Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Michael Pommerening, der bundesdeutsche Stolz auf’s koloniale Erbe und: “Wenn ich mir das alles zu Gemüte führe ist doch das bischen Kolonialismus gar nicht so bedrückend”

“Der Rechtsanwalt und Wandsbeker Heimatkundler Michael Pommerening ist am 17.6.2010 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) geehrt worden (s.Verdienstorden für Michael Pommerening auf hamburg.de). Aus seiner Feder stammte die von Vielen als Geschichtsklitterung kritisierte Gedenktafel für die ehrende Büste des Sklavenhändlers Schimmelmann am Wandsbek-Markt.
Die hohe Auszeichnung des Bundespräsidenten erhielt der Hobbyhistoriker aus der Hand derjenigen, die 2006 die Schimmelmann-Büste befürwortet und aufgestellt hatten: Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck und der ehemalige Bezirksamtsleiter und Staatsrat a.D. Gerhard Fuchs.” (via Der schwarze Blog/ Der braune Mob bei Twitter)
Und was sagt jemand im St. Pauli-Forum dazu:
“Unsere Fans brauchen Raum – Fanräume!
Millerntorstadion – das Millerntor soll doch damals die Juden ausgesperrt haben (oder so).
Sankt Pauli – Heiliger einer globalisierten, sexistischen und homophoben Kirche mit absolutistischem Herrscher
Braun – farbe der Rechten
Weiß – assoziierungen mit Menschenrasse, reinheit, Sittsamkeit, Gegensatz zu schwarz
1.-8.Herren – Frauen dürfen nicht mitmachen
Jolly Rogers – Zeichen der SS
Kapitän – Bezeichnung mit militärischem Hintergrund
Wenn ich mir das alles zu Gemüte führe ist doch das bischen Kolonialismus gar nicht so bedrückend”
Witzig! Na ja, wer den Platz an der Sonne nicht aufgeben will …

PS: Einen Namen habe ich aufgrund der Bitte eines Genannten entfernt.
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9 Antworten zu “Michael Pommerening, der bundesdeutsche Stolz auf’s koloniale Erbe und: “Wenn ich mir das alles zu Gemüte führe ist doch das bischen Kolonialismus gar nicht so bedrückend”

  1. Pingback: Tweets that mention Michael Pommerening, der bundesdeutsche Stolz auf’s koloniale Erbe und Azlan: „Wenn ich mir das alles zu Gemüte führe ist doch das bischen Kolonialismus gar nicht so bedrückend“ « Metalust & Subdiskurse Reloaded -- Topsy.

  2. jekylla Juni 30, 2010 um 10:40 vormittags

    Schade, dass Sie den Rest des Kommentars … vergessen haben, denn inhaltlich ist dieser Teil

    “Ich denke nicht, dass man Ursprüngliche Bezeichnungen extra verinnerlichen muss, wenn sie im Laufe der Jahrzehnte so sehr zwecksentfremdet wurden, dass keiner damit angegriffen wird. “Der Platz an der Sonne” wird heutzutage in vieler Hinsicht benutzt ohne dass auch nur der Geringste Zusammenhang zur Kolonialpolitik zwei Jahrhunderte früher gesetzt wird. Natürlich darf man nie vergessen, was für Verbrechen unser Land/Volk etc hinter sich gebracht hat, es jedoch an solchen kleinigkeiten festzumachen halte ich nicht nur für abstrakt sondern extrem Kontraproduktiv.

    Kontraproduktiv deshalb, weil ich z.B. nach dem vierten Mal Zurechtweisung die augen verdrehen würde und im Gegenteil aus Trotz politisch unkorreckte Witze machen würde. Und nicht nur mir scheint es so zu gehen. Erst recht nicht in der Kurve. Und schon jetzt werden gute Anmerkungen oder Argumente schnell abgewunken und mit “schon wieder diese Spießer” ignoriert.”

    nicht so arg weit von mir entfernt, obwohl Azlan es etwas anders formuliert.

  3. momorulez Juni 30, 2010 um 10:55 vormittags

    Ich habe das nicht vergessen, ich habe es verlinkt. Kann ja jeder anklicken, wenn er es ganz lesen möchte.

    Und die von ihm skizzierten Reaktionen wie auch der Terminus “Zurechtweisung” sind ja nun Symptom, das hatte ich schon im anderen Thread hier im Blog kommentiert. Und der Zusammenhang besteht historisch auch dann, wenn Azlan ihn leugnet.

    Bemerkenswerterweise sind Sie wieder mehr mit sich als mit dem Schimmelmann-Denkmal beschäftigt. Wie kommt’s?

  4. jekylla Juni 30, 2010 um 10:58 vormittags

    *LOL* Satz eins war mir ziemlich klar. Diese Methode ist mir auch geläufig.

    Wie es kommt? Manchmal beschäftige ich mich gern mit mir selbst. Das ist im Vergleich zum Schimmelmann-Denkmal so herrlich einfach :-P
    Bemerkenswert finde ich das nun aber nicht.

    Wissen Sie, der XXX-Teil lag auf der Hand, für den Rest muss ich -wie so oft bei Ihnen- immer erstmal in die Abgründe des Webs um recherchieren.

  5. momorulez Juni 30, 2010 um 11:10 vormittags

    @Jeky:

    Na ja, das Leben ist halt so einfach manchmal nicht, so muss man halt manchmal die Tiefen des Netzes erkunden, um zu kontextualisieren ;-)

    Bemerkenswert daran ist, dass “typisch deutsch” wohl ist, so damit beschäftigt zu sein, gar nicht erhobene “Nazi-”, “Rassismus-” etc.-Vorwürfe zurück zu weisen, dass man völlig vergisst, worum es bei solchen Fragen eigentlich geht.

    Es gibt ja mittlerweile so was wie einen identitären Antirassismus, Antisexismus und Anti-Homophobiekampf, der sich fast schon dadurch belästigt fühlt, dass es Schwarze, Frauen und Schwule in der Realhistorie überhaupt gab, weil ja seine eigene Güte dem gegenüber prioritär ist und die Beschäftigung mit sich selbst viel wichtiger.

    Und wenn dann eben jene Gruppen auch noch auf eine eigene Geschichtsschreibung pochen und sich gar selbst zu Worte melden, hallelujah, dann schwenken dieseb Gruppen Keulen, erpressen, weisen zu recht, mutmaßen Fieses usw. – da kann man dann freilich nur mit dem “Spießer”-Vorwurf kontern.

    Ich meinte jetzt gar nicht primär Sie, Jeky. Ich musste das einfach los werden.

  6. Nörgler Juni 30, 2010 um 11:15 vormittags

    Wir hatten den Fall, als die Naziparole “Du bist Deutschland!” in Gestalt ihrer freiheitlichen Verwendung dem alten Zusammenhang mit mutigem Griff entrissen wurde.
    Natürlich gab es auch da Meckerköppe, die die alten Geschichten immer wieder aufwärmten, weil sie den sprachemanzipatorischen Charakter der Neuverwendung nicht erkannten.
    Raus aus dem Nazisumpf mit den Begriffen! Das hilft der Sprache und den Menschen.

    Noch sind nur erste Schritte getan. Zahlreiche schöne Wörter und Formulierungen ächzen noch unter dem Joch ihrer nationalsozialistischen Fehlverwendung. Hier nur zwei Beispiele:

    – Blitzkrieg: Krieg gegen Blitze; wird geführt von den Herstellern von Blitzableitern
    – Gaskammer: lustige Bezeichnung für Toilette.

  7. momorulez Juni 30, 2010 um 11:25 vormittags

    Ich habe mir Verweise auf “Jedem das Seine” wie auch “Du bist Deutschland” bisher verkniffen, die ja äußerst berechtigt sind, um nicht Kolonialismus und Nazismus zu vermengen.

    Weil sonst immer die einen um die Ecke kommen und mit den Hereros die Shoah relativieren wollen und die anderen, dass man die paar Hereros (wie viele waren es noch? 80.000? Irre ich?) nun schlecht mit 6 Millionen Juden gleich setzen könne – was ja beides Humbug ist.

    Und dann schaut noch jemand von liberal vorbei, verweist mich darauf, dass hier schließlich auch immer ein “Che” kommentieren würde und angesichts der Opfer des Weltkommunismus das bißchen Holocaust doch eine Marginalie sei.

    Ein Herr von Bühlow war kein Himmler und trotzdem ein Riesen-Arschloch, der unter anderem die “Verjudung” von Musik (klassischer) und Publizistik beklagte, wenn ich mich gestern nicht verlesen habe.

    Ich würde mal dafür plädieren, den Kolonialismus in sich und auch als Vorgeschichte des “3. Reiches” wie auch des 1. Weltkrieges zu behandeln und zudem als eine Strategie, Sozialdemokraten und Kommunisten in einer Monarchie, in der 3-Klassenwahlrecht galt und Frauenwahlrecht meines Wissens nicht, zu bekämpfen, indem man “nationale Größe” beschwor. Von August Bebel gibt es meines Wissens flammende Reden gegen den Kolonialismus, zum Beispiel.

  8. jekylla Juni 30, 2010 um 12:17 nachmittags

    Ich meine ja auch nicht immer primär Sie, wenn ich was loswerden muß, außerdem können Sie hier ohnehin machen, was Sie wollen. Das ist ja das Schöne am Bloggen.#

    Fragt sich, wie das kommt, dass man sich sofort in Verteidigungsposition gedrängt fühlt und sich statt inhaltlich eben mit der Verteidigung beschäftigt. Ob das nun wieder damit zusammenhängt, dass man -insbesondere dieser Tage- ständig auf irgendwelche Vorwürfe stößt, lasse ich mal dahingestellt.

    Habe mich mittlerweile durch diverse Links geklickt, um mich zu informieren. Danke.

  9. momorulez Juni 30, 2010 um 12:25 nachmittags

    “Fragt sich, wie das kommt, dass man sich sofort in Verteidigungsposition gedrängt fühlt und sich statt inhaltlich eben mit der Verteidigung beschäftigt.”

    Ja, das frage ich mich tatsächlich auch.

    Weil ich umgekehrt auch die Erfahrung gemacht habe, dass man manchmal sehr scharf schießen muss, damit ein Thema lanciert, ein Gedanke gehört wird, man überhaupt durch dringt – das hier ist ja aktuell wieder so ein Fall.

    Über Ihre jetztige Resonanz freue ich mich aber ebenso so wie über die Reaktion von maks im Forum. Der hat gut zusammen gefasst, was ich meinte.

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