Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Fehlplanungen durch falsche Zielsetzungen

Ich hole einen Kommentar, den ich gerade beim Kleinen Tod hinterlassen habe, hier mal als eigenen Eintrag rüber:

Einen wichtigen Hinweis hat ja noch das Lichterkarussell in seiner Kommentarsektion gegeben:

Der Vertragspartner der Firma Hellmich beim Bau der Tribünen ist nicht etwa der Verein, sondern die Millerntorbetriebsgesellschaft mbH und diese ist als ausgegliederte Gesellschaft unseres Vereins nicht an Beschlüsse der Mitgliederversammlung gebunden.

Das tauchte unterschwellig immer mal auf in der Diskussion auf der JHV; z.B. auch das Bedürfnis, mal eine konsolidierte Bilanz aller Tochterfirmen zu bekommen auf Seiten des Kassenprüfers, wenn ich mich recht entsinne.

Insofern ist nicht nur die Frage, wie die Verträge aussehen, sondern wer sie überhaupt mit wem geschlossen hat. Um so dreister übrigens das Unterfangen, die A- und B-Jugend auch noch in den Verfügungsbereich der Geschäftsführung zu zerren und dem Abendblatt mutmaßlich zu diktieren, doch langsam mal den ökonomischen Bereich der „St. Pauli-Gruppe“ und den ideellen Bereich zu trennen. Herr Meeske und sein Umfeld haben schleichend den Verein annektiert und so umgebaut, dass immer mehr Subsysteme an den so anstrengenden Mitgliedern vorbei organisiert werden. Mich würde auch interessieren, ob Herr Dr. Stenger den Verein oder aber eine der Tochtergesellschaften auch beruflich vertritt oder kostenpflichtig berät, ebenso Herr Woydt. Das ist keine triviale Frage, Stenger hält ja auch Private Equity Fonds Vorträge, meines Wissens gegen Entgeld zu deren steuerrechtlicher Behandlung, meine ich zumindest gelesen zu haben, und mit Woydt zusammen dann ein Quasi-Finazmarkt-Produkt zu entwerfen, ist ja auch nicht zufällig passiert.

Die Connection UFA und Meeske bedarf zudem mal einer genaueren Untersuchung, ebenso, wo Corny noch mit mischt. Das werden die aus der Stadion AG und dem Fanräume-Team auch wissen, ich bin mir nur immer nicht so sicher, wer da die Tragweite welcher Konstruktion begreift, weil deren höchstrespektables und bewundernswertes Engagement ganz auf Fanbedürfnisbefriedigung durch Kommunikation eben dieser an „Papa“ heran getragen, psychologisch, werden, und dann bockt man, wenn man nicht kriegt, was man will. Das geht aber, zumindest so, wie ich das mit kriege, nicht an die Strukturen selbst.

Was wir freilich immer ignorieren, da hat ja der Herr Eich noch mal ausgeführt in seiner ureigenen Art, ist der Zusammenhang, der zwischen Ermöglichung der Gegengeradenstehplatzanzahl und den Business-Seats konstruiert wird. Der ja angesichts der mangelnden Auslastung ideell so gedacht sein mag, de facto aber gar nicht so funzt wie dargestellt. Aber für viele der Grund gewesen sein wird, den Antrag abzulehnen, frei nach dem Motto: „Man muss Business-Seats schon in Kauf nehmen, will man so viele Stehplätze im Stadion haben.“

Der verweist zudem auf die immense Fantasielosigkeit der Geschäftsführung. Die operieren in einem sehr kleinen Feld, eben da, wo sie sich auskennen: Finanzmarkt/Immobilienfinanzierung/Pferdeäpfeltheorie, also die Annahme, man müsse Wohlhabende ordentlich stopfen, damit für die Ärmeren hinten was abfällt. Habe echt gegrübelt, an welchen Punkten die überhaupt vom „Markenkern“ des FC St. Pauli ausgehen. Das ist bei den Stehplätzen und dem Hauptsponsor der Fall, trotzdem der mit Kolonialslogan wirbt. Und bei der Präsentation der Artikel im Fan-Shop, woebi sie da schon sehr grenzwertig vorgehen.

Wenn das so bleibt, wird sich das zu einem sehr gravierenden Problem für den Verein entwickeln. Sie erleben ja ganz ausdrücklich die Fans und Mitglieder als Hemmschuh, wie der Darstellung in der Anleihe zu entnehmen war. So lange sie sich drauf konzentrieren und dann rum jammern, was angeblich so alles nicht ginge am Millerntor in Sachen Geld verdienen, hängt jeglicher Wachstum, jegliches Geldverdienen tatsächlich am sportlichen Erfolg der Mannschaft. Weil gegen das „Produkt“ gearbeitet wird, das man verkaufen will, an das man im Grunde genommen neben ein paar Phrasen gar nicht glaubt. Und so ist ja tatsächlich das „Mehr!“ an Gebrauchswert gegenüber dem, was die Leute zahlen, irgendwann nicht mehr gegeben. Das hat man schon in der ersten Liga gemerkt, als auf einmal viele wegen des sportlichen Erfolges kamen und dann eben gingen, wenn man zurück lag. Oder bei einigen Spielen in letzter Zeit, wo wirklich Grabesstimmung über dem Stadion lag. Das hat die Distanz der Geschäftsführung zu den eigentlichen Vereinszielen und deren neue Zielsetzung „Top 25 im Profifussball“ hervor gebracht. Sie zerstören damit das, was uns eigentlich ausmacht, nämlich das Stadionerlebnis. Und es besteht die Gefahr, dass es schlicht leer bleibt, wenn es sportlich mal nicht läuft, wenn die so weiter machen. Weil sich mit dem, was die da treiben, niemand mehr identifizieren können wird, mittelfristig.

16 Antworten auf Fehlplanungen durch falsche Zielsetzungen

  1. Marketingfuzzi November 28, 2011 um 12:23 pm

    “Der verweist zudem auf die immense Fantasielosigkeit der Geschäftsführung. (…) Und bei der Präsentation der Artikel im Fan-Shop, woebi sie da schon sehr grenzwertig vorgehen.”

    Gerade versucht, mich daran zu erinnern, wann die Geschäftsführung des FC St. Pauli zum letzten Mal bei uns ein Schaufenster dekoriert oder einen Korpus angezogen hat. Leider gescheitert. Weißt du es noch?

  2. momorulez November 28, 2011 um 12:40 pm

    Nach genauerem Hinsehen kann ich nunmehr auch den Kommentar besser einordnen und bin nur einmal mehr baff, was – nennst Dich ja selbst so – Marketingfiuzzis unter “fantasievoll” verstehen ;) … ach, da würde ich ja nun gerne intensiver drauf eingehen, aber das darf ich ja noch nicht.

  3. Marketingfuzzi November 28, 2011 um 2:20 pm

    Wieso nicht? Ich bin ganz Ohr und für jeden Vorschlag zu haben. Dass unsere Schaufensterdekos mit einem, sagen wir mal, Bonbonladen nicht mithalten können ist ja ziemlich offensichtlich. Ich frage mich nur, was die Vereinsgeschäftsführung damit zu tun haben soll? :)

  4. momorulez November 28, 2011 um 2:30 pm

    Es ging mir ja nicht um das, was im Fan-Shop-Fenster zu sehen ist. Wo ja meines Wissens eh andere mehr dran verdienen ;) – sondern darum, Akzente zu setzen, Aktionen zu starten, die was mit der “Vereinsseele” zu tun haben. Rund um den Hundertsten Geburtstag gab es da ja einiges. Seitdem nicht mehr. Wenn man für das Paper, dass die Fan-Anleihe begleitet, es gerade brauchen kann, wird der Mythos ausgepackt, ansonsten aber auf Business-Seats geschielt und vieles eher als Blockade erlebt. Was ich mir wünschen würde, ist, dass man aus dem Markenkern heraus über Produkte wie Regenjacken gegen Wasserwerfer hinaus, was ja witzig war, sich was ausdenkt. Was über Abgreifen von “Street Credibility”, indem man PoC auf der Straße abfotografiert, um sie dem Fanartikelkatalog voran zu stellen, ansonsten spielen diese jedoch jenseits von den Fussballmannschaften in kaum einer politischen Machtebene des Vereins eine Rolle, hinaus geht. Zum Beispiel. Und das ist schon auch was für Geschäftsführung und Präsidium. Und für alle anderen auch, ja.

  5. momorulez November 28, 2011 um 2:57 pm

    PS: Was ich zum Beispiel gut finde, ist die Dauerausstellung in der Haupttribüne – wobei die nun ganz buchstäblich “Kunst am Bau” ist. Ich finde auch gut, dass Initiativen wie VivaConAgua, Fanräume, die Verschönerung der Süd zumindest nicht blockiert werden, wenn da nicht gerade Sprüche übermalt werden.

    Aber sind mir da Fälle entgangen, wo die Vereins- oder Geschäftsführung selbst initiativ wurde? Da nehme ich nur ein Vorantreiben von Schickimicki wahr. Vielleicht mein Fehler.

    Warum nicht zum Steuersparen eine Vereinsstiftung oder gemeinnützige GmbH angliedern, statt die A-Jugend zu okkupieren, die sich um die Vertiefung der Felder Antirassismus, Antisexismus und Antihomophobie kümmert und z.B. kostenpflichtiges Antirassismustraining anbietet? Mal gucken, wie wichtig das den Leuten noch ist, wenn es was kostet.

    Solche und analoge Schritte sind nich die Ebene von “Marketingfuzzis”, aber sehr wohl etwas, was, jetzt mal in diesem schrecklichen Deutsch formuliert, ein Alleinstellungsmerkmal wäre, das die Marke stützt und die Inhalte trotzdem ernst nimmt.

  6. Marketingfuzzi November 28, 2011 um 3:04 pm

    True.

  7. Marketingfuzzi November 29, 2011 um 9:17 am

    Eins noch:
    “Was über Abgreifen von „Street Credibility“, indem man PoC auf der Straße abfotografiert, um sie dem Fanartikelkatalog voran zu stellen”
    Selten so einen rassistischen Schwachsinn gelesen.

  8. momorulez November 29, 2011 um 11:06 am

    Das ist kein “rassistischer Schwachsinn”, fragen Sie mal Betroffene, wann die sich da warum und wie instrumentalisiert fühlen, wenn irgendwelche Weißen sie zur Dekoration ihrer kommerziellen Umtriebe nutzen, ansonsten aber in kaum einer ökonomisch relevanten Machtposition dulden. Am wenigsten PoC-Frauen. Insofern sollten gerade “Marketingfuzzis”, die ja mit der Entwertung politischer Anliegen durch das Überführen in falsche Formen nun auch noch ihr Geld verdienen und dabei in der Regel auch noch eine ziemlich große Schnauze haben, mit dem Rassismus-Vorwurf vielleicht etwas sparsamer umgehen. Falls ich hier mit einem Betroffenen kommuniziere, wäre die Frage freilich anders zu diskutieren.

  9. dL November 29, 2011 um 12:10 pm

    Tja, man weiß es nicht, ne? Ich bin dann aber doch nur ein weißer Jude der sehr viel alte, schwarze Musik hört, gerne mit SKs hängt und arbeitet, ein bisschen Türkisch kann und für eine Marke arbeitet, in deren Logo die eine Farbe nicht ohne die andere Farbe funktionieren kann – wie im Leben.
    Moudou spielt auf St. Pauli an der Thadenstraße mit seinen (bunt gemischten) Jungs Fußball, und im Katalog geht es um Sportler aus dem Viertel. Nicht mehr, nicht weniger. Und ich habe keine Zweifel daran, dass er mein Vorgesetzter werden könnte, wenn er wollte und die entsprechende Qualifikation mitbringt. Als Betriebsratsvorsitzender weiß ich aber auch: Hier hat sich einfach noch kein(e) PoC für eine “ökonomisch relevante Machtposition” beworben. Ich fänd’s definitiv gut. Ob PoCs jetzt die einzig wahren Hüter und Verteiler der Street Credibility sind oder nicht…
    Don’t talk about it, be about it.

  10. momorulez November 29, 2011 um 12:58 pm

    Yes, I am, kann ich da nur antworten ;) … was meinste denn, was ich hier wm, nicht h, als Geschäftsführer wider Willen eines kleinen Unternehmens für eine Personalpolitik habe?

    Das ist jetzt hier ein bißchen schwierig, weil Du Dich implizit die ganze Zeit zu einem Arbeitgeber äußerst, denn ich jetzt nicht outen werde. Ich habe bei den Fotos an meine Freunde vom “Braunen Mob” gedacht, die sich immer sehr ärgern, wenn weiße Antiras sie anrufen, weil, so wörtlich, also meine Freunde schildern das so, “die ein wenig Pigment fürs das Erinnerungsfoto” brauchen, aber dann wieder selbst die Fördergelder einsammeln und ganz unter sich guten Sache widmen. In einem offenkundig kommerziellen Zusammenhang finde ich das ggf. noch etwas problematischer. Weil ich mir ja wünschen würde, dass Moudou und seine Kumpels nicht nur als dekorative Elemente in einem Fanartikelkatalog auftauchten, sondern im Präsidium, zum Beispiel.

    Da wir diesen Wunsch ja offenkundig gemeinsam haben, ist doch eigentlich alles prima ;) – und ansonsten ist ja sowieso spannender, wie Moudou das alles sieht und nicht Du oder ich. Wenn wir das hin kriegen, dass er dann auch gehört wird, dann haben wir wirklich was erreicht!

  11. dL November 29, 2011 um 1:07 pm

    Ich KANN halt nur über mein kleines Universum reden. Es ist mir zuwider über Dinge die Klappe aufzureißen, bei denen ich bestenfalls über gefährliches Halbwissen verfüge – deshalb kann ich mit dir hier keine Allgemeinzustände diskutieren. Fuck ja, Moudou for President. Wenn er Bock drauf hat, soll er das Ziel um Himmels Willen verfolgen. Aber ich habe zu viel Zeit und Mühe in den Katalog gesteckt um von irgendwem das Gefühl vermittelt zu kriegen, wir hätten ein Model lieber draußen lassen sollen, so lange wir hier keine Farbe im Präsidium meines Arbeitgebers – und nicht des Vereins – haben. Das ist mir echt zu doof und dafür sind mir Hautfarben, banal gesagt, viel zu egal.

  12. momorulez November 29, 2011 um 1:15 pm

    Kannst ja mal sacken lassen, was ich meinen könnte, ohne Dich gleich angepisst zu fühlen. Nimm es doch als Hinweis und nicht als Vorwurf. Den PoC, mit denen ich sozusagen mein täglich Bort teile und fast schon verheiratet bin, ist das halt nicht egal. Kannste doch einmal mal an Anregung mit nehmen, weil das Zum-Verschwinden-Bringen ja genau so blöd ist, und dann hat man zumindest schon mal ein Problem definiert. Was in unserem geteilten St. Pauli-Kosmos nun schon wichtig ist, finde ich. Finde ja gut, dass Du die Diskussion annimmst, und toll aussehen tat das ja auch. Aber …

  13. dL November 29, 2011 um 2:31 pm

    Ich weiß schon, was du meinst. Du hast halt ein paar Dinge in einen Topf geworfen, die nicht zusammen in einen Topf gehören. Mehr Kritik hatte ich gar nicht. I’m not mad.

  14. momorulez November 29, 2011 um 2:49 pm

    I know ;) … Töpfe arrangieren wir trotzdem unterschiedlich.

  15. dL November 29, 2011 um 3:05 pm

    Du meinst die Inhalte? Halt nach bestem Wissen, ja…

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