die augenzwinkernde Poesiewerdung des FC St. Pauli:

“Wenn im Wald die Hölle los ist, wenn Bäume beben, das Blätterdach wackelt und selbst der Wurmfarn vor Frühlingsgefühlen platzt, wenn zottelige Gestalten ihr Glück in den Himmel röhren oder ineinander verkeilt den Euphorieüberschuss austanzen – dann weiß der Förster: Es ist wieder Brunszeit.”

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Okay, der Gegengeraden-Gerd ist ja eh Sprachkünstler. Meine Verehrung!

Aber selbst die Mopo, ausnahmsweise verlinkt, müht sich auf einmal  im Ringen um den bildhaften Ausdruck:

“der Rest waren ausflippende Zuschauer, am Boden kauernde Gäste und eine Jubeltraube in mehreren Metern Höhe auf dem Schützen.”

Ohne “der Rest war” hätte aus dem Satz wirklich was werden können! Dranbleiben, Mopo!

Als Meister der Verdichtung erweist sich Fabian Boll (dem Hamburger Abendblatt vom 9.3. 2013 gegenüber):

“Platz umpflügen, grätschen, wo sich was bewegt.”

Beinahe ein fernes Echo der Lyrik August Stramms meint der Hörer da zu erlauschen.

Ja, das ganze Regensburger Forum mag sich verpfiffen fühlen Mehr von diesem Artikel lesen

Die Saxophon-Dialoge, Teil 4

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Bilder aus B-Movies steigen in mir auf. In schwarz-weiß. Mit Victoria Lane und Alan Llad. Ein keuchender, relaxt und doch bedrohlich tönender Tenorsaxophon-Soundtrack zu tropfendem Piano und verhalten treibendem, reduzierten Jazz-Schlagwerk kriecht unter Bilder vom Eingang eines Detektivbüros mit Schrift auf einer Scheibe … ein Malteserfalke krächzt.

Ein paar Töne hatte ich rauchig gespielt heute morgen, fast wie Subtones. Hörte sich vermutlich an, als würde man durch ein umgedrehtes Fernrohr dem Sound von Ben Webster lauschen. Eben sehr weit weg davon. Ich mag es trotzdem, mein Instrument kennen zu lernen. Heißt ja hier Dialoge, weil diese Texte auf jene mit meinem silbernen Wunderhorn anspielen. Nonverbale. Es antwortet ja – mit Quietschen und Kreischen beim tiefen C zum Beispiel. Dabei hat mein Lehrer mir doch heute gesagt, ich bräuchte eigentlich nichts machen als hinein zu blasen. Jeder Zwang, jeder Druck erzeuge nur Misstöne; das Saxophon mache eigentlich alles ganz von selbst. Ich müsse es nur lassen.

Wieder einen Lehrer haben. Ich, der ich mir eh nie was sagen lassen konnte und schon im Hort Plakate gegen die Hortnerin aufgehängt hatte. Frau Schreiber hieß sie. Sie wollte unsere Stadt aus Bauklötzen für den Elternabend stehen lassen als Zeugnis ihrer pädagogischen Fähigkeiten. Wir wollten lieber eine neue bauen, die noch viel schöner wäre. Sie verbot es, und wir malten dagegen an und hängten die Zettel in beiden Räumen auf. Und mussten zur Strafe ins Kabuff. “Ich kriege euch schon noch klein!” Wir wollten, sie zu beglückwünschen, ihr eine Clopapierrolle überreichen. Davon lagen welche rum im Kabuff. Haben es dann bleiben lassen.

Und nun ein Lehrer. Spiele schon so lange Chef, und nun ein Lehrer. 20 Jahre jünger als ich. Virtuos, wenn er auf seinem Instrument mehrstimmig spielt. Ich schwitze und habe Probleme, meine Handlungen zu koordinieren. Werde tollpatschig. Kriege das Saxophon kaum ausgepackt und wühle in der falschen Seitentasche nach dem Gurt, mit dem man sich das Horn um den Hals hängt..

Er erzählt mir von Techniken der “Neuen Musik” und macht sie vor. Nur mit den Klappen spielen, ohne in das Rohr zu blasen. Jede Art von Geräusch als Material nutzen. Etwa jene “Neue Musik”, deren Altern Adorno diagnostizierte? Werde kurz cooler. Will schon zum Vortrag ansetzen, so unter Männern. “Hey, ich weiß was! Ich bin der Schlauste!” Irgendwie muss ich die Situation doch in den Griff kriegen. Er ignoriert es. Zum Glück! Ich will ja was lernen. Verdammt, fällt mir das schwer. Loslassen! Einlassen! Nein, Du musst hier jetzt keine Deutungshoheit anstreben! Boah, ist das SCHWIERIG! Zudem ich die “Neue Musik” – er meint tatsächlich jene, deren Altern Adorno diagnostizierte – ja nie gehört habe, nur darüber gelesen …

Etwas machen, das ich nicht kann. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal etwas gemacht habe, das ich nicht konnte. Schreiben fiel mir schon in der Grundschule leicht, Philosophie schon in der Oberstufe, und meinen jetzigen Job, da fand ich immer nur schwierig, dass man mit so vielen fremden Leuten kommunizieren muss und überall Politics lauern. Aber schon als Klassensprecher hatte ich den Vorteil, dass der Schulleiter Parteifreund meines Vaters war … “Können wir das noch mal langsamer probieren?” frage ich den Virtuosen.

Er setzt sich ans Klavier. “Spiel mal was!” Wie? Einfach so? Erinnere mich an den Unterricht von einst, in dem Realschulraum. Endlose Reihen von Achtel-Noten, deren Abfolge ich nicht verstand. “Diese Bleiwüste bitte bis nächste Woche üben”. Oje. Das alles? Wage nicht zu opponieren. Ich konnte ja auch damals kein Saxophon spielen. Er schon, der Lehrer, der immer rechts von mir in frisch gebügelten, hellblauen Hemden den Takt mitzählte. Scheiße, jede dritte Note meint was anderes, als ich es gerade spiele. Dieses Zusammenzucken bei den falschen Tönen, meines, seines, “‘tschuldigung”, neu ansetzen, wieder stolpern, hat sich tief in meinen Körperpanzer eingeschrieben.

Wieso entschuldigt man sich eigentlich bei einem Lehrer, wenn man falsche Töne spielt? Habe damals im Grunde genommen nicht verstanden, dass ich das Instrument als Ausdrucksmittel FÜR MICH lernte, ganz ausgeliefert an das Urteil der Anderen … und da waren diese Noten, deren Namen ich zwar wusste, die aber fast drohend in endlosen Reihen ihre Köpfe über die Linien streckten und unterschwellig höhnisch in Regelmäßigkeit die Blätter füllten …

Mein jetziger Lehrer sitzt am Klavier und spielt traumhafte Akkorde an. Hey, Musik als Kommunikation mit Anderen, nicht mit der Angst vor dem Urteil dessen, der neben mir steht und mir das Zeichen der Unzulänglichkeit des Faulen in die Schulter brennt mit seinem Blick!

Ich spiele ein paar Tonfolgen. Vergesse völlig, auf das Klavier zu hören, bin kurz in diesem Flow, den ich vom Schreiben und Malen kenne. Hört sich gar nicht so schlecht an, wenn man nicht auf Noten guckt und Angst hat, sie zu verfehlen … einfach sein. Und tröten.

Er gibt Hinweise, was man Spannenderes spielen könnte. Höre neugierig zu. Cool. Hört sich gut an! Ach, all der Alkohol in all den Jahren, verdammt, fällt mir immer schwerer, mir was zu merken. Trotzdem, er erklärt mir dje Arpeggios, broken chords. Erinnere mich dunkel, dass das über diesen gemein mal noch oben, mal nach unten sich wellenden Achtel- und Sechzehntelnotenschlangen meiner alten Saxophonschule auch stand.

Macht Spaß. Höre zu. Will gar nichts deuten. Will nur spielen.

Stunde vorbei. Die Zigarette danach, mein Saxophon geschultert, blicke die Straße entlang … statt B-Movies gar keine Bilder mehr. Nur Töne. Solche, die ich spielen werde … die Stadt leuchtet. Ich fühl mich gut.

Da ich noch keinen Youtube-Kanal habe …

ein Facebook-Link. Momo hat gespielt.

Mit Apps herum probieren und an das denken, was ich will!

Ja, okay, ich muss noch üben.

Die Dialoge sind schwach, die Bilder nicht optimal komponiert.

Liegt aber auch daran, dass die App ständig abstürzt und man zwischenspeichern muss. Ist aber ein Weg, all denen entgegen zu kommen, die stetes Schwurbeln, ungenügende Eingängigkeit und zu seltenes Pointieren mir diagnostizieren.

Die Übersetzung ins Comic-Genre birgt zwar auch die Gefahr, bedeutungsgesättigte Verdichtungen in Sprechblasen zu tippen; doch nein, ich bin der Versuchung nicht erlegen, so gar nicht :D – und werde nunmehr immer mal ein “Pow!” in Bilder und Texte setzen.

Die Dramaturgie ist schlicht. Die Botschaft ist klar.

Und wühlt man sich durch all die Psycho-Coaching-Literatur selbst für an Burnout Erkrankte und Abnehmwillige, so ist immer wieder die Message klar: Konzentriere Dich auf das, was Du willst, nicht auf das, was Du nicht willst!

Finde positives Feedback im Unbewussten, im rein adaptiven, nicht-analystischen Raum Deines Erlebens! Suche jene Leitsätze und Zielbilder, die mit positiven Gefühlen assoziiert werden!

Drum, mein Comic-Tipp

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Entmumifiziert und transformiert. Ein Fussball- und Kunstabend.

Ein Fussball. Ein Fussballabend. Warhol sein Siebdruck, mir mein iPad.

Wie ein Planet leuchtet der Ball.

Dabei leuchten Planeten gar nicht. Da gleichen sie Fussbällen – eigentlich nur runde Stücke, allerdings von Menschenhand gefertigt. Ohne Spieler ganz nutzlose Dinger.

Doch wie Planeten von der Sonne ihr Licht empfangen, damit sie strahlen können, ihre Ringe gar leuchtend der Sichtbarkeit schenken, so auch das Spiel mit den Dingen. Für Menschen nur. Ja, liebe Leute, das Universum ist FARBLOS.

Doch wir, wir haben diese Fähigkeit, Saturnringen wie Fussbällen sehend und spielend Pracht zu verleihen:  Der Ball lebt von der Energie jener, die aus ihm etwas machen, das größer ist als sie selbst!

Denn, wie schreibt die Mutter von Norman Bates, äh, der Gegengeraden-Gerd vom Dingens, äh, ja. Lehne mich zurück, nippe am Laphroaig Quarter Cask, danke, P.A., danke. S.! Der Whiskey umspült die verkaterte Zunge. Wärme breitet sich wohlig aus im Brustraum. Aromen finden freudige Begrüßung. Geschmacksnerven lehnen sich genüßlich zurück und spüren den Torf hinter der Schärfe. Das Auge trinkt mit, eine hübsche Farbe hat das Zeug. Weil ja der Gegengeraden-Gerd schrub:

“Kennt ihr vielleicht vom Camping.”

Eben. So heißt Mehr von diesem Artikel lesen

Eine Zwischenbilanz zum tausendsten Blogeintrag

Das Unerfreuliche

Anlässlich des tausendsten Eintrags in diesem Blog, nach der wohl begründeten Flucht vor Shifting Reality ins Leben gerufen, kann ich ja mal vor mich hin schwurbeln und vielleicht so etwas wie ein kleines Fazit ziehen.

Ausgestiegen aus dem Gemeinschaftsblog war ich, weil mir zunehmend auf die Nerven fiel, dass sich inmitten der linken Theoriebildung immer mehr als “Neoliberalismuskritik” getarnte, homophobe Einsprengsel fanden. Und auch, weil mir in Fragen des Rassismus die je eigene Rolle, also das, was “Critical Whiteness” meint, dort im Grunde genommen nicht als mehr thematisierbar erschien.

So traurig das ist, für mich, für andere, hat sich das im Zuge des Bloggens hier fortwährend bestätigt, dass das so ist. Es gab Phasen, da brauchte ich nur Jean Genets “Querelle” thematisieren, und irgendwer rastete in der Kommentarsektion mit Sicherheit homophob aus. Auch Judith Butler nur erwähnen führte zu wirklich absurden Kommentarschlachten – wohlgemerkt NICHT wegen der Israel-Frage (einmal aber doch).

Ob nun linksliberal, linksradikal oder linksistdochegalaberirgendwiedochlinks, viele in diesen Szenen Geprägte haben viel zu häufig ein akutes Problem damit, auch nur zuzuhören, wenn es um marginalisierte Perspektiven geht, um Erfahrungsräume, nicht die ihren sind. Sie reagieren hochaggressiv auf Hinweise diesbezüglich, tun alles dafür, ihre eigenen Biographien und Lebenswelten als einzig relevantes Thema und Kriterium durchzusetzen und greifen im Konfliktfall auf bewährte, rechtsliberale Schemata zurück, um Abweichendes möglichst in Gruppen zusammen gerottet auch weiterhin marginalisieren zu können.

Diese Leute ertragen “Deviante” nur, wenn diese den ganzen Tag die “Danke, Massa, dass Du mich tolerierst”-Haltung einnehmen.

Was ich noch nicht verstanden habe, ist, ob das nun Ängste sind, ob echter Widerwille  und echte Abneigung sich zeigen oder einfach nur Ego-Reflexe einsetzen, die dann entstehen, wenn antrainierte Schuldgefühle – unter anderem – mobilisiert werden. Die in einer merkwürdigen Opferhaltung anschließend denen vorgeworfen werden, die nichts anderes tun, als sich auch mal zwischendurch mal Gehör sich zu verschaffen. Oder ob sie es einfach nicht ertragen, wenn sie mal nicht der Plenums-Platzhirsch sind. Geht mir dabei ja nicht um eine konkrete Person, sondern um einen weit verbreiteten Habitus, der alle nervt, die auf ähnlichen inhaltlichen Feldern ackern wie ich. Und ich als weißer Mann haben die ganz krassen Formen des Mobbings, wie sie am heftigsten PoC-Frauen erleben, tatsächlich auch noch nicht erleiden müssen.

Trotzdem ein Dankeschön an all die Rausgeworfenen! Ich habe da zwar vieles gelernt, was ich nie lernen wollte, aber was ja gut zu wissen ist.

Das Erfreuliche

Was mich täglich freut, ist, dass der Kontakt zu der feministischen Welt sich so intensiviert hat. Ich erlebe sie als hochinspirierend, freue mich, wenn mir zum Geburtstag als erstes Nadine Lantzsch bei Twitter und Antje Schrupp bei Facebook gratulieren, die über verschiedene Facetten feministischen Denkens schreiben. Ich finde beides sehr lehrreich, sehr spannend, sehr bereichernd wie auch die Mädchenmannschaft und ihr Umfeld im Allgemeinen. Und lese da gerne zu.

Viele der Twitter- und Facebook-Kommunikationen sind hier ja gar nicht mehr sichtbar, da hat sich auch was verschoben. Ich habe tatsächlich eher biographisch, nicht sachlich begründet lange Zeit einen Bogen um den Feminismus gemacht; aktuell erscheint er mir produktiver als vieles, was im klassischen Antifa-Spektrum diskutiert wird. Gerade auch da, wo das, was man wohl, bin ja nicht mehr der Jüngste und nicht immer firm in aktueller Theoriesprache, aktuell Intersektionalität nennt, gedacht wird. Da, wo die Identitäten und Unterschiede zwischen rassistischen, sexistischen und homophoben Strukturen offen gelegt werden. Was, glaube ich, für alle die große Aufgabe ist, ist, das Ganze rückzukoppeln an die Themen der Kritik der politischen Ökonomie. Das kann aber auch mein Problem sein und alle anderen sind längst dran.

Ebenso erfreulich finde ich die Intensivierung all der Kontakte rund um den FC St. Pauli. Auch da gab es ja durchaus Kontroversen, die in fast, leider nur fast, allen Fällen sich aber auflösen ließen.

Umgekehrt sind, nachdem ich ja jahrelang eher unbemerkt hier rund um diesen, meinen heiß geliebten Fussballverein bloggte, zuerst Dank Twitter und die Verlinkungen durch stpauli.nu und dessen riesige Facebook-Gruppe, immer mehr sehr schöne persönliche Kontakte, Freundschaften, Solidaritäten und Zwischenmenscheleien entstanden, die ich echt nicht missen möchte. Das ist eine tolle, vielseitige, lebendige Community mit so vielen großartigen und einzigartigen Individuen, da fühle ich mich doch sehr zu Hause. Will jetzt gar nicht alle aufzählen, dann vergisst man eh nur wen oder welche, die einem besonders an Herz gewachsen ist. Dass unter anderem über das Lichterkarussell auch eine Anbindung an die Perspektive der Jüngeren erfolgte, dass lässt doch Vertrauen in all die Möglichkeiten gesellschaftlichen Wandels wachsen. Und ich bin weiterhin überzeugt, dass er möglich ist, der Wandel!

Der Ausblick

Von Anfang an habe ich hier zumindest versucht, ein wenig neben Spur und antisystematisch auch in der sprachlichen Form mich zu bewegen, teils auch in den hoch geladenen Bildern übliche Darstellungsweisen zu verschieben. Auch Fussballerkörper haben ein Recht darauf, mal jenseits der Klischees der Sportfotografie abgebildet zu werden, und da haben wir ja auch Fotografen im Stadion, die das können.

Keine Ahnung, wie weit dieses Anliegen, sprachlich wie bildnerisch, mir wirklich gelang, ist aber der Sinn des Blogs für mich eben auch.

Ich bekam heute bei twitter von der mir bis dato unbekannten @h4rri3t den wundervollen Tweet, sie läse hier gerne und wünsche mir noch viele schwurbelige Ideen. Das hat mich gefreut!

Zu den wirklich ärgerlichsten und frustrierensten Erfahrungen gehörte für mich, dass dann, wenn ich mal wieder einfach nur herum spielte und probierte mit Sprache, um Wege zu erkunden, vielleicht Unbegriffenes in den Begriff zu bekommen, oberlehrerhafte Reaktionen, sinngemäß wie “Das ist doch nur noch zusammen assoziierte Scheiße, schreib gefälligst wie angelernt!” auf mich prallten. Da ich nun aber genug anderslautende Reaktionen eben auch immer wieder empfange, schwurbele ich mal weiter. Und auch, weil es mir Spaß macht :D

Dahinter steht ja schon auch eine ernst zu nehmende Problematik, nämlich die, welche ästhetischen Formen vielleicht dazu in der Lage sind, das aufzubrechen, was im kritischen Teil dieses Blogs als Kackscheiße (seit Welding schreibe ich das Wort supergerne) identifiziert wird.

Das ist so eine Art Lebensthema für mich, und da baue ich immer mal wieder viel Mist, aber manchmal gelingt ja auch was. Am meisten Raum bieten da lustigerweise die Spielberichte, weil man vom objektivierenden Referat auf die Ebene der Erfahrung gehen kann und so ein Joch abwirft, das den Sprach-Ochsen vor den immer gleichen Karren spannt.

Dieses Blog ist in der Hinsicht auch “Probierzone”, weil ich zunehmend, anders als noch zu Zeiten meines Examens, dazu tendiere, die literarischen und künstlerischen Techniken als die gewichtigeren gegenüber den argumentativen zu begreifen. Und immer da, wo jemand “objektiv!” ruft, die Repression des Biedermanns am Wirken ist.

Für mich war die poststrukturalistische Kritik des Subjekts immer dahingehend zu lesen, dass sie eine unreglementierte Subjektivität ermöglichen könnte – und somit auch gelingende Intersubjektivität. Und das ist eben was anderes als plumpe Psychologisierungen – letztere waren das Ziel der Kritik von Barthes und Foucault.

Was nun aber “unreglementierte Subjektivität” heißen kann, die nicht einfach eigene Befindlichkeiten an marginalsierten Gruppen abarbeitet, so wie Frau Reiche von der CDU das aktuell tut, das ist eine utopische Frage. Aber man kann ja schon mal rumprobieren.

Und das mache ich ja die ganze Zeit parallel im Falle der eBook-Soap “2020 – Tales of St. Pauli“. Gar nicht so einfach. Schon deshalb, weil ich mich letztlich immer schon mehr an Popkultur als an künstlerischer Avantgarde orientiert habe und eher die Narrative des Thrillers anwende, in ihrem Rahmen schreibend spiele. Und fest stelle, dass, wenn ich im dystopischen Raum das Utopische suche, auf einmal ganz ähnliches schreibe wie John Shirley in in “Stadt geht los”, und das, ohne das Buch je gelesen zu haben. Habe es mir jetzt besorgt.

Auch das meinten ja Denker wie Roland Barthes in Schriften wie jener zum “Tod des Autors” – dass sowieso die Sprache spricht, nicht der Autor, aber das eben auf seine Art :D … und dass ich in einem symbolischen Feld unterwegs bin, in dem ich Dinge weiß, die ich gar nicht kenne. Ein Mysterium.

Übrigens folgt all das Probieren und Entwerfen dem zu Shirley ziemlich entscheidenden Unterschied, dass er im Punk-Szenario, Barthes würde wohl vom Phantasma schreiben, des CBGB agierte, an Patti Smith orientiert, während ich instinktiv eher in die Disco- und House-Tradition hinein gehe.

Das dann mit dem FC St. Pauli und anderen Fragestellungen dieses Blogs zu verbinden und doch ganz konservativ eine lineare Geschichte mit einem Figurenensemble in die Welt zu setzen, das macht einen Riesenspaß. Man erwarte keine große Kunst, ich bin letztlich doch ein Pop-Heini. Aber ich hoffe, es wird unterhaltsam und trotzdem nicht nur Klischee.

In diesem Sinne: Einen ganz herzlichen Dank an alle, die hier mitlesen und mitkommentieren!

Und ein ganz besonderer Dank geht auch an Loellie und T. Albert für all die Jahre. Jawohl!

Lauter falsche Fragen: Diez versus Kracht

Puuh. Es gab sie ja tatsächlich immer schon seit der Entstehung des Punk, diese seltsame Koketterie mit dem Faschistoiden aus ästhetisch motivierter Perspektive . “Joy Division”. Deren Fortschreiben in Sinn- und Formwelten wie jenen der TEMPO damals, eine Gazette, deren Herangehensweise an viele Themen retrospektiv wohl als Zäsur einzustufen ist.Und es ist nur wenigen, wie Laibach zum Beispiel, gelungen, das in Ironie zu verpacken und trotzdem die Brutalität, das Beängstigende des Phänomens zu wahren.

Wie schon die Katholische Kirche Mehr von diesem Artikel lesen

Manchmal kommen sie wieder …

“Zu schnell vorbei” – letzte Woche werfe ich den Blick aus dem O-Feuer-Fenster auf das Schulterblatt, denke “Hey, was ist das denn da Süßes! Hübsche Schnute!”: Clueso geht gerade vorbei und guckt sexy.

Ich bekenne. Ich bekenne, gerade das neue Album von Clueso mein Wohnzimmer in Schwingungen versetzen zu lassen. Ich bekenne, bei seinem Song “Chicago” immer mal heulen zu müssen. Ja, ich bekenne gar erotische Fantasien, wenn ich den Jungen singen höre. Zum Glück ist er wenigstens schon 31, das geht ja noch.

Obwohl da freilich “Jetzt siehst Du wie ein Tier aus – feuchtes Fell” ebenso in der Musik mit klingt wie ein “Verliebt, verloren, verbrannt – gelacht, geweint und weg gerannt”. Was hab ich das Album geliebt! ALLE hörten Ulla Meinecke. Damals, als Dieter als Zivi im Altenheim nach Dortmund ging und eine “Anklageschrift gegen eine Stationsschwester” verfasste.

Ein Grönemeyer ist bei Clueso eh mit zu hören, vielleicht auch ein Hauch von Holger Biege und denen, die gut waren in der DDR. Denen wir uns verbunden fühlten, damals, zu “Schwerter zu Pflugscharen”-Zeiten.

Zeiten, die heute wieder da waren, als ich die Anti-AKW-geschminkten Kinder-Gesichter im Abendblatt leuchten sah. War dann Schuhe kaufen – altern merkt man auch daran, wenn man das gleiche “Palladium”-Paar noch einmal kauft, das einen bereits zu Beginn der 90er durch das Leben und ins “Camelot” trug. Als ich ein wenig Jugend nachholte und jede Woche die BRAVO kaufte und alle zwei Wochen die BRAVO Girl!. Durfte man ja nicht zu Alternativbewegungszeiten, als ich wirklich jugendlich war. Da musste man das doof finden. Nun, Anfang der 90er, schwärmte ich für Richard Grieco, “Booker”, guckte jede Woche Beverly Hills 90210 und hatte eine stürmische 3-Wochen-Affäre mit einem, der aussah wie Luke Perry. Von der erholte ich mich Jahre nicht. Der Mann war toll. Bei youtube kann man ihn bei einem Goergette Dee-Auftritt, da sie einen Marlene Dietrich-Song singt, im Hintergrund sogar tanzen sehen … seufz.

Im Schuhgeschâft lief eine Coverversion von “Blister in the Sun” der Violent Femmes, depotenziert arrangiert, ohne jeden Witz von einer dünnen Mädchenstimme gesungen. In dem neuen Görtz 17 auf dem Schulterblatt darf man ja nichts kaufen, ich ging in das gegenüber des Hanseviertels. Wahrscheinlich auch nicht okay. Die Verkäuferin plauderte in einer osteuropäischen Sprache mit einer Kundin; mir fiel auf, wie unendlich gut das tut, in einer Stadt zu leben, in der jeder zweite Satz, der ans Ohr dringt, NICHT in deutsch gesprochen wird.

Am Gängeviertel vorbei flanierend fragte ich mich, wo eigentlich die wundervollen schwarzen Frauen hin sind, die da wohnten und die ich morgens immer in der U-Bahn-Station Gänsemarkt traf, als ich noch nach Barmbek fahren musste. Haben da nicht auch Sintie oder Roma gelebt?

Vor mir schlendert, frisch von der Anti-AKW-Demo, ein Trupp dünner weißer Mädels, die, würde man sie auf einen Schulhof 1982 beamen, niemandem auffallen würden. Sie ähnelten meinen Schulfreundinnen ungefähr so, wie das neue Paar “Palladium”-Schuhe dem alten. Rein äußerlich, klar. Die Wollsocken, in deren Weiten die sackartige, selbst genähte Hose aus Flatterstoff gesteckt war, die Dreads, die “Ich bin nicht doof!”-Distinktionsbrille.

Aber wahrscheinlich rauchen sie nicht. Noch nicht mal Selbstgedrehte. Kennen Bucaneer und Javanese Jongens-Tabak gar nicht. Und finden Clueso vermutlich total uncool, hören ihn aber heimlich und träumen dann … und in 10 Jahren gucken sie sich in irgendeinem Internet-TV-Sender alte Beverly Hills 90210-Folgen an, wiegen das Kind auf ihrem Schoß und ärgern sich, dass sie nie so einen wie Luke Perry hatten, sondern doch den aus der Anti-AKW-Gruppe genommen haben …

Vorfreude

Mittags in Hamburg

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