Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: Juli 31, 2010

Trauer und Antisemitismus

Seltsam an einem Tag, da Merkel, Wulff und die Staatskirchen Trauer annektierten und kolonisierten, wo doch ein Trauer-Rave die richtigere Antwort gewesen wäre, die folgenden Zeilen zu lesen:

“Während der Aids-Krise (die übrigens andauert, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent) habe ich über den Skandal geschrieben, dass Homosexuelle ums Leben kommen, ohne dass explizit und öffentlich um sie getrauert wird.”

Halte das verlinkte Interview für durchaus bedeutsam. Insbesondere hinsichtlich des Rassismus in der schwulen Szene hatte ich bereits mehrfach hier allerlei Lesenswertes und Diskussionswürdiges verlinkt rund um die Ablehnung des “CSD-Preises” durch Judith Butler.

Kontroverser fast auch unter der Leserschaft dieses Blogs dürften Butlers Äußerungen zu Israel sein. Ähnlich, wie die Erledigung des Denkens von Michel Foucault häufig mit seiner vermeindlichen Parteinahme für Khomeni (völliger Humbug das, hat er nie) vollzogen wird, werden Judith Butler seit geraumer Zeit Äußerungen zur Hamas unter die Nase gerieben, als sei damit jegliche Auseinandersetzung mit ihrem Denken erledigt. Ein Teil ihrer zutiefst verletzten Antwort sei zitiert:

“Ich habe mich auch gefragt, ob die Verwendung meiner gekürzten Bemerkungen über Hamas und Hizbollah nicht selbst eine Art antisemitischer Angriff war. Ich spüre in der Tat wieder meine Verletzbarkeit als Jüdin in Deutschland, wenn ich auf diese Art und Weise in den Medien diskreditiert werde. Es wäre mindestens paradox, wenn ich als queere Jüdin mich für Hizbollah und Hamas aussprechen würde, wie das in der Taz nahegelegt worden ist. Ihre Taktik, in der meine Aussagen verzerrt worden sind, hat mein Jüdin-Sein negiert und mich als eine selbsthassende Jüdin dargestellt, und in diesem Sinne wurde mir Gewalt angetan. Es ist ein großer Schritt von der Aussage »Judith Butler verteidigt die Rechte migrantischer Queers und ihrer Kämpfe, einschließlich der arabischen Communities in Deutschland« zu der Überschrift »Im Bett mit der Hizbollah«. Meine tatsächliche Position, die sich in Übereinstimmung befindet mit der jüdischen Ethik, besteht darin, Gleichheit für alle Minderheiten zu fordern. Das macht mich nicht zu jemandem, der gewalttätige Politik gutheißt. Das tue ich nicht. Aber Sie haben recht, es gibt keine Möglichkeit zu verhindern, dass die eigenen Worte von Leuten aufgenommen werden, die sie für antisemitische Zwecke benutzen. Deswegen muss jede Kritik der israelischen Politik eindeutig und unmissverständlich gegen Antisemitismus sein.”

Ja. Halte das Interview für wichtig und empfehle jedem die Lektüre (via Antje Schrupp/Twitter).

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