Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

“Es ist unser Land” – nur wessen?

Präsident Gauck. Die Feuilleton-Lyrik überschlägt sich gänzlich unprosaisch derzeit: Präsident Moses zum Beispiel. Ein bißchen geschmacklos finde ich das schon, nun ausgerechnet Moses anzuführen bei einem Gewählten, angesichts dessen Kür zum Präsidenten der Leiter des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem vor Rückfällen in der Aufarbeitung der Shoah warnt.

Der Seelsorger der Nation. Stand auch irgendwo.

“Lass bloß meine Seele in Ruhe, Gauck!”, möchte man dem Herren Pastor zurufen. Für den Irrsinn der Print-Schmierfinken kann er aber nix. Es fällt trotzdem auf, dass die biblischen Bilder ziemlich aufdringlich im Blätterwald rascheln. Als sei dem Wulff das wirklich nicht vergeben worden, dass er den Islam als Deutschland zugehörig betrachtete. Und nun ist das seit 2000 Jahren angekündigte Königreich Gottes immer noch nicht da, aber dafür das Reich der Freiheit Gaucks!

“Gauck hat das Zeug zum Aufbruch in neue Gefilde. Er verkörpert den Auszug aus dem Reich der Unfreiheit und die Ankunft im verwirrenden, unübersichtlichen Reich der Freiheit. Eine Premiere: Zum ersten Mal in ihrer schon mehr als sechs Jahrzehnte währenden Geschichte bekommt die Bundesrepublik einen Präsidenten, der keiner Partei angehört.”

Aber einer politischen Organisation wie der Kirche. Na ja. Und deutsch ist er. Er durfte das auch sofort sein, damals, nach der “Wende”. Die BRD-Staatsangehörigkeit hat man solchen wie ihm ja prompt angedient. Habe ich nie verstanden. Voller Pathos referierte er auch heute wieder von seiner Nachwendeerfahrung:

Die Menschen, die damals zur Wahl strömten, lebten noch im Nachhall der friedlichen Revolution, als wir ‘das Volk’ waren und dann die Mauern fielen. Ich selber hatte als Sprecher des Neuen Forums in Rostock daran mitwirken dürfen. Wir waren schon frei von Unterdrückung. Jetzt schickten wir uns an, Freiheit zu etwas und für etwas zu erlernen. Nie werde ich diese Wahl vergessen, niemals. Weder die über 90 Prozent der Wahlbeteiligung, noch meine eigene innere Bewegung. Ich wusste, diese meine Heimatstadt und dieses graue, gedemütigte Land – wir würden jetzt Europa sein.

Sei ihm und allen anderen ja von ganzem Herzen gegönnt – aber wenn jemand ausruft “Es ist unser Land!”, steht der jedem Nationalstaat immanente Widerspruch mitten im Wohnzimmer und steckt mir – “Ätschbätsch” – die Zunge heraus. Weil ja in dieser Formulierung notwendig mit drin steckt, wessen Land das NICHT ist.

Im Online-Auftritt der Sueddeutschen wurde konsequent gedroht, dieser Pastor als Präsident würde nun ermöglichen, endlich, ein Novum!, mal zu diskutieren, was zu “deutsch” gehört und was nicht. Finde den Artikel nicht mehr.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht wissen möchte, was viele Griechen, Spanier, Portugiesen aktuell denken, wenn Gauck und Merkel Angst einjagen mit “Wir sind Europa!”-Gesängen – erinnere mich gut daran, wie noch zur Wendezeit viele Wohnschiffe im Altonaer Hafen lagen und man in 112er-Bus von vielen PoC umgeben dort hin fuhr. Gefiel mir.

Dauerte nicht lange nach dem Mauerfall, und die waren alle wieder weg. Die konnten auch nicht wählen und die neu gewonnene “Freiheit” nicht genießen, so wie der Herr Gauck, der ja im Gegensatz zu anderen Bürgerrechtlern gleich einen Super-Job bekamen. Vielleicht wäre einiges wirklich anders “aufgearbeitet” worden in der Stasi-Unterlagen-Behörde, wenn stattdessen die Vietnamesen gleich vor der Stalltür der Schäfchen des Seelsorgers Gauck diese geleitet hätten. Also die, die in Lichtenhagen abgefackelt werden sollten (wer hat in dem Artikel bei Wikipedia eigentlich herum gepfuscht? Voller Verschwörungstheorien).

Was ist aus denen eigentlich geworden, die damals Objekt der Pogrome waren? Weiß das irgendwer? Googelnd habe ich nichts gefunden.

Das wäre doch mal ein Thema für Gauck: Freiheit nicht nur für Deutsche in Deutschland!

Ich finde das ja bis heute unplausibel, dass die DDR der BRD beitreten durfte, die Wohnschiffe aber nicht. Und die ganzen versuchten Mörder in Hoyersverda und Lichtenhagen wurden noch dafür belohnt, dass sie fackelten.

“Die Debatte um Ursachen der Geschehnisse wurde schnell mit der Diskussion um das deutsche Asylrecht verknüpft. Nur wenig später und von einigen CDU-Politikern mit der Begründung, in Zukunft Attacken wie in Lichtenhagen verhindern zu wollen, wurde das Asylrecht so geändert, dass es für politische Flüchtlinge erschwert wurde, in Deutschland als Asylsuchender anerkannt zu werden.”

Freiheit! Verantwortung! Sie genossen die Mitbestimmung, die nun möglich war! Ausländer raus! Da kann “Präsident Moses” nun auch nix für, trotz seiner Mutbekundung für Sarrazin – es ist aber finster, wenn die Schattenseiten für die Anderen der Freiheit für die Einen nicht mit berichtet werden.

Habe dann einfach mal geguckt, was passiert, wenn man “Gauck” und “Lichtenhagen” googelt. Fand zum einen diesen sehr interessanten Text. Und das hier:

„Rassismus und neonazistische Tendenzen seien aber kein rein ostdeutsches Problem, betonte Gauck. „Es gab nicht nur Rostock-Lichtenhagen, sondern auch Mölln.“ 

Was natürlich viel wichtiger ist als die Frage, was eigentlich aus den Vietnamesen wurde und wieso keiner von denen heute zum Präsident gewählt wurde. Vielleicht hat er das ja da auch erzählt. War ja nur ein Auszug.

Ja, klar, die gab es auch vor der Wende schon im Westen. Und es gab auch Solingen.

Aber was will der Bürger auf Abruf uns damit sagen? Und hat er die Opfer auch erwähnt?

Immerhin stand er, wie in dem Link ja auch zu lesen ist, einem Verein gegen “Vergessen und für Demokratie” vor. Einem, der offenkundig Fan der Extremismus- wie auch der Totalitarismustheorie ist, klickt man ein wenig auf der Seite herum. Bestimmt sitzen da ja Lichtenhagen-Überlebende im Vorstand, wo das Ganze doch gegen das Vergessen gerichtet ist … äh … also, das ist schon verblüffend, wer sich da so alles auflisten lässt. Na ja, ist halt deren Land.

Die können sich bestimmt alle prima daran erinnern, wie das wahlweise war, als schwules KZ-Opfer nie entschädigt worden zu sein und inhaftiert zu bleiben, in Bautzen einzusitzen, die Oma in Majdanek vergast bekommen zu haben oder in Rostock in einem Plattenbau zu sitzen, der von einem blutrünstigen Mob gestürmt wird. Vielleicht der eine oder andere ja wirklich.

Immerhin: Die Anti-Amnesie-Beauftragten starten jetzt Internetportale für “Zivilcourage”, also das, was mutmaßlich von der Hamburger Polizei im Fall des Schweinske-Cups mit Pfefferspray geahndet wurde. Macht ja Sinn angesichts des Transparentes da in Dortmund gestern. Interessant übrigens, dass die zum Glück (!!!) opponierenden anderen Dortmunder laut Kommentarsektion mit der Identitätsfrage geantwortet haben: “Wir sind Borussen und ihr nicht”. Da scheinen die Werderaner pfiffiger gewesen zu sein, indem sie sich gesanglich verschwulten.

Und dann klickt man sich so kreuz und quer durch dieses “Sport mit Courage”-Portal, Glossar Rechtsextremismus, und ist verblüfft – Homophobie taucht da gar nicht auf. Gefördert vom Bundesministerium des Innern und der Bundeszentrale für politische Bildung. Da würde sich der Braune Mob aber freuen, wenn ihm das auch mal widerfahren würde. Wird aber ja nicht von Diepgen, Gauck, Burda und Althaus unterstützt, dann geht das wohl nicht. Ist ja deren Land.

Auch sonst sind da lustige Thesen zu erfahren. Höchst informativ. Das hier zum Beispiel:

“Rechtsextrem ist ein Mensch weder von Geburt an, noch ist rechtsextrem zu sein eine Krankheit. Rechtsextreme Orientierungen sind auch nicht ethnisch oder kulturell bedingt.

Rechtsextrem zu werden ist eine bewusste Entscheidung eines Menschen.”

Nicht kulturell bedingt? Nicht ethnisch? Also, ich würde schon sagen, dass ein Selbstverständnis als arisch, volksdeutsch oder wie auch immer noch die Unterschriftenkampagne von Roland Koch gegen die doppelte Staatsbürgerschaft befeuerte. Aber die war natürlich gar nicht rechtsextrem. Auch dieser ganze deutsche, kulturelle Überlegenheitsdünkel hat es rein zufällig in “Mein Kampf” geschafft.

Das tiefe, emphatische Verständnis für die Neonazis, Heitmeyer missbrauchend, im verlinkten Text erstaunt.

Denen fehlt einfach nur Anerkennung! Deshalb haben wir auch massenhaft Nazi-Hausfrauen, deren Hausarbeit ja oft  ebenfalls keine Anerkennung findet. Die wird es mit Sicherheit sogar geben. Aber eben nicht massenhaft. Das ist ein Hegel-Missbrauch, dieser Text. Und diese Szenen mittels der “Entscheidungsfindung” aus kulturellen Zusammenhängen heraus zu lösen, das liest sich ja wie eine Karrikatur der “Rational Choice”-Theorie der Volkswirtschaftler. Das ist lustigerweise auch die Grundlage dieser von Gauck allseits proklamierten “Verantwortungsethik”, sozusagen ein existentialistisches Erbe inmitten des Liberalismus, und ja, man glaubt es kaum, wie sehr Neonazis bereit sind, Verantwortung zu übernehmen! Und dass sie sich dabei sehr sicher sind, einer ganz großen Sache zu dienen, davon ist auszugehen.

“Jugendinfo”, bei “Sport mit Courage” verlinkt, will sie gerne heim ins Reich holen:

“Im Umkehrschluss bedeutet das, dass gesellschaftliche Integrationserfahrungen der Hinwendung zu rechtsextremen und menschenfeindlichen Orientierungen entgegenwirken.”

Deshalb also die Homophobie in heterosexuellen Männerbünden, der Rassismus bei Mehrheitsgesellschaftlern, der Sexismus bei Junggesellenabschieden: Alle nicht genug integriert in – äh, in was denn dann eigentlich? Hat aber vermutlich alles mit Rechtsextremismus gar nichts zu tun. Vielleicht ja mit christlichen Menschenbildern?

Das hätten sich die auf den Wohnschiffen auch gewünscht, dass sich solche Gedanken mal um sie gemacht würde … und erst die, die alltäglich im Mittelmeer absüppeln. Wir zollen euch Anerkennung! Wow! Das wäre was!

Das Kuriosum an dem Text ist ja, dass der INHALT und das HANDELN des Rechtsextremismus Mobbing bis zum Massenmord ist, dort aber die Nazis als Mobbing-Opfer erscheinen. Da soll mal einer draus schlau werden. Fällt bei der Täteranalyse irgendwie unter den Tisch, worum es dem Rechtsextremismus geht. Arme Schäfchen, die nur zurück in die Gemeinde geholt werden müssen. Aber dafür haben wir jetzt ja einen präsidialen Seelsorger, und alles wird jetzt gut! Amen.

11 Antworten zu ““Es ist unser Land” – nur wessen?

  1. Ring2 März 18, 2012 um 10:58 nachmittags

    “Was natürlich viel wichtiger ist als die Frage, was eigentlich aus den Vietnamesen wurde” … Interessant auch, dass das regionale Projekt der Nichtvergesser das Altonaer Rathaus im Dritten Reich betrachtet, und was den Beamten so geschieht. Noch interessanter, dass knapp 84% der Beamten seamlessly sich in das NS Regime integrierten: war ja ihr Land!

  2. momorulez März 18, 2012 um 11:10 nachmittags

    Wie hieß es neulich irgendwo treffend? Das “3. Reich” war eine Zustimmungsdiktatur, das nicht etwa wie Stalin politische Gegner ( oder solche, die er dafür hielt) meuchelte, sondern Menschen massenmordete, einfach weil die so waren, wie sie waren.

    Diese Totalitarismustheorie-Spinner hingegen kümmern sich nur und ausschließlich um die unterdrückten Mehrheiten durch ein politisches System, begreifen sie so als Opfer und bringen die gefolterten und massakrierten Minderheiten so erneut zum Verschwinden. Und ignorieren zudem ein der für Hannah Arendt zentrales und konstitutives Element totaler Herrschaft, den Imperialismus. Das geht zwar über den Text hinaus, ist aber in Zeiten, wo Antiimperialismus pauschal unter Antisemitismusverdacht gestellt wird, am Rande erwähnenswert. Das taucht nämlich auch bei der Analyse der DDR gar nicht mehr auf, dass das kein in sich begründetes und legitimiertes politisches System war, sondern nur im Zusammenhang der Konkurrenz zweier (!!!) imperialer Systeme zu dem wurde, was sie war.

  3. momorulez März 19, 2012 um 12:33 vormittags

    http://taz.de/Wahl-des-Bundespraesidenten/!89877/

    Etwas verkitschter Text; sei aber verlinkt, weil da etwas erfüllt wurde, was ich oben einfordere.

  4. Pingback: Der Tag hatte kackige Momente » Magischer FC

  5. T.Albert März 21, 2012 um 3:27 vormittags

    Ich komme mir jetzt endgültig wie im Staatsirrenhaus vor, also noch mehr als vor dem Gauck schon. Was da seit Wulffs Rücktritt ablief, um den Mann reinzukriegen ins *beschädigte” Amt und die Dauerkonsensbeschwörung mit der das von Parteien und Medien und Wirtschaft und “den Finanzmärkten” durchgesetzt wurde, ist zumindest ademokratisch und beabsichtigt respektlos den demokratischen Institutionen gegenüber. Dem dient auch der ganze Wulff-Komplex, als Kontrastmittel, wobei dem Wulff seine Islam-Rede wohl wirklich übel genommen wird und da müssen sie was geraderücken.
    Das ständige Gerede von “Freiheit” ,”Verantwortung” und “der Demokratie” und das an einen Mann zu binden, lässt in mir die merkwürdigsten Assoziationen aufkommen, wenn der Mann auch noch andauernd dafür gelobt wird, dass er kein Politiker sei und über den Parteien stehe. Aber der kommt zur Rechten Stunde, damit jetzt endgültig klargestellt werden kann, dass die DDR als “Zweite deutsche Diktatur” schlimmer als das 3.Reich war. Was ja seit 49 eigentlicher Konsens ist.
    Besonders grossartig und symptomatisch für ihr autoritäres Denken, das mit Freiheit des Einzelnen nicht viel am Hute hat, finde ich diese irrsinnigen Bezeichnungen, die sich die Jubeljournalisten für Gauck ausdenken: “Freiheitslehrer”, “Bewährungshelfer” usw., wo ich mich eigentlich nur fragen würde, ob die Leute noch alle Gurken im Glas haben, wenn es nicht so schlimm und paternalistisch arrogant wäre.
    Wie kommen die dazu, mir so penetrant und einmütig einen Freiheitslehrer zu empfehlen, dazu bei ständiger Betonung seiner Verantwortungslehre und seiner “christlichen” Doktrin vom Holocaust?

  6. momorulez März 21, 2012 um 9:28 vormittags

    Pastoralmacht – anderen nicht zutrauen, selbst Wege zu Glück und Seelenheil zu finden, sondern sich deren Sache zueigen zu machen und sie penetrant zu belästigen mit kanonisierten Heilsbotschaften. Da kommt denen so ein predigender Pfaffe einfach genau richtig, um wieder ihre Agenda des Zugriffs auf den Einzelnen installieren zu können, der allen die Ohren dicht quatscht mit seinem Glück in “Freiheit und Verantwortung”. Da haben die sich ja nie groß unterschieden von Ulbricht und Co, der ja anderen auch seine Vorstellung vom Kleinbürgerglück im Arbeiterschließfach Plattenbau aufbürdete, freilich ohne unehelich Schwangere in den Selbstmord zu treiben. Dafür aber Mauern bauend, die ja nicht weg sind – nur dass aktuell viele nicht rein dürfen und raus geschmissen werden, Ausschluss statt Einschluss.

    Ich frage mich ja auch immer, ob das koordiniertes Agenda-Setting ist, die Papst-Rede in Auschwitz,Gauck, das Gequassel von der “jüdisch-christlichen” Kultur, als habe es Augustinus und Luther nie gegeben, diese immer neu ansetzenden Versuche, das Befreiende an ’68 durch ’89 rückgängig zu machen. Gauck quatscht daher wie Franz-Josef Strauß.

  7. Loellie März 21, 2012 um 1:27 nachmittags

    Mir ging das auch schon durch den Kopf, dass dieser ganze Zirkus mehr mit der Islamrede zu tun hat, als mit Wulfs Vorteilsnahmen. Ueber die möglichen Implikationen müssen sich Wulf, dessen Umfeld und auch der Springerverlag doch auch schon vor dessen Nominierung im Klaren gewesen sein.

  8. T.Albert März 21, 2012 um 2:49 nachmittags

    Ja, Stoiber hat das ja in seiner Rede – Aschermittwoch?, weiss nicht mehr -, deren Gauck-Lob ich jetzt einige Male im TV gesehen habe, gesagt, warum er G. super findet, eben auch weil der Sarrazin zum Mutigen erklärt hatte. Interessant, was Stoiber inhaltlich aus Gauck zieht, wo der doch das alles angeblich ganz anders meint, als Stoiber sagt. (Ja, was soll ich denn gegen so einen haben? hat Stoiber ausgerufen.)
    Mein Gott,und Fotos von Gauck zwischen Verantwortungsethikern wie Maschmayer und Ferres auf irgendwelchen Parties kann man doch auch sehen, was ja zum gepriesenen bürgerlichen Engagement in diesem Verein gegen das Vergessen und seinem Chef-Personal passt.
    Dieses moralische Getue wegen Wulff, um einen der ihren vom Hof zu jagen, wird sich als der eigentliche Skandal noch herausstellen. Jetzt müssen sie nur sehen, dass sie die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Griff kriegen, damit die mit Wulff nicht zu weit geht, um gerichtliche Klärungen, die ja u. U. in seinem Interesse sein könnten, zu verhindern.
    Wulff haben sie schon seine “türkische” Ministerin nicht verziehen, andererseits konnten sie das als “Weltoffenheit” des “jugendlichen Bundespräsidenten” nutzen.
    Ich hoffe sehr, dass S. Gabriel sich bald in seinen dicken HIntern beissen muss, wenn er sieht, was er mit seinem Populismus angerichtet hat.

  9. momorulez März 21, 2012 um 2:59 nachmittags

    @Loellie:

    Das die Islam-Rede nachhaltig zur einvernehmlichen Demontage von Wulff führte, wo Herr Döpfner doch die gegenteilige Parole ausgegeben hatte und die BILD Sarrazin zum Superstar machte, das denke ich auch schon die ganze Zeit. Wieso der Wulff die Handy-Nummer von dem Gegelten hatte und was die sonst so miteinander besprochen haben, wenn sie miteinander telefonierten, das hat ja auch niemanden interessiert.

    @T. Albert:

    Der Gabriel hat sich bestimmt schon mehrfach in den Hintern gebissen. Und die Print-Medien sind sich bei Gauck alle viel zu einig, als dass die irgendwas berichten werden, was Pro-Wulff taugen würde. Der passt den allen viel zu gut in den Kram. Die haben alle so eine panische Angst davor, dass irgendwann ein Hamed oder eine Fatima auf einem Chefredakteurssessel sitzen könnte, dass annähernd alle Mainstream-Medien alles dafür tun werden, weiterhin alles Nicht-Weiße zu entmündigen oder auf die Spezialistenplätze abzuschieben. Die müssen partikular bleiben, sonst sind die Status-Vorstellungen einer ganzen Branche in Gefahr. So ein Pastor kommt denen da einfach gerade richtig. Der stabilisiert ihr piefiges, kleingeistiges Pfarrhaus-Weltbild.

  10. ziggev März 21, 2012 um 4:09 nachmittags

    ja, Angst ist eine gute Erklärung. Ich zögere, das Wort ‘Niveau’ in den Mund zu nehmen, aber es ist schon phänomenal, auf welch tiefes “Niveau” das Gequassel auf allen Kanälen sinken kann. So doof, wie die sein müssten, um sich so doof zu stellen, können die gar nicht sein. Und ich kann mir nicht recht vorstellen, dass da jemand freiwillig mitmacht. Angst ist da eine sehr gute Erklärung. “provozierende Reden wird er halten”, “Debatten anstoßen” (ein paar Kostproben, Sarrazin, lassen eher Schlimmstes ahnen) – im Moment passiert eben genau das Gegenteil. Das Ergebnis wird ein historischer Tiefpunkt der politischen Debatten”kultur” in BRD sein. Das ist es jedenfalls, was sich bisher abzeichnet. Insgesamt eine für alle peinliche Sache.

    @ “Dieses moralische Getue wegen Wulff, um einen der ihren vom Hof zu jagen, wird sich als der eigentliche Skandal noch herausstellen.”

    Das glaube ich auch. Nur wie das dann vertuschen? Ich befürchte die Tendenz, dass die Medien dann tatsächlich nur noch in sich selbst kreisen. Die heutige mediale Situation in die Zukunft gedacht, lässt nichts gutes Vermuten.

  11. momorulez März 21, 2012 um 4:48 nachmittags

    “Das Ergebnis wird ein historischer Tiefpunkt der politischen Debatten”kultur” in BRD sein. Das ist es jedenfalls, was sich bisher abzeichnet.”

    In der Tat. Das ist ja das Gespenstische, Wiedergängerische an dem ganzen Gegaucke, dass der neoliberal-arische Phrasensalat, den jeder katechismusgleich vor sich hin beten kann, nun tatsächlich quasi-religiös erhöht gepredigt wird, als hätte es weder Goldmann-Sachs noch Griechenland gegeben. Das wirkt wie eine Selbstvergewisserung von etwas, von dem alle wissen, dass es nie die Realität beschrieben hat. Und da ein Großteil der Journaille, die den Strukturwandel selbst ungemein krass in ihren Arbeitsverhältnissen erlebt hat, derart daran gewohnt ist, das Gegenteil dessen, was sie täglich erfahren, in ihren Plädoyers zu verkündigen, beruhigt der ältere Herr mit seinem Pathos. Da ist wie bei den Leuten, die zu Weihnachten in die Kirche gehen, obwohl sie an nichts Christliches mehr glauben, reine Gewohnheit.

    Und wenn wer gestorben ist, geht man ja auch zum Herrn Pastor. In diesem Fall halt das “eigenverantwortliche, freiheitliche Individuum, das sich gestaltend in den demokratischen Prozess einbringt”. In jeder Zeitung steht, dass die Bewohner von Mümmelmannsberg und Billstedt eh keine Chance auf dem “Arbeitsmarkt” haben und sich für Politik nicht mehr groß interessiert, aber DIREKT DANEBEN wird dann die freie Wahl des Berufes als hehres Gut gefeiert. Die Wahlbeteiligungen sinken konstant, und es sind eh die meisten der Meinung, dass die Unterschiede zwischen Grünen, Sozialdemokraten, CDU und FDP so geringfügig sind, dass man auch gleich SED darüber schreiben könnte und dass Politik eh an der Börse und in Bankerchefetagen, aber nicht im Abgeordnetenbüro gemacht wird, aber Herr Gauck feiert – ja zu recht – die Möglichkeit freier Wahlen, die großen Bevölkerungsteilen ja gar nicht gegeben ist. Eben denen ohne deutschen Pass nicht.

    Das BERUHIGT aber vermutlich alles ungemein.

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