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So langsam bin ich ja sensibilisiert, was die Reaktionen auf eine solche Feststellung angeht. Auf der FB-Seite “St.Pauli”, wo meine Beiträge immer reinlaufen, zeigen sich die typischen Reaktionen:
“Viel Lärm um nichts”
“Dann muss man auch gegen die Herrenhandtasche sein”
“Astra ist doch nur ein Bier, und hat doch nix mit dem FCSP zu tun”
Ja, das sind ja die Immunisierungsstrategien, diese Trivialisierungsversuche, die tatsächlich, da hat @mrsnextmatch völlig recht, dieses ganze “Wir sind so antisexistisch”-Gerede völlig unglaubwürdig machen und die schlechterdings üblich in manchen Hirnen sind.
Außerdem: Was hat das denn mit der “Herrenhandtasche” zu tun? Stecken da Ärsche drin?
Interessant ist übirgens, wenn man sich die “Supertyp”-Astra-Werbung parallel anguckt, dieses Bild mit dem Lebkuchenherz vom Dom, das gerade an Bushaltestellen zu sehen ist: Der Mann ist angezogen und individualisiert, den man da sieht. Frau bleibt anonym und als verallgemeinerter Arsch zu sehen.
Subtext dieses Plakats ist doch: Kopfschmerzen für Sexisten! (…nach nur drei Flaschen…)
Diese Werbung ist ein Griff ins Klo. Sonst finde ich die Astra-Werbung meistens eigentlich sehr lustig, aber dieses sexistisch-einfallslose Sex-sells-Hirn-aus-Bild ist einfach nur peinlich und läßt meinen sonst so großen Astra-Durst zumindest ein wenig abebben. Astra-Werbung – was dagegen? JA!
Oha:
http://www.uebersteiger.de/ausgaben/55/sex.html
Hat mich nicht wirklich erstaunt, aber schockierend ist es trotzdem (ja, das geht gleichzeitig). Und vor allem monsterpeinlich für den Übersteiger.
Um das Bild geht es mir dabei eigentlich nicht so sehr, mehr um das tatschen. Dem Wort “tatschen” liegt die Belästigung ja schon inne. Da steht übersetzt “sexuelle Belästigungs Leinwand”. Und zwar ganz ungebrochen. Mit der Aufforderung zum bzw dem Lustigfinden von “Tatschen” ist eine neue Qualität erreicht. Gaffen, siehe sonstige ASTRA etc Werbung, ist klar scheiße und übergriffig. Aber beim Tatschen (=Belästigung/Nötigung) empfehlen, nahelegen oder abfeiern ist noch eine dicke extra Grenze überschritten. Und das weiß mann übrigens genau. Die Klamotte hilft dann auch noch beim Rauskramen der alten kaputten “so wie die angezogen ist” bzw “die ist doch eh vom horizontalen Gewerbe” Nicht-Argumente, mit denen schon seit jeher Übergriffiges legitimiert werden soll, als hätten Sexworker und Frauen, die sich gerne interessant kleiden, kein oder weniger Recht auf eine gewaltlose Begegnung.
Du soltest Uwe Doll mal sehen
– ja, gemein, mit der Erotik von Vereinssatzungen kennt der sich zumindest auch ganz gut aus. Und die Prüderie-Frage mit zu stellen, das finde ich ja eigentlich sogar immer ganz richtig, aber dann “Gardinen zuziehen beim Sex!” zu rufen ist ja auch eine seltsame Antwort darauf. Zudem Sexismus-Definitionen aus dem Brockhaus von 1971 in der ganzen Diskussion, die mittlerweile auch eine Andrea Dworkin einerseits, eine Peaches andererseits hervor gebracht hat, nun auch keine Antwort sind.
Ich finde auch das Bild schlimm, weil es gewissermaßen generalisierte weibliche Körperteile fetischisiert, also das, was Doll meint, aber in einem etwas seltsamen Wust unzulänglich pointiert, und so jegliche Individualität tilgt. Was bei Fussfetischismus weniger problematisch wäre, weil da eher selten drauf getatscht wird, ganz wie Du schreibst: Die Aufforderung zur gewalthaltigen Grenzüberschreitung ist schon hart, genau wie das “Wenn die ‘n Minirock trägt, will die das doch!”, ja.
Ekelhaft, einfach ekelhaft. Vor allem fühle ich mich als weisser heterosexueller Mann beleidigt. Als wäre es das höchste der Gefühle endlich mal so schön übergriffig werden zu können. Scheiss-Plakat. Agentur stürmen und die Verantwortlichen so richtig angrapschen und dabei volldebil und schenkelklopfend “hö hö” artiges Lachen ausstossen.
@c.k.:
Das ist übrigens auch die Replik des Sexualwissenschaftlers Günter Schmidt auf die recht wirkungsmächtige Pornographiekritik Andrea Dworkins – er stimmt ihr insbesondere hinsichtlich der Fetischisierung des Frauenkörpers vollumfänglich zu, arbeitet aber heraus, dass man in der Pornographie selbst allerlei Männerfeindlichkeit dahingehend sehen könnte, dass diese als stets aufgegeilte, grenzdebile Triebtäter gezeichnet würden. Inwiefern das auf manche zutrifft, ist dann eine empirische Frage …
Interessant übrigens, dass Du das “weiß” in diesem Zusammenhang aufgreifst, was den Themen und der so häufigen Erwähnung der Trinität “weiss – hetero – männlich” dieses Bligs geschuldet ist, klar. Trotzdem.
Als ich gestern noch über den Doll-Text im Übersteiger grübelte, fiel mir auch noch mal auf, dass Frauen in dem Text nur als Bildchen, ähnlich wie bei dem bescheuerten “Titten”-Titelbild, auftauchen, und diese ungebrochen übernommen und auch noch fehlgedeutet werden – ansonsten sind sie da schlicht Objekte der mit Kritischer Theorie light aufgeladenen Wunscherfüllung idealisierter Sexualitätsvorstellungen eines Mannes. Vermute, dass @mrsnextmatch auch das meinte, und ich mal wieder einen Moment brauchte. Das ist deshalb wichtig, weil neulich in einem anderen Zusammenhang die Existenz eigenständiger weiblicher Perspektiven abgestritten wurde.
Zusätzlich bemerkenswert, wie da Lesben und Schwule instrumentalisiert werden von Herrn Doll. Was die Visualisierung lesbischer, erotischer Fantasien, die NICHT dazu dienen, dass Heten sich dran aufgeilen, angeht, kenn ich mich schlicht nicht aus. In der geradezu zwangsläufig hochsexualisierten schwulen Sub funktioniert Porno aber sehr anders als bei Heten – gibt z.B. eine SM-Porno-Reihe, wo die Protagonisten vorher und nachher ausführlich interviewt werden, was diese Erfahrung mit ihnen macht, wie sie sich dabei fühlten. Da wird, selbst wenn das inszeniert ist und die Praktiken hochritualisiert sind, die Individualität tatsächlich mit geliefert, in dem Fall sind das Personen, nicht Ärsche.
Na ja, Astra-Manager und diese Werbefuzzis sollten jetzt zumindest auf ihre Ärsche aufpassen.
Mein Vorschlag fürs nächste Werbemotiv:
Eine sexy 12-Jährige, viel Haut, lasziv und lolitahaft.
Claim: “Neu: Das Astra I-Päd.”
Stimmt, das mit der Trinität. Hier ja völlig deplaziert. Sollte man ja so eigentlich nicht übernehmen. Wobei es ja schon fast ein feststehender Begriff ist. Aber in diesem Automatismus ein ziemlich dummer.
mfg
@Nörgler:
Und SAT1 macht dann das große TV-Movie über den, der sie angegrabbelt hat und darüber hinaus, weil er sie für 15 hielt …
@c.k.:
Das ist ja auch verzwickt mit diesen Kreuztabellen
…
Vielen Dank für die Diskussion.
Mich hatte das Plakat auch schon schwer genervt.
Ich habe eine Protestmail an die Brauerei geschickt, in der ich kurz und knapp meinen Unmut zur Äusserung brachte.
Die Antwort lies nicht lange auf sich warten. Die Argumentationskette kam mir bekannt vor.
Egal ob man sich über Sexismus oder Rassismus beschwert, die Mechanismen sind sich oft ähnlich.
In diesem Fall eine Frau die Antwortet und natürlich ist die Kampagne von Frauen entworfen worden und damit also legitim……..TS!
Ach ja, Satire darf natürlich auch wieder alles.
Ich poste hier die Antwort der Brauerei, vielleicht hat ja sonst noch wer lust an die zu schreiben.
“Sehr geehrter Herr …….
vielen Dank für Ihre Email, in welcher Sie die Astra-Werbung “Neu! Der Astra Tatsch-Screen” kommentieren.
Wir haben uns mit Ihrer Kritik eingehend beschäftigt und möchten Ihnen mitteilen, dass es keinesfalls unsere Absicht ist, mit dem Motiv Frauen zu diskriminieren bzw. herabzusetzen.
Die gesamte dargestellte Szene ist bewusst ironisch überzogen und ersichtlich satirisch überzeichnet, weshalb keine ernsthafte Herabwürdigung der weiblichen Person beanstandet werden kann.
Die Abbildung der Frau in kurzer Hose lässt unserer Meinung nach nicht zwangsläufig auf eine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts schließen. In dem von Ihnen kritisierten Fall wird nicht die ständige sexuelle Verfügbarkeit der Frau suggeriert, sondern vielmehr mit ihr zwar in durchaus erotischer und humorvoller, aber weder pornografischer noch herabwürdigender Art und Weise für die Analog-Kampane von Astra geworben. Die dargestellte Abbildung dient vielmehr als humorvolle optische Ergänzung des Slogans.
Diese Plakatwerbung wurde uns zudem von einer weiblichen Kundenberaterin unserer Werbeagentur vorgestellt sowie von zwei weiblichen Mitarbeiterinnen der Marketingabteilung zur Freigabe vorgeschlagen. Dieses Motiv nutzen wir einmalig im Rahmen einer umfassenden Themen-Kampagne “Astra bleibt analog”, mit welcher die Marke den aktuellen Internet- und Web-Hype ironisch aufnimmt und zu mehr Aktivitäten im realen Leben auffordert, die das soziale und kulturelle Miteinander fördern. Dies erfolgt in einem zeitlich begrenzten Rahmen durch viele unterschiedliche Maßnahmen, wobei das von Ihnen kommentierte Motiv nur eines von vielen verschiedenen Motiven darstellt und daher keine herausragende Einzelrolle spielt.
Mit freundlichen Grüßen
Linda Boos”
Danke, Tom!!! Ich habe lediglich den “Fuss” der mail mit e-mail-Adresse usw. weg genommen, weil ich nicht weiß, ob es sich bei Büronummer etc. um die Veröffentlichung personenbezogener Daten handelt. Und da jeder die Dame, die vermutlich ironischerweise und ohne jede Herabwürdigung höchstselbst ihren Hintern der Welt, komme, wer da wolle, in goldenen Hotpants entgegen streckt, selbst im Kontext der Carlsberg-Brauerei finden können wird, haut dieser selbstentlarvende Text prima hin. Die Frau Dr. steht so offenkundig schon morgens in der Kaffeeküche.
Das ist aber wirklich verblüffend, wie das Schreiben jenen ähnelt, die man im Rassismus-Kontext z.B. als Erwiederungsschreiben auf der Seite des “Braunen Mobs” lesen kann. Gibt es dafür Vorlagen, die sich solche Leute dann aus dem Netz fischen?
Allein schon, dass Frau Doktor einem isolierten Hintern die Bezeichnung “Frau” zukommen lässt, verblüfft. Darauf wird zurück zu kommen sein.
@c.k.
oder halt einfach nicht dazu sagen, aber gerade das nicht zu tun, ist ein starkes politisches Statement, eine Positionierung. Ich finde das gut! Genau so wie es eben schon wichtig und ein Unterschied ist, ob man als weiße Frau oder Schwarze Frau spricht, sollten nicht nur die Frauen-, Homo-, Trans*- und PoC Perspektiven dazugesagt werden, weil sie die unterschiedlichen sozialen ‘Rollen’ (um die es hier ja auch geht) und letztlich auch Erfahrungen anerkennen und deutlich machen.
Die ‘Trinität’ ist gar nicht unangemessen, weil sie zum einen die Position genau aufzeigt, was gerade gegen die Normierung jederzeit ganz wichtig ist, und weil diese Machtverhältnisse sich halt immer und überall verschränken. Einen Teil seiner gesellschaftlichen Positionierung wegzulassen, geht ja nicht, man könnte versuchen ihn auszublenden (was 90% machen
Schön an dem Antwortclusterfuck ist wieder mal, dass die glauben, ihre Intention sei in irgendeiner Weise Maßgebend dafür, ob das Poster sexistisch ist. Und ja, diese Antworten sind geklont. Die Tabelle geht in etwa so:
- trotz guter Argumentation im Beschwerdeschreiben alles einfach leugnen #deutungshoheit
- die eigene Intention wichtiger finden als der Kack, den man gerade angerichtet hat #unprofessionell
- Verletzungen auf die Befindlichkeit der Verletzten schieben #denial
- Täter Opfer Umkehr: wir sind die guten! du bist komisch/empfindlich/nicht hilfreich #aggro
- noch frech einen Absatz Produktwerbung hinterherschicken #charakterlos
Ganz toll vorgemacht hier http://brotherskeepers.org/blog/2009/08/offener-brief-es-gibt-nur-einen-grund-schwarz-zu-wahlen/ und da http://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2009/08/BKarte_Erklaerg_GrueneKaarst.pdf
Danke für die Stichwortliste!
Und das Problem, wenn man sich als weißer Mann von Sexismus distanziert, dass ein Klischee über PoC-Männer deren “chronischer Sexismus” ist, dachte ich so beim Lesen – was c.k. nicht meint, ich weiß!!!, was aber zumindest die Lesart zulassen könnte, darüber erhaben zu sein. Ist aber vielleicht zu tricky gedacht und soll reingar nix über c.k. sagen.
@momorulez: Verstehe. Aber nur wenn du positioniert aus der eigenen Perspektive sprichst, sprichst du da
n i c h t automatisch für die anderen mit. Gilt für die dominanten Perspektiven, weil Universalismusanspruch, wie z.B. im Machtgefüge Schwarz/weiß. Tricky 2.0
Ihr Deutschen seid einfach so peinlich humorlos! Und habt nicht mal das Werbeplakat richtig verstanden. Tatsch-Screen ist ein Wortspiel mit dem englischen “Touch-Screen” (der berührungsempfindliche Bildschirm von Smartphones und Tablet-Computer) und macht nur dann richtig Sinn, wenn man die Werbeaussage in einem globaleren Zusammenhang sieht d.h. das Bild mit dem Hotpants-Arsch in Zusammenhang mit der Bildschirm-ähnlichen Werbesäule sieht, in dem das Bild bzw. Plakat steckt. Man wird also NICHT aufgerufen, einen echten Frauenhintern zu begrabschen, sondern den “Bildschirm” bestehend aus dem Plaket selbst und dem Rahmen in dem es steckt. Ihr Deutschen solltet mal weniger grenzdebile Comedy-Shows im Fernsehen (à la Mario Barth, Harpe Kerkeling, Pastewka & Co.) gucken, dann bekommt ihr vielleicht auch mal ein Gespür für etwas feineren bzw. etwas weniger offensichtlichen Humor…
@mumbly:
Die Zuschreibung “deutsch”, also, identifizieren tu ich mich damit ja eigentlich nicht
– objektiv habe ich das Pass-Privileg usw., ja.
Und zu unterstellen, jemand würde Mario Barth gucken, grenzt an justitiable Beleidigung. So einen Dreck schau ich mir nicht an.
Ansonsten berührt nix von dem, was Du schreibst, das, was hier geschrieben wurde. Dass das “Wortspiel” verstanden wurde, davon kannst Du ausgehen, es hat aber keine Relevanz.
@mrs. next match:
Ist das so? Ich finde ja die kritische Reflektion auf die je eigene Position auch entscheidend, denke aber trotzdem, dass das die Dominanz nicht automatisch aufhebt, sondern zugleich auch mobilisieren kann, weil diese Positionierung, indem sie realen Rassismus z.B. thematisiert und “weiß” ebenso markiert, wie das sonst mit “schwarz” passiert, ja noch nicht die vielfältigen Gehalte und Konnotationen der jeweiligen Zuschreibungen angreift. Hatte neulich so einen unappetitlichen Dialog mit einem weißen, heterosexuellen St. Paulianer zum Sexismusthema, der bei der Erwähnung der whm-Trinität reflexhaft antwortete, Sexismus sei ja nun gerade nicht primãr Problem der Weißen. Das glauben die ja wirklich, dass sie, vollends aufgeklärt, Sexismus, Homophobie und Rassismus längst hinter sich gelassen hätten, ganz wie Aufklärer “Natur” in schwarz hinein projizierten.
Mit anderen Worten “White Power” markiert sich ja auch …
Und es sei noch mal betont, dass das weit über c.k. hinaus geht und Du nicht gemeint bist, c.k. !
@momorulez: Bestimmt findest Du auch Benny Hill sexistisch…
Ich kenne Benny Hill gar nicht …
@momorulez:
Ein typischer Benny-Hill-Sketch:
Nö, finde ich nicht sexistisch. Das macht sich ja über den Grabscher lustig und focussiert sich auf ihn.
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Humor ist so eine Sache. Und im Übergang von den 80ern in die 90er hat sich daran so einiges geändert. Was früher etwa in der Titanic möglich war, ist es heute nicht mehr.
Leider ist die Welt in der Tat voll mit schlechtem, dämlichem Humor, das reicht von Mario Barth bis zu Michael Herbiger.
Manchmal muß man nachfragen: Wer spricht/schreibt? Und Satire ist nicht gleich Satire. Wenn zwei dasselbe sagen, ist es insbesondere in diesem Bereich bekanntlich und noch lange nicht dasselbe. Das Astra-Plakat ist, schon weil es Werbung ist, keine Satire. Und es ist zudem nicht einmal witzig, sondern bedient ein Stereotyp. Werbung kann nie Satire sein, allenfalls kann sie die Betrachterinnen und Betrachter zum Lachen bringen. Dieses Astra-Plakat ist aber nicht einmal lustig oder auf eine Weise mit doppeltem Boden komisch, sondern nur ärgerlich. Und die doppelte Referenz ist doch arg äußerlich. Dabei spielt es nur eine geringe Rolle, ob an der Konzeption nun Frauen mitwirkten oder nicht.
Was mir andererseits gegen den Strich geht, ist eine Form von political correctness, die ins Moralinsaure abdriftet und jede Regung zensiert. Wenn ich mir bei jeder Satire, bei jedem Witz überlegen muß, ob es jemanden verletzen könnte, dann mache ich am Ende keine mehr. Ja, und so kann es manchmal passieren, daß Satiren und Witze daneben gehen. Wichtig ist es aber, da wo es Probleme gibt, darüber zu diskutieren und hinzuhören. Und wenn mit jemand sagt: “Ich fühle mich dadurch getroffen”, dann muß ich das ernst nehmen. Insbesondere dann, wenn es sich um jemanden handelt, der sowieso die Erfahrung von Marginalisierung macht.
Natürlich: Humor ist auch subjektiv gefärbt. Über die Benny Hill-Sachen kann ich überhaupt nicht lachen, die finde ich nur dämlich, einzig das alte Auto, das wie ein alter Opel ausschaut, gefällt mir. „Ein Käfig voller Narren“, obwohl der Film auch mit Klischees operiert, finde ich hingegen großartig und wunderbar, und die Szene, wo die konservativen Eltern der Schwiegertochter zum Essen in der Wohnung von Renato und Albin sind, die ist so lustig, daß ich bereits beim Daran-Denken mich freue.
Die Zeile „Der weiße N … Wumbaba“ in Abwandlung des Claudius-Gedichts fand ich, als ich es vor fünf oder sechs Jahren sah, zuerst witzig und die Idee skurrile Verhörer zu präsentieren, ist nicht schlecht. Aber beim Nachdenken darüber, wurde der Witz immer schaler, den dieser „Humor“ operiert eben mit Stereotypen, die rassistisch sind; erst recht, wenn man dann noch die Zeichnungen dazu sieht. Und da ist es dann manchmal besser, die Klappe zu halten. Zumal für Satire und Spott meines Erachtens genug andere Ziele, Anlässe und Objekte existieren.
Für Satire gibt es nur eine einzige allgemeingültige Regel: Die Stoßrichtung geht von unten nach oben und nicht umgekehrt.
Zudem beim “weißen N…” auch eine drastisch rassistische Karrikatur auf dem Buchcover ist. Bin in allem bei Dir, auch, was das Moralinsaure betrifft; zu rassistischen und sexistischen, auch homophoben Marginalsierungsformen gehört dennoch konstitutiv Diskreditierung mittels “Humor” mit dazu. Dieses herabwürdigende Lustigmachen ist selbst was oft sehr Übles. Was Schwule sind, hab ich ja aus Schwulenwitzen gelernt. Und das prägt.
“Käfig voller Narren” ist tatsächlich ein grandioses Gegenbeispiel. Das ist ja in schwule Ästhetiken immer schon eingeschrieben, das Aufgreifen der diskriminierenden Formen und deren positive Umwertung. Das klappt bei anderen Formen aber nicht immer, und ist es schon noch ein gewaltiger Unterschied, ob man das selbst macht oder Ben Stiller.
Es gibt viel schwarze, us-amerikanische Comedy, die versteh ich oft gar nicht, da haut mein schwarzer Kompagnon sich weg. Und die Formen, die ich da noch halbwegs schnalle, erweckt gerade bei bildungsbürgerlichen Weißen teilweise exakt jene äußerst humorlose, rassistische Reaktion, auf die sie zielt. Sofort Zurechtweisung, wenn das Objekt sich zum Subjekt aufschwingt …
Wie das nun alles wieder im Falle “feministischen Humors” ist, da muss ich passen, was auch wieder bemerkenswert ist.
“zu rassistischen und sexistischen, auch homophoben Marginalsierungsformen gehört dennoch konstitutiv Diskreditierung mittels „Humor“ mit dazu. Dieses herabwürdigende Lustigmachen ist selbst was oft sehr Übles.”
Absolut richtig: Titanic hatte in den 80er das einmal in einer Serie aufgegriffen: “Ausländer raus. Aber bitte mit Humor”.
Na ja. Verbleiben wir vielleicht mal dabei, dass Humor (und die Auffassung davon) doch etwas sehr Subjektives ist. So mag vielleicht die Benny-Hill-Show eine ziemlich krude Form von Humor bedienen und nicht jeden zum Lachen/Schmunzeln bringen, doch die Serie hat auch nie den Anspruch erhebt, besonders “feingeistig” zu sein. Ist halt derbster Slapstick – genauso wie damals die Paul-Hogan-Show oder Dieter Hallervorden in Deutschland.
Was den “Käfig voller Narren” betrifft, kann ich zum Beispiel wenig darüber lachen. Ich finde den Film einfach nur nervig – auch in der Originalversion “la cage aux folles” mit den französischen Dialogen. Wer des Französischen mächtig ist, sollte sich da besser die genialen Sketches eines Roland Magdane oder manche Werke der Komikertruppe “les Inconnus” (auch nicht schlecht ist Florence Floresti) anschauen. Aber ist – wie bereits geschrieben – alles nur eines Frage des individuellen Geschmacks.
Um auf das ursprüngliche Thema zurück zu kommen, kann man jetzt noch stundenlang in pseudo-intellektueller Façon darüber sinnieren und debattieren, ob die Werbung nun witzig oder einfach nur sexistisch ist – eins hat sie jedenfalls vorzüglich geschafft: nämlich die Aufmerksamkeit zu erregen und zu polarisieren bzw. zu polemisieren. Und selbst wenn diese Werbekampagne und andere sich in herabwürdigender Art und Weise über irgendwelche Randgruppen lustig machen sollte (was ich definitiv nicht so sehe): solche Formen von Humor sollten auch erlaubt sein. Meistens sind es dann auch nicht die Betroffenen selbst, die sich diskriminiert und diskreditiert fühlen, sondern irgendwelche Moralaposter, Vertreter der Gutmenschen-Fraktion und Verfechter der absoluten political correctness, die die große Betroffenheitsnummer zum Besten geben und auf empört machen. Jedenfalls kann man auch Kannibalen-Witze erzählen, ohne gleich den afrikanischen Eingeborenen zu unterstellen alle Wilde zu sein und man ist auch nicht gleich ein Neo-Nazi bzw. NPD-Sympathisant, wenn man irgendwelche Juden- bzw. KZ-Witze erzählt. Blondinen-Witze zu erzählen machen einen auch nicht gleich zum Chauvinisten und die derben Witze aus der Grundschule (über Wasserkopf-Kinder, Mongoloiden, Rothaarige, fette Kinder, geistig Zurückgebliebene usw.) sollte man sich auch noch als Erwachsener weiter erzählen dürfen. Wie heisst es so schön: Humor ist, wenn man trotzdem darüber lacht und da dürfen IMHO auch morbidere, geschmacklosere und politisch nicht korrekte Formen von Humor erlaubt sein.
Na ja, “dürfen” – keiner hier hat für ein Verbot der Kampagne plädiert. Es gibt halt auch die Freiheit, sich als Arschloch zu gebärden.
Ich finde nix von dem, was Du aufzählst, witzig oder angemessen und wüßte auch nicht, wie man dafür nun auch noch plädieren sollte, wenn man nicht Gründe hat, psychisch so bedürftig zu sein, dass man es braucht, sich dergestalt über andere zu erheben.
“Afrikanische Eingeborene”, “pseudointellektuell”, “Gutmensch” – puuh. Aber wer für Juden – und KZ-Witze plädiert, hat wahlweise vergessen, dass der Stürmer voll davon war, oder einen an der Waffel.
Für mich scheidest Du als Gesprächspartner schlicht aus, und ich lass das hier nur stehen, weil es zeigt, wie Teile des Mainstreams wortreich ihre Dominaz stabilisieren wollen.
Warum wundert es mich nicht, dass genau die Personen hier, die sich über das Astra-Werbeplakat so echauffieren, natürlich diejenigen sind, die gleich die Contenance verlieren, wenn man die richtigen Knöpfe drückt bzw. die richtigen Buzzwords und Reizthemen verwendet…!?! *fg*
Ich kann dir nur entgegnen, dass man anderen besser nicht vorwerfen sollte, sich über seine Mitmenschen erheben zu wollen, wenn man selbst genau dasselbe durch die inflationäre Verwendung von Anglizismen und anderen Fremdwörter (Mainstream, tricky gedacht, Trinitär, Visualisierung, konstitutive Diskreditierung etc.) tut. Es hinterlässt jedenfalls einen sehr scheinheiligen Eindruck, wenn man sich durch eine pseudointellektuell angehauchte bis pedantische Ausdrucksweise als besonders gebildet und eloquent geben will – was ja in gewisser Weise auch eine Form des Snobbismus bzw. Elitarismus ist…
Ob ich mich hiermit als Arschloch gebärde und für dich als Gesprächspartner ausscheide, pikiert mich nicht; ich bin es gewohnt, dass “Gesprächspartner” deines Schlages schnell ihre Defizite in Sachen Diskussionsfähigkeit und verbales Konfliktbewältigungspotential aufzeigen, sobald man ihre krampfhaft aufgebaute Fassade durchschaut und zum Bröckeln bringt. Wichtigtuer bleiben halt Wichtigtuer – egal wie sehr sie betonen, nicht zum Mainstream zu gehören…
Du bist hier nicht mehr erwünscht, Mumbly. Auf diesen mitteextremitischen Dreck kann ich in meinem Blog gut verzichten, der umgibt einen ansonsten schon überall. Geh mal woanders pinkeln.
“natürlich diejenigen sind, die gleich die Contenance verlieren, wenn man die richtigen Knöpfe drückt bzw. die richtigen Buzzwords und Reizthemen verwendet…”
KZ-Witze zu machen ist für Mumbly keine große Sache. Womit er hingegen nicht so gut klar kommt, sind Witze über intellektuelle Mittelmäßigkeit. Dann kriegt er schlechte Laune, dann spürt er Betroffenheit. Solche Witze sind elitär, snobistisch gar.
Noch lieber würde Mumbly “intellektuell” in einem vorwurfsvollen Ton sagen – aber die Angst, die er hat, dann als allzu geistfeindlich darzustehen (eristjakeinBildLesergottbewahre!), lässt ihn zur Absicherung noch ein “pseudo” davorhängen. “Intellektuell” ist das Buzzword für Mumbly, das fleischgewordene Spiegel-Online-Forum.
Das mit dem “shitstorm” wird beim Lesen solcher Kommentare immer verständlicher… o.O
Die sind bei ihr oder ihm hier noch harmlos. Antje Schrupp twitterte neulich lakonisch, sie habe das Wort “Feminazi” jetzt als SPAM-Kriterium markiert … meistens geht es sehr schnell in Richtung Nazis, Totalitarismus, Terrorismus und der ganze Kladderadatsch.
http://hatr.org/
– ich meine, eigentlich gar nicht komisch, aber ich glaube, mein neuer Haustroll hat sich da was rauskopiert … zudem auch noch mal deutlich wird, was für ein himmelweiter Unterschied das ist, ob ich hier als Mann oder aber eine Frau sich äußert.
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