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Was nicht ganz passt: Niemand will den Mitgliedern der Linkspartei verbieten, ihre Ansicht zur Verstaatlichung von Wirtschaftszweigen zu äußern. Auch ein Verbot der Linkspartei wird von niemandem ernsthaft in Betracht gezogen (jedenfalls von niemand Ernsthaftem).
Die Beobachtung der Linkspartei erklärt sich genau so, wie sich auch die Beobachtung einer Sarrazin-Partei erklären würde: Es gibt zwar keine erkennbaren kämpferischen Tendenzen, aber Hinweise auf solche – und da aus den Reihen der Partei grundgesetzfeindliche Sprüche kommen, behält man sie eben im Auge.
Übrigens erstreckt sich meine persönliche Auffassung von Meinungsfreiheit auch auf “radikale Elemente” und “Antidemokraten”:
Welche “grundgesetzfeindlichen Sprüche” kommen denn aus den Reihen der Linkspartei? Die kommen seit geraumer Zeit vor allem direkt aus der Exekutive, da braucht man sich nur mal die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts zu Gemüte führen.
Und Du wirst mir auch kein Plädoyer entlocken können, nunmehr die “Meinungsfreiheit” für “Antidemokraten” und “radikale Elemente” (ich verkneife mir ja schon meine Spitzen in Richtung Deiner ehemaligen Mitblogger und annähernd der gesammelten Volkswirtschaftslehre in diesem Land) im Generellen einschränken zu wollen. Dazu ist mir, und das ist keine Polemik, der Begriff viel zu unterbestimmt.
Den Volksverhetzungsparagrafen finde ich z.B. hervorragend; den, daß Religionen einen besonderen Schutz genießen, nicht plausibel. Und ich finde es haarsträubend, daß jemand, dem ich jeden Schutz auf der Welt vollauf gönne wie dieser Karrikaturist, für seine Hetze auch noch ausgezeichnet wird. Von der Bundeskanzlerin. Völlig absurd. Ich bin keineswegs für das Verbot dieser Karrikaturen, aber man muß sie ja nun nicht auch noch gut finden. Ich bezweifel, daß Frau Merkel ihn ausgezeichnet hätte, hätte er sie als Schwein karrikiert.
Während die halbe Republik der Meinung ist, auf allen Schulfhöfen würden mittlerweile ganztägig reinrassig deutsche Kinder als “Schweinefleischfresser”, was durchaus auch als Tatsachenbehauptung richtig ist, beschimpft, und das unglaublich empörend finden und “Integration” kreischen. Ist ja ein wenig einseitig mit der “Meinungsfreiheit”. Eben weil die Debatte unsinnig geführt wird.
Im aktuellen SPIEGEL geht es in der Titelstory, die ob ihrer Aufmachung bei einer türkischen Bekannten (ist aber wohl Avantgarde, Türkinnen zu kennen, wie hier schon mal wer meinte) körperliche Bedrohungsgefühle auslöste nichtsdestoweniger und trotz völliger Verpeiltheiten, auf die ich drüben bei mir noch zu sprechen komme darum, dass eigentlich die Eingliederung von MigrantInnen in Deutschland unterm Strich eher eine Erfolgsstory sei. Schrieb bei mir auch der Nörgler was Gutes zu dem Thema bzw. hinterließ einen wichtigen Link. Was bei den BLOGs jetzt zum Thema Mohamed-Karrikaturen und “Hetze” zu lesen war ist PI-Niveau, wie da überhaupt die letzten Beiträge sehr einseitig die Richtung haben, es den tatsächlich Mächtigen in dieser Gesellschaft Recht zu machen – pro Eliten, pro Manager, kontra Positionen, die ich als relativ brav linksliberal bezeichnen würde. Wenn es denn um Meinungsfreiheit geht, fordere ich mal, dass die Meinung, die Verantwortlichen für die Banken- und Gesamtwirtschaftskrise zur Verantwortung zu ziehen (Bezahlen bis zum persönlichen Ruin ohne jede Rücksicht einschließlich Strafverfahren) und die Meinung, dass die dahinter stehenden Strukturen vergesellschaftet gehören (Entschädigungslose Enteignung der Großbanken und Auszahlung ihrer Gewinne an die sozial Schwachen) endlich mal auf die Titelseiten der wesentlichen Zeitungen gehören.
Das Alles halte ich noch nicht einmal für besonders radikal. Radikal wäre: “We don´t want just one cake. We want the whole fucking bakery.”
„We don´t want just one cake. We want the whole fucking bakery.“
Schön wär’ schon, wenn dies geschieht. Ja, das Bild ist gut gewählt und hat jene Heinrich Heinesche Dimensionen: dieses Moment des Genusses, das es herzustellen gilt:
Es wächst hienieden Brot genug
für alle Menschenkinder,
auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust
und Zuckererbsen nicht minder
Nur: Wer ist der Bäcker und wer ißt am Ende die Kuchen?
Marie-Antoinette?
Woizeck und die Seeräuber-Jenny.
Ja, dem Woyzeck ist wohl eine recht große Torte zu wünschen, vor allem eine bessere Frau und ein geschulter Arzt, der nicht den röslerschen Reformen entsprungen ist.
Marie-Antoinette wird keine Kuchen essen, sondern in die Back-Produktion gehen: besser allemal als „à la lanterne“.
Marie-Antoinette erfindet jetzt “Basisgeld” …
So wie das Werksgeld, das früher nur auf dem Betriebsgelände galt, so dass die Malochers ihre Lebensmittel beim Chef kaufen mussten?
Nee, so, wie Frau von der Leyen “Hartz IV” nennen möchte, in vielleicht noch nicht mal völlig verfehlter Anspielung auf “Basis” und “Überbau”
…
Ja, Basisgeld: dieser Euphemismus. Konstruktion von Wirklichkeit mittels Sprache. Aus Raider wird jetzt Twixx (wie schrieb einst die Titanic: „Aus Haider wird jetzt Wichs“). Es ist schon ganz gut, daß dieses Hartz-IV-Geld den Namen eines Ganoven (höflich ausgedrückt) trägt.
Nein, Frau Verleynix ist nur konsequent: Für die Armen ist das Geld viel zu schade, da sie nichts vom Geld verstehen, sie können es ja nicht mal für sich arbeiten lassen. Kinderreiche HartzIV-Familien könnten ja vielleicht Obligationen auf den Handelswert der Organe ihrer Kinder erwerben.
So bekäme der Begriff “Organbank” dann mal einen Sinn.