Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Fragen über Fragen

“Wie es denn eben ist: Ungleichheit wurde bislang gut ertragen – vor allem, wenn es um die Zementierung der Einkommensverteilung ging. Bei uns wurde zum Großteil immer nur altes oder uraltes Geld weiter gereicht; und dass kleinen Leuten bis dato der Aufstieg verbaut blieb, interessierte bislang die wenigsten – ebenso wenig wie die nach unten Abgerutschten. (Wer anderes behauptet, der möge mir bitte Proteste gegen die geplante Instrumentenreform unserer Bundesregierung zeigen.) Ich frage mich also, warum und woher wir ausgerechnet jetzt irgendeine Art emanzipatorischen Zorn haben sollten.”

“Tante” Nadia bringt ja da auf den Punkt, was ich irgendwie auch denke, irgendwie aber auch nicht. Was für mich die Frage auch beim Gentrifzierungsthema z.B. ist: Ist das nun einfach neues Studententum, das von der Kunstakademie gestartet einfach für sich eine neue Wohnung sucht und keine findet und dabei wenig an die nach Jenfeld Verdrängten denkt?

Der Protest gegen den Schreiber-Zaun könnte, mal ganz regional gedacht, das Gegenteil bezeugen.

Auch bei Stuttgart21 grübelte Mensch ja: Ist das nun einfach der bewahrungsfreudige Mittelstand, der da agitiert und Prostituierte von angestammten Plätzen in unmittelbarer  Bahnhofsnähe verdrängt, oder werden da Machenschaften der ggf. sogar buchstäblichen Immobilenmafia auch als strukturelle Problematik angegriffen? Allerorten findet sich die Forderung nach “wirklich demokratischer” “Partizipation”, z.B. auch im Falle der Erfolge der Piratenpartei, aber dass z.B. beim Volksentscheid gegen die Hamburger Schulreform die am stärksten Betroffenen aus den Vierteln der ökonomisch Schwächsten nun gerade NICHT partizipiert haben und wieder nur die übliche Koalition aus Bildungs- und Besitzbürgertum sich durchsetzte, das wird irgendwie ignoriert. “Tante Nadia könnte recht haben:

“Die Vorstellungen, die man vom zielführenden „Aufstand“ hat, scheinen momentan auf jeden Fall eher wie aus Film und Internet abgeleitet, wie eine Trittbrettfahrerei mit Guy-Fawkes-Masken im Flatulenz-Wind des arabischen Frühlings – ausgeführt von denen, die das System wahrscheinlich eigentlich nicht ändern würden, sondern halt nur gerne mehr mitmischen würden.”

Ist ja beim FC St. Pauli auch oft so – man beklagt sich ständig, dass “der Verein” irgendwelche Gremien nicht berücksichtigen würde, aber was der Ständige Fanausschuss eigentlich treibt, weiß auch kein Schwein, das da nicht mit trüffelt, und mit trüffeln darf nur, wer seit Jahrzehnten klüngelt. Aber Partizipation wird stets gefordert!!!

Den Marsch durch die Institutionen anpeilen, weil man die Arbeiter in der Fabrik eh nicht überzeugt bekommt – ist ja im Gedenken an die Zeit nach ’68 so neu nicht. Zudem bei aller völlig berechtigten Agitation gegen Finanzwirtschaft und deren Gebaren, gegen die EU-Wirtschaftsregierung usw. dann ausgiebig und ja völlig zu recht darüber diskutiert wird, von Banken das eigene Geld abzuziehen und es z.B. bei Genossenschaftsbanken zu parken oder solchen für “ethisches Wirtschaften”, was auch immer das genau heißt, bei Attac kann man einiges dazu lesen  - was bestimmt jene Individuen eine prima Idee finden, die nur von ihrem Dispo leben oder mittels Hartz IV recht schlecht über die Runden kommen und über eine solche Manövriermasse somit gar nicht verfügen.

Man schielt auf die Gier der Banker, aber bleiben die “unten” nicht wirklich außer Sicht? Ist nicht dieses ewige Gerede “die Banker stecken die Millionen ein und leisten gar nix” nicht auch nur eine Paraphrase des “Leistung muss sich wieder lohnen”? Und denkt mal abgesehen von der Ansicht der “Truther” über die Bilderberger und die Rothschilds jemand über die unaufhörlich wütenden Kämpfe um Rohstoffe in Afrika nach, wo Warlords im Auftrag von Multis dafür sorgen, dass die auch ja weiter gehen, die Kriege, und evangelikale Millionen bis Milliarden die kompensatorischen Ablenkungsschlachten eben davon finanzieren, indem sie gegen Schwule hetzen? Die Arbeitsbedingungen in China sind ja durchaus häufig Thema, wenn es um Apple geht oder Turnschuhe, aber völlig abgekoppelt von der “Realwirtschaft” ist ja nun auch der ganze Finanzmarktsscheiß nicht, wie jüngst geäußerte Kritik an der Deutschen Bank belegt, die dieser Kritik  zufolge Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben. Immerhin.

Zizek, der ja auch viel Unsinn dampfplaudert, hat in “Auf verlorenem Posten” die schöne Formel geprägt, es gelte, “den Anteil der Anteilslosen” einzufordern. Er versteht das explizit als Reaktualisierung der “Diktatur des Proletariats”, die ja durch Lenin, Stalin, Gulag so ganz und gar nicht verwirklicht wurde. Wie aber kann man das denn aktuell denken? Ich habe auch keine Antwort, aber so albern sich das liest, es fehlt die Utopie.

Wie steht es so schön in der aktuellen BASCH?

“Der Soziologe, Politologe und Philosoph Herbert Marcuse sprach schon 1967 vom “absorbierten Bewusstsein”, in dem Massenmedien zwischen der herrschenden Meinung und dem Einzelnen in der Gesellschaft vermitteln und manipulieren. Der Mensch erkennt die vorgebebene Realität an und richtet seine Bedürfnisse, im Glauben, es seien seine eigenen, danach aus. Ein kluger Mann.”

BASCH #5, S. 34

Wohl wahr. Betrifft freilich nur Bedürfnisse ab einer gewissen Stufe, stellt aber wenigstens die Frage nach der “vorgebenen Realität”.

Manchmal habe ich das Gefühl, man findet mehr politische Utopien in esoterischer Literatur zum Schamanentum als in der politischen Diskussion. Man reproduziert die immer realer werdenden Dystopien, verdoppelt sie so nur. Ja, ich kenne auch den Kästner-Spruch “Wo bleibt das Positive, Herr Kästner? – Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt!”. Ich finde es sehr überzeugend, wenn gerade im Gefolge der Kritischen Theorie manche sich auf Kritik beschränken.

Und trotzdem: Wäre es nicht mal wieder an der Zeit für Positivbilder, solche der Fülle, nicht der Verwaltung des Mangels? Keine naiven Bilder ewigen Friedens, sondern Visionen voller Leidenschaft, Eros, ja, Marcuse halt, Kreativität – und das nicht nur bezogen auf die Protestformen? Voller Faulheit und Muße?

Ich frage ja nur.

 

Nachschlag: Die Rede von Naomi Klein bestätigt mich eher in der Skepsis, dass “wir zahlen nicht für eure Krise” nun auch nicht ausreicht, obgleich da auch gute Passagen drin sind:

“Eins weiß ich genau, das eine Prozent (das uns beherrscht) liebt die Krise. Wenn Menschen in Panik geraten, verzweifelt sind und keiner mehr zu wissen scheint, was getan werden muss, dann ist das die ideale Gelegenheit für die Herrschenden, ihre Wunschliste für eine noch konzernfreundlichere Politik durchzusetzen: die Privatisierung des Bildungssystems und der Sozialversicherung, die Beschneidung des öffentlichen Dienstes und die Beseitigung der letzten Einschränkungen der Konzernmacht. In dieser Wirtschaftskrise geschieht das auf der ganzen Welt.”

Und ist “Wir sind der Markt” jetzt die Forderung nach einer Vergemeinschaftung von Produktionsmitteln und einer freien Assoziation der Produzenten oder eine freiwillige Selbstökonomisierung, die auch nix ändert?

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40 Antworten zu “Fragen über Fragen

  1. Loellie Oktober 20, 2011 um 4:33 nachmittags

    Neee, die Vergemeinschaftung der Produktionsmittel ist nicht einfach nur kein Thema, sondern wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit zurückgewiesen. Zumindest in den USA ist die Bewegung definitiv und offen Pro-Kapitalistisch. Vermutlich noch nichtmal nach europäischen Massstäben sozialdemokratisch. Von der Forderung, Unternehmen die Too Big To Fail sind zu zerschlagen, hört man auch nichts mehr.
    Das ist nichts, was unsereins als emanzipatorische, oder revoluzionäre Bewegung bezeichnen würde. Andererseits IST der Bahnhof in Stuttgart zB ein Symptom maffiöser Strukturen, weshalb die Frage, warum die Demonstranten jetzt demonstrieren, obwohl sie das Pack wissentlich gewählt haben (zumindest haben wir es denen oft genug gesagt), wichtig und richtig ist, aber auch kein Grund sein kann, gegen die Demonstranten und dadurch gleichzeitg für den Bahnhof zu sein.
    Und Andererseits ist das hier: “Occupy Wall Street: Das ist jetzt die wichtigste Bewegung der Welt ” … irgendwie find ich das frech.

    In Spanien wird zum Teil auch interveniert, wenn Hausräumungen anstehen und in Griechenland mag das ein gutes Stück weitergehen. Nur davon hört man nirgends nichts. In Griecheland war es gestern kurz davor das Parlament zu besetzen, zB.

    Und ich warte auch immer noch darauf, dass den Feministinnen mal auffällt, was seit ca 2 Jahren in den USA los ist. Interessiert wohl nicht. Was jetzt keine Volte ist, sondern nur ein Symptom darstellen soll.
    Was ich meine ist, wenn sich die nichtmal um ihre ureigenen Themen kümmern, finde ich es schon vielverlangt, dass bürgerlicher Protest dann aber gefälligst systemanalytisch fundiert daher kommen soll.

  2. momorulez Oktober 20, 2011 um 4:46 nachmittags

    Das findet ja in letzter Zeit verstärkt statt; dass dieses so dezent erfolgt, wundert mich auch manchmal. Und die Überschrift beim Broeckers fand ich auch außerordentlich seltsam, ebenso wie die Focussierung auf die Rockerfellers und die Rothschilds, weil selbst wenn die unerträglich schweinereich und megamächtig sind, schon noch eine ganze Menge Strukturen da sein müssen und sehr viele diese unterstützen müssen, damit das alles funzt – alter Hut.

    Spanien habe ich jetzt auch ein bißchen mehr mit bekommen, konkret Barcelona, und das scheint mir mal aber von einer deutlichst höheren Jugendarbeitslosigkeit im Grunde genommen genau wie in Hamburg. Und was mir dann eben doch fehlt, ist, dass Versuche unternommen werden, die hiesige Gentrifizierungsnummer auch nur irgendwie mit Vorgängen in Indien, China oder im Kongo in Beziehung zu setzen. Da war die Welt doch schon mal weiter. Auch wenn in den Kommentarsektionen befeindeter Blogs sich nun irgendwelche Youngster beklagen, wie sehr sie doch betrogen wurden. Ihnen wäre doch gesagt worden, der Kapitalismus sei die einzige und beste Möglichkeit, und jetzt … wie lächerlich, sorry. Man kann ja auch selbst Bücher lesen. Wenn unsere Ultras jetzt anfangen, Marcuse zu rezipieren, dann scheint das ja zu gehen.

    Das man “Too big too fail” zerschlagen sollte ist sogar eine rechtsliberale Forderung.

    Und in bin ja nicht für den Bahnhof. Ich will eine bessere Welt ;) … wenn die sich aber nur in fortwährender Konservierung erschöpft, dann geht das doch auch alles nicht. Ich will morgens fischen, mittags jagen und abends räsonnieren ;) – und je länger ich hier den Geschäftsführer spiele, desto alberner kommt mir dieser ganze prokapitalistische Quatsch vor. Alles Lüge. Innerhalb dessen KANN man nur auf Kosten Anderer leben, wenn man überleben will. Dabei haben Menschen doch ganz andere Möglichkeiten. Die können kooperieren, musizieren, Bilder malen und zum Mond fliegen (wahrscheinlich zumindest). Die können mit wenigen Produktionsmitteln halbe Städte ernähren. Usw.

  3. che2001 Oktober 20, 2011 um 6:29 nachmittags

    @”Und was mir dann eben doch fehlt, ist, dass Versuche unternommen werden, die hiesige Gentrifizierungsnummer auch nur irgendwie mit Vorgängen in Indien, China oder im Kongo in Beziehung zu setzen.” —– Das passiert, zum Beispiel das Weltsozialforum macht das oder Le Monde diplomatique, aber das erreicht die Massen nicht. Da hilft nur weitermachen, selbst was machen…

  4. Nörgler Oktober 20, 2011 um 6:53 nachmittags

    Die bessere Welt braucht einen besseren Bahnhof.
    Wahnsinn – den haben wir ja schon!

  5. momorulez Oktober 20, 2011 um 7:27 nachmittags

    @che:

    “Occupy” wäre schon die Gelegenheit, da mal was aufzugreifen.

    @Nörgler:

    Ich bin, glaube ich, nur 2 Mal in Stuttgart aus dem Zug gestiegen und dachte beide Male “Meine Güte, was für ein muffiger, wilhelminischer Bau, können die nicht endlich mal einen neuen bauen?” :D

  6. Nörgler Oktober 20, 2011 um 7:40 nachmittags

    “Ich bin, glaube ich, nur 2 Mal in Stuttgart aus dem Zug gestiegen und dachte beide Male „Meine Güte, was für ein muffiger, wilhelminischer Bau, können die nicht endlich mal einen neuen bauen?“ ”
    Ist witzig. Kommt aber feelingmäßig rüber, wie das Schwulenbashing durch die Rautisten. Wenn ich denn mal auch über meine Gefühle sprechen darf.

    Da läuft nichts.

    Schön, Frau Shehadeh, dass die Tradition der Anfang der 70er Jahre durch die K-Gruppen installierten Belehrung der Massen durch Intellektuelle doch weniger gebrochen ist, als es die Jahrzehnte hindurch den Anschein hatte. Sie wiederbeleben diese Tradition, ohne allerdings jene Events zu riskieren, welche in blutigen Nasen der vor Firmentoren agitierenden K-Grupplern endeten, welche die Proletarier ihnen verpassten.
    Wie Sie hiermit bereits erkannten, diagnostiziere ich die Strunzdummheit ihrer Einlassung, der Positionierung und theoretischer oder zumindest intellektueller Überbau fremd sind, da sie weder als Theoretikerin bislang hervorgetreten noch sonstwie dafür geeignet sich zeigen.
    Es ist Ihre angemaßte Superiorität, die mißfällt. Hören Sie auf damit. Die Liga, in der Sie spielen möchten, ist nicht die Ihre.

  7. Nörgler Oktober 20, 2011 um 7:46 nachmittags

    Irgendwas ging jetzt da durcheinander. Ich halte das aber nicht für so schlimm. Das kriegen iwr doch schon sortiert.
    Ad Vocem Sortierung: Wenn St. Pauli gegen die Rautisten relegiert, und die Rautis kacken ab – dann, dann Momorulez möchte ich von Dir in jene Kneipe, in die Kneipe eingeladen werden, und es wäre mir nicht zuviel, dafür 580 Kilometer zurückzulegen.

  8. momorulez Oktober 20, 2011 um 8:11 nachmittags

    Wieder besoffen, oder was? Würdest Du es gefälligst unterlassen, Nadia hier zu beschimpfen? Mal ab davon, dass Strunzdummheit nun nicht unbedingt jener diagnostizieren sollte, der sie gerade vollzieht und dass Deiner verdinglichten Logik folgend Menschen und Bahnhöfe ungefähr das gleiche sind, dass Du gemeint sein könntest von dem, was Nadia schreibt – ich ja auch -, wie auch von dem, was Du gerade selber schreibst, scheint ja eine narzißtische Abwehrreaktion zu provozieren, die dann doch immer wieder bestätigt, was man so rund um diesen Bahnhof da vermutet. Wo hinterher Typen wie dieser Kretschmer Ministerpräsidenten werden. Würg.

    Unterlasse aber neben der Beschimpfung hier verlinkter Autoren, die da weiter denken, wo Du offenkundig 1975 aufgehört hast, dämliche Bezugnahmen auf das Homophobie-Thema da, wo es nun nicht hin gehört.

  9. Pingback: Schwertun #Occupy | ☠ ring2

  10. Loellie Oktober 21, 2011 um 2:36 nachmittags

    Ich wollt’ schon sagen “was hast du dem armen Ding mit deiner Verlinkung nur angetan”, bei den Kommentaren, die dort mittlerweile aufgeschlagen sind … dann verlinkt die völlig durchgeknallte Anti-Deutsche und den Ober-Psycho Kulla. So nun wirklich nicht.

    Kein Wunder, dass die mit Guy Fawkes anfängt um dann mit Herr der Ringe abzulenken, anstatt die Klammer mit diesem unsäglichen libertären Vendetta-Schund wieder zuzumachen.

    Anonymus ist dann ja auch zuverlässig, wie das bei libertären wohl unvermeidlich ist, zum arisch-evangelikalen Komplex übergelaufen.

    http://www.heise.de/tp/artikel/35/35708/1.html

  11. Nörgler Oktober 21, 2011 um 2:46 nachmittags

    Naddel beschimpft diejenigen, die sich darüber empören, dass man ihnen an die Existenz geht. Die Tahir-Bewegung und die Massendemonstrationen in Israel sind exakt das. Den ägyptischen Widerstand cool zu finden, während sie über substanzgleiche Bewegungen hierzulande abkübelt, stellt das Bild des tradierten Bürgerklassiszismus, der den exotischen N… bewundert.

    Diese Bewegungen sind restitutiv, da der innerkapitalistischen Konkurrenz geschuldet. Deren Ruin der Grundlagen der Revenue erzeugt den Wutbürger, der seine Interessen vertritt, mit Betonung auf ‘seine’. Da Naddel den Begriff der Konkurrenz nicht kennt, begreift sie das nicht. Da sie es nicht begreift, kommt sie, und nicht sie allein, auf den irren Einfall, die Mittelschicht müsse, so irgendwie moralisch, die Interessen der Prekarisierten gleich mitvertreten. Aber den Protest der im Verteilungs- und Machtkampf Zukurzgekommenen wegen Absenz der Forderung der sozialen Weltrevolution zu bashen ist so sinnhaft, wie eine Kuh dafür zu kritisieren, dass sie nicht fliegen kann.

    Die Reaktionäre, die bereits in Sachen WAA Wackersdorf Systemtranszendierendes irrtümlich wahrnahmen, haben von den immanenten Widersprüchen des Kapitalismus mehr verstanden als die N., die über all das labert, wovon sie nichts versteht, und darum auch – Karl Kraus nannte das „Fügung“ – so heißt wie sie heißt. Denn dem die Massen ergreifenden Gefühl der Attacke auf die Existenzgrundlagen müßte ‘nur’ noch die Einsicht des Systemischen und die Theorie hinzutreten.

    Als neulich Jugendliche in London ihrer Unzufriedenheit lebhaften Ausdruck verliehen und der Meinung waren, dass angesichts der Übernahme kompletter Volkswirtschaften durch die Herren der Märkte ihnen selbst ein kostenfreies TV-Gerät doch wohl zustünde, präsentierte die komplette Medienrange von Dieckmann bis DonAlphonso wie abgesprochen und im Vollzug einer freiwilligen Gleichschaltung den kritisch normalisierenden Bürgeranstand: Dies sei unpolitisch, da verwerflicherweise Ziele, Forderungen und Konzepte fehlen. Während DonAlphonso zusätzlich gutes Benehmen vermißte, bemängelt in dem in Rede stehenden Fall Blogerin N. Defizite einer Theorie, und zwar einer solchen Theorie, die sie selbst garnicht kennt.

    Hochmögende Moral, lebensweltliche Präskriptionen und theoriefreie Berufung auf Theorie sind Markierungen postbürgerlicher Bürgerlichkeit. Das war mir bereits 1975 klar. Naddel hat es bis heute nicht verstanden. Du aber simulierst nur das Nichtverstehen. Haben wir das nötig? Eigentlich doch nö, oder?

  12. momorulez Oktober 21, 2011 um 2:53 nachmittags

    Na ja, “Ober-Psycho Kulla” sehe ich ja nun nicht so, verarbeitet halt jeder anders, was so auf ihn einprasselt, und in bestimmten Bereichen hat er echt Pionierarbeit geleistet.

    Und die Kommentare drüben habe ich noch gar nicht angeguckt, muss ich wohl mal machen. Wo hier schon wieder sich zeigt, wie übel einem die Heten nehmen, wenn man Homophobie thematisiert. Schade, Nörgler hatte einige der brilliantesten Kommentare zu dem Thema, und nun wieder die Nummer, Juden dafür anzufeinden, dass es Antisemitismus gibt und das Thema dann möglichst hinein zu mengen, egal wo.

    Ich habe noch mal rum gegrübelt, ob mir irgendein Bahnhof einfällt, den ich okay finde, und kam ausgerechnet aufs Dammtor :D – nun gerade jener, der sich von Deklassierten am konsequentesten abgrenzt. Den ich Zürich fand ich übrigens auch nicht übel.

    Und ich finde den Text von Nadia prima, mag ihre Schreibe, halte sie für eine der erfrischendsten Blog-Autorinnen – und weiß auch nicht, wieso man sich da nun zwanghaft drüber erheben muss.

    Und ich glaube ja gar nicht an die Unvermeidlichkeit des Überlaufens der Libertären zum arisch-evangelikalen Komplex. Im Grunde genommen verstehe ich das auch immer nicht, trotz all der Wixer wie Hoppe und Co.

  13. momorulez Oktober 21, 2011 um 3:02 nachmittags

    @Nörgler:

    Nein, sie kritisiert die sich in Deutschland aufgrund von Konkurrenz “nach unten” abgrenzenden Mittelschichten. Weiß auch nicht, was Dich nun dazu verleitet, ihr Unkenntnis hinsichtlich des Konkurrenzbegriffes unterzuschieben oder gar den “exotischen N.”.

    “kommt sie, und nicht sie allein, auf den irren Einfall, die Mittelschicht müsse, so irgendwie moralisch, die Interessen der Prekarisierten gleich mitvertreten

    Ja, der Ansicht bin ich allerdings auch, dass Privilegierte zur Kenntnis nehmen sollten, dass sie gefälligst mal Platz zu machen haben. Das meint ja “den Anteil der Anteilslosen einfordern”. So, wie Du das nun darstellst, ist das einfach reinen Affirmation mit Mitteln der Theorie.

    Zu London bin ich ja ganz bei Dir, da hat auch Zizek ins gleiche Horn gestoßen. Da kann nun aber schlecht die Antwort sein “Der Mittelstand hat gefälligst im Gegenzug SEINE Interessen zu wahren und Höchststrafen für die Plünderer zu fordern, alles andere hieße, eine Kuh zu kritisieren, dass sie nicht fliegen kann”. Was ist denn das für eine merkwürdige Logik?

    Und nun immer wieder raus zu kramen, dass nicht alle Welt sich mönchisch ins Hinterzimmer zurück zieht und den Rest ihres Lebens Aristoteles und “Das Kapital liest”, sorry, echt nichts gegen diesen way of life und bei allem Respekt und meiner nie geleugneten, ehrlichen Zuneigung zu Dir: Das ist auch immer ein bißchen viel verlangt.

  14. momorulez Oktober 21, 2011 um 3:11 nachmittags

    @Loellie:

    Jetzt weiß ich, was mit dem meinst, man könnte ihr mit der Verlinkung vielleicht keinen Gefallen getan haben :D – und Kulla fand ich unter der Antideutschen immer noch einen der erträglichen, und das Dumme ist, dass manches, was da bei Reflexion steht, ja nun auch nicht nur doof ist. Natürlich gibt es völkische Agitation gegen die EU, ebenso, wie es unter diesen ganzen Bilderberger- und Illuminaten-Hanseln tatsächlich jede Menge Antisemiten gibt. Wir recherchieren hier gerade in anderem Kontext zum gleichen Thema, und wie wahnsinnig schnell man da z.B. auf die Theorie von den “Reptiloiden”, die ja gar keine primär antisemitische ist meines Wissens, stößt, das ist schon erstaunlich.

  15. Nörgler Oktober 21, 2011 um 3:17 nachmittags

    “Juden dafür anzufeinden, dass es Antisemitismus gibt”
    Yep!
    Die übliche sinnfreie momorulezsche phantasmagorische Aggro-Fontäne – was hatte ich auch anderes erwartet. Angesichts meiner im Detail ausgeführten Argumentation und angesichts meiner Person mir Antisemitismus anzuhängen, versetzt uns in eine Situation, innerhalb derer ich die Frage nach dem Promillegrad zurückgeben darf.

    Es reicht nun mal nicht, den vernaddelten Käse “prima” zu finden. Das eine oder andere Sachargument hätte man da schon erwartet – oder auch nicht: Es gibt ja keins. OK, Momorulez, mach mir den Broder.

  16. momorulez Oktober 21, 2011 um 3:25 nachmittags

    Na, dann erläutere doch mal, wie Du auf den Homophobie-Zusammenhang bei der Frage nach einem Bahnhof kommst?

    Das andere Argument war ein strukturelles, wie Du ja weißt, weil Du hier gerade den klassisch weißen, heterosexuellen, bürgerlichen Priviligienverteidiger gibst, der einmal mehr in tiefer Befriedigung irgendwas stereotyp als “phantasmorgisch” ausweist, uff, wieder eine Welt gerettet, das letzte Mal, dass ich auf so was eingehe und nicht gleich lösche. Dieses ganze permanente Unterstellen von irgendwelchern “Phantasmorgien” ist auch einfach nur die klassische Hysterisierung von allem, was nicht in die wohl gehütete männliche Selbstverständniswelt des magischen Kreises der Bildungsbürger passt, hat ja Adorno schön beschrieben, nur leider vorkritisch nie auf sich selbst angewandt.

    Zum Inhaltlichen habe ich ja was geschrieben.

  17. Nörgler Oktober 21, 2011 um 3:32 nachmittags

    Dass außer Dir und Loellie hier kaum einer noch sich beteiligt, verwundert nicht. Den Safe Place kriegt man durchaus auch so hin.

  18. momorulez Oktober 21, 2011 um 4:01 nachmittags

    Ja, in der Tat, anders geht es wohl auch nicht. Das hat mich auch sehr erschüttert innerhalb des letzten Jahres, wie tief im irgendwie weit gefassten linken bis linksliberal-mittigen Umfeld Homophobie verwurzelt ist und wie gering die Bereitschaft zu einer ernstzunehmenden Auseinandersetzung mit diesem Thema. Wie final der Fall Cassie belegte, zuvor die Diskussion mit dem Übersteiger. Wenn man dem Toleranzgedöhns nicht devot nach dem Mund quatscht und sich ansonsten von morgens bis Abend nicht der Fantasien bezichtigen lässt, der Unterstellung der Positiv-Diskriminierung, der Instrumentalisierung von Opferrollen und notfalls den schwulen Nazis und dem ach so mangelnden Mitgefühl dafür, wie schlimm es doch sei, der Homophobie beschuldigt zu werden, aussetzt, setzt es halt wahlweise unaufhörliches Abarbeiten, unverhohlene Aggression oder Exklsuion. Es gibt große Bereitschaft, auf Dritte einzuprügeln, aber keine, sich mal in Selbstreflexion zu ergehen.

    Da ich auf diesen Quatsch aber keine Lust mehr habe, lese ich nunmehr auch lieber ein gutes Buch stattdessen.

    Dich habe ich da bisher als rühmliche Ausnahme angesehen. Um so verwunderter war ich über obigen Kommentar.

    Ansonsten kann man bei Rassismus-, Sexismus- und Homphobie-Fragen die irgendwie Linke getrost vergessen, die reduziert sich auf bildungsbürgerliche Privilegiensicherung und braucht die Assymetrie, um sich abzuschotten. Und ist halt gegen Nazis, ignoriert aber den Extremismus der Mitte.

    Und exakt so gehst Du hier gerade auf Nadia los. “Ich habe Marx gelesen, und die kleine “Naddel” ist dafür eh zu doof.”

    PS: Ist so total natürlich insofern übertrieben, dass es z.B. Bersarin, @ring2 und Kleiner Tod ja auch noch gibt. Die sind nur allesamt nicht vor allem in linken Diskussionszirkeln sozialisiert. Du bezeichnest Dich ja auch nicht als links, stammst aber aus der linken Debattenlage der 70er. Andere, mit denen man auch kaum noch redet, bezeichnen sich auch nicht als links, sind aber in St. Pauli-Diskussionen groß geworden.

  19. Loellie Oktober 21, 2011 um 4:56 nachmittags

    Ich denke bei den libertären muss man wohl zwischen Theorie und Praxis differenzieren, und da scheint was schief zu laufen, in dem Sinne, dass rechtsextreme bei den libertären Wege finden Rassismus zB zu rechtfertigen, weil ja Geschmacksache. Mir sind jedenfalls aktuell keine libertären bekannt, die nicht entweder Milliardäre sind, und oder im Umfeld von White-Supremacists agieren.

    Das steht dir doch frei was du erfrischend findest, wenn dann nach der Erfrischung Breivik-Prosa gereicht wird, vergeht mir eben der Appetit und das einzige was sich da bei mir erhebt ist das zu spät genommene Mittagsessen.
    Mit dem Kulla bin ich irgendwann irgendwo wegen irgendwas aneinander geraten … und fand den dann bescheuert … whatever …

    ” … und das Dumme ist, dass manches, was da bei Reflexion steht, ja nun auch nicht nur doof ist. … ”
    Das sehen die Kommentatoren auf Fox-News genauso. Zumindest wenn man die paar Anti-Kapitalistischen Alibisprechblasen rausnimmt. Die Methodik in der Berichterstattung ist bei beiden auch identisch. Erst so tun, als wüssten die alle garnicht warum sie überhaupt demonstrieren, um dann den durchgeknalltesten die sich finden das meiste an Medienpräsenz zu spendieren. Mir ist “wir sind das Volk” ja auch nicht geheuer, dass jetzt aber auf Adolf zurückzuführen ist schlicht infam und sonst garnix. Das heute kein Mensch mehr weiss, was Anti-Semitismus überhaupt bedeuten könnte, liegt doch an genau der pentagoninspirierten Agitation die Reflex betreibt. Was übrigens konstituierend für Neocons ist, Probleme zu schaffen oder zu erfinden um dann eine opportune Lösung anzubieten. Der steckt doch mit seinem US-Nationalismus selber Oberkanteunterlippe im kackbraunen Sumpf.
    Meine Fresse, bei dem ist wirklich jedes zweite Wort “Antisemitische Hetze”. Klar, alles Nazis ausser ihm selber. Geh Weg …
    Die Anti-FED Heinis sind auch nicht nur doof, schliesslich handelt es sich dabei, im Gensatz zu den europäischen Zentralbanken, um ein Privatunternehmen. Da kommt auch die Nummer mit den Rockefellers und Rothschilds her, weil die dort u.A. grosse Anteile halten.
    Mir stinkt das auch, dass sich kaum noch Analyse findet, dass allseits Bildungsnotstand grassiert, oder dass keiner mehr merkt, wenn er neben einem Nazi steht. Was ja aber genau das Anliegen der “Anti”-Deutschen Herrenmenschen ist, damit sie die Deutungshoheit des Pentagon darüber wahren können, wer Nazi ist und wer nicht und damit sie etwaige Proteste um jeden Preis verhindern könn(t)en. Mir stinkt genauso, dass Nadja Reflexe verlinkt, ohne zu merken, was sie da tut.

    Bahnhof?

    Ich muss ja gestehen, dass ich den BhF in Hanover in seiner abgefucktesten Phase in den 80ern richtig Klasse fand. Oder die Feuerwache in Frankfurt, die auch endlos unterirdisch angelegt ist. Das war allerdings zu meiner lichtscheuen Phase :-)
    Der in Zürich ist der einzige Ort in der Stadt, der einem zentralen Platz nahekommt, an dem wenigstens temporär sowas wie Verweilen stattfindet. Ansonsten sitzt man in einer engen Gasse und alles was Knotenpunkt sein könnte besticht durch ein Non-Stop Rush-Hour feeling. Den in Lausanne finde ich ganz bezaubernd, weil der zwar ziemlich klein ist, aber trotzdem sehr hoch und mit Galerie auf der es ein leckeres Chinarestaurant hat. Da freut sich der Voyeur in mir. Amsterdam ist auch nicht schlecht, da muss man sich aber leider ins Burgerking setzen, um auf die Galerie zu kommen.
    Den in Stuttgart finde ich hässlich, aber darum geht es doch garnicht.
    Ich glaub ich mag Bahnhöfe nicht. Zumindest versuche ich jetzt krampfhaft mich an welche zu erinnern, was mir erhebliche Schwierigkeiten bereitet.
    Der Bahnhof Zoo zB. Da fährt man vom Gleis direkt runter in die U-Bahn, weshalb der in meiner Erinnerung irgendwie garnicht existiert …

    Das hat sich jetzt überschnitten.

  20. Loellie Oktober 21, 2011 um 5:03 nachmittags

    Homophob homphob homophob … was will momo denn die ganze Zeit, wundere ich mich, so daneben liegt der nörgler nach erfolgreicher Ausnüchterung doch garnicht.
    Ich hatte das schlicht überlesen.

    Und ich guck mir jetzt eine Doku über Wilson an ;-)

  21. ziggev Oktober 21, 2011 um 5:10 nachmittags

    ja, ich hatte auch schon so Träumereien, vom sozialen Aufstieg, mich mal unter die hippen smartphone-vernetzen jungen Studentinnen zu mischen, und mal abheben, fliegen !

    Du warst nicht dabei ? Hast nicht demonstreirt ? – Oh, wie ich enntäuscht war, als mein Vater mir erzählte, dass er als prekärer Student (Hafenarbeiter) anzugbewehrt ´67 oder ´68 aus der hamburger Oper schritt und dann erst bemerkte, hier ist ja ne Demonstration, stimmt da etwas vielleicht nicht ? Von 68 hatte der überhaupt nix mitgekriegt.

  22. momorulez Oktober 21, 2011 um 6:03 nachmittags

    @Loellie:

    Was die “Antideutschen” betrifft, gehe ich ja zumeist d’accord mit Dir; im konkrten Fall ist das aber schon noch etwas komplexer. Da helfen auch Verweise auf Fox-News wenig, dass auch ganz ohne die Behauptung von “strukturellem Antisemitismus” personalisierende Kapitalismuskritik ein Problem darstellt und diese “99%”-Geschichte schnell zur “Volksgemeinschaft” kippt.

    Dass das “Mädchenmannschaft”-Umfeld deren Desinformations – und Brainwash-Strategien nicht kennt, das ist mir allerdings auch schon mehrfach aufgefallen. Lantzschi ist da in letzter Zeit häufiger mal ran gegangen.

    Und “homophob” habe ich ja nicht eingeführt, das ist ja mein Thema hier mit Nörgler gerade, dass er das in einem grotesken Zusammenhang aus dem Hut zauberte. Und ich mir halt vorstellen kann, wer gerade mit wem was für mails austauscht.

    Ansonsten liegt er da aber völlig falsch. Ich hatte ja sogar vorsichtshalber eine Verbeugung ihm gemacht, weil ich den Rückzug in die reine Theorie und die Kritik ohne irgendwelchen Utopievorstellungen schon auch respektiere. Oben formuliert er die Legitimation der hiesigen Schulreformgegener, das ist schon was ganz anderes.

  23. momorulez Oktober 21, 2011 um 6:05 nachmittags

    @Ziggev:

    Ich war ja sogar auf dem Rathausmarkt bei der “Occupy”-Kundgebung :) – und habe meiner Mutter immer übel genommen, dass die Elvis erst bei “Muss i denn …” mit bekommen hat und ansonsten den Rock’n’Roll gar nicht.

  24. Loellie Oktober 21, 2011 um 6:42 nachmittags

    Schnell vorm Küchendienst noch eine gute Nachricht

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=15220

    Mehr davon bitte.

  25. ziggev Oktober 21, 2011 um 6:45 nachmittags

    letztes Wochenende war ich bei der großen Familienfeier des “Freie Evangelische Gemeinde”-Zweiges meiner Familie. Nicht evangelikalischen Zweiges (gibt es auch nicht): Der extra aus Österreich angereiste Prediger sprach von “Gehirnwäsche”, und wiederholte dieses Wort noch ein – zweimal, als er auf die missionarischen Erfolge gegen eine allzu gefühlsbetonte Religiösität verwies. “Gehirnwäsche” also, der offensichtlich solche unterzogen worden seien, die vor lauter gefühlsbetonter Religiösität, viel zu viel Wissen um das “Evangelikum” verlohren hätten. Dazu in anderem Zusammenhang, war jedenfalls inspirierend, vielleicht etwas mehr.

    Den Kommentar aber bitte auch mal in folgendem Kontext lesen: “Prekariat ist bei uns irgendwie eine Familienkrankheit … ” mit anderen Worten, ich meinte das schon als Stimme von unten!

  26. momorulez Oktober 21, 2011 um 8:11 nachmittags

    @Loellie:

    Lese den Namen zum ersten Mal :(

    @Ziggev:

    Vermutlich sollte man aufhören, Studium als Mōglichkeit des “sozialen Aufstiegs” zu betrachten, sondern dazu zurück kehren, es einfach als eine Form der Möglichkeit, sich Wissen anzueignen … und ich habe es schon wieder vergessen, aus der Kirche auszutreten.

  27. ziggev Oktober 21, 2011 um 8:46 nachmittags

    ich war schon immer, angeboren, freikirchlich (taufe, konfirmation all inclusive). “einfach als eine Möglichkeit, sich Wissen anzueignen” … ach, solchen Idealismus hatte ich auch einstmals. die Bedingungen für ein solches Verständnis stehen aber vielleicht im Zeichen des Internts gar nicht so schlecht

  28. momorulez Oktober 21, 2011 um 9:11 nachmittags

    Ich hab damals schon so studiert, Philosophie, Soziologie und Sozial- und Witschaftsgeschichte galten ja eher nicht als Job-Garanten oder Stufen auf dem Weg des sozialen Aufstiegs. Um dann später festzustellen, dass es in jenen Großorganisationen, die heute meine Kunden sind, schon einen ganz gewaltigen Unterschied macht, ob man einen Uni-Abschluss hat oder nicht. Und leisten konnte ich es mir ja auch nur Dank Vater, der mir das Studium finanziert hat und keinerlei Druck auf die Wahl der Fächer ausübte, und dann für einen Studenten recht luxuriöses Waisengeld, als es ihn nicht mehr gab. Also auch wieder nur eine Privilegienstruktur.

  29. Loellie Oktober 21, 2011 um 10:28 nachmittags

    Aleksejev ist dieser Todesstrafenbefürworter der mit westlichem Jetset zusammen gefakte CSDs in Moskau organisiert, zu denen die Teilnehmer dann aus dem Ausland eingeflogen werden. Sehr dubios das alles.

    Occupy jetzt auch mit Psychosekte. Fehlen eigentlich nur noch die Satanisten und die VPS, die Vereinigung pädophiler Serienvergewaltiger, dann hätten wir alle Schreckgespenster des letzten Jahrhunderts zusammen.

    http://www.taz.de/Occupy-Bewegung/!80372/

    Was jetzt alles nationale autonome nicht besser macht, aber wenn da aus allen, wirklich allen Rohren so auf die paar demonstrierenden Hanseln eingedroschen wird, dann geht mein Alarm auf Hochtouren.

    ” … die Bedingungen für ein solches Verständnis stehen aber vielleicht im Zeichen des Internts gar nicht so schlecht … ”
    Ich hab das mit studieren ja auch immer dahingehend misverstanden, dass es um Bildung ginge. Vielleicht war das früher mal so.
    Was das Internet angeht bin ich mittlerweile nicht mehr so optimistisch wie auch schon mal. Ich hab schon garnicht gefragt, ob es die offenen Veranstaltungen der Queer-Ag auf Youtube geben würde zB, weil ich nicht mehr glaube, dass das was wird. Und das obwohl die dazu erforderliche Technik an allen Ecken für den Gegenwert einer verkniffenen Sauftour zu haben ist.
    Andererseits fällt mir auch immer wieder auf, dass Vor- Lesungen selbst von wirklich weltberühmten Dozenten mit ein paar hundert Aufrufen vor sich hindümpeln. W
    Dafür, warum das so ist, hab ich nicht mal den Hauch einer Ahnung.

    BTW, ich guck jetzt nicht sooo regelmässig bei der Mädchenmannschaft vorbei, aber heute gabs wenigstens mal einen kurzen Hinweis auf eine Abstimmung mit der die Republikaner jetzt auch noch Notfallstationen davon entbinden wollten, selbst lebensrettende Abtreibungen bei akuter Lebensgefahr für die Mutter durchführen zu müssen.

  30. momorulez Oktober 21, 2011 um 11:34 nachmittags

    Dieser taz-Artikel der taz-Sekte stellt zumindest voran, was auch für die taz gilt: Man gibt sich offen, aber bei Kritik … das wirkt nun aber echt dubios, wenn so was gestreut wird. Interessant übrigens auch die CDU-Sekte, die mit solch seltsamen Konterfeis wie jenem von Adenauer agiert oder gar die Aussagen von Quantenphysikern, sie wollten der bloßen Meinung Wissenschaft entgegen setzen …

    Dass ich spãtestens nach G-Punkts Ein- und Auswürfen dachte, dass an “Occupy” mehr dran ist, ja, Gott, ist ja wieder niemandem aufgefallen, dass ich oben “Fragen über Fragen” drüber geschrieben habe, weil ich es ja auch nicht weiß. Und dass dann beleidigte Süddeutsche ihrer Ansicht, dass Frauen erst mal das Kapital studiert haben müssten, bevor man mit denen spricht, die Diskussion dominieren, da kann ich ja nix für.

    Dieser taz-Artikel belegt wohl tatsächlich, dass “Occupy” eine Gefahr darzustellen scheint, wenn die so was streuen, wer auch immer die ist. Solche Artikel gehören ja zu dem Schlechten, was Israel passieren kann.

    Ach, und das Internet: Ich habe die Aufforderung schon verstanden ;) – generell ist das Problem, dass man das, was im Internet passiert, zumeist irgendwie anders finanzieren muss. Und dann will ich zumindest im Netz auch anderes tun als im Job.

  31. Nörgler Oktober 22, 2011 um 12:59 nachmittags

    “Na, dann erläutere doch mal, wie Du auf den Homophobie-Zusammenhang bei der Frage nach einem Bahnhof kommst?” Das kann ich nicht erklären. Das war ein Lapsus, dumm und überflüssig.
    ______________________

    “‘kommt sie, und nicht sie allein, auf den irren Einfall, die Mittelschicht müsse, so irgendwie moralisch, die Interessen der Prekarisierten gleich mitvertreten’ Ja, der Ansicht bin ich allerdings auch, dass Privilegierte zur Kenntnis nehmen sollten, dass sie gefälligst mal Platz zu machen haben. Das meint ja ‘den Anteil der Anteilslosen einfordern’. So, wie Du das nun darstellst, ist das einfach reinen Affirmation mit Mitteln der Theorie.”
    Bei der Sorte Töne, die Nadja anschlägt, lasen wir in der Vergangenheit von Dir die zutreffende Bezeichnung als Paternalismus.
    “Uns von dem Elend zu erlösen, müssen wir schon selber tun!” Es ist ja nicht alles falsch, was die “Internationale” steht. Und wenn ich sehe, dass noch immer nicht allseits klar ist, dass die Produktion des Mehrwerts nur von den ihn Produzierenden gestoppt werden kann, dann sind die alten 70er unangenehm aktuell.

  32. Loellie Oktober 22, 2011 um 1:17 nachmittags

    Lesen kann ich und das du an irgendwas schuld bist, hab ich doch garnicht gesagt.

    Ich sag ja auch nicht, dass die ganzen von Reflex aufgezählten Vereine irgendwie toll sind, oder dass diese Sekte in der taz nicht dubios ist. Die sind mir vor ein paar Jahren mal unangenehm aufgefallen, hab die aber nicht weiter beachtet. Zu den Zinsgegnern kann ich auch nichts relevantes sagen.
    Mir fällt nur die Fixierung auf diese Gestalten auf. Die Gefährlichkeit von Occupy nährt sich aus der Unberechenbarkeit der Proteste. Wir wissen doch überhaupt nicht, ob in Athen oder Madrid nicht auch erst die Spinner unterwegs waren. Wir, besser gesagt “die” wissen auch nicht, ob in 4 Wochen aus den paar Tausend ein paar zehn- oder hunderttausend werden. Das könnten wie in den 80ern oder in Spanien auch millionen werden. Insofern ist bei “wir sind das Volk” nicht das völkische das Problem, sondern der Erfolg der damaligen Proteste. Egal was Herr Asmussen zusammen mit den Banken und Versicherungen im Anschluss daraus gemacht hat. Honnecker ist weg vom Fenster.

    Ich glaube nicht, dass es diesen meist tatsächlich dubiosen Vereinen gelingt, mehr Leute auf die Strasse zu bringen, als jetzt schon unterwegs sind, weil zwischen dem Wind, den die im Internet machen können und der tatsächlichen Anzahl Menschen eine erhebliche Diskrepanz liegt. Insofern gehe ich davon aus, dass die, sobald sich die Proteste ausweiten, so sie das denn tun, schlicht mangels Masse weg vom Fenster sind.
    Da kann ich mir ja glatt an die eigene Nase fassen. Als ich mitbekommen habe, dass die Truther die Demo in Zürich organisieren hab ich auch Nein Danke gesagt, weil ich null Bock hatte, mich mit denen ihres blöden Gelabers wegen rumzuärgern. Das hat sogar bei mir erstmal funktioniert, aber, auch an mich selbst gerichtet, wenn das Reflex und Nadja und mir nicht fein genug ist, wenn da welche von Chemtrails delirieren, dann liegt es in diesem konkreten Fall nun mal an uns auf die Bühne zu gehen und das Mikro zu nehmen. Soweit ich das vom Sofa aus beurteilen kann, ist das nämlich kein Problem.
    Wobei ich mit den deutschen Gewerkschaften tatsächlich noch mehr Probleme hätte, als mit der Reptilienfraktion. Erheblich sogar.

    Und ehrlich gesagt, an dich hab ich beim Internet garnicht gedacht, weil das in jeder Beziehung so niedrigschwellig ist, das es dich dazu überhaupt nicht braucht und ich überhaupt nicht verstehe, was es da zu finanzieren geben soll, bei allem Verständnis für die immer präkärer werdende Situation auch von Studenten und Dozenten. Ich war ja schon erstaunt, dass Nicht-Studenten überhaupt zuhören dürfen, was schonmal ein Fortschritt ist … den ich eher im 19.Jhd verorten würde. Oder gibt es da eine Regel, dass zB Texte, die ins Internet gestellt werden nicht mehr wissenschaftlich publiziert werden dürfen? Ist da irgendwas das Dozenten daran hindert, ihr Material ausserhalb des wissenschaftlichen Betriebs zu veröffentlichen? Ich frag das ganz ernst, weil ich mir die Marginalisierung bestimmter Themenfelder einerseits und das Schweigen im Walde andererseits einfach nicht erklären kann. Ueberseh ich da was?
    Auf mich wirkt das alles so dermassen abeschottet, dass ich erst garnicht auf die Idee käme mich da anzubieten. Der ganze Plunder den man dazu braucht liegt hier ja üppig herum und Zeit hätte ich auch. Mal ganz davon ab, dass meine bisherigen Erfahrungen mit Versuchen, darbenden Künstlern unter die Arme greifen zu wollen, zuverlässig in Dramen endeten.

  33. momorulez Oktober 22, 2011 um 1:23 nachmittags

    @Nörgler:

    Okay, akzeptiert. Dann nehme ich im Gegenzug auch den Großteil des oben Geschriebenen zurück ;) … und die Gefahr des Paternalisierens besteht, ja, in der Tat.

  34. momorulez Oktober 22, 2011 um 1:31 nachmittags

    @Loellie:

    Im akademischen Betrieb muss man wahnsinnig aufpassen, was man wo veröffentlicht – da lauern ja, gerade bei der permanenten Verknappung im Bereich der Geiteswissenschaften, nun auch überall Heckenschützen. Und es findet das gleiche statt wie bei Verlagen, Parteien, dem FC St. Pauli: Die Etablierten schotten sich ab gegen das, was sie als unkontrollierbar, chaotisch und unseriös behaupten. Was ja direkt zu dem überleitet, was Du zu “Occupy” schreibst. Das ist dieses “drinnen und draußen”-Ding, was ich im anderen Thread meinte.

  35. Nadia Oktober 22, 2011 um 5:28 nachmittags

    Uih, hier ging`s ja rund. Das “arme” “exotische” “Ding” überlese ich jetzt einfach mal und schaue morgen wieder rein, weil mir heute die Zeit fehlt – melde mich aber wieder!

  36. momorulez Oktober 23, 2011 um 4:49 nachmittags

    Sorry,Nadia, auch wenn da was von Sonnenstrahl, Dean, Katzenblogger, wie auch immer, auch an Dich ging: Der wird hier mittlerweile grundsätzlich gelöscht ganz unabhängig von dem, was er gerade schreibt – mit Gründen.

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