Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Das darf nicht sein, Herr Lorenz …

Ähem, ja. Der Herr Lorenz vom guten und gerechten DFB:

„Es kann nicht so weit gehen, dass wir psychische Beeinträchtigungen zulassen. Das würde für die Zukunft bedeuten: wird ein farbiger Spieler nach 20 Minuten rassistisch beleidigt und trifft keinen Ball mehr, könnte man immer auf psychische Beeinträchtigung plädieren. Das darf nicht sein. Beide Klubs hatten Nachteile durch die Unterbrechungen. Und es gab mehrere Unterbrechungen, die auch von Hertha verursacht wurden.“

Mal abgesehen davon, dass in manchen Ex-Autonomen-Kreisen rassistische Beleidigungen als gar nicht möglich betrachtet werden, weil deren Kritik ja lediglich der Selbstaufwertung weißer, linker Bildungsbürger diene, manmanman, wie weit nach rechts manche rutschen, merken sie gar nicht, was für eine narzißtische Scheiße, 1 mal in 3 Monaten liest man da wieder und findet prompt den üblichen whm-Privilegienabsicherungs-Scheiß – auch ein Herr Lorenz könnte sich ja mal um einen Sprachgebrauch bemühen, der sich auf der Höhe der Zeit bewegt, so als verbeamteter Richter im wahren Leben auch, meines Wissens. Voraus gesetzt, er wurde korrekt zitiert und das ganze ist nicht der Sprachunfall des Protokollierenden, dann sorry.

Es geht in solchen Fragen nicht um ein Selbstverhältnis, sondern um das zu einem bzw. vielen anderen Menschen – und um das, was das mit dem Selbstverhältnis des Herabgewürdigten in solchen Momenten macht. Das ist dem guten und gerechten Richter freilich wahlweise nicht so wichtig oder nicht bewusst im Rahmen seiner “Wo kämen wir denn da hin?”-Denke. Verwaltungsideologie, administrative Macht statt Intersubjektivität. In manchen Punkten hatte Habermas einfach recht, damals, zu Zeiten der “Theorie des Kommunikativen Handelns”.

Und weil dieses als irrelevant-und-geht-ja-gar-nicht-Abtun die Effekte menschenverachtender Äußerungen verniedlicht und zudem eine schlicht falsche Brücke geschlagen wird zwischen struktureller, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und einem bisher zumindest eher außergewöhnlichen Ereignis, möchte man dem Herrn Lorenz mal dringend ein Antirassismustraining empfehlen. So bei DFB-Rechtssprechern könnte man das ja auch Einstellungsvoraussetzung annehmen. Oder nicht?

Es wird außerdem etwas als gar nicht so schlimm behauptet, weil eine rassistische Äußerung offenkundig keinen Anlass zu einem Spielabbruch gibt, warum denn eigentlich nicht? Und kann das einseitig eine Mannschaft beeinträchtigen. Ist ja “nur” die Wirkung auf die psychische Verfasstheit eines Individuums, oder wie? Wo der Einzelne nichts zählt …

Und wieso sollen psychische Beeinträchtigungen diesbezüglich kein Kriterium für die DFB-Gerichtsbarkeit sein?

Das wäre doch mal ein Zeichen, eben aufzuzeigen, dass es hier nicht um irgendeine Sprachhygiene geht, die irgendwem das Selbstverständinis, ein guter Mensch zu sein, ermöglicht, sondern um Handlungen im Rahmen realer, gesellschaftlicher Verhältnisse, die etwas mit und aus Menschen machen können und eben deshalb zu unterlassen sind.

Bei so einer DFB-Gerichtsbarkeit braucht man sich echt über nix mehr zu wundern … im Raum der Ahnungslosigkeit der Priviligierten  große Reden schwingen können sie jedenfalls.

Und, ergänzend: Ich verstehe das Urteil so, dass ein Platzsturm zur Ergebnissicherung dem DFB als probates Mittel erscheint, wenn das Spiel danach wieder angepfiffen werden kann. Oder habe ich da was falsch verstanden?

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5 Antworten zu “Das darf nicht sein, Herr Lorenz …

  1. Wettbuero (@wettbuero) Mai 21, 2012 um 5:31 nachmittags

    Andere sind anderswo schon für weit weniger schlimme Aussagen und Formulierungen ihren Posten los gewesen. Ziel aller Aufrechten muss sein, Lorenz – sofern das Zitat korrekt wieder gegeben ist – schnellstmöglich ins Abseits zu stellen und danach seines Amtes zu entheben bzw. entheben zu lassen.

  2. Björn Mai 21, 2012 um 5:57 nachmittags

    Letzter Absatz:
    Es gibt eine weitere Einschränkung: Die gegnerischen Spieler dürfen gern angetatscht, angeschrien oder hin und her gerissen werden (da gibts ja genug Bilder) aber einfach nur nicht verletzt werden, dass sie ausgewechselt werden müssen. Auch das war Teil der Urteilsbegründung.

    Ansonsten ist es ab jetzt legal, den Platz zu stürmen und schon eine zeitlang vorher den Innenraum zu betreten und sich am Spielfeldrand aufzubauen. Natürlich nur aus freundlicher Absicht, du musst also lächeln.

  3. momorulez Mai 21, 2012 um 7:09 nachmittags

    @wettbuero:

    Der Herr Lorenz ist ja auch schon in anderen Fällen auffällig geworden – und diese Aussage ist schon echt krass, zudem doch der Verband ansonsten gerne mal medienwirksam rote Karten gegen Rassismus zückt – um dann so einen Klopper in der eigenen Gerichtsbarkeit rauszuhauen.

    @Björn:

    Ich glaube ja, dass die der Fortuna wie auch der Hertha noch irgendeine Strafe aus dem kriterienfreien Raum zaubern – und die Hertha bekommt bestimmt schwerer einen übergebügelt, weil sie wagte, sich zu wehren (womit ich den Einspruch gegen die Spielwertung meine, nicht mutmaßliches Verhalten der Spieler dem Schiri gegenüber). Und dann gilt für Fans eine Art Güterabwertung – ist es uns jetzt wichtiger, das Ergebnis zu halten, und nehmen wir dafür eine Strafe in Kauf? Und, ja, Hauptsache lächelnd …

  4. che2001 Mai 27, 2012 um 11:28 vormittags

    @”Mal abgesehen davon, dass in manchen Ex-Autonomen-Kreisen rassistische Beleidigungen als gar nicht möglich betrachtet werden, weil deren Kritik ja lediglich der Selbstaufwertung weißer, linker Bildungsbürger diene” bestätigt lediglich zunm wiederholten Mal, dass Du bei mir Gesagtes schon rein semantisch gar nicht mehr aufnimmst (eigentlich ging es um in bestimmten MigrantInnenkreisen agesagtes Ironisieren von Alltagsrassismen als Selbstschutzstrategie), und heraus kommen Trollereien zietterwölfischen Ausmaßes. Na dann viel Spaß noch!

  5. momorulez Mai 27, 2012 um 12:01 nachmittags

    Na ja, die Probleme mit der Semantik liegen wohl eher auf Sender als Empfänger-Ebene, wie ja auch dieser Kommentar wieder belegt. Wer zunehmend Raysons Argumentationsmuster internalisiert hat und Blogtexte schreibt, die schlicht Beispiele für das sind, was “Derailing for Dummies” so köstlich ausführt, ist das Problem und nicht die Lösung. Was den Respekt für Deine praktische Flüchtlingsarbeit nicht mindert.

    Bleib bitte weiterhin weg hier. Und ich lese jetzt auch endgültig nicht mehr in Deinem Blog, keine Sorge, deshalb wirst Du hier auch solche Nebensätze nicht mehr lesen. Die entstehen aus Entsetzen darüber, dass die “linken” Szenen unserer Generation einfach ein heteronormativer, sexistischer Sauhaufen sind, die ihr “White Privilege” nicht minder aggressiv als irgendwelche bayrischen Dorffestbewohner verteidigen, nur dass die wenigstens ehrlich sind. Und die erzählen solche “Farbe rein bringen”-Anekdoten ja auch mit Vorliebe.

    Und jetzt verpiss Dich wieder; es tut sehr gut, dass Du hier verschwunden bist.

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