Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Souveränität, Disziplin, Sicherheit: Wie man Zwangsmaßnahmen internalisiert

“All dies zusammenfassend können wir sagen, daß, während die Souveränität ein Territorium kapitalisiert und das Hauptproblem des Regierungssitzes aufwirft, während die Disziplin einen Raum architektonisch gestaltet und sich das wesentliche Problem einer hierarchischen und funktionellen Aufteilung der Elemente stellt, wird die Sicherheit versuchen, ein Milieu im Zusammenhang mit Ereignissen oder Serien von Ereignissen oder möglichen Elementen zu gestalten, Serien, die in einem multivalenten und transformierbaren Rahmen reguliert werden müssen.”

Michel Foucault, Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, Frankfurt/M. 2006, S. 39-40

Vielleicht zunächst mal Glückwunsch an eine Adresse, bei der mir das in diesem Leben nicht wieder passieren wird: Dass die Rostocker Suptras es tatsächlich geschafft haben, mit einer hübschen Fotomontage einen derartigen Aufruhr bei der Besatzungsmacht auszulösen, das ist schon gelungen. Weiträumige Sicherheitszonen, 800 Polizisten, die auf dem Dom abgestellt fast flehend guckten, man möge ihnen wenigstens Zuckerwatte an die Uniform schmieren, damit sie ein wenig Wut darüber ablassen können, Sonntags St. Pauli-Fans wie Unterworfene anstieren zu müssen – das ist schon dolle. So macht man solche freilich mächtig – also die Suptras, nicht die Polizisten. An der Ostsee muss es Massenwixen gegeben haben, und es sei gegönnt.

Dass nun leicht stotternd auf N3 dieser schnieke Polizeisprecher den Sachverhalt, dass es friedlich blieb, auf eben diese völlig überblähten Gegenmaßnahmen zurück führte, das ist schon unverfroren. Wer Friedhofsruhe durchsetzt, der wird natürlich weniger Konflikte erleben. Würde man flächendeckend Geschlechtertrennung durchsetzen, dann gäbe es jenseits halbjährlich durchzuführender Deckrituale auch keine Gewalt in der Ehe mehr.

Herrlich am obigen Foucault-Zitat ist ja nicht nur die These der Durchsetzung der Disziplinen mittels funktionaler, hierarchischer, architektonischer Ordnung – darum geht es schließlich bei dem Wunsch, Stehplätze in Stadien am liebsten gleich abzuschaffen, und die Verlogung (von Loge) entspricht dem Bedürfnis, die Souveränität zu erzeugen, indem der Regierungssitz der ökonomisch Herrschenden deutlich wird ganz wie im Falle der Balkone der Monarchen -, nicht minder zutreffend ist auch die Produktionstheorie des Milieus zu Zwecken der Sicherheit. Diese völlig übersteigerte Produktion eines kriminellen Milieus im Falle von Pyros in Stadien (ja, auch ich finde die Verletzungen schrecklich, das war aber ein Unfall, keine intendierte Gewaltausübung) ist da geradezu ein Klassiker; bei Drogen wurde das schon immer so gehandhabt: Durch Rechtsetzung erzeuge man erst die delinquenten Milieus, die es sonst gar nicht gäbe. Klar gäbe es Drogen und deren Konsum, aber Delinquenz nicht, und schon gar nicht komplexe, kriminalisierte Subkulturen, die sich um das Verbot gruppieren.

Ganz gruselig wird es, wenn diese Machtmechanismen und Zwangsmaßnahmen internalisiert werden oder der Widerstand die Mittelwahl der Herrschenden kopiert. Haben wir heute beides gehabt: Jene, die die Zugänge zur Südkurve blockierten, reproduzierten die Mittel der Polizei und erzeugen sogar Milieus im Sinne der Sicherheit im obigen Zitat. “Eventlutscher”, die, die nicht die ganze Zeit einschläfernd singen und so das Motto “Leistung muss sich wieder lohnen!” konterkarrieren, weil eben die ja nun wirklich beeindruckenden Choreo-Leistungen zu Privilegien führen sollen. Das ist schon beeindruckend, wie in immer neuen Verlautbarungen das “Andere” der Ultras konstituiert wird. Medium und Form, System und Umwelt.

Nicht minder gruselig freilich die Antworten auf den “Wir bestimmen, wer wann das Stadion betritt”-Unfug: Wenn ich jetzt im Forum die ganze Palette möglicher, rechtlicher Antworten darauf von Anzeigen wegen Nötigung, Körperverletzung, Stadionverbot lese, dann ist es Leuten wie dem Polizeisprecher tatsächlich gelungen, dass die Zwangsmaßnahmen auch noch als richtig internalisiert werden. Identifikation mit dem Aggressor, sozusagen – auch das Kind hält es besser aus, wenn Stubenarrest und Arsch versohlen als korrekt rationalisiert werden. Oder das “Warum ich?” des Gewaltopfers  die Antwort nach sich zieht, es habe sich falsch verhalten, weil das die Möglichkeit von Freiheit suggeriert.

Insofern fand ich die “Ihr seid doof!”-Rufe und die Pfiffe gegen die Süd-Aktion u.a. bei uns auf der Nord tatsächlich erschütternd, wenn sie denn der Aktion als solcher galten und nicht der Blockade der Zugänge zur Süd, dann hätten sie ja recht gehabt. Wenn Disziplinierte ihre eigene Disziplinierung fordern, indem sie dem Aussperren der Rostocker zustimmen, weil sie dem Sicherheitsparadigma und der Verlautbarung polizeilich konstituierter Milieus folgen, mittels derer sie anschließend wutschnaubend in Selbstgerechtigkeit sich ihrer eigenen “Anständigkeit” und “Sittsamkeit” vergewissern,  dann ist tatsächlich ein kleiner Schritt in Richtung Totalitarismus unternommen.

Nee, wenn sich das nun auch beim FC St. Pauli durchsetzt, dann werden bald wieder Biedermänner Brandstifter – und dass nun ausgerechnet jene, die sich zu recht für Fanrechte gerade im Fall des Hassgegners stark machten, dazu durch ihr Blockieren noch beitrugen, macht hoffnungslos und traurig.

Insofern freuen wir uns doch einfach mal wieder über die Mannschaft; dieses ekligen “Alle auf einen”, den Ballführer, der Rostocker hat ja zunächst in Halbzeit 1 gut funktioniert. War aber klar, dass die das niemals 90 Minuten durchhalten. Und auch wenn J. neben mir Naki als “überheblichen Nichtsnutz” bezeichnete, was er später in einen “unerheblichen Taugenichts” umwandelte, auch wenn das nur wegen den Sprachwitzes erwähnenswert ist: Ich fand das schon recht klasse heute. Auch Naki.

Völlig unverständlich, warum das Spiel zum “Sicherheitsspiel” deklariert wurde, mit Bier hätte das noch viel mehr Spaß gemacht. Dass Typen wie dieser Retov offenkundig ihren Job verfehlt haben, Kopfstöße kann nur Zidane mit Würde und Klasse durchführen, sei ergänzend erwähnt, insofern war die Rote für Boll selbstverständlich eine Frechheit.

Was meine Freude über den Sieg trotz alledem nicht trüben kann – hoffen wir mal, dass das “Nie mehr Hansa Rostock!” tatsächlich in Erfüllung geht und wir die nächsten Jahre lieber in verschiedenen Spielklassen spielen. Und dass Augsburg die heute begonnene Serie fort setzt …

PS. Nach der Stellungnahme von USP ist das “faschistoid” raus redigiert; ich entschuldige mich hiermit dafür.

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128 Antworten auf Souveränität, Disziplin, Sicherheit: Wie man Zwangsmaßnahmen internalisiert

  1. momorulez März 29, 2010 um 9:06 vormittags

    Oh, Dankeschön!

    Für die “Außenstehenden” kurz ein Einblick in die Innenbereiche unserer Süd, als die Eingänge blockiert wurden (USP = Ultra St. Pauli):

    Und es sei noch einmal betont, dem gilt wohl auch Dein Bravo, dass die skizzierten Mechanismen als Generelle von Interesse sind, dieses Foucault-Zitat fiel mir gestern wie ein Geschenk in die Hände. Und was wie üblich meinen Fussballverein auszeichnet, ist, dass heftigst diskutiert wird, was anderswo einfach so passiert auf frisch geharkten Wegen zwischen Schrebergärten.

  2. momorulez März 29, 2010 um 9:16 vormittags

    Gibt allerdings auch Formen der Diskussion, die die These von der Internalisierung der Zwangsmaßnahmen noch mal toppen – Auftakt eines Postings in unserem Forum, das sich erst mal liest wie Zettel oder so:

    “Fan kommt von Fanatiker, und Fanatiker sind der Tod der Vernunft, der Menschlichkeit und all dessen, was unsere Zivilisation ausmacht.
    Wer der Auffassung ist, dass der Zweck die Mittel heiligt, dass an seinem Wesen die Welt genesen soll, dass wer nicht mit ihm ist nur automatisch gegen ihn sein kann, der hat wahrlich nichts von dem verstanden, was den magischen FC ausmacht.”

    Und dann überschlägt sich die Vernunft hin zur Dialektik der Aufklärung:

    “Die USP sind wie ein eiterndes Krebsgeschwür. Es bleibt zu hoffen, daß der Verein dieses ganz, ganz schnell operativ und dauerhaft entfernt und den wahren Fussballfans ihre Kurve zurückgibt.”

    Das finde ich immer noch am Allergruseligsten, wie schnell diese Rhetorik der sich als gemäßigte Mitte gebenden in übelste Fascho-Biologismus-Metaphorik umschlägt. Welche Bücher man dafür lesen muss, auf dem Weg dort hin, hat ja Steffen H. neulich uns dann auch mal erläutert … grausam.

    PS: Und noch eins drauf vom Forums-User “Fischstäbchen”:

    Ich empfinde den USP als abnorme Wucherung, die den gesunden Geist und Körper des FCSP befallen hat und langsam tötet.

    Das hätte nun ohne jegliche Polemik tatsächlich wörtlich in “Mein Kampf” über Juden als Wucherung im Volkskörper stehen können – da merkt man mal wieder, wie die “Neue Mitte” tickt, wenn sie wütend wird. Schlimm. Hoffentlich redigiert das da wer.

  3. Loellie März 29, 2010 um 9:55 vormittags

    Ja, “…Bravo, dass die skizzierten Mechanismen als Generelle von Interesse sind…” das war gemeint. Ich steh grad noch unter Schock weil ich Artikel auf Welt und Bild überflogen habe.
    Da sollten doch bei Leuten, der sich ausserhalb des Maistreams wähnen, sämtliche Alarmglocken losgehen. Stattdessen scheint man ja noch drauf zu legen.

    Da frag ich mich so langsam wirklich, weshalb ich hier die ganze Zeit, um der unbedingt interesannten Diskussion willen, meine grundsätzliche Position zum Thema Fussball schlucke, angesichts der Willigkeit, mit der hier Wasser auf meine Mühlen geschippt wird.
    Fussball als Manifestation der Normalisierung zur Konditionierung der Mitte auf totalitäre Machtstrukturen, oder so.

  4. momorulez März 29, 2010 um 10:05 vormittags

    Jein, weil da Gegenprinzipien sozusagen automatisch mit laufen – weil die Spieler zum Teil supersexy sind, die “Unterschicht” sich einfach nicht kontrollieren lässt und eine Emotionalität im Spiel ist, die sowohl in Liebe als auch in Hass umschlagen kann. Und die ursprüngliche St.Pauli-Intention Mitte der 80er, zum Höhepunkt rechter Hool-Bewegungen, war ja, von Deiner Diagnose ausgehend sozusagen auf dem Fussballfeld selbst die Gegenbewegung zu starten, und das hat wirklich viel bewirkt über die Fanzines, die Antirassismus-Initiativen usw.

    Aber genau deshalb ist ja dieses “Modell England” – nicht rauchen, nicht trinken, nur sitzen, scheißteure Karten – so gemeingefährlich, dann nämlich funzt, was Du schreibst.

    Wobei automatisch nationalismusanaloge und patriarchale Strukturen sich reproduzieren, das stimmt schon. Und genau deshalb war der Protest gegen das Aussperren der Rostocker an sich so cool und großartig, weil durch das “Gleiche Rechte für alle gleichermaßen” diese Nationalismusanalogie aufgehoben wurde. Um so schlimmer, dass nun das Verlinkte draus wurde …

  5. che2001 März 29, 2010 um 10:06 vormittags

    Q.E.D. Wirklich schlimm, was da abgeht und wie niedrig inzwischen die Hemmschwelle ist.

  6. che2001 März 29, 2010 um 10:41 vormittags

    @”Das hätte nun ohne jegliche Polemik tatsächlich wörtlich in “Mein Kampf” über Juden als Wucherung im Volkskörper stehen können” —- Jaaa, aber schon in den 1870ern schrieb Ernst Haeckel, einer der Begründer sowohl der Ökologie als auch des Sozialdarwinismus etwas von “Licht und Bodenraum”, die im “Volkskörper” durch die Hinrichtung “geborener Verbrecher” gewonnen würden. Der Hitler fusste ja nur aus dem, was zu seiner Zeit normaler deutscher Spießergeist war. Da haben Seymour Martin Lipset mit Faschismus als Extremismus der Mitte und Hannah Arendt mit der Banalität des Bösen ganz recht. Das alles ist ganz tief drin im bürgerlichen Denken.

  7. momorulez März 29, 2010 um 11:11 vormittags

    Die ganze Gobineau-, Lamarck-, Chamberlain-(Schwiergersohn von Richard Wagner)-Schiene hat auch so “argumentiert”, und dieser ganze Quatsch von “Kapitalismuskritik als struktureller Antisemitismus” will ja meines Erachtens davon ablenken, dass genau DASS der strukturelle Antisemitismus IST, der eben auch in Attacken gegen “Sozialschmarotzer” mit drin steckt.

  8. che2001 März 29, 2010 um 11:29 vormittags

    Im Grunde hat Engels im Antidühring ja schon alles Wesentliche dazu gesagt. Der hatte ja auch den Ersten Weltkrieg vorausgesehen und eine ziemlich richtigliegende Zahl der Opfer genannt. Wie wirkungsmächtig die ganze Scheiße ist sehen wir daran, dass wir uns immer noch mit ihr beschäftigen müssen.

  9. momorulez März 29, 2010 um 11:37 vormittags

    Das war ja auch so schwierig nicht vorauszusehen, was jetzt nix gegen Engels sagt. Die “nationalen Verbände im Kaiserreich”, Alldeutscher Verband, Ostmarkenverband oder -verein, weiß ich jetzt gar nicht mehr und halt der Flottenenverband, das war nicht zufällig der mitgliederstärkste, der Aufrüstung bejubelte und unterstützte, um mit England “konkurrieren” zu können, die haben da ja ordentlich Propaganda betrieben.

    Und natürlich war der Nationalismus des Kaisserreichs, bei dem notwendig der Antisemitismus gleich mit produziert wurde, immer auch Vehikel der Eliten, den linken Kräften das Wasser abzugraben.

    In selbstverständlich superstark (!!!) abgeschwächter Form versuchen die das vor dem NRW-Wahlkampf ja auch gerade wieder “Türken sollen deutsch lernen!”.

  10. che2001 März 29, 2010 um 11:57 vormittags

    Das setzt sich heute in mannigfacher Form fort. Hardcore-Antideutsche, die israelische Militärschläge bejubeln, haben, wie schon vielfach festgestellt, im Grunde die Flottenvereins-Mentalität, nur unter diametral umgekehrten Vorzeichen und absurderweise ausgerechnet mit Adorno garniert.Pro NRW/Pro Köln, deren Vorläufer ja PI letztendlich gewesen ist vertreten es ganz unmittelbar, nur dass der Antisemitismus gegen Antiarabismus bzw. Antiislamismus ausgetauscht wurde. Der Philosemitismus rechtslibertärer Kreise ist auch nichts Anderes, dort findet man Jude und Israel gut, weil man den Kapitalismus gut findet, die rassistische Gleichsetzung der Juden mit der Zirkulationssphäre ist ungebrochen. Und der moderne Sozialdarwinismus, Dawkins, Eibl-Eibesfeld usw. ist nahtlos damit kompatibel und wird auch wieder von den klassischen Neuen Rechten vertreten. Der Schoß ist superfruchtbar, noch immer….

  11. Loellie März 29, 2010 um 11:59 vormittags

    Ja eben, volle Zustimmung. Mir gings ja darum, dass, wenn ich mich auf diese Diskursebene einliesse, Fussball komplett verbieten würde, anstatt nur Einzelne oder Minderheiten auszuschliessen. Klappe zu, Affe tot. Damit hab ich doch aber nichts gelöst.
    Und dann ausgerechnet aus den Reihen der Gegenbewegung.

    Andererseits, stellt man zivilen Ungehorsam nicht grundsätzlich in Frage, wenn man die Blockadeaktion der Ultras als faschistoid bezeichnet? Aus weiter Ferne find ich das jetzt erstmal garnicht unsympathisch, auch wenn ich bei mir gänzlich unbekannten Gruppen mit Sympathie erstmal geize. Ich mein da jetzt nur die Aktion als solches. Dem Schrebergarten mal aufzeigen wie das ist, ausgegrenzt zu werden, anstatt auszugrenzen.

    Ich finde das alles ja nicht unspannend, hatten wir ja gerade auch bei Westerwelle, das man mir aufgrund meiner Argumentation Solidarität hätte unterstellen können, ausgerechnet mit dem. Mit fällt Nichts und Niemand ein der sich umfassender und nachhaltiger von mir entsolidarisiert hätte als dieser Guido W..

  12. Loellie März 29, 2010 um 12:03 nachmittags

    Ihr seid mal wieder zu schnell ;-) das ging noch an momo 10:05

  13. che2001 März 29, 2010 um 12:03 nachmittags

    Und mit dem Modell des “Ethnopluralismus” haben rassistische Konzeptionen ja sogar Eingang in die Multikulturalismusdebatte gefunden.

  14. che2001 März 29, 2010 um 12:08 nachmittags

    Volle Zustimmung zu Loellie 11.59 ;-)

  15. momorulez März 29, 2010 um 12:13 nachmittags

    @Loellie:

    “Ich mein da jetzt nur die Aktion als solches. Dem Schrebergarten mal aufzeigen wie das ist, ausgegrenzt zu werden, anstatt auszugrenzen.”

    So war es ja leider nicht – so eine Art von “Performance” hätte ja Sinn gemacht. Es wurde einfach gehindert, und da finde ich “faschistoid” nicht falsch, weil auch Gewaltandrohung im Raume stand, so wurde mir berichtet. Erik, der mit der Aktion als solcher ja sogar einverstanden war, also den Block leer lassen, hat sich ja mit denen noch aktiv gestritten, und das geht gar nicht, da Zwangsmaßnahmen gegen Mit-Fans durchzuboxen.

    “”Ziviler Ungehorsam” im Sinne z.B. der Blockade von den Atomwaffenstützpunkten war ja in der Relation Staat – Bürger anzusiedeln, weil ein Demokratiedefizit vermutet wurde, und das ist was ganz anderes meiner Ansicht nach. Oder wenn man sich einem rassistischen Mob entgegen stellt, dann verhindert man ja was wirklich Relevantes, und das kann ich in diesem Fall nun doch nicht so hoch aufhängen-

    Ich finde die Ultras auch nicht unsympathisch, da steckt wahnsinnig viel Potenzial drin. Nur dieses Überhebliche kann schon ganz nerven, und “Eventlutscher” ist ja nun auch nicht ohne, wen nennt man denn sonst “Lutscher”? Das Gruselige ist nur, dass die oft identitär auflösen, was eigentlich eine Diskussion über Regeln ist, und das geht IMMER schief.

    “Ich finde das alles ja nicht unspannend, hatten wir ja gerade auch bei Westerwelle, das man mir aufgrund meiner Argumentation Solidarität hätte unterstellen können, ausgerechnet mit dem. Mit fällt Nichts und Niemand ein der sich umfassender und nachhaltiger von mir entsolidarisiert hätte als dieser Guido W..”

    Ja, das spiegelt sich tatsächlich strukturell wieder, weil manche ja eine Solidarisierung mit den Rostockern als solchen wähnten, was ja Humbug ist. Rechte, die man sich nur wechselseitig zugestehen kann, sind eben keine persönlichen Eigenschaften und auch keine Aussagen über Personen. Im Grunde schleicht sich da bei vielen konventionelle Binnenmoral ein, weil sie den Abstraktionsschritt zur rationalen nicht vollziehen können oder wollen.

  16. Loellie März 29, 2010 um 1:21 nachmittags

    Ach, Lutscher, hochhängen … da müssten wir Dissens an den Haaren herbeiziehen.

    Ich krieg einfach das Befürworten der Aktion, aber bitte pünktlich auf der Tribüne sitzen zu wollen nicht zusammen. Das hat einfach was von Bahnsteigkarte. Was ja aber auch daran liegen kann, das ich hier nur die Sahnehäubchen mitbekomme …

    Als sich Jeckylla ausserhalb des Mainstreams verortet hat, musste ich noch lachen, was mir bei meinem Kontakt mit der Springerpresse vorhin nachhaltig vergangen ist.

    Und noch eine Randbemerkung zur restlichen Diskussion: Letzten guck ich ein Youtube Video von Zizek, da gings unter Anderem um Terror und er erklärt, dass uns Moral von der Gesellschafft mit Gewalt aufgezwungen wird, super verkürzt das, und in den Kommentaren echauffiert sich jemand, Zizek wolle mit Gewallt Seine Moral der Gesellschafft aufzwingen.
    Und ich versteh einfach nicht, wie sowas passiert.
    Bei Lysis im Blog laufen ja fast sämmtliche Diskussionen nach diesem Muster, zB … Hat Che ja gerade was verlinkt.

  17. momorulez März 29, 2010 um 1:36 nachmittags

    Erik wollte rein, weil er nicht durfte ;-) – habe den nach dem Spiel noch getroffen, und der war wirklich völlig außer sich, was ich auch gut verstehen kann.

    Jekylla wollte rein, weil sie ja zumindest später in ihrem Blog noch nachvollziehbar begründet meinte, dass die Aktion im Falle Rostocks kein Schwein verstehen würde (ich habe heute wieder meinen fairen Tag, sorry ;-) ).

    Sehe ich zwar völlig anders, aber wenn sie nicht mitmachen will, dann sollte man sie dazu auch nicht zwingen. Ich sehe ihre Ausführungen ansonsten zwar wie Du auch sehr nahe an der Springerpresse und somit genau jenem gesellschaftlichen Mainstream verortet, der mich maßlos aufregt, aber das löst man ja nun auch nicht dadurch auf, dass man ihr Kanonenfutter frei Haus liefert. Das ist ja das, was mich wütend und traurig macht, dass Leute mit durchaus guten Ansätzen sich ins eigene Knie geschossen haben.

    Welche Moral Zizek da meint, das weiß ich nun leider nicht – die, die ich vertreten würde, ist ja eine Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse, indem sie fragwürdige Konventionen begründet zurück weist.

    Zu den Ultras noch mal: Ich habe zunehmend den Eindruck, dass es sich dabei um so was wie eine “neue soziale Bewegung” handelt. In manchen Fällen kippt die nach rechts um, in erfreulich vielen Fällen aber eher nach links. Gab/Gibt sogar in Rostock eine linke Ultra-Formation, ziemlich außergewöhnliche und bemerkenswerte Leute meiner Ansicht nach. Da muss man echt mal dran bleiben.

  18. genova68 März 29, 2010 um 1:40 nachmittags

    Ihr diskutiert einen Satz, der meiner Meinung nach ein grammatikalischer Fuckup ist (um dieses nette Wort noch einmal einzusetzen). Er macht höchstens Sinn, wenn man “wird die Sicherheit versuchen” in “die Sicherheit versuchen wird” ändert. Ob das gemeint ist, weiß ich nicht.

    Aber auch dann verstehe ich den Satz nur ahnungsweise. Was ist, beispielsweise, “das Hauptproblem des Regierungssitzes”.

  19. momorulez März 29, 2010 um 1:47 nachmittags

    Genova, was auch immer ich jetzt antworten würde, Du würdest es als elitär empfinden.

    Organisier Du mal weiter die große, mehrteilige BILD-Aufklärungsserie “Von Marx zu Stalin” in Kooperation mit SAT 1 unter der Federführung von Franz-Josef-Wagner sowie der Schirmherrschaft von Pfarrer Hinze. “Trug bereits Marx rote Socken?” oder so.

    Für die anderen hier noch mal eine Gegenmeinung zu der Südkurven-Blockade:

    http://ollistresenthesen.blogger.de/

  20. momorulez März 29, 2010 um 2:14 nachmittags

    Hier noch was, wo sich Che, der alte Recke, wahrscheinlich vor Lachen in die Hosen macht, weil ihm diese Konflikte so wohl vertraut sein müssten – das mit der selbst verwalteten Kurve ist natürlich wirklich ein gravierendes Argument, das ich bisher und auch oben im Text nicht berücksichtigt habe. Deshalb sei es nachgereicht:

    http://blog.uebersteiger.de/2010/03/29/89/

  21. genova68 März 29, 2010 um 2:15 nachmittags

    Eine bemerkenswerte Antwort auf meinen Hinweis, dass Ihr einen unsinnigen Satz diskutiert.

  22. momorulez März 29, 2010 um 2:16 nachmittags

    Ja, so sind wir … pass mal auf, dass ich Dich nicht irgendwo denunziere oder gar foltern wollen würde!

  23. Loellie März 29, 2010 um 2:19 nachmittags

    Na dann hab mal deinen fairen Tag und Genova hat doch bloss gerochen, dass ich mal wieder auf dem Sprung in den Baumarkt bin :-) … ehrlich.

  24. momorulez März 29, 2010 um 2:21 nachmittags

    Mein fairer Tag gilt ja nicht pauschal ;-) – und mit Genova habe ich mir diesbezüglich nun wirklich genug Mühe gegeben.

  25. genova68 März 29, 2010 um 2:24 nachmittags

    Ich glaube, der Konjunktiv in deinem Satz ist falsch. Wieso “würde”? Ich tippe auf dein Unterbewusstsein: Du hast beim Schreiben gemerkt, dass das ein bisschen zu hart ist und gegen Ende versucht, noch ein wenig abzumildern. Insofern spricht die mangelhafte Grammatik für dich.

    Aber lassen wir die Kindergartenspielchen. Eure Diskussion und das Anliegen deines Artikels ist doch lobenswert. Nimm doch nicht immer alles persönlich.

  26. momorulez März 29, 2010 um 2:28 nachmittags

    Ich nehme nix persönlich, ich bin schwer genervt von Dir und Deiner Kommunikationsverweigerung, von daher nimm Du das gerne persönlich. Und sobald dieser “elitär”-Quatsch kommt, schalte ich eh ab, das Spielchen habe ich eh schon den ganzen Tag. Und ich checke das heute gerne mit Buch noch mal gegen. Mein Unterbewußtsein geht Dich abgesehen davon einen Scheißdreck an.

  27. che2001 März 29, 2010 um 2:32 nachmittags

    Ja, diese Konflikte sind mir von verschiedenen Streiks sehr vertraut. Streikbrecherin:”Was Ihr macht, ist eine Aussperrung.” Che:”Nein, das ist ein Streik, eine Aussperrung wäre es, wenn ein Arbeitgeber Streikende am Betreten des Werkgeländes hindern und die Lohnzahlung aussetzen würde.” Streikbrecherin: “Aber was Ihr macht ist Gewalt.” Che: “Nein, was Ihr macht ist Gewalt: Gestern wurde tatsächlich ein Streikposten niedergeschlagen, der sich nichtmal gewehrt hat.” Streikbrecherin: “Ich fühle mich ber eingeschüchtert.” Che: “Du redest die ganze Zeit auf mich ein, ich solle Dich durchlassen. Besonders Schüchtern wirkt das auf mich nicht.” “Lass uns doch einfach an unsere Plätze. Che: “Wenn in Italien gestreikt wird, fliegen die Bohrmaschinen durch die Fabrikhallen, also beklag Dich nicht.”

    Na ja, und auffe Fresse und Tränengas gehörten dann auch dazu. Oder die Situation, als wir eine Gruppe Neuer Rechter am Agitieren hinderten, indem wir sie schlichtweg packten und aus dem Veranstaltungsgebäude rausschleppten, legal, illegal, Ikea-Regal….

  28. momorulez März 29, 2010 um 2:35 nachmittags

    Komm, das mit der Gruppe Neuer Rechter ist jetzt aber was anderes als diese, Gott, wie nennt man das, “Disziplinierung nach innen”? Wie würdest Du das nennen?

    Musste ja auch an diesen Elliott-Tanz-Film denken, als der Vater durch die streikenden Bergarbeiter fuhr … aber das ist, glaube ich, noch mal was anderes, weil das damals zu Thatchers Zeiten durch Urabstimmungen legitimiert war, oder?

  29. genova März 29, 2010 um 2:35 nachmittags

    Kommunikationsverweigerung? Ich? Na, ich bin doch der letzte, der nicht gerne diskutiert und kommuniziert. Warum wir bei dem Stalinismus-Ding nicht zusammenfinden, verstehe ich allerdings genauso wenig wie du. Und von “elitär” habe ich hier nichts geschrieben. Wäre ja auch komisch, eine Diskussion über einen sinnlosen Satz als elitär zu bezeichnen, oder?

    Ich nehme das hier nicht persönlich, weil ich euch alle überhaupt nicht kenne. In Bezug auf dein Unterbewusstsein habe ich nur spekuliert, das ist doch nicht so schlimm. Falls es dich beruhigt: Ich bin psychologisch betrachtet keineswegs ein Fachmann.

    Mein Gott, vielleicht hast du dich einfach verschrieben. Da muss man doch nicht gleich durchdrehen. Mir wurde gerade von einer Kundin ähnliches vorgeworfen, das ist schon unangenehmer als dieser Blogkram.

  30. momorulez März 29, 2010 um 3:36 nachmittags

    @Genova:

    Komm, lassen wir es einfach.

  31. Pingback: Fanrechte: die Freiheit der Andersdenken und USP « Fabulous Sankt Pauli

  32. che2001 März 29, 2010 um 5:35 nachmittags

    Genova, in dem letzten Thread bei Netbitch unten wird ziemlich deutlich, was MR meint.

    MR, das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Das merkwürdige an dieser Streikbrechern war ja, dass diese völlig sinnloser Weise streikbrechen wollte. Wenn gestreikt wird wird gestreikt, die hätte auch nichts zu arbeiten gehabt, wenn ich sie durchgelassen hätte. Wenn das keine Disziplinierung nach innen ist…

    Ich nenne so etwas Selbstaktivierung: Die Bereitschaft, für die Ausbeutung der eigenen Arbeitskraft mehr zur Verfügung zu stellen als eigentlich verlangt wird. Und ich denke, das nimmt im Lauf der letzten 10, 15 Jahre immer mehr zu, und Hartz4 ist unter anderem auch ein volkspädagogisches Konzept, um das massenhaft wirksam werden zu lassen.

    Die Sache mit den Neuen Rechten war eher eine Widerstandshandlung, ähnlich wie Nazis nicht die Straße lassen. Und mir ist dabei dann auch im Einzelfall egal, ob sich das rechtstheoretisch begründen lässt oder nicht, ich argumentiere auch ganz bestimmt nicht mit einem Gewaltmonopol des Staates. Würde allerdings schon sagen, dass die Angemessenheit der Mittel da wichtig bleibt. Also die Leute aus dem Gebäude zerren, rausschmeißen und nicht wieder reinlassen ja, aber ihnen ernsthaft wehzutun nein.

  33. momorulez März 29, 2010 um 5:50 nachmittags

    Das mit den Neuen Rechten subsummiere ich ja auch unter “ziviler Ungehorsam”, und da braucht man auch keine “rechtstheoretische Begründung”, nun polemisier mich hier mal nicht an, Du ;-) … das hat nur mit dem konkreten Fall rein gar nix zu tun.

  34. momorulez März 29, 2010 um 5:53 nachmittags

    Satz von Foucault ist übrigens völlig korrekt so. Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich, muss man da einmal mehr mit Adorno kontern.

  35. che2001 März 29, 2010 um 5:55 nachmittags

    Das war jetzt aber ziemlich elitär.

  36. genova März 29, 2010 um 5:58 nachmittags

    “Bei Netbitch unten”, aha. Tut mir leid, das ist mir zu ungenau. Sag doch einfach, was du sagen willst, che.

    Mir fällt gerade ein, dass man einen prima Zusammenhang herstellen könnte zwischen eurer offensichtlichen Weigerung, den grammatikalischen Fuckup in dem Satz oben zur Kenntnis zu nehmen einerseits und der fehlenden Stalinismusaufarbeitung andererseits. Realitäten sind egal, Hauptsache unser Weltbild passt, oder? Und zu dem gehört, dass Foucault heilig ist (oder man nicht mal diesen einen Satz gelesen hat) und Marx mit Stalin nichts zu tun hat, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Guten Abend.

  37. momorulez März 29, 2010 um 5:58 nachmittags

    Ja, Scheiße, schon wieder :-( … ich bin überführt.

  38. momorulez März 29, 2010 um 6:00 nachmittags

    “Realitäten sind egal, Hauptsache unser Weltbild passt, oder? ”

    Genau, Genova! Dein Realismus haut uns einfach immer wieder aus den roten Socken.

  39. genova März 29, 2010 um 6:02 nachmittags

    Der Satz oben ist ok?? Das spricht nicht für Foucault bzw. für den Übersetzer. Der erweiterte Hauptsatz lautet demnach also:

    “All dies zusammenfassend können wir sagen, daß wird die Sicherheit versuchen, ein Milieu zu gestalten.”

    Ich lach mich schlapp.

    Bitte, nehmt Vernunft an.

  40. che2001 März 29, 2010 um 6:11 nachmittags

    Momorulez, ich hoffe, ich vermülle jetzt nicht Dein Blog. Only for Genova poste ich mal den Gesamtzusammenhang von dem, was ich meine:

    netbitch – 27. Mrz, 14:36
    @genova, zumindest frau kann die älteren Kommentare lesen, alles, was in diesem Thread überhaupt gesagt wurde. Einfach hochscrollen. Wo liegt das Problem?

    @Zwanghaft fixiert: Nu, Du wiederholst permanent Deine irrige Ausgangsthese, der Stalinismus sei kaum öffentlich aufgearbeitet, es gäbe einen mehr oder weniger direkten Weg von Marx zu Stalin und die Linke als historische Strömung sei mit den sozialistischen Diktaturen im Gefolge der UDSSR bis einschließlich China weitgehend identisch oder würde von fast allen Menschen jedenfalls so wahrgenommen. Sehr verschiedene Leute widersprechen dem mit wirklich guten Argumenten und Literaturhinweisen, die mittlerweile einen Seminarapparat füllen könnten. Das geschieht auf den unterschiedlichsten Wegen: E s wurde gezeigt, dass die Marx´sche Theorie von den unterschiedlichsten Leuten, wie Bebel, Kautsky, Luxemburg, Bernstein, Hilferding weiterentwickelt und uminterpretiert wurde, bevor Lenin kam, und Stalin war dann noch einmal ein ganz Eigener. Und dass bei Marx zum Beispiel auch der Freudomarxismus angelegt war, der über Reich dann in die Kritische Theorie mündete. Oder dass Gewerkschaften weltweit einen beachtlichen Teil der historisch wirkungsmächtigen Linken darstellten, und auch die Sozialdemokratie, aber auch Guerrillabewegungen und Dritte-Welt-Solidaritätsprojekte. Es wurde gesagt, dass diese diffuse und disperse Linke außerhalb des UDDSSR&CoKG-Lagers mindestens eine zweistellige Millionenzahl Menschen umfasste. Du erwiderst darauf regelmäßig “irrelevant”, “Elitewissen”, “2 Leute im JUZI” und ähnlichen Krempel. Verliebt in Deine widerlegte Ausgangsthese, klammerst Du alles aus, was dieser widerspricht und scheust dabei a uch nicht davor zurück, Deine GesprächspartnerInnen herabzusetzen. Da ist workingclasshero dann “stehengeblieben”, wir seien eitel und nicht selbstkritisch (wo bleibt eigentlich die Selbstkritik der CDU für die NS-Verbrechen oder aller Christen für den Antisemitismus?), wenn wir uns mit dem Stalinismus nicht auseinandersetzten, was ja einen impliziten Vorwurf beinhaltet, DOCH damit in irgendeiner Form und von hintenrum etwas zu tun zu haben. Mir mutet das an wie die Paralogik, die Sektenideologien, religiösen Zwangssystemen oder paranoidem Denken eigen ist. Ohne Dir jetzt zu nahetreten zu wollen.
    che2001 – 27. Mrz, 16:30
    Ich hatte mal ein paar ziemlich verbohrten Autonomen den Vorwurf gemacht, sie hielten das JUZI für die Welt. Genova aber scheint die Welt für das JUZI zu halten;-)
    noergler – 27. Mrz, 16:35
    “Wenn eins gewiß ist, dann, daß ich kein Marxist bin.“
    Karl Marx

    Da Du, Genova, nun Deinerseits nochmals hier gepostet hast, mache ich das auch, entgegen meiner ursprünglichen Absicht, diesen Kommentar im betreffenden Thread Deines Blogs zu bringen, denn ich wollte mich weder dem Vorwurf des defizitären Hosenarschs noch dem eines unreflektierten Hanges zu stalinoiden JUZI-Programmierern der Twoday-Blogsoftware aussetzen.

    Ob Baskenland oder Barcelona ist tatsächlich wurscht, oder, wie Lothar Matthäus es einmal sagte: „Egal ob Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“

    Dir fehlt die Aufarbeitung des Stalinismus in der Breite. Einmal unterstellt, dass es 1. „die Linken“ gäbe, und dass sie 2. für die breite Verankerung der Aufarbeitung zuständig wären, so bliebe doch das ewige Problem der Linken: Dass nämlich die Probleme, die die Linke hat, exakt jene sind, die die Bevölkerung nicht hat. „Den Linken“ wird mancherlei angekreidet; besonders als „die 68er“ sind sie bis in alle Ewigkeit verantwortlich für mancherlei Deutschen- und Weltenleid. Den Linken jedoch, umgekehrt, deren Macht- und Einflußlosigkeit aggressiv zum Vorwurf zu machen, das kannte man noch nicht; das ist originell.
    Wenn Du meinst, in der Schule geschähe zu wenig, dann laß Dir sagen, dass selbst intensivste Bemühungen postmoderner deutscher JUZI-Filmemacher niemals zu einer Beeinflussung der Lehrpläne hätten führen können.
    Oder ist es etwa so, dass die Linken auf ihrem „langen Marsch durch die Institutionen“ in den Kultusministerien anlangten, und nun, als Minister, Staatssekretäre und Ltd. Ministerialdirektoren sich weigern, die Stalinaufarbeitung in die Lehrpläne zu schreiben, verstockt wie die Linken nun mal sind?

    Dass die Suche zu „Von Marx zu Stalin“ nur 818 Treffer ergibt, ist wahrlich empörend, zumal wenn man die Trefferzahl anderer Suchworte bedenkt: „Schwanzlutschen“ (106.000), „Möse“ (828.000), „Ficken“ (4.850.000). Die Interessen des Mannes und der Frau aus dem Volke sind ersichtlich andere, als die Interessen, von denen Genova meint, „die Linken“ hätten sträflich vernachlässigt, sie dem Volke zu imputieren.
    Ja, liebe Deutsche, nicht so viel ans Vögeln denken, sondern an die Aufarbeitung, denn Genova wünscht dies so, und dem geht es nicht um Euch, sondern um die Welt!

    Nächster Punkt: Am Shoa-Standort D werden die Verbrechen Hitlers intensiver behandelt, als die Stalins. Was ein Skandal!
    Geh’ doch nach drüben, Genova, nämlich nach Georgien, wo Stalin bis heute als Halbgott verehrt wird, und erkläre denen die Notwendigkeit der „Aufarbeitung“! Rechne aber nicht damit, dass Du das Land im selben physischen Zustand verläßt, in dem Du es betreten hast.

    Weiter: Deine Einlassung, Marx habe, so irgendwie, „zu Stalin“ geführt, stellt einen derart steilen Idealismus dar, dass Hegel sich geweigert hätte, es zu diskutieren. Große Ideen großer Männer machen Geschichte – wie ranzig ist das denn?

    Zudem harre ich noch immer Deiner Begründung, in welcher Weise die Marxsche Theorie, so irgendwie, den Stalinismus schon beinhaltet. Das aber kannst Du nicht sagen, da dies ein Studium der Marxschen Theorie voraussetzte, die Du sowenig kennt, wie die Objekte Deiner Aufarbeitung sie kannten. Marx hat lieber die I. Internationale zum Teufel gehen lassen, als deren „marxistischen“ Unfug mitzumachen.

    Die Marxsche Theorie ist schon allein darum für den Stalinismus und andere Aberrationen des Arbeiterbewegungsmarxismus wie für diesen insgesamt nicht verantwortlich, weil die alle die Marxsche Theorie gar nicht kannten. Die Unkenntnis der Theorie ist ja gerade Charakteristikum und Wesen des Arbeiterbewegungsmarxismus. Und wie soll denn bitte sehr, eine Theorie, die die Akteure nicht kennen, diese Akteure in die Irre führen oder sonstwie beeinflussen können?
    Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Marx-Lektüre wäre das Gegengift gewesen. Ich zeige das mal modellhaft:

    Für Stalin bildete die Grundlage seines Handelns die „Theorie“ vom „Sozialismus in einem Land“. Alles was er tat, beruhte auf dieser Überzeugung. Was dem entgegenstand, wurde abgeräumt. Marx-Lektüre indes hätte ihn darüber belehrt, dass Marx das gerade Gegenteil erläutert, nämlich die Unmöglichkeit eines solchen Vorhabens. Dies geschieht in einem Briefwechsel zwischen Marx und der russischen Revolutionärin Vera Sassulitsch, die Marx fragte, ob so etwas geht oder nicht.
    In Anbetracht der fundamentalen Bedeutung des „Sozialismus in einem Land“ für Stalins Politik und Marx’ eindeutiger Position in dieser Frage, wird es dann schon sehr schwer, die These aufrecht zu erhalten, irgendetwas habe „von Marx zu Stalin“ geführt.
    netbitch – 27. Mrz, 17:58
    Es hat ja auch nichts von Hegel zu Lenin oder von Freud zur Zwangspsychiatrisierung geführt. Danke, Nörgler, für diesen Beitrag!
    che2001 – 27. Mrz, 18:51
    Alles nur JUZI, ja?
    Genova, ich verlinke hier mal ein paar Literaturlisten zum Thema Stalinismus und DDR-Unrecht, manches davon aus marxistischer und antistalinistischer Perspektive geschrieben, manches neu und manches Jahrzehnte alt. Die Diskussion über Bahro, Dutschke und Solschenyzin füllte in den Siebziger Jahren in der BRD Hörsäle und Bücher bei rororo.

    http://www.stasiopfer.com/litera.html

    http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/119838.html

    http://www.verlagdrkovac.de/literatur/Stalinismus.htm

    Deutscher, Isaak,
    1. Trotzki I – Der bewaffnete Prophet 1879 – 1921
    2. Trotzki II – Der unbewaffnete Prophet 1921 – 1929
    3. Trotzki III – Der verstoßene Prophet 1929 – 1940
    4. Stalin – Eine politische Biographie
    Alle Verlag W. Kohlhammer Stuttgart 1962
    Dutschke, Rudi, Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen, Verlag Klaus Wagenbach Berlin 1974

    ders. Die Sowjetunion, Solschenyzin und die westliche Linke, rororo 1975

    http://www.buchtips.net/rez150-stalin-der-entfesselte-revolutionaer.htm

  41. Nörgler März 29, 2010 um 6:15 nachmittags

    ” … und Marx mit Stalin nichts zu tun hat, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.” Du hattest, Genova, bislang noch nicht begründet, wie denn dieser Weg “von Marx zu Stalin” aussieht. Ich hingegen habe im Netbitch-Thread begründet, warum es diesen Weg nicht gibt, und zwar 27. Mrz, 16:35. Oder soll ich meinen Kommentar noch mal bei Dir reinstellen, kann ich ich auch gerne tun.

    Überhaupt mit “Grammatik” anzufangen, ist nun voll krass elitär! Bald wirst Du uns noch dafür verachten, dass Du Latein und Griechisch kannst und wir nicht.
    .. Ähm .. Uuups … ich kann ja Latein und Griechisch.

  42. momorulez März 29, 2010 um 7:49 nachmittags

    Ich bekenne, dass ich das ausnahmsweise mal als Zumüllen empfinde und frage mich langsam, wieso Herr Genova nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit herein zwitschert und Diskussionen umlenkt. Wobei zu seiner Verteidigung zu sagen wäre, dass die Frage nach der Souveränität und dem Regierungssitz sogar eine zum Text war und ich mir nicht verkneifen konnte, ihn als Pfarrer Hinze zu outen, der sich im Ruhestand langweilt; es mir aber zu blöd ist, ihm noch ernsthaft zu antworten nach dieser ganzen Ignoranz gegenüber Antworten, bei denen man sich ihm gegenüber durchaus bemüht hat.

    Und zu der Vorstellung von “Grammatik”; die diese Pfeife hier verkündet – es handelt sich um einen Vorlesungsmitschnitt, da hat offenkundig jemand neu angesetzt. Das ist aber verständlich, was Foucault da von sich gibt, und zudem eine Form von Rhetorik. Dieses Rumreiten auf “grammatischem Fuckup” ist aber durchaus analog zur Schrebergartenmentalität mancher St. Pauli-Fans, deshalb bitte zurück zum Thema, das ist mir nämlich außerordentlich wichtig. Da diskutiert gerade halb Hamburg drüber.

    Das einzige freilich ist, dass ein wenig sich hier gerade abgeschwächt ausdrückt, was auch dem internen Hickhack in Fan-Szenen zugrunde liegt. Da isses ja nun auch so, dass alle Argumente ausgetauscht sind und die Leute sich trotzdem weiter die Köppe einhauen. Genova überliest jetzt bestimmt wieder die Selbstkritik in diesen Zeilen und verlinkt in zwei Wochen wieder diese Diskussion unter der Behauptung irgendwelchen Unsinns.

    Bitte zurück zum Thema.

  43. Nörgler März 29, 2010 um 9:29 nachmittags

    Ich habe bereits vorhin die beiden Links von heute (ollistresenthesen und uebersteiger) gelesen.
    Ich sehe das auch so, dass die “Ultras” ihre sehr gute Idee der 5-minütigen Leere sich selber kaputt gemacht haben. Sie sehen sich als die Premium-Fans. Untermenschen sind die anderen nicht, aber doch Unterfans, die entsprechend ständig abgewertet werden. Wer nicht “Ultra” ist, ist kein lebensunwertes, aber doch fanunwertes Leben.
    Diese Abwertung ist dann die Voraussetzung der Selbstermächtigung des Blockierens.

  44. momorulez März 29, 2010 um 9:40 nachmittags

    Ja. Das ist so schrecklich, dass sich solche Gruppen und Szenen immer selbst genau dieses Bein stellen. Je stärker dagegen nun allerorten der Spießeraufstand tobt, der alles Mögliche vermengt, obwohl der ja zu recht tobt, was das Blockieren betrifft, desto mehr leide ich mit den Ultras, dass sie sich so nachhaltig selbst ins Knie gefickt haben und damit sogar noch einer Pressekampagne gegen Ultras Futter gaben.

    Das kann für meine kleine Utopie, manchmal wenigstens, FC St. Pauli wirklich fatale Folgen haben :-(

  45. Nörgler März 29, 2010 um 10:23 nachmittags

    Vielleicht kann man, sehr pointiert, so formulieren:
    An der blockierenden Avantgarde war die Blockade falsch, nicht die Avantgarde. Wohingegen der Spießeraufstand dem blockierenden Avantgardisten eher die Blockade verziehe, als den Avantgardismus.

    Historisch wäre zu lernen gewesen, dass es zu nichts Gutem führte, wenn etwa eine “Speerspitze des Prolatariats” auf das Proletariat einsticht, weil die Massen der Avantgarde nicht schnell genug hinterherkamen und daher erzogen werden mußten.

  46. che2001 März 29, 2010 um 10:28 nachmittags

    Also, mich erinnert das an die vielen Streitigkeiten (ich kann jetzt nicht anders) in der autonomen Szene um die richtige Aktionsform, um Angemessenheit und situationsbezogenes Handeln, auch um die Vorstellung von Politik in erster Person als Tat und Erfahrung und daraus folgendem Lernprozess. Als Außenstehender maße ich mir nicht an zu entscheiden, welche Aktion nun die Richtige war, ob Blockade oder 5minütige Leere oder Reinlassen der Hansa-Fans oder all die Transpis, aber: Das ist alles spontanes, aus dem eigenen momentanen Bewusstsein gespeistes Engagement, tausendmal besser als alle starren Regeln und abstrakten Programmatiken, das ist ein sich selbst ernstnehmendes kollektives Subjekt. Nur da kann überhaupt ein Ansatzpunkt liegen, Dinge zu ändern. Klingt vielleicht schmalzig, wenn ich jetzt “Der Weg ist das Ziel” sage oder “Halten wir höher was uns verbindet als was uns trennt”, aber das fällt mir als Erstes dazu ein. Und das halte ich auch für das wichtigste Gegenmittel zu Selbstdisziplinierungsverhalten.

  47. genova68 März 30, 2010 um 8:17 vormittags

    Che,

    schreib doch einfach in zwei Zeilen, was du mir sagen willst, anstatt ca. 100 mir bekannte Zeilen, die nichts mit dem Thema hier zu tun haben, hierher zu ziehen. Ich bin mir sicher, du kannst das. Aber wahrscheinlich ist mein Beharren auf vernünftigen Aussagen in deinen Augen schon zwanghaft.

    Nörgler,

    ja, deinen Netbitch-Beitrag habe ich gelesen. Ich habe jetzt nur folgendes Problem: Wenn ich nicht darauf antworte, wirfst du mir das vor (wie oben geschehen), und wenn ich darauf antworte, werfen mir Che und Netbitch und MR Zwanghaftigkeit vor. Ich habe es nicht leicht. Und hier soll ich wohl zu dem Thema gar nicht mehr antworten, weil MR dann beleidigt ist (was offenbar eh zu seinen Hobbies gehört). Ich nehme gerne dein Angebot an: Stell es bei mir rein, ich antworte, ok?

    Also zurück zum Thema. Ich versuche eine kurze Rekonstruktion der Ereignisse hier, um euer recht abstruses Verhalten offenzulegen: Ich mache kurz auf die grammatikalische Ungereimtheit des bewunderten Meisters aufmerksam, das wird teils ignoriert, teils werde ich dafür beschimpft. Bild, Sat1, Hinze, Wagner werden erwähnt, und mir von Che, wenn ich das recht verstehe, erneut Zwanghaftigkeit unterstellt. MR bringt noch Adorno gegen mich in Stellung, was wohl so eine Art Todesstoß sein soll. Wie gesagt, nur wegen eines grammatikalischen Details. Immerhin bekommt MR deswegen dann doch noch Bauchschmerzen und gibt kleinlaut zu, dass da “jemand neu angesetzt” hat. Ja, so einfach wäre eine vernünftige Antwort ohne Beleidigungen gewesen, aber so einfach kann man es sich ja nicht machen, nicht wahr, MR?

    Für Leute, die gerne Texte interpretieren, ist so ein Verhalten ein Armutszeugnis. Mehr wollte ich nicht sagen.

    Die angebliche Selbstkritik in deinen Zeilen habe ich in der Tat überlesen, wohl deshalb, weil sie nicht existiert.

    Ich habe ja irgendwann mal angefangen, hier zu lesen, weil ich es interessant fand (und finde). Das in Teilen stattfindende Kindergartenverhalten mit Kritik wundert mich immer noch. Vor allem, wenn diese Kritik selbst an einem grammatikalischen Detail mit Wucht gegen den Kritiker gewendet wird.

    Um euch zu besänftigen, schließe ich versöhnlich: Ihr seid alle ganz toll und habt bestimmt große Pimmel.

  48. momorulez März 30, 2010 um 8:45 vormittags

    @Nörgler:

    “An der blockierenden Avantgarde war die Blockade falsch, nicht die Avantgarde. Wohingegen der Spießeraufstand dem blockierenden Avantgardisten eher die Blockade verziehe, als den Avantgardismus.”

    Wohl wahr! Das bringt es in mancherlei Hinsicht tatsächlich auf den Punkt! Das twitter ich gleich mal!

    @Che:

    “Also, mich erinnert das an die vielen Streitigkeiten (ich kann jetzt nicht anders) in der autonomen Szene um die richtige Aktionsform, um Angemessenheit und situationsbezogenes Handeln, auch um die Vorstellung von Politik in erster Person als Tat und Erfahrung und daraus folgendem Lernprozess”

    Genau so isses ja auch, deshalb verwies ich ja ganz ironiefrei auf Dich als alten Recken. Nur dass dummerweise hier in unserem Fall der Weg das Ziel versperrte. Und ich ein wenig Angst habe, dass ein Lerneffekt ausbleiben wird, übrigens auch und gerade bei den Blockierten. Langsam könnte da ja mal so ein Verständnis einsetzen in Loellies Sinne oben: Was, wenn es eine Performance gewesen wäre??? Dass sie nun am eigenen Leibe spürten, wie es den “Stadionverbotlern” ergeht und allen, die irgendwo draußen bleiben müssen, das haben die noch gar nicht verstanden und fordern ja fast schon Einsperrung in Knäste für die Blockierer. Schlimm.

  49. momorulez März 30, 2010 um 8:48 vormittags

    @Genova:

    “Für Leute, die gerne Texte interpretieren, ist so ein Verhalten ein Armutszeugnis. Mehr wollte ich nicht sagen.”

    Das bist Du jetzt ja los geworden, jetzt aber Schluss hier zu dem Thema.

  50. ring2 März 30, 2010 um 9:43 vormittags

    Zu einer richtigen Performance hätte dann aber auch noch der Auftritt der Polizei gehört. Die Spielverderber. Da will man mal so richtg avantgardistisch mit Medienbildern spielen und vergisst, dass man eben auch auf den Boulevard gezogen wird, wenn man ihn ruft.

    Von den einen (von wem eigentlich?) Erkenntnis zu verlangen, indem man mit schalen Klischees um sich wirft ist aber auch merkwürdig. Und Du steh nächstes Mal gefälligst auf, wenn die USP Dich anrufen. So als homöopathische Dosis dessen, was auf der Süd passiert ist Sonntag.

    @Nörgler “An der blockierenden Avantgarde war die Blockade falsch, nicht die Avantgarde.” – das ist genauso richtig. Streiten darf man sich dann darüber, ob die USP die Avantgarde darstellen.

  51. ring2 März 30, 2010 um 10:12 vormittags

    “und damit sogar noch einer Pressekampagne gegen Ultras Futter gaben.” – indem sie eine bildgewaltige Pressekampagne lostraten. Das ist wichtig in diesem Zusammenhang, dass alle im Unterstützerumfeld immer wieder als Ziel die mediale Wirkung betonen.

  52. momorulez März 30, 2010 um 10:32 vormittags

    Sorry, Erik, was glaubst Du denn, was für einen Homo schlicht Alltag ist? Mein Leben ist eine einzige Anrufung durch die USPs dieser Welt in Gestalt von Leuten wie Jekylla, diesen Neue Mitte-Extremisten.

    Und dass es keine Performance war, das habe ich ja geschrieben. Im Grunde genommen finde ich im Nachhinein auch schade, dass USP und die anderen Initiatoren auf den Gedanken NICHT gekommen sind. Den finde ich nämlich gut ;-)

    Was ihr aber, noch mal, erfahren habt, erfahren andere Leute täglich, und als Protest genau dagegen gab es diese Aktion.

    Und wer sich ihr nicht anschließen wollte, der hat Exklusion mit Mitteln des Polizeistaates zumindest nicht widersprechen wollen. Das “Wer schweigt, stimmt zu” ist ja noch up to date.

    Nun erfährt er genau diese Exklusion am eigenen Leibe und kann sich zumindest mal vorstellen, wogegen eigentlich protestiert wurde. Das war alles, was ich dazu sagen wollte.

    Der mediale Effekt: Ja. Aber auch da muss man sich die mafiösen Strukturen innerhalb derer einfach mal genauer angucken.

  53. ring2 März 30, 2010 um 10:43 vormittags

    “Nun erfährt er genau diese Exklusion am eigenen Leibe und kann sich zumindest mal vorstellen, wogegen eigentlich protestiert wurde. Das war alles, was ich dazu sagen wollte.” – aber über diese Erkenntnis bin ich doch schon lange hinweg. Oder meinst Du, nur weil man Hete mit Familie ist, kennt man das nicht? – und wenn ich das Millerntor als Ort begreife, an den ich so gerne gehe, weil hier die Repression wenigstens sich noch an einer Art Diskurs sich reibt, dann bin ich entsetzt und wehre mich, wenn ich von denen, mit denen ich streite repressiert werde. Ich kann das eine erkennen und das andere trotzdem nicht dulden – das geht.

    “Sorry, Erik, was glaubst Du denn, was für einen Homo schlicht Alltag ist?” – irgendwie erinnert mich das hier an die türkischen Jugendlichen, von denen Du mir mal erzählt hast, die schwulen Demonstranten auf Maul hauen wollen, obwohl und gerade weil sie sich auch für deren Minderheitenrechte einsetzen. – und ja, ich weiss, was Du meinst. Habe mich aber so über das “Spießer-Totschlagargument” geärgert.

  54. ring2 März 30, 2010 um 10:43 vormittags

    “Der mediale Effekt: Ja. Aber auch da muss man sich die mafiösen Strukturen innerhalb derer einfach mal genauer angucken.” – ja, alles Zauberlehrlinge.

  55. ring2 März 30, 2010 um 10:45 vormittags

    “Image des Klubs steht auf dem Spiel” – und wenn das HA dann von dem IMAGE spricht ist das genau die Art von medialer Verkürzung, die einen wütend macht. Ich frage aber: wer hat mit der Verkürzung angefangen? #5Min ;(

  56. jekylla März 30, 2010 um 10:58 vormittags

    @momorulez ohne jetzt völlig in eine andere Richtung abzudriften und da es offensichtlich bei Dir auch wieder vergessen worden ist: ich fand den Anlass, der zum Protest führte, nachvollziehbar, aber die Protestaktion -in wildem Aktionismus ausgerechnet anlässlich einer Begegnung mit dem “Erzfeind” (ich weiß, gerade das sollte symbolisch wirken – in der Theorie funktioniert das) und durchzuführen, hielt ich für mehr als bedenklich und meinen Bedenken wurde vollumfänglich NICHT Rechnung getragen, sondern meine Erwartungen wurden voll erfüllt.

    Und nochmals: selbst vormals Unentschlossende mit Tendenz zum Mitmachen haben angesichts der Blockade dann selbst blockiert.

    Und nochmal: es ging nicht um “die 5 Minuten”.

    Und nochmal: wer gab den Blockierern das Recht? – ich erwarte nach wie vor keine Antwort.

    Und vergleiche das bitte nicht mit einem gewerkschaftlich organisierten Streik. Auch da haben Nicht-Gewerkschaftsmitglieder das Recht, arbeiten zu gehen.

    Das, was jetzt an Image für USP kreiert wird, haben sie sich selbst zuzuschreiben. Etwas durchdachter, etwas gewinnender im Vorlauf und ohne die ewigen “Ihr müsst” und nicht so aus der Hüfte geschossen wäre das alles anderes verlaufen. Aber man ist ja sooooo ultra.

  57. momorulez März 30, 2010 um 10:58 vormittags

    @Erik:

    “und ja, ich weiss, was Du meinst. Habe mich aber so über das “Spießer-Totschlagargument” geärgert.”

    Deswegen konterst Du jetzt ja auch wie der typisch deutsche, sich liberal wähnende Spießer prompt mit homophoben Türken ;-) – würde ich Dich nicht so gerne mögen, wäre das jetzt der Moment für die volle Packung. Ich weiß aber ja, wie Du bist ;-)

    Der Teil der Argumentation, in dem Du Dich über die Repression aufregst, da haben wir doch gar keinen Dissens. Ich finde lediglich, das man die Frage, wogegen da eigentlich protestiert werden sollte, nicht ausklammern kann. Um mal irgendwie aus dem Schlamassel raus zu kommen … dann kommt vielleicht auch die “Gegenseite” mal auf die Idee, die eigene Blockade-Aktion Scheiße zu finden.

  58. ring2 März 30, 2010 um 11:02 vormittags

    Das wäre doch mal ein Anfang: »Wir können ja auch mal nur sabbeln wie 70% der ›Fans‹ und machen die nächsten Heimspiele ne geile Sabbelchoreo.« – gelesen bei den 11Freunden

  59. momorulez März 30, 2010 um 11:06 vormittags

    @Jekylla:

    Ich finde die Blockade doch doof und Scheiße, wieso sollte ich sie dann begründen?

    Und politisch ernst wird es immer dann, wenn man “Erzfeinden” die gleiche Rechte zugesteht wie sich selbst. Anders geht es auch nicht, das mit den Rechten. Alles andere ist doch billig zu haben, sorry. Natürlich wäre es einfacher, nun anläßlich eines Düsseldorf-Spiels so eine Aktion zu machen. Aber der FC St. Pauli sollte die Klasse haben, da hin zu gehen, wo es weh tut.

    Ansonsten siehe Antwort auf Erik. Einfach mal zu Übungszwecken aus rein didaktischen Gründen die Perspektive der Gegenseite einnehmen. Rein methodisch. Nur so kann man das auflösen.

    Und da aktuell nun wirklich die Ultras am massivsten unter Beschuß stehen, igeln die sich natürlich auch am massivste in ihrer Position ein, die ich ja nun ganz ausdrücklich nicht teile. Vielleicht kann man sie ja da raus locken.

  60. momorulez März 30, 2010 um 11:08 vormittags

    @ring2:

    ?

    Kann das sein, dass ihr wütend sein WOLLT, weil sich Wut ja immer ganz gut anfühlt, wenn man moralisch im Recht ist?

  61. ring2 März 30, 2010 um 11:17 vormittags

    Ja das habe ich mich auch schon gefragt. Ertappe mich heute morgen ja auch dabei, dass ich Stefan und andere vor dem Hamburger Abendblatt und Buttje beschützen will, wo zeitonline nun auch anfangen, mich zu zitieren (von Oliver Fritsch zitiert zu werden ist trotzdem toll).

    Arbeite mich gerade an dem Argument ab, was denn der Unterschied zur “Schleichen gegen IKEA Aktion” war. Ich fühle da einen Unterschied, kann ihn aber im Moment noch nicht artikulieren. – und das liegt nicht daran, dass ich kein spießiger Autofahrer auf der Max-Brauer-Allee war.

    http://www.ring2.de/archives/schleich-fahrt-gegen-ikea-altona

    Wähne mich mit meinem Posting von gestern Nacht ja schon auf der richtigen Spur. Da spielen Fragen des öffentlichen Raumes mit rein, den ja der HSVer, so wird er wenigstens im Forum genannt auch ins Spiel bringt im 11FREUNDE Artikel, während sich der FC St. Pauli auf das Straf- und Hausrecht zurückzieht. Irgendwo hier liegt die Stromgrenze, das Dickicht in das sich immer alle zurückziehen können.

  62. momorulez März 30, 2010 um 11:24 vormittags

    Ja, Erik, das sind dann ja alles Fragen, das Ganze mal weiter denken zu können. Darum geht es mir doch auch nur, um sonst nix. Und Kiki kriegt als einziger Stadionverbot ;-) … DAS WAR EIN WITZ!

  63. ring2 März 30, 2010 um 11:29 vormittags

    Und nu, wer ruft die USP an, Du oder ich ;)

  64. momorulez März 30, 2010 um 11:34 vormittags

    Haste denn da eine Nummer? ;-)

  65. jekylla März 30, 2010 um 12:28 nachmittags

    @momorulez
    “Und politisch ernst wird es immer dann, wenn man “Erzfeinden” die gleiche Rechte zugesteht wie sich selbst. Anders geht es auch nicht, das mit den Rechten. Alles andere ist doch billig zu haben, sorry. Natürlich wäre es einfacher, nun anläßlich eines Düsseldorf-Spiels so eine Aktion zu machen. Aber der FC St. Pauli sollte die Klasse haben, da hin zu gehen, wo es weh tut.”

    Agree. Nur hätte gerade das, wissend um die Brisanz, einer längeren Vorbereitungszeit bedurft. Da es die nicht gab, hätte man davon Abstand nehmen sollen. Der Sache zuliebe. Aber da wären wir wieder beim wilden Aktionismus.

    Entschuldige, wenn ich nicht sofort auf den “Wir haben uns doch alle lieb”-Zug springe, aber der Spruch von dem von mir zitierten pickelgesichtigen Jüngling “Ihr habt keine Rechte” geht mir nicht durch den Kopf. Dieser Halbwüchsige denkt sich das sicherlich nicht selbst aus, sondern wird das auch von den anwesenden Älteren (die diesen Auspruch auch unwidersprochen stehen gelassen haben) vorgelebt bekommen. Und zu oft habe ich seitens USP die Aussage vernommen “was die anderen machen, ist uns scheissegal, wir ziehen unser Ding durch”. Das hat Methode.

    Da bin ich jetzt vielleicht ein bißchen bockig, aber bisher sehe ich keine Anzeichen, dass überhaupt irgendwas aus diesem Debakel gelernt worden ist. Bis sich das nicht ändert -zumindest per offizieller Stellungnahme- bleibe ich mehr als nur skeptisch. Und dann werde ich mal sehen.

  66. momorulez März 30, 2010 um 12:39 nachmittags

    @Jekylla:

    Der Spruch den Jünglings ist unbestritten Scheiße. Und Ihre Bockigkeit verstehe ich ja sogar, wenn auch vieles andere nicht. Aber das ist ja gerade nicht mein Job, bockig zu sein ;-)

  67. che2001 März 30, 2010 um 12:40 nachmittags

    Kleine Bitte ganz am Rande: USP heißt für mich Unique Selling Point und ist ein Marketingbegriff. Dass Ihr damit die Ultras St. Pauli meint wurde mir erst vor Sekunden klar, sonst dachte ich beim Lesen immer “Häh?”. Ging mir schon mal so mit einer Diskussion, bei der Don Alphonso vom Jonet sprach und damit ein mir nicht bekanntes Journalistennetzwerk meinte, ich aber an das Jugendlichenblog einer Krankenkasse dachte. Vielleicht einfach mal Abkürzungen ausschreiben?

  68. jekylla März 30, 2010 um 12:41 nachmittags

    Der Spruch und die damit verbundene, bisher in keiner Weise entkräftete Befürchtung.

    Aber morgen werden ja die zehn Gebote neu verlesen wir ja eine Stellungnahme lesen dürfen. Wenn man sich nicht wieder entschließt, einfach nichts zu sagen.

    Darauf warte ich dann mal.

  69. momorulez März 30, 2010 um 12:43 nachmittags

    Es gibt aber durchaus Zusammenhänge zwischen dem, was ich als “Unique Selling Prophecy” kennen lernte und dem, was die Ultras bei uns treiben – ein ganz spannender Punkt eigentlich ;-) – gibt ja auch so was wie “Identitätsmarketing”.

  70. jekylla März 30, 2010 um 12:48 nachmittags

    @che2001 oops, ich dachte, die Langversion wäre sicher schon mal vorgekommen hier. Abkürzungen auszuschreiben ist ja irgendwie auch ein bißchen… sinnentstellend, oder?

  71. genova68 März 30, 2010 um 12:59 nachmittags

    “Das bist Du jetzt ja los geworden, jetzt aber Schluss hier zu dem Thema.”

    Aha. Der Chef hat gesprochen. Interessante Version von Meinungsfreiheit.

  72. che2001 März 30, 2010 um 1:38 nachmittags

    Unter Stalin sind alle meinungsfrei.

  73. jekylla März 30, 2010 um 1:47 nachmittags

    @che2001: das heißt nicht Stalin, das schreibt sich Stani. Und ist die Abkürzung für Stanislawski.

  74. che2001 März 30, 2010 um 1:50 nachmittags

    Wieder was dazugelernt. Und wenn St. Pauli-Ultras intolerant sind ist das dann Staninismus?

  75. jekylla März 30, 2010 um 1:54 nachmittags

    Beteiligen Sie sich an den Anschaffungskosten für eine neue Tastatur? Die, wo da jetzt Kaffee drin ist, geht niäghorusdghb

    Staninismus ist großartig! Darf ich mir den mal leihen bei passender Gelegenheit, mit Quellenangabe (den hab ich von Che!!!!!) natürlich?

  76. che2001 März 30, 2010 um 1:57 nachmittags

    Die unfehlbare Partei erhebt keine Einwände.

  77. genova68 März 30, 2010 um 1:57 nachmittags

    @che2001: jetzt antworte doch mal bitte der jekylla, die will mit dir reden.

  78. genova68 März 30, 2010 um 1:59 nachmittags

    ah, schon passiert, sehr schön, danke.

  79. jekylla März 30, 2010 um 2:02 nachmittags

    Danke, dass Sie so besorgt sind, dass mir auch die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wie nett aber auch.

  80. genova68 März 30, 2010 um 2:09 nachmittags

    Gern geschehen, jekylla. Ich kenne das Problem des Übergangenwerdens. Da freut man sich über jedes Hilfsangebot.

  81. jekylla März 30, 2010 um 2:10 nachmittags

    Wenn Sie mal irgendeinen Anlaß finden, bei mir was schreiben, werde ich mir das in Erinnerung rufen. Das mit dem Übergehen. Also nicht.

  82. genova68 März 30, 2010 um 2:22 nachmittags

    Tja, ein schönes Beispiel für eine misslungene Kontaktaufnahme. Wenn ich dich richtig verstehe.

  83. momorulez März 30, 2010 um 2:25 nachmittags

    @Jekylla:

    Stani ist doch aber ganz auf Ihrer Seite … was ich übrigens auch, das nebenbei, als überzeugter Staninist etwas eigenartig finde, seine gelegentlichen Anwandlungen, die Kurven und Ränge nun gleich mit trainieren zu wollen. Liegt wohl dran, dass er Schiss hat, dass sich die Kämpfe unter den Fans negativ auf die Aufstiegsbereitschaft der Mannschaft übertragen könnte. Und das könnte ja wahr sein …

    @Che:

    “Die unfehlbare Partei erhebt keine Einwände.”

    Was könnte doch das Leben konfliktfrei sein, wenn nur alle den Marx so nicht gelesen hätten wie Stalin ;-) – das Prinzip “Die Partei, die Partei, die hat immer recht” macht doch das Leben eigentlich einfacher, oder?

  84. che2001 März 30, 2010 um 2:38 nachmittags

    Das finden sogar Diejenigen, die in China “Die Mauer muss weg” rufen.

  85. che2001 März 30, 2010 um 2:42 nachmittags

    Übrigens wurde unter Stani niemand auf die Galeere geschickt, und die kinder von Herrn Chemnitz hießen nicht Lenin,Stalin, Falin, Clarin und Karin.

  86. momorulez März 30, 2010 um 2:47 nachmittags

    Auch, die bei uns im Stadion gerade dazu übergehen, Interims-Aussperrer dauerhaft aussperren zu wollen, folgen ja ein wenig dem SED-Prinzip der Ausbürgerung … Piiiiiiiiiiiet! Kikkkkki! Nur diese anstrengende Geschichte mit den Ausreiseanträgen, die entfällt ….

    Keine Integration ohne Exklusion, sach ich mal – also beides bleiben lassen: Pluralität!

  87. Nörgler März 30, 2010 um 2:49 nachmittags

    “Aha. Der Chef hat gesprochen. Interessante Version von Meinungsfreiheit.”

    Ooch mein Wuschelchen, es geht nicht um Meinungsfreiheit, sondern um OT. Und Momorulez’ Bitte um Rückkehr zum Thema zu respektieren, ist nicht Kotau vor dem Unterdrücker, sondern ein Gebot des bürgerlichen Mindestanstands.

  88. jekylla März 30, 2010 um 2:52 nachmittags

    So lange ich ausser von einem Forumsuser, der sich zu USP-Zugehörigkeit bekannt hat und verkündet hat, er würde sich wegen der Vorfälle schämen und nach 6 Jahren USP-Schaft jetzt austreten, weil er sich damit nicht mehr identifizieren kann (ich bin mal so frei und halte es nicht für Fake), habe ich bisher nirgendwo aus dem “engeren” Kreis auch nur den Ansatz eines Teilschuld(!)-Eingeständnisses gesehen.

    Ausser “das ist doch das Konzept der Kurve”, “alles Eventjapper” und und und kam da noch nichts, was mich überzeugt hätte, dass man kurzfristig konsensfähig ist. Ich kann mich natürlich täuschen. Ich wart dann mal ab.

    @genova68: Nein.

  89. jekylla März 30, 2010 um 2:54 nachmittags

    @Nörgler: man kann aber auch mal kurz thematisch “entgleisen” (das dient auch manchmal der Nervenberuhigung) und sich dann gesammelt dem Thema wieder zuwenden. Zumindest ist das meine, natürlich eher unmaßgebliche Erfahrung aus ein paar Jahren des Nischenbloggens.

    Back to topic.

  90. genova68 März 30, 2010 um 2:58 nachmittags

    Das Thema von Marx zu Stalin scheint euch nicht loszulassen. Nicht von ungefähr, schätze ich. Psychologen würden jetzt von unbewältigter persönlicher Vergangenheit sprechen. Persönlich in dem Sinn, dass politisierte Menschen das Politische in sich aufbewahren, nicht außerhalb.

    Klärt das Thema lieber zügig, sonst könnt ihr euch nicht mal mehr über sowas Belangloses wie den FC St. Pauli unterhalten, ohne von Stalin zu schwadronieren.

    Aber was rede ich mir hier den Mund fransig…

    Nörgeler,

    OT war nicht mein Eingangsbeitrag, sondern erstmals MR himself, 29.3. 1.47 pm. Lesen bildet. Aber dass du die Einschränkung von Meinungsfreiheit via eines vorgetäuschten “OT” als “Gebot des bürgerlichen Anstands” bezeichnest, wundert mich doch ein wenig. Wobei ich mir vorstellen kann, dass dir Anstand am Arsch vorbeigeht, ob bürgerlich oder nicht.

  91. jekylla März 30, 2010 um 3:03 nachmittags

    @genova68 ich könnte jetzt was erzählen vom belanglosen FC Sankt Pauli als Spiegel der Gesellschaft, Mikrokosmos blablabla. Ich lass es mal lieber. Kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das zu nichts führt.

  92. momorulez März 30, 2010 um 3:04 nachmittags

    @Jekylla:

    Den Dauerstreit zum Thema “Führte Marx zu Stalin und bedarf es da nun endlich mal – weil nie geschehen – der Massenaufklärung?” können Sie nicht kennen, der erstreckt nach gefühlten 12 Monaten nun mittlerweile über mehrere Dutzend Einträge und 4-5 Blogs ;-) – insofern war Nörglers Hinweis schon ganz in meinem Sinne, Danke!, und es gibt auch hier einen eigenen Thread dazu. Da hat Genova allen Raum zur vollen Entfaltung der Meinungsfreiheit. Und nun auch noch darüber zu diskutieren, ob ich Foucault für heilig halte, obwohl er doch grammatischen Fuckup begeht, das ist mir einfach zu blöd.

    Abgesehen davon stelle ich jetzt, glaube ich, einen Antrag zum Mitwirken bei USP, die wurden so super sexy beschrieben, wie sie da standen, breitbeinig, ganz in schwarz, knackig jung und mit Sonnenbrille :-D – das muss ich ja zu meiner Schande gestehen und mir auch vorwerfen lassen, dass ich die gar nicht kenne. Nur aus der Ferne.

  93. ring2 März 30, 2010 um 3:04 nachmittags

    Freiheit vs. Hausrecht? hihi, rofl, ich dreh durch, genova68, und Du kannst gar nichts dafür. “buff”, schnapp tideliiiiiiiiiiiiiiiiii

  94. momorulez März 30, 2010 um 3:07 nachmittags

    @Jekylla:

    … na, und dass das, was Sie anschließend erwähnten, nicht Bestandteil ihres Kategorialsystems ist, das dachte ich mir schon ;-)

  95. momorulez März 30, 2010 um 3:11 nachmittags

    @ring2:

    Ich hatte genau das mit dem Freiheit versus Hausrecht auch gerade gedacht aber nicht geschrieben :-D – aber die Fremdentschuldigungsperspektive finde ich schon mal super! Nochmal :-D

  96. genova68 März 30, 2010 um 3:16 nachmittags

    Jekylla, ich streiche belanglos. Mir ist St. Pauli sympathisch, von außen. Ich wollte nur sagen, dass die üblichen Verdächtigen hier geradezu zwanghaft auf Stalin zu sprechen kommen, egal, worum es sich eigentlich dreht.

    Der Freiheit-versus-Hausrecht-Bezug hat wohl was mit dem eigentlichen Thema hier zu tun, davon habe ich keine Ahnung.

    MR,
    ich bin völlig mit dir einverstanden, dass es hier nicht um das Marx-Stalin-Thema gehen muss. Ich frage mich nur, warum ihr hier ständig davon schreibt?? Alles nur meinetwegen?

  97. jekylla März 30, 2010 um 3:20 nachmittags

    @momorulez wenn ich das mit dem Bestandteil des Kategorialsystems richtig verstehe (jesses, bin ich vorsichtig geworden), wage ich mal ein “nein” in den Raum zu werfen. Auf die Frage.

    Aber wissen Sie, bedauerlicherweise hat der Tag nur 24 Stunden. Das ist mir selbst zuwider.

    Aber ich will hier nicht weiter offtopicen und empfehle mich an dieser Stelle. ;-)

  98. momorulez März 30, 2010 um 3:41 nachmittags

    Schade, Jekylla, hier kommt noch mal was wirklich Wichtiges, die Stellungnahme von Sven Brux, gepostet im St. Pauli-Forum, aber wahrscheinlich guckst Du da ja eh rein – sehr betroffen, besonnen, gut:

    http://www.stpauliforum.de/viewtopic.php?t=55909&start=180

  99. jekylla März 30, 2010 um 3:45 nachmittags

    Gelesen und für gut befunden. Und jetzt warte ich.

  100. Nörgler März 30, 2010 um 4:40 nachmittags

    Genovas Offerte aufgreifend, habe ich in den einschlägigen Thread seines Blogs soeben einen Kommentar eingestellt. Es ist der Text, der zuerst bei Netbitch stand (dann von Che hier gepostet wurde), mit einer aktuellen Ergänzung.

  101. momorulez März 30, 2010 um 4:44 nachmittags

    Lustig, jetzt hatte ich mich gerade verlesen, gedacht, Du hättest den hier hinein gestellt, habe im SPAM rum gesucht und dabei noch einen ganz ausführlichen Kommentar zu dem “Idee, Begriff, Wirklichkeit”-Thread entdeckt – peinlich, der war mir entgangen.

  102. che2001 März 30, 2010 um 5:39 nachmittags

    Um die allgemeine historische Aufarbeitung zu befördern weise ich übrigens darauf hin, dass die stundenlangen Auseinandersetzungen einiger Hummer auf dem Grund der Nordsee um den Besitz einer leckeren Muschel und deren anschließende Knackung NICHT unter dem Begriff “Schlacht um Auster Litz” bekannt wurden.

  103. momorulez März 30, 2010 um 8:22 nachmittags

    Hier noch was inhaltlich fast schon Moderates, visuell aber Fragwürdiges in bewegten Bildern zum Thema, das ich noch gar nicht kannte:

    Der “Fanbeauftragte des FC St. Pauli” war mal “mein Praktikant” bzw. der unseres damaligen Teams, als ich noch Angestellter war, habe ich gerade fest gestellt ;-)

  104. Pingback: Peng : Curi0usities

  105. momorulez März 31, 2010 um 8:25 vormittags

    http://www.fanclubsprecherrat.de/site/?p=292

    Hmmmmh. In der Grundausrichtung ja richtig, was den notwendigen Protest betrifft – aber hinsichtlich dessen, ob nun Blockieren richtig ist und der Effekt der Blockade nicht ungleich dramatischer war als in der Stellungnahme geschildert, ein bisschen sehr schlapp.Da fand ich Biber im Forum überzeugender. Aber alles immer noch besser als Piet und Kiki.

  106. jekylla März 31, 2010 um 8:30 vormittags

    Diese Stellungnahme ist die erste Enttäuschung. Ich bin sicher, die nächste folgt in Kürze.

  107. jekylla März 31, 2010 um 8:31 vormittags

    Eine Enttäuschung reicht für heute, die erste bitte löschen.
    (wär das schön, wenn das “in echt” so einfach wäre….)

  108. momorulez März 31, 2010 um 8:49 vormittags

    Habe eine Enttäuschung gelöscht, lasse den Zusatzkommentar aber stehen, der ist doch Klasse ;-) … und habe Ihnen auch ‘nen “g” geschenkt im fol”g”t, wenn Sie gestatten.

  109. jekylla März 31, 2010 um 9:07 vormittags

    In der zweiten hatte ich ja ein “g”, Sie haben eine Gelegenheit genutzt, mich zu beschenken – clever ;-)

    Stimmt, den Zusatzkommentar würde ich “faven”, wenn ich könnte, so eitel bin ich jetzt mal.

    Back to topic.

    Ich habe nicht geglaubt, dass es nach all den Diskussionen tatsächlich jetzt eine Stellungnahme der Mitorganisatoren gibt, die das Mittel der Blockade nach wie vor gutheißen, nur vom medialen (politschen) Erfolg enttäuscht sind.

    Andererseits, irgendwie hab ichs doch geglaubt. Für eine “Bridge over troubled water” reicht das jedenfalls nicht.

  110. momorulez März 31, 2010 um 9:14 vormittags

    Ich habe es, ehrlich gesagt, nach Svens Intervention auch nicht geglaubt, dass da so plump verteidigt würde. Auch dieses pathetische “Dann wählt uns halt ab” ist einfach nur beleidigt. Schwach. Ganz schwach.

  111. Loellie März 31, 2010 um 3:44 nachmittags

    Ich muss gestehen das ich angesichts der Form des Gegenwindes die Stellungnahme garnicht so schwach finde, weil offensichtlich die Blockadegegner Aktion nur dann in Ordnung finden, wenns keinen stört und keiner mitbekommt.
    Abgesehen davon sehe ich Paralelen zur Westerwellediskussion auf Queer.de. Da werden wohl eher alte Rechnungen beglichen. Die Tunten wollten ja auch nix von Homophobie hören, weils gerade so schön spassig war auf den Belzebub einzudreschen.

    Mich würde ja eher interessieren, warum sich so viele derart militant von der Aktion distanzieren. Oder gehts der Mitte doch nur darum, sich der Schmuddelkinder zu entledigen? So hinterm Berg, dass am Fussball, bzw der gerne damit einhergehenden Gewalt, Präzendezfälle konstruiert werden, mit denen dann bevorzugt linke Demonstranten gegängelt werden, … das könnte sich ja auch mal rumgesprochen haben.
    Oder ist das doch bloss eine Kindergartennummer Besserfans vs Schlechterfans?
    Oder haben da welche nichts zu verbergen, bis sie Ihr Handy mal zu Hause vergessen und sich dadurch auffällig konspirativ verhalten. Könnt ja ein begründeter Anfangsverdacht sein ;-)

    Nicht das ich die Diskussion nochmal von Vorne aufrollen wollte, allein, ich bin kein bisschen schlauer geworden und versteh so manches noch immer nicht.

  112. momorulez März 31, 2010 um 4:26 nachmittags

    @Loellie:

    Beim “Übersteiger” wird das ungefähr so gesehen, wie Du es beschreibst:

    http://blog.uebersteiger.de/2010/03/31/die-sudblockade-three-days-after/

    Und das mit den “Schmuddelkindern” spielt da definitiv mit rein. Da werden ja nun auch noch die Fragen um den Dauerkartenverkauf Süd z.B. mit rein gemengt, der im Zuge der “selbst verwalteten Fankurve” von den Ultras organsiert wurde und derbe in die Hose ging. Da spielt auch mit rein, dass viele die Art des Supports, also eines dauerhaften, konstanten Singens von Liedern mit Megaphon-Vorsänger und so empfundenes “elitäres Verhalten” (bitte keiner möge jetzt schreiben, die SIND elitär) nicht mögen. Wieder andere finden es schlicht richtig, die Rostocker auszusperren, worüber ich mich ja im Ausgangseintrag aufregen musste.

    Und das geht da jetzt alles querbeet. Lustig, dass Du auch prompt mit den Ultras als Schmudellkinder, die sich der selbstgerechten Mitte gegenüber stehen sehen, die dann definieren will, wie DIE DA sind, identifizierst. Und den Homophobie-Bezug herstellst, das mache ich instinktiv auch schon die ganze Zeit, womit ich jetzt nicht sagen will, dass das richtig ist, aber eben äußerst verständlich ;-)

    Wenn man die Frage auf das “Darf man Solidarität erzwingen” zuspitzt, würde ich aber trotzdem dezidiert “Nein” sagen. Und in der Hinsicht finde ich die Stellungnahme schwacch. Gab ja viele, die mit boykottieren wollten, dann aber doch nicht mehr, als sie sahen, dass sie das gar nicht mehr entscheiden konnten.

    Das Problem freilich ist, dass durch die Zuspitzung der Frage dergestalt der Hintergrund der Protestaktion völlig verschwindet. Deshalb sehe ich das auch so:

    “So hinterm Berg, dass am Fussball, bzw der gerne damit einhergehenden Gewalt, Präzendenzfälle konstruiert werden, mit denen dann bevorzugt linke Demonstranten gegängelt werden, … das könnte sich ja auch mal rumgesprochen haben.”

    Und was die “Blockierer” vermutlich gerade ernsthaft und tiefgreifend erschüttern wird, ist, wie scheißegal das so vielen zu sein scheint. Und das wiederum verstehe ich auch.

  113. jekylla März 31, 2010 um 4:43 nachmittags

    Ich könnte ja erklären, warum ich mich nicht an dieser Protestaktion beteiligen wollte.
    Soll ich? Weiß aber nicht, ob ich mich so kurzfassen kann, wie das einem Blogkommentar geziemt.

  114. momorulez März 31, 2010 um 4:59 nachmittags

    @Jekylla:

    Ich weiß das doch und finde Ihre Argumentation zwar nicht richtig, aber das ist ja eine Begründung. Und da habe ich auch wenig Probleme, zu akzeptieren, dass die auch ihre Berechtigung hat, in genau dem gleichen Maße wie meine auch.

    Für Loellie noch mal hier:

    http://santapauli.wordpress.com/2010/03/26/fanrechte-protest-gute-absicht-und-falsche-wirkung/

    Ich meinte Sie deshalb auch gar nicht.

    Was das Verhältnis zu den Ultras betrifft, hatte ich ja bei CuriOus in Auseinandersetzung mit Piet geschrieben, wie ich das sehe – dass da spiegelbildlich zwischen zwei Gruppen auch eine ganz schöne Stereotypenbildung geschieht, die Sven Brux eigentlich ganz schön aufgelöst hatte.

    Na, und woher dieser “Instinkt” kommt, das mit dem Homophobie-Thema zu verknüpfen, womit ich nicht sagen will, dass es faktisch das gleiche ist, also tatsächlich verknüpft, da muss ich langsam mal einen Eintrag zu machen

    Ich meine die Fraktion als enorm frustrierende, die die Rostocker eh Scheiße findet, deshalb können die ruhig weg bleiben, und ansonsten will ich an meinen Platz, ich habe schließlich dafür bezahlt, und Fragen wie jene nach Polizeistaat und Bürgerrechten gehen mir eh am Arsch vorbei, ich will Fussball gucken.

    Das ist nicht unbedingt die im Netz präsenteste, aber selbst da tauchten ja Sprüche auf wie “Ich finde ab jetzt englische Verhältnisse richtig!”

    Und in diese Richtung gedacht ist das auch äußerst frustrierend, weil man langsam das Gefühl bekommt, ich übertreibe, der Kern des Selbstverständnisses des FC St. Pauli besteht darin, entweder

    a.) Ultras zu hassen oder aber
    b.) Menschen zu etwas zu zwingen, was die nicht wollen – nämlich zu einer Solidarsierung mit der Forderung nach Fanrechten, abgeleitet von Bürgerrechten.

    Und das kann es ja nicht sein. Was für eine bescheuerte Alternative.

  115. momorulez März 31, 2010 um 5:12 nachmittags

    Apropos, der Satz war mir irgendwie entgangen, obwohl er in der Überschrift stand:


    “Ultras sind ein wenig wie männliche Cheerleader.”

    Da steckt dann schon was drin …

  116. Loellie März 31, 2010 um 6:32 nachmittags

    Den Uebersteiger les ich später, aber ich bin die ganze Zeit davon ausgegangen, dass wir über Zwang im Zusammenhang mit Solidarität überhaupt nicht diskutieren müssen. Oder das “Fanrechte” ein selten dämlicher Begriff ist. Was soll das denn sein?

    Dem Sprecherrat wär auch bestimmt kein Zacken aus der Krone gebrochen, wenn da ein formelles “Wir bitten um Entschuldigung” stehen würde … obschon ich das durchaus nachvollziehen kann, dass das da nicht steht.

    Mir geht das auch garnicht darum mich mit wem auch immer zu solidarisieren, oder wer welches gesinge bevorzugt. Mir macht das seit ich Kleinkind bin Angst und wenn du noch einen Radio/TV-Kommentator draufpackst, ist das für mich der reine Reichsparteitag und die stehn vor der Tür, um mich zur Lobotomie abzuholen. Da kann ich rationalisieren wie ich will, ich krieg das nicht aus meinem Körper. Wahrscheinlich ist das ein von meiner Mutter, die den Krieg als Kind erlebt hat, geerbtes Post-Traumatisches … keine Ahnung.
    Ich hab im Leben keinen Fuss in ein Stadion gesetzt oder mir ein Spiel angesehen. Tennis zu Björn Borgs Zeiten ging, da wurde zwischen den Aufschlägen artig Applaudiert, aber da hat BummbummBoris ja auch Schluss gemacht mit :-)

    Nur, StPauli kenn ich als Anarcholaden und da passt diese Blockade als Aktion hin, nicht aber die Reaktion darauf.
    Die haben sich offensichtlich hofnungslos verschätzt was das Solidaritätspotential angeht und eine ganze Reihe weiterer Punkte … natürlich hätte das “Wellenbrecher” gebraucht, weit räumlich vor der Blockade zB.

    Und die Identifakation kommt von der Sprache der Blockierten. Dat kenn ich halt einfach zu gut. Von wegen struktureller Rassismus ;-)
    Aber, wenn ich das jetzt richtig interpretiere und du zwischen Solidarisierung und Identifikation differenzierst, dann freut mich das, weils ja was völlig anderes ist.

    Und der Homophobie-Bezug hat ja durchaus eine nicht ganz einfache und mich bis heute immer wieder verblüffende Verknüpfung, was natürlich auch biografisch sich bedingt, dass ich bei uns im Kaff permanent auch physischen Stress, heftigst “schwule Sau verpiss dich”, mit “den” Linken hatte, der ortsansässige rechte Schlägertrupp mich aber immer als Maskottchen adoptieren wollte. Und so wie ich mich mit meinem rotzfrechen Maul und meinen noch frecheren Fingern aufgeführt habe, reicht Binnensolidarität, weil ich ein paar von den Nasen kannte nun auch nicht. Das kann nicht anders gewesen sein, als das die auf einer nichtrationalen Ebene, die ihnen von der Gesellschaft zugedachten Exklusionsmechanismen, die natürlich dazu geführt haben, das die wurden was sie waren, in mir erkannt haben.

    Und was mich seit zehn Jahren nicht mehr loslässt war eine Episode auf meinem letzten Besuch da unten … ich geh in der Fussgängerzone um die Ecke, als mich das Alphamännchen anstrahlt “was machst du denn hier” … ich musste ja auf den Zug, weshalb es nur für eine schnelle Tasse Kaffee mit Zigarette gereicht hat und während wir uns im Telegrammstil erzählen was die letzten 12 oder was Jahre passiert war, beugt der sich rüber, blickt mir tief in die Augen während er seine Hand auf meinen Oberschenkel legt und sagt “Ich hatte immer so gehofft, das Du mir hilfst…”

    Life is such a bitch

  117. momorulez März 31, 2010 um 8:07 nachmittags

    Oha. Das kann ich ja eigentlich einfach nur so stehen lassen, die Geschichte.

    Vielleicht so weit: Ich war – und bin das in manchen, beruflichen Kontexten, noch, in anderen Zusammenhängen gar nicht – noch viel zu sehr Klemmschwester, als dass mir jemand die “schwule Sau” hinterher gerufen hätte. In der Schule hatte ich auch einfach nix als Angst, mich mit ständigem Gespött auseinandersetzen zu müssen. Sobald Kunden z.B. das aber unausgesprochen schnallen, und ich verstecke ja aktiv nix, ich erwähne da einfach nix, kommen dumme Sprüche und Zurechtweisungen, wohl dosiert.Man wird dirigiert, es ja nicht zu “übertreiben”.

    Trotzdem war das natürlich in geouteten Zusammenhängen auch immer reichlich brüchig, was da konkret nun eigentlich gerade “toleriert” wurde.

    Deshalb lese ich in vielen Statements der “Blockade”-Kritiker die gleiche Zurechtweisung wie jene, die man erfährt, wenn man sich NICHT den Verhaltenserwartungen der heterosexuellen Dominanzkultur entsprechend verhält. Die selbe, selbstgerechte Empörung derer, die lifestyletechnisch immer auf der ganz, ganz sicheren Seite standen, stehen und auch nie gewagt haben, mal woanders zu stehen.

    Und da sind Linke und Linksliberale oft eher krasser, was das Zurechtweisen betrifft; die Konservativen erwarten ja eh nix von einem, z.B. auch kein Dankeschön dafür, dass sie einen freundlicherweise “tolerieren”, und finden einen im besten Fall sogar originell.

    Und wenn man das Selbstbild des ach so “Toleranten” angreift, des Linksspießers, dann geht’s viel aggressiver rund, mit einer Heftigkeit, die wirklich erschreckend ist. Schwarze erleben diesen Punkt auch regelmäßig, wenn so eine stumpfe Gönnerhaftigkeit in Hass umschlägt. Und das ist die gleiche Haltung, die oft “Unterschichten” gegenüber an den Tag gelegt wird. Da bin ich ja bildungsbürgerlich viel zu aufgerüstet, auch aus Gründen reiner Selbstverteidigung, als dass ich das nun selbst erlebt hätte, aber da gehe ich auch hoch, wenn ich es mit bekomme; ich kann das physisch nicht ertragen.

    Mir rutscht seit Tagen meinem (schwarzen) Kompagnon gegenüber immer wieder dieser Satz raus, dass mir offene Nazis manchmal fast lieber seien – rein hypothetisch natürlich, nicht praktisch in körperlich gefährlichen Situationen ;-) – als diese unterschwellige Aggressionsdrohung der “Toleranten”, bildungsbürgerlichen Linksspießer.

    Und die Angeökten waren da immer heftiger als die punkigen, damals, in meiner Jugend, weil die oft auch noch so chronisch verklemmt sind. Rund um die Hafenstraße z.B. gab es einen ganz selbstverständlichen schwulen Lifestyle; wir waren zwar nicht viele, ich war da ganz Peripherie, aber das war tatsächlich unerheblich im positiven Sinne. Später in den House-Welten ja im Grunde genommen auch; aber als diese Silbermonde und Julies aufkamen, als Symptom, da ist so ein neues, “linkes”, aggressives Händchenhalten im heteronormativen Sinne entstanden. So eins mit “Bio”-Etikett. Ganz empört über George W. Bush, aber selbst klinisch rein, nie wenigstens Alkoholiker gewesen oder so was.

    Seitdem diese Diskussion rund um das Rostockspiel entbrannt ist, eigentlich schon davor beim Tocotronic-Konzert, da war das Publikum halt auch so, machen die mich so was von aggressiv in ganz normalen Alltagssituationen, dass mein Umfeld sich schon wundert. Ebenso erstaunlich jedoch, dass einige Heten im Umfeld das exakt genau so gerade wahr nehmen …

    Was eben hierzu über leitet:

    “Nur, StPauli kenn ich als Anarcholaden und da passt diese Blockade als Aktion hin, nicht aber die Reaktion darauf.”

    Ja, das ist meine emotionale Situation gerade, neben allen Argumenten.

    Jetzt habe ich doch ganz viel geschrieben. Dabei war Dein Kommentar gar nicht ergänzungsbedürftig.

  118. jekylla März 31, 2010 um 8:23 nachmittags

    Gar nicht schlecht, der Spruch, in der Tat, so für sich allein da rumstehend. Hat nur einen Schönheitsfehler: die Reaktion kam aus den eigenen Reihen.

    Sie sind und bleiben eben eine Plaudertasche. Dafür hat niemand so viel Verständnis wie ich.

    Beim Thema Schwule kann ich jetzt nicht so mitreden, weil ich so viele schwule Freunde im Freundeskreis und näheren Bekanntenkreis habe, dass ich das gar nicht als Diskussionsthema sehe -für mich persönlich- weil so… normal.

    Habe übrigens für mich beschlossen, die nächsten Stellungnahmen abzuwarten und nur noch ein,al was dazu zu sagen, so für mich abschließend. Das tut mir gesundheitlich, schlaftechnisch, freizeitmäßig und auch beruflich sicher ganz gut.

    War trotzdem sehr interessant mit Ihnen, trotz und wegen der Kontroverse. Guter Style, mit dem Sie das hier “moderieren”.

  119. momorulez März 31, 2010 um 8:41 nachmittags

    Na, dafür bedanke ich mich aber, für das abschließende Kompliment. Und die Diskussion mit Ihnen natürlich auch!

    Und der Exkurs oben war für mich eher so eine Art, Gott, wie soll ich’s sagen, Selbstklärung, warum ich eigentlich wann gerade wie reagiere, weil man das ja manchmal selbst nicht so genau versteht und sich manchmal auch über sich wundert. Manchmal sogar im positiven Sinne. Und fragen Sie mal Ihre Bekannten, vielleicht versteht ja der eine oder andere, was ich damit meine und wieso ich auf solche Analogien komme.

    Ansonsten lecken, glaube ich, gerade alle Beteiligten ihre Wunden – auch jene am Rande oder gegenüber wie ich, aber Eriks Zustand hat mich doch auch enorm “beeindruckt” und mitgenommen – und stehen unter Schock- oder Katerzuständen.

    Weil es ja eben doch um unseren FC St. Pauli geht, der ALLEN Beteiligten so enorm viel bedeutet, sonst würden ja gar nicht so die Fetzen fliegen. Mal so mein Schlusswort zur Kontroverse ;-) – und ich warte auch ab.

  120. ring2 April 1, 2010 um 8:30 vormittags

    Entschuldigung in Sachen Südkurven-Boykott am Millerntor – http://s.ring2.de/61d

    … und ich befürchte, das Erscheinungsdatum und meine Unfähigkeit, meine rest-Wut auszublenden, machen es zu einem merkwürdigen Lesestück ;)

  121. momorulez April 1, 2010 um 8:42 vormittags

    Hatte ich schon gelesen, finde ich prinzipiell auch gut – aber warum nun ausgerechnet bei Buttje Rosenfeld entschuldigen?

    Zudem ich mich nun mittlerweile ganz nietzeanisch frage, was man eigentlich von einer Entschuldigung hat. Genugtuung? Die Einbildung, der Andere hätte “Einsicht gezeigt”? Glaube gar nicht, dass letzteres der Fall sein wird, nach den ersten Verlautbarungen, und dazu kann man ja nun auch nicht zwingen … Problem bei jedem Gerichtsprozess, dass doch der Sünder Reue zeigen möge, und ist da die Ebene, auf der man das abhandeln sollte? Dann spielt da nämlich die Logik der Rache statt Gerechtigkeit mit rein, auch Nietzsche, und will man das?

    Frage ich aber extra hier, um Dir nicht wieder eine Diskussion zu zerschießen. Und mache dazu mal schnell einen neuen Eintrag, fand mein Schlusswort so schön ;-)

  122. ring2 April 1, 2010 um 9:03 vormittags

    Ach der Buttje stand ja da an unserem Aufgang S3 – und wenn ich nun da gestanden hätte, wären wir eben Gesicht an Gesicht gegenüber gestanden. Und als Klammer zu dem Ende ;)

  123. Loellie April 1, 2010 um 10:31 vormittags

    Aber ich bitte doch um Ergänzung oder was auch immer.

    “da ist so ein neues, “linkes”, aggressives Händchenhalten im heteronormativen Sinne entstanden.”
    Da hats mich vor lachen fast weggeschmissen … Händchenhalten als heteronormative Gewalt … Klasse!

    Es fällt mir jetzt ein bisschen schwer, da weiter drauf ein zu gehen, weil ich erheblich ausholen müsste. Heute morgen liesst sich das wie eine kleine Love Story, was ich im Sinne literarischer Feiheit glatt so stehen lassen könnte. In Wirklichkeit weiss ich aber beim besten Willen nicht, wo dieses gegenseitige Gefühl, ich hätte den im Stich gelassen herkommt.
    Ich wollte mich immer in irgendeiner Form engagieren, was aus ganz unterschiedlichen Gründen nie passiert ist, mal weil mich die Engagierten nicht wollten, mal weil ich mit mir selbst ausgelastet war und die ständigen Ortswechsel waren da auch nicht förderlich. Nun fürchte ich, dass ich ausgerechnet bei diesen rechtsextremen Schlägertypen die Chance vertan habe, etwas zu bewegen und das, wenn auch lokal sehr begrenzt, trotzdem nachhaltig und erheblich. Der fade Beigeschmack, dadurch auch noch Verrat an der eigenen Klasse begangen zu haben, macht die Sache nicht besser.

    Am liebsten würd ich jetzt den ganzen Tag so weiter schreiben, Stoff genug liegt ja auf dem Tisch, aber ich schürze mal haushaltlich Pflichten vor und ‘nen Termin hab ich später auch noch.

    Ganz kurz noch was dazu:
    “Ja, das ist meine emotionale Situation gerade, neben allen Argumenten.”
    Was mich an dieser Diskutiererei mit dir hier immer wieder fasziniert sind solche Nebensächlichkeiten, das ich fast auf die Minute genau dachte “das wär doch so langsam der Punkt an dem Momo vorm Präsidium seine Dauerkarte verbrennen müsste” als du das, natürlich weniger polemisch, bei Ring2 tatsächlich geschrieben hast. Also ernste Zweifel geäussert, ob das noch dein Verein ist …

  124. momorulez April 1, 2010 um 11:05 vormittags

    Ich finde, der macht es sich da ein wenig einfach, Dir das Jahre später mit auf den Weg zu geben – hätte er ja mal früher sagen können. Man kann ja nicht “erfühlen”, was in Anderen vor geht, und selbst wenn man das kann, geht das nach hinten los, wenn man sich darauf bezieht, dann landet man in Abwehrschlachten.

    “Ich wollte mich immer in irgendeiner Form engagieren, was aus ganz unterschiedlichen Gründen nie passiert ist, mal weil mich die Engagierten nicht wollten, mal weil ich mit mir selbst ausgelastet war und die ständigen Ortswechsel waren da auch nicht förderlich.”

    Puuuh, irgendwie isses doch aber nie zu spät, oder? Zudem ich diese Blog-Diskussionen nun auch nicht fern des Engagements finde. Und wieso “die Engagierten” Dich gewollt haben könnten, das verstehe ich nicht.

    Zur Frage des Dauerkartenverbrennens: Bisher zumindest war es zumindest aus meiner Perspektive so in all den Jahren, dass Vermittlungsmöglichkeiten da waren und irgendwann auch genutzt werden. Und als ich das Statement von Sven Brux las, der ja Vereinsangestellter ist, las, hatte ich auch das Gefühl, dass das eben doch noch mein Verein ist. Das weist ja den Weg aus dem Dilemma. Und irgendwie funktioniert das dann doch immer dialektisch, dass also Fraktionen aufeinander zu rasseln müssen, um Probleme erkennbar zu machen. Das wird nicht so bleiben, dass die empörten, blockierten so dominant bleiben. Zudem diese so offene und vielfältige Diskussion ja AUCH ein Spezifikum dieses Vereins ist.

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