Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der Klassenkrieg gegen die “Nutzlosen” und “Überflüssigen” wird immer aggressiver …

“Die Arbeitsagenturen brüsten sich damit, dass sie massiv gegen angeblich “unkooperative Bezieher von Hartz-IV-Hilfen” vorgehen. Die Behörden haben im vergangenen Jahr laut Mitteilung der Bundesagentur 828.708 Sanktionen ausgesprochen, so viel wie noch nie zuvor. Das waren rund 14 Prozent mehr als 2009. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte der “Berliner Zeitung”, dass die Verfahren zu Überprüfung der Hartz-IV-Betroffenen ständig optimiert würden und 700 Mitarbeiter ausschließlich mit derartigen Überprüfungen beschäftigt seien.

 

Mit den Sanktionen, die zwischen 10 und 30 Prozent der “Regelleistung” betragen, werden die Betroffenen unter das Existenzminimum gedrückt. Es können auch mehrere Sanktionen gemeinsam ausgesprochen oder der Regelsatz vollständig gestrichen werden. Eine Ankündigung oder Androhung einer Leistungskürzung ist nach den letzten Änderungen des Sozialgesetzbuch (SGB II) nicht mehr erforderlich. Mehr als die Hälfte der Sanktionen (498.504) wurden wegen “Meldeversäumnissen” ausgesprochen. Dabei wird oft keine Rücksicht genommen, welche Gründe zu den Versäumnissen führten. Es kommt gar nicht so selten vor, dass die Termine willkürlich so gelegt werden, dass es kaum möglich ist, sie einzuhalten.”

Interessiert nur kein Schwein mehr. Man wählt ja Kretschmann und Konsorten.Der Nachwuchs derer, die das Schulgeld für Waldorfschule und Bio-Food im Gegensatz zum typischen Grünen-Wähler und anderen Ottensern nicht parat haben, wird derweil ausgehungert:

“Der Hartz IV-Regelsatz von täglich 2.62 € für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren und von 3.22 € für Kinder zwischen 7 und 14 Jahren sind nach den Wissenschaftlern nicht ausreichend, um eine gesunde Ernährung sicherzustellen. Dafür wären “mindestens 5 € pro Tag und Kind notwendig”. Weil sie nicht ausreichend gut ernährt werden, seien sie, so Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Sprecher des Sachverständigenbeirates der Ernährungsinformation der Universität Hohenheim, oft “blass und übergewichtig, ihr Immunsystem ist geschwächt und ihre Entwicklungschancen sind schlechter: Jedem sechsten Kind in Deutschland erschwert der Hartz IV-Regelsatz eine adäquate Ernährung.” 

Ohne Worte. Wahrscheinlich lässt Mann demnächst nicht nur im Mittelmeer absüppeln, sondern verklappt Hartz IV-Kinder direkt in der Nordsee … für den Fall, dass sich die Zwangssterilisierung als inhuman nicht durchsetzen lässt.

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57 Antworten zu “Der Klassenkrieg gegen die “Nutzlosen” und “Überflüssigen” wird immer aggressiver …

  1. somlu April 20, 2011 um 9:59 vormittags

    Das ist alles so unfassbar und soweit ich das überblicke, ist dies eine Wiederholung, wie schon in der Asylpolitik, werden die Menschen durch Propaganda und Medien an das unmenschliche und unglaubliche gewöhnt und lassen sich auch gewöhnen. Jahrzehntelange neoliberale Propaganda, die Individualisierung des Systemischen und niemand fragt mehr nach, wie allein die Idee einer Kürzung des absoluten Minimums zum Leben überhaupt denkbar und auch noch durchführbar ist.

  2. momorulez April 20, 2011 um 10:11 vormittags

    Ja, es macht fassungslos. Diese völlige Ignoranz bei gleichzeitiger Diabolisierung mittels BILD ist in der Tat unerträglich. Was sich nicht nahtlos in die Funktionssysteme fügt, weil diese keine Verwendung dafür haben, wird malträtiert. Es ist wirklich grausam.

  3. somlu April 20, 2011 um 10:16 vormittags

    Als ich 16 Jahre alt war, habe ich für die örtliche Kirchengemeinde die Post ausgefahren. Dabei hatte ich sehr viel Kontakt mit alten Menschen. Und ich habe, bei denen, wo es ging gefragt, wie das war im Nationalsozialismus und was sie über die Juden wußten und was ich gelernt habe, war, dass sie es wußten, so, wie wir wissen, was im Asylknast am Frankfurter Flughafen läuft und mit den Menschen, die erwerbslos sind. Das meine ich mit Wiederholung. Es war mir damals sehr deutlich, dass die Menschen damals – und heute ist es nicht anders – mit ihrem Leben beschäftigt waren und an viele Grausamkeiten gewöhnt waren. Das war meine Lektion für mein Leben. Allem gegenüber, das so alltäglich und normal daher kommt, mistrauisch zu sein.

  4. kleinertod April 20, 2011 um 10:29 vormittags

    Wenn die zu faul zum Geld verdienen sind, muß man halt mit Sanktionen kommen – http://karlweiss.twoday.net/stories/5463845/ – ohne weitere Worte.

  5. momorulez April 20, 2011 um 10:29 vormittags

    Ja. Wobei rassistisch motivierte Massenvernichtungslager doch noch eine andere Qualität sind als selbst diese widerlichen Abschiebeknäste oder das Grauen an den EU-Außengrenzen.

    Umgekehrt hat es ja meines Wissens in Skandinavien tatsächlich Zwangssterilisierungen an “Unterschichtsangehörigen” gegeben (weil irgendwer sich jetzt sowieso wieder über meine “Polemik” und “Unsachlichkeit” echauffieren wird).

    Und die Mentalität dieser “Neuen Mitte”, dieser Fusion aus Bildungs- und Besitzbürgertum, die sich allerorten findet und die es so scheißegal erscheinen lässt, ob nun rotgrün oder schwarzgelb, verglichen mit Schröder ist Merkel ja fast harmlos, ist einfach so unerträglich zappenduster. Die machen mich aktuell echt irre.

    Ein bißchen erlebt man auch – bei aller vollkommen berechtigten Kritik an Atomkraft – ein Wiederaktivieren dessen, was seit Gründung der Grünen chronisches Problem ist und seitdem Dithfurt/Ebermann und solche weg sind: Dass durch eine Fokussierung auf das pure DASS der Existenz im Kontext der ökologischen Frage andere Todesformen aus der Diskussion verschwinden und das WIE derer gar keine Hinterfragung mehr erfährt. Lebensqualität gilt für die, die in den Systemen drin sind in genormter Weise, und die tun alles dafür, alle drumherum zu dumpen, zu knechten und ggf. verrecken zu lassen.

  6. Mrsnextmatch April 20, 2011 um 10:48 vormittags

    Skandinavische Sozialdemokraten: http://bit.ly/hX4BRM

  7. momorulez April 20, 2011 um 11:31 vormittags

    Jau, das meinte ich. Grauenhaft. Danke für den Link!

  8. somlu April 20, 2011 um 11:39 vormittags

    Ja, klar, mir geht es auch nicht um die Massenvernichtung, sondern um die Zeit vor der Massenvernichtung, um die Gewalt auf der Straße und durch Insititutionen, die für diese Menschen offenbar eine Normalität darstellte. Etwas, das halt so war? Auch wenn sie, zu dem Zeitpunkt an dem ich mit Ihnen sprach (ist ja nun auch über 25 Jahre her), natürlich einen anderen Standpunkt dazu hatten.

  9. kleinertod April 20, 2011 um 12:24 nachmittags

    Man könnte meinen, daß die Politik aus den Vorfällen in Frankreich ihre Lektionen ziehen könnte. Dem ist aber offensichtlich nicht so. Teilhabe statt Kleinhalten wäre die Devise.

  10. ring2 April 20, 2011 um 2:00 nachmittags

    … und um den Bogen zu dem Post von gestern zu ziehen, witzeln so genannte Comedians an Unterschichten-Fickerei rum, dass auch aus dieser Perspektive das Rammelverbot logisch erscheint.

    Ich habe da mal drauf geachtet, welches Publikum da sitzt – das sind Leute wie ich – und ich kann mich schon auch ein wenig über mich gruseln – strukturell, so als Ottenser.

  11. momorulez April 20, 2011 um 2:15 nachmittags

    @Somlu:

    Ja, zu der Vorgeschichte passt das. Und alles, was nicht sichtbare, strukturelle Gewalt ist, schnallen die Leute auch nicht in dem Irrglauben, sie würden hier in einem “idealtypischen Rechtsstaat” leben, wo alles “demokratisch legitimiert” sei. Dieses “bei uns doch nicht!” verflüchtigt sich zumeist, wenn sie mal wirklich auf Justiz stoßen oder jene Entrechtung am eigenen Leibe zu spüren bekommen, die Anderen ganz alltäglich wiederfährt – bei der Stuttgart21-Demo oder beim Finanzamtsbescheid. Zum Sich-Hineinversetzen in die Position der Anderen bemüßigt das freilich selten, weil sie sich ja tatsächlich für was Besseres halten, weil die die Wertzuweisung durch Märkte als Selbstwertmaßstab internalisiert haben.

    Alles furchtbar.

    @kleinertod:

    Was genau in Frankreich? Und ja, Teilhabe statt Exklusion.

    @Ring2:

    Sorry, dass die Ottenser da immer so prototypisch sind für mich ;-) – Cindy von Marzahn war ja anfänglich noch eine Figur, die so was wie Emphatie aufbrachte. Und Stromberg der Versuch, mal andere Schichten sehr treffsicher ins Visier zu nehmen. Ansonsten ist das aber tatsächlich ein unglaublicher Sadismus in der “Witzkultur” wie auch bei dieser ganzen Scripted-Reality-Scheiße zu Umreziheungszwecken, wie die, denen es eh schon am beschissensten geht, permanent auch noch vorgeführt werden. Schlimm.

  12. somlu April 20, 2011 um 2:28 nachmittags

    Ja, es geht mir immer um die Vorgeschichte oder wie Christa Wolfs Kassandra sich fragt, wann der Vorkrieg begänne, weil der Anfang des Krieges klar wäre (ich habs nicht mehr so im Kopf, ist ne Weile her, dass ich es gelesen habe)

  13. momorulez April 20, 2011 um 3:51 nachmittags

    Ah, die Riots! Da spielte ja noch mehr rein, aber: Ja.

  14. bersarin April 20, 2011 um 8:49 nachmittags

    Die Frage, die sich mir stellt: Warum kracht es nicht? Warum werfen die Leute den Sachbearbeitern nicht die Schreibtische um? Warum tun die sich nicht zusammen und solidarisieren sich. “Allein machen sie dich ein”. Dieser Slogan von “Ton, Steine, Scherben” ist aktueller denn je, wenngleich ich ja nicht so sehr der Freund der Parolen bin.

    Und die Grünen, wie gesagt, die tragen alle diese Repressionen mit, kein Preis ist ihnen zu niedrig, als daß sie ihn nicht um der Macht willen annehmen. Und so haben Sie ja seinerzeit auch Hartz IV mitgetragen.

    Und wohlmeinende Menschen, die sich links fühlen, sagen: Na ja, aber eine solche Reform wie Hartz IV ist doch irgendwie notwendig gewesen. (Diesen Satz hörte ich kürzlich von einer Kollegin, ganz im Ernst gesprochen.) Die Menschen sind so dämlich und merken nicht einmal, daß es sie in dieser kleinbürgerlichen Haltung jederzeit selber treffen kann, daß auch sie plötzlich dazugehören können. Man muß nicht einmal Gesellschaftskritik und Kapitalismuskritik üben, sondern aus rein pragmatischen Motiven heraus müßte das widersinnige und verachtende Moment von Hartz IV doch realisiert werden. Doch nichts geschieht.

    Nein, mir fällt zu diesen Dingen nichts mehr ein.

  15. momorulez April 20, 2011 um 9:00 nachmittags

    Einzelfallkrachen gibt es schon immer häufiger, glaube ich. Wieso der organisierte Aufschrei ausgeblieben ist, erschließt sich mir auch imner nicht wirklich – wahrscheinlich sind das wirklich so “Wird schon alles in Ordnung sein”-Rationalisierungsstrategien zur psychischen Immunisierung und Stabilisierung. Dass z.B. die de facto immer weiter sinkenden Einkommen auch wegen des Absenkens der Untergrenze – “Lohnabstandsgebot” – auch ein gewollter Hartz IV-Effekt ist, das reflektieren die meisten gar nicht. Obgleich ich immer mehr Leute kenne, die mit eigentlich vernünftigen Gehältern ihren Familien in einer Stadt wie Hamburg kaum noch über Wasser halten können, obwohl die weiß Gott nicht im Luxus leben. Die Individualisierungsrhetorik bei gleichzeitiger Moralisierung hat ziemlich perfekt gegriffen. Diese protestantische Scheiße halt.

    Es ist echt nur zum Kotzen.

  16. bersarin April 20, 2011 um 9:08 nachmittags

    “Individualisierungsrhetorik bei gleichzeitiger Moralisierung hat ziemlich perfekt gegriffen. Diese protestantische Scheiße halt.”

    Genau so ist es, treffsicher formuliert. Ich war, als ich über diese Verschärfung der Repression gelesen habe, wütend, und ich bin es immer noch.

  17. Nörgler April 21, 2011 um 10:34 vormittags

    Es gehört zu den bemerkenswert bizarren Umständen der Gegenwart, dass die einzig widerständige Instanz die Judikative ist, indem die Gerichte knapp die Hälfte aller ARGE-Entscheidungen kippen, die vor Gericht landen.

    ***********************

    “Die Individualisierungsrhetorik bei gleichzeitiger Moralisierung hat ziemlich perfekt gegriffen.”
    Richtig. Aber warum?
    Ich neige dem Soziolgen-Theorem der Absenz der Wirkungserwartung zu: Unterwerfung durch Hoffnungslosigkeit, etwas bewirken zu können.

    Aufklärung bestünde im Verdeutlichen des bloß Inszenatorischen von Herrschaft, deren intelligentere Vertreter das Hohle und Brüchige sehr wohl kennen. Im Durchbrechen des Scheins der ARGE-Herrschaftstheatralik träte die Quelle von Herrschaft hervor: das Verhalten der Ohnmächtigen selbst ist es, welches die Theatralik ausstattet mit realer Macht. Dass die Beherrschten die wahren Eigner der definitorischen Kraft sind, wird von den Herrschenden selbst anerkannt, indem der Zweck der Inszenierung in der Anwendung des Definitorischen durch die Beherrschten gegen sie selbst besteht.

  18. momorulez April 21, 2011 um 10:44 vormittags

    Dass die Judikative sich da widerständig zeigt, liegt wohl zum einen daran, dass Sozial- und Arbeitsrechtler andere Menschen sind als Straf- und Zivilrechtler ;-) – aber auch daran, dass die Rechtsbegründung ja auch lichte, nicht nur Schattenseiten kennt, die gelegentlich sogar Anwendung finden.

    An der These von der Unterwerfung durch Hoffnungslosigkeit ist was dran. Es gibt aber weiterhin zu viele Profiteure des Systems und eine zu starke Internailsierung der sozialen Statuszuweisung mittels Besitz und Bildung, als dass ein ernsthaftes Begreifen dessen, dass die Unterworfenen die Theatralik stützen, die ja ganz massiv existentielle Folgen hat, um sich greifen würde. Zudem ich die Forderung Schäubles z.B. nach Bundeswehreinsatz im Inneren tatsächlich als Antwort eben darauf deuten würde.

    Und diese ganztägige Kriminailsierung von Unterschichten, die bekommen wir Bildungsbürger in ihrem vollen Umfang auch nicht wirklich mit, glaube ich.

  19. Sonnenstrahl April 21, 2011 um 8:30 nachmittags

    Aus BZ-Berlin von heute:

    Berliner geben Klartext-Steffel recht.
    Bernd Krömer (55, CDU): „Bei vielen Leuten, die arbeitslos sind, herrscht eine Vollkasko-Mentalität.“, Karl-Georg Wellmann (58, CDU): „Wir wollen Eigeninitiative statt Betreuungsmentalität.“ „Steffel hat recht“, so sein Fraktionskollege Karl-Georg Wellmann zur B.Z.. „Wir wollen den mündigen Bürger, der für seine Kinder etwas tut.“ Bernd Krömer, Generalsekretär der Berliner CDU, erhebt schwere Vorwürfe an Arbeitslose, die die Zuschüsse nicht beantragen: „Sie sind nicht daran interessiert, dass sich die Chancen ihrer Kinder verbessern.“

    Für die frohen Frohnauer ist klar: Der Sozialhelfling ist eine faule Sau, welche nicht einmal die Mittel zu beantragen in der Lage ist, welche man ihr großzügiger Weise zugeteilt hat. Die Arbeitslosen wollen ihre soziale Lage nicht verbessern, sie sind darum selbst schuld an ihrer üblen Lage.

    Und so weiter und so fort. Das Diskursmuster ist auch das einer Selbstvergewisserung. Doch der Lack des dumpfbürgerlichen Überlegenheitsgetues ist dünn, und übertüncht kaum den Rost und die Selbstzweifel, die schwer an der konservastiv-bürgerlichen Fassade nagen. Je lauter die Schuld der ausgegrenzten, schikanierten und als bildungsfern diffamierten Arbeitslosen inszeniert wird, umso klarer wird zugleich, welche Schuld die konservativ-bürgerlichen Schichten auf sich geladen haben.

    Denn sie sind es, welche die Lage der Kinder von Arbeitslosen nicht zu bessern bereit sind! Sie sind es, welche sich einer sozialen Vorwärtsentwicklung der Gesellschaft in den Weg stellen.

    Später dann werden sie den Arbeitslosen vorwerfen, sobald sie sich an das neue bürokratische Procedere gewöhnt haben, wie gierig sie die Mittel in Anspruch nehmen, und sie werden sich darüber auslassen, welche aus ihrer Sicht schwachsinnigen Ausgaben damit bestritten werden, z.B. ein Skateboardverein für ein 10-jähriges Kind, welches doch bitteschön “Nachhilfe” oder “Musikschule” bekommen sollte. Da kann man mal wieder sehen, werden sie sagen, wie die Arbeitslosen “unser Geld” verjuxen.

    Dolle Nummer. Da wird noch einiges kommen.

  20. Sonnenstrahl April 21, 2011 um 8:37 nachmittags

    Bersarin, du täuscht dich, wenn du glaubst, es werden keine Schreibtische umgeworfen. Das passiert häufiger, als in den Medien zu hören ist. Überforderte, frustrierte Arbeitslose, welche auf den Ämtern laut und ungeduldig werden, gibt es in vielhunderttausendfacher Zahl. Deshalb gibt es ja auch inzwischen ausgefeilte Sicherheitskonzepte auf den Behörden, und in jedem Amt, welches die Arbeitslosen verwaltet, ein Rudel Wachmänner.

    Doch, was ist das Ergebnis eines umgeworfenen Schreibtisches? Für den Arbeitslosen jedenfalls kein günstiges, Bersarin. Sogar ein einfaches, kurzes Herumbrüllen kann für eine Leistungskürzung oder jahrelange Ämterschikane Anlass genug sein.

    Wer klug ist, als Arbeitsloser, verhält sich auf dem Ämtern leise und pflegeleicht.

  21. momorulez April 21, 2011 um 8:45 nachmittags

    @Sonnenstrahl:

    Wenn ich diese Zitate zur “Vollkasko-Mentalität” lese, kriege ich spontan Ausschlag – diese Rhetorik ist so unsäglich ekelhaft. Das sagen dann Typen mit garantierten Pensionsansprüchen oder festgelegten, opulenten Abfindungsansprüchen im Arbeitsvertrag.

  22. Nörgler April 22, 2011 um 12:48 nachmittags

    “Wer klug ist, als Arbeitsloser, verhält sich auf dem Ämtern leise und pflegeleicht.”
    Nein. Leise und pflegeleicht ist genauso schlecht, wie Akten aus dem Fenster schmeißen und den Sachbearbeiter gleich hinterher. Der mittlere Weg – latent aggressiv, immer mal Pampigkeiten einstreuen, Fragen stellen ohne Ende, Zeit- und Nervenaufwand auslösen – ist der beste Weg, weil er aus Gründen der behördenseitigen Zeitoptimierung zu besseren Ergebnisssen für den Betroffenen führt. Bravsein wird von der ARGE nicht belohnt!

    Aber das war ohnehin nicht Bersarins Thema. Es geht um kollektiven Widerstand. 1 gekippter Schreibtisch von 1 Hartzer umgeschmissen ist schlecht.

  23. Sonnenstrahl April 22, 2011 um 2:51 nachmittags

    Nörgler, das sehe ich anders. Als ALGler lohnt es sich im Ämteralltag, konstruktiv und leise aufzutreten. Dabei dürfen die eigenen Rechte natürlich nicht vergessen werden, klar. Sie werden dich ohnehin zu verarschen versuchen, teils, weil das den amtsinternen Richtlinien entspricht. Wenn du denen unsympathisch bist, dann halt erst recht. Und wenn du dich als Blödmann darstellst, der alles mit sich machen lässt, dann natürlich auch. Meine Devise wäre:

    Leise, aber zielstrebig.

    Ob gemeinschaftliches Tischwerfen etwas nachhaltig Gutes für die Arbeitslosen bewirken kann, müsste man vielleicht mal ausprobieren. Ich bin da allerdings skeptisch. Gut organisierte Sit-ins täten mir besser gefallen, gerne in Zusammenhang mit Presse und einer vorher angemeldeten und durchgeführten Demonstration, bei der man Aktivisten schon vorher in die Räume der Änter infiltriert hat. Das Ganze dann hübsch youtubisiert, sowie Stellungnahmen von politischen Entscheidungsträgern eingeflogen, Forderungen präsentiert, Druck gemacht.

    Wäre für sowas sogar zu haben. Alles bis knapp vor Sachbeschädigung, denn sowas wird im Zweifel immer (ich betone: immer) gegen dich verwendet. Massiv sogar, meine ich. Denn wer sich am unteren Ende der Gesellschaft befindet, dem gereichen Regelverstöße i.d.R. nicht zum Vorteil, zumal sie dich ganz fix bei der Finanzierung deiner Existenz packen können. Radausprüche mögen sich zwar lustig anhören, sind es in der praktischen Durchführung für die Betroffenen allerdings nicht.

    Nörgler, es ist doch so: Wer besser abgesichert ist, kann mehr wagen. Erst dann, wenn gar nichts mehr zu verlieren ist, wächst der Mut wieder an.

    Bersarin, dieses aktuelle Beispiel mit der Axt könnte dich interessieren.

  24. che2001 April 22, 2011 um 3:37 nachmittags

    Und unsereins hat in den Neunzigern tatsächlich in Amtsstuben randaliert, wenn auch ohne Axt und Festplatten neu formatiert, wobei man da immer so zu hundert reinging, und festgestellt: Es hat etwas genützt. Noch ein Jahrzehnt früher, in der Gewaltfragedebatte war unsere Position “Der Staat diskutiert nicht über Gewalt, er übt sie aus und gießt sie in Gesetze.” Allzu tränendrüsigen Kirchentagsbewegten gegenüber gab es dann schon mal den Spruch “Gewalt ist geil.”

  25. Sonnenstrahl April 23, 2011 um 1:09 vormittags

    Tjanun, inzwischen gelten Eierwürfe den Behörden als terroristische Akte. Wird ein Farbbeutel geworfen, ermittelt der Staatsschutz. Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Ich glaube nicht, daß du beispielsweise in Essen 100 Langzeitarbeitslose für gemeinsames Tischeumwerfen auf die Beine bekommst. Nicht, weil es keinen Anlass oder Antrieb für derlei Aktionsformen gäbe.

    Nur mögen wohl kaum 100 Menschen Strafanzeigen nebst Sperrung der Zahlungen riskieren. Der Staat greift bei Formen organisierter politischer Gewalt klar durch, jedenfalls, wenn sie von Arbeitslosen ausgehen sollte.

    Jede Wette.

  26. somluswelt April 24, 2011 um 7:36 vormittags

    Ich habe ja vor Jahren bei den KEAs mitgearbeitet und auch die Vereinsgründung erlebt. Ich weiß nicht, wie viele sie heute sind aber es war immer schwer Leute zu finden, die mitmachen. Wir haben auch eine Sozialberatung eingeführt, die war immer gut besucht aber wenn wir den Leuten geholfen hatten, verschwanden sie auch wieder. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Inzwischen arbeite ich ja sozusagen im System und nutze diese Situation, die Leute zum einen über ihre Rechte aufzuklären und zum anderen aufzuklären, wo sie Rat und Hilfe bekommen. Das hat so gut wie keine Wirkung.

    Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der sich nach unserer Intervention versuchte zu weigern eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben. Daraufhin hat die Sachbearbeiterin ihn quasi erpresst. Er hat nachgegeben. Das womit sie ihm erpresst hat, war ihm zu wichtig. Ich an seiner Stelle hätte einen Aufstand angezettelt aber dafür hätte es einige Voraussetzungen gebraucht – genug Informationen haben, Beistände dabei haben, das System kennen usw. Also ein agieren innerhalb des Systems setzt eine Menge voraus. Andererseits ist es mir unklar, warum wenigstens ein paar der Widerstandsmöglichkeiten, die nicht so aufwändig sind, nicht genutzt werden. Es ist mir z.B. unbegreiflich, warum die Menschen da immer allein hingehen, warum sie keine Beistände mitnehmen auch nicht nachdem sie wissen, dass es ihr Recht ist. Beistände führen meist dazu, dass sich die allermeisten SachbearbeiterInnen nicht mehr so mies aufführen können, wie sie das sonst tun.

    Ein anderer Punkt ist das “Reden”, teilweise ist das auch so eine kulturelle Sache. Viele der ausländischen Erwerbslose kommen aus einer Kultur, in der man über die Dinge redet und sie aushandelt und wenn sie dann ein “Nein” bekommen, kommen sie nicht auf die Idee, die Sache schriftlich und auf dem Rechtsweg anzugehen. Das ist unser Weg und ich glaube auch so langsam, der Weg einer bestimmte “Schicht”, also ich meine, das dieses auch deutsche Bevölkerungsgruppen betrifft. In vielen anderen Gruppen hat eine/einer SachbearbeiterIn der ARGE absolute Autorität, selbst wenn sie persönlich und fachlich vollkommen daneben ist – was viele sind.

    Andererseits kann ich auch verstehen, dass die meisten eh schon so unter Druck stehen, dass sie einfach keinen Stress mit der Behörde wollen.

    Das mit dem Recht ist überhaupt so eine Sache. Nach meinen Erlebnissen habe ich den Eindruck, dass es vielen so geht: Sie haben die Haltung, dass es eh keinen Sinn hat, sich zu wehren, weil die Behörde eh am längeren Hebel sitzt – auch wenn sie wissen, das die Gesetze auf ihrer Seite sind. Die meisten scheuen den Kampf – auch auf dem Level der Gesetzeslogik – zu anstrengend, zu überlastet, zu erniedrigt. Alles was sie wollen, ist, wieder einen Job und raus aus dem System, dafür nehmen sie ne Menge in Kauf (miese Arbeitsbedingungen, miese Bezahlung).

    Ich denke heute, dass es tatsächlich so ist, dass die Vereinzelungsstrategie der neoliberalen Propaganda greift und die ARGE als System, die Menschen in eine Position des unbotmäßigen Bittstellers verweist. Eine Verweisung gegen die sich zu wehren, jede Menge Energie und Widerstandskraft braucht. Das ist aber schwer in einer Gesellschaft in der der Wert eines Menschen über das was er tut definiert wird und der es eine nicht unerhebliche Kränkung bedeutet, diese Möglichkeit nicht zu haben. Auf diese Kränkung wird dann das ganze demütigende System der ARGE gesetzt. Da muss es schon sehr aufgeklärte Gemüter geben, die sich dem widersetzen zu könne.

    Andererseits – abseits der Leute über die ich gerade geschrieben habe – gibt es solche, wie uns und wo sind alle? Also die Menschen, die reflektiert und analytisch sind und die in der Lage wären sich zu wehren – keine Ahnung. Oder fragt mal die Sozialgerichte. Allerdings nutzt das nur wenig, denn die beständige Repressionsanpassung des Gesetzeswerkes macht es auch dem Widerständigsten schwer.

    Ich hoffe, das alle ist grad nicht so wirr. Sind nur meine derzeit sehr unsortierten Überlegungen zu der Frage, die mich eh schon länger beschäftigt, warum die Menschen sich das alles gefallen lassen.

  27. somluswelt April 24, 2011 um 7:38 vormittags

    Nachtrag: Repressionsanpassung: z.B. zu Beginn des Ganzen galt ein Widerspruch gegen Sanktionen als “aufschieben”, das haben sie bald geändert, jetzt hat ein Widerspruch keine aufschiebende Wirkung mehr. Heißt, ich muss erstmal bei den Sozialgerichten recht bekommen, was derzeit so ein- drei Jahre dauern kann und bekomme im Zweifel meine gestrichenen Leistungen dann im Nachhinein.

  28. somluswelt April 24, 2011 um 7:39 vormittags

    Sorry, Nachtrag zwei: Das ganze ist inzwischen so kompliziert und undurchsichtig, dass selbst ExpertInnen es schwer haben, alle Gesetzesänderungen und Urteile nachzuhalten, das ist die beste Form der Repression überhaupt, blickt keiner mehr durch, also wie soll man sich wehren?

  29. momorulez April 24, 2011 um 7:51 vormittags

    Danke für die Erläuterungen! Sind gar nicht wirr. Und dass das Recht so kompliziert gehalten wird, ist, glaube ich, Absicht – das ist in anderen Rechtsbereichen, wo der Staat eigene Interessen verfolgt, ja auch so, im Steuerrecht zum Beispiel. Und unser Firmenjurist wollte mir mal ein Buch zur allgemeinen Rechtssystematik, also die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Rechtsbereichen, schenken, und stellte fest: Das gibt es gar nicht. Weil das nicht gewollt ist.

    Recht hat ja durchaus die Funktion der Erwartungssicherheit, und sie haben es so hingedreht, dass jeder sicher erwartet, eh der Gearschte und Drangsalierte ist.

    Hannah Arendt hat ja die schöne Formel vom “Recht, Rechte zu haben” geprägt. Exakt das haben sie abgeschafft, und das in Kennzeichen totalitärer Systeme.

  30. somluswelt April 24, 2011 um 8:39 vormittags

    Jetzt geht mir echt einiges durch den Kopf, beispielsweise erlebe ich es von Migranten, die aus diktatorischen/totalitären Systemen kommen, selbst wenn sie sich gewehrt haben, oft, dass sie eben aus ihrer Erfahrung heraus, unserem Gesetz, wenn es auf ihrer Seite ist, nicht glauben. Ihr Erfahrungshorizont ist ein anderer, wer mit korrupten und gefährlichen Vertretern des Gesetzes groß geworden ist, wird hier nicht glauben, dass es so was, wie einen “Rechtsweg” gibt, den sie a) gehen können und b) gefahrlos (und hier meine ich gefahrlos für Leib und Leben) gehen können.

  31. momorulez April 24, 2011 um 8:50 vormittags

    Auch wenn es hier – mal ab von der Möglichkeit der Obdachlosigkeit, des Abschiebeknastes und des Hungertodes – nicht im selben Sinne Gefahr für Leib und Leben gibt wie in Folterregimen, ist das hier doch auch alles völlig korrupt und in den seltensten Fällen ein nachvollziehbarer Rechtsweg. Gerade diese Unsitte “Alle Macht den Sachbearbeitern” dient der Unberechenbarkeit und Abhängigkeit von dessen Launen. Wenn man dann noch einen migrantischen Hintergrund hat und eh schon als Teenie permanent Polizeiwillkür ausgesetzt ist, dann ist eher die Frage, was die BRD mit manchen Herkunftsländern verbindet, als was sie trennt.

    Die Tochter des Bayernkurier-Chefs wird BR-Kulturchefin, die Tochter von Schäuble SWR-Filmchefin, deren Mann Ba-Wü-CDU-Vorsitzender, der Sohn des Ex-Spiegel-Geschäftsführers heiratet bei Studio Hamburg, einer NDR-Tochter, ein usw. – korrupt ist das hier doch mittlerweile ganz im dynastischen sinne, und keiner von denen wird je bei der ARGE landen. Zu mir waren die auch nett, weil ich gleich signalisierte, mich selbstständig zu machen – weil ich eben Sicherheiten für die Kredite habe, die man dafür braucht. Wäre ich in Hannover geblieben und mein Vater nicht so früh gestorben, hätte ich Jura studiert, hätte ich auch ausgesorgt gehabt und jetzt wahrscheinlich einen gemütlichen Job im Justizministerium. Wo alle weiß sind, der Großteil männlich ist, und über schwul hätten die dann getuschelt.

  32. somluswelt April 24, 2011 um 8:57 vormittags

    Ich geh jetzt Wandern, dann vielleicht noch ein paar Überlegungen zur Diskussion, schönen Tag dir noch.

  33. momorulez April 24, 2011 um 9:02 vormittags

    Dir auch! Viel Spaß beim Wandern!!!

  34. bersarin April 24, 2011 um 9:35 vormittags

    @ Sonnenschein

    Es ging mir in der Tat um den kollektiven Widerstand, und es ging mir nicht um die Aktionen Vereinzelter, deshalb brachte ich auch den Text von „Ton Steine Scherben“

    Ich bin selber Berliner und habe die Dinge hier verfolgt, mir ist natürlich der Sicherheitsapparat in den Ämtern bekannt. Es sind diese Dinge wie der Axtangriff aber in der Regel die Taten der völlig Verzweifelten. Es steht mir als nicht Betroffener kaum zu, diese zu kritisieren. Aber in der Vereinzelung bleibt es dabei: „Allein machen sie dich ein.“ (Schon durch ihre Gesetze)

    Ches Beispiel etwa halte ich für nicht ganz schlecht. Wieweit solche Dinge heute machbar sind, was überhaupt machbar ist, müßte man sicherlich besprechen. Dafür ist jedoch das Internet ein denkbar ungeeigneter Ort.

    „Nur mögen wohl kaum 100 Menschen Strafanzeigen nebst Sperrung der Zahlungen riskieren. Der Staat greift bei Formen organisierter politischer Gewalt klar durch, jedenfalls, wenn sie von Arbeitslosen ausgehen sollte.“

    Das vermute ich auch, und insofern kreide ich es niemandem an, wenn er sich nicht traut. Als Einzelner würde ich mich auch nur juristisch und mit Subtilität wehren. Man muß dann ein wenig der brave Soldat Schwejk sein. Und deshalb ist es am Ende wichtig, Organisationsformen zu finden, damit es nicht nur in der Vereinzelung bleibt.

  35. che2001 April 24, 2011 um 10:13 vormittags

    Also, als wir solche Aktionen machten, war arschklar, dass niemand sein Bußgeld selber zahlt. Dafür gab es Solikonten und Solikonzerte. Unterhalb einer Haftstrafe musste sich niemand vor irgendetwas fürchten. Und bis die einen einfahren lassen muss schon viel passieren.

  36. Sonnenstrahl April 24, 2011 um 6:38 nachmittags

    Solidaritätsstrukturen entstehen nicht von allein, Che. Gerade diejenigen, deren Solidaritätspotential aufgrund multifaktorieller Problemlagen oft sehr beschränkt ist, sind kaum in der Lage, anderen Langzeitarbeitslosen die Unterstützung im Kampf gegen staatliche und strukturelle Repression zu geben.

    Sehr positiv möchte ich, zumal aktuell, auf den Kommentar des Hamburgers Fred Grimm im Spiegel hinweisen. Mich verblüfft es, so etwas in einem bürgerlichen Politmagazin zu lesen zu bekommen! Die Diskussion im Spiegelforum selbstentlarvt anschließend in seltener Klarheit die Menschenverachtung liberal-konvervativer Kreise.

    Sie kennen die Probleme nicht, die sie mit autoritären Methoden zu regulieren versuchen.

  37. somluswelt Mai 10, 2011 um 2:49 nachmittags

    Ich habe boch mal nachgedacht, ach was, wer mich kennt, weiß, wie mich das beschäftigt ;).

    Was ich bei meiner Arbeit auch beobachte, ist, wie tief die Propaganda in die Köpfe und Herzen der Menschen vorgedrungen ist. In einem Kurs voller Erwerbsloser reden jene, die gern arbeiten wollen aber nichts kriegen, verächtlich von denen, die angelblich nicht arbeiten wollen. Oder im Rehabereich, wo Menschen sitzen, die durch Krankheit oder Unfall “nichts dafür können”, dass sie ihre bisherigen Berufe nicht mehr ausüben könne. Oft sind das Menschen, die bisher vollkommen auf ihre Tätigkeiten fixiert waren und nun der Körper einen meist sehr schmerzhaften Stopp eingelegt hat. Diese Erwerbslosen, die vom System nicht als Erwerbslose bezeichnet werden, weil sie “Übergangsgeld” bekommen, was aber nicht viel mehr ist als Leistungen nach dem SGBII sofern sie nicht einen Unfall hatten und die Berufsgenossenschaft für sie aufkommt, achten auch tunlichst darauf sich von den “Heerscharen fauler Erwerbsloser” abzugenzen. Das Ganze ist teilweise entsetzlich absurd, weil viele von ihnen, wenn sie nicht eine Erkrankung hätten, Leistungen nach SGBII beziehen würden.
    Das ganze macht mich manchmal sprachlos. Solidarität? Sich organisieren? Das Ganze mal hinterfragen? Das höchste ist und das ist schon viel, dass einigen sehr wohl klar ist, dass sie nur deshalb in der Rehamaßnahme sitzen, weil sie so aus der Arbeitslosenstatistik raus sind. Das erkennen sie inzwischen als Verarschung. Bei einigen kann ich schon absehen, dass sie, wenn die Rentenkasse nicht mehr zuständig für sie ist und sie weiterhin unter dem Druck stehen, blos nicht zu den faulen Erwerbslosen zu gehören, wieder in einem Rehaverfahren landen.

    Das ganze System ist unmenschlich und trägt faschistische Züge und das macht mich schon seit Jahren mehr als besorgt. Am schlimmsten ist für mich, meine eigene Ohnmacht auszuhalten, Angesichts der Lethargie, sich für andere und sich selbst einzusetzen und über den eigenen Tellerrand zu schauen.

    Und das kreide ich der Politik, den Medien und den Wirtschaftsverbänden, als auch den Gewerkschaften an, dass sie das so gewollt haben, dass sie fern jeder Idee von zwischenmenschlichem Zusammenleben einem Wachstum huldigen, der unmenschlich und zerstörerisch ist. Nach allem was ich weiß, im Laufe der Jahre zusammen getragen und erlebt habe, gehe ich davon aus, dass dieser Faschismus bewußt betrieben wird und so gewollt ist und das ist wirklich kein schöner Gedanke.

  38. che2001 Mai 10, 2011 um 6:36 nachmittags

    @”Solidaritätsstrukturen entstehen nicht von allein, Che. Gerade diejenigen, deren Solidaritätspotential aufgrund multifaktorieller Problemlagen oft sehr beschränkt ist, sind kaum in der Lage, anderen Langzeitarbeitslosen die Unterstützung im Kampf gegen staatliche und strukturelle Repression zu geben.” — Es hat Zeiten gegeben, da bestanden in Berlin-Kreuzberg solche Strukturen aus hunderten von Leuten. Und der zur selten dämlichen ritualisierten Randale verkommene Revolutionäre 1.Mai begann mal als kollektives Einplündern von Soziempfängern zur Umsonst-Aliimentation.

    Oder die Hausbesetzungen: “Wir setzen durch, was Bürger wünschen, sich aber nie zu machen trauen. Schneller wohnen!”

  39. momorulez Mai 10, 2011 um 7:02 nachmittags

    @somlu:

    Ja. Also, ich sehe das auch so, dass das gewollt ist, weil “Menschwert” irgendwie an den Funktionalismus des Marktgeschehens assimiliert wurde und so Unnütze entstehen, die zum Objekt übelszen Drangsalierens werden.

    Mir ist auch zunehmnd ein Rätsel, wie man dagegen angehen können wird. Die einzige Chance ist, dass die noch Marginalisierteren sich organisieren.

    Medial kriegst Du so was auch jenseits des Unterschichtenvorführfernsehens auch nicht mehr platziert – weil die, die drin in den Systemen sind, eben Nutznießer sind, die, die an den Systemgrenzen operieren, Angst haben, noch ihren letzten Rest Nutzen aus dieser organisierten Gesamtscheiße zu verlieren. Und dem Rest widerfährt, was Du beschreibst. Was in Großverlagen und Fernsehsendern los ist, ist ja auch ganz gewaltig gruselig. Manche der Ideologien entstehen in der veröffentlichten Meinung, glaube ich, auch aus dem reinen Distinktionswillen gegen die, zu den zu gehören bis auf wenige alle Angst haben. Und so funktioniert der Machterhalt prima.

  40. che2001 Mai 10, 2011 um 10:45 nachmittags

    @weil „Menschwert“ irgendwie an den Funktionalismus des Marktgeschehens assimiliert wurde und so Unnütze entstehen, die zum Objekt übelszen Drangsalierens werden – Nichts Anderes ist das, was in der Weimarer Zeit das Bild der “unnützen Esser” schuf, das sowohl die Grundlage der NS-Vernichtungspolitik als auch die der Nachkriegsstrategien des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank schuf. Die einzige Antwort darauf kann nur der Kampf dafür sein, gleiche Rechte aller Menschen zu fordern, den Kampf darum, überhaupt Rechte zu haben. Das Recht, Rechte zu haben, durchzusetzen. Und das steht bereits zum Teil außerhalb bestehender Legalität. Ohne Rechtsbruch werden sich soziale und Menschenrechte nicht mehr durchsetzenlassen. Damit stehen wir da, wo die US-Bürgerrechtsbewegung, Snick und Black Power mal angefangen hatte: Ziviler Ungehorsam als Basis des überhaupt Forderungen Stellens. Ich habe, wie oft wiederholt dargelegt, selbst erlebt, wie korrekte Versorgung von Flüchtlingen durchgesetzt werden konnte: Durch öffentliches Plündern von Supermärkten. Das halte ich doch für einen guten Orientierungspunkt dafür, wo soziale Proteste anzusetzen hätten.

  41. somlu Mai 11, 2011 um 4:04 nachmittags

    Che, ja klar, alles was du da schreibst ist sicher nicht falsch und das Problem, das mich umtreibt, ist, dass ich keine Leute finde, die einen Supermarkt plündern wollen. Wie ich es oben schrieb, solange es sich noch die Möglichkeit der Unterscheidung und damit die Erfüllung paternalistischer Ansprüche möglich ist und der menschliche Geist ist doch in höchst kreativer Weise in der Lage, sich was schön zu reden, solange werden keine Solidatitätswellen, wie sie von Sarah Schulman in “Leben am Rand” beschrieben werden, entstehen. Da kenne ich das her. Und die beständige Repressionsanpassung der Gesetzte (gilt ja nicht nur für das SGBII) trägt das ihrige dazu bei.

    Und diese Repressionsanpassung ist auch das, wo ich in den Vergleich mit den Anfängen des Nationalsozialismus komme, denn die Identifikation mit einem Staat, der die Spielräume immer weiter einschränkt und dies ihm als “Vater Staat” zuzugestehen und sich selbst damit immer enger zu machen, das ist das, was ich bei den allermeisten Erwerbslosen im Moment beobachte. Sie versuchen teilweise verzweifelt diesem irrsinnigen und menschenfeindlichen Vorgaben zu entsprechen und schauen auf alle herab.

    OT
    PS. @che, falls du es noch nicht kennst, in meinem aktuellsten Beitrag habe ich ganz unten was verlinkt, da habe ich beim Lesen oft an dich gedacht und mich gefragt, was du dazu sagen würdest.

  42. che2001 Mai 11, 2011 um 6:21 nachmittags

    Meinst Du jetzt den Albrecht-Müller-Beitrag? Nur zum Verständnis.

  43. somlu Mai 11, 2011 um 6:49 nachmittags

    Nein, mein aktuellster Beitrag hat nichts, aber so gar nichts, mit Albert Müller zu tun und da ganz unten nach dem P.S. habe ich noch einen Artikel verlinkt.

  44. che2001 Mai 11, 2011 um 9:19 nachmittags

    Tja, was soll ich sagen? Das war DAS Standardthema in allen linken Selbstverständnisdebatten in Göttingen, Kassel und Bremen über all die Jahre hinweg. In unzähligen Varianten und mal moralisch aufgeladen und mal eher abstrahierend, mal sehr persönlich und mal sehr allgemein, quer durch die Beziehungen und selbst bis in die alltäglichen Mensa- und Biertischgespräche hinein, immer und dauernd. Gab ja auch ständig eigene Plena und Workshops dazu. Aufgelöst wurde das ja nie so richtig, ist in einer Gesellschaft mit patriarchaler Grundmatrix aber auch schwer genug.

  45. che2001 Mai 11, 2011 um 10:07 nachmittags

    Wobei die realen Strukturen von Gruppe zu Gruppe extrem schwankten, von sich an ihrem eigenen Gesülz aufgeilenden Alphamännern bis hin zu stark frauendominierten Gruppen, in denen die Frauen so eine Art Moralinstanz darstellten. In der Antira herrschte ein Klima des alle und jede/n bis zuletzt ausreden Lassens, tonangebend waren Frauen, ein gegenüber dem Rest sehr viel älterer deutscher Mann und ein Iraner, der sehr sanft und zurückhaltend auftrat, aber aufgrund gerade seines undominanten Verhaltens und seines für eine Antirassismusgruppe bedeutsamen Hintergrundes (Guerrilla- und Foltererfahrung) eine Art natürliche Autorität darstellte. Ansagen wie “Dein Verhalten in der Gruppendiskussion vorhin fand ich ziemlich dominant” oder “Ich fand Deinen Blick vorhin nervend und penetrierend” gab es alle Nasen lang, das wurde dann mal gut ausdiskutiert und mal offen gelassen, insgesamt würde ich das als sehr konsensmäßig und herrschaftsfrei bezeichnen, trotzdem gab es eine informelle Arbeitsteilung die sich so eingespielt hatte, ständig hinterfragt und kritisiert wurde, sich aber fortsetzte: Protokoll Führen war ein Frauenjob, Reden schreiben ein Männerjob, Reden halten 50:50, im Straßenkampf gab es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, das “Mackerverhalten am Bauzaun” kannte ich nur von fremden Gruppen, bei Einigen gab es aber Pracht-Vorzeigemacker. Lesben wurden geradezu als moralische Autoritäten wahrgenommen, zu denen aufgeschaut wurde. Theoretisch galt das Konzept Drei zu Eins als allgemeinverbindliche Grundlage http://deu.anarchopedia.org/Triple_Oppression

    Ich selbst? Die verschiedensten Rollen eingenommen, insgesamt aber eher tonangebend ohne direkte Führungsrolle, jemand, der von weiblichen wie männlichen GenossInnen gerne als Vertrauensperson für intimere Fragestellungen herangezogen wurde und genau damit Probleme bekam: Für männliche Freunde zu sehr in Frauen-Probleme verstrickt, Frauenversteher im Wortsinn, dem geradezu angekreidet wurde, bei Beziehungskonflikten die Position der Frau einzubeziehen, was als Vertrauensbruch oder Untreue gedeutet wurde, für Freundinnen zu ambivalent.

  46. netbitch Mai 12, 2011 um 2:07 nachmittags

    Dieses Antipat-Denken solltest Du überhaupt mal thematisieren. Da war szenetypisch ja ein Schlag Männer mit einem sehr hochgehängten antipatriarchalen Anspruch, die weniger anspruchsvolle Kerlinger wie Dich gerne als “Macho” kritisierten, aber regelmäßig abdrehten, wenn Tüpen das subjektive Empfinden von Frauen tatsächlich emotional nachempfinden konnten oder bei Beziehungszwisten ohne Eigeninteresse die Seite der Frau einnahmen. Da brach regelmäßig die schöne Neue Männerwelt zusammen, wie mir zugetragen wurde. Denn antipatriarchales Denken und Männergruppen waren nicht ohne Männerbündelei zu haben.

  47. momorulez Mai 12, 2011 um 2:28 nachmittags

    Ich lese das ja immer mit Erstaunen, weil aus eigentlich ganz richtigen Fragetsellungen ziemlich vioel manipulativer Psycho-Firlefanz entstanden zu sein scheint und sich das für mich als Leser immer so darstellt, dass statt Moral im Kantischen Sinne eher ein säkularisertes Christentum mit Hohepriestern gepflegt wurde. Lesbische Frauen sind ja nicht per se durchaus Autoritäten, sondern weil sie Erfahrungen mit patriachalen und heteronormativen Strukturen haben, die andere eben nicht haben, und auf diesen Raum bezieht dann dass “lieber mal zuhören”, ohne dass sich darüber hinaus irgendwelche Hierarchien ergeben würden.

    Im Grunde genommen bin ich so zu dem Schwerpunkt Moralphilsophie gelangt, weil mir inmitten dieser ganzen Psycho-Manipulationen bestimmter Szenen das Grenzen setzen mittels des kantischen Typs möglich erschien und ich diese permanenten Grenzverletzungen ziemlich unerträglich fand. Das ist aber exakt das Gegenteil jener “Du bist böse, weil …”-Moral, die in anderen Diskussionen hier ja auch ständig aufglimmt.

  48. Sonnenstrahl Mai 12, 2011 um 2:56 nachmittags

    Der antipatriarchalische Codex als Maskierung und Machtstrategie? Richtig verstanden, Che?

  49. netbitch Mai 12, 2011 um 5:37 nachmittags

    Das hängt vielleicht damit zusammen, dass sich kollektive Großgruppenzusammenhänge umso stärker über einen gemeinsamen Ethos legitimierten, je stärker ihre Kämpfe von den sozialen Schwerpunktauseinandersetzungen in diesem Lande abgetrennt wurden. Und dass in der autonomen Szene sehr viele sehr junge Leute unterwegs, die Vorbilder und Identifikationsfigurenm benötigen zu meinen glaubten und im Grunde noch ihre Pubertätskonflikte austragen, und das wurde dann auf eine politische Ebene gehoben.

    @ Lesbische Frauen sind ja nicht per se durchaus Autoritäten, sondern weil sie Erfahrungen mit patriachalen und heteronormativen Strukturen haben, die andere eben nicht haben, und auf diesen Raum bezieht dann dass „lieber mal zuhören“ Der Punkt war oft ein ganz Anderer, das ging etwa so: Lesben haben keinen Grund, auf Männer Rücksicht zu nehmen und sind deshalb die konsequenteren und radikaleren Feministinnen, dies durchaus im Sinne von erbarmungslos und ohne Rücksichten im Kampf gegen den Feind gedacht und somit eine natürliche Avantgarde. Das war alles nicht weit weg vom Denken der RAF, von der Grundstruktur her betrachtet.

  50. momorulez Mai 12, 2011 um 8:10 nachmittags

    Das mit dem Ethos, das haben wir in Kernbereichen beim FC St. Pauli ja auch, diese eher kommunitaristischen Ansätze. Was ich dabei immer so schwierig finde, ist, von denen nun einen gesellschaftspolitischen Anspruch abzuleiten, was bei bürgerechtsorientierten oder strukturell kapitalismuskritischen, die auf eine Charakterologie mit Begriffen wie “Gier” etc. verzichten, anders ist. Dieser “subkulturelle Binnenethos”, auf den ich in meinen Schutzräumen ja auch bestehe, ist ja nicht verallgemeinerbar. Erschütternd sind dann für mich immer die Genovevas dieser Welt, die einem diese Schutzräume nicht zugestehen wollen.

    Bei diesen im Gefolge des Freudomarxismus entstandenen Geschichten geht es aber immer mitten rein in die Persönlichkeit, boah, bei allem Zugestehen, dass Sexismus ja wirklich die intimsten Bereiche auch betrifft, das fand ich immer furchterregend. Zudem ich da oft das Gefühl hatte, dass manche Frauen, weil sie es halt so gelernt hatten, theoretisch aufgeplustert einfach nur die ganz normalen Manipulationsformen und somit Machtausübungen noch steigerten, die man ihnen, den für Beziehungen und Emotionen gesellschaftlich zugewiesen Zuständigen, eben zugesteht. Was auf eine Problemverdoppelung hinaus läuft und mich zumindest immer in die Flucht geschlagen hat.

    Den Teil mit der RAF-Analogie, puuuh, das ist sehr weit weg von den Zusammenhängen, in denen ich mich bewegt habe. Kann nicht sagen, dass ich es vermisst hätte :D

  51. che2001 Mai 12, 2011 um 9:03 nachmittags

    @netbitch 2.07: Ja, absolut. Einerseits erlebte ich das Antipattum als einen zu beschreitenden Weg “von der Rolle zu kommen”, andererseits als etwas, was sich in reinen Männerzusammenhängen abzuspielen habe, und wenn mann sich dann in konkreten Beziehungskonflikten mit einer Frau identifizierte oder deren Partei ergriff wurde das nicht als Infragestellen des Verhaltens eines anderen Mannes unter antipatriarchalen Aspekten begriffen, sondern eher als eine Art Verrat. Die Männergruppe oder Männerfreundschaft als etwas, das zwar zur Aufarbeitung von patriarchalen Strukturen in uns selber dienen sollte, zugleich aber auch mit einer Art Verpflichtung verbunden war, die Mit-Männer zu unterstützen. Geschaffen als eine Methode des Selbst-Begreifens heterosexistischer Strukturen unter Männern, aber analog zu Frauenzusammenhängen – die sich unter ganz anderen Bedingungen gebildet hatten – auf Geschlossenheit untereinander ausgerichtet. Eher ein neuer Teil des Problems als eine Lösung.

    @Sonnenstrahl: Nein, nicht so ganz. Das war eher ein unhinterfragter, gänzlich unstrategischer Selbstläufer, in dem sich Machtstrukturen anders gewandet reproduzierten.

    @Momorulez: “Erschütternd sind dann für mich immer die Genovevas dieser Welt, die einem diese Schutzräume nicht zugestehen wollen.” —- Mich erschüttert das noch mal anders herum. Da werden die gerade thematisierten falschen Anwendungen dieser Schutzräume zu einem gesellschaftsmächtigen Ganzen uminterpretiert, gerade so, als ob linke Subkulturen in diesem Land das Sagen hätten.

  52. che2001 Mai 15, 2011 um 1:21 nachmittags

    Somlu, wo bist Du? Deine Meinung zu diesem Thread wäre nun allerdings interessant.

  53. workingclasshero Mai 18, 2011 um 10:45 nachmittags

    Diese RAF-Analogie meiner Liebsten ist noch gar nicht so eine Wirkliche, sondern eher eine Anknüpfung: Die Vorstellung, radikale Lesben in der linken Szene seien deshalb eine besondere Avantgarde, weil sie die wenigsten Gründe für Rücksichtnahmen auf Männer hätten ist kongruent zu den Avantgarde-Modellen der Linken der Siebziger und Achtziger, die auf Ansätzen wie “Den Trennstrich zwischen uns und dem Feind ziehen” oder Marcuses Subkultur-Ansatz fußten. Da hatten die Alt-Autonomen, die Neue Frauenbewegung und Stadtguerrillagruppen ein gemeinsames geistiges Zuhause, das es so heute nicht mehr gibt. Ansatzpunkt war in allen Fällen nicht “lieber mal zuhören”, sondern ein völliges Übernhaufenwerfen der bestehenden Gesellschaftsstruktur.

  54. momorulez Mai 19, 2011 um 8:38 vormittags

    Diese an Lebensform-Modelle gekoppelten Leninismen finde ich ja bis heute schwierig … gern Übernhaufenwerfen, gern Attacke, unbedingt Subkultur, aber so wird das schnell Carl Schmitts “Das Wesen des Politischen ist die Unterscheidung zwischen Freund und Feind”.

  55. che2001 Mai 19, 2011 um 11:16 vormittags

    Eben das bildete ja, neben rigiden Moralvorstellungen, die Grundlage all der furchtbaren Selbstzerfleischungen der Linken – und nicht etwa, wie andere meinen, der Genderbegriff, die Lehre Butlers oder der Dekonstruktivismus.

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