Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kollektiv-Egos

Manche schreiben über Angriffe auf “Familien”, andere nehmen Kinder als Individuen wahr … manche lassen sich über das So-oder-So-Sein von Personen aus, andere über Strukturen, Aussagen und mobilisierbare Haltungen, die allerdings keineswegs die “Identität” einer Person ausmachen. Manche verhalten sich allerdings auch so, dass das Analysieren einer Kollektividentität auf sie zutreffen könnte. Meistens machen das die Unmarkierten, die aus den Zentren, die sich ja durch die Stereotypisierung dessen, was “Devianz” ausmacht, selber formen. Vor allem, wenn sie auf “das Andere” treffen.

Diese Geschehnisse in der Alsterdorfer Sporthalle wie auch die Diskussion darüber sind wie so oft im Falle des FC St. Pauli ein Mikrokosmos, in dem so viel Übergreifendes sich bündelt, dass ich vor Verwirrung einigermaßen erstarrt die öffentliche Reflektion verfolgte.

Das Ereignis hat ja treffende Texte hervor gebracht hat – Danke, Norbert (2 Stück!), Ring2 und Publikative.org.

Nicht, weil mir nicht klar wäre, wie sich das Ganze für mich darstellte, bin ich verwirrt – die “gesellschaftliche Mitte” in Medien und Polizei hat einmal mehr ihre Fratze gezeigt, indem sie Nazis und deren Derivate nutzt, um denen, die gegen diese sich positionieren, einen überzubügeln.

Das funktioniert, weil Nazismus wie alle Formen rechten Denkens immer schon ein Extremismus der Mitte war, der das Andere produziert, z.B. auch “Linksextremismus”, um sich einfach nur dagegen abzugrenzen (auch gegen “Unterschichten”), es mit Vernichtungsdrohungen zu überziehen oder tatsächlich zu vernichten, ja, Erich Mühsam und die anderen.

Und damit das nicht auffällt, das das so ist, freut man sich, dass man die Nazis hat, um mit dem Finger auf sie zeigen zu können, um von sich selbst abzulenken; im Laufe der Debatte verschwinden die dann aber, und stattdessen wird eine Diskussion Exekutive versus derer, die sich gegen deren Verhalten äußerst situationsspezifisch wehren, daraus – während die Exekutive zielsicher auf jene einprügelte und sprayte, auf die unbehelligt aus der Halle Entlassene eindreschen wollten, die, na, kein Wunder, den “Kein Mensch ist illegal”-Banner entwenden wollten. Ein Kommentar zur staatlichen Abschiebepraxis, by the way.

Manche neigen dann dazu, die, die sich gegen Formen der Neuen Rechten wehren, die immer als “Mitte” sich gebährdet, selbst zu Nazis zu stilisieren, da kommt auch dieses Diskussion noch hin. Wetten?

Hinzu kommt, dass manche das Abenteuerspiel “Mit Polizisten prügeln” gerne spielen und damit eine ernstzunehmende Kritik an der Realität des Rechtsstaates eher verhindern als ermöglichen.

Ergänzend treten auch die auf den Plan, die den “Mythos der gerechten Welt” reproduzieren und sich wohl besser dabei fühlen, wenn sie davon ausgehen, dass es auf diesem Planeten keine “Unschuldigen” trifft und irgendwie USP schon Schuld sein wird und die St. Paulianer als Kollektiv etwas “dazu beigetragen hätten”, dass man sie mit Pfefferspray einnebelte.

Das ist angesichts von Augenzeugenberichten, die nun so gar nicht linksextrem schrieben, dass sie ja noch so was wie Vertrauen in die Polizei gehabt hätten, jetzt jedoch nicht mehr, wohl eher ein Beitrag zum eigenen, psychischen Gleichgewicht.

Und zudem gibt es noch jene, die Verlautbarungen der als Partei agierenden Polizei auch noch als ernstzunehmende Quelle anführen, so, also sei das Handeln der Exekutive immer schon eine vollzogene, objektive Rechtsprechung, was eine Verhöhnung der an sich ja ganz guten Idee der Gewaltenteilung darstellt.

Und prompt wird aus der Diskussion infolge eine über Gruppen- und Kollektiv-Egos, wie immer in solchen Fällen. Ist in diesem Land und anderswo ja üblich: Die Opfer, die erwähnt man zwar und rüstet sich mit dem Gruß an die Verletzten, zentral werden aber Selbstverständnisdebatten mit allen dazu gehörigen Abwehrreaktionen. Mit “Ego” meine ich ein sich diskursiv permanent reproduzierendes Selbstbild, das sich durch eine mögliche Vernichtung bedroht sieht und somit tatsächliche Impulse einer Person rationalisiert und Ich-Schwäche verbirgt. Das gibt es es individuell und kollektiv und bei den meisten Menschen. Dummerweise.

Dessen Entstehen führt dazu, dass kein Thema mehr diskutierbar ist. Nie und nirgends.

Das sind die Prozesse, im verlaufe derer dann irgendwer “das Ansehen des Landes beschmutzt” sieht, wenn Leute “Döner morden”, und dabei die Opfer vergisst. Oder wahlweise “den Rechtsstaat beschädigt” oder “die Polizei verunglimpft sieht”, wenn konkrete Vorfälle kritisiert werden und das, wo es doch selbst im liberalen Paradigma, das die Begründung des kapitalistischen Staates liefert, “Bürgerpflicht ist”, nicht etwa ständig Instititutionen zu bejahen, sondern sie kritisch zu begleiten und fortzuentwickeln.Idealerweise ja zu mehr Freiheit. Eigentlich ist das auch Aufgabe der Medien, das vergessen die nur meistens.

Stattdessen findet dann tatsächlich so etwas wie eine Ego-Stabilisierung statt, also das Schützen eines Selbstbildes, das mit dem, was Mensch ggf. “Selbst” oder “Ich” nennen könnte, in der Regel gar nichts zu  hat, und das auf Stellvertreterfeldern.

Diese Egos prallten ja auch in der Halle aufeinander, und da wird die Sache echt verzwickt, wenn das, wofür auch ich fechte, zum Ego wird. Auf einmal ist die Diskussion mal wieder darauf focussiert, ob und inwiefern der FC St. Pauli denn nun der “etwas andere “Verein ist und warum.

In der Wahrnehmung derer, die da antisemitische, homophobe, rassistische und sexistische Gesänge anstimmten – so wurde zumindest berichtet, dass sie das taten – und den alten Kalauer von “Deutsche wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli” anstimmten, ist er ja “anders”, weil er mit “St. Pauli-Fans gegen Rechts” Aufklebern und dieser penetranten Politisierei ständig provoziert.

Es gibt sie ja, die Leute, die sich durch anders pigmentierte Haut, Kopftücher, schwule und lesbische Küsse oder selbstbewusste Frauen mit Minirock “provoziert” fühlen und dieses Gefühl als “provokatives Verhalten” in der Welt sich manifestieren sehen wollen, das eine Zurechtweisung erforderte.

Hier im Blog hat mal ein freundlicher Eintrag über Genets “Querelle” zu einem Zerwürfnis geführt, zum Beispiel. Weil sich dadurch jemand provoziert fühlte.

Und die Frage, wogegen die eigentlich glauben sich zu wehren, diese Deutschen, wenn sie “Kein Mensch ist illegal”-Banner klauen, steht mitten in der zertrümmerten Sporthalle und guckt irritiert aus der Wäsche. Ebenso jene, wieso die Polizei so bereit ist, da nachzueifern und das “Deutsche, wehrt euch!” – da gibt es Augenzeugenberichte, die das stützen – meiner Ansicht nach ausagiert, indem sie zu St. Paulianern geht und sich in meiner Interpretation wehrt gegen das, was zum Teil wohl wirklich passierte (wohl eher vor der Halle, wenn ich das richtig verfolgt habe), zum Teil aber einfach hätte passieren können in deren Augen (also einkesseln), was dazu führte, erstmal kollektiv mit Pfefferspray in die der anderen zu schießen.

Warum? Einfach nur Überforderung oder “unglücklich”, wie anderswo zu lesen war? Unglücklich wurden auch U-Bahn-Wagons eingenebelt?

Ich frage mich das wirklich, gegen was die sich “zu wehren” glauben, nun wieder die Bannerklauer, nicht die Polizei, wenn sie Rassismus, also auch Antisemitismus, Homophobie und Sexismus verteidigen und somit irgendwie auch ihr künstliches deutsches Selbstbild.

Da tauchten ja einst “Überfremdungs”fantasien in der Öffentlichkeit auf. Manche glauben auch, nur weil es Schwule und Lesben gibt, seien Familien bedroht, andere nunmehr wähnen sich entmannt und unzulässig beherrscht, wenn sie auf Feminismus treffen, aber wieso eigentlich?

Dass das alles Ego-Dünkel ist, der Denken, Mitgefühl und ganz normale intersubjektive Einfühlung verhindert, scheint mir offenkundig; aber wozu braucht man das? Dieses Sichangegriffenfühlen und dann die Verteidigung?

Zur Klarstellung: Schwulenfeindliche Sprüche greifen ja tatsächlich jemanden an, der damit identifiziert wird. Aber was greift der Kampf gegen Homophobie an, was nun bewahrenswert wäre?

Frage ich mich als manchmal Hyper-Ego auch selbst, weil dessen Struktur, die des Egos, als solche ja das Problem ist.

Und dann treten auch noch mitten in der Diskussion die Hippies auf den Plan, wieder im Kontext eines Selbstverständnisdiskurses. Als Gegenbild zu einem Verhalten, das anderswo wohl zu recht Zivilcourage genannt wurde.

Da tritt die nächste Verwirrung bei mir auf, weil das mit den Hippies historisch gar nicht so einfach ist.

Gemeint ist ja diese Kirchentagshaltung, die schon in den frühen 80ern zu Zerwürfnissen zwischen den sich formierenden Grünen und den oft christlich geprägten Vertretern der Friedens- und Ökobewegung auf der einen Seite, und den Autonomen auf der anderen Seite führte.

Einer, mit dem ich nicht mehr reden möchte, hat oft als zentrale Erfahrung angeführt, dass aus diesen “linksalternativen” Kreisen, die Polizisten Blumen an die Schilder hefteten, zur Denunziation von Autonomen bei der Polizei aufgefordert wurde. Ist ja nicht so, dass manch Konflikt beim FC St. Pauli neu wäre oder da nun plötzlich aus historisch heiterem Himmel gefallen wäre.

Meine Position ist da immer, dass ich Gewalt, die nicht aus akuter Notwehr entsteht, ebenso ablehne wie das Verpfeiffen bei staatlichen Institutionen in diesen, konkreten Fällen. In anderen sehe ich das anders – bei rassistisch motivierter Gewalt oder Vergewaltigung zum Beispiel.

Blickt man freilich zurück zu den US-Hippies der 60er Jahre, ergibt sich eine für Debatten und Zerwürfnisse in diesem Blog vielleicht ganz erhellende, hier nur grob skizzierbare Konstellation.

“Hippie” war ursprünglich eine Verballhornung von “Hipster”, meines Wissens, ein Begriff, der vor allem durch Norman Mailer populär gemacht wurde. Im heute äußerst kritisch zu betrachtenden Essays “The White Negro”, ja, auch wegen des Titels, beschrieb dieser, wie in urbanen Zusammenhängen Weiße begannen, die Attitude von Schwarzen zu kopieren, Jazz zu hören, den Slang zu adaptieren. Der “Hipster” war geboren.

Betrachtet man die späteren “Hippies” in Height Ashbury und anderswo, so speisten diese sich aus verschiedenen Quellen: Den “Beatniks”, Kerouac und Co, die wohl ins das “Hipster”-Paradigma passten. Dem Rhythm and Blues, wiederum eine schwarze Kulturform, und der Folk-Tradition, die mit Vorbildern wie Woodie Guthrie an eher weiße Traditionen anknüpfte, auch Country- und Hillibillie-Anleihen machte und viel Bildungsbürgerdünkel in eine eher sich zunächst eher unpolitisch Disziplinierung und Dressur entziehende Rock’n’Roll-Kultur hinein trug.

Dass heute in weißen Feuilletons die Beatles, die Rolling Stones und Bob Dylan vor den am Rande irgendwie auch respektierten, aber vertiefend nicht angeeigneten Otis Redding, James Brown, Sly Stone, Diana Ross, Bo Diddley oder Aretha Franklin rangieren, das ist auch eine seltsame Folge der Annektion schwarzer Kultur bestimmter Klientels, das im Punk und der “weißen Indedependant-Gitarrenmusik” heute seinen immanenten und unbemerkten Alltagsrassismus entfaltet.

Der “Summer of Love” ist eine meines Wissens überwiegend weiße Veranstaltung gewesen (im Gegensatz zur Bürgerrechtsbewegung, bei der Martin Luther King auch viele Weiße folgten meines Wissens und es ein stärkeres Zusammengehen gab?), trotz massiver Anleihen bei indischer und ostasiatischer Spiritualität, der musikalisch ergänzend Drogenkonsum in Klänge umsetzte, aber immerhin das Motto “Bewusstseinserweiterung” kannte. Wer wissen will, wie gemeingefährlich das US-Establishment LSD fand, kann ja die Timothy Leary-Biographie ergoogeln und lernt auch da was über “Rechtstaatlichkeit”.

Viele Protestformen dieser “Szene” tradierten sich tatsächlich in abgeflachter Form, ja, auch beim Schlagermove; umgekehrt kann ich mir ein Love-In am Millerntor unter aktuellen Bedingungen nun gerade NICHT vorstellen. Leider. In manchen Hinsichten waren die Hippies halt radikaler als vieles, was heute so neochristlich durch das “linksalternative” Spektrum spießert.

Interessant ist historisch ggf. zudem, dass Frauenbewegung, Gay Movement und Black Panther erst als  Reaktion auf die “Hippies” (dank Simone de Beauvoir und den Sufragetten stimmt das bei der Frauenbewegung nur halb, ist aber wegen Institutionen wie dem “Weiberrat”erwähnenswert) , in Deutschland auf die deutlich biedereren “68er” folgten, die sich aus teilweise ganz anderen Quellen speisten (die Riots im Stonewall Inn als Reaktion auf Polizeiwillkür, übrigens) – und als Reaktion auf, nicht etwa Adaption weißer, männlicher und heterosexueller Egos formierten. Was keine Kollektividentifikation darstellt, ich meine wirklich nur die Egos, die auf den Plan treten können.

Gut, das alles wurde alles nun gerade in diskussionsfähiger Form auch vom FC St. Pauli aufgenommen, und exakt diese Aufnahme macht nun die Crowd zum Ziel von allerlei rund um den Fussball sich inszenierenden Gruppierungen.

Möchte trotzdem nicht wissen, was bei uns abginge, wenn da heute die Black Panthers aufliefen – die von staatlichen Instanzen in den USA übrigens mittels wirklich und tatsächlich stasiesker Methoden aufgemischt wurden.

Nun haben wir umgekehrt aber das Problem, dass sich bereits bei den Hippies zeigte: Dass vieles aufgenommen und adaptiert wurde, ohne dass die entsprechenden Personengruppen irgendwie als Akteure sichtbar würden außer auf dem Platz. Und dass auch in der Community aktiv dafür gesorgt wird, dass das so bleibt – ja, ich kann das belegen.

Wir haben zwar einen höheren Frauenanteil als andere Fussballvereine; PoC finden sich wenn, dann als Spieler auf dem Platz, und der schwule Präsident hat polarisiert wie kein anderer (nein, nicht weil er schwul war, aber das geschulte Ohr vernahm schon die homophoben Klassiker, wenn es lauschte).

Womit man eben doch wieder beim Thema Kollektiv-Ego wäre. Irgendwer ist ja immer beleidigt intern, weil er sich “in eine Ecke gestellt sieht”. Was einfach eine Tabuisierungspraxis hinsichtlich bestimmter Sujets darstellt.Und vielleicht werden die Diskussionen ja interessanter und abwechslungsreicher, wenn man nicht mehr dieses “und wir sind ja so anders” als Überschrift zu Blog-Einträgen taugt.

Nun lebt scheinbar der Fussball und seine Fankultur durch und durch von Kollektiv-Egos, aber wäre es nicht angebracht, exakt DAS beim FC St. Pauli bleiben zu lassen und sich stattdessen zu fragen, wie man die THEMEN und INHALTE vertieft im Gegensatz zu allen anderen? Statt ständig “wie sind wir?” zu fragen?

Es ist toll, in einer Community aktiv zu sein, die sich so vehement gegen Homophobie, Rassimsus und Sexismus stellt, wenn der von außen kommt. Aber ….

Es ist richtig, dass in der Altersdorfer Sporthalle St. Paulianer auch deshalb angegriffen wurden; ebenso werden mit “Judenpisser” aber primär Juden, mit rassistischen Schmähgesängen PoC, mit sexistischen Beschimpfungen Frauen und mit homophoben Gesängen Schwule angegriffen, nicht  nur der St. Paulianer als solcher.

Ist es vielleicht möglich, das mal wieder ins Bewusstsein zu bringen, ohne dass sich jemand angepisst fühlt?

Ja, ich weiß, ein frommer Wunsch. Aber von den Hippies kann man was lernen: Dass nämlich ein Auftstand gegen die reglementierenden und disziplinierenden Lebensformen möglich ist, und dass dieses auch und gerade der Black Culture zu verdanken war und ist, der dafür alltäglich zu danken bleibt.

Chuck Berry, Little Richard, Bessie Smith, Big Mama Thornton. Die haben zu unserer Befreiung beigetragen, der der Weißen. Gegen Reglementierung. Ökonomisch profitiert haben zumeist die Weißen. Gil Scott Heron hingegen … irgendwer fragt jetzt “Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?” Eine gute Frage!

Kann sich zudem die Erkenntnis durchsetzen, dass es sich bei dem darauf folgenden Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie nicht etwas um eine Reglementierung mit PC-Mitteln handelte, sondern um die Möglichkeit eines freien Lebens für alle gleichermaßen? Ich weiß nicht, ob das wirklich Konsens bei uns ist.

Um Selbst-Stärkung der Diskreditierten, nicht um Ego-Anfütterung derer auf der privilegierten Seite?

Auch nach dem letzten Zerwürfnis hier im Blog habe ich die Hoffnung darauf trotz alledem noch nicht völlig aufgegeben.

Weil ich irgendwie wünsche, dass es wenigstens irgendwann beim FC St. Pauli möglich sein wird, gar nicht mehr darüber zu diskutieren, wer nun gerade “das Ansehen des FC St. Pauli beschmutzt” oder ob das nun der andere Verein ist oder auch nicht, Herr Lotter, um dann jubilierend auszurufen “NEIN, er ist es nicht!”, sondern dass alle sich jenseits aller Ego-Empfindlichkeiten mal wieder den Sujets sich zuwenden. Und den Individuen.

Vielleicht ist das in irgendwielinksgeprägten Mileus ja doch noch möglich. DAS hieße vor der eigenen Tür kehren, nicht etwa eine Diskussion drüber führen, ob die von USP doof sind.

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23 Antworten zu “Kollektiv-Egos

  1. Pingback: Nazi-Hooligan-Angriff auf #FCSP Fans, Tumulte und eine auf dem rechten Auge blinde Polizei – Hallenkrawalle « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  2. Stefan Januar 9, 2012 um 4:45 nachmittags

    Danke! Ich lachte, ob mancher Formulierung und habe – glaube ich – auch nicht alles verstanden, aber grundsätzlich gebe ich dir recht.

  3. momorulez Januar 9, 2012 um 4:56 nachmittags

    Das ist auch für mich nicht immer einfach, das verständlich zu machen, was ich mir gerade selbst ergrübelt habe ;) – manches versuche ich auch schreibend zu verstehen, also bei Verfassen der Blog-Texte, und was ich mir selbst nicht austreiben kann (oder will), sind manche Anspielungen. Manches könnte ja auch Bücher fülllen, da bleibt da dann auch was auf der Strecke, wenn ich zu verdichten versuche.

    Wenn es dann aber doch für Andere interessant ist, dann freut mich das ja ;) – insofern Danke für Deinen Kommentar!

    Das ist übrigens in diesem Zusammenhang ganz spannend, sich mal vorzustellen, wie wir kommunizieren würden, wenn es einfach nur Bilder gäbe, ohne die sprachliche Bewertung derer. Mal so am Rande. Deine Fotos liebe ich ja sehr!

  4. Pingback: Schweinske - Und nu? / Voraussetzungen für einen Dialog | St. Pauli Events | SPNU - St. Pauli News & Social Club |St. Pauli NU*

  5. goodsoul Januar 9, 2012 um 10:06 nachmittags

    So ziemlich der beste Text den ich bis dato nach den Ereignissen gelesen habe.
    Keep the faith!

  6. Stefan Januar 9, 2012 um 11:43 nachmittags

    Danke für die Belobigung meiner Fotos :)

  7. sutje Januar 10, 2012 um 1:53 vormittags

    Nach längerer Zeit hab ich mal wieder den Weg hierher gefunden. :-)

    Schöner Artikel. Zwar hab auch ich nicht alles verstehen können (liegt bestimmt an der späten Stunde ;-), jedoch möchte ich ne positive Rückmeldung geben, weil hat gefallen.

  8. Marcudao Cruseau Januar 10, 2012 um 1:53 nachmittags

    “selbst ergrübelt” oder einfach nur “im Kreis gelaufen”? Stehen das Treiben und deren Ergebnisse von fünf Dutzend Provokateuren und Hooligans wirklich für das große Ganze?

  9. momorulez Januar 10, 2012 um 4:02 nachmittags

    Das Agieren von Polizei und denen aus Lübeck sehe ich schon als symptomatisch für übergreifende, gesellschaftliche Strukturen; das Agieren insbesondere der Springer-Medien bestätigt mich in dieser Annahme ebenso wie Dein Kommentar. Die Zivilcourage auf St. Pauli-Seite bildet eher die Ausnahme. Die Annektion von Minderheitenbelangen zur Anfütterung des eigenen Ego ist allerdings sehr weit verbreitet.

    Was Entsprechungen von Mikro- und Makrokosmos betrifft, halte ich mich ansonsten eher an die Relation von Atman und Bhraman oder wie sich das schreibt ;)

  10. Marcudao Cruseau Januar 11, 2012 um 1:38 vormittags

    Den Interpretationsschlüssel wählt man immer selbst. Ich verwende einen anderen. Die Polizei ist vor allem überfordert gewesen. Auch haben die diversen Becherwürfe der letzten Monate und hoolmäßiges Auftregen von ein paar Knalltüten dazu beigetragen daß die Polizei sich auf die St. Paulifans konzentriert haben. Dazu kommt daß die linke St.Pauliszene sowieso das Feindbild der Hamburger Polizei ist. So sehe ich das. Trotzdem, da war ein Eingreifen nötig und vielleicht kam es sogar etwas zu spät. Wo waren den Ordner? Hatten die alle Schiss, oder was war das los? Jedenfalls, es ist ja nicht so lustig, wenn heftige Schlägereien bei einem Hallenturnier stattfinden und das Familienpublikum panisch die Flucht ergreift. Wäre ich Einsatzleiter gewesen, hätte ich mir in der Halle alle HSV Leute gekrallt. Landfriedensbruch sieht für mich in ewa so aus. Was suchten diese Leute in der Halle außer Stunk? Was bei den Fascholübeckern los war, kapiere ich auch nicht. War das jetzt der NPD-Jahresausflug? Die Randalierer aus Lübeck waren einheitlich gekleidet, ich habe jede Menge Faschocodes gesehen. Aber warum die so dermaßen auf Provo machten, kapiere ich nicht. Ich glaube nicht mal daß diese Leute mit der Fanclubszene in Lübeck viel zu tun haben. Für mich waren das einfach ein Haufen Hools und ich würde mich nicht wundern wenn das eine geplante Aktion von einer norddeutschen Kameradschaft war.

    Wie du mich auf eine Stufe mit Springer stellst, ist für mich total daneben, sorry. Ich halte auch deinen Vorwurf an die St. Pauli Anhängerschaft für maßlos überzogen. Klar, es kann immer auch dort ein paar Vögel geben, welche Minderheitenbelange vor allem fürs blütenweiße Ego benötigen und entsprechend mißbrauchen. Antirassismus als Vorzeigeveranstaltung für weiße Fußballfans und sowas. Die meisten St.Paulianer sind meiner Meinung aber doch ehrlich antirassistisch eingestellt, und nicht, um vorrangig eigene Egobelange zu bedienen. Oder siehst du das anders?

    Annektion klingt mir auch viel zu sehr nach Krieg. Passt diese Militärsprache? Wie meinst du das mit Atman und Braman? Tschullige, mir sagt das nichts.

  11. momorulez Januar 11, 2012 um 9:33 vormittags

    Was den ersten Teil betrifft, sind wir gar nicht so weit auseinander. Was den zweiten Teil betrifft, ist “auf eine Stufe mit Springer stellen” schon wieder einer der Ego-Reflexe, die ich ja hier gerade aus der Diskussion raus haben möchte. Auf was für eine Stufe ich Dich angeblich stelle kann Dir doch scheißegal sein, ebenso wie mir scheißegal ist, ob Du nun “Annektion” als zu militärisch begreifst.

    Wichtig ist mir, was ich im Text geschrieben habe: Dass bei uns nicht wie sonst zumeist überall Antirassismus ohne PoC und Antihomophobie ohne Schwule betreibt, dass man bei Antisemitismus schnallt, dass das höchst feindseliges Verhalten Juden gegenüber ist, nicht etwa Kapitalismuskritik, und Sexismus ist eine bestimmte Form feindseligen Verhaltens Frauen gegenüber, nicht die Kritik von Weisen sexuellen Verhaltens.

    Das kann man alles problemlos abseits von Ego-Stabilisierungen diskutieren, ohne Abwehrreaktionen und die Debatte wer denn nun gerade welche Intention hat oder wen wie in was für eine Ecke gestellt hat.

    Das ist doch gar nicht so schwierig, oder?

  12. Marcudao Cruseau Januar 11, 2012 um 11:14 vormittags

    Sorry Freund, aber bist nicht eher du derjenige, der mit einem Reflexen um die Ecke kommt? Ich schnall nicht so ganz, was du mit Ego-Stabilisierungen überhaupt meinst. Dich selbst nicht, ne? Bist du so anders als andere, und legst auf dein Ego keinen wert? Was du mit Atman und Brahman willst, wird mit deinem arroganten Wikigelinke auch nicht klarer. Langsam glaube ich, daß du son richtig krasser Sesselpubser bist, der vom Heimcomputer andere Leute zurechtweist. Deinen kessen Oberlehrerton kannst du dir jedenfalls gerne mal verkneifen. Man ist auch nicht blöd, weißt du, wenn man nicht so kariert quatscht wie du.

  13. momorulez Januar 11, 2012 um 11:34 vormittags

    Es tut mir leid. Vergib mir. Ich liebe Dich. Danke.

  14. Pingback: Links der Woche Nr. 16a | Magischer FC

  15. Apt Störtebembel Januar 11, 2012 um 9:46 nachmittags

    supertoller, weit ausholender txt.
    walk on…

  16. Pingback: erfreulich: Momo wieder in Höchstform « wortanfall

  17. 1910&1903 Januar 13, 2012 um 7:01 nachmittags

    Wirklich netter Artikel. Ich musste schon zugeben, dass ich mir nach den Vorkomnissen auch so meine Gedanken gemacht habe über mein Verhältniss zum FCSP. Nicht etwa weil ich die hyterische Hooligan-gewalt- boom-boom-peng-alles verbieten Rhetorik aus der Presse glaubte, sondern weil mir die Sicherheit mit der einige auf unserer Seite zu beschwören meinten das wir doch nichts falsch gemacht haben könnten.
    Ich meine das auch eigentlich noch nicht spezifisch (wie mit der Gewalt Frage um zu gehen ist in Form von verantwortlicher Civil courage gegen Nazis ist auch keine einfache Frage), sondern generell. Wie selbstkritisch kann eine fan szene sein, die sich immer über ihre Treue und ihre Zugehörigkeit zu einem Verein definiert. Mir kam, es in Privat Gesprächen leider manchmal so vor als wenn Kritik an St Pauli fans sehr streng mit Verat an der Sache, der heiligen Idee die über allem thront in Verbindung gebracht wurde.

  18. momorulez Januar 19, 2012 um 5:25 nachmittags

    Sorry dass ich Deinen Kommentar gerade erst im SPAM-Ordner gefunden habe, ich weiß auch nicht, wie der da rein geraten ist :( … bei der Veranstaltung im Centro Sociale war auch sehr viel Selbstkritik bzw. solche im Bezug auf Fanszene zu hören.

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