Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Freudlos im Gottesstaat leben …

“Ist das einem weltanschaulich neutralen Staat angemessen?

Ich glaube schon, denn diese Tage haben nicht nur eine Bedeutung für Gläubige. Und die persönliche Freiheit des Einzelnen bleibt gewahrt, denn die Regelungen betreffen ausschließlich öffentliche Veranstaltungen. Das Tanzen im Privatbereich wollte man schon 1952 ganz explizit nicht reglementieren.”

Na, super. Gnädig. Bei Luther gewährt noch Gott selbst die Gnade … und nun will sie der Herr Kirchenpräsident verordnen.

Welche andere politische Organisation nimmt sich eigentlich das Recht heraus, Menschen aus dem öffentlichen Raum in die Privatsphäre zu verbannen, den öffentlichen Raum jedoch zu okkupieren? Okay, Gewerkschaften im Falle von Ladenöffnungszeiten vielleicht, und natürlich allerlei Formen der Ökonomisierung des öffentlichen Raumes, aber ansonsten ist das doch ziemlich anmaßend, was der da von sich gibt. Ein bißchen mehr Demut, bitteschön, Herr Kirchenpräsident.

Zudem es weder muslimische noch jüdische Feiertage als gesetzliche gibt, der Christopher Street Day ist auch keiner, und dass nun ausgerechnet die Kirchen bei ihrer Gewaltgeschichte, Inquisition, Hexenverbrennung, 3ojährige Kriege, Pogrome gegen Juden, Schwulenfeindlichkeit sich an die Spitze des Gedenkens an Gewaltopfer setzen, das ist schon ein historisches Kuriosum und würde keiner anderen politischen Organisation mit derart viel Dreck am Stecken zugestanden:

“An Karfreitag richtet sich der Blick auf das Kreuz Christi – der Tag regt zur Besinnung über Tod und Leid an, aber auch darauf, dass Menschen Opfer von Hass und Gewalt werden”

wo doch zugleich meiste Hass weltweit von Religionsvertretern geschürt wird. Na, vielleicht ja Karfreitag als Tag der Reue und der Sühne angesichts der Geschichte der Kirchen?

Zum Zeitraum des Erlassens von Tanzverboten, 1952, war unter Berufung auf “Christliches” so viel juristisches Unheil im Westen Deutschlands präsent, dass schon die mangelnde Reflektion darauf dem Herren Politiker unter die Nase gerieben werden muss.

Ganz interessant ist, was Antje Schrupp – bin ja etwas erschrocken über deren christliches Bekenntnis, wobei es mir nicht um die Denunziation individuellen Glaubens geht, der zu respektieren ist, sondern um die politische Agitation von politischen Organisationen wie der evangelischen und katholischen Kirche – dazu schreibt. Sie mahnt an, doch mal mit der tatsächlichen religiösen Bedeutung Karfreitags sich zu beschäftigen. Und weist darauf hin, dass eben gerade am Karfreitag einige der Paradoxien des Christentums offenbart werden, eben jene, die z.B. Muslime dazu bewegen, den christlichen Glauben gar nicht als eine monotheistische Religion zu betrachten und Jesus für einen Propheten zu halten. Die Kreuzigung wird meines Wissens im Koran bestritten, da sei jemand anders gekreuzigt worden, man korrigiere mich, wenn ich falsch liege.

Was dem Herren Kirchenvertreter keine Silbe wert ist, dass ja nun auch allerlei Gläubige dieser und anderer Religionen dann in ihre Privaträume geschickt werden.

Die Konstruktion Vater, Sohn, Heiliger Geist (im Hebräischen ist der weiblich, die heilige Geistin – da die christliche Überlieferung nicht zufällig, das neue Testament betreffend, auf altgriechisch erfolgte, ist das da nicht durch gedrungen)  hat einst in den frühen Jahrhunderten der “Kirchenväter” (derer viele übrigens PoC aus dem nordafrikanischen oder eben kleinasiatischen Raum waren, was in ikonischen Darstellungen unterschlagen wird) zu krassen Zerwürfnissen geführt. Solche, bei denen dann immer irgendwer irgendwann verfolgt wurde, auch Bücher wurden verbrannt, vermutlich sogar die Bibliothek von Alexandria gestürmt – weil Texte dem Trend widersprachen.

Was so unwichtig nicht ist, weil selbst im Falle der kanonisierten Schriften die Auslegungen immer schon stark differierten – ist Jesus jetzt identisch mit Gott oder gottähnlich oder was? – und letztlich zumeist nackte Macht die Entscheidung durchsetzte.

Und dass ein Gott seinen eigenen Sohn brutal martern und ermeucheln lässt, weil dieser die “Sünden” der Menschen als solcher auf sich nahm – Augustinus stellte die Erbsünde ins Zentrum des Glaubens, eine Grundschuld, die ein jeder sowieso mit sich rum schleppt, eine sehr humane Vorstellung – ich meine, was ist denn das für einer, der mittels Quälerei agiert?

Ein bißchen verlogen ist das schon, dass nun zum Gedenktag für Folteropfer zu machen, wenn doch der Weg über die Folter zur Erlösung führt und Gott das ja demnach irgendwie gewollt haben muss, sonst wäre das wohl kaum das, was in jeder Kirche als der Weg ja gepriesen wird?

Ja, gibt auch das Abendmahl vorher und Jahrhunderte Streit, ob da nun tatsächlich Jesu Fleisch verspeist wird oder nur symbolisch … in anderen Zusammenhängen geißelt das die Kirche mit ihren “Sektenbeauftragten” als Magie.

Und es ist kein Zufall, dass bei Kolonisierten und Versklavten viel häufiger das alttestamentliche Motiv des Exodus, “Go down, Moses, (…) let my people go”, so attraktiv erschien: Die Flucht vor den Unterdrückern und der Auszug ins gelobte Land.

Hinsichtlich der Auferstehung muss man sich historisch mal klar machen, was das Christentum da eingeführt hat: Den Leuten einreden, dass sie a priori schlecht, verdorben und sündig sind, selbst schuld hat, wenn Scheiße passiert, dass nur der Glaube an Jesus sie vor der ewigen Verdammnis retten könne und später im Falle des jüngsten Gerichtes ein paar wenige die tatsächlich fleischliche Auferstehung erleben würden, eine einmalige Chance, und das nur, weil sie so lieb und nett zur Kirche waren.

Mag der Protestantismus da auch gegen den Ablass gewettert und Kirche anders verstanden haben, ziemlich mutig damals, da ist schon eine ziemlich grausame Vorstellung in der Religion selbst angelegt.

Zudem das Martyrium eine Verherrlichung erfuhr, das kann man noch in Hollywood-Schinken wie “Qu Vadis” incl. einer ziemlich homophoben und kunstfeindlichen Darstellung des Nero bewundern und bei all den geschundenen Heiligen, die die Katholiken feiern, eine blut triefende Story nach der Anderen ergoogeln. Dass die nun allesamt nur das Gegenteil, foltere nicht!, zum Ausdruck bringen sollen, diese Geschichten, ist wenig glaubwürdig angesichts einer Religion, bei der der Weg durch Martyrium und Apocalypse zur Erlösung führt. Und z.B. in den Ignatius-Briefen das Martyrium gar ersehnt wird.

Dieses Tanzverbot ist nur das Echo einer äußerst ausgeprägten Freudlosigkeit dieser Religion selbst. Und Antje Schrupp hat ja recht, man sollte schon mal in die Verkündigungen hinein schauen, wenn man meint, sich mit dieser Religion identifizieren zu wollen.

Diese diffuse Güte und Nächstenliebe, die da auch irgendwo steht, aber keineswegs exklusiv vom Christentum gefordert wird, ist flankiert von Vorstellungen, die das Leid proklamieren.

Und die Kirchen überleben nur dank eines ziemlich billigen Tricks: Sie sakralisieren das Profane, um nichts anderes als Normalitätsvergewisserung zu befördern. Was noch bei Segnungen homosexueller Partnerschaften so ist – uff, endlich wie die Heten!

Man heiligt das vor kurzem Geborene (die Erwachsenentaufe gibt es noch im nordamerikanischen Protestantismus, sie wäre konsequenter), das Erwachsenwerden (Konfirmation, bei Katholiken gesplittet), das Eingehen einer heterosexuellen Partnerschaft, “ganz in weiß mit einem Blumenstrauß”, ist halt hübscher als nur im Standesamt, und den Tod – und spendet für “Brot für die Welt”. Das ist eine reine Selbsterhöhungpraxis gegenüber Devianten, auch den Nicht-Getauften, den Singles usw. – und sonst nichts. Um das Göttliche im Geliebten zu sehen, wenn ich daran glaube, brauche ich keine externen Rituale und auch keine Kreuzigung.

Das ist Distinktionsgewinn durch die Behauptung der Heiligung dessen, was man eh vor hat oder einem sowieso widerfährt, Geburt, Tod, das hat doch bei vielen nichts mehr mit dem in sich ziemlich komplizierten Glauben zu tun.

Der Karfreitag wie Ostern insgesamt ist auch der höchste Feiertag des religiösen Antijudaismus. Das steckt im Christentum einfach notwendig mit drin, dass die, die Jesus nicht als den alttestamentlich angekündigten Messiahs anerkennen, eben gottlos sind und sowieso von grundauf noch verdorbener als die eh schon erbsündigen Christen. Das hat 2000 Jahre Überlieferung aber so was von überdauert, das kann man bei Irenäus, bei Luther, in der Katholischen Kirche bis zum zweiten Vatikanischen Konzil der 60er Jahre nachvollziehen. Das kann man auch in den Rezensionszonen bei Amazon verfolgen: Wenn ein Jude den christlichen Glauben zu kommentieren wagt, gibt es Saures. Während Christen sich angewöhnt haben, vom alltestamentlichen Rachegott zu reden, der durch Jesu Liebe überwunden wäre. Als sei es doch nicht der gleiche Gott und diese Lesart die Richtige.

Frühchristliche Bewegungen wie die Marcioniten waren somit auch nicht bereit, das Alte Testament anzuerkennen und wurden deshalb aus der sich gerade erst formierenden Kirche geworfen. War auch kein sonderlich sympathischer Glaube, noch nicht mal Sex in der Ehe …. die Paulus-Briefe freilich gelten manchem Forscher als im Umfeld Marcions entstanden und dann katholisiert.

Aber auch die, die das Alte Testament durchaus mit einbezogen sehen wollten, können selbst ohne das Jahrtausende währende Geraune und Gehetze “die Juden hätten den Jesus ans Kreuz geliefert”sich nicht einfach so hinstellen und vom “christlich-jüdischen Abendland” faseln – es ist Kern des Glaubens, dass die Juden zu doof waren zu begreifen, dass Jesus der Messiahs ist, während aus christlicher Perspektive das alte Testament durch die Brille des neuen zu lesen sei: “Ich aber sage euch …”, so die Formel des Neuen Testaments in der Bergpredigt.

Und dafür gilt dann bis heute das Tanzverbot.  Soso. Hat sich halt tradiert.

Es gibt zudem gute Gründe, anzunehmen, dass es sich bei der Figur des Jesus sowieso um eine römische Erfindung handele, die unter anderem dazu diente, dem militanten jüdischen Widerstand  gegen die römische Besatzung das Wasser abzugraben. Dass nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch des Gottkaisers Sohn Titus im Umfeld von Vespasianus ein pazifistischer Messiahs erfunden worden sei, damit diese kämpferischen Juden endlich mal klein beigeben – und ihm, Vespasianus, huldigen, ohne das zu merken. Wenn es so gewesen ist, wäre das wohl der wirkungsmächtigste Fake der Weltgeschichte, und nachprüfen kann das eh keiner mehr.

Ein Beispiel für die Art und Weise, wie die Evangelien analog zur “Geschichte des jüdischen Krieges” von Flavius Josephus montiert wurden, ist die seltsame Antwort des Dämons “Mein Name ist Legion”, der daraufhin in Schweine fährt, die sich ins Wasser stürzen:

“In seinem Buch Caesar’s Messiah: The Roman Conspiracy to Invent Jesus beschreibt Joseph Atwill eine andere Deutung. Die Geschichte könnte demnach eine Darstellung von Titus Flavius Vespasianus (als der Messias) sein, seinen römischen Legionen im Kampf gegen die Zeloten und deren Aufstand in Caesarea Maritima (siehe auch Jüdischer Krieg). Die Schweine könnten auch eine Anspielung auf die Legio X Fretensis sein, die Jerusalem ab dem Jahr 70 besetzte und unter anderem einen Eber als Symbol trug.”

Auch andere Autoren neben Atwill gehen davon aus, dass es zwar einen jüdischen Widerstandskämpfer gegeben haben könne, der entsprechend hingerichtet wurde, die Evangelien aber literarische Zeugnisse ganz anderen Typs waren – eben wiederum eine Befriedungsstory, um Widerstand zu brechen.

Die Ahnung Nietzsches, dass es sich beim Christentum um eine Sklavenmoral handele, ist also auch historisch nicht völlig von der Hand zu weisen.

Das soll nun alles gar nicht ausschließen, dass selbst dann, wenn es den überlieferten Jesus gar nicht gegeben hat, sich wie um alle Archetypen ernsthafte und ernstzunehmende Spiritualität formieren kann.

Aber wieso die Kirche nun den Anspruch erheben können soll, politische Entscheidungen zu beeinflussen, das bleibt rätselhaft – und es empfiehlt sich schon, nicht irgendeine profan ebenso mögliche Moral ständig religiös überhöhen zu wollen, sondern dann lieber mal richtig in die Bibel zu gucken. Siehe Antje Schrupp.

Oder aber einen alternativen Glauben anzunehmen, der das Heilige sich allgemeiner erschließt. Oder das mit dem Glauben gleich ganz bleiben lassen. Öffentlich wie privat.

43 Antworten zu “Freudlos im Gottesstaat leben …

  1. T. Albert März 28, 2012 um 11:57 nachmittags

    hm. also, es heisst “alttestamentlich” und “neutestamentlich”.

    http://www.theomag.de/33/am145.htm

    http://www.theomag.de/71/am357.htm

  2. momorulez März 29, 2012 um 12:23 vormittags

    Klicke ich gerne an; ist das für den Text selbst denn so wichtig?

    Interessant vielleicht, weil wir das bei Rothko schon mal hatten – Herrmann Detering, der als evangelischer Pfarrer ein recht beeindruckendes Buch über die mutmaßlich wahren Autoren der Paulus-Briefe verfasste wie auch die Bezugnahmen auf Jesus im Werk von Flavius Josephus als “falsche Zeugnisse”, spätere Hinzufügungen in christlichen Abschriften, begreift, eben im Werk jenes Autoren der Geschichte des “jüdischen Krieges”, dessen Umfeld Atwill die Erfindung Jesu zuschreibt: Der Herr Detering, ein mich sehr beeindruckender Autor, weist den Glauben ganz klar der Ästhetik zu. Er weist die historische Existenz Jesu dezidiert zurück und lässt trotzdem nicht vom Glauben ab, bezeichnet gar das Jesus-Buch des Papstes als beste theologische Kost.

    Dass also die biblisch-neutestamentlichen Texte wie Shakespeare, der Faust ihre Wahrheit entfalteten, das könnte er meinen.

    Dann würde die Wahrheit der Matthäus Passion nicht in der in Rezitativa zu entfaltenden “Story” liegen, sondern im Zusammenspiel von literarischem Text und Musik. Ganz zu schweigen von der h-Moll-Messe; das würde aber u.U. auch für Beckett oder Schönberg gelten. Aber auch für “muslimische” Mosaike, Ornamente und Formen. Und somit für auch Matisse. Und da sage mir wer, das habe nix mit Adorno und Benjamin zu tun.

    Ich weiß ja, dass das Katholische Dir viel bedeutet; meine Aufarbeitung protestantischer Prägung hier im Blog ist trotzdem im vollen Gange und tut mit sehr gut :) … ich wollte eigentlich nur zur Erforschung der unsäglichen Homophobie über die Kanonisierung was wissen, weil mich das Thomas-Evangelium beeindruckte, und bin ganz woanders gelandet.

  3. momorulez März 29, 2012 um 12:37 vormittags

    Nachdem ich nun noch einmal einen halben, verlinkten Text gelesen habe: Genau darum geht es mir doch oben im Text. Z.B um die “Auge um Auge”-Formel und deren Verdrehung. Und deren “Korrektur” in der Bergpredigt, deren Interpretation durch Franz Alt Jutta Dithfurt dazu brachte, diesen als Antisemiten zu bezeichnen.

    Was ich oben im Text gar nicht erwähnte, ist, dass meines Wissens die 3 synoptischen Evangelien, Lukas, Markus, Matthäus, Jesus nicht als Gottessohn oder selbst Gott begreifen, sondern lediglich Johannes. Das Trinitätsdilemma entsteht durch Johannes; die anderen Evangelien lassen sich, wie Du mal schrubest, als innerjüdische Reform lesen. Was den Talmud wenig beeindruckte.

  4. T. Albert März 29, 2012 um 8:03 vormittags

    “Ich weiß ja, dass das Katholische Dir viel bedeutet” – ach naja. Das ist mir gar nicht so klar. Meine Aufarbeitung dessen hört nur irgendwie gar nicht auf, also, das ist eine nicht enden wollende Hirnverstrickung, aus der ich mich auch gerne rauswinden würde. Immer wenn ich denke, jetzt hab ich eine weitere Drehung geschafft, kommen wieder welche und lassen mich spüren wie katholisch ich eben bin, auch diejenigen, die uns gerade unverschämterweise wieder klarmachen wollen, was wir unter “katholisch” zu verstehen hätten. Deswegen bin ich ja auch so ein Pasolini-Fan. Dabei bin ich ja ein leichterer Fall, weil aus “liberalem” und grosszügigem Umfeld. Das wird aber gerade aufgelöst durch die heftige Gegenbewegung gegen das 2. Vatikanum, die mich fassungslos macht, weil die ja wirklich lebensweltliche Konsequenzen haben kann, nicht nur für Gläubige, so wie sie sich in einbettet in all die autoritären und rassistischen Bestrebungen, die wir gerade erleben dürfen. In meiner Familie sind ja uralte Leute aus der Kirche ausgetreten, weil sie das alles nicht aushalten, das Blöde ist nur, dass ihnen das innerlich nicht viel nützt.
    (Ich vermeide gerade die ganze Zeit das Wort “Identität”.)

    Ich kritisiere Dich gar nicht, meine nur diese Adjektive.

  5. T. Albert März 29, 2012 um 8:16 vormittags

    “Dann würde die Wahrheit der Matthäus Passion nicht in der in Rezitativa zu entfaltenden “Story” liegen, sondern im Zusammenspiel von literarischem Text und Musik. Ganz zu schweigen von der h-Moll-Messe; das würde aber u.U. auch für Beckett oder Schönberg gelten. Aber auch für “muslimische” Mosaike, Ornamente und Formen. Und somit für auch Matisse. Und da sage mir wer, das habe nix mit Adorno und Benjamin zu tun.”

    Ja, natürlich. (Das ist jetzt aber auch das, was mir katholischerseits vermittelt wurde als die Welt noch modern, resp. postmodern war.)

  6. momorulez März 29, 2012 um 8:51 vormittags

    Ich ändere die Adjektive auch noch. Und meine eigene Verstrickung in die evangelische Sozialisation ist ja auch nix, was mal eben so verschwinden würde. Was aber eben auch eine sehr platt politisierte zur Zeit der Friedensbewegung der frühen 80er war. Und wie nunmehr rund um das Ökologie-Thema die Schöpfung gepriesen wird, das ist ja sozusagen das Gegenteil der Abwehr alles Materiellen, wie es sich, gnostisch inspiriert, im Frühchristentum findet.

    Umgekehrt merke ich immer, wenn ich dem hinterher googel, was denn nun neben dem Papst und dem Zölibat, der Beichte und den Heiligen Katholizismus meint, dass noch meine Aufarbeitung derart unter protestantischem Vorzeichen steht, dass es mich manchmal erstaunt. Die Kirche selbst und die Tradition zu vergöttlichen, auf die Idee wäre ich nie gekommen.

    Aber der ganze Rollback, die Infragestellung des 2. Vatikanischen Konzils auch und gerade durch Ratzinger und seinen Clan, das ist mir inzwischen auch sehr oft begegnet bei Lektüren, und das ist bestimmt finster, wenn man da noch irgendwie drin steckt.

    Pasolini, da muss ich mal wieder ran. Das war für mich ein Coming-Out-Autor, vor allem “Teorama”, die Filme kenne ich kaum. Und bei anderen Texten für ihn kam ich gerade wegen der Auseinandersetzung mit dem Katholizismus oft gar nicht mehr mit.

    Bin ja auf den ganzen Kram nur gestoßen, weil ich zunehmend den Eindruck bekam, dass innerlinke Diskussionen und Mentalitäten viel tiefer christlich geprägt sind, als man das angesichts der “Opium fürs Volk”-Rhetorik denken würde. Und dass das echt eine Gefahr darstellt. Und das nun gerade nicht wegen der spirituellen Dimension, sondern wegen des Politischwerdens und der Subjektivierungsweise “Schuld” und “Güte”-Konzeptionen.

  7. momorulez März 29, 2012 um 10:19 vormittags

    Habe die Adjektive jetzt geändert; hoffentlich habe ich keines übersehen. Und mag auch der Herr Kirchenpräsident bescheidener sein als der Papst, der seine Schäfchen angewiesen hat, weltweit gegen Schwule zu agitieren – auch das hier ist für das Thema von Relevanz:

    http://www.wsws.org/de/2012/mar2012/sant-m02.shtml

  8. T. Albert März 29, 2012 um 10:42 vormittags

    “dass innerlinke Diskussionen und Mentalitäten viel tiefer christlich geprägt sind, als man das angesichts der “Opium fürs Volk”-Rhetorik denken würde. Und dass das echt eine Gefahr darstellt. Und das nun gerade nicht wegen der spirituellen Dimension, sondern wegen des Politischwerdens und der Subjektivierungsweise “Schuld” und “Güte”-Konzeptionen.”

    Ja, und das ist das erbärmliche Ende einer Abwärtsbewegung von einem zyklischen kosmologischen Schöpfungsdenken (wie im AT, wie im Koran) zum Privatheiler Jesus, der sich gefälligst um meine privatmoralische Seele zu kümmern habe, damit ich gerettet werde, wo er sowieso schon für mich gestorben ist. Das sind ja neurotische Konzeptionen, die wieder so modisch werden, mit all der Einmischung in die sexuellen Angelegenheiten anderer Leute, die da auch draus resultiert, weil der Privatheiler Jesus dann eben doch für alle zuständig ist, irgendwie.

  9. T. Albert März 29, 2012 um 10:50 vormittags

    das ist furchtbar, mit dem herrn santorum, allerdings, von grösster relevanz.

  10. flummi März 29, 2012 um 11:37 vormittags

    @ T.Albert

    das mit dem Privatheiler ist gut. Ich persönl. kontaktiere Jesus nur in kosmischen Angelegenheiten, wenn es um m. privates Seelenheil geht, wende ich mich entweder dem Wein zu oder versuche, selbst übers Wasser zu gehen. Soll heiße, ich bürde “dem Herren” nicht auch noch meine Last auf, sondern trage das Kreuz mit Fassung (oder auch deren -losigkeit)

    und an Pasolini hab ich auch gleich gedacht, als ich hier las

    »Fontana di aga di un país no me«*

    *»Quell von Wasser aus einem Dorf nicht mein«

    Von Harry Oberländer
    1
    Zum Ende der Minima Moralia schreibt Adorno: „Philosophie, wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellten. Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung her auf die Welt scheint: alles andere erschöpft sich in der Nachkonstruktion und bleibt ein Stück Technik.“ (1)

    Von dieser messianischen Paradoxie ist auch das Werk Pier Paolo Pasolinis geprägt. Einerseits forderte der Katholik Pasolini dazu auf, im Kreuzzeichen, das der Ganove in Handschellen am Ende des Films Accatone schlägt, ein Zeichen der Hoffnung zu sehen, und gleichzeitig postulierte er als parteiloser Kommunist einen unbedingten Atheismus. Was mit Accatone und Mamma Roma beginnt, im Matthäus-Evangelium kulminiert und spät noch einmal in Salò ein kompromissloses Echo findet, sind Passionsgeschichten. Sie handeln vom Leiden des Menschen.

    http://faustkultur.de/kategorie/literatur/harry-oberlaender-pasolini.html

  11. momorulez März 29, 2012 um 11:55 vormittags

    Jau, eben. Und das ist mir so in Fleisch und Blut, buchstäblich, über gegangen, dass nur Krise, Apocalypse, Zusammenbrüche etc. den Weg zur Erlösung weisen, Passion halt, das ist ja sogar noch in der Pychoanalyse so – in das Trauma hinein gehen, um es aufzulösen. Sich kreuzigen, um aufzuerstehen. Neurose als Schuld. Deshalb ist das mit dem Privatheiler Jesus exakt das richtige Stichwort.

    Und mittlerweile glaube ich geschnallt zu haben, dass das nur zur permanenten Reproduktion von und Identifikation Traumata führt, individualpsychologisch. Während das Holocaust-Gedenken natürlich wichtig ist; durch diese christlichen Buße- und Schuld-Vorstellungen wird aber beides miteinander miteinander gekoppelt, individuelles Selbstverhältnis und politische Erinnerung zur zukünftigen Vermeidung, und daraus entsteht z.B. ständig neuer Antisemitismus. Weil Schuldgefühle aggressiv machen.

    Dieses Adorno-Zitat ist ein ziemlicher Knaller, Danke! Das ist nämlich auch so ein Punkt, der in der ganzen Rezeption mir auf die Nerven geht, dass die negative Theologie und natürlich auch das Theozidie-Problem für das ganze Denken Adornos, Horkheimers, Benjamins aus jüdischer Perspektive derart zentral ist, dass es weh tut, wie dieser Aspekt aus der Rezeption verschwindet, am stärksten bei jenen, die am lautesten Antisemitismus geißeln. Wie tief der Antisemitismus schon in Irenäus, den ich tatsächlich gerade passagenweise gelesen habe und der sehr zentral für die Kanonisierung ist mit seinen Büchern gegen die Häresie, das habe ich auch gerade erst vollumfänglich geschnallt. Während dann als “Sektenführer” angegriffene Lehrer wie Osho in seinem Buch über das Thomas-Evangelium oder als Esoteriker verunglimpfte wie Deepak Chopra exakt den spirituell-kosmologischen Jesus als archtypisches Bild, Verdichtung von Glaubensinhalten behandeln – die Kreuzigung taucht in der Spruchsammlung Thomas-Evangelium noch nicht mal auf – noch irgendwas zu sagen haben, kommt der Papst daher und predigt im Naturrecht einfach das, was ist: “Gott hat den Mensch als Mann und Frau geschaffen”, das steht so auch noch nicht mal ganz richtig, weil es da auch biologisch Zwischenstufen gibt, in jedem blöden Biologiebuch für Fünftklässler, und leitet daraus dann willkürlich irgendeine dümmliche Moral ab. Ich bin mittlerweile echt der festen Überzeugung, dass die Kirchen das, was man sinnvoll als Glauben oder Spirtualität begreifen kann, wenn man denn will, muss man ja nichts mit anfangen können, gerade ausgetrieben haben. Um politisch im Sinne Santorums wirken zu können. Und das war auch im 4. Jahrhundert schon so – was kam, war das finstere Mittelalter und 2000 Jahre Antisemitismus.

  12. flummi März 29, 2012 um 11:56 vormittags

    Ps. Mir wird tatsächlich erst heute immer bewusster, was es für ein Segen war, einen Pfaffen zum Vater gehabt zu haben, der einem die Kirche vom Halse hielt. Dieser Segen machte sich auch prompt bemerkbar, als ich mich konfirmieren ließ. Diese Zeremonie war für mich derart gruselig dass ich 40 Grad Fieber bekam u die geladenen Gäste ohne mich weiter feiern mussten. (es hat mich ja nicht m. Vater konfirmiert sondern ein völlig abgedrehter “Ältestenrat” dieser Gemeinde:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Br%C3%BCdergemeine

    und das nicht weil wir dieser Gemeinde angehörten, sondern weil wir in unmittelbarer Nähe zu diesem Verein gewohnt haben u. ich mich m. Freundin anschloss , die dort Mitglied war.

    aus dem wikilink

    “Erich Kästner erwähnt, dass seine Cousine Dora, die von ihrem Vater in das Herrnhuter Internat geschickt worden war, von dort ganz blass und verhärmt zurückgekehrt sei.[14]”

    Das wundert mich nicht, denn genauso ging es mir nach dieser Zeremonie!

  13. flummi März 29, 2012 um 11:59 vormittags

    PS. Diese Freundin ist später übrigens völlig duchgeknallt u. landete irgendwann, genau wie ich in der Klappse!

  14. momorulez März 29, 2012 um 12:02 nachmittags

    Ach Gott, die Herrnhuter! Die sind mir neulich im Kolonialismus-Kontext über den Weg gelaufen, weil die die Seelsorge für die Sklaven auf den Inseln von Herrn Schimmelmann übernommen haben. Von den Pietisten kommt viel von dem Quatsch, man müsse die Schwarzen doch erst mal zivilisieren, bevor an ihnen Rechte geben könne. Und dann latschten die ganz barmherzig durch die Karibik, fanden das mit dem Bein abhacken bei Flucht doch etwas zu hart, um binnen kurzem ihre eigenen Haus-Sklaven zu fordern. Verhärmte Bigotterie in Reinform. Da wusste Dein Vater schon, wieso er Dir das vom Leibe hielt ;)

  15. Lichterkarussell März 29, 2012 um 12:37 nachmittags

    Inhaltlich komme ich später noch mal zurück. Derweil soll purer Pragmatismus aushelfen:

    Hauptsach frei!
    Und laut sein!

  16. momorulez März 29, 2012 um 12:39 nachmittags

    Jau! Und bin gespannt ;) … und jetzt ab zum Friseur. Nein, keine Torsur oder wie das heisst …

  17. flummi März 29, 2012 um 7:04 nachmittags

    Ja, grauenvoll. Nina Hagen hat da mal diverse Protestaktionen in ihrem Facebook verlinkt

    http://www.allout.org/en/actions/stpetersburg-dont-go

  18. flummi März 29, 2012 um 7:06 nachmittags

    und bei feynsinn gehts um die Erich-Fromm-Preisverleiung an Georg Schramm

    http://feynsinn.org/?p=13305

    hab da auch noch m. Senf hinterlassen

  19. momorulez März 29, 2012 um 7:24 nachmittags

    Den Eintrag da bei Feynsinn finde ich aber höchst irritierend … und ich würde “Juden/Zionisten” so und in der Form auch nicht unter “religiöse Eiferer” packen, obgleich es unter orthodoxen Juden solche ja auch gibt. Aber Geschichte und Gegenwart des Zionismus unterscheiden sich schon mal so deutlich voneinander, dass ich die Überschrift “Zionismus” unter aktuellen Bedingungen echt problematisch finde. Weil da gar nicht klar ist, was gemeint ist – die Golanhöhen? Ein Zaun? Siedlungspolitik? Das Selbstverständnis Israels als jüdischem Staat? Das “Projekt” des Staates Israels als solchem? Bei keiner der Fragen geht es ja primär um “religiöses Eifern”, sondern um ganz andere Themen, bei der zwar jeweils die Geschichte der Religion auch eine Rolle spielt wie auch der Umgang Anderer mit den Angehörigen dieser, aber das ist schon noch was anderes als Hindu-Nationalismus, evangelikale Hetze in Uganda oder Islamismus und letzteres noch mal was anderes als der Wächterrat im Iran.

  20. flummi März 29, 2012 um 7:43 nachmittags

    @ ja ich gebe dir recht u. ich persönl. spreche beziehe mich eigentl auch schon lange nciht mehr auf den Zionismus wenn es um die Probleme in Israel geht. Aber alle Begriffe greifen letztlich nicht. Ich hätte viell. jüdische Fundamentalisten schreiben können, keine ahnung. hier ging es um die Armaggedonisten, die es ja tatsächlich sowohl in Israel wie auch im Iran u. in den USA gibt. Ich wollte das aber in den richtigen Kontext setzten. Deswegen habe ich mich da eingemischt. Weil der Komplex m. M. nach immer wieder viel zu sehr simplifiziert wird. Grade auch was das Beispiel der somalischen Piraten. Die werden dann ganz schnell mal romantisiert, sind aber letztlich auch nix anderes als eine mafiöse Vereinigung.

  21. flummi März 29, 2012 um 7:51 nachmittags

    Also nochmal, es ging da um die Rede Schramms worauf er sich auf die Ohnmacht angesichts der Vernichtungspläne religiös verblendeter Armaggedonisten bezog. Die aber eben nicht losgelöst von dem ganzen Militärisch(missionarischen)Industriellen Komplexes betrachtet werden können.

  22. momorulez März 29, 2012 um 8:13 nachmittags

    Die Rede muss ich mir erst noch anhören :) – ich fand ja schon Flatters Eintrag etwas verstörend und wusste nicht recht, was der da wollte.

    Das mit den somalischen Piraten habe ich auch anders gelesen, aber das braucht man ja vielleicht hier nicht vertiefen :D

  23. flummi März 29, 2012 um 8:20 nachmittags

    Du meinst jetzt sicher auch wieder die Fischbestände, die sich erholt hätte, das ist möglichu. wäre in der Tat sehr erfeulich, wobei ich nicht weiss ob es wirklich so ist. Nichts desto trotz sind es nicht die Fischer selbst, die sich als Piraten organisiert habe, sie wurden nur angeheuert: Es kommt von den Raubzügen u. Erlösen rein gar nichts bei der Bevölkerung an! (siehe zitat)

    “VERBRECHEN VS. VERBRECHEN.
    Freunde sagen mir: Die Piraten muss man verstehen. Industrielle Riesenschiffe aus Europa fischen die Territorialgewässer auch der ostafrikanischen Staaten leer. Die arbeitslosen Fischer werden zu willigen Helfern international operierender Piratenorganisationen. Deren Hintermänner verdienen wöchentlich mit dem gestohlenen Frachtgut oder dem Lösegeld astronomische Summen. Sie sitzen in den Hotelpalästen oder Bürotürmen von Nairobi, Paris und Addis Abeba.
    Verbrecherisch ist beides: Die Piraterie und die Plünderung der Fischgründe. Eins bleibt aber glasklar: In Somalia sind drei Millionen Männer, Kinder und Frauen vom Hungertod bedroht. Nur das Uno-Welternährungsprogramm erhält sie vorläufig am Leben. Und dessen Schiffe müssen geschützt werden. Auch von der Schweiz.”

  24. flummi März 29, 2012 um 8:32 nachmittags

    Ach ja und dass sich “Juden Christen Muslime und Hindus” alle einig wären, wenn es um Herrschaft geht, war letztlich er Grund, warum ich mich dort eingelinkt habe. Weil es eine völlig unzulässige Verallgemeinerung ist.

  25. momorulez März 29, 2012 um 8:58 nachmittags

    Das Somalia-Thema ist ja gerade im postkolonialen Kontext zu sehen; dass dann Leute anfangen, eigene, und seien es “kriminelle” Strukturen, außerhalb der sonstigen Wirtschaftsordnungen aufbauen, weil sie von diesen Ordnungen nicht profitieren oder allenfalls indirekt durch Almosen, das ist doch klar. Finde das ein bißchen schwierig, mich dann hin zu stellen und das so zu beurteilen, als sei das nun in einer Reihenhaussiedlung in Oberhausen geschehen, nachdem die Zechen da dicht gemacht haben, weil das Recht, das in Anschlag gebracht, sowieso nur jenes der irgendwo anders ökonomisch Herrschenden ist.

    Und “Religion und Ökonomie und Herrschaft”, da kann man einfach nicht so einen Scheiß wie “Goldmann Sachs und die Juden” raus hauen. Weil das ganz verschiedene Formen sind – dass irgendwelche Herrscher von Gott eingesetzt seien ist ein traditionales Modell, dass karitative, an freie Gemeinden gekoppelte Organisationen das, was wir als “Sozialstaat” kannten, ersetzen, um zugleich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu verbreiten, ist ein anderes, das Vatikanbank-Mafia-Modell ist noch mal ein anderes, und das Einwirken des Papstes und von Santorum auf das staatliche Gewaltmonopol noch mal wieder was anderes, da bin ich ganz bei Dir. Das Kastensystem haben wir zudem faktisch auch.

    Was alles selten mal Thema, diese unselige Verknüpfung von “Juden”, “Kapitalismus”, “Banken” und “Börse” hingegen ist eines der fatalsten, was auch fortwährend von vermeintlichen Antisemitismuskritikern reproduziert wird, um Juden zum Verschwinden zu bringen. Das hat eine gänzlich andere Historie als all die anderen genannten Strukturen, weil Juden erstmalig seit der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 im aktuellen Israel die gesamtgesellschaftlich dominante Gruppe sind und sonst nie und nirgends waren oder sind. Im Gegensatz zu all den anderen Weltreligionen.

    Lasst uns über die Aleviten reden.

  26. flummi März 29, 2012 um 9:21 nachmittags

    ach Momo, es wird von Tag zu Tag schwieriger, mittels Sprache Klarheit in diesen ganz Irrsinn zu bringen. Es bedarft tiefgreifender Recherche und das Durchdringen des gesamten Scheiß-Komplexes, es bedarf der Sprengung dessen, (Gruß an den Geheimrat!) was diesen Scheißkomplex in seinem Inneren zusammenhält!

    Es gibt da ja auch noch diese Vatikanbank für deren Machenschaften man auch nicht “Die Katholiken” verantwortlich machen kann, sonderen eben diejenigen, die hier operieren.

    http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/neuer-skandal-um-die-vatikanbank-boese-erinnerungen-werden-wach/

  27. flummi März 29, 2012 um 9:28 nachmittags

    Ach u. wenn wir schon dabei sind: Was diese P2-Loge betrifft (siehe link) , da möchte ich doch nochmals drauf hinweisen, dass das keine Freimaurerloge war, sondern ein Tarnverein der Faschisten. Soviel Differenzierung muss schon sein. Ich zietiere hier mal ein statment einer Freimauererloge, dass ich mir mal abgespeichert habe (was sich da heutzutage so alles innerhalb dieser Logen abspielt, weiss ich natürlich nicht, interessiert mich auch nicht besonders u. das soll hier auch keine Thema sein. ich will das nur eben mal wieder differenziern)

    “In den 80-er Jahren war in deutschen Zeitungen viel über den angeblichen Freimaurerskandal in Italien um die sogenannte Loge „propaganda due” zu lesen. Viele Kommentatoren setzten Mafia und politische Schmutzwäsche mit Freimaurerei gleich. Der Schaden für das öffentliche Ansehen der Freimaurerei auch in Deutschland war enorm.

    Was ist damals wirklich passiert?

    Im letzten Jahrhundert verkündete der Papst das Dogma seiner Unfehlbarkeit Daraufhin traten viele, vor allem wohlhabende und gebildete Italiener aus der Katholischen Kirche aus.
    Die katholische Kirche rief daraufhin ein “movimento propaganda uno” ins Leben, das die Konzilsbeschlüsse den Gläubigen in Form einer Öffentlichkeitsarbeit erläutern sollte.

    Die Gegner des neuen Dogmas gründeten daraufhin eine Gegenbewegung “movimento propaganda due”, aus der die Freimaurerloge „P2″ hervorging. Diese Freimaurerloge arbeitete bis 1904.

    Nach dem 1. Weltkrieg entstand daraus eine neue Freimaurerloge „P2″, die bis zum Verbot der italienischen Freimaurerei durch Mussolini in den zwanziger Jahren existierte.
    Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese Freimaurerloge wiederbelebt und damit entstand in Rom nun die dritte Freimaurerloge, die den Namen P2 führte. Diese Freimaurerloge nahm jedoch keine Suchenden aufnehmen auf, sondern nur Freimaurer.
    Der Dreh- und Angelpunkt des P2-Skandals Licio Gelli war in Rom als Wirtschaftsfunktionär tätig war und wurde in dieser Zeit zum Freimaurer eingeweiht.

    Licio Gelli veruntreute jedoch als Schatzmeister die Kasse seiner Freimaurerloge und wurde umgehend aufgrund seines kriminellen Verhaltens aus der Freimaurerei und damit aus allen Freimaurerlogen ausgeschlossen.

    Die Freimaurerloge „P2″ löste sich Anfang der 80er Jahre auf und die verbliebenen Freimaurer wechselten in andere Freimaurerlogen. Es existierte fortan KEINE Freimaurerloge mit dem Namen „P2″.

    Licio Gelli jedoch gründete einen Geheimbund namens „P2″, der jedoch NIE
    in irgendeinem Zusammenhang mit der Freimaurerei stand, geschweige denn von ihr je
    anerkannt wurde. Gelli konnte seine geheime Institution „Loge” nennen, da dieser Begriff nicht gesetzlich geschützt ist.

    In diesem Geheimbund wurden dann tatsächlich Politiker, Kirchenmänner, Mafiosi, Geheimdienstleute, Wirtschaftsbosse und Medienleute aufgenommen mit dem Ziel, eine konservativen Machtübernahme in Italien vorzubereiten. Der Rest ist bekannt, der Skandal flog auf, die italienische Regierung musste zurücktreten. Das Besondere an dem Skandal ist, dass angeblich auch der alte/neue italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi Mitglied dieses Geheimbundes gewesen sein soll.”

    Verbingungen zu diesem Verein der Faschisten hat übrigens auch dieser Verein –
    Der Orden der “Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem”
    siehe indylink von 2004

    http://de.indymedia.org/2004/05/83980.shtml

    Hans Filbinger der gerade im hohen Alter noch mal deutsche Geschichte schreibt
    ist u.a. Mitglied im Orden der
    “Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem”
    Hier Informationen über diesen gesellschaftlich (Politik/Wirtschaft) extrem einflußreichen Katholischen Orden, der in der Tradition der Kreuzzüge steht
    ein älterer link auf indymedia

    so, jetzte langts dann auch mir ;-)

  28. momorulez März 29, 2012 um 9:31 nachmittags

    Ja, die Vatikanbank hatte ich ja oben auch erwähnt – das ist ja bei den meisten christlichen Sekten so, dass die wahlweise in ökonomische oder kriminelle oder irgendwas dazwischen Machenschaften wahlweise direkt verstrickt sind oder aber diese flankieren. Wie das zum Beispiel im Falle des Islam ist, das weiß ich lediglich ein klein wenig im Falle des Iran; bei den reinen Rohstoffe exportierenden Ländern wie Saudi-Arabien scheint es ja reine Herrschaftssicherung zu sein. Im Iran ist die Lage komplexer. Ansonsten weiß man da ja eher wenig.

  29. ziggev März 29, 2012 um 9:32 nachmittags

    … zu den Herrnhutern: Momo kannst Du das mit den kolonialen Kontexten etwas differenzieren bzw. etwas genauer werden? – Und die Kästner-Geschichte, ja, kann ich mit vorstellen, dass da was dran ist.

    Aber bevor jetzt Pietismus und die Herrnhuter gleichgesetzt werden, möchte ich ein wenig für die Herrnhuter die Lanze brechen u. daran erinnern, dass Anton Reiser

    http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Reiser

    wie auch Goethe da Zuflucht fanden. Die Herrnhuter verfolgten, wenn ich das nach einiger aber einigermaßen lange zurückliegender Lektüre richtig erinnere, ein eher praktisches Missionskonzept. Sehen, was vorzufinden ist, dann da anfangen. Oft waren das Laien, Handwerker, die da als erste plötzlich in (Heute:) Südafrika oder Alaska auftauchten und nicht immer überlebten. Die kamen nicht mit dem Schwert, unabhängig von staatlicher Macht, die Waffen der Konquistatore wurden ja noch von der Heiligen Katholischen Kirche gesegnet, bevor es mit dem Abschlahten losging.

    Natürlich war und ist Sklaverei Barbarei, aber nach dem, was ich gelesen habe (und ich mich erinnere). wird denen auch eine zivilisatorische Rolle zugeschrieben. Plötzlich gab es auf St Thomas auch mal ne Schule oder einen Friedhof für die Sklaven (oder sogar überhaupt mal auf der Insel). Und dann ist da natürlich noch die Geschichte vom Zinzendorf, der, als er St. Thomas besuchte, die im Gefängnis gesessen habende Sklavin nach höfischer Sitte behandelt haben soll. Er hatte erwirkt, dass die aus dem Knast kam: Nachdem ein weißer und einer Schwarze (dieselbe) geheiratet hatten und natürlich gleich das (vergessense) enstsprechende Gesetzt ausgegraben worden war, demzufolge das verboten war, war dann, klar, die Braut in den Bau gewandert.

    Beim Link von flummie finden sich unter “Sonstiges” ein paar Beispiele für den typischen, pietistischen Verniedlichungskult, welchen Zinzendorf dann doch einzudämmen versuchte. So lange lag der Dreißgjährige Krieg als prägende Erfahrung für den Barock doch nicht zurück.

    Bei Wicki nicht erwähnt, das N”***lein.

    Ach, und dann ist da Comenius, der erste, der auf europäischem Boden mit Summerhill anfing, also mit von irgendwelchen adeligen gesposorte Schulen, wo Prügeln strikt untersagt war, mit dem Motto, es solle alles vom Schüler ausgehen. Die erste bebilderte Lateinfibel als Schulmaterial.

  30. flummi März 29, 2012 um 9:45 nachmittags

    @ ziggev
    ich muss gestehen, ich weiss nicht viel über die Herrnhuter, ich bin da ja nur zufällig hingeraten und beziehe mich lediglich auf diese Erfahrung. Ich wurde dort von einem sogenannten “Ältestenrat” geprüft, das waren lauter alte weisse Männer mit toternsten Gesichtern die mir nichts als Angst u. Schrecken eingejagt haben. Ich weiss gar nicht mehr wie es da überhaupt noch zu der Konfirmation hat kommen können.
    Auch die Eltern meiner Freundin aus dieser Gemeinde waren für mich fruchteinflössend, waren beide Ärzte die früher in Indien lebten. Die waren durch u. durch humorlos u. irrsinnig streng. Als ich da mal zum Mittagessen war u. mir das Essen nicht schmeckte, luden die mir den Teller erst Recht voll u. ich musste solange sitzen bleiben, bis der Teller leer war, einschließl. des Wackelpuddings zum Nachtisch. Ich saß dann da allein bis zum Nachmittag u. würgte mir das zeugs rein, weil die Kinder in Indien ja so arm sind – danach kotzte ich mir die Seele aus dem Leib u. wollte dort nie wieder hin.

  31. momorulez März 29, 2012 um 10:21 nachmittags

    @ziggev:

    Das sind ja so Mythen, die von christlicher Seite gerne verbreitet werden denen Du aufsitzt. Ich kann jetzt nicht das ganze noch mal ergoogeln, was ich mir da neulich zusammen gegoogelt habe, aber die brauchten ja in der Regel auch kein Schwert schwingen und konnten wohlfeil denen predigen, die Schwarzen die Beine amputierten. Was sie ja taten. In der Tat kursierten die Stories, die Herrnhuter hätten dieSklaven ja wenigstens als Menschen sehen, aber in was für einem Kontext denn bitte da z.B. auf St. Thomas? Und was hieß es, dieses Ineins von Missionieren und “Bildung” verbreiten, die Missionare taten? Das Hineinsozialisieren in einen leibfeindlichen, unterwürfigen Glauben. Klar spukten dann auch immer irgendwo irgendwelche Mutter Theresas herum und kümmerten sich um Kranke und Arme, die der Kolonialismus produzierte, aber das im Zeichen dieser janusköpfigen “Zivilisierungs”mission, die nur Entfremdung und Zerstörung mit sich brachte. Da kannst Du doch das pietistische Getue nicht lösen von den ökonomischen Bedingungen, das hat diese schlicht gestützt. Das einzig mir bekannte Beispiel, wo Christen mal anders agierten, waren die Jesuiten in Paraguay. Ich kann diese ganze Frömmelei gar nicht mehr anders als eine ganz besonders fiese Form des Sadismus begreifen, der noch salbungsvoll lächelnd sagt, es geschähe ja nur zu deren Besten, wenn er die Peitsche schwingt. Christentum ist, sich für das, was einem angetan wird, auch noch schuldig zu fühlen. DAS haben die ganzen Zivilisationen eingeimpft.

    Natürlich sind Herrnhuter nur ein pietistisch inspirierter Sonderfall, wenn ich mich nicht vergoogelt habe.

    Diese ganze Christianiserungspraxis im Kontext der Sklaverei ist freilich ein ziemlich spannendes Thema. Die Herrnhuter wollten wohl tatsächlich christianisieren, um die Sklaven zu Menschen zu MACHEN. Ansonsten entmenschlicht diese Meute traditionell, so als Erfindung der Römer, die Barbaren. Kann man doch am Islam im Moment gut sehen, was für Bilder da erzeugt werden. Vielleicht waren die Pietisten nicht ganz so grausam wie die Puritaner. Da gibt es ja Berichte von so called “Indianern”, die schier fassungslos angesichts derer Brutalität waren. In Nordamerika gab es zudem starken Widerstand dagegen, dass sich die Sklaven christianisierten. Auch von Pietisten. Weil diese das als Vehikel nutzten, in sozialen Hierarchien aufsteigen zu wollen im Sinne der Gleichheit vor Gott, was ja ein dem Monotheismus innewohnender egalitärer Gedanke ist, der vom Katholizismus schnell erkannt und ausgemerzt wurde, im Protestantismus aber dann doch nicht zu tilgen ist.

    Es ist nur frappierenderweise so, alles unter dem Vorbehalt, dass ich das gerade erst ergoogelt habe, sowohl in der “Spiritual” und “Gospel”-Tradition als auch in der später von Ratzinger harsch bekämpften Befreiungstheologie, dass die Exodus-Story, das jüdische Erbe, als besonders attraktiv erschien – was, ich verkürze stark, dann auch zum “Babylon” der Rastafari führte.

    Ich gebe ja gerne zu, dass meine Recherchereisen zumeist den Ursprung haben, dass ich mich frage, wie eine imposante Frau wie die liberianische Präsidentin auf so einen Scheiß kommt wie jenen, dass Homosexualität “unafrikanisch” sei. Dann recherchiert man der Geschichte Liberias hinterher – rückzwangsübersiedelte, “befreite” Sklaven wurden an der Küste angesiedelt, damit irgendwelche Weißen daraus eine Kolonie machen können. Diese Christianisierten treffen auf verschiedene traditionelle Riten der Nachfahren jener schwarzen “Zwischenhändler”, die die Schwarzen aus dem Inland an die Sklavenhändler verscherbelten. Die Nachfahren der Verscherbelten bilden nunmehr die Oberschicht, was noch in den Bürgerkriegen des letzten Jahrhunderts nachwirkt.

    Sorry, dagegen sind die frommen Anekdötchen über Schimmelmanns Pietisten einfach nur Erinnerungsfolklore derer, die bis heute nicht wissen, was für Riesenarschloch da im Ahrensburger Schloss gewohnt hat. Der hat doch gezielt seine Humanisten ins afrikanische Inland vorgeschickt, um zu checken, ob es nicht billiger ist, gleich Afrika zu kolonisieren, als ständig diesen ganzen Ausschuss auf den Sklavenschiffen zu haben, bei all denen, die auf dem Weg zum Zuckerrohranbau auf St. Thomas krepierten, u.a. die Frauen, die lieber ins Wasser sprangen, als vergewaltigt zu werden. Aber vielleicht gab es ja Bordpfaffen, die predigten, dass man so was doch nicht macht.

  32. ziggev März 29, 2012 um 10:43 nachmittags

    nein, ich sitze nicht auf, (jetzt nur mal schnell, wo ich eben anfange deinen Text zu lesen, das habe ich gerade deshalb geschildert, um eben andere Sichtweisen z lesen zu bekommen).

  33. ziggev März 29, 2012 um 10:59 nachmittags

    @ flummie: bei mir war es zuletzt der Großvater, der eigentlich von Anfang an keinen Bock mahr auf den Job als Pastor hatte. Dann war Schluss.

  34. momorulez März 29, 2012 um 11:07 nachmittags

    @ziggev:

    Mein Kommentar ist ja auch ein Kreuz-(harhar)und-quer-Parcours; wollte da neulich schon zu bloggen und es war mir zu komplex :) … jetzt also so. Musste raus.

  35. ziggev März 29, 2012 um 11:26 nachmittags

    okay., hab ich mir schon gedacht ;-)

  36. momorulez März 30, 2012 um 9:50 vormittags

    @ziggev:

    Dieser Anton-Reiser-Link ist einfach christlicher Kitsch, sorry.

  37. ziggev März 30, 2012 um 8:57 nachmittags

    cht? dann sorry. den Anton Reiser finde ich aber nach wie vor klasse.

    u. wenn das christilcher Kitsch ist, dann war der Link etwas ungeschickt, denn die Rolle, solchen zu verbreiten, hatte ich ja im Moment mir zugedacht ;-)

    ich finde es einfach immer wieder faszinierend, dass früher die Leute auch schon gute, dieselben, Gedanken hatten, es seien genannt “Bundschuh”-Lieder (Bauernkriege), das “fahrendes Volk”, per Los bestimmen, wer nun die nächste Woche oder Monate der Pastor ist (lange vot Luther), kommunistische oder urdemokratische Ansätze, die es in Europa auch immer schon gegeben hat, der Gedanke der Kommune, eben Summerhill, im Achtzehnten Jahrhundert.

  38. ziggev März 30, 2012 um 9:53 nachmittags

    oder, mit einem Wort: Bloch !

  39. ziggev April 1, 2012 um 3:33 nachmittags

    ich wollte keine Diskussion abschneiden. ist ja mehr mein Thema, aber da wären wir auch bei den Kathrarern, dem Waldensern, und, da hier ja schon zur Sprache gebracht, vielleicht sogar bei der Gnosis …

    bitte mach weiter da wo du jetzt bist, das find ich interessant, die Lektüre in punkto Christentum mitzuverfolgen. ich bekenne, als erklärter Baghwanist fällt es mir schwer, es anzunehmen, dass es den historischen Jesus nicht gegeben habe. schließlich las ich die heilige Schrift, das Neue Testament (aber beim Johannis hab ich schlapp gemacht, war mir zu brutal) erst, als Osho mir den Mund wässerig gemacht hatte, sooft von demselben zitiert, mit lustvoller Erwartung auf einen einmaligen Text.

    Jesus, der ihm besser schmecke, selbst als Buddha, derjenige, der ausrastete und die Händler aus dem Tempel vertrieb, hätte mehr Salz. die Sache wäre einfach: Jesus sei ein erleuchteter Meister gewesen, nur habe es ein sprachliches Problem gegeben, deshalb die vielen wunderschönen Gleichnisse. Bis auf Johannes, wie gesagt, habe ich das gern gelesen.

    ich war also genau entgegengesetzt vorgegangen. Jesus war der personal-Heiler. Nun ist es ironischerweise so, dass ein Osho-Schüler, Sloterdijk, damit ankam, zu sagen, diese eins-zu-eins Beziehung Ich-Gott würde das moderne Subjekt überforden. Und dann die Untersuchungen zur Gnosis des Genannten.

    Noch eine Bemerkung zu Bloch, wo sonst hätte ich je einst von den Joachimiten gelesen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Joachimiten

    Und weil der Zufall es so wollte, gestern im ZDF das Schlusswort im “Nachtstudio”, vorgelesen von Herrn Panzer, Zitat, Comenius: “Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen“.

    die Reformation begann nicht mit Luther, es gab immer Gegenbewegungen, der Pietismus muss auch vor dem Hintergrund des 30jährigen Krieg gesehn werden, Europas ist sogar reich an anarchistischem Gedankengut! alles nur ein Irrtum, ich tue mich ein wenig schwer …

  40. momorulez April 1, 2012 um 5:48 nachmittags

    Andere Autoren wie z.B. Gerd Lüdemann, die “echte” von “unechten” Jesus-Worten unterscheiden wollen, gehen ja immerhin auch davon aus, dass zumindest 5% echt sind :) – dass Jesus eine Art radikalpazifistischer, die Apocalypse predigender Landjunge unehelicher Herkunft gewesen sei, trinkfest und sinnenfroh, der sich ziemlich gewundert hätte, hätte er noch mit bekommen, dass man ihn als Gottessohn verehrt. Lüdemann hält eher das Sich-Sorgen um die Armen und Geächteten für wahr. Wieder andere halten Jesus für einen Essener, einen die Ehe verweigernden Asketen. Und Osho hebt ja meines Wissens stark auf das Thomas-Evangelium ab, das den Gedanken der Kirchengründung explizit zurück weist, das Licht Gottes in jedem Einzelnen wähnt und wie auch die hypothetisch angenommene Spruchquelle Q weder Kreuzigung noch Auferstehung kennt.

    Letztere spricht doch wieder für eine römische Verarschungsstrategie, weil die Analogien zum Opferlamm des Pessach-Festes und Jesus als Menschenopfer einfach bis in die Datierung zu deutlich sind und sich bis zur Oblate noch im christlichen Abendmahl wieder finden. Das kann man als Anknüpfen an jüdische Wurzeln verstehen, mir kommt das aber schon, na, kurios vor, den Sohn Gottes nun als Fortsetzung geschlachteter Lämmer zu denken, nachdem er zuvor lammfromm verkündete, man solle seine Feinde lieben. Das hat schon was von römischer Grausamkeit, zudem meines Wissens das Pessach-Fest ja den Exodus feiert, also die Flucht vor den Unterdrückern. Ein wenig Ironie könnte da schon am Wirken sein.

    Was aber nix gegen einen spirituellen Jesus spricht, das ist aber ein anderer als der der christlichen Kirchen. Was Osho und Chopra da finden, das ist ja wirklich eine andere Ebene der Wahrheit, und einen Shiva würde ich mir auch nicht buchstäblich-historisch, sondern als Prinzip vorstellen, das literarisch verdichtet etwas erzählt, was mit der Kantischen Vernunft, wie dieser selbst ja auch sagte, nicht erfasst werden kann. Dass Hegel in seiner Hybris das noch mal versucht hat spricht gegen diesen.

    Jesus ist nur, wie schon dieser Kommentar zeugt, viel uneindeutiger – Du kannst da die Askese, den Pazifismus, das Sozialrevolutionäre, aber auch das Schwert, die Apocalypse, die Verdammnis, die Erlösung, ja, sogar jede Menge Homoerotik finden – was für mich eher wie eine Kompilierung existenter Mythen, Osiris, Dionysos, Mithras, sogar Buddha wirkt. Die ja alle nun auch ihre Berechtigung haben, wie Homer sie eben auch hatte.

    Es ist nur im Zuge der Kanonisierung alles gnostische ausgetrieben und alles Platonische verflacht worden zugunsten einer Verbuchstäblichung und der sich formierenden Institution Katholische Kirche. Und da ist viel Blödsinn, aber auch sehr viel Wundervolles auf der Strecke geblieben.

    Die lustigte Theorie fand ich gestern auf einer seltsamen Internetseite, die behauptete, Jesus sei stockschwul und deshalb das Böse gewesen und habe mittels magischer Praktiken den Heterosexuellen Johannes zu seinem Lustknaben gemacht, was die Kirchenväter angeblich auch wussten :D – und der kuschelt sich ja auch an Jesu Brust beim letzten Abendmahl, der Johannes.

    Irgendwie findet da jeder, was ihm gerade in den Kram passt.

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