Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Jürgen Habermas über die Menschenwürde und Menschenrechte

Der Meister spricht, und ich empfehle die Lektüre: Wie unglaublich elegant und souverän Jürgen Habermas im verlinkten Text Fragen und Kontroversen einer Diskussion rund um Recht und Moral, Menschenrecht und Menschenwürde einer Diskussion, die ich meinerseits seit mehr als 20 Jahren verfolge, komprimiert integriert, beantwortet und so fast ein Manifest formuliert – also, ich bewundere das zutiefst und uneingeschränkt. Fast versteckt finden sich Rückanbindungen an die trotz weltweiter Diskussion allseits unterschätzte Soziologie der “Theorie des Kommunikativen Handelns”, die Habermas zu Zeiten von “Faktizität und Geltung” fast schon aufgegeben zu haben schien – sie seien zitiert:

“Grundrechte können das moralische Versprechen, die Menschenwürde eines jeden zu achten, nur dann politisch einlösen, wenn sie in allen ihren Kategorien gleichmäßig zusammenwirken. Die liberalen Freiheitsrechte, die sich um die Unversehrtheit und Freizügigkeit der Person, um den freien Marktverkehr und die ungehinderte Religionsausübung kristallisieren und der Abwehr staatlicher Eingriffe in die Privatsphäre dienen, bilden zusammen mit den demokratischen Teilnahmerechten das Paket der sogenannten klassischen Grundrechte. Tatsächlich können aber die Bürger von diesen Rechten erst dann einen chancengleichen Gebrauch machen, wenn gleichzeitig gesichert ist, dass sie in ihrer privaten und wirtschaftlichen Existenz hinreichend unabhängig sind und ihre persönliche Identität in der jeweils gewünschten kulturellen Umgebung stabilisieren können. Die Erfahrungen von Exklusion, Elend und Diskriminierung lehren, dass die klassischen Grundrechte erst dann „den gleichen Wert“ (John Rawls) für alle Bürger erhalten, wenn soziale und kulturelle Rechte hinzutreten. Die Ansprüche auf eine angemessene Teilhabe an Wohlstand und Kultur ziehen der Abwälzung systemisch erzeugter Kosten und Risiken auf Einzelschicksale enge Grenzen. Eine Politik, wie sie in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Welt vorgeherrscht hat, eine Politik also, die vorgibt, den Bürgern ein selbstbestimmtes Leben primär über die Gewährleistung von Wirtschaftsfreiheiten garantieren zu können, zerstört das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Kategorien von Grundrechten wie die Unterdrückung der Redefreiheit, des Wahlrechts oder des Zugangs zu unabhängigen Gerichten. Die gleiche Menschenwürde eines jeden begründet die Unteilbarkeit aller Menschenrechte.”

(via PBB Marx/Twitter)

Der Hintergrund vieler meiner Positionen insbesondere in der Auseinandersetzung mit den “Liberalen” findet sich hier prägnant formuliert; und da habe ich ihn ja auch her, wie oft schon erwähnt.

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77 Antworten zu “Jürgen Habermas über die Menschenwürde und Menschenrechte

  1. ziggev Juli 28, 2010 um 9:54 nachmittags

    Im Abschnitt davor fragt Habermas,

    ob die Menschenwürde nicht “… doch nur ein nichtssagendender Ausdruck für einen Katalog einzelner aufgelesener und unzusammenhängender Menschenrechte” ist.

    Interessant, nun kann ich bestimmt gleich erfahren, warum es sich bei “den” Menschenrechten eben nicht bloß um eine ungefähre Anzahl mehr oder weniger zufällig in einem Katalog zusammengefasster Rechte handelt.

    Ob das so ist, habe ich mich nämlich schon immer gefragt. Denn als aufgeklärter Mensch wäre es doch das Mindeste, die aufsagen zu können, d. h. auswendig zu lernen, wozu ich bis jetzt einfach immer zu faul gewesen bin … ;-)

  2. momorulez Juli 29, 2010 um 9:08 vormittags

    Ich auch :-( … aber ich denke mal, dass sich der Katalog tatsächlich aus der Menschenwürde ergeben. JEDER Menschen als Adressat von Achtung und Respekt, und menschenwürdig leben impliziert dann den Rechtekatalog.

  3. ziggev Juli 29, 2010 um 8:03 nachmittags

    Wenn mir hier in Deutschland die Empörung über Menschenrechtsverletzungen in China auf die Nerven ging, die mir oberflächlich und verlogen erschien, dann, weil sie offenbar – jedenfalls so wirkte das Ganze auf mich – restlos ohne eine Begründung derselben auskommen zu können glaubte. Aus diesem Grunde schien mir jene arrogant anmutende Haltung kritikwürdig, nicht, weil ich selber mir eine relativistische Position hätte aneignen wollen, die da etwas gelautet hätte: “Naja, das is halt ne andere Kultur, die haben andere Werte, das entwickelt sich, irgendwo kann man denen da nicht reinreden” – aber so lief die Diskussion ja eine ganze Zeit (ich meine in den Medien, nicht die philosophische).

    Also Note 1+ für Habermaus – so komme ich auch mal dazu, was von dem zu lesen. Wie Du sagtest, sehr komprimiert und viele Fragen, s.o., beantwortend.

    Nur dass Staatsbürger “ihre Selbstachtung daraus schöpfen, dass sie von allen anderen Bürgern als Subjekte gleicher einklagbarer Rechte anerkannt werden”, wollte mir nicht einleuchten. Realistischer erscheint mir Jeremy Waldrons Kritik, dass “der egalitäre Begriff der Menschenwürde aus einer “Verallgemeinerung partikularistischer Würden resultiert, welche die Konnotation der ‘feinen Unterschiede“ nicht restlos verlieren” dürfe.

    Das ändert sich vielleicht einmal, wenn endlich Habermas´Text als erstes Kapitel in “Kurs I Staatsbürgerkunde” in den Schulen gelesen wird.

  4. momorulez Juli 29, 2010 um 8:23 nachmittags

    Ihre Selbstachtung als Staatsbürger im Sinne des Teilnehmens an demokratischen Prozessen wie auch in genau diesem Sinne eben als solche, die sich systemisch-administrativ-bürokratischen Maßnahmen nicht willenlos unterwerfen. Also genau die Haltung, die Hartz Iv beispielsweise attackiert, indem ganz bewußt versucht wird, Menschen zu brechen und an funktionalistische Systeme zu assimilieren. Das ist schon immer wichtig bei dem ständig als “Staatsphilosoph” gescholtenem Habermas, dass genau das Gegenstand seiner Kritik ist. Die Möglichkeit nicht-staatlicher Ordnungen sieht er im Text ja auch ganz ausdrücklich wie auch jene des imperialen Gebrauchs der Menschenrechtsidee, was ihm ja oft vorgeworfen wurde, dass er dieser das Wort reden würde. Das Coole ist, wie er diese Kritik aufgreift und sich zueigen macht.

  5. ziggev Juli 29, 2010 um 9:00 nachmittags

    ah, so. Selbstachtung a l s Staatsbürger, so wird freilich n Schuh draus. Das habe ich den netten Damen von der AGLII, die allerdings etwas ungeduldig wurden und mir erklärten, ich solle doch bei der GEZ anrufen und fragen, was die “brauchen”, heute unter die Nase gerieben, dass ich denen nicht traue, die mir, nachdem ich jahrelang ofW – sprich Sofasurfer – gewesen war, ein Rechnung für die betreffenden Jahre schickten, mir am Telefon erklärt hatten, da ließe sich nun nichts mehr ändern, das sei jetzt so, und die, wie ich mich, flugs Habermas´Text aufgreifend, ausdrückte, meine “freiheitlichen Grundrechte” missachtet hätten, während der Staat die Aufgabe habe ebendie zu schützen. – Seit jenem Erlebnis ist es für mich in der Tat eine Frage der Selbstachtung, ob ich denen auch nur einen Cent bezahle! Nur weiß ich jetzt, wie das kommt!

  6. momorulez Juli 29, 2010 um 9:09 nachmittags

    Ich glaube, diese Form des sich auf Habermas Berufens gilt mittlerweile als Linksextremismus – vielleicht bekommst Du das Problem ja refinanziert, indem Du Gelder bei den Ausstiegsprogrammen der Frau Schröder beantragst ;-)

  7. ziggev Juli 29, 2010 um 9:17 nachmittags

    sorry, “Ausstiegsprogramme der Frau Schröder” weiß ich jetzt nicht, was das ist. habe ich da was verpasst? (man klammert sich ja heute an jeden Strohhalm.) ;-)

  8. momorulez Juli 29, 2010 um 9:25 nachmittags

    Die Frau Familienministerin hat doch Programme aufgelegt, Linksextremisten den Ausstieg zu ermöglichen, dem Vorbild von “Exit” und solchen Geschichten für Rechtsextreme folgend … Und jetzt ruft keiner die Kohle ab, und die liegt da rum.

    Ist aber leider kein ernstzunehmender Strohhalm :-(

  9. che2001 Juli 29, 2010 um 9:42 nachmittags

    Und bei den Bissigen Liberalen meint man ganz im Ernst, die Partei Die Linke sei so ein Verein, aus dem der Ausstieg ermöglicht werden sollte.

  10. momorulez Juli 29, 2010 um 9:53 nachmittags

    Die müssen das gerade sagen, wenn irgendwer “Extremist”, verfassungsfeindlich und funktionalistisch menschenverachtend ist, dann ja wohl die (exklusive Karsten).

    “Wir hätten die West-Linken ’89 gleich mit verjagen sollen”, bei manchen da weht echt noch der Geist von Lichtenhagen im Bregen.
    Seitdem lese ich da nicht mehr.

    Und auch wenn das nach all den Jahren vielleicht langweilig ist: Habermas schätze ich ja gerade dafür, dass er das Grundgesetz von Links, im Sinne einer emanzipativen Anschlussfähigkeit gegen Funktionalismus, wie ich meine zu recht, liest. Meine Utopie ist das auch nicht, aber das ist schon mal eine ganze Menge dessen, was von Verfassungsverächtern wie den BLOG.s oder der CDU und phasenweise auch der SPD abgeräumt wurde.

  11. ziggev Juli 29, 2010 um 10:02 nachmittags

    Frisch zu Habermas übergelaufen gleich wieder aussteigen? Mit lebenslanger Rente, na klar! Bin dabei!

  12. che2001 Juli 29, 2010 um 10:44 nachmittags

    Und exklusive Stefanolix, soviel Zeit muss sein.

  13. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 9:08 vormittags

    Ich finde so manchen Standpunkt, der “bei denen” vertreten wird, bedenklich, mitunter äußerst fragwürdig und teils sogar strukturell oder sogar – mehr bei den Kommentatoren – direkt menschenfeindlich. Klar, Karsten und Stefanolix sind aufgeschlossener, vernunftbetonter, auch humanistischer und, wie sage ich es bloß, nicht so verhärtet/festgelegt. Ich sehe mich zwar in politischen Gegensatz zu den meisten dieser Leute bzw. dieser konservativ-wirtschaftsunterwürfigen Richtung, aber mir missfällt es, sie insgesamt zu Unpersonen zu erklären.

    (so widerwärtig mir auch manche der dort gängigen politischen Statements auch vorkommen)

    Im Übrigen möchte ich fragen, ob ich wohl Chancen habe, wenn ich mich im Hause Schröder melde, als potentieller Aussteiger ein wenig von dem Geld einzusammeln? Aus ihrer Sicht (borniert-konservativ) bin ich doch ein perfekter Linksextremist.

    (ich schreibe und denke in politischen Fragen Sachen, die Leute aus ihrem politischen Lager als Bedrohung wahrnehmen, und müsste demnach für Schröder & Co eine Art “Prä-Terrorist” darstellen)

    Also: Wie komme ich ans Geld?

  14. momorulez Juli 30, 2010 um 9:28 vormittags

    “aber mir missfällt es, sie insgesamt zu Unpersonen zu erklären.”

    Darum geht’s ja gar nicht – Leute, die mich – explizit – vertreiben wollen und meine Lebensbedingungen frontal angreifen, warum sollte ich weiter mit denen kommunizieren? Wären das machtlose Randerscheinungen, dann wäre es schnurz, aber so …

    Personen gibt es da auch gar nicht, nur Funktionen.

  15. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 11:47 vormittags

    Och, Kommunikation anhand politischer Themen kann viele Zwecke haben. Feinderkundung, Plauderei, besseres gegenseitiges Begreifen, Überzeugen, Ausloten der eigenen/gegnerischen Argumentetiefe, Lernen, Ausdruck von Respekt, Ausdruck von Disrespekt, Zermürbung, Kompromissbildung, Bloßstellung, Nutzung von vergleichsweise irrelevanten Rechtsbloggern als Übungsobjekt für relevante realweltliche Kommunikationspartner, Ausprobieren von Kommunikationsstrategien, in die Enge treiben, geistige Überlegenheit demonstrieren usw. usf.

    (je länger dieses Liste wird, umso abstoßender kommt sie mir vor – und doch sind viele dieser Zwecke – die Antworten auf das Wozu – legitim, manche davon sind sogar notwendig)

    Ich denke, den meisten “von denen” ist garnicht klar, inwieweit sie mit ihren politischen Ideen Dich und Deine Lebensbedingungen treffen. Und vielleicht sind “die” ja wirklich weitgehend machtlose Randerscheinungen, deren politische Maximalwirkung darin besteht, dass sie sich in unteren FDP-Kreisen tummeln, und zwar als sonderlingshafte Randerscheinung, oder darin, dass sie äußerst erbärmliche Versuche zur Gestaltung von Think-Tank-Arbeit unternehmen.

    Ups, das klang jetzt ziemlich uncharmant. Aber vielleicht ist es ja wahr.

    Nebenbei – etwas OT, aber es regt mich gerade auf: Diesem Idiotenbrüderle bekommt die Höhenluft offenkundig nicht. Der Mann leidet zunehmend unter totalen Realitätsverlust.

    “Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt und nicht die Arbeitslosigkeit”, sagte Brüderle weiter.

    Aaarghh!

    Nebenbei: In anderen Lebensbereichen (meiner Hobby-Community, im Familien- oder Arbeitsumfeld) habe ich gelegentlich auch mit reaktionären Ultras zu tun. Mich verblüfft ja, dass es so viele davon gibt und auch deren – anfängliche – Glaubensfestigkeit.

    Einige davon konnte ich (durch gute und nachvollziehbare Argumentation, aber auch durch Verständnis und Freundlichkeit)- nachhaltig mäßigen, andere sogar komplett “umerziehen”, darunter ehemals finstere Ausländerfeinde und NPD-Wähler. Man weiß vorher nicht, was Kommunikation über politische Themen bringt. Die Gefahr ist: Viel Streit und Besserwisserei. Aber, ganz im Gegensatz zu unseren bloggenden, wirklich verhärteten Sektierern des reinen Wirtschaftsliberalismus, ist es so: Meistens werde ich in der nicht-virtuellen Wirklichkeit positiv überrascht. Sei es, dass ich dazu lerne, sei es, dass es sich als Gewinn heraus stellt oder sei es – und das kommt überraschend häufig vor – dass ich im guten Sinne und nachhaltig überzeuge.

    Das wäre meine Antwort: Darum.

    Und ja, du hast recht – es gibt Fälle, wo jedes gute Wort verschenkt ist, wo die Saat guter Ideen auf Beton fällt. Aber die sind selten, jedenfalls nach meiner Erfahrung.

  16. che2001 Juli 30, 2010 um 12:10 nachmittags

    Das Wort von den Westlinken gleich mit verjagen, wo, wann und in welchem Zusammenhang fiel das denn?

  17. momorulez Juli 30, 2010 um 12:23 nachmittags

    @Katzenblogger:

    Na ja, Du kannst die Vorgeschichte ja nicht kennen ;-) – Che, Netbitch und Nörgler amüsieren sich gerade.

    “Och, Kommunikation anhand politischer Themen kann viele Zwecke haben. Feinderkundung, Plauderei, besseres gegenseitiges Begreifen, Überzeugen, Ausloten der eigenen/gegnerischen Argumentetiefe, Lernen, Ausdruck von Respekt, Ausdruck von Disrespekt, Zermürbung, Kompromissbildung, Bloßstellung, Nutzung von vergleichsweise irrelevanten Rechtsbloggern als Übungsobjekt für relevante realweltliche Kommunikationspartner, Ausprobieren von Kommunikationsstrategien, in die Enge treiben, geistige Überlegenheit demonstrieren usw. usf.”

    Exakt das habe ich (und nicht nur ich) ja da und mit denen fast 5 Jahre lang gemacht, mit Karsten bin ich auch weiterhin vertwittert.

    Seitdem die auf die “Extremismus”-Zug gesprungen sind, ausgrechnet die, und mich einer der Lüge bezichtigte bei einem durchaus sensiblen Thema, nämlich der “Vertreibung von West-Linken ab ’89”, also kurz vor Lichtenhagen und zu einer Zeit, da es ein Wunder war, dass keiner ums Leben kam, als das SPAR gestürmt wurde usw., einer Zeit, da “national befreite Zonen sich formierten” und reihenweise Linke von Neonazis in die Körperbehinderung geprügelt wurden, nee, irgendwann ist auch mal Schluß mit endloser Kondition.

    Ich finde deren Diskurs schon lange gewalttätig, seit der Extremisdiskussion ist das in offene Gewaltdrohungen mit staatlichen Mitteln, paradox bei langjährigen “Anti-Etatisten”, umgeschlagen. Das fing um Heiligendamm herum an, dass da autoritaristischer geschossen wurde.

    Und mehr als “ich lese da nicht mehr” habe ich ja gar nicht geschrieben.

    Den Artikel zur Love-Parade habe ich mir aus Versehen trotzdem durchgelesen und nur einmal mehr gedacht, dass die Kritische Theorie einschließlich Habermas doch recht hat, von “Pathologien” durch den Kapitalismus zu sprechen, ein Begriff, den ich aus guten Gründen sonst vermeide.

    Das mutiert zu offenkundigen, gravierenden psychischen Symptomen, bei Frau Schröder ebenso wie bei manchen B.L.O.G.s.

  18. momorulez Juli 30, 2010 um 12:25 nachmittags

    @Che:

    Ich weiß gar nicht mehr, welche Diskussion das war, das kam von Boche, auf einen Kommentar von Karsten antwortend. Dann kam noch Rayson um die Ecke und unterstellte mir, ich würde lügen, und dann war für mich Schicht im Schacht.

  19. che2001 Juli 30, 2010 um 1:17 nachmittags

    Kann ich gut verstehen. Und finde auch den Kommentar von Netbitch zum A-Team sehr richtig. Das könnte alles auch auf PI stehen, was da zum Thema Heisig im Kommentarbereich abgeht, oder Tischgespräch bei der Burschenschaft Germania oder Danubia sein. Anders gesagt: Das ist nicht liberal, sondern rechtsradikal.

  20. momorulez Juli 30, 2010 um 1:28 nachmittags

    A-Team ist ja auch noch viel drastischer, aber im Grunde genommen sind mir die B.L.O.G.s, mal ab von den genannten Ausnahmen, deshalb mittlerweile auch unheimlicher. Da spürt man das, was strategisch-machttechnisch wirksam ist, immer recht früh. Auf die Extremismus-Kacke haben die gehauen, BEVOR es Regierungshandeln wurde – in dem Fall sogar Stefanolix.

  21. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 1:38 nachmittags

    Oh, wenn man in diesem Sumpf herumgräbt, kommen ja ganz erstaunliche Sachen zutage:

    http://www.mehr-freiheit.de/

    Dort wird mir von diesen vermeintlichen Liberalen erläutert, welche Trias der bösesten Finsterlinge zu den Feinden des Liberalismus zu zählen sind:

    * Karl Popper
    * Jesus von Nazareth
    * Karl Marx

    Das Streben nach gleichen Lebenschancen für alle Menschen führe nur dazu,

    daß die Schwachen die Starken zu sich herunterziehen wollen

    und somit zwangsläufig in einen Albtraum einer von Sklaverei geprägten Welt.

    Das steht da wirklich. Okay, vielleicht ist sowas wirklich nur mit Begriffen aus der Pathologie zu fassen.

  22. momorulez Juli 30, 2010 um 1:47 nachmittags

    Wenn das so weiter geht, wird bald Programmitik des Verfassungsschutzes, all jene zu Extremisten zu erklären, die solchen Aussagen widersprechen … und Poppers “offene Gesellschaft” wird zum Hort des Totalitarismus erklärt, vorneweg von Joachim Gauck. Das geht ja mit dem ganzen Anti-Antirassismus, Anti-Antifaschismus usw. los. Wegen des oben genannten Förderprogramm streichen schon Initiativen das “antifaschistisch” aus ihrem Namen, um nicht ihrerseits Fördergelder zu verlieren.

    Nur Jesus werden sie weiterhin für sich instrumentalsieren.

  23. che2001 Juli 30, 2010 um 1:52 nachmittags

    Und die Kritik an der Vermassung, die Rayson in seinem Loveparade-Artikel äußert, die könnte auch von Spengler oder Botho Strauß sein.

    http://www.wirtschaftslexikon24.net/e/vermassung/vermassung.htm

  24. momorulez Juli 30, 2010 um 1:55 nachmittags

    2006 … siehste, Katzenblogger, wir waren geduldig!

  25. momorulez Juli 30, 2010 um 2:02 nachmittags

    Diese “Vermassungskritik” ist allerdings Gang und Gäbe bei allen, die sich auf die Kulturkritik der 20er Jahre beziehen, auch bei Horkheimer/Adorno.

    Mich ja er diese ja schon menschenfeindliche Grimmigkeit in der Emphatielosigkeit schockiert und dieses zwanghafte Draufhauen auf jene, die mit Eva Herrmann oder Frau Palin Probleme haben. Ich stehe immer noch maßlos unter dem Schock von Duisburg, das hat mich tierisch mitgenommen und ich rätsel noch, warum – ich finde das völlig verstörend, wenn da jemand in der Form wie bei den B.L.O.G.s drauf reagiert.

    Da Rayson hier aber mittlerweile als Spam markiert ist nach der Bezichtigung der Lüge, lass uns das allenfalls irgendwo fort führen, wo er reagieren könnte.

  26. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 2:02 nachmittags

    Auaua:

    Wir hatten vorhin festgestellt, dass unser genetisches Potential immer schwächer wird. Gleichzeitig haben sich aber auch die ökonomischen Rahmenbedingungen erheblich verschlechtert. Die liberale Wirtschaftsverfassung, die andere Voraussetzung einer hohen volkswirtschaftlichen Produktivität und damit des Wohlstands, wird seit dem 1. Weltkrieg zunehmend durch den interventionistischen Wohlfahrtsstaat verdrängt. Heute beansprucht der Staat bereits mehr als die Hälfte des Nettoinlandsprodukts für sich. Die politische Klasse reguliert jedes Detail unseres Lebens.

    Das ist wirklich finster. Für mich klingt das mehr nach einem wirtschaftsorientierten Neu-Faschismus.

    Und so lautet die Linkliste dieser Leute:

    – Zettels Raum
    – Antibürokratieteam
    – Novo Argumente
    – ef Magazin
    – B.L.O.G.
    – Die Achse des Guten
    – K.P. Krause
    – Oekologismus
    – freilich
    – Polemik pur

    Ich glaube, jedenfalls in den Konsequenzen, teilweise auch in den Absichten ist das Wort vom “wirtschaftsorientierten Neu-Faschismus” wohl ziemlich passend. Wobei ich allerdings bei B.L.O.G., sofern ich da ein wenig gestöbert habe, eher wenig davon finde. Aber bereits das Antibuerokratieteam scheint da aber ganz massiv in diese Richtung zu driften.

    Ich frage mich, ob sie das selber merken.

  27. momorulez Juli 30, 2010 um 2:08 nachmittags

    Ja, mit fast all denen haben wir uns tatsächlich jahrelang gekabbelt – wobei ich die jetzt gar nicht alle kenne. Früher war noch ein “Statler” beim A-Team – das ging zwar auch rund, war aber noch ein ganz anderes Niveau mit echten Highlights in den Diskussionen. Da habe ich auch noch was gelernt dabei.

    Und der blinde Fleck, aus dem heraus die nix merken, ist dieses “gegen links”, und alles, was gegen links ist, ist richtig. Die klassisch-liberalen Argumente von Locke, zum Teil Kant und solchen, die sind da weitesgehend verschwunden – auch, dass ein Adam Smith seine emotivistische Ethik neben seiner Wirtschaftstheorie noch nötig hatte.

  28. Robert Michel Juli 30, 2010 um 2:18 nachmittags

    @ Che: Das fiel hier: http://www.bissige-liberale.net/2010/07/04/woher-kommt-dieser-hass/#comment-50275

    Wie du siehst ging es Boche gar nicht um die West-Linke, sondern um die “Mitläufer und ideologischen (wie realen) Mittäter” eines autoritären Regimes. Es wundert mich, dass Momo beide Gruppen gleichsetzt, obwohl er sich sonst dagegen wehren würde, dass überhaupt eine Schnittmenge zwischen ihnen besteht.

  29. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 2:21 nachmittags

    Das ist mehr Scientology als Politik.

  30. momorulez Juli 30, 2010 um 2:21 nachmittags

    @Robert:

    Na, in seinen Darstellungen waren aber nun wirklich alle Mitläufer, und bei “Vertreibung” von jemandem wie Boche kriege ich eh auch dann schlechte Laune, wenn er den Begriff von Karsten übernommen hat.

    Gut aber, dass es jetzt jeder selbst noch mal nachlesen kann. ,

  31. che2001 Juli 30, 2010 um 3:12 nachmittags

    Na ja, da würde ich dann allerdings sagen, am Anfang steht ein einfaches Missverständnis Deinerseits. Ich lese den Thread, was Boche angeht, in der Tat auch so, dass die Machthaber der DDR von der Macht vertrieben wurden und die DDR-Bürgerrechtsbewegung DKP-Leute und Stasi-Zuträger im Westen wie Dehm eben nicht aus ihren gesellschaftlichen Positionen vertreiben konnte. Von Linke im Westen allgemein oder von einer räumlichen Vertreibung der Leute aus ihrem Land war nirgends die Rede, und ich hätte das in Boches Äußerungen auch nicht hineingelesen. Das Entscheidende ist aber, was Rayson dann draus macht – diese Empathielosigkeit und Aggressivität, mit der die Jungs ja auch schon T. Albert begegnet sind, und dass Boche ihm dann darin folgt. Von mir aus Thema ad acta.

  32. che2001 Juli 30, 2010 um 3:16 nachmittags

    @”Das ist mehr Scientology als Politik.” —— Eine Mitbloggerin meinte nach Lektüre dieser liberalen und konservativen Politblogs (sie selbst versteht sich als Liberale), das wäre weniger politisch als Offenbarung von Therapiebedürftigkeit.

  33. che2001 Juli 30, 2010 um 3:28 nachmittags

    Die Linkliste mal en detail:

    – Zettels Raum
    – Antibürokratieteam
    – Novo Argumente
    – ef Magazin
    – B.L.O.G.
    – Die Achse des Guten
    – K.P. Krause
    – Oekologismus
    – freilich
    – Polemik pur

    Zettel: Eremitierter Biologieprofessor, der die Hochschulen und gesellschaftlichen Eliten überhaupt von kommunistischen Infiltranten durchsetzt sieht, die erfolgreich den von Dutschke propagierten Langen Marsch durch die Institutionen gegangen sind

    Antibürokratieteam: Früher mal das Trüffelschwein unter den liberalen Blogs mit dem Anspruch, den Trendsetter zu machen. Ursprünglich vor allem Spielwiese des Begründers jo@chim und zeitweise auch Heimat von Statler und Waldorfwie MR schon sagte, ganz andere Liga, die beiden), mittlerweile Tummelplatz verschiedener FDP-Jungfunktionäre. Vom Tonfall der Kommentatorenkurve her schlimmster deutscher Stammtisch.

    ef-Magazin: Publikationsorgan einer sektenhaften Fraktion von “Libertären”, d.h. hier Anarchokapitalisten (Freunde von Murray Rothbart, Ayn Rand und/oder Prof. Hoppe) mit Schnittstellen zur Neuen Rechten.

    Die Achse des Guten: Von Henryk M.Broder und zwei Welt-Redakteuren begründetes Netzwerk, das eine Verbindung aus dem Hurra-für-israelische-Miltäraktionen-Antideutschtum, Leugnung der Klimakatastrophe und dem Weltbild des Axel-Springer-Verlags propagiert. Bildete die Initialzündung für den größten Teil der Linkliste; gibt da nette Bilder, die Broder Arm in Arm mit PI-Gründer Herre zeigen.

  34. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 3:53 nachmittags

    Ohgottogottogott (Kommentar beii B.L.O.G von heute):

    Wenn man schon so kalkuliert, sollte man das ruhig öffentlich und ehrlich tun: Die Frage wieviel ein Menschenleben wert ist ist durchaus relevant. Wie kommt man auf 200.000 Euro Schadenersatz? Wem ist ein Schaden entstanden muss doch erstmal gefragt werden. Den Familien möglicherweise. Aber wenn der Verstorbene kein Geld verdient hat (Schüler, Arbeitsloser), dann ist hier materiell nur der Schaden entstanden, den die Beerdigungskosten verursachen. Natürlich kann man den seelischen Schaden nicht ignorieren, aber der ist ohnehin nicht mit Geld aufzuwiegen. Insofern: Kosten für eine psychologische Betreuung bezahlen, aber mehr nicht.

    Wäre ich der Blogbetreiber, würde ich derartige Kameraden achtkant heraus werfen.

  35. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 3:55 nachmittags

    Unfassbar.

    Das ist ethisch wirklich nur knapp vor der Forderung, aus Arbeitslosen Seife zu kochen.

  36. che2001 Juli 30, 2010 um 4:43 nachmittags

    Der Zitterwolf hatte dort mal kommentiert: “Komme ich morgen wieder, wird hier sicher sehr entspannt über die Freiheit der Märkte am Beispiel des Sklavenmarktes diskutiert.”

  37. Katzenblogger Juli 30, 2010 um 9:21 nachmittags

    Sie loben einander für ihren erschütterlich klar-marktgemäße, angeblich realitätsnahe Sichtweise. Das Leben sei ja ohnehin zynisch. Da kann man auch einfach die Wertlosigkeit von Schülern und Arbeitslosen konstatieren…

    http://www.bissige-liberale.net/2010/07/30/wieviel-ist-ein-menschliches-leben-wert/#comment-50643

    Oh, ist mir schlecht!

    Man beachte die folgenden Kommentare, die gleichförmig-affirmative Zustimmung zu dieser Art des “Denkens” über den Wert und die Würde des menschlichen Lebens (sogar, mit bauchschmerzlichen Abstrichen, Karsten)!

    Jetzt warte ich nur noch auf eine Rechnung der folgenden Art (Vorsicht Satire):

    Der Nutzen der Loveparade in Duisburg beträgt für ca. 300.000 feiernde Teilnehmer ca. je 70 Euro. Das ergibt sich daraus, dass praktisch jeder dieser Teilnehmer mehrstündige Wartezeiten und An/Abreisen in Kauf nimmt, um an der Loveparade teilzunehmen. Setzt man einen Stundenwert von 10 Euro an, ergibt sich pro Teilnehmer im Durchschnitt ein Wert von mindestens 70 Euro. Man erhält, aus Teilnehmersicht einen Wert von ca. 20 Millionen Euro. Das Wert eines Menschenlebens beträgt bei marktwirtschaftlicher Betrachtungsweise pro Person ca. 200.000 Euro, zumal, wenn man den besonderen Teilnehmerkreis der Loveparade in Duisburg betrachtet.

    Darum wären bis zu 100 tote Besucher zu vertreten gewesen, erst danach kehrt sich der Nutzen der Loveparade in einen Schaden um. Setzt man den Imageverlust von McFit mit 10 Millionen Euro an und den Imageverlust von Duisburg mit 0 Millionen, denn Duisburg hat sowieso nur ein Loser-Image, dann sind am Ende bis zu 50 tote Besucher vertretbar, um von einer erfolgreichen Veranstaltung zu sprechen.

    So in etwa könnte es aussehen, ganz ernsthaft, wenn man die menschenfeindlich-zynische Sichtweise der B.L.O.G.-Autoren und Kommentatoren weiterspinnt. Wer nichts arbeitet, der ist nichts wert?

    Woran genau erinnert das? Ja, merken die den Sprung in der eigenen Schüssel noch?

    (mein Begriff “wirtschaftsorientierter Neu-Faschismus” ist leider weitaus treffender, als ich es im Moment des Schreibens ahnte – und ich bin unendlich angewidert)

  38. che2001 Juli 30, 2010 um 9:39 nachmittags

    Zu Recht, zumal das alles in dieser Dichtigkeit und Ballung neu für Dich ist. Momorulez, Nörgler, Netbitch, T.Albert, Ring2, Don Alphonso und ich kennen das ja nun schon seit vielen Jahren. Aber die Tendenz scheint anzusteigen.

  39. che2001 Juli 30, 2010 um 9:43 nachmittags

    @”Diese „Vermassungskritik“ ist allerdings Gang und Gäbe bei allen, die sich auf die Kulturkritik der 20er Jahre beziehen, auch bei Horkheimer/Adorno.” —- Ja und nein. Horkdorno gingen davon aus, dass die eigentlich emanzipatorische Massenkultur unter der Kulturindustrie in einen Verblendungszusammenhang umgedreht wird und unter “vollendete Heteronomie” gerät. Leute wie Spengler, y Gasset, Schelsky, Gehlen hingegen verachteten die Masse an sich und stellten ihr einen Begriff des Individuums entgegen, der im “Originalgenie” der Weimarer Klassik wurzelte. Das ist schon ein fundamentaler Unterschied.

  40. momorulez Juli 30, 2010 um 10:23 nachmittags

    @Che:

    Den fundamentalen Unterschied konstruierst Du Dir zurecht, den gibt es nicht. Morgen mehr; aber wenn man auch nur halbwegs ernsthaft Horkdorno vertreten will, kann man deren Inspiration durch Klages, Nietzsche, Ortega y Gasset und selbst Spengler nicht leugnen.

    Boche habe ich auch nicht missverstanden. Der hat das genau so gemeint. Diese Schläger im Geiste wie Boche, die Lichtenhagener, diese vorortbwohnenden Hühnerzûchter sind genau jene, die als Trägerschicht den Nationalsozialismus ermöglichten, die Selbstgerechten, die dann brüllen “Diese Linken, diese Nazis!”, während sie sich auf ihre Stiefelspitzen einen runter holen. Nix Missverständnis.

  41. che2001 Juli 30, 2010 um 10:35 nachmittags

    Boche etc: Vielleicht bin ich ja immer noch zu gutgläubig;-)

    Was den Unterschied Horkdorno-konservative Kulturkritik angeht vertraten den zumindest meine Hochschullehrer, die meinten, dass die Kritische Theorie in einem Kulturbegriff wurzele, der von Dada bis Brecht (und übrigens auch Gramsci) eine emanzipative Massenkultur als principium movens gesellschaftlicher Veränderung annahm und das Umschlagen der Massenkultur im Faschismus und zeitgleich im Entstehen der Kulturindustrie in den USA zu erklären versuchten und dann Freud und Reich bemühten, eine solche Erklärung herzuleiten. Das ist jetzt ganz verkürzt, aber ungefähr so ist uns das an der Uni jedenfalls erzählt worden. Wo haben den “Klages, Nietzsche, Ortega y Gasset und selbst Spengler” die beiden beeinflusst?

  42. momorulez Juli 30, 2010 um 10:41 nachmittags

    Morgen mehr, okay? War zu viel Bier beim Testspiel gegen Santander eben …

  43. Katzenblogger Juli 31, 2010 um 9:18 vormittags

    Bin gespannt, wann das Bier seine Wirkung verliert. ;-)

  44. momorulez Juli 31, 2010 um 9:49 vormittags

    Wach bin ich schon mal, genieße den tiefen Frieden der Rosen- und Petunienblüten im Sonnenlicht bei sanftem Wind auf meinem Balkon und groove mich mit “Café del Mar”-Sampler-Feeling allmählich dem Tag entgegen …

    Zur “Kulturkritik der 20er”: Das ist ein etwas komplexes Thema. Schnädelbach hat damals ein Seminar zu dem Thema gegeben, das anfing mit “Die deutschen Mandarine” und von Spengler bis Ortega y Gasset einen “Klassiker” nach dem anderen abhandelte. Am letzten Seminartag war dann das “Kulturindustrie”-Kapitel dran, und es wirkte in der Tat – trotz der konträr zu Spenglers Aufstiegs- und Fall-Szenarien ansetzenden Geschichtsphilosophie – wie eine Zusammfassung all des zuvor Gehörten. Kritische, aber ambivalente Stellungnahmen Adornos zu Spengler kann man googlen.

    Zu Ludwig Klages, der den Derridaschen “Logozentrismus” auch schon am Wickel hatte und ja anderes Thema ist: Benjamin hat direkt mit dem korrespondiert und sich positiv auf ihn bezogen, und die lebensphilosophische Unterströmung der DdA ist ja offenkundig – die verstehen “Natur” ja äußerst explizit nicht im Sinne der Naturwissenschaften, sondern eben des Unreglementierten, Lebendigen, dass dann durch internalisierte Naturberrschung auch im Subjekt unterdrückt wird und in der Massengesellschaft, verzerrt und entfremdet, als Barbarei und Gewalt hervor bricht. Entziehen kann man sich dem nur durch die einsame Rezeption des Kunstwerks – und dieses kritisierte Umschlagen von Qualität in Quantität, auf das auch Rayson sich bezieht, ist nun geradezu Zentrum der Gesellschaftskritik Horkdornos.

  45. che2001 Juli 31, 2010 um 10:00 vormittags

    Das stimmt zwar, meint aber ein bißchen etwas Anderes, als ich gerade meinte. Müsste dazu aber selber in alten Aufzeichnungen blättern, um das zu konkretisieren. Wie Du selber sagst, ein komplexes Thema. Da schreibe ich demnächst noch einmal etwas dazu, wobei ich allerdings denke, dass das dann einen eigenen Artikel wert wäre und nicht in den Kommentaren aufgehoben ist, zumal es zentral mit Dingen zu tun hat, über die wir seit Jahren debattieren. Ich weise darauf hin, wenn ich fertig habe.

  46. che2001 Juli 31, 2010 um 10:05 vormittags

    Gottogottottt (eigentlich müsste ich ja Marxundbakuninundrosa sagen): “Aber es geht um Schadenersatz. Und entstandener Schaden ist nun einmal das Lebenseinkommen, das verloren geht. Und da ist der Schaden sollte ein Spitzenmanager sterben nunmal deutlich höher als der Schaden der entsteht, wenn ein Hauptschulabbrecher stirbt. So offen und ehrlich müssen wir doch sprechen können.

    Man muss übrigens überlegen ob nicht das Unternehmen des Spitzenmanagers ebenfalls ein Anrecht auf Schadenersatz hat. Es muss ja nun einen neuen Manager finden, der möglicherweise diesen Posten nicht so gut ausfüllt.

    Nochmal: Ich verwehre mich der Aussage, dass die Leben unterschiedlicher Menschen unterschiedlich viel wert sind. Leben lassen sich nicht monetär bemessen (obwohl in einer absolut freien Marktwirtschaft jemand das Recht haben sollte, einen Preis auf sein Leben festzusetzen, etwa wenn er gefährlich Arbeiten übernimmt oder Organe verkaufen möchte).”

  47. momorulez Juli 31, 2010 um 10:30 vormittags

    Merkwürdig, dass da dann keiner auf die Idee kommt, das Umschlagen von Qualität in Quantität zu betonen … Das ist offener Faschismus, dieses Denken, das sich in solchen Kommentaren äußert. Und hängt direkt mit dem Abfackeln von Obdachlosen zusammen.

  48. che2001 Juli 31, 2010 um 10:41 vormittags

    “Die Freigabe der Tötung lebensunwerten Lebens, ihr Maß und ihre Form” erschien 1920 auch als Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen.

  49. Katzenblogger Juli 31, 2010 um 11:12 vormittags

    Ja, und es ging darum, “die Unglücklichen zu erlösen”. Wobei der Kostendämpfungsgedanke Eingang als Beispiel bis in die Mathematikstunden an den Schulen fand. Den Nazis war dann vorbehalten, diese (Menschen in Geldwert messende) Unkultur des Denkens in eine Kultur der Vernichtung zu verwandeln.

  50. momorulez Juli 31, 2010 um 11:17 vormittags

    Nicht zu vergessen der Wert der Goldkronen, die man den Vergasten aus den Zähnen brach … So ja die Logik der zitierten Kommentare.

  51. Katzenblogger Juli 31, 2010 um 11:44 vormittags

    Noch traut sich dort niemand, auf die Provokation von Karsten einzugehen und Ackermann in 10.000 Hauptschüler aufzuwiegen. Aber man ist ganz knapp davor.

    (findet dafür aber die rechten Worte nicht) Vorsicht: Wortspiel

    Was mich gerade gut in den Tag grooven lässt:

  52. Katzenblogger Juli 31, 2010 um 9:12 nachmittags

    Die machen mich aggressiv. Dabei bin ich normal der Frieden in Person. Grrr.

  53. che2001 Juli 31, 2010 um 9:49 nachmittags

    Jetzt halten sie Dich sogar für Dr. Dean. Auch eine Art, sich gegen Kritik zu immunisieren. Absurdes Theater.

  54. netbitch Juli 31, 2010 um 11:06 nachmittags

    Sind wir nicht alle ein bißchen Dean? Deanen wir nicht alle Stalin und dem Gulag? Was da so geboten wurde, läuft für mich zwischen geisteskrank, rechtsradikal und, das ist leider das Ernsteste, einer extremen Zuspitzung bereits etablierter Staatspolitik zum Terror gegen Unterschichten, Minderheiten und schlichtweg Arme – von denen sich Herrschende eh immer bedroht fühlen. Das ist in der Tat eine neue Rechte, die ich für viel gefährlicher halte als Neonazis – die ja von aller staatlichen Gewalt und Machtausübung weit entfernt sind. Die hier aber sind der totalitäre Wurmfortsatz bereits stattfindender Politik. Was sich da “liberal” nennt ist Faschistenpack.

  55. momorulez Juli 31, 2010 um 11:43 nachmittags

    Ich finde dieses Abdriften in offenen Neofaschismus auch erschreckend; ich mochte die ja irgendwie, lange Zeit. Aber das hat Erklärungswert, wie das, wo’s enger wird, in’s klar Pathologische abdriftet. Als Fallstudie ist das erhellend, wie sich verselbständige “Rationalität” ins Vernichtenwollen begibt. Das meinte die “Dialektik der Aufklärung” mit der total gewordenen Zweckrationalität.

  56. Bersarin August 1, 2010 um 12:51 vormittags

    „Ich bin soviel gereist, im Zickzack durch die Zeit“, wie eine Hamburger Band einmal sang. Dies übt in Geduld. Aber ich habe es mir, eigentlich a-politisch vor dem Herren, aus Zorn nicht nehmen lassen, dort drüben etwas zu kommentieren. Mal schauen, ob es freigeschaltet wird. Selbst einen epikureischer Stoiker wie ich es bin, hat das da drüben geschwafelte monetäre Aufrechnungszeug in den Zorn getrieben.

  57. Bersarin August 1, 2010 um 11:19 vormittags

    Nein, nein; ich bin nicht “Huch”. Vor dem “Forentourist” wurde mein Beitrag gepostet. Er ist auch eher böse denn sachhaltig. So wie “Huch” würde ich allerdings trotzdem nicht argumentieren.

    Ich bin mit Begriffen wie “Neofaschismus” sehr sparsam, aber was Netbitch schreibt, das bringt es auf den Punkt. Genauso ist es. Dies ist unter dem Gewand des Liberalismus daherschleichender Rechtsextremismus.

  58. momorulez August 1, 2010 um 11:24 vormittags

    Ich bekenne, in letzter Zeit zur Inflationierung des Begriffs “Neofaschismus” durchaus beigetragen zu haben – empfinde den aber auch verstärkt in letzter Zeit.

    Bei dem Thread drüben ganz besonders. Jetzt geh ich noch mal gucken, was Du geschrieben hast!

  59. Katzenblogger August 1, 2010 um 11:33 vormittags

    Sagt mal, ist dieser Dean, den ihr alle zu kennen scheint, ein ehemaliger B.L.O.G.-Mitblogger, mit dem sie sich verkracht haben? Mir tut es auf alle Fälle leid, dort überhaupt etwas geschrieben zu haben. Sonderlich gesprächtsbereit ist man dort sowieso nicht. Dieser verbissene Wille dort, Menschen und deren Wert in Einkommen bzw. Einkommensserwartungen zu wiegen, das ist doch krank. Ich kenne die Leute da nicht, aber für mich ticken die nicht ganz sauber. Wenn sie mal Gegenwind kriegen, geben sie sich kindisch. Oh, mann. Mir kommt das dort so vor, als sei ich in den SS-Bunker einer faschistischen Wirtschaftsakademie eingedrungen. Ich hätte nicht gedacht, dass es sowas überhaupt gibt. Akademisches Getue, primitivste Ansichten und Argumentation in Schlüsselfragen, und völlig zugenagelt. Mannomann, da ist ja jeder sturzbesoffene Gast einer Trinkhalle aufgeschlossener und vor allem interessanter mit dem, was er sagt bzw. in seine Kotze hineinbrabbelt.

  60. momorulez August 1, 2010 um 11:43 vormittags

    Dean hatte lange ein Blog, das “Der Morgen” hieß. Ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt. Der ist der “Ordoliberale” unter den ehemaligen Mitdiskutanten und war früher bei jeder Schlacht mit B.L.O.G’s und A-Team dabei, bis er da irgendwann gesperrt wurde. Hier allerdings auch eines Tages, u.a. kam es zu Zerwürfnissen rund um Judith Butler ;-)

    Und: Ja. Seitdem die FDP erst Regierungspartei wurde und dann einbrach, was ja belegt, dass man auch mit Think Thanks und Publizistik nicht uneingeschränkt jagen und herrschen kann, ist denen die Maske verrutscht.

  61. Katzenblogger August 1, 2010 um 12:57 nachmittags

    Nunja, auch Bersarins Beitrag nicht gerade geeignet, deren Herzen zu gewinnen. Tröstet mich aber ein wenig, weil ich mit meinen Emotionen wohl nicht allein stehe. Ich frag mich immer noch, wie “die da” so denken können. Was bringt sie dazu?

  62. Katzenblogger August 1, 2010 um 2:17 nachmittags

    So, jetzt habe ich bei denen noch einmal einen gründlicheren Versuch gemacht. Als potentiellen Sympathieträger in meinem Beispiel habe ich extra einen Börsenmakler gewählt, in der Hoffnung, dass diese Inkarnation kapitalistischer Lebensweise ihre Herzen berührt. Na, vermutlich werde ich erneut niedergemäht. Mit ökonomischer Argumentation habe ich meine liebe Not, das wurde mir beim Schreiben erneut deutlich.

    Aber der Versuch war es mir wert.

  63. che2001 August 1, 2010 um 2:26 nachmittags

    Das ist der Binnenhorizont einer Realitätswahrnehmung, die sich sozusagen in einem Tunnel entwickelt hat. Bestimmte Grundannahmen werden nämlich wie unumstößliche Wahrheiten betrachtet. Dazu gehört eine Form von Wirtschaftsliberalismus, die sich zwischen den Polen Hayek, v. Mises, Thatcher-England und Bush-USA bewegt als einzig möglicher Form des Kapitalismus überhaupt, Staaten mit irgendeiner Form von sozialer Marktwirtschaft wie Deutschland oder Frankreich sind für die zur Welt des Kapitalismus bereits nicht mehr zugehörig. Damit leben wir deren Meinung nach eigentlich in einer Form von Sozialismus, und sie sehen sich als die Mutigen, die diese Wahrheit gegenüber einer links dominierten Medienöffentlichkeit aussprechen. Dazu gehört auch ein Philosemitismus, der eine Art Umkehr des NS-Antisemitismus ist: Man ist für Kapitalismus, also ist man auch für die Juden. Ein Autor wie Frederic Bastiat, der im 19. Jahrhundert ein paar Kerngedanken des damaligen Wirtschaftsliberalismus in Form von Parabeln im Stil von Kinderfabeln formuliert hatte ist für die ein bedeutender und zeitloser Theoretiker. Linke, Konservative und Liberale werden nicht als Leute mit bestimmten Auffassungen gedacht, sondern als Gattungswesen, denen kollektive Charaktereigenschaften zugeschrieben werden. Linke sind dann zum Beispiel Freiheitsphobiker mit ausgeprägtem Sicherheitsbedürfnis:

    http://che2001.blogger.de/stories/1667629/#comments

    Dazu kommen Gleichsetzungen Linke=Islam, Globalisierungskritik=Stalinismus, Ökos=Stalinisten oder Faschisten usw. Die hatten es mal gebracht, in einen Attac-Text, der sich um Tobin-Steuer und globalen Klimaschutz drehte gefühlte Mauerschützen und Todesstreifen hineinzuinterpretieren. Die haben auch schon mal die Bell Curve ergebnisoffen diskutiert.

  64. che2001 August 1, 2010 um 2:47 nachmittags

    Katzenblogger, das war ein sehr flotter Beitrag von Dir da drüben. Mal sehen, ob es was fruchtet.

    Ergänzung zu Dean: Entscheidend bei dem ist die Tatsache, dass es sich um einen Urliberalen handelt, der die soziale Marktwirtschaft in ihrer ursprünglichen Form gerne weiterentwickeln würde, also an Ludwig Erhard und Keynes und solche sozialliberalen Klassiker wie Eucken und Röpke anknüpft. Das empfanden die liberalen Spezialisten wie BLOG und A-Team als so bedrohlich, dass sie ihn sperrten und jeden Umgang mit ihm mieden, während sie mit uns Linken durchaus diskutierten. Da kursierte sogar mal ein “Stop Dean” – Button.

  65. momorulez August 1, 2010 um 3:51 nachmittags

    @Katzenblogger:

    Das ist denen vermutlich schon zu komplex, aber sehr schön ;-) -am schönsten der Passus, dass manchen der Nicht-Zusammenhang zwischen Einkommen und Versichrungssumme enttäuschen könnte :-D

  66. David August 7, 2010 um 5:10 nachmittags

    Das empfanden die liberalen Spezialisten wie BLOG und A-Team als so bedrohlich, dass sie ihn sperrten und jeden Umgang mit ihm mieden, während sie mit uns Linken durchaus diskutierten.

    Das ist Blödsinn, aber immerhin nachweislich.

  67. che2001 August 7, 2010 um 5:13 nachmittags

    Dann sag doch einfach mal, wie Du das siehst.

  68. David August 7, 2010 um 5:25 nachmittags

    Bei BLOG war der entscheidende Moment, als ausgerechnet im Verlauf einer eher länglichen Diskussion mit Dean und über Deans allgemeines Sozialverhalten, die man hier nachlesen kann, Ausfälligkeiten seinerseits gegen Statler bei Rebellmarkt bekannt wurden, die selbst an Deans Vorgeschichte gemessen einen neuen Tiefpunkt markierten und an die Du Dich vermutlich erinnern wirst, Du hast sie damals selbst kritisiert. Das war der Moment, wo bei BLOG der Schlußstrich gezogen wurde.
    In jedem Fall ginge es darum, daß Deans Benehmen schlicht unter aller Sau war. Mit seinen Ansichten hatte das nichts zu tun. Für das Gegenteil (es ist ja nicht völlig undenkbar, daß ich was übersehen habe) hätte ich jedenfalls gern Belege.
    Wie’s beim A-Team war weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht. Kann also sein, daß Du in Bezug auf die Recht hast, auch wenn ich’s komisch fände.

  69. che2001 August 7, 2010 um 5:38 nachmittags

    Ich gestehe, dass ich in diesem Punkt Deans eigener Schilderung dieses Vorgangs gefolgt war.

  70. momorulez August 7, 2010 um 5:38 nachmittags

    Danke, David! Bei allem Geläster hier gerade auch meinerseits, auch so was wie Enttäuschung läuft da ja mit, aber schon auch aufrichtiges Entsetzen, ist ja wichtig, dass solche Sachen dann auch korrekt dar gestellt werden …

  71. che2001 August 7, 2010 um 6:21 nachmittags

    Ich muss ja sagen, dass ich damals wie heute gar nicht mehr so richtig nachvollziehen konnte und wollte, wer da wann was zum ersten Mal gesagt/getan hat und nur “Kindergarten” dachte. Morddrohungen gegen Dean hat es irgendwann mal gegeben, aus der Ecke rechter Flügel von PI, genau wie massivstes Webstalking gegen mich aus der Kewil-Ecke. Alles Dinge, mit denen weder Ihr noch Statler noch A-Team etwas zu tun hattet. Und mein damaliger Konflikt mit jo@chim war nun tatsächlich auch nur ein Konflikt zwischen uns, der dann beigelegt und nie wieder aufgenommen wurde.

  72. che2001 August 7, 2010 um 6:22 nachmittags

    Und außer “Kindergarten auch noch “Gleis 4, abfahren!”

  73. momorulez August 7, 2010 um 6:23 nachmittags

    Ach, tu doch nicht so, Du und Deine infamen Gewaltandrohungen mittels Bamberger Reiter :-D

  74. che2001 August 7, 2010 um 9:13 nachmittags

    Davon werden wohl noch die Enkel der aktuellen Blogger am Kaminfeuer erzählen—-

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