Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

“Deutschland hat die anderen zu Bettlern gemacht”, nächster Teil

„Man braucht zwei für einen Tango.“ Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren seine Hausaufgaben unglaublich gut erledigt, „die Wettbewerbsfähigkeit erhöht, einen sehr hohen Druck auf seine Arbeitskosten ausgeübt“. „Wenn man sich die Lohnstückkosten anschaut, dann waren die Deutschen in dieser Hinsicht ungeheuer gut. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das ein nachhaltiges Modell ist – langfristig und für die gesamte Gruppe. Wir brauchen offensichtlich eine bessere Angleichung.“

Was an dem Erledigen der Hausaufgaben nun gut sein soll, und vor allem für wen, das möge Frau Lagarde doch bitte auch erklären – wo das Geld hin geht, kann man ja unter anderem hier nachlesen. Und dass Die Welt sich das wieder nicht anders als als “Neid” erklären kann, was Frau Lagarde da typisch französisch höflich-drohend sagt, spricht auch wieder Bände – glaube nicht, dass Franzosen darauf neidisch sind, für Dumping-Löhne Obst zu schnippeln oder sich von Herrn Westerwelle mit Schneeschippen bedrohen zu lassen. Ist ja nicht so, dass man hierzulande von dieser Exportstärke was hätte, außer für immer weniger Geld sich immer mehr ausbeuten zu lassen. Statt neo-nationalistischem Säbelrasseln mittels “Lohnstückkosten” und “1954 – 74 – 2010: WIR sind Exportweltmeister!”, an der Elbchausee lacht grad wer, während er seine ukrainische Nutte fickt, vielleicht mal wieder Solidarität, wie wär’s?

PS: Das Institut für deutschnationale Wirtschaft, sorry, das Institut der deutschen Wirtschaft in Gestalt des – so der Focus – “Spitzenökonomen” Michael Hüether, hält dagegen. Hier Selbstauskünfte bezüglich der Gremien dieses Instituts.

PSS: Noch ein Nachschlag – herrlich oder nicht, wohl eher herrenmenschlich, wie die “Islamkritik” in solche Neo-Nationalismen sich einschleicht und deutsche Michels nationalökonomische Rechenkünste als personale Eigenschaft und personales Leid gar rezipieren im Kommentarbereich von Die Welt:

“Deutscher Michel sagt:
Langsam wird die EU zur Belastung. Wenn das inzwischen weitgehend arabisierte Frankreich aufgrund von Merkmalen wie Arbeitsmentalität, Fleiß, Produktivität nicht mithalten kann, warum sollen wir darunter leiden. Die wahren Konkurennten sitzen doch in Fernost.”

Dass eine eigentlich in der Dimension moralischer Gefühle situierte Empfindung wie “Empörung”, die man z.B. empfindet, wenn ein Kind missbraucht wird, es in die Überschrift von Artikeln im Wirtschaftsteil schafft, das ist allerdings ein treffender Kommentar zur “Lage der Nation”. Schon ist man nicht mehr empört, wenn jemand verhungern musste, sondern über die Unfähigkeit dieses Idioten, für sein Essen selbst zu sorgen. Wurde alles schon mal ganz gut in den “Studien zum autoritären Charakter” analysiert. Die Abstumpfung wird wieder total.

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4 Antworten zu ““Deutschland hat die anderen zu Bettlern gemacht”, nächster Teil

  1. genova68 März 16, 2010 um 8:32 vormittags

    Ah, selbes Thema, aber warum die Welt lesen, wenn es Marc Beise von der Süddeutschen gibt?

    http://exportabel.wordpress.com/2010/03/16/sz-redakteur-marc-beise-fordert-okonomischen-bordsteinkick/

  2. momorulez März 16, 2010 um 9:28 vormittags

    Weil die Sueddeutsche ein doofes Linkspießerblatt ist :-D – null Punkrock, total piefig.

    Und man seine Feinde ja kennen muss. Deshalb finde ich tatsächlich Die Welt und die FAZ oft am informativsten.

    So, jetzt aber Deinen Text lesen …

  3. momorulez März 16, 2010 um 9:39 vormittags

    So, da habe ich wieder zu früh kommentiert, jetzt weiß ich auch, was Du meintest ;-) – Zustimmung zu allem drüben. Und man darf ja nicht vergessen, dass auch die Süddeutsche in einem Verlag erscheint, der schwer in die Schieflage geraten ist – hatte eine zeitlang viel mit dem Hamburger DJV-Geschäfstführer zu tun, und was da gerade abgeht in den Verlagen, das ist ja auch schlimm. Und Herr Beise ist jetzt wahrscheinlich das Geschoss der Verlagsleitung, Lohndumping im eigenen Betrieb zu begründen. Was insbesondere freie Print-Journalisten so erleben, das ist ja auch eine Prekarisierung – nur dass das in diesem Fall ganz klassisch mit Produktivkraftentwicklung zu tun hat. Und das kompensiert man jetzt durch Nationalismus übelster Herkunft.

  4. genova68 März 16, 2010 um 10:14 vormittags

    Jo, seine Feinde findet man auch bei der Süddeutschen :-)

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