Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: Juli 21, 2011

Regina Mönchs “freier Westen”

“Bald geht es nicht um Streit, sondern um klare Fronten, um Freund oder Feind und um Kreuzberg als dialogfreie Zone. Sarrazin ist der Feind, das Symbol für das Deutschland der Rassisten. Wer sich mit ihm zeigt, ist beschmutzt. So haben es jene beschlossen, die glauben, die Deutungshoheit über den Ton auf den Straßen zu haben.”

Die Rechtspresse der sich selbstopferisierenden Demagogen ist ja tatsächlich zu immer neuen Stilblüten fähig, wenn die Definierten und Gedeuteten es wagen, Definitionshoheit über sich selbst zu beanspruchen und Fremdzuschreibungen zurück zu weisen.

Tiefe Empörung bricht dann auf.

Es ist ja einigermaßen lächerlich, dass in einem Blatt, das Definitionshoheit HAT, nunmehr zu beklagen, dass Andere diese auch für sich beanspruchen.

Aber das hat ja Tradition im “freien Westen”: Dass irgendwelche Regina Mönchs durch die Weltgeschichte blöken, wie die Anderen seien – wahlweise die “Wilden”, “Unzivilisierten”, “Unterschichten”, die “Homosexuellen” und “Perversen” – eben alles, was nicht so ist wie vermutlich Regina Mönch. Nomen est Omen.

Um so erstaunlicher, da sie als Frau Produzierte es doch eigentlich bestens wissen müssen, wie das ist, definiert zu werden. Hat Mann mit ihrereins schließlich auch Jahrtausende so gemacht. “Du bist noch nur hysterisch, Regina” wäre eine entsprechende Rhetorik. “Na, haste Deine Tage?”. Aus solchem Stoff hat der Sarrazin sein Buch geschneidert, hat mit Millionenauflage Deutungshoheit angestrebt über Millionen, der Banker und Senator, stets mit Machtpositionen gesegnet – und nun, natürlich, ist es der “Mob”, der “Pöbel” (Broder), der diese “unliebsamen Wahrheiten” und das heroische Anrennen gegen “Denkverbote”, Aussagen über eben diesen “Mob” selbst, zu geißeln wagt.

Während jene, die fest stellen, dass es sich bei diesem “freien Westen” um ein mit Abschiebeknästen, de facto “Racial Profiling” und Frontex bewehrtes rassistische Regime handelt, bei dem von “post”-kolonial schon gar keine Rede mehr sein kann, von Staatsschutz und Verfassungsschutz mutmaßlich beäugt werden und eifrig Gelder gestrichen bekommen. Regina Mönchs flammendes Plädoyer gegen “Denkverbote” im Fall von Gesine Lötzsches Nachdenken über den Kommunismus wäre mir auch nicht aufgefallen.

Mit ähnlichen umerzieherischen Lustigkeiten wie jener Regina Mönchs hat man Reservate errichtet, und vermutlich werden die Missionare und Prediger, die dann den “Wilden” erzählten, wie “wild” sie sind, ihn ähnlicher Empörung reagiert haben wie Frau Mönch und Herr Sarrazin, wenn die “Wilden” sich wehrten. Was hinten bei raus kam, war am Wounded Knee zu erleben.

Dialog gibt es nur unter Gleichmächtigen, alles andere wäre verlogen. Und das Zurückweisen von Deutungshoheit Anderer, eben Sarrazins, über das je eigene Leben ist schlicht Selbstverteidigung.

Was für ein übles Land, in dem die Forderung nach Selbstbestimmung in auflagenstarken Zeitungen als “Pöbel” denunziert wird. Hätten sie doch die Aufklärer, auf die sie sich zu Unrecht berufen, wenigstens mal gelesen, anstatt in die Fußstapfen derer historischer Wirkung zu treten – und zuzutreten, wo immer das geht. Feuilleton-Hooliganism ist das, was Frau Mönch betreibt.

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