Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Deutschenkriminalität

“26 Kinder wurden 2010 beim Drogenhandel erwischt. 20 davon haben die deutsche Staatsbürgerschaft und leben bei ihren Eltern.”

Die Neue Rechte hat eine neue Märtyrerin – die wohl hochrespektable Richterin Kirsten Heisig, deren Vermächtnis nach ihrem Freitod ein Buch über ihre Arbeit als Jugendrichterin ist. Die Rezeption des Werkes erstaunt nicht und erschreckt doch: DIE WELT verkündet bereits wie üblich unappetitlich, boulevardesk und großmäulig, das “Verschweigen von “Ausländerkriminalität” (!) schade Migranten“, die dpa referiert plakativ Thesen, die als “pauschalisierend” diagnostiziert werden – und hofft doch auf den Anstoß zu einer Diskussion, die im selben Sinne über “Deutschenkriminalität” nie geführt würde.

Gerade der A-Team-“Text” ist symptomatisch für eine völlig krude Rezeption, die, ganz, als habe man Norbert Elias als Gebrauchsanweisung gelesen, die “Generalisierung von Negativstereotypen bei Fremdgruppen” betreibt, eben das, was ausnahmsweise zu recht als “struktureller Antisemitismus” verstanden werden kann.

Das Bemerkenswerte ist, dass die Wahrnehmung von jemandem, der nur “Delinquenten” im Arbeitsalltag zu sehen und zu sprechen bekommt, also solche, die wahlweise einer Straftat verdächtigt wurden oder eine solche begangen haben, auf einmal zum Kronzeugen allgemeiner Kulturdiagnostiken heran gezogen wird. Das ist in etwa so, als würde ein Onkologe den Krebs als Eigentlichkeit und Wesen der Deutschen behaupten, und alle plappern nach – und das Beispiel sei nicht angeführt, um die miese Metapher des “Krebsgeschwürs Kriminalität” zu beschwören.  Es dient dazu, einmal mehr zu rekonstruieren, wie über die diskursive Produktion der verallgemeinerten Abweichung zugleich Normalität konstituiert wird, während die Abweichung in diesem Fall plötzlich zum herkunftsbedingten “Charakter” mutiert – auch, um ein positives Selbstbild zu erzeugen. Eine übliche Praxis der Mehrheitsgesellschaft, die Selbstvergewisserung durch Instrumentalisierung der Anderen betreibt.

Dass eine Richterin ihre Berufsrolle, so scheint es, gar nicht mehr reflektiert, sondern die richterliche Perspektive als Blick des Soziologen behauptet, darf passieren – nicht jedoch diese Unart von Journalisten, so zu tun, als würden sie Recht sprechen.

Um so angenehmer der differenzierte Blick der Frankfurter Rundschau. Sie belegt, wie eine Kombination von literarischen Mitteln und dem Willen zur Informationsbeschaffung die Leitartikel-Generalisierung unterläuft und so eine Annäherung an Wirklichkeiten das stammtischafte Draufgehaue zu sabottieren vermag:

“Wenn es um Araber geht, wird Heisig hart. Der Staat habe kapituliert, schreibt sie, er komme an die Familienclans nicht heran , die Jugendämter seien hoffnungslos überfordert. Die Furcht vor den kriminellen Großfamilien würde alle anderen Aspekte bei weitem überwiegen. Zehn bis zwölf solcher Familien hat sie gezählt. Thomas Weylandt ärgert sich, wenn er diese Thesen hört.

Nur bei einer Familie, die Weyland kennt, treffe die Beschreibung von Heisig zu, dass der Staat nur zuschaue. Die Familie lebe abgeschottet in ihrer eigenen Welt mit archaischen Werten. Fast alle Mitglieder seien kriminell. „Da passieren am laufenden Band extreme Gewalt- und Rohheitsdelikte“, sagt Weylandt.”

In Weylandts Alltag spielen arabische Clans eine untergeordnete Rolle. Für ihn ist auch nicht erkennbar, welcher Jugendliche aus einem solchen Clan kommt. Zwei arabische Großfamilien kennt er. Bei einer lege der Vater großen Wert darauf , dass sich seine Kinder an das Gesetz halten. Als der älteste Sohn sich nicht an ein Hausverbot für ein Schwimmbad hielt, war der Vater bei der Gerichtsverhandlung. Er habe in den Saal gerufen, sein Sohn solle eine Strafe bekommen, zudem wünschte er sich, dass der Filius endlich arbeiten geht.

Weylandt, 56, ist Leiter der Jugendgerichtshilfe Neukölln. Sein Büro liegt in einem Gebäude am Ende einer Einkaufspassage, die „Kindl-Boulevard“ heißt. Er gibt pädagogische Gutachten für jugendliche Angeklagte ab. In den vergangenen zwei Jahren hat Weylandt oft in den Gerichtsverhandlungen von Heisig gesessen. In ihrem Buch lobt Heisig die „stets sorgsam erarbeiteten Berichte und fundierten Vorschläge“ der Jugendgerichtshilfe. Weylandt sagt, durch das Buch entstehe der Eindruck, dass es in dem Bezirk drunter und drüber gehe. Das sei nicht der Fall. Auch er spricht „von einem deutlichen Rückgang“ der Jugendkriminalität in seinem Bezirk. „Kirsten Heisig skandalisiert sehr problematische Einzelfälle und zeichnet dadurch ein falsches Bild von jugendlicher Gewalt in Neukölln.“

Wie Verbroderung die Wahrnehmung verdreht oder: Zum Glück gibt es darauf Antworten wie in der Frankfurter Rundschau.

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39 Antworten zu “Deutschenkriminalität

  1. Hansi Juli 27, 2010 um 11:47 vormittags

    “Wie Verbroderung die Wahrnehmung verdreht…” – Großartig!

    Sehr interessant auch diese Sichtweise:

    “Das Bemerkenswerte ist, dass die Wahrnehmung von jemandem, der nur „Delinquenten“ im Arbeitsalltag zu sehen und zu sprechen bekommt, also solche, die wahlweise einer Straftat verdächtigt wurden oder eine solche begangen haben, auf einmal zum Kronzeugen allgemeiner Kulturdiagnostiken heran gezogen wird.”

    So hatte ich das noch gar nicht betrachtet.

  2. momorulez Juli 27, 2010 um 11:50 vormittags

    Hätte ich auch nicht, tatsächlich nicht, hätte nicht einst “Überwachen und Strafen” von Michel Foucault mein Denken “revolutioniert” ;-) ….

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  4. momorulez Juli 27, 2010 um 12:07 nachmittags

    PS: Dass ein Begriff wie “Clan” bei “großen Hamburger Familien an der Elbchaussee” und deren Seilschaften keine Verwendung finden würde, das muss man der FR dann doch ankreiden.

  5. che2001 Juli 27, 2010 um 12:19 nachmittags

    Interessant ist, wie in diesem dumpfen Machwerk der “Welt” bzw. Arabboy Türken, Kurden und Araber durcheinandergeschmissen werden – sollen sie doch gleich schreiben “Muselmanen”, “Sarazenen” oder “Mohren”. Das ist so, als ob in einem Werk über Deutschenkriminalität stünde “Autor Jean Lagarde, der selbst skandinavischer Herkunft ist….”

    Der strukturelle Antisemitismus des A-Teams kann nun nicht wirklich überraschen, irgendwie sind die die wirtschaftsliberal-atheistische Parallelausgabe von PI.

    By the way, wieso schreibst Du sabotieren immer mit tt?

  6. momorulez Juli 27, 2010 um 12:27 nachmittags

    Weil mir das besser mit 2 t gefällt ;-)

  7. che2001 Juli 27, 2010 um 12:30 nachmittags

    @”Dass ein Begriff wie „Clan“ etc” —- Mir fällt bei all diesen Argumentationsmustern wie Heisig, Welt und Co sie bringen ja unweigerlich der Ku Klux Klan ein, die haben das Urheberrecht für sowas…

  8. momorulez Juli 27, 2010 um 1:31 nachmittags

    Ich glaube, nach allem, was ich gelesen habe, die Heisig war eine sehr engagierte Jugendrichterin, die irgendwann eine recht selektive Wahrnehmung entwickelte – so ähnlich wie Psychologen in den 80ern irgendwann immer und überall sexuellen Missbrauch witterten, wahlweise Opfer oder Täter, in Familiene halt.

    Und angefüttert von diesem Journalistenmob rund um DIE WELT, der auch mit Vorliebe behauptet, alle Linken und “Araber” seien gleichermaßen Antisemiten, sah Frau Heisig sich dann als “Alamiererin” hinsichtlich des nun endlich zu brechenden “Tabus” “gewalttätiger Migranten” insbesondere “arabischer Herkunft”. Da werden ja Selektionsweisen sehr finster gesteuert. Und dieses verächtliche “Araber” (spuck aus) findest ja unter antideutsch inspirierten Linken auch – wie auch unter Persern, finstererweise, übrigens. Da gibt es eine Achse Bahamas-Iran ;-)

    Und zum Glück haben “wir” ja noch keine Bürgerwehren, die Deutschtürken erst kastrieren und dann lynchen, wenn sie mit “weißen” Mädchen anbändeln. Wenn die so weiter schreiben, dann dauert das allerdings nicht mehr lange; was Schwarze und “Araber” diesbezüglich schon jetzt alltäglich erleben, das möchte ich trotzdem lieber nicht wissen. Bzw. natürlich will ich das, aber komischerweise erforschen die Kriminologen lieber Korrelationen zwischen Frömmigkeit und Gewaltbereitschaft als Regeln der Partnerschaftswahl, zum Beispiel.

  9. che2001 Juli 27, 2010 um 2:31 nachmittags

    @”Da gibt es eine Achse Bahamas-Iran” —- Nicht so ganz, denn. Der iranische Antiarabismus und arabische Antifarsismus speist sich aus anderen Quellen, und die Antideutschen ebenso wie die Springerianer unterscheiden nicht zwischen arabern, iranern, Kurden und türken, det is die allet eens.

  10. momorulez Juli 27, 2010 um 2:38 nachmittags

    Weiß ich doch, lustig ist eine solche Achse trotzdem ;-) … mal ab vom Gehalt, der gar nicht lustig ist.

  11. che2001 Juli 27, 2010 um 3:00 nachmittags

    Es ist auch lustig, das alles einmal umzudrehen. Türkisch, Persisch und Arabisch sind als Sprachen etwa so eng miteinander verwandt wie Deutsch, Finnisch und Chinesisch, die kulturellen Traditionen außerhalb religiöser Praktiken ähnlich weit voneinander entfernt.. Warum also nicht die letztgenannten drei Ethnizitäten zu einem Brei verrühren? Vielleicht merkt dann wer was.

    Btw Der Ruhrpott-Stammtisch ist ja da einen Schritt weiter, indem er kurzerhand die gesamte nichtdeutsche Menschheit unterteilt in Batschacken (Osteuropäer), Biftecken (Griechen), Kapalken (gewissermaßen Kosovotschetschenen, alles von Balkan bis Zentralasien) und Kufnucken (Schwarze, Inder und der ganze Rest).

  12. Katzenblogger Juli 27, 2010 um 5:21 nachmittags

    Wenn ich mich nicht sehr täusche, arbeitet DIE Spezialistin für “Deutschenfeindlichkeit” inzwischen als Bundesministerin. Ausgrenzung als Mainstream? Ich denke eher, dass das eine eigentlich altbekannte Erscheinung vorzugsweise derjenigen ist, die konservativ, rechtsextrem und/oder wirtschaftsliberal gesinnt sind (also auch Leute wie Sarazin, Clement u.ä.)…

    Mit Heisig hat diese Klientel eine Alarmmacherin gefunden, die lange erwartet wurde. Wie gerne hätte man aber lieber eine um sich spuckende deutsche Version einer Oriana Fallaci!

    Bislang gibt es das hierzulande noch nicht, es wird zwar hier und dort und mit Eifer gebrodert, aber so richtig ernst genommen und in den politischen Mainstream angekommen sind diese Krawallmacher und geistigen Brandstifter noch nicht.

    Sehr schön fand ich, Momorulez, deine Beobachtung, wie die Verengung der Wirklichkeitswahrnehmung derartige, ausgrenzende und zugleich bürgerwehrhafte Sichtweisen erst möglich macht. Ein anderer Punkt, vor allem ans Andockstelle für die Mehrheitsgesellschaft ist meines Erachtens die Angst. Angst vor “dem anderen”, sublimierte Angst vor der eigenen Existenzunsicherheit im Kapitalismus, vor allem Angst, selbst Opfer eines Gewaltverbrechens werden zu können, Angst vor dem sozialen Abstieg (der offenkundig bei anderen Wirklichkeit ist), Angst nicht zuletzt auch vor der vermeintlichen Gefährlichkeit “der Araber”, “der Türkengangs”.

    Das erst öffnet imho die Schleuse hin zum strukturellen Antisemitismus bis hin zu leider sehr realen politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen, angefangen (!) bei der Ausgrenzung, Demütigung und präventiven Bestrafung derjenigen, die (angestachelt von Hetzkampagnen rechter Publizisten) als Gefahr angesehen werden.

    Sobald diese Angst vorherrschend wird bildet sich ein Gewalt taetiger Mob aus Herrenmenschentum und kleinbuergerlicher Aggression, beispielsweise in Form brennender Asylantenheime.

  13. momorulez Juli 27, 2010 um 7:26 nachmittags

    Das mit der Angst ist zweifelsohne richtig – die ja gezielt als Dauerzustand mittels Hartz IV etc. geschürt und aufrecht erhalten wird, weil die ökonomischen und administrativen Organisationseinheiten dann besser regieren können.

    Mir scheint es aber schon so, dass diese Brandstifter immer ernster genommen werden, weil die Figur der Freilegung von Wahrheiten, die allzu lang tabuisiert worden seien, immer prima funktioniert und so eine Art rhetorischen Messianismus produziert.

  14. ziggev Juli 27, 2010 um 10:29 nachmittags

    … oh, mann

    dann heute bei “frontal21″ einer dieser “Berichte”, die Aussagen des Buches der betreffenden aufgreifend …

  15. che2001 Juli 27, 2010 um 10:42 nachmittags

    Dafür musste ich mir heute schon anhören, ich wäre ja immer auf der Seite von “Denen”. Fühlte mich echt schon wie Vanzetti: My crime is loving the forsacen. Will zurück in die Berge, weg von dieser fucking mainstream world. Ob ein Griff sitzt oder ein Seil hält ist wichtig, nicht, was jemand denkt, mit dem ich nie reden will…

  16. momorulez Juli 27, 2010 um 10:55 nachmittags

    @ziggev:

    Das ist ja das Fatale – von dem Buch schreiben jetzt alle ab, die sich bestätigt sehen wollen, und die Gegenrecherche der FR interessiert kein Schwein …

    @Che:

    Wer hat das denn gesagt, das mit “denen”?

  17. che2001 Juli 27, 2010 um 11:12 nachmittags

    Ein guter Freund, der selber Linkspartei wählt, aber skeptisch zu meinem Antirassismus steht.

  18. momorulez Juli 27, 2010 um 11:25 nachmittags

    Oha. Das werden immer mehr.

  19. Katzenblogger Juli 28, 2010 um 8:49 vormittags

    Zeiten der Angst sind gute Zeiten für Ressentiments.

    @ Che

    [x] Warum ist dein guter Linksparteiwähler skeptisch?

  20. Nörgler Juli 28, 2010 um 11:01 vormittags

    Es wurden in jüngster Zeit auf diesem Blog verstärkt die Themen Klassismus, Rassismus, Wohlstandsrassismus, Homophobie, Varianten eines Antisemitismus, der keiner sein will, Distinktion, Abwertung, Diskriminierung … diskutiert. Ich möchte hierzu eine, wie ich meine, ganz vorzügliche Bilddokumentation verlinken, die imho jeder von uns gesehen haben sollte.

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/11282/peitschen_pruegel_postkarten.html

    Vordergründig geht es hier ‘nur’ um Kolonialismus und “Neger”. Aber jeder, der in diesem Blog mitdenkt, mitliest, mitdiskutiert, wird die impliziten Bezüge zu den von mir oben genannten Stichworten erkennen.

  21. momorulez Juli 28, 2010 um 11:06 vormittags

    Ja, die Dokumentation ist wirklich hervorragend, die hatte ich neulich schon mal an meine Freunde vom “Braunen Mob” geschickt, die immer wieder die Fassung verlieren, dass insbesondere die “Bimbo”-Ikonopgraphie bis hinein in St. Pauli-Fanzines völlig unbefragt adaptiert wird.

    Danke für das Verlinken!

  22. che2001 Juli 28, 2010 um 11:56 vormittags

    Völlig vergessen ist heute, dass der “Euthanasie” und dem Holocaust die Zwangssterilisierung der “Rheinlandbastarde” (Nachkommen französisch-belgischer schwarzer Kolonialsoldaten und deutscher Frauen) vorausging als erster Schritt der NS”Eugenik” – gestützt auf Gutachten des namhaftesten deutschen Biologen seiner Zeit, Eugen Fischer, dessen erste Amtshandlung als Rektor der Humboldt-Universität die Entlassung seiner jüdischen Kollegen war und der die NS-Machtübernahme als biologisch notwendige “Erb- und Rassenpflege des Staates” bezeichnet hatte. Zu seinen Forderungen gehörte frühzeitig die “Ausmerze des Judentums”, obwohl Juden “nicht insgesamt minderwertig seien, wie etwa Neger.”

  23. che2001 Juli 28, 2010 um 12:13 nachmittags

    @Katzenblogger: Skeptisch ist er, weil er sich zwar über Abschiebungen, Misshandlungen von Asylsuchenden und Polizeiwillkür aufregt, trotzdem aber ein “Wir”-Gefühl hegt, dass letztlich das der “Volksgemeinschaft” ist. Und sich moralisch darüber aufregt, dass ich das nicht habe und zutiefst ablehne. Und wenn er im Fernsehen eine Sendung sieht, in der Migrantenjugendliche als Drogendealer vorgeführt werden, dann ist das für ihn die Wahrheit, und wenn ich das auch nach dem Sehen solch einer Sendung anders sehe bin ich verstockt und uneinsichtig und realitätsfern.

  24. momorulez Juli 28, 2010 um 12:21 nachmittags

    “wenn ich das auch nach dem Sehen solch einer Sendung anders sehe bin ich verstockt und uneinsichtig und realitätsfern.”

    Das ist ja die Groteske, die sich da abspielt – dieser Verweis auf das “Offenkundige”, das von “Linken Ideologen” “tot geschwiegen” würde. Obgleich das in der Tat gar nicht zu belegen ist, wie der FR-Artikel belegt, und auch, weil relevante Korrelationen zwischen Faktor X und “Kriminalität” gar nicht erforscht werden. Und dieses “Offenkundige” findet sich nun tatsächlich genau so in der Historie des Antiisemitismus, dieses “also, ich habe lange geschwiegen, nun muss es aber endlich mal auf den Tisch, dass die Juden so oder so sind”.

    Ach, und dieses “Wir Deutschen”, kotz. Heute wird in DIE WELT sogar diskutiert, dass ja die Wehrmacht in der Luftschlacht fast gleichwertig mit der englischen Luftwaffe gewesen sei, als ginge es da um ein Fussballspiel. Da formiert sich gerade was ganz Finsteres, habe immer das Gefühl, ich würde das physisch merken. Das ist irgendeine entlastende, psychische Restauration, die sich das “war schon irgendwie auch richtig” bewahren will.

  25. che2001 Juli 28, 2010 um 2:45 nachmittags

    Wie sähe eigentlich eine Kriminalstatistik aus, wenn man alle Verstöße gegen das Ausländergesetz herausrechnet und nur Straftaten zählt, die auch Deutsche begehen können? Oder wenn man nicht Ausländer und Deutsche korreliert, sondern Arme und Reiche?

  26. momorulez Juli 28, 2010 um 2:57 nachmittags

    Letzteres ist der entscheidende Punkt, das “deutsch” wie üblich unanbhängig von jeder Klassen-, Schicht etc.-Zugehörigkeit behauptet wuird – während zugleich massenhaft Studien existieren, die belegen, wie annährend unmöglich der “soziale Aufstieg” von Migranten in Deutschland ist.

    Und alleine schon so simple Tatsachen, dass Schwarze, Araber, Deutschtürken usw. ungleich häufiger von der Polizei kontrolliert werden, wie ich von diversen Freunden weiß. Insofern in die “Dunkelziffer” bei den eingangs genannten Zahlen beio “Deutschen” viel höher (alleine schon, dass da dann zwischen “richtigen” Deutschen und solchen mit “Migrationshintergrund” unterschieden wird ist eine Frechheit. Engen Freunden von mir, Düsseldorfern und Bayern, dichtet man dann einen “Migrationshintergrund” an).

    Dass zudem Gewalt- wie auch “Beziehungs”delikte von Deutschen selten als “Deutschengewalt” oder unter “Ehrenmord” verbucht werden. Undund. Auch, dass sehr häufig Korrelationen zwischen Prozentsätzen auch da genannt werden, wo die absoluten Zahlen eher geringfügig sind, und keinerlei Bezugnahme auf irgendeine Grundgesamtheit erfolgt.

  27. che2001 Juli 28, 2010 um 4:21 nachmittags

    Und wenn wir so argumentieren, kommt irgendjemand mit dem Gemüt des Fleischerhunds daher und behauptet, dies sei deutscher “Selbsthass”.

  28. netzwerkrecherche Juli 29, 2010 um 10:21 vormittags

    „26 Kinder wurden 2010 beim Drogenhandel erwischt. 20 davon haben die deutsche Staatsbürgerschaft und leben bei ihren Eltern.“

    Immer diese statistische Wahrnehmung einer “Ausländerkriminalität”, die in der psychodelischen Wirklichkeit überhaupt nicht vorhanden ist.

    Hätte man den anderen 6 Kindern nicht auch die deutsche Staatsbürgerschaft geben können?

  29. momorulez Juli 29, 2010 um 12:22 nachmittags

    Das ist einfach so praktisch, den Nicht-Staatsbürgern oder solchen, die einen anderen “Hintergrund” haben, fälschlich immer alles in die Schuhe zu schieben, das haben wir ja bei Herrn Kochs Agitation gegen das ja sogar noch ambivalente schwarz-grüne Staatsbügerschaftsrecht alle erleben dürfen, da traut sich seitdem keiner mehr ran …

    Bin aber ganz bei Dir!

  30. momorulez Juli 29, 2010 um 2:45 nachmittags

    http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/migranten-haben-das-dritte-auge/

    Passt auch zum Thema, kommt vielleicht noch ein eigener Eintrag zu – das ist die “Andorra”-Story, auf die sich immer zu beziehen ist, wenn irgendwer daher und behauptet, die Spezifik schwarzer, schwuler, migrantischer, weiblicher Erfahrung sei doch völlig irrelevant. Isse nicht, man kommt eben nicht umhin, durch diese Zuschreibungen und die damit verbundenen Bilder geformt zu werden, weil man sich zu ihnen verhalten muss.

  31. che2001 Juli 29, 2010 um 3:00 nachmittags

    Toller Satz: “Ich habe Völkerrecht studiert, nicht Einwandererdasein.” —– Kenne da eine Deutschlehrerin syrischer Herkunft, die im Unterricht erlebt hat, wie ein Schüler meinte, er wolle als Deutscher nicht von einer Araberin in Deutsch unterrichtet werden.

  32. pb Juli 31, 2010 um 9:52 vormittags

    Falls es interessiert: dein Artikel wird auch im Forum des FC St.Pauli diskutiert

    http://www.stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=49443&postdays=0&postorder=asc&start=315#1

  33. mondoprinte Juli 31, 2010 um 12:07 nachmittags

    Zu all dem noch ein passendes/schreckliches Zitat aus der heutigen SZ von Johannes Boie:

    “Dieses parallele Rechtssystem, das sich in Teilen Neuköllns und im Wedding ausgebreitet hat, findet in vielen deutschen Städten Anwendung. Überall dort, wo Muslime in der Mehrheit sind und Integration misslingt. Die Exekutive bilden junge Männer, die im Wortsinne schlagkräftig sind. Legislative und Judikative sind vereint in der Person des Friedensrichters. Seine Legitimation sind die Angst derer, über die er richtet und seine Verbindungen. Friedensrichter sind in Deutschland entweder die Chefs großer arabischer Familienclans oder Imame.”

    Habe ich aus dem Perlentaucher rüberkopiert…

  34. momorulez Juli 31, 2010 um 12:10 nachmittags

    In Die Welt findet sich heute auch eine “Eurabien”-Warnung. Diese Hetzer sind furchtbar.

  35. Katzenblogger Juli 31, 2010 um 1:28 nachmittags

    Das war ja mal wieder so eine richtige Heul-Boie! Arabische Friedensrichter (und nicht etwa das arabische Clanoberhaupt) seien die Legislative, und im Wortsinne schlagkräftige junge Männer (gemeint: junge Türken, junge Bosnier, junge Russen, Albaner, Libanesen usw. usf.) würden nach deren Ratschluss die Exekutive bilden, indem sie “in deutschen Städten” mächtig austeilen.

    Ach, Johannes! Wärest du wesentlich klarer im Kopf und vor allem weniger aufgehetzt, und könntest du vernünftig abwägen, dann würdest du irgendwann einmal ein richtig guter Journalist werden. So reicht das nicht einmal für Stückchen Broder…

  36. che2001 Juli 31, 2010 um 3:09 nachmittags

    “Dieses parallele Rechtssystem findet in Deutschland flächendeckend Anwendung. Überall dort, wo Deutsche in der Mehrheit sind und die Aufenthaltstitel der Nichtdeutschen unsicher, befristet oder unklar. Die Exekutive bilden schwarz- oder grünuniformierte junge Männer, die im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftig und schießerprobt sind. Die Judikative bildet eine Kamarilla aus Schnellrichtern, Kreisdirektoren und Ausländerbeördenleitern, die mit Zustimmung der Innenminister willkürliche Deportationen anordnet.

  37. momorulez Juli 31, 2010 um 5:14 nachmittags

    @pb:

    Danke für den Hinweis!, habe ich auch gerade gesehen und auch schon kommentiert. Du warst leider in meinen Spam-Ordner gerutscht, sorry, dass, Du erst so spät frei geschaltet wurdest!

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