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Da wäre Ballin, erst Bismarcks und dann Tirpitz´s Lieblingsreeder viel interessanter, so imperialismustechnisch. Laseisz ließ vor allem Segellschiffe fahren, die “Hamburger Veermaster”, die alle mit P anfingen: Pudel, Padua, Parma, Potosi, Preußen, Pamir und Passat. Die holten erst Salpeter aus Chile (für die Pulver- und Dynamitindustrie), dann, als man den synthetisch herstellen konnte Guano vom Kap als Dünger, dann wieder Chilesalpeter zur Kunstdüngerherstellung. Tja, Samoa und Tansania sind natürlich interessant, aber ich vermute, die Hauptschweinereien sind bei anderen Kollegen zu sichen.
Ich meine schon gehört zu haben, dass rund um die Salpeterminen mehr geschah, die sind ja ein Riesenthema, müsste ich selbst aber noch mal zusammen sammeln – somit Vorbehalt und Hörsensagen, ganz explizit. Und dass Hamburg eben durch Hafen und Reedereien strukturell kräftig vom Kolonialismus profitierte, ist in dieser Stadt als Thema einfach nicht präsent. Nach Ballin sind hier auch Straßen benannt.
Nach der letzten Diskussion unter St. Paulianern bin ich bar erstaunt, mit welch massiver Abwehr die “Stunde Null” verteidigt wird – und seitdem sind allesamt nur karitativ tätig und mit dem Mäzenatentum identifiziert, nur die Nazis nicht. Wenn’s um Gentrifizierung geht – alle mit dabei. Historische ökonomische Strukturen hingegen sind irgendwie vor lauter punktuellem Aktionismus im je eigenen Interesse – “Ich bin so gut, weil ich einen Antirassismussticker trage” – irgendwie abhanden gekommen.
Von daher Danke für die Ergänzungen!, über “mehr davon” freue ich mich.
ich zitiere aus dem Buch: “Kein Grund zum Feiern” von Frank Kürschner, Breklumer Hefte, 1991:
“Schimmelmann war nicht irgendein Sklavenhändler, sondern besaß mehr Sklaven als irgendein anderer dänischer Plantagenbesitzer und gehörte auch international zu den bedeutendsten Nutznießer der Versklavung von Menschen.” “… er stand in Hamburg aber nicht allein. Je stärker die Kritik an dieser mörderischen Sklavenausbeutung wurde, desto diskreter gingen die Beteiligten im 19. Jahrhundert damit um.” Verdienen und Schweigen.
Kürschner führt aus, dass “das Interesse der Seeleute an diesem Sklavenhandel wohl ziemlich schnell” erlahmte (wegen der miserablen Bedingungen, trotz hoher Bezahlung), und fährt fort:
“Jedenfalls sah die dänische Regierung sich 1782 veranlasst, in den sonntäglichen Ankündigungen in den Kirchen auch für der Sklavenfahrt zu werben. Eine solche Kanzelankündigung aus Föhr ist überliefert, in der den Schiffskapitänen ein Prämie für jeden in der Karibik angelieferten Sklaven zugesagt wird.”
Zur Elbchaussee (die Heimat im Herzen und die Reichtümer der Welt in der Brieftasche) fasst er zusammen:
“Es ist nicht möglich, alle amerikanischen Quellen von Reichtum aufzuzählen, die den Besitzern von Villen an der Elbchaussee zu Gebote standen und stehen. Viele der lukrativen Geschäfte rechts und links der Elbchaussee mit Mittel- und Südamerika sowie der Karibik beruhten auf Sklavenarbeit, Hungerlöhnen und wirtschaftlicher Ausbeutung. (…) die Verarmung groß0er Teile Lateinamerikas und der wachsende Reichtum ans er der Elbchaussee fallen nicht zufällig in die gleiche Zeit”.
Zu Ohlendorff, der neben Laeisz ebenfalls mit Salpeter reich wurde, in diesem gewidmeten Kapitel: “Der nach im benannte Park in Volksdorf ebenso wie die Musikhalle in Hamburg sind mit Geschäften verbunden, die Hamburg reich und Südamerika arm gemacht haben.” Auch sei nicht zu übersehen, dass Banken in Hamburg an der weiteren Verarmung Mittel- und Südamerikas beteiligt gewesen seien.
Was er übrigens über die Rolle hamburger Banken beim Überseegeschäft sagt, erinnert in Teilen sehr stark an die gegenwärtige Finanzkrise. – Hohe Zinsen, das Geld wandert ins Ausland, Verarmung auch der Mittelschicht.
Nachtrag:
Weit von meinem Vaterlande
Muß ich hier verschmachten und vergehn,
Ohne Trost in Müh ind Schande
Ohhh die weißen Männer! klug und schön!
Und ich hab den Männern ohn Erbarm
Nichts getan.
Dum im Himmel! hilf dem armen
Schwarzen Mann!
Das war damals, so Kürschner, ein heftiger Protest von Matthias Claudius an Schimmelmans Rolle in der Karibik, obwohl er für heutige Ohren recht schauerlich klingt. Wie bekommt man heute das wieder auseinander?
Ah, Danke!!!
Ach, und wie man das heute auseinander bekommt? Du meinst, welche Lehren daraus zu ziehen seien? Weiß ich auch nicht. Für mich ist schon maßgeblich, diese Strukturen einfach immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, gerade in einer “Stadt der Kaufleute”. Gerade, wo das Mäzenatentum so gefeiert wird und keiner fragt, wo die Kohle her kommt. Danke insofern noch mal”; mehr als Aufklärung geht da ja gar nicht.
Und sich zudem klar zu machen, dass nicht nur südamerikanischen Salpeterminen ausgebeutet wurde, sondern auch in Bochum.
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