Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Lustvoll jauchzen

Es heißt ja immer, Mensch solle seinen Feinde Liebe schicken … und in der Tat vergiftet Mensch sich in diesen ewigen Schlachten rund um Anerkennung und dominante Kultur selbst.

Dann wache ich morgens auf, will das Motto mal ausprobieren, denke, was kannste ihnen mal Schönes wünschen. Worauf hättest Du gerade Lust? Scheiße, keiner da. Ach, wünsche ich das doch, da lernt MANN Hingabe, sich öffnen, sich führen lassen, passiv sein dürfen, sich Gutes tun lassen … bitte, was ist denn das für ein Weltbild, das davon ausgeht, eine Vergewaltigung könne Genuss und lustvolles Jauchzen hervor bringen? Meines ist das nicht. Da muss beim Leser aber schon einiges voraus gesetzt sein in der eigenen Sicht zwischenmenschlichen Verhaltens, auf so eine Idee zu kommen …

Wobei virtuelle Freundinnen und neue Weggefährtinnen, mit denen zu kommunizieren mir sehr gut tut, mich darauf hin wiesen, das könne an diese Sprüche erinnern, die Lesben sich immer anhören müssen “Die muss nur mal ordentlich gefickt werden …”, und das stimmt. Dafür sorry. Es stimmt auch, dass man niemand wünschen solle, was der nicht will – ich dachte, auch das durch genuß- und lustvoll ausgeschlossen zu haben. Das tut mir dann leid.

Aber es sei bitte trotzdem zur Kenntnis genommen, dass Arschfick für mich wirklich was Schönes ist, was auch mit Besonderheiten der männlichen Anatomie zusammen hängt. Und dass ich, gerade mal wieder eimerweise mit Häme gegen Schwule, Feministinnen und Antirassisten überschüttet, wohl unbewusst das Bedürfnis hatte, darauf zu verweisen, dass Arschficker wie alle Menschen was sehr Schönes und Liebenswertes sind, die Sachen miteinander machen, die Spaß machen. Die genießen und lieben könnten, wenn  man sie denn nicht ständig mit Mist überschütten würde, und gerne mal lustvoll jauchzen. Schwanzlutscher auch.

Und der Herr, der gemeint war, kann sich ja  dann ersatzweise was anderes Schönes vorstellen und das dann erleben. Das wünsche ich ihm hiermit. Vielleicht mutiert er dann ja plötzlich zu einer wundervollen Person, die es nicht nötig hat, die Wut Diskriminierter in den Kontext von RAF und Nationalsozialismus zu stellen, wie es bei der Neuen Rechten so üblich ist …

Das verweist auf etwas anderes: Habe gerade recht fasziniert über die “Giraffen und Wolfssprache” gelesen. Weil ich ja Experte im Wölfisch bin, was kein Wunder ist, wenn man aus mindestens zwei Minderheitenpositionen – irgendwie Intellektueller, das ist nicht in jedem Fall die dominante Position, und schwul – ständig wölfisch angegangen wird.

Mensch rennt dann irgendwann mit nach vorne verlagerten Schultern, eingezogenem, vorgestreckten Kopf durch die Gegend, mit hängendem Mundwinkel und wachsamen Blick, weil Mensch stets auf den nächsten Schlag gefasst sein muss. Ein Körperpanzer bildet sich, Verspannungskopfschmerz ist häufig, und die nächste Attacke kommt ja auch, sobald man sich zeigt. Dann wird in St. Pauli-Blogs gegen Leute, die Habermas lesen, polemisiert, keine Ahnung, was für ein Bedürfnis sich dahinter verbirgt – und prompt ist man wieder im Wölfischen. Das steht ja nicht am Anfang.

Die Erkenntnis dieser Giraffensprache ist ja, dass hinter all dem Gezeter und Gekeile eigentlich ganz verständliches Bedürfnis stünde – z.B. jenes, nicht alle Nase lang mit Heternormativität konfrontiert zu werden, sondern einfach mal so sein zu dürfen, wie man empfindet und lieben und begehren will und dieses Begehren als etwas Schönes zu verstehen. Das ist ein langer Weg dorthin, Um dann jedes Mal einen Shitstorm zu ernten, wenn man das artikuliert.

Welches Bedürfnis steckt nun aber bei denen dahinter, die zumeist ungewollt mit Hate-Speech-Bildern operieren? Gibt es nicht auch wölfische Bedürfnisse? Ich meine, ich würde gerne giraffisch sprechend durch Lebens ziehen und habe irgendwie das Gefühl, man lässt mich nicht …

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