Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wieso es mir so schwer fällt, aktuell Spielberichte zu schreiben …

Weil sie nicht mit Musik unterlegt oder gemalt sind, nicht gesamplet oder mit Videofiltern versehen und Sprache eben einfach nicht ausreicht. Deshalb fällt es mi so schwer.

Seit Wochen probiere ich rum mit Apps, Pads, spiele mit dem Kaossilator, Looptastic, Rebirth, der Maschine Mikro der  “Native Instruments” (wobei ich nicht weiß, wie ich das “Native” da einordnen soll), Garageband und lauter tollen anderen Tools. Und ich stelle nur immer wieder fest, wie viel stärker diese Ausdrucksmittel – ja, selbst bei vorgefertigten Loops, die man neu arrangiert – sind als all die Versuche, argumentativ in noch so merkwürdig verschwurbelter Form Gehör zu finden.

Das versuche ich hier ja sonst, eben permanente Diskurstypenvermischung und Ebenenvermengung beim Rumprobieren auch mit sprachlichen Formen. Weil die ganzen formatierten Artikulationsmodi, in die man genötigt wird, während sie einen entfremden, verbiegen und jeder Bewertungsmuster aufprägen, eben doch eine Assimilation an die Ausdrucksmittel der Herrschenden sind. Und das, was man verlernt, während man lernt, wiederzugewinnen ist. Weil Lernen immer ein Verlernen ist, eben dessen, was als “falsch” gilt (und wer warum sozial weiter unten in der Hierarchie steht). Beginnt schon beim Spracherwerb, ich verfüge über kein richtiges R, von wegen Hannover als dialektfreie Zone. Wenn ich “Kirche” sage, hört sich das eher wie “Küache” an. Oder so.

Auch deshalb war für mich Noahs Album so ein A-Ha-Erlebnis. Ich verfolge die Diskussionen, Anfeindungen, Herabwürdigungen, denen sie angesichts ihrer Aufklärungsarbeit ausgesetzt ist, seit nunmehr 10 Jahren. Und habe bei all den Weldingates, Lampenstreits und Völkerschauen im Zoo vor allem immer wieder fest gestellt, wie scheißegal der Gegenseite das Argument ist, auf das sie sich im Sinne vermeintlicher “Objektivität” zu beziehen glaubt (hervorragender Text von Antje Schrupp zur Definitionsmacht habe ich da soeben verlinkt). Letztlich ist den ganzen Mansplainern, wie es so schön heißt, doch nur wichtig, dass sie auch weiterhin entscheiden, was richtig und was falsch ist, um die eigene Machtposition abzusichern und Andere eben zu Objekten zu degradieren, zugleich aber deren Perspektiven wahlweise mundtot zu machen oder zu pathologisieren.

Die zweite Person, als das “Du”, wird von den meisten gar nicht erst gelernt. Es gilt der Umweg über das “daß p” und das “man”, um generalisiert-normalisiertes Verhalten und prästabilisierte Hierachien fort zu schreiben und Abweichungen zu produzieren und zu sanktionieren. Jede dieser Diskussionen soll ein Exempel statuieren, dass eben doch die weißen, heterosexuellen Männer das Sagen haben. Das macht sie so gewalthaltig; WIE immens gewalthaltig, das kann man auf Noahs Blog in einem PDF einsehen.

Was um so gemeiner, unangemessener, respektloser und hinterhältiger ist unter einem Text, der solche Verletzlichkeit zeigt und zulässt. Wie unter aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen Verachtung statt Achtung sich äußert gerade angesichts von Verletzlichkeit, das wird immer krasser; dass ein Sich-dagegen-wehren mit allen Mitteln und auch von Irgendwielinks allerorten bekämpft wird von Rönicke bis zu Doppeldoktoren, das ist einfach Symptom eines Rechtsrucks in der Gesellschaft von erschreckenden Ausmaßen.

Und doch: Noiseaux haben/hat auf dem Album eben eine so großartige Antwort formuliert, dass ich immer noch unter dem Eindruck der Release-Party stehe. Noah stand dort mit lediglich 3 Geräten, einem Pad mit mit Sounds und Samples zu belegenden Feldern, einem Live Sampler und etwas, das ich nicht kannte. Hat den Raum ausgefüllt mit ihren Electro-Loop-Chansons, hat aus Quellen wie Dub, House und eben dem Lied, dem europäischen, gleichermaßen geschöpft, eine ganz und gar eigene, hybride Welt dabei erzeugt – und natürlich ist das Punk unter den Bedingungen der Jetzt-Zeit. Punk initiierte die “Genialen Dilettanten”, Trios Casio, die Rhyhtmen von D.A.F., die Instrumente der Einstürzenden Neubauten – parallel nutzte der frühe Hip Hop den Plattenspieler und den Ghetto-Blaster als Instrument.

Nun würde ich einer begnadeten Sängerin und Musikerin wie Noah nie Dilettantismus diagnostizieren, nicht falsch verstehen – die technischen Mittel, die sie nutzt, sind aber ein Feld ganz eigener Möglichkeiten. Und ja, natürlich können sich Hartz IV-Empfänger oder Flüchtlinge gar auch keinen iPad und “Native Instruments” leisten. Ich glaube aber an as Erzeugen popkultureller Atmosphären, die den Boden bereiten dafür, dass man diesen mehr Gehör schenkt und sie nicht nur als menschlichen Müll diffamiert.

Und: Was den Zauber dieser Soundproduktion ausmacht, ist, dass nicht der höhere Sohn oder die höhere Tochter vom Konservatorium da andockt mit angelernter und dressierter Virtuosität, sondern dass es das Spiel, das Probieren, das Interagieren ist, dieses Spiel mit Bauklötzen, das eine ganz eigene Wucht erzeugt.

Auch in der Hinsicht ist die ja nachhaltig wirksame House-Revolution damals in Chicago und Detroit eben so was wie die 3 Akkorde des Punk gewesen, weil mit Maschinen wie dem 303, dem 808 und dem 909 auf einmal eine sehr reduzierte Sound-Welt für Leute ohne Musikstudium und Auswendiglernen des Quintenzirkels möglich war. Weil selbst die Klavier-Tastatur da in einer Form abgebildet sich fand, beim 303, dass man, wenn man bei den weißen Tasten blieb, auch nichts als dissonant Erlerntes erzeugte. Aber wenn man das wollte, ging das eben auch.

Das soziale Gefüge, in dem ACID einst erfunden wurde, in Chicago, Phuture, Knuckles, die Lehrlinge von Larry Levan, war eine PoC- und Queer-Welt inmitten des massenhaften Krepierens aufgrund von AIDS. Die christlichen Demagogen behaupteten es als “Strafe Gottes”; und Kranken die Schuld an der Erkrankung zu geben, ist ja bis heute trendy.

Inmitten dieses Szenarios etablierte sich die Antwort: Durch die repetitiven Sequenzen, Loops, Patterns, analog zu afrikanischen Traditionen und auch jenen der “First Nations” entstand ein durchaus spirituelles, weil auf Erlösung setzendes Konzept des Trance. Eben das, was als “Voodoo” und “Rausch” aus den rationalistisch-europäischen Traditionen raus geschmissen wurde und sich drum stark verzerrt auf dem Oktoberfest in Massenkotzen und Gewalt entlädt.

Das Spannende an Noahs Album ist, dass Bezugnahmen darauf und sehr viele andere Bezüge mehr in ihm stecken. Dass sie so bereits in der musikalischen Form eine Antwort auf all die Hater und Diffamierer erschafft, die so rein haut, dass ich immer noch ganz perplex bin vor Faszination.

Weil sie bei all den Bezügen zu den von weißer Seite oft völlig verkannten, widerständigen Traditionen, die als irgendwie leichte Muse rezipiert werden, die 60er waren schließlich das Jahrzehnt der Surpremes und von Motown, nicht der Beatles und der Stones, auch jenes Feld entert, das Weiße normalerweise für sich beanspruchen und auch hart verteidigen: Eben “Kunst” und “Chanson”. So kann man, wenn man will, das Album in Relation zu dem aktuellsten von Kate Bush setzen, bis in den Gesang hinein gibt es da Parallelen; ich weiß nicht, ob gewollt oder nicht. Eben jener Kate Bush, die heute noch als “Kunst” der ja “nur Pop” betreibenden Beyoncé zum Beispiel als weißes Vorbild entgegen gestellt wird. Noah bringt konsequent und, wie ich finde, auch sehr lustvoll diese Oppositionen durcheinander und löst sie in etwas ganz und gar Eigenem auf.

Auf die Texte habe ich erst am Tag nach der Performance beim Hören geachtet, erkannte auf einmal auf Versatzstücke aus Blog-Diskussionen, und war nur noch verblüffter. Weil ich die gar nicht verstanden hatte bei der Release-Party und sie doch gehört habe, im Material selbst.

Das hat mich glatt zum Verstummen gebracht, in positivster Hinsicht. Weil es so toll und so inspirierend ist.

Weil ich auf einmal sogar im Stadion sitze und mich gar nicht frage, welche Sätze denn in einem Blog-Artikel dazu passen würden, sondern welche Sounds. Ginzcek als Heavy-Metal-E-Gitarre, Kringe der Bass, der die Linie vorgibt, Buchtmann die virtuose Klarinette, die plötzlich lautstark und energetisch mitten ins Getümmel aus Schlagzeuggeknüppel und schnellen Soli trötet und dabei auch mal schrill ausrutscht bei einem der Läufe. Gefiel mir zumindest gut, die Symphonie, die dabei enstand gegen Bochum. Auch, weil keine Form einfach so aufgeprägt wird, sondern Frontzeck offenkundig mit den Individuen arbeitet und sie Individuum sein läßt, und so auch das Zusammenspiel besser klappt.

Auch die irgendwie neue, musikalische Interaktion auf den Rängen war echt spannend – die Gegengerade machte auf einmal Lärm, die Ultras auf der Süd blieben manches Mal extra leiser, und auf einmal lebte der Laden wieder.

Wie viel dieses Setting, manche Rhythmen, okay, in Deutschland Aufgewachsene können das nicht so komplex wie die, die es in afrikanischen Regionen lernten, wie viel auch die Wechselgesänge, mit schwarzen Traditionen zu tun haben, also, da könnte man auch mal offensiver Danke sagen, anstatt den Mythos von der “weißen Gitarrenmusik” immer weiter fort zu schreiben und ansonsten unwissend und sinnentleert auf Vuvuzelas zu tröten. Bei uns im Stadion letzteres ja zum Glück nicht. The Smiths und Johnny Cash in der Halbzeitpause waren trotzdem prima …

Aber, Wermutstropfen: Natürlich wirkt weiter auch der Geist dieses unseligen Präsidiums im Stadion. Dass die Haupttribüne sich nach Abpfiff so ratzfatz leerte war angesichts dessen, was jene Mannschaft, die sich vor gar nicht so langer Zeit in Regensburg noch auskontern ließ wie eine Kreisklassemannschaft, da auf den Platz brachte, wirklich eine unglaubliche Respektlosigkeit. Das kommt davon, wenn außer sportlichen Zielsetzungen und Musealisierung keine Impulse gesetzt werden.

Insofern kann ich nur wiederholt dazu auffordern, sich, um das zu ändern, mit Noahs Album auseinander zu setzen. Ja, tatsächlich.

Da kann man sehr viel lernen, gerade darüber, wie queere und antirassistische Bezüge in musikalischen Formen auf ein neues Niveau gehoben werden können. Das kann übergreifend inspirieren und hat mehr mit Politik zu tun als manch symbolträchtige Aktion oder manch Flugblatt. Auch ästhetisch ist der FC St. Pauli irgendwie stehen geblieben, aber zum Glück arbeiten ja solche wie der Electromob dagegen an.

Mir fehlt noch bei weitem die Übung, nun Tracks anstatt von Spielberichten ins Netz zu stellen. Und müsste eben auch den meinen, weißen, bildungsbürgerlichen, schwulen Weg erst finden.

Aber wie man all die Zuschreibungen transzendiert, um das Eigene zur vollen Blüte zu bringen, hat Noah nun vor gemacht. Ich sag mal Dankeschön! Und hoffe, dass sich auch viele andere davon inspirieren lassen.

 

 

26 Antworten zu “Wieso es mir so schwer fällt, aktuell Spielberichte zu schreiben …

  1. Trude November 15, 2012 um 7:38 nachmittags

    Die Firma Native Instruments ist eine Unternehmung von weißen privilegierten Männern. Die kulturelle Ausbeutung von PoC gehört hier zum Programm zum Beispiel mit dem Produkt West Afrika. Das ist eine Samplebibliothek mit dem Schwerpunkt polirirtmischer Perkussion und Melodien. Sie dient zur häppchengerechten Ausbeutung der Kultur Westafrikas. Vermarktet wird dieses Produkt mit Exotismus.

    http://www.native-instruments.com/#/en/products/producer/powered-by-kontakt/west-africa/

    Dieses Muster wiederholt sich mit George Duke Soul Treasures, Balinese Gamelan Discovery Series und anderen Produkten von Native Instruments.

  2. momorulez November 15, 2012 um 9:09 nachmittags

    Ist das so, dass man die Gleichung so aufmachen kann? Ich weiß nicht, unter welchen Bedingungen diese Samples entstanden sind, ob nun wie Fair Trade-Kaffee oder anders. Die werden ja oft eigens produziert, und die, die das machen, bekommen dafür im besten Falle dann auch Geld.

    Und es ist so, wie Noah ja auch in ihrem Blog schreibt, dass ein sozusagen exotisierender Umgang im Rahmen einer Aneignung, die sich wenig um die Entstehungsbedingungen und Geschichte bestimmter Klangwelten schert und diese einfach so enteignet durch Adaption und Approbiation, Teil der rassistischen Matrix ist. Und insgesamt fällt auf, dass in diesem ganzen Sample- und Loops-Universum z.B. das Etikett “ethnic” nur bei als nicht-weiß codierten, musikalischen Sphären Anwendung findet. Umgekehrt sind das Samples aus vielfältigen, kulturell-hybriden Bereichen, und die stärkste ja fast schon Karrikierung und Stereotypisierung fiel mir bisher bei lateinamerikanischen Vocal-Samples auf.

    Aber gerade bei diesen westafrikanischen Samples habe ich, was völlig falsch sein kann, eher gedacht “Hey, die nehmen da eine gewichtige Pop-Region ernst, die ansonsten kaum wer wahr nimmt”. Und dann käme es vielleicht mehr drauf an, was der User draus macht?

    In diesem Sinne der Kritik wüsste ich jetzt auch kein außerhalb der rassistischen Codierungen, die ja das gesamte Feld der Kunst- und Musikproduktion durchaus konstitutiv kartiert. Teil dessen ist dann definitiv auch diese Firma, aber exklusiv ihr rein würgen kann man das, glaube ich, nicht. Oder?

    Zudem die DJ-Culture, in deren Rahmen auch diese Samples gehandelt werden, als musikalische Produktions- und Ausdrucksform nun echt zu den progressiven Zweigen idealtypisch gehört. Wenn Du Dich mal durch die Youtube-Clips klickst, wer damit Musik macht, sind das ausnahmsweise mal nicht die weißen Männer, die in den Werbevideos von Native Instruments referieren, ganz im Gegenteil. Allerdings fast nur Männer, um so besser, dass Noah dieses Feld entert …

    Was mich ja irritiert, ist das “Native”. Kann auf “Digital Natives” und so was Bezug nehmen, aber da wittere ich irgendwas Komisches.

    Und nicht minder gravierend sind freilich die Produktionsbedingungen von iPad und Co nicht nur in den Fabriken in China, sondern auch auf der Ebene der Rohstoffgewinnung in afrikanischen Regionen. Was nun keineswegs nur exklusiv Apple betrifft.

    Aber irgendwie halte ich es trotzdem noch mit Marx, dass es die Produktivkraftentwicklung ist, die einen Wandel der Produktionsverhältnisse bewirken wird.

  3. Loellie November 16, 2012 um 12:15 vormittags

    Nee, da witterst du falsch. Das Nativ bezieht sich darauf, dass das Zeugs für Computerhardware programmiert wurde und keine weitere spezielle Hardware mehr brauchte. Sowas wie die Sample Cell zB

    http://www.soundonsound.com/sos/sep04/articles/protoolsnotes.htm

    Das hat auch ewig gedauert bis es “das” Lexicon Hallgerät als PlugIn gab, weil die Prozessoren darin eine andere Hardwarearchitektur haben als die in PCs und praktisch nur auf bestimmte Rechenoperationen optimiert waren. Eigentlich alles was mit Audio/Recording, Sampling und Synthesizern zu tun hat brauchte bis in die späten 90er externe Hardware. Auf Computer ist ja immer nur der Sequencer gelaufen.

  4. momorulez November 16, 2012 um 12:51 vormittags

    Wobei sich die Native Instruments trotz dieser unglaublichen Sample-Bibliotheken ja aktuell gerade was drauf einbilden, dass man nicht mehr zur Maus greifen bräuchte. Bei der Maschine Mikro haut das nicht ganz hin, und meiner Logik entspricht das ja eh nicht; bei der großen Maschine kann man fast alles über so kleine Displays machen, die mich total an die aus den großen “Ediths”, große Regien mit Dreimaschinen (und mehr) -Schnittplätzen samt schwerfälligem Schriftgenerator und DVE (digitales Videoeffektgerät) aus den frühen 90ern erinnern :D

    Ich will da ja auch gar nichts wittern, hatte soeben zwei Stunden lang mit der Maschine-App einen Riesenspaß und finde deren Geräte großartig. Schon, weil irgendwelche Akai-User in Foren die bunten Pads zu”schwul und weibisch” finden :D

    Aber fragen kann man ja mal …

  5. Trude November 16, 2012 um 9:09 vormittags

    Raushauen solltest du deine Sachen. Kunst muß raus. Nicht so verzagt Momorulez! Wenn es nicht perfekt ist macht das die Geschichte interessant. Die unsäglichen Samplebibliotheken sehe ich rein als kulturelle Kolonisationswerkzeuge. Wenn diese kulturelle Ausbeutung okay wäre wären auch Rastalocken bei Weissen okay. Sind sie aber nicht.

  6. momorulez November 16, 2012 um 9:28 vormittags

    Die Symbolik und Historie der Rastalocke ist aber noch mal eine andere als die westafrikanischer Musik; und klar, auch letztere sollte man sich drauf schaffen. Vielleicht sind diese Samples da aber ein Anfang?

    Raushauen werde ich bald :D

  7. Trude November 16, 2012 um 10:47 vormittags

    Was wird es werden? Acid House?

  8. momorulez November 16, 2012 um 11:11 vormittags

    Nee, aber die Rebirth-Sounds werden irgendwie auftauchen. Im Moment bin ich dabei, iPad-Smart Instruments, Kaossilator, die Old School-Drumcomputer und Bassmaschine-Nummer, iMaschine, diverse Synthies (Sunrizer, Yamaha), Looptatstic-Weiterbearbeitungen, die Mikro.Maschine und Midi-Sounds mit Logic jeweils in sich zu erkunden, um sie dann irgendwann zusammen zu führen :D – bisher entsteht da irgendwas, was ich selbst nicht verstehe, weil es wie Filmmusik wirkt und zu komplex ist, um da was drauf zu singen. Ich muss erstmal meine Angst vor dem Banalen überwinden und irgendwie meine Liedermacher- und Folk-, meine Disco- und House und meine Cool-Jazz-Patterns im Kopf irgendwie aufeinander zu zu bewegen. Das sind irgendwie die Paradigmen, in denen ich Musik höre, und in verschiedenen Maschinen und Apps bediene ich Teile davon. Und der Weg ist schließlich das Ziel ;)

  9. ziggev November 16, 2012 um 3:08 nachmittags

    BTW, nichts für ungut, appropriation heißt nichts anderes als Aneignung, hängt etymologisch mit ‘property’ zusammen. witzigerweise etymologisch daher auch ‘appropriate’ – ‘angemessen’, Betonung auf dem O, wie einst bei Bill Clinton zu bewundern (‘nicht angemessen’ das mit der Lewinsky). da rätselte/googelte ich schon seit einiger Zeit herum. ‘Approbiation’, kommt, abgesehen vom Kirchenrecht, sonst lediglich als falsche Schreibung von Approbation vor. über ‘appropriate’ – ‘angemessen’ bin ich natürlich nicht drauf gekommen, aber egal
    Betonung auf dem O (B. Clinton)

    //youtu.be/UEmjwR0Rs20?t=46s

    zur afrikanischen Polyhythmik: ich habe einmal ein Interview mit einem jungen “klassisch” ausgebildeten Komponisten gehört, der nach Afrika gereist war. der erzählte, er habe dort die 12jährigen Kids am Straßenrand gehört, die “so mal eben” auf ihren Blechdosen rumklöppelten. der winkte ab, als es um mögliche Adaption ging: für nen in Europa ausgebildeten, mit der “modernen Klassik” vertrauen Komponisten – no chance !

    das Interview hörte ich vor mittlerweile mehr als 10 Jahren. inzwischen hat sich da in der “modernen” Klassik etwas getan. es gibt jetzt Leute, die mit Loop-Konzepten, wohl mehr oder weniger aus dem Hip-Hop, arbeiten. ganz herauszuhören vermochte ich´s nicht, schien sich mehr auf die Gesamtlänge bzw, -konzeption eines Stückes zu beziehen. weniger als Progression, denn als symmetrische Form gedacht.

    und was die Rasta-Locken bei Weißen angeht, hätte ich die für mich jedenfalls immer symbolisch als ins Nichts verweisend und irgendwie unanständig empfunden. was nun die westafrikanischen Samples betrifft, von wem die verwendet werden und von wem nicht, scheint es ja doch noch etwas Hoffnung zu geben. ein Rest Anstandsgefühl scheint sich bei der weißen Klientel doch noch erhalten zu haben.

    zum Weg, der das Ziel ist, ich habe immer gern bei RadioPalmwine (Nigeria) reingehört, jetzt scheine ich allerdings nen ziemlich schlechten Datendurchsatz zu haben.

    http://www.radiopalmwine.com/yoruba/

  10. vuvuzela//riotqueer November 16, 2012 um 4:26 nachmittags

    Vielleicht solltest Du deinen Mut zusammen nehmen und dich koordinieren mit Freunden der ‘frickel’-Kunst:

    http://www.bizzybassrecordings.co.uk/index.php/releases/bzb011-taking-care-of-bizzness

    http://www.mixcloud.com/

    …und alles von Pip Williams. So mein Stand der Dinge auf’m Gleis der Elektro-Geschichte von über 30 Jahren….nur zu,…bei deinem Maß an Sensibilität nicht weiter schwer.

    Ansonsten habe ich mir gestern überlegt, wie es bei mir ausschaute, bei über 30 Jahren Hip Hop und Elektro_pHunk_Historie,..wie ich dir einen kleinen, feinen Wink geben kann, aber bei mir ist einiges so selbstverständlich geworden, dass ich dir meine Fach_idiotie dies bezüglich ersparen möchte. Habe aber meine emotionalsten Lern-efx dadurch bekommen, das ich einfach mal – immer wieder – in die Internationale Runde fragte..also Momo,..ran an deine Akustik Aesthetiks…

    Gruß

  11. vuvuzela//riotqueer November 16, 2012 um 5:57 nachmittags

    Da werden wir uns wahrscheinlich nicht so verstehen, bei dem ideologisch gewordenen Slogan:” Save the Vinyl!”

  12. Trude November 16, 2012 um 7:09 nachmittags

    Gesang muß nicht. Parolen sind toll. Einzelne Sätze als Breaks und Sprachsamples sind toll besonders wenn sie verfremdet oder verzerrt werden. Mit deinem Lokic sollte das gehen. Fremde Sprachen sind toll so wie Farben beim Malen.

  13. momorulez November 16, 2012 um 7:51 nachmittags

    @Vuvuzela:

    Habe nichts gegen den Slogan “Save the Vinyl” :) – mag ich ja auch gern. Vermisse auch Musikcassetten sehr. Die später entstandenen Produktionsmittel sind aber letztlich die, die sich weiter öffnen und Partizipation ermöglichen. Und es gibt ja auch unzählige Tools, die Anbindung an Vinyl ermöglichen.

    Die Links klicke ich in Ruhe durch, Danke!

    @Trude:

    Ich singe aber gerne :D – ist einer der wichtigsten Gründe für mich, ins Stadion zu gehen :)

  14. Bel November 16, 2012 um 11:10 nachmittags

    Denkt an die magische Hetero-DreiZECK des sich wiederholdenden Bytes von visuellen PathzZz TuUuTTuUu..https://www.youtube.com/watch?v=9lDCYjb8RHk – werdet schon das DuUu als mein support spüren…Billstedt Gypsee Gptees on the run!

  15. futuretwin November 17, 2012 um 7:42 vormittags

    Musikcassetten………..yeah! Aber die vermisss ich nicht, die hab ich immer noch stapelweise. ;-) Fast alle selbstgemixt. Ist jedesmal ein Ausflug in die Vergangenheit.

    Vinyl hab ich leider keins. Aber partizipationstechnisch möchte ich wiedersprechen: Scratching!
    Und bevor es Sampler gab wurde der Loop durch zwei Plattenspieler mit der gleichen Platte erzeugt. Ich hab sogar irgendwo gelesen, dass z.T. die ersten Beats durch Klebestreifen auf den Platten erzeugt wurden! :-)

  16. momorulez November 17, 2012 um 12:19 nachmittags

    Ja. Nur dass halt die Reproduktions-, Aufnahme und Verfielfältigungsmöglichkeiten sich demokratisiert haben, gewissermaßen – freilich immer nur bis zum dem Niveau, an dem man sich die Gerätschaften nicht leisten kann. Selbst die Cassetten-Kopien der Punk-Bands in der DDR waren halt ein höherer Aufwand als die Soundcloud.

    Im Grunde genommen ist das ja des Benjamin Thema.

    Was die Performance betrifft hast Du freilich recht. Und das ist echt alles auch hinsichtlich des Rassismus-Themas relevant; so ein Wagner-Orchester zu finanzieren ist ja allein schon nur mit einer unglaublichen Kapitalanballung möglich und dient natürlich als Abgrenzung der weißen, deutschen “Kulturnation” gegen das “Primitive”. Was um so interessanter ist, da sich ja Wagner zugleich in dieser Erfindung tradierter Volkstümlichkeit in der Romantik, Märchen, Sagen, Gebrüder Grimm, situiert.

    Aber ich schweife ab :D

  17. Bel November 17, 2012 um 6:18 nachmittags

    Da haben wir ja den homo_nationalen Erfolg von ‘Heintjee’ und der NPD im West_Bundes affirmation’s 67. Somit für mich eine Frage wie weit der Open Source gehen soll…so ohne einen Schritt weiter in die Abstraktion -°scratch°-Vermögen der Binarität in Hamburg’s ”’other_Ing’ ist die baseline im Bass_Ism against racism der Puls!

  18. Trude November 20, 2012 um 12:19 nachmittags

    Langsam ists Zeit für ein Schnipselchen. Ein kleiner Hauch bittschön. Textwunsch yeah yeah Tschauneryeah yeah yeah Tschauneryeah!

  19. Trude November 20, 2012 um 4:17 nachmittags

    Etwas zum Leichtfallen

  20. momorulez November 20, 2012 um 8:29 nachmittags

    Danke – bevor ich da was hochlade, muss ich noch ein bißchen tüfteln …

    Zu dem Spiel gestern kommt vielleicht noch was :)

  21. georgi November 20, 2012 um 9:08 nachmittags

    … Kapitalansammlung bei Wagner-Opern? Bayreuther Festspiele sind natürlich etwas besonderes. Wenn man Guttenberg, Merkel und alle möglichen anderen hohen Tiere nicht begegnen möchte, kann man auch CDs kaufen, dem örtlichen Theater den Gefallen tun, ihm eine Eintrittskarte abzukaufen und vieles mehr. Wirklich teuer ist das alles nicht. Und bigomantische Kapitalverwertung ist ja sowie eher das Kennzeichen modernen Kunstbusiness’, das ja sowieso nichts anderes darstellt als eine Form kapitalistischen Mehrwerterwirtschaftens.

    Bayreuther Festspiele werden hingegen von Konservativen alten Schlags aufgesucht, für die der Wert eines Menschen sich nicht nach dem Wert des Bankkonto bemißt, sondern nach humanitärer Bildung und verfeinertem Geschmack. Solche Menschen sind eigentlich Residuen aus der vormodernen Zeit. Auch die Ausführenden bringen ihrer Kunst so viel Opfer, wie es unvern&uuml,nftig wäre, wenn es bei einer Wagner-Oper wirklich nur um schnöde Kapitalverwertung gehen würde.

  22. momorulez November 20, 2012 um 10:01 nachmittags

    Kapitalansammlung im Sinne dessen, dass zur Aufführung egal wo einfach viel größere Orchester benötigt werden. Und natürlich auch “kulturelles Kapital”, weil man das voraussetzungfrei kaum hören kann.

    Ansonsten sehe/höre ich “humanitär” bei Wagner gerade nicht, ganz im Gegenteil, da kippt das Bürgerliche ja um in, ja, dazu könnte ich jetzt lange Abhandlungen schreiben. Ich kann dazu neben dem Tipp, sich die Opern zu geben, ich finde Wagner ja schon toll bei allen Ambivalenzen, immer wieder Adornos Text zur “Bürgerlichen Oper” zu lesen, ein für seine Verhältnisse sehr populärer Vortrag, insbesondere die Passagen zum “Siegfried” (?). Sehr erhellend!!!

  23. ziggev November 21, 2012 um 11:47 vormittags

    ach, welch Glück, Adorno! Da sind wir also doch wieder bei einem jenen “Residuen aus der vormodernen Zeit”. Weißt Du, wo der Test zum Siegfried sich finden lässt? Adorno las ich ja bisher fast ausschließlich nur, um mich in solche Zeiten hinein und wegzuträumen – oder jedenfalls derartigen Phantasien Stoff zu geben. Was, musikalisch, jene Club-Welten angeht, sind das für mich immer irgendwie magische Welten gewesen. Mir fehlt da einfach Wissen (um Traditionen), vermute ich: Wie aus dem Nichts kommen die Beats nichtsdestotritz von irgendwo her, da, wo die Lautsprecher stehen, zugleich körperlos dringen si in dich ein, prallen an dirab, schleichen andere Sounds über die Tanzfläche, und: Wie machen die das blo?, dass das einfach passt. Bei einigen Stilen kam ich ja einigermaßen dahinter, woher die “Inspiration” kommt, oftmals rätsele ich nur noch … es ist etwas regressiv, aber, I can´t help it, “ein Seufzer entrang sich meiner Brust” …

  24. momorulez November 21, 2012 um 12:42 nachmittags

    http://metalust.wordpress.com/2009/10/05/uber-die-vermittlung-des-verharteten-lebens-sich-erheben/

    Oben drüber das Zitat, der Text ist die Quelle – und sorry, dass ein Kommentar von Dir im Spam verschwunden war und ich ihn gerade erst frei geschaltet habe!

    Ich komme mit der Club-Musik ja auch außerhalb von Clubs immer ganz gut klar, übrigens ;)

  25. Trude November 26, 2012 um 2:33 nachmittags

    Musik? Unperfekte Musik ist Statement gegen den Perfektionierungswahn gegen die Zumutungen des Leistungszwangs gegen Unterjochung des Menschen durch die kapitalistische Verwertbarkeitsspirale. Keine Perfektion bitte! Nur dann ist es perfekt.

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