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Gerhard Klooß war vom Führer mit der “Euthanasie” “asozialer tuberkulöser Jugendlicher und Kinder” beauftragt worden. Für ein Gefälligkeitsgutachten, mit dem er einen Verwandten des niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf für schuldunfähig in einer Strafsache erklärte wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg vom niedersächsischen Sozialminister Pastor Heinrich Albertz zum Sachverständigen für Wiedergutmachungsangelegenheiten ernannt.
Bei mir ist es jetzt genau 0:00. Die Stunde Null fängt gerade an
Sicher Steffen, das war deine Stunde Null. Von nun an wird es besser…
Hätte nicht gedacht, dass der Kommentar hier veröffentlicht wird. Also Hut ab…
Es ist ja ok wenn sich die aktuelle “Generation” Gedanken macht, jedoch der Slogan stammt aus drei und zwei Generationen vorher und wurde von der der zweiten Generation mit einem guten Image belegt. Hätte vielleicht auch ein anderer Slogan sein können, aber irgendwann ist ja mal gut.
Die Personen aus dem Artikel sind wohl auch nicht mehr im Amt, hoffe ich!
Nee, ist nich’ gut, weil ja nun genau um den Zeitraum so allerlei “Neuanfänge” behauptet wurden, die keine waren – und die Neugeburt Deutschlands aus dem Geiste des Karikativen zu einem Zeitpunkt, da schwule KZ-Opfer nicht entschädigt wurden und im Zuge des “Blockgegensatzes” ja nun auch nicht nur Witziges sich vollzog, das ist mir einfach zu simpel.
Bei allem Respekt vor der Fernsehlotterie trägt die hier ungewollt zur Mythenbildung bei.
Man raubt durch diese “Umdeutung” des Slogans ganzen Bevölkerungsteilen ihre Geschichte, den Nachfahren der Kolonisierten. Wenn ich mir vorstelle, dass nunmehr ein Claim, der dazu benutzt wurde, Schwule einzuknasten z.B. rund um die Eulenburg-Story, kann man ja googlen, was das war, damals hat auch die Linke eine unrühmliche Rolle gespielt, um “Brot für die Welt”-analoge Aktionen durchzuführen, ich würde ausrasten. Und jeder, der mir dann erzählte “Komm, Deine alberne Vorgeschichte interessiert doch kein Schwein, wichtig ist, was Heterosexuelle da später draus machten”, würde entsprechende Reaktionen bekommen.
Gerade die Generation, die ’48 den Neustart wagte, war halt höchst ambivalent. Nicht die Fernsehhlotterie als solche, klar – aber noch in den 50er Jahren wurden “Rassenschande”-Kinder eines schwarzen, eines weißen Elternteils Müttern weg genommen und in Heime gesteckt. Dann die große Unschuld jener Ära zu beschwören, das verklärt nur. Und Kolonialismus anderer Staaten war damals noch brandaktuell – was alleine rund um den “Algerienkrieg” passierte, kann ja auch jeder googlen.
Bei dem Thema lasse ich nicht locker.
Steffen, das hat auch jede Menge mit der Selbstinszenierung unserer Eliten zu tun. Es ist ja nicht so, dass allein “die bösen Linken” auf die Vergangenheit verweisen – beileibe nicht! Zumal gibt es in den “besseren Kreisen” (das sind – jedenfalls in Hamburg – die mit Besitz und einer gar nicht selten schmutzigen Vergangenheit) zunehmende Tendenzen, die eigene Familiengeschichte zu verklären, in Verbindung mit erstaunlichen Überlegenheitsfantasien, bei sich selbst und hinsichtlich des eigenen Nachwuchses.
Steffen, ich kenne nicht deine Familengeschichte, und ich weiß auch nicht, was sie dir bedeutet. Bei mir ist es so: Neben vielen normalen und völlig harmlosen Durchschnittsbürgern gab es in beiden Zweigen meiner Familie Widerständler, die in der NS-Zeit ins KZ kamen bzw. in Gestapo-Haft. Und, vielleicht kannst du es nachfühlen, es stinkt mich geradezu an (zumal ich – außer hier als Ausnahme – meine Familiengeschichte nicht nach außen trage), wenn ich mitunter die “feinen Herren und Damen” unserer Stadt dabei beobachte, wie sie sich und ihre Vorfahren inszenieren, während sie sich zugleich, z.B. via Baumafia/CDU/Beust, die Taschen voll machen auf Kosten der Übrigen.
Steffen, ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst, aber die allgemeine Reinwaschung über die “Stunde Null” finde ich einfach nicht gut – und auch nicht der Geschichte gegenüber angemessen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Momorulez in Bezug auf einen bestimmten Sponsor ganz ähnliche Gefühle/Vorstellungen/Fragen hat.
Steffen, ist das jetzt etwas besser für dich verständlich?
hm, habe den Gegentest gewagt: warum ich es o.k. fände, zu sagen, “wir ziehen einen Schlußstrich”, oder “es sollte irgendwann einmal ein Schlußstrich gezogen werden”.
So kam ich aber auf den Gedanken, dass 1945 ein “Schlußstrich” zwar gezogen wurde und und dies recht deutlich, der den Deutschen aber aufgezwungen werden musste.
Schlußstrich im Sinne von “wir haben uns jetzt genug damit beschäftigt, womit jetzt Schluss ist” hätte ich den beteiligten aber Deutschen nicht erlaubt.
Und nachfolgende Generationen? Die könnten vielleicht sagen, wir ziehen jetzt den Schlußstrich unter die Folgegeschichte des “dr. Reichs”. Aha? Es ging also zweimal zuende? Da wäre man ja wieder beteiligt, und sollte sich nicht anmaßen so etwas tun zu können.
hm-hm, man guckt doch entweder nach vorn oder nach hinten, nicht? Zurückblickend sieht man das Datum 1945, die Zeit davor und die Zeit danach. Tha´s all. Wie soll man da einen Schlußstrich ziehen, das ist doch vollkommen widersinnig. Es eine Interpretation, und die wird ebenfalls geschichtlich, wird also interpretiert, anders gesehen, und schon ist man wieder in die Ganze Sache verwickelt. Oder: Wir ziehen jetzt einen Schlußstrich unter den Schlußstrich unter den Schlußstrich …?
Einen solchen jetzt ziehen wollen, kann doch nur heißen, nicht zurückschauen wollen bzw. dieses anderen für die Zukunft verbieten oder etwas verdecken zu wollen und andere unter vorgeschobenen Gründen in Zukunft verbieten zu wollen, bestimmtes aufzudecken.
Irgendwann is gut mit der Schlußstrichzieherei. Mir ist übrigens aufgefallen, dass, je länger ich von etwas weiß, etwa die Sache mit dem Platz an der Sonne, ich umso mehr die Sache kritisch betrachte und mein politisches Bewusstsein davon beeinflusst wird. Ich bin zwar keiner, dem viel am FC St. Pauli liegt, aber ich finde diese Geschichte echt peinlich.