Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wieder da …

Weite. Himmel. Wasser. Die Landschaft karg – Sandhügel, auf denen Strandhafer und Heide dem puren Wirken der Elemente widerstehen. Alte Spiritualität vor der Christianisierung verehrte die Elemente selbst in der Vielfalt ihrer Gestalten – auf Sylt kann man spüren und erfahren, warum.

All die Klischees der  mondänen, versnobten Insel mögen auf Kampen zutreffen. Da stehen höhere Töchter wie aus dem Bilderbuch ganz und gar blond an der Straße, teure Boutiquen glitzern und Paraden luxuriöser Karossen setzen sich dem Gespött der Inselgeister aus – oben im Listland, da wird der Atem der Zeit zu kosmischer Meditation, der Zustand des einfach nur weit Guckens gebiert Freude an der Sinnlichkeit der Reduktion. Ein unspektakulär-spektakuläres Farbenspielpiel aus Taubenblau, Sand- und Brauntönen mit zartem Grün durchwoben tritt hinter die verzaubernde Wucht der Ewigkeit von Meer und Himmel zurück, umspielt sie in warmen Nuancen.

Mag das Universum ohne die Vermittlung unserer Sinne auch farblos sein, dieses Zusammenspiel von Welt und Sinnlichkeit greift und ergreift da am Tiefsten, wo nicht Firlefanz, Details, Lautstärke und kleinteiliges Lichtermeer den Blick fragmentieren und herum irren lassen, sondern ein Gefühl des Ganzen angesichts des Meeres das Sich-Auflösen in Gischt und Rauschen schenkt.

Danke für eine wundervolle Woche. Und leckere Brötchen zum Frühstück, Meeresfrüchte zur Nacht.

Das Einfahren in die Stadt gestern Abend, die Heimkehr, war verwirrend nach dieser Woche des Blicks, der nicht sucht und solche monumentale Schlichtheit findet; plötzlich schien es unvertraut, das Häusermeer, die Lichter, die Menschen, all das, was sonst doch Alltag prägt.

Das Gefühl der Entdifferenzierung von Nähe und Ferne beim Genuss des Laphroaig und dem Blick in die Magie aus Pastelltönen beim Sonnenuntergang, abends, als rauchig sich Cool -Jazz einpflegte ins Wahrnehmen, das selbstzweckhaft zur Tätigkeit sich wandelt und einfach nur IST, es schuf Distanz zu den Wirren und wird von nun an wieder vermisst …

Danke an jene, die in der Kommentarsektion dieses Blog weiter pflegten.

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16 Antworten zu “Wieder da …

  1. Loellie Oktober 4, 2011 um 9:28 nachmittags

    Da bist du ja wieder. Das ist ja schön. Und schön, dass es schön war.
    Ich dachte schon, du hättest dich den Robben angeschlossen. Was vielleicht nicht das Dümmste wär.

  2. che2001 Oktober 4, 2011 um 11:17 nachmittags

    Berge und Meer, die zwei existenziellen Erfahrungen von Natur. Ich verlier mich da ja immer und will nicht mehr zurück. Bin auch jetzt nicht wirklich wieder da. Hoffe aber für Dich, dass Du Kraft tanken konntest, habe ich ja auch.

  3. momorulez Oktober 5, 2011 um 12:19 vormittags

    Hätte mich gerne den Robben angeschlossen :) – und habe Kraft getankt. Liebe das Meer so sehr … wäre gerne länger als 8 Tage da geblieben. Mir tut das da richtig gut. Bin da eher der kontemplative als der aktive Typ, obwohl wir auch Stunden über Deiche latschten, was superschön war, aber dieses Aufgehen in den Elementen, das erlebe ich in wundervollen Ansätzen da wirklich.

    Aber bald geht es hier auch normal weiter! Die kurze Auszeit musste ich nur richtig genießen …

  4. kleinertod Oktober 5, 2011 um 9:37 vormittags

    Nichts ist schöner, als für ein paar Tage ins Meer einzutauchen… Jedenfalls in der Vorstellung und bei körperlicher Nähe. So ganz hinein wäre auf Dauer vermutlich weniger vorteilhaft, da gibt es doch gewisse Gegenargumente… Ob nun Sylt oder anderswo, was zählt, das ist ja allein das Meer. Und natürlich ein guter Tropfen (wo Dir der 10er gefällt, versuch doch mal den Quarter Cask!). Angenehme Begleitung hat auch so ihre Vorteile.

    Die Energie zum Weitermachen hole ich mir am liebsten in direkter Nähe zu Hamburg und zwar hier: http://kleinertod.de/tm/index.html – da wäre auch eine Teilnahme an der AFM Versammlung einfacher zu realisieren gewesen… ;) Aber dafür gibt es dort keine Robben, bzw. nur sehr sehr selten. Und so ein vollkommenes Abtauchen braucht die Seele ja auch ab und an.

    Willkommen zurück!

  5. che2001 Oktober 5, 2011 um 11:47 vormittags

    @So ganz hinein wäre auf Dauer vermutlich weniger vorteilhaft — Ein Wal würde das anders sehen;-)

  6. Sonnenstrahl Oktober 5, 2011 um 2:11 nachmittags

    In Hamburg wurden derweil wichtige Aufgaben erledigt: Ebbers hat die 100 voll gemacht.

  7. qwer Oktober 5, 2011 um 9:20 nachmittags

    Schon mutig, solchen Kitsch zu veröffentlichen.

  8. momorulez Oktober 5, 2011 um 9:58 nachmittags

    Ja :lol: – das ist das beste Mittel gegen griesgrämige Neider, die in der Tristesse des Banalen verkümmern, weil sie sich vor “Kitsch” fürchten. Süß, das.

  9. che2001 Oktober 5, 2011 um 10:08 nachmittags

    Die Natur als Solche ist ja kitschig, Sonnenuntergänge auch, also die Sonne selbst, damit ist die Lichtgeschwindigkeit kitschig und Einstein ein Kitschpoet. Orgasmen sind besonders kitschig, da reine Emotion. Dass ich Bergkitschfotos poste, hängt damit zusammen, dass ich selber mich über Kitsch definiere und also Ramsch und eine Nippesfigur bin. Was bitteschön ist denn Kitsch und wo liegt die Abgrenzung zu Schönheit?

  10. momorulez Oktober 5, 2011 um 11:36 nachmittags

    Wahrscheinlich in der Angst davor ;) – der süße, kleine Troll da oben beginnt seine Intervention ja nicht zufällig mit “mutig”. Und natürlich ist das Gefühl von Ewigkeit, Überwältigtsein, des Genießens der Möglichkeit eigner Sterblichkeit an einem Berghang nicht Kitsch im Sinne Greenbergs, z.B., der damit den sozialistischen Realismus oder den Heimatfilm meinte. Was Du am Berg oder ich am Meer erlebe, wird ja nur von verstörten, verängstigten Durchkonditionierten als Kitsch empfunden, die Mechanismen der Selbstkontrolle nur deshalb verbiestert verteidigen, weil sie im Grunde genommen um den Reiz wissen und ihn aus Furcht vor sich selbst bekämpfen. Jede Befriedigung würde bei solchen aus Schock gleich eine Psychose auslösen.

  11. Loellie Oktober 8, 2011 um 12:42 nachmittags

    Hockst du schon wieder auf Sylt? tststs … :D

  12. momorulez Oktober 8, 2011 um 1:24 nachmittags

    Nein, ich ärgere nur den Herrn Sparschäler ;)…

  13. che2001 Oktober 8, 2011 um 3:22 nachmittags

    Auf dasselbe Missverhältnis von echtem Naturerleben und Naturverkitschung hatte ich seinerzeit mit dem Murmeltier-Thread angespielt;-)

  14. momorulez Oktober 8, 2011 um 3:33 nachmittags

    Deinem heteronormativen “Förster im Silberwald”-Traktat? :D

  15. Sonnenstrahl Oktober 9, 2011 um 10:44 vormittags

    Inmitten des kitschigsten Kitsches catcht die Normativität alles Wohlgefühl herab.

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