Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Na, klappt doch schon mal ganz gut: Die Überprüfung des Verbundenheitsbanners der PSD-Bank

”Zur Werbung, die an der Kita prangt, sagt Dieter Jurgeit, Vorstandsvorsitzender der „PSD Bank“, die St. Pauli per anno einen hohen sechsstelligen Betrag überweist: „Das Banner dokumentiert unsere Verbundenheit mit der Kita. Der haben wir durch eine 50000-Euro-Spende das Mobiliar ermöglicht – und das ist keine Einmal-Aktion.”

 

Auch wenn Buttje Rosenfeld es gelingt, großflächige Banner eines gewinnorientierten Unternehmens nunmehr als Nicht-Kommerz zu labeln: Das ist doch im Grunde genommen, was fehlte. Die Fanszene des FC St. Pauli in ihrer Heterogenität nimmt eindrucksvoll ihre Rolle als kritische Öffentlichkeit im Rahmen und angebunden an die demokratische Organisation “Verein” wahr, und prompt hagelt es Auskünfte.

Allen, die glauben, nunmehr einen Konflikt auflösen zu wollen, sollte klar sein, wie notwendig dieser ist und das er aufgrund unterschiedlicher Handlungslogiken dieses auch bleiben wird. Das Denken und Handeln der alteingesessenen Stadionbewohner wie auch der Vereinsmitgleider KANN gar nicht die Logik der Ökonomen in der Geschäftsführung übernehmen und sollte das auch tunlichst bleiben lassen.

In inhaltlich arbeitenden Unternehmen gibt es so bestenfalls die Trennung zwischen “redaktionellem Teil” und jenen, die die Werbung aquirieren, in kreativ arbeitenden jene, die für das Produkt verantwortlich sind (Filme z.B.) und jene, die die Budgets verwalten. Die Gesamtgesellschaft wie auch die Wirtschaft krankt daran, dass diese Trennung, in differenten Denkweisen begründet, seit den 90er Jahren zunehmend von den Ökonomen annektiert wurde – Opel ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn sie aufgehben wird: Wenn Sinn und Zweck des Unternehmens nicht mehr ist, gute Autos herzustellen, sondern in der Produktion und Produktentwicklung zwecks Gewinnmaximierung eingespart wird, dann kann auch mal was schief gehen.

Die Bankenkrise war auch Resultat dessen, dass der Zweck der Produkte, z.B der Derivathandel, das Geldverdienen selbst war – dann gibt es Blasen, und die platzen halt zu Ungunsten aller. Alles in allem gar keine linke Position, die ich hier skizziere, sondern eine konservative. Und das “Produkt” beim FC St. Pauli ist eben NICHT nur Fussball, um so erstaunlicher, dass trotzdem darum gekämpft werden muss, ihn während des Spiels werbefrei zu halten.

Nun ist Problem des FC St. Pauli aktuell, dass das Präsidium diese beiden Handlungslogiken in der Öffentlichkeit nicht mehr miteinander vermittelt, sondern sogar noch die im ökonomischen Sektor Angestellten vor schickt, um so zu tun, als würden sie dergleichen tun. Das ist eine grundschiefe Konstellation, und vielleicht mag man von Fachanwälten für Immobilientransaktionen und Unternehmensverkäufe dergleichen auch gar erwarten, eine solche Rolle zu spielen. Dann hat man schlicht die Falschen gewählt, weil gewinnmaximierende Bindungsfreiheit deren täglich Brot ist, nicht Identitätspolitik.

Das Beispiel der PSD-Band ist nunmehr gar kein Beispiel für ein Irrlaufen der Sozialromantiker-Petition, sondern für einen Appell an die Überprüfung dessen, was richtig und was schief läuft im ökonomischen Sektor des Vereins. Könnte ja sein, dass das nun gerade ein Beispiel dafür ist, wie gelungen manches auch ist. Es handelt sich immerhin um ein Unternehmen aus der Gruppe der Volks-, Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken, die im Zuge der Bankenkrise meines Wissens noch am wenigsten Schindluder getrieben haben.

Nun wäre es naiv anzunehmen, aus purer Herzenswärme würde es die Stadion-Kita stützen: Nix besseres kann eine Bank tun, die sich vor allem allem um Jungkunden müht, um so langfristige Bindungen zu erzeugen, als in – oder an – Kindergärten zu werben. Da offenkundig ein weiterer Schwerpunkt die Immobilienfinanzierung ist und die Stadion-Kita auch medienwirksam ist, wird die Bollerwagenspende keine allzu tiefen Einschnitte in das 1,7 Milliarden-Budget des  Konzern reißen, zudem im allseits registrierten Stadionneubau dieses die einzige Bande ist, die man auch vom Bus, der die Feldstraße hinunter fährt, aus sehen kann. Fast meint man, die hätten dort eine Filiale …

Kann also alles prima sein, was die PSD-Bank im Rahmen des FC St. Pauli tut, für die Kinder freuen mich die Bollerwagen, für die Obdachlosen die Weihnachtsspenden  – es wäre nun aber unsinnig anzunehmen, dass das irgendwas jenseits des kommerziellen Interesses wäre, was da statt findet, was das Strukturelle, nicht die individuellen Gefühlsregungen einzelner Protagonisten betrifft. Und beurteilen können das mit Sicherheit nicht die Ökonomen selbst.

Ich würde als Bank mich auch bei einem studentischen Publikum wie dem des FC St.Pauli engagieren, wenn ich Interesse daran hätte, dass Studienjahre über mich finanziert werden. Das ist auch gar nicht verwerflich, c’est la vie in einem Land, da man erheblich Kredite aufnehmen muss, wenn die Eltern das Studium nicht finanzieren können, weil “Bildung für alle” hier mittlerweile ebenso out ist wie ein klassenloses Gesundheitssystem, und einem,wo jeder Geld verdienen muss. Nichtsdestotrotz kann und muss in einem demokratisch verfassten Verein auch diese Frage diskussionsfähig sein und sollte nicht von gewählten Präsidien mit blutrünstigem, politischen Extremismus identifiziert werden mittels einer anhaltenden Medienkampagne.

Denn, wie wurde es so schön im Forum zusammengefasst und von Ring2 wieder gegeben:

 

“1. St Pauli Fans sind nicht gegen Kommerz. St Pauli Fans sind gegen zu viel und ablenkenden Kommerz!”

 

Und die Frage ist zudem: Welcher denn? Sie wird gerade massiv gestellt, und das ist auch gut so.

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14 Antworten zu “Na, klappt doch schon mal ganz gut: Die Überprüfung des Verbundenheitsbanners der PSD-Bank

  1. momorulez Januar 19, 2011 um 8:05 nachmittags

    Präsident Orth in der “Flimmerkiste”:
    http://www.fcstpauli.tv/

    Kann man erst mal nicht groß meckern – kein weiteres Polarisieren, offene Arme in Richtung der kritischen Öffentlichtkeit Fans, Anerkennen der Proteste als angemessen, de facto-Umwandlung von Business-Seats in teurere Plätze, die sich ins Preisprofil einpassen, klare Ansage “kein Disneyland”, Verantwortung übernommen und Absicht bekundet, Strukturen zu etablieren, die zur Moderation von Konflikten da sind. Ganz andere Tonalität als bei Stenger oder Meeske, “Werte” statt “Marke”, obgleich die Werte als solche keine Benennung erfuhren.

    Bin etwas verblüfft. Mal gucken, wie sich das nun praktisch auswirkt …

  2. jekylla Januar 20, 2011 um 8:56 vormittags

    Ich bin nicht so verblüfft. Aus Gründen :)
    Aber nun müssen Taten folgen.

  3. momorulez Januar 20, 2011 um 9:33 vormittags

    Na, Handlungen und Konkretisierungen. Was meint er denn mit
    den Werten? “Fussball pur”? Wäre dann kompatibel mit Stenger, der
    ja auch findet, Politik habe mit Fussball rein gar nix zu tun. Hieß
    ja “die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei”; konkret war
    eigentlich nur “kein Stangentanz während des Spiels” und “Wir
    brauchen die Business-Seats, um Gegengerade-Stehplätze zu
    finazieren”, obgleich mir da Finanzierung und Zeitplan doch sehr
    vage scheint. Dass Sie das nicht verblüfft, das ist ja klar, Sie
    haben sich ja auch von Herrn Schulte einwickeln lassen ;-) … und
    unterstellen jetzt Forumsusern, sie wollten “Gesinnungstests”
    einführen, was ja nicht nett ist. Ergänzend muss man sich auch
    fragen, welche Rolle und Gewicht Orth im Verein überhaupt hat. Ist
    er jetzt der Grüßonkel für Sontagsreden, und Stenger, Spies und
    Meeske sind für die Schweinereien zuständig? Ihre These vom
    Kommunikationsproblem überzeugt mich ja nur teilweise. Zumindest
    Stenger wusste ganz gut, worum es geht, und wollte schlicht einen
    anderen FC St. Pauli. Spies in DIE WELT auch. Nee, das ist alles
    komplizierter. Wachsam bleiben.

  4. Pingback: Die Türen sind weit offen « Fabulous Sankt Pauli

  5. spaschaeler Januar 20, 2011 um 10:09 vormittags

    das rote shirt wird weiter getragen. ich bin zur zeit etwas entspannter aber noch nicht beruhigt. wachsamkeit ist das gebot der stunde.

  6. momorulez Januar 20, 2011 um 10:43 vormittags

    Das rote Shirt und zur Wiederaneignung dessen, was Marketing wurde, auch übergreifend viel zu wichtig. Das ist ja mehr als nur Protest gegen das Präsidium, wie einst der weiße Hafenstraßentotenkopf ja auch.

  7. jekylla Januar 20, 2011 um 10:46 vormittags

    Ja, so wird es sein. Ich habe mich von Herrn Schulte einwickeln lassen, der das auch in kürzester Zeit geschafft hat aufgrund meiner Leichtgläubigkeit, meines jugendlichen Alters und meiner Grundnaivität, wahrscheinlich auch wegen meiner kritiklosen Art.

    Natürlich wachsam bleiben. Das sind “die” aber nach Samstag auch. Es hilft nur nichts, wenn man den jetzigen Status in Grund und Boden verteufelt, damit vergrault man die “stille Mehrheit”, das steht für mich fest. Und ohne die wird der nächste Protest eher… nicht so.

    Ich bin halt auch nicht immer nett, aber das gesamte Wohl und Wehe an einer Kündigung oder Vertragsauflösung von Susi festzumachen, finde ich halt weniger als semi-optimal.
    Fest steht, Susi ist ein am Kiez ansässiger Laden, der, wenn er sich als Mieter der Logen den Leitlinien “unterwirft”, für mich (!) genauso ein Bleiberecht hat wie alle anderen Mieter, die weiß Gott was in den Logen veranstalten und nur nicht damit auffallen.

    Der Forumsuser hat bei mir (!) impliziert, dass “Gesinnungstests” ja dann wohl das Beste wären, um zukünftig “unpassende” Mieter von vornherein auszuschließen. Nur, dass es da dann keine Grenzen mehr gibt.

    Was für eine Rolle Orth im Verein hat, wird sich auch rausstellen, so lange ist er ja nun nicht dabei. Auch das verdient eine Chance nach der ersten Großkrise.
    Tja, vorher hatten wir eine Rampensau und jetzt ein stilles Wasser.

  8. momorulez Januar 20, 2011 um 11:37 vormittags

    Ich glaube, dem User ging es eher darum, jetzt das “zurück zum Lippenbekenntnis, ansonsten weiter so!” zu verhindern. Weniger gesinnungstest. Den wir zumindest hinsichtlich des Äußerns der Gesinnung mit antisexistischen, antirassistischen und anti-homophoben Regeln im Stadion ja haben – dass Susi ein sexistisches Gewerbe betreibt, dürfte unumstritten sein. Das ist eine so gar nicht triviale Frage im Rahmen des FC St. Pauli, wie man solche Themen angeht, ohne Huren zu diskriminieren oder Frau von und zu Guttenberg auf den Leim zu gehen – wie der der Übersteiger das gelöst hat, das kann es ja auch nicht sein.

    Und ich fände es zudem prima, wenn sich das Präsidium auch dem Kampf gegen Klassismus öffnen würde, statt Sprüche über Wurst für 1,30 zu kloppen. So was kann halt nicht mal eben so in großer Schmuseseligkeit verschhwinden.

    So weit lediglich Binnendifferenten. Mal gucken, was jetzt als nächstes kommt.

  9. sparschaeler Januar 20, 2011 um 11:41 vormittags

    ich habe heute ein großes r problem. hallo, ich bins, spaRschaeler….

  10. jekylla Januar 20, 2011 um 11:47 vormittags

    @sparschaeler: Sie sind halt der spasame Typ.

    @momorulez An der Tatsache, dass wir “der Kiezclub” sind, kommen wir eben nicht vorbei und ich kann mir durchaus vorstellen, dass die eine oder andere im Gewerbe tätige Hure sich durch diese Diskussion bzw. ihre stellenweise Richtung diskriminiert fühlen würde.
    Ein weiterer Balanceakt, aber der gilt auch für beide Seiten.

    Dann gucken wir mal. Ich mach mal derweil Urlaub auf dem Ponyhof. Da ist das Leben so herrlich… einfach.

  11. momorulez Januar 20, 2011 um 12:02 nachmittags

    @Sparschaeler:

    Ich habe Dich auch so erkannt ;-)

    @Jeky:

    Ich finde Ponys und Pferde ja anstrengend :-D … und was die Sexismusfrage betrifft, steht da tatsächlich noch was aus, meiner Ansicht nach. Gibt ja auch andere, nicht sexistische Formen auf dem Kiez, die Burlesque-Shows z.B., die Ehe ist oft auch eine Form der Prostitution für Heterosexuelle, deshalb kriegt unsereins ja kein Ehegattensplitting, während bei der kalten M. die Frage übereindeutig ist. Und ‘nen Puff richten wir ja auch nicht ein, obgleich ich zumindest vehement dafür eintreten, dass Erbe von Domenica und ihrem Kampf für die Anerkennung der Prostitution als Beruf auch ernst nehmen – was nämlich alles NICHT über das Thema hinaus geht, sondern auch für die Fan-Community wie auch das Präsidium Fragen sind, wie man sich im Kontext des Viertels begreift.

  12. kleinertod Januar 20, 2011 um 12:50 nachmittags

    Mal so nebenbei bemerkt – was spricht denn gegen eine Bemalung der KiTa-Wand? Um das Banner ging es in der Petition ja nicht zwingend.

  13. Pingback: Die Absage an Disney – alle glücklich? « KleinerTods FC St. Pauli Blog

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