Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wie das “Neue Deutschland” und die Vopos …

Gewitzte Vertreter des journalistischen Mittelstandes beklagten jüngst bei Facebook das Fehlen “bürgerlich-liberalen” Pressewesens in der geliebten Hansestadt. Zu meiner Verwunderung, weil es an Verbürgerlichung nun wirklich nicht mangelt, begreift man diese im Sinne von Sittsamkeits- und Anstandforderungen und Tugendlehren, an ganze Bevölkerungsgruppen gerichtet.

Was ich mir wünschte wäre, das wäre eine KRITISCHE Gegenöffentlichkeit, die auch die Interessen NICHT-BÜRGERLICHER Schichten ernst nimmt – Hartz IV-Empfänger und sonstwie Marginalisierte. Und das nicht im Sinne des paternalistischen und diskreditierenden Nachmittagsprogramms auf RTL und auch nicht auf Basis von Begriffen wie Integration.

Stattdessen ist spätestens seit Voscherau, nicht erst seit Schill, jegliche Senatspolitik daran orientiert, diese zu verdrängen, möglichst dahin, wo kein Tourist hin kommt, und sie sonstwie mit Verordnungen zu belegen. Sei es nun diese Freier-Verordnung auf St. Georg, da ich bezweifel, dass diese den Huren hilft, sei es das Vertreiben von Jugendlichen aufgrund des “Konsumklimas” aus der Innenstadt, sei es das permanente “Racial Profiling”, dem PoC im Alltag unterworfen sind,

wenn sie mal wieder auf eine Wache verschleppt werden, während ihre blonden blauäugigen Freunde weiter über die Reeperbahn bummeln dürfen.

Letzteres verläuft aktuell noch quer zu sozialen Schichten, man fragt sich jedoch, ob es Absicht ist, Bevölkerungsstrukturen wie in den USA, Großbritannien oder Frankreich zu schaffen, die auf eine gezielt betriebene “Rassifizierung von Kriminalität” hinaus laufen (und meines Wissens ist diese in Knästen auch hierzulande längst weitestgehend Realität). Um letztlich auch die Schicht- oder Klassengrenzen an der Hautfärbung entlang zu organsieren und dann zu stabilisieren. Was eben noch nicht durchgängig der Fall ist, gibt ja genug PoC-Ärtztinnen, türkische Unternehmer usw.; die anderen, auf die geglotzt wird, gibt es aber auch. Die dann bei jedem neuen Sarrazin “Integriert euch, integriert euch!” ins Gesicht geschrien bekommen.

Beliebtes Mittel ist dabei immer die Drogengesetzgebung; es ist kein Witz, Mythos und auch keine Verschwörungstheorie meines Wissens, dass aufgrund der Strahlkraft der Black Panther gezielt Drogen von exquisiter Qualität in Black Communities geschleust wurden. Es ist eine jüngst veröffentlichte Statistik, die besagt, dass PoC-Kids in Großbritannien 16mal so häufig wie ihre weißen Kumpel von der Polizei kontrolliert werden. Und es ist normal, dass jene, und das werden immer mehr, die keinerlei Lebenschancen auf den etablierten, ökonomischen Aufstiegs- und Ausbildungspfaden haben, sich die Befriedigung ihrer Konsumwünsche anderweitig ermöglichen.

Das kann man blöd finden, das ist allerdings einfach so. Gleichzeitig überall Konsumwünsche anstacheln und Status über Besitz proklamieren und großen Bevölkerungsteilen das vorenthalten, während man Banken milliardenschwer rettet, das funktioniert nicht. Es ist eher erstaunlich, wie der Großteil, ob nun PoC oder auch nicht, sich an die standartisierten Wege halten. In London hat man jüngst gesehen, wie schnell das kippen kann.

Für die Staatsmacht eine verhältnismäßig komfortable Situation, hat sie doch so stets Bevölkerungsgruppen parat, auf die sie mit dem Finger zeigen kann, gegen die sie mit Gesetzesverschärfungen und “Arbeitserleichterungen” auf Kosten des Rechtsstaates durchzusetzen vermag. Funktioniert analog zum “Terrorismus”.

Fussballfans haben eine ähnliche Funktion, ohne freilich durchgängig in ökonomisch der gleichen Situation sich zu befinden, und vor allem ohne dauerhaft mit allerlei Mist beworfen zu werden, das ist man ja nicht ganztägig. Als “nomadisierende”, also durch die Republik Reisende stellen sie eh schon ein Potenzial dar, dass schwer regulierbar ist. Ebenso bergen die Fan-Szenen tatsächlich häufig gewaltbereite Mitglieder in sich, das kann man ja schwer bestreiten.

Dennoch werden hier erst spät kriminalisierte Delikte wie Pyro mit einem Empörungspotenzial versehen, das grotesk ist – trotzdem ist es einfach praktisch, ständig den Scheinwerfer darauf zu richten, um von wirklichen Problemen abzulenken. Neulich bei Facebook entbrannte die Diskussion, ob es Analogien zu den “Chaoten” der 80er Jahre gäbe. Während damals freilich zunächst eine politische Intention da war, die sich auch in Gewalt entladen konnte – später, z.B. beim 1. Mai in Berlin, fiel die polistische Intention dann allerdings weg -, hat man es im Falle der Fussballfans mit einer gegenläufigen Bewegung zu tun: Etwas in den meisten Fällen Unpolitisches wird politisiert durch die Rolle, die es in öffentlichen Diskursen erhält. Diese permanente Produktion von Delinquenz lässt den Normalo sich erst richtig normal fühlen, begierig saugt er solche Berichte auf.

Nun ist von der Presse gar nicht zu erwarten, dass sie von Michel Foucault belehrt klugscheißert wie ich hier gerade – es ist jedoch Grundsatz eines jeden Journalismus, ich betreibe hier übrigens keinen ;) ,ich blogge nur, ausgewogen zu berichten.

In all den skizzierten Fällen wäre es die Pflicht der “Vierten Gewalt”, nicht einfach nur eine Seite zu thematisieren, sondern eben auch das Agieren der Polizeikräfte kritisch zu beäugen. Und das ist dann gar keine Frage dessen, ob das nun im Sinne klassisch liberaler Forderungen geschieht, sondern im Sinne einer ausgewogenen Recherche.

Interessant ist dazu dieser Artikel im Abendblatt. Mal ganz ab davon, ob damit nun, ggf. sogar in Kooperation mit der Polizei, eine bestimmte Gruppe zum medialen Thema gemacht und vorabkriminalisiert werden soll oder nicht – die vom Magischen FC kommentieren zu recht (wir haben übrigens parallel angefangen zu schreiben, ich hänge mich hier nicht einfach dran):

“Trotzdem finden wir deinen Artikel nicht ganz gelungen, denn du nennst die Stichworte ohne danach einen Schritt weiter zu gehen. Straßengang? Jugendliche? Polizeibekannt? Selbst Bönig ist bekannt, wo die sich sammeln?

(…)

Weg von der Sicherheitslogik könnte man auch noch weitere Fragen stellen. Fragen, die politisch sind. Nämlich: Warum werden Jugendliche zu Straßengangs? Warum kommt es zu einer Karriere, wo Jugendliche “polizeibekannt” werden? Was tut der Senat eigentlich in einem – bekanntermaßen – armen Viertel für Jugendliche und ihren Werdegang?”

Und die Kids selbst hat vermutlich auch mal wieder keiner gefragt. Es ist erschütternd, wie noch nicht einmal ein Versuch unternommen wird, vielleicht einfach Handeln der Polizei auch nur zu beschreiben – stattdessen werden Polizeimeldungen zusammen gefasst und es wird sich deren Perspektive zueigen gemacht. Die bürgerliche Attitüde ist halt die innere Polizeilichkeit. Diese als Organ verschwindet ansonsten wie ein Karnickel im Zaubererhut in den Worten des Hamburger Boulevards.

Das ist wirklich eine Liaison wie die zwischen Volkspolizei und Neuem Deutschland zu Zeiten der DDR, wobei ich nicht weiß, ob es da ergänzend noch eigene Kriminalmagazine gab und das Neue Deutschland über die Vopos berichtete, es sei als Metapher verstanden. Zudem das noch nicht mal “Law & Order” ist, weil Medien ihrer grundgesetzlichen Aufgabe nicht nachkommen und zudem die meisten Grundrechtsartikel Schutzrechte vor dem Staat sind, nicht etwa fortwährende Denunziationsberechtigungen.

Meiner Ansicht nach ganz im Sinne eines DDR-Staats- und Medienverständnisses operiert heute auch Peter Wenig im Abendblatt. Die Erben Sudel-Edes verstecken sich ja gerne da, wo offizielle Doktrinen sie gar nicht suchen würden, und sind stilistisch dabei auch noch schlechter. Wiederum taucht die Polizei als Akteur gar nicht auf.

Ich weiß nicht, ob das “primitive” Plakat mit dem Begriff “Bullenschwein”, das von ihm heute im Abendblatt erwähnt wird, das folgende war:

Quelle: Magischer FC

… das fand ich eigentlich ziemlich lustig.

Und “primitiv” ist ja so ein Begriff, mit dem das Bürgertum Hand in Hand mit dem Adel ganze Völker belegte, um sie zu kolonisieren und ggf. zu vernichten. Das ist nicht so weit her geholt, wie es scheint, das ist die bürgerliche Haltung, die sich “nach unten” abgrenzt und dadurch selbst aufwertet, und diese Haltung bringt aktuell auch die zweitübelsten Formen des Rassismus neben dem Neonazismus hervor – natürlich nur dann, wenn sie, und sei es insgeheim, auf PoC Anwendung findet.

Was meint denn “primitiv”? Eben nicht so kultiviert wie der zur natürlichen Herrschaft befugte Bürger, deshalb besteht das Machwerk des Herrn Wenig auch fast nur aus Imperativen.

Auch nicht mehr Qualität hat, was Herr Wenig ansonsten noch so schmierfinkt:

“Massiv beschädigt war es (das Club-Image, MR) zuvor schon durch Gewaltexzesse nach Spielen gegen Rostock, die schwere Randale beim Hallenturnier in Alsterdorf, die Würfe mit Gegenständen auf Schiedsrichter und Gegenspieler.”

Säugetiere setzen sich zusammen aus den Gruppen der Wildwasserschlangen, gehörntem Federvieh, Usambaraveilchen und Regenwürmern, und das Ganze ergibt das Gesamtbild einer Würstchenbude, so ungefähr die logische Stringenz dieser Aufzählung. Es ist schon atemberaubend, wie tatsächlich durchgeknallte Straßenschlachten nach einem 3 Jahre (???) zurück liegenden Fussballspiel, ein Angriff der Polizei auf einen friedlichen Fanblock, nachdem dieser von rechten Hools attackiert wurde, der Bierbecherwurf eines Business-Seat-Bewohners und eine nicht abgerollte Kassenrolle, die aus Versehen einen Spieler trafen, vermengt werden zu einem Brei, den die gierige, bürgerliche Leserschar auslöffeln soll.

Das grenzt schon an bewusstes Lügen, denn selbst wenn man die Geschichte beim Schweinske-Cup anders erzählen würde, so hätte zumindest sowohl die Version der Polizei als auch jene vieler Fans ausgewogen berichtet zu werden. Die Geschehnisse am Sonntag sind entstanden als wie ich finde dämliche und falsche Reaktion auf einen unverhältnismäßigen und völlig überzogenen Polizeieinsatz sowie das Unrechtsmittel “Gefahrengebiet”, und das ist noch mal eine ganz andere Situation. So falsch ich diese Gewerferei usw. ja finde, man muss die Situation schon als Ganze betrachten.

Nein, ich glaube, da steckt auch ein ganz anderer, bürgerlicher Instinkt dahinter. Das Millerntor würde ich als weitestgehend bürgerlich-studentischen Mittelstand beschreiben, und es sieht sich in einer diffus linken Tradition, zumindest jene sehen sich so, die nicht diese unselige Melange aus Kirchentag und Schlagermove leben, die dann auch noch “kreativ” genannt wird.

Nun ist es die Realität im Viertel, dass postmigrantische Milieus eigene Subkulturen hervor gebracht haben, diese dort und anderswo in Hamburg leben, in ständiger Auseinandersetzung mit der Staatsmacht, die alles dafür gibt, diesen auch ja die schiefe Bahn zu bauen. Eine stärkere Distanz zu staatlichen Organen als gerade in diesen Szenen zu produzieren, das ist kaum möglich, da berichten Raps davon, da kenne ich unzählige Anekdoten von den Kindern von Bekannten, und ansonsten siehe oben. Ich sehe mich völlig außerstande, irgendetwas konkret zu 187 oder den Warriorz zu sagen, geschweige denn, ob die nun mit den Vorfällen am Sonntag etwas zu tun haben oder nicht; das Thema als solches gehört trotzdem auf die Tagesordnung.

Grundsätzlich funktioniert diese Gesellschaft aktuell so, dass die Mittelschichten sich abgrenzen gegen eben jene, die sich in solchen und anderen Gruppen potenziell bewegen – auch aus Angst davor, dass diese zur Konkurrenz für die eigenen Kinder und sie selbst werden könnten. Da interessiert man sich lieber nicht für die gezielte Kriminalisierung.

Interessant ist vor diesem Hintergrund die Pointe des “Textes” von Herrn Wenig:

“Die friedliebenden Fans, nach wie vor in der ganz großen Überzahl, müssen Anhänger, die ihre Gewaltfantasien ausleben wollen, konsequent ausgrenzen.Dies mag alles nicht bunt oder links sein. Es ist trotzdem der einzige Weg.”

Peter Wenig, Der FC St. Pauli und die Gewalt, Hamburger Abendblatt 22.4. 2012, S.2

Seltsamerweise richtet er diesen Appell nicht zugleich auch an die Polizei. Und zufälligerweise werden in Wenigs Redaktion am selben Tag die Warriorz entdeckt. Und nein, ich will jetzt keineswegs meinerseits die Gewaltfrage ethnisieren. Vielleicht sind das ja alles Weiße. 187 allerdings meins Wissens nicht, kenne da nur die Musik aus dem Umfeld und treffe sie vermutlich ständig auf der Straße.

Das leitet trotzdem über zum Knackpunkt für Teile der Antira-Arbeit aktuell: Wie kriegt man es hin, die Ursachen für die Gewalt adäquat zu analysieren, die Gewalt selbst zugleich zurück zu weisen und dennoch sich mit den Objekten von Polizeiwillkür zu solidarisieren, ohne zu paternalisieren oder sie einfach nur zu instrumentalisieren, um den eigenen Status abzusichern?

Ich weiß, dass diese selbst oft nur genervt sind, wenn irgendwelche altlinken Bürgersöhnchen anspaziert kommen und paternalistische Solidaritätsappelle ausstoßen. Damit wollen viele derer auch gar nichts zu tun haben, als Frage kann man das ja trotzdem stellen. Weil ich ja ganztägig auf der Schanze PoC-Kids in St. Pauli-Klamotten sehe und mir ungefähr vorstellen kann, was für Erfahrungen die mit der Polizei und der Mehrheitsgesellschaft im Allgemeinen machen.

Vielleicht ist ganz unabhängig von den konkreten Vorfällen die Frage, wie sich die Fanszene dazu stellt? Wie man den Wenigs und Sarrazins mal die Suppe der Abgrenzungsbedürfnisse versalzen kann?

In der Flora z.B. werden solche Fragen wohl schon intensiv diskutiert. Habe immer das Gefühl, bei uns haben da alle ein wenig Angst davor. Wenn ich den Abendblatt-Artikel zu den Warriorz lesen, dann dürfte damit Schluß sein, und im Forum wird die Debatte ja auch nicht zum ersten Mal geführt …

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21 Antworten zu “Wie das “Neue Deutschland” und die Vopos …

  1. Pingback: Rumstehterroristen – #FCSP nahezu ohne Hansa Rostock im Gefahrengebiet « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  2. kleinertod April 24, 2012 um 5:44 nachmittags

    Großartiger Text, der eigentlich alles umfaßt. Bis auf die absurde Strafe http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1%5BshowUid%5D=32727&tx_dfbnews_pi4%5Bcat%5D=145 wegen der Vorfälle beim Schweinske Cup (zur ungeklärten Schuldfrage muß ich hier ja nichts schreiben) und dem die Polizei nicht sehr freundlich gesinnten Teil der tolle Choreo gegen Braunschweig (nichts anderes hatte damals Niederschrift in den DFB-Bericht erhalten): http://kleinertod.files.wordpress.com/2012/02/fcsp-braunschweig-055.jpg – jegliche Kritik in diesem Lande an der Polizei ist Majestätsbeleidigung. Freie Meinungsäußerung gilt nur, wenn sie staatsdienlich ist oder so. Paßt auch gut hierher.

  3. momorulez April 24, 2012 um 5:49 nachmittags

    War jetzt tatsächlich ein Rundumschlag, und man tippt sich da Knoten in die Hände, um die Stereotype zu vermeiden, die man eigentlich kritisieren will. Und ich glaube, dass tatsächlich eine Angst bei den Bürgerlichen besteht, die Linken unter den Bürgerlichen und die ganzen Abgehängten und Deklassierten und Ausgegrenzten könnten sich ernsthaft zusammen tun, anstatt sich gegeneinander in Stellung zu bringen, die Pointe wollte ich eigentlich noch geschrieben haben. Deshalb ja die Polemik gegen “links und bunt”, Typen wie der Wenig sind da ja Symptome.

    Diese groteske Strafe ist wirklich noch mal ein Pfefferspray-Echo. Dass tatsächlich DIE Choreo damit gemeint war, hatte ich gar nicht geschnallt, dass ist auch wieder so DDResque, dass die Verbände und die Exekutive da so am Schmusen sind.

  4. kleinertod April 24, 2012 um 6:03 nachmittags

    Also das ist jetzt nur meine Vermutung – aber ich habe auch alles, was von meiner Position aus zu sehen, abgelichtet, soweit ich mich erinnere. Und nur dazu gab es im Nachklang eine entsprechende Erwähnung, die Quelle habe ich aber nicht. Nur das macht daher “Sinn”, so absurd das auch ist.

    Der Rechtsruck in Europa zieht sich weiter auch hierzulande durch die Gesellschaft. Selbst die kleinste Abweichung soll so hart wie möglich sanktioniert werden – und eben dadurch auch einzelne Gruppen gegeneinander aufgebracht werden und sich selber dadurch unter Kontrolle halten. Totaler Gehorsam ist oberste Bürgerpflicht, links und bunt ist ungehörig und gehört ein Wenig bestraft oder so.

    Diese immer härtere Abrgenzung, um ja nicht vielleicht selbst herunterzufallen und zu den Ausgegrenzten zu gehören, ist einfach nur so absurd wie nur irgendwas. Und der DFB paßt da gut hinein.

  5. Noergler April 24, 2012 um 11:55 nachmittags

    Ein pfiffiger Text. Danke fürs Lesendürfen.

  6. Pingback: Wenn die Angst regiert, dann schießt man keine Tore … « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  7. mixX April 25, 2012 um 11:28 vormittags

    vielen dank für den wirklich sehr dezidierten text. es fällt schwer, bei all diesen aktuellen abläufen und fakten nicht in eine ohnmachtsstarre zu verfallen oder sich gar zu einer aggressiven überreaktion berufen zu fühlen. man oszilliert zwischen extremen gemütsschwankungen.

    P.S.: Ich habe versucht, die bedeutung der abkürzung “PoC” zu ermitteln – leider ohne erfolg. wofür steht diese?

  8. momorulez April 25, 2012 um 11:35 vormittags

    “People of Colour” – zur Vertiefung finden sich z.B. hier einige Texte:

    http://www.derbraunemob.info/download/

  9. C.K. April 25, 2012 um 3:26 nachmittags

    “Stattdessen ist spätestens seit Voscherau, nicht erst seit Schill, jegliche Senatspolitik daran orientiert, diese zu verdrängen, möglichst dahin, wo kein Tourist hin kommt, und sie sonstwie mit Verordnungen zu belegen. Sei es nun diese Freier-Verordnung auf St. Georg, da ich bezweifel, dass diese den Huren hilft, sei es das Vertreiben von Jugendlichen aufgrund des “Konsumklimas” aus der Innenstadt”

    Deshalb pendle ich nach jeden Tag Hamburg um hier zu arbeiten obwohl ich in Berlin wohne. Weil ich es einfach nicht mehr ertrage in HH. Diese verspießerte Pseudo-Weltoffenheit, wo man keine Bänke mehr aufstellt, weil sich vielleicht ein Obdachloser draufsetzen könnte, den Hauptbahnhof aus Blechbüchsen mit Klassik zuscheppert und sobald mal jemand die Musik im Park etwas lauter macht, die Spassverderber anrollen. Und Brücken für 100000de Euro umbaut, weil Touristen Armut sehen könnten.
    Ich will nicht das Berlinloblied singen, alle Prozesse die du beschrieben hast sind dort grundsätzlich am wirken. Aber sie haben sich nicht nicht so entfaltet, obwohl der Aufholprozess verdammt schnell geht. Aber die Freiräume sind noch größer. In den Kreisen in denen ich mich bewege, wird auch niemand schräg angeguckt, wenn er arbeitslos ist und auf Hartz4 rumkrebst. Gibt einfach zu viele davon, die dabei tolle Menschen sind. Und ich habe nicht das Gefühl, wie in Hamburg, dabei auf wenige Orte beschränkt zu sein, sondern das Gefühl das “uns” der Großteil der Stadt gehört.
    mfg

  10. momorulez April 25, 2012 um 3:39 nachmittags

    Kann gut sein, dass es in der Hinsicht in Berlin besser zugeht. Und dass das in Hamburg wirklich unerträgliche Ausmaße angenommen hat, ist ja wirklich so. Gibt halt viele andere gute Gründe für mich, hier leben zu wollen und solche, in Berlin gelegentlich gerne zu sein, aber dann doch tief durchzuatmen, wenn ich wieder in Hamburg einfahre. Aber im grundsätzlichen ist das richtig; hier ist halt die Pfeffersacktradition das Dominante, und schon historisch wurden Arbeiter und anderer Pöbel an Randbezirke verfrachtet (Hammerbrook zum Beispiel). Ich glaube allerdings, dass gerade der Fall, der hier Anlass ist, eben auch einen Indikator darstellt, dass diese Politik von ihren Wirkungen eingeholt wird. Wenn man die Segregation an Einkommenslinien entlang zu harsch betreibt, dann schlagen die Deklassierten irgendwann zurück. Das so oft gescholtene, sozialdemokratische Modell, das bisher Verwerfungen wie in GB ein wenig kittete, hätte auch im Sinne der sich gegen unten Abgrenzenden nicht abgeschafft werden dürfen, das haben die nur noch nicht geschnallt.

  11. ziggev April 26, 2012 um 7:30 nachmittags

    kurz zu den nichtexistenten Bänken. Ich denke an die Busbahnhöfe, nicht nur ZOB. Wandsbek.Makt und Poppenbüttel, zwar nicht so zentral gelegen, aber auch Orte, an denen ein Aufenthalt so unbequem wie möglich gemacht wird. Ist es lediglich eine Fehlplanung, dass da jetzt alleinig solche ovalen Bauten errichtet worden sind oder gebaut werden? Optimal angeordnet, damit der Wind so richtig schön ungehindert dazwischen hindurchfegen kann. Hat aber auch was nettes, dass nächtliche Gäste, die den Nachtbus verpasst haben, nun enger zusammenrücken müssen. Der PoC-Fahrgast und ich, die einzigen, die etwas hilflos da rumirrten, wechselten uns, “abgesprochen” qua Körpersprache, Wandsbek-Markt schließlich ab, damit jeder mal eine Zeit lang dort stehen konnte, wo – und das war wirklich so – der einzige Platz war, an einem dieser ovalen Dinger, der etwas Windschatten bot.

    Z.z. habe ich viel mit und in Wikelmsburgzu tun; da gehts ja im Moment richtig rund, was bauliche Strukturen angeht. Weiß jemand vielleicht ein paar Quellen zu den Vorhaben dort?

  12. ziggev April 26, 2012 um 8:45 nachmittags

    … mich interessieren, natürlich nicht die Schauen selbst, sondern soziale Auswirkungen, Wandlungen im Stadtteil …

  13. momorulez April 26, 2012 um 8:46 nachmittags

    Das sind doch die Umbauten zu dieser Gartenschau, oder?

  14. momorulez April 26, 2012 um 9:43 nachmittags

    Ach so, da kam noch was hinterher … na, es war ja von Anfang auch Ziel der Hafencity, die Veddel an die Innenstadt heran zu holen, und eben von der anderen Seite u.a. über die Gartenschau auch Anschluss zu finden. Das ist ja eine Spange mit echtem Potenzial für die Stadtregierung, also die Immobilienmafia. Details weiß ich aber nicht.

  15. ziggev April 26, 2012 um 10:18 nachmittags

    ja, und dann noch eine Internationale Architekturausstellung. Mitten im Stadtteil eine Riesenbaustelle. Ich mache da gerade mit bei einer Art Verkehrszählung und bin entsprechend flächendeckend in Wilhelmsburg unterwegs. Was du beschreibst, kriege ich ja hier in der Vorstadt nicht so mit, und ich mache die Erfahrung, dass die Wut, die mich da beim Lesen erfasst, innerlich aufrichtet. Bisher hatte ich ja immer darauf geachtet, dass ich, auch mit wenig Geld zur Verfügung, halbwegs stilvoll rumlaufe, was ich so nenne, kostet halt mehr Zeit (… ist schön, macht aber viel Arbeit), doch machte ich, wo ich jetzt regelmäßig, Frisör? plus Basebalkäppi, zu große Schuhe, Penny Jeans usw. mich durch die ganze Stadt bewege (neben dieser nur halbgewollten Underdog- und nur Halb-Camouflage gibt es Gründe, auf die ich nicht näher eingehen will), auch die Erfahrung, dass ich regelrecht einknicke, wenn ich diese bürgerlichen, nichtabgehängten A… löcher sehe, und mich der Neid erfasst, das kannte ich bisher nicht, die tatsächlich stilistisch geleckt rumlaufen, dieses unbewegte Gesicht als Auszeichnung (btw. in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit beschreibt Proust absolut wunderbar, wie der Aufsteiger und bisher einfach nur lächerliche Dr. Cottard als Chef im Krankenhaus sich den entsprechenden Habitus samt Gesichtsmaske zulegt, – später rehabilitiert er ihn wieder, wenn ich mich recht entsinne), aber immer – nicht das Statement, das hätte ja was – immer die von dir beschriebene Selbsterhöhung und Abgrenzung. Früher, das ist mein Eindruck, hatte das noch was, sich hervorzutun, heute bedeutet das: sieh her, das ist meine soz. Stellung. Hier in der relativ betuchten Vorstadt spart man sich den Stress. (Heute mal ganz in Schwarz ausprobiert, mit Kapuzenpulli, fühlte sich ganz gut an;-))

    Also, das ist schon krass. Auch weil in der Stadt jedes soziale Stellung unbarmherzig aufs Genaueste taxiert wird, was gibt es da nicht alles für Abstufungen, und dann die ganze Bandbreite!, bin ich gewissermaßen hierher zurückgeflüchtet. So. Aber jetzt habe ich die Möglichkeit, die Entwicklungen in Willhelmsburg über längere Zeit zu beobachten. Mein politisches Gewissen ist geweckt, und ich dachte, da wäre es interessant, in punkto der von Dir besprochenen Themen konkret am Beispiel Wilhelmsburg einzusteigen. Überall wird jetzt aufgehübscht, Publikum wird da sein, und alle versprechen sich den Reibach. Für mein Gefühl ein relaxter Stadtteil, mit dem proletarischen Flair des Einander-Geltenlassens, das wird sich wohl ändern …

  16. momorulez April 26, 2012 um 11:01 nachmittags

    Ja, da schlagen sie als nächstes zu. In Altona Altstadt sind sie ja seltsamerweise vorsichtiger, aber Elbinsel, Hafennähe, die zum Teil ja auch tolle Altbausubstanz, das lockt ungemein.

    Diese extreme Abgrenzung, die nehme ich auch sehr stark wahr; die wurde, glaube ich, auch durch Hartz IV und dieses Schüren der Krisen für immer mehr Leute psychologisch wichtiger, weil es für viele schlicht näher gekommen ist. Das, was noch in den 80ern ja auch nur halbwahr noch “nivellierte Mittelstandsgesellschaft” genannt wurde, ist ja schon in sich zusammen gebrochen. Und wer nicht Eltern hat, die einem überteuerte Wohnungen in Ottensen kaufen, hat doch hinter diesen ekelhaften Fassaden aus angepasstem Klamottenschick auch die Ängste, die Miete nicht mehr zahlen zu können. Zumindest werden das immer mehr, denen es so geht. Diese Erpressungsszenario von Schröder und Co ist ja voll aufgegangen.

    Ich glaube übrigens, dass diese Gangs, die überall Thema sind gerade, da einfach nur drauf antworten. Die stellen halt eigene Coolness-Regeln auf, die ich auch nicht mag, das interessiert die aber herzlich wenig. Die definieren Status um.

    Dass die Wut Dich aufrichtet, das freut mich aber! Es gibt einfach ein Recht auf Wut, und das nicht nur für die allerorts zitierten “Wutbürger”.

    Interessant übrigens, dass die in den grenzprekären Zonen, die noch irgendwie fest-frei um die abspeckenden Großorganisationen sich gruppieren, am meisten ausrasten, wenn man so was anspricht. Habe gerade die lustige Erfahrung gemacht, nur “Sozialstruktur” schreiben zu brauchen und prompt des Linksradikalismus und der arroganten Klugscheißerei bezichtigt worden zu werden :D – da liegen echt Nerven wund, weil all denen, die sich dann irgendwann in stets vorauseilender Anpassungsleistung an die liberale Propaganda ran schmissen ja langsam schwant, dass klassisch-linke Ansätze was für sich hatten und die größten Apologeten die ärmsten Schweine sein werden, weil sie eben doch nicht zu den Reeders-Söhnen und Kriegsgewinnler-Kindern gehören, sondern glaubten, auf die Art systemimmanent Karriere machen zu können. Und nun sorgen sich alle mit 30 wieder um die Altersversorgung und merken gar nicht, wie sie durch den Kakao gezogen werden.

  17. mixX April 27, 2012 um 9:30 vormittags

    zum thema wut kommt mir spontan der von mir sehr geschätzte georg schramm in den sinn. er hat u.a. eine sehr schöne differenzierung zwischen wut, wutbürger und dem wahren zorn vorgenommen. wut als die kleine scheue schwester des zorns, welcher wahre kraft entfaltet. hier ein kleines beispiel: http://youtu.be/jmx7VeOIzbs oder dies hier http://youtu.be/zgWl5uvM5Eo

  18. momorulez April 27, 2012 um 10:00 vormittags

    Irgendwie sehr katholisch alles, was der da sagt ;)

  19. ziggev April 27, 2012 um 1:08 nachmittags

    da bin ich schon mal wütend, und dann gleich die Warnung vorm Wutbürger. – Aber so schnell lasse ich mich nicht kleinkriegen ;-)

  20. Pingback: Wovor ihr Angst habt | lichterkarussell

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